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Deutsch
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2026-05-06
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Food is a love language

Summary:

Thiel ist gestresst. Boerne will ihm helfen. aber wie, wenn Thiel sich nicht helfen lassen will?

Work Text:

Thiel sah müde aus, er war oft müde, das sollte Boerne also nicht weiter tangieren, aber irgendwas war anders. Schon seit ein paar Tagen schien er etwas mit sich rumzuschleppen. Sie hatten nicht mal einen Fall. Er wusste auch, dass Thiel nicht übermäßig lange arbeitete, aber er war trotzdem erst spät zu Hause. Boerne fragte sich schon, wo er sich rumtrieb. Dass er eine Freundin hatte, bei der er bis spät Abends war schien unrealistisch, erstens müsste man dazu was machen, um jemanden kennen zu lernen und zweitens sollte seine Laune dann auch viel besser sein.

Ein paar Tage sah er sich das an, Thiel war leicht reizbar, also leichter als sonst schon und immer noch müde. und dann bekam Thiel einen Anruf. Boerne versuchte schlau daraus zu werden, was Thiel sagte, aber er sagte nicht viel. Als er auflegte sah er zu Boerne.

"Können Sie mich zum Krankenhaus fahren?" fragte Thiel. Er sah gehetzt aus. Da konnte Boerne nur zustimmen.

"Sagen Sie mir auch, was los ist?" fragte Boerne schließlich.

"Mein Vater", sagte Thiel. Viele Informationen bekam man schon wieder nicht aus ihm heraus.

"Waren Sie darum die letzten Tage immer so spät zu Hause?" fragte Boerne.

"Was geht Sie's an, wann ich zu Hause bin?" Thiel war jetzt deutlich lauter geworden. Boerne warf einen Blick zu ihm und sein Gesicht war auch deutlich roter als vorher.

"Ich fahre Sie immerhin gerade zum Krankenhaus, müsste ich auch nicht machen. Ich hab da auch noch ein Forschungsprojekt, das meine Aufmerksamkeit erfordert. Er hörte wie Thiel Luft holte, wohl bereit, noch etwas zu sagen, aber dann atmete er doch wieder aus und fiel in seinen Sitz zurück. Das erklärte wohl, warum Thiel so erschöpft war.

Boerne hielt im Halteverbot vorm Eingang des Krankenhauses. Thiel schnallte sich ab und bevor er aussteigen konnte legte Boerne ihm eine Hand auf den Unterarm.

"Achten Sie aber auch auf sich", sagte er. Thiel runzelte die Stirn, schüttelte den Arm ab und stieg aus. Boerne seufzte. Natürlich wollte Thiel sich nicht helfen lassen. Boerne wusste nicht, was mit Thiels Vater war, aber so besorgt, wie Thiel war schien es etwas ernstes zu sein. Boerne sah noch kurz zu, wie Thiel durch den Haupteingang eilte, dann startete er das Auto wieder und fuhr zurück in die Rechtsmedizin.

Er sah Thiel nicht mehr an dem Tag und er kam am Abend wieder erst sehr spät nach Hause. Boerne widerstand dem Drang raus zu gehen und nach ihm zu sehen. Er wusste aber leider auch, dass Thiel nicht von sich aus zu ihm kommen würde, wenn etwas war. Aber erstmal ließ er ihn in Ruhe.

 

 


 

Am nächsten Morgen hatte sich das dann auch mit der Ruhe bei der Arbeit. Sie hatten eine furchtbar entstellte Kinderleiche gefunden. Vielleicht gerade mal 10 Jahre alt, schätzte Boerne. Selbst er musste schlucken, als er das sah und Thiel hatte ganz offensichtlich noch mehr Probleme damit. Er konnte kaum hinsehen.

"Und?" fragte Thiel als Boerne sich aufrichtete und die Handschuhe auszog. Seine Stimme klang ein bisschen zitterig.

"Ich kann noch nicht viel sagen, ich schätze den Todeszeitpunkt zwischen 20 und 3 Uhr."

"Was ist das denn für 'ne Angabe?" rief Thiel jetzt aufgebracht. Normalerweise kam Boerne ganz gut damit klar, wenn Thiel wieder laut wurde, aber jetzt zuckte er zusammen. "Ein bisschen genauer werden Sie es ja wohl hinbekommen!"

"Unter den aktuellen Bedingungen kann ich das nicht besser eingrenzen", sagte Boerne. Ich kann Ihnen später sicher mehr sagen.

