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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-05-10
Words:
912
Chapters:
1/1
Kudos:
7
Hits:
34

Abschied

Summary:

Ein alternatives Ende zu Folge 1056

Notes:

Ich bin gerade dabei, all meine angefangenen Oneshots fertigzustellen. Das hier ist einer davon, den hab ich schon im Dezember begonnen.

Ich vermiss die beiden so sehr :(

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Unsicher sah er zu dem leer stehenden Bett. Es sah trostlos aus, traurig. Von draußen waren Stimmen zu hören, alle verabschiedeten sich. Er saß noch immer im Zimmer, auf seinem eigenen Bett, gefangen in seiner Angst. Wenn er jetzt raus gehen würde, vielleicht würde er Colin noch erwischen. Vielleicht könnte er wenigstens die Wahrheit sagen, bevor Colin weg war. Vielleicht könnte er sich wenigstens richtig verabschieden.

Erst, als er die Tür hinter sich schloss, merkte er, dass er aufgestanden war. Seine Schritte waren langsam, vorsichtig. Sein Herz raste, die Angst drohte, jeden Moment wieder auszubrechen. Dann würde er weg rennen, weg von Colin, weg vom Internat, weg von allen.

Trotzdem ging er weiter. Der Ausgang kam näher, vor der Tür blieb er kurz stehen, um tief durchzuatmen. Dann drückte er die Klinke hinunter und trat in den Regen. Die anderen Einsteiner*innen waren nicht mehr hier, von Colin keine Spur. Er war zu spät.

Noahs Beine handelten schneller, als