"Ist der Fundort der Tatort?" Thiel klang, als ob er Boerne persönlich die Schuld daran gab, dass das Kind hier lag. Boerne sah sich um, das Wasser vom Aasee schwappte um ihre Füße und hatte die meisten Spuren sicher weggespült.

"Schauen Sie sich doch mal um, das ist unmöglich zu sagen", antwortete Boerne.

"Toller Rechtsmediziner", murmelte Thiel gereizt. Boerne seufzte. Nadeshda sah ihren Chef auch etwas schockiert an. Boerne wusste ja, dass Thiel das nahe ging und dass noch was mit seinem Vater war, aber dass er das hier so rauslassen musste.

"Die Leiche kann ins Institut", sagt er. "Soll ich Sie mitnehmen?" damit wandte er sich an Thiel. Thiel funkelte ihn an. Gut, dann eben nicht, Boerne kehrte also alleine zum Auto zurück.

 


 

Thiel kam nicht, um sich die Obduktionsergebnisse anzugucken. Boerne konnte es ihm nicht verdenken. Alberich hatte auch einen Moment gebraucht, als sie die Leiche des Jungen gesehen hatte. Boerne bekam nur eine sehr knappe E-Mail, mit der Aufforderung, ihm die Ergebnisse zuzuschicken. Thiels E-Mails waren ja sonst auch schon sehr kurz angebunden, an Anreden und Grußformeln glaubte er nicht oder vielleicht war das auch nur so, wenn er Boerne schrieb, aber das war setzte dem Ganzen die Krone auf. Boerne schickte ihm den Obduktionsbericht. Er hätte Thiel gerne noch ein paar Worte dazu gesagt, dass das auch höflicher ging, aber er hielt sich davon ab.

Thiel kehrte wieder erst spät nach Hause zurück. Boerne hörte die Haustür und dann Thiels Wohnungstür ins Schloss fallen. Er stand auf und ging in die Küche. Thiel wirkte verdammt geschafft, Boerne würde gleich mal mit etwas zu Essen nach ihm sehen. Er tat eine Portion seiner Spaghetti Carbonara, natürlich nach original italienischem Rezept, auf einen Teller, dekorierte es noch mit einem Stängel Petersilie und verließ dann mit dem Teller in der Hand seine Wohnung.

Thiel machte nicht direkt auf, erst nach dem dritten Klingeln öffnete sich die Tür und ein genervter Thiel sah ihn an. Er hatte sich schon seiner Hose entledigt und trug ein St. Pauli T-Shirt.

"Was wollen Sie, Boerne?" fragte er genervt.

"Ich wollte einmal nachsehen, wie es Ihnen geht", sagte er.

"Kann Ihnen doch scheißegal sein, wie's mir geht", antwortete Thiel. War es ihm aber nicht.

"Dann nehme ich an, wollen Sie auch keine Gesellschaft?" fragte Boerne.

"Nein!" donnerte Thiel und wollte ihm schon die Tür vor der Nase zuschlagen, aber Boerne stellte seinen Schuh in den Weg.

"Was?" fragte Thiel noch.

"Nehmen Sie wenigstens das Essen", bat er ihn. Boerne hatte den Verdacht, dass Thiel wenig bis gar nichts gegessen hatte und er wusste aus Erfahrung, dass ihn das immer noch viel aggressiver machte.

Thiel beäugte den Teller für einen Moment.

"Und warum?"

"Weil Sie ganz offensichtlich gestresst sind und es sicherlich nicht geschafft haben sich was zu kochen. Jetzt nehmen Sie schon." Boerne schob ihm den Teller entgegen. Thiel nahm ihn und sah Boerne dann mit einem nicht deutbaren Gesichtsausdruck an. "Sie wollen alleine sein, ich geh ja schon, aber Sie wissen ja, wo Sie mich finden", sagte er und trat zurück. Thiel stand immer noch mit dem Teller in der Hand in der offenen Tür, als Boerne sich nochmal umdrehte, bevor er seine Wohnung betrat. Kurz danach hörte er aber die Tür gegenüber zu gehen.

Dass der Mann sich auch nicht helfen lassen wollte.

 


 

Boerne wollte Thiel am nächsten Morgen eigentlich anbieten, dass er ihn mitnahm, aber sein Fahrrad war schon weg, also war er wohl schon früh ins Präsidium gefahren, dabei brauchte er doch wirklich mal ein bisschen Schlaf.

Boerne fuhr also alleine ins Institut. Nach der Mittagspause machte er noch einen Abstecher ins Präsidium. Er hörte Thiels Stimme schon, als er aus dem Fahrstuhl stieg, er konnte sich nicht ganz zusammen reimen, um was es ging, aber Thiel war offensichtlich wütend. Boerne bog um die Ecke und sah, wie Meier II vor Thiel immer kleiner wurde, was beeindruckend war, denn der Mann war mindestens 1,5 Köpfe größer als Thiel. Aber von sowas hatte Thiel sich ja noch nie beeindrucken lassen. Und ein wütender Thiel war schon ziemlich einschüchternd.

Meier II zog ordentlich zusammengestutzt ab. Boerne sprach lieber Nadeshda an, die an ihrem Tisch saß.

"Hallo Frau Krusenstern, ich wollte mich nach dem Stand der Ermittlung erkundigen", sagte er, bevor Nadeshda antworten konnte, war Thiel herum gewirbelt.

"Das geht Sie verdammt nochmal nichts an, Boerne und das wissen Sie. Sie sind Rechtsmediziner. Wenn Sie ermitteln wollen, gehen Sie zur Polizeischule!" Zum Glück war Boerne Thiels Ausbrüche gewohnt und nicht so leicht zu beeindrucken wie Meier II.

"Chef, sonst ist es doch auch kein Problem, wenn der Professor…" begann Nadeshda.

"Mischen Sie sich da nicht auch noch ein, Nadeshda", fuhr er sie jetzt an.

"Jetzt ist aber mal gut, Chef", fuhr sie ihm dazwischen, "den ganzen Tag muss ich mir hier anhören, wie Sie alle möglichen Leute zusammen falten und mich selber anschreien lassen. Der Fall geht uns allen nah!"

Thiel fiel ein bisschen in sich zusammen und schmiss sich in seinen Stuhl.

"Tut mir leid, Nadeshda", nuschelte er.

"Was ist mit mir?" wollte Boerne wissen. Thiel funkelte ihn an.

"Sie haben sicher in ihrem Leichenbunker noch was zu tun."

"Also kein Stand der Ermittlungen?" fragte er nochmal.

"RAUS BOERNE!"

Boerne entschied sich für einen taktischen Rückzug und verließ das Büro lieber wieder.

 

Um 21 Uhr war Thiel immer noch nicht zu Hause. Ein Teller für ihn stand bereit auf dem Küchentresen. Schnitzel mit Pommes hatte Boerne gemacht. Nicht für sich, aber er wusste, dass Thiel das mochte. Boerne beschloss ihm zu schreiben.

'Wenn ich Sie irgendwo abholen soll, melden Sie sich.'

Thiel meldete sich nicht.

Um 22:36 klappte die Haustür und Boerne eilte in die Küche. Er erwischte Thiel, bevor er die Tür geöffnet hatte. Thiel drehte sich zu ihm um.

"Was wollen Sie?"

Das Gift, das förmlich aus seinem Mund triefte ließ Boerne einen halben Schritt zurück machen.

"Ich habe Ihnen was zu Essen gemacht", sagte er.

"Seh ich aus, wie jemand, der sich nicht selber um sein Abendessen kümmern kann?" fragte Thiel wütend.

"Im Augenblick, ja. Und ich weiß ja nicht, was Ihr Vater hat, aber wenn er einen Termin bei einem Spezialisten braucht, lassen Sie es mich wissen, ich kann sicher helfen, einen zeitnahen Termin bei einem Kollegen zu vereinbaren."

"Das geht Sie auch nichts an!"

Boerne seufzte. Er streckte Thiel den Teller entgegen. "Ich hab für Sie gekocht, nehmen Sie es doch einfach."

Thiel verdrehte die Augen, nahm den Teller aber dennoch entgegen. Für einen kurzen Moment schien Thiels Blick weicher zu werden.

"Gute Nacht, Herr Thiel", sagte Boerne. Er schloss die Tür hinter sich und lehnte sich dagegen. Er machte sich verdammt Sorgen um Thiel. Hoffentlich aß er zumindest was Boerne ihm brachte.

 


 

Am nächsten Tag war Thiel auch schon wieder weg, als Boerne morgens aufstand. Boerne fragte sich, wie lange er abends noch im Büro gesessen hatte. Er bekam mit, dass das wieder so ein Fall war in den Thiel sich unglaublich rein kniete, weil es ihm verdammt nah ging.

Boerne ging es auch nah. Er hätte sich gewünscht, am Abend mit einem Glas Wein mit Thiel zusammen zu sitzen, nochmal durch die Akten gehen und darüber sprechen, aber Boerne wusste nichts vom Ermittlungsstand, es machte ihn irgendwie nervös. Und er wünschte sich einfach, nicht alleine zu sein und immer wieder an den Jungen denken zu müssen, der im Institut in einem der Kühlfächer lag.

Boerne war heute länger im Institut geblieben, ein Experiment hatte seine Aufmerksamkeit bedurft und er hatte sich die Zeit natürlich genommen. Als er am Präsidium vorbei fuhr, sah er, dass in Thiels Büro noch Licht brannte. Er beschloss, nach ihm zu sehen. Er fand Thiel alleine, über seinen Schreibtisch gebeugt vor.

"Thiel?" fragte er vorsichtig.

"Was wollen Sie? Ich hab schon gesagt, dass ich Ihnen zu dem Stand der Ermittlungen nichts sagen kann", blaffte Thiel.

"Ich wollte nach Ihnen sehen. Es ist schon spät, das bringt doch jetzt auch nichts. Soll ich Sie nach Hause fahren?" Thiel sackte zusammen.

"Zum Haus von meinem Vater?" fragte er.

Boerne nickte. "Auch dahin, wenn Sie das möchten." Thiel stand auf und zog seine Jacke an, als er an Boerne vorbei ging, legte Boerne ihm eine Hand auf den Rücken. Ihm wäre es ja lieber gewesen, wenn er direkt nach Hause gefahren wäre. Aber so fuhr er ihn zu seinem Vater.

"Ihr Herr Vater ist also wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden?" fragte Boerne. Er stellte fest, dass er erleichtert war.

"Selbst entlassen hat er sich", brummte Thiel. Natürlich hatte er das.

Boerne hielt vor dem Gartentor und ließ Thiel aussteigen. "Melden Sie sich, wenn ich Sie abholen soll", sagte Boerne. Er war sicher, dass Thiel auch diesmal sein Angebot nicht annehmen würde. Er wollte es trotzdem anbieten.

 

Diesmal wartete er nicht, bis Thiel nach Hause kam, er kochte, aß, machte einen Teller für Thiel fertig und ließ sich einfach selbst in Thiels Wohnung. Dort stellte er den Teller auf den Tisch. Er sah sich in der Küche um, sie sah chaotisch aus. Seine beiden Teller waren leer, aber nicht abgewaschen. Er nahm sie und reinigte sie, da er sowieso schon dabei war wusch er noch einiges von dem anderen dreckigen Geschirr ab. Dann nahm er noch de überquellende Mülltüte und verließ damit und seinen Tellern die Wohnung. Er brachte den Müll nach draußen und ging schließlich in seine Wohnung. Er hörte Thiel nicht nach Hause kommen.

 


 

Und so ging es weiter, Thiel war leicht reizbar, er bekam über die Staatsanwaltschaft mit, dass der Fall verdammt verzwickt war und sie nicht weiter kamen. Er wollte Thiel gerne helfen, aber der ließ ihn einfach nicht. Stattdessen brachte Boerne ihm jeden Tag Essen, stellte es inzwischen einfach nur in seine Küche und nahm den Teller vom Vortag mit. Er schaffte ein bisschen Ordnung, während er da war und verließ die Wohnung wieder. Wenn das der einzige Weg war, wie er Thiel helfen durfte, dann tat er das eben.

 

Und dann rief Thiel ihn plötzlich an. Er klang komplett fertig. Boerne glaubte, dass er weinte.

"Können Sie herkommen?" fragte er und klang jetzt ziemlich kleinlaut.

"Wo sind Sie?" wollte Boerne wissen.

"Clemenshospital."

Scheiße, dachte sich Boerne. Dann ging es seinem Vater doch wieder schlechter. Er fand Thiel im Eingangsbereich des Krankenhauses, er saß zusammengesunken auf einer Bank. Boerne setzte sich neben ihn und legte ihm vorsichtig eine Hand auf die Schulter.

"Er macht mich so fertig", brach es aus Thiel heraus und jetzt fingen die Tränen wieder an zu laufen. Boerne legte seinen Arm um Thiel und zog ihn an sich.

"Was ist passiert?" fragte Boerne und erwartete halb, dass Thiel ihn wieder anschreien würde.

"Er hatte einen Herzinfarkt, vor zwei Wochen und er sollte eigentlich im Krankenhaus bleiben, aber er hat sich selbst entlassen und dann ist er wieder zusammen gebrochen und wieder hier gelandet und heute ist er gefallen und hat sich den Kopf aufgeschlagen. Er kann nichts alleine machen, ich kann nicht mehr."

Uff, damit hatte Boerne nicht gerechnet, vor allem nicht mit dem Geständnis am Ende. Er schlang beide Arme um Thiel und wiegte sie beide etwas hin und her. Thiel ließ es zu, lehnte sich sogar gegen ihn.

"Sie müssen das nicht alleine machen", sagte Boerne.

"Ach nee?" fragte Thiel. Es hatte nicht so viel Kraft durch die Tränen.

"Ich kann Ihnen helfen."

"Und was wollen Sie machen?"

"Ich kann mal nach Ihrem Vater sehen und Sie können sich einen Moment für sich nehmen."

Thiel schüttelte den Kopf.

"Oder ich komme mit."

"Nee", sagte Thiel.

Na gut, dann nicht. Würde er sich darauf beschränken, ihm weiter Essen zu bringen.

"Kommen Sie, ich fahr Sie heim", sagte Boerne. Thiel ließ sich von Boerne zum Auto ziehen.

 

Bevor er zu Hause seine Tür aufschloss drehte Thiel sich noch Mal zu Boerne.

"Danke", murmelte er. Boerne nickte. Er war froh, dass Thiel ihn angerufen hatte.

"Essen steht in der Küche", sagte Boerne noch. Thiel sah aus, als wollte er was sagen, aber er ging nur in seine Wohnung.

 


 

Der Fall war endlich gelöst. So richtig zufrieden stellend war es nicht. Der Mörder war verhaftet und würde niemanden mehr Schaden können. Aber der Junge hatte davon auch nichts und den Eltern würde das auch kaum helfen. Thiels Vater wurde zwei Tage später aus dem Krankenhaus entlassen. Und Thiel stand zum ersten Mal seit Wochen wieder vor Boernes Tür. Boerne ging wortlos zur Seite, um ihn in die Wohnung zu lassen. Thiel ging genauso wortlos an ihm vorbei und setzte sich auf Boernes Sofa. Einen Moment saßen sie stumm nebeneinander.

"Tut mir leid", sagte Thiel.

"Ich weiß", antwortete Boerne.

"Sind Sie sauer?"

Boerne schüttelte den Kopf. "Würde jemand der sauer ist Ihnen jeden Tag Essen bringen und Ihre Wohnung putzen?" wollte er wissen.

"Ich schätze nicht", sagte Thiel. "Aber warum haben Sie das gemacht?"

"Sie haben ja niemanden an sich ran gelassen. Das war die einzige Möglichkeit, Ihnen zu helfen."

"Aber Sie hätten mir nicht helfen müssen."

"Ich wollte aber."

"Aber warum?"

Thiel sah ihn jetzt an, schien in seinem Gesicht etwas zu suchen.

"Ach Thiel", sagte Boerne und legte seine Hand in Thiels Nacken, strich mit dem Daumen durch die Haare. Er wusste nicht, wie er das sagen sollte. Ob Thiel das überhaupt hören wollte. Sie sahen sich an und Thiel rutschte etwas näher. Er griff nach Boernes, bekam seinen Arm zu greifen. Ihre Stirnen trafen aufeinander.

"Liebe", flüsterte Boerne.

Thiel schluckte. "Oh", flüsterte er zurück. Thiels Hände rutschten zu Boernes Wangen. "Und ich hab dich nur angeschrien. Und trotzdem hast du das gemacht."

Thiel hatte ihn geduzt und er hatte zwar nichts dergleichen gesagt, aber es deutete alles darauf hin, dass er Boernes Gefühle erwiderte. Boernes Herz schlug schneller.

"Ich konnte nicht mit ansehen, wie schlecht es dir ging", sagte er.

Thiel bewegte sich jetzt und küsste Boerne und Boerne seufzte auf, schlang seine Arme um ihn und zog ihn näher.

"Lass mich dir in Zukunft helfen, wenn du Hilfe brauchst", bar Boerne ihn und strich ihm über die Wange. Thiel nickte und umarmte Boerne, drückte sein Gesicht in Boernes Schulter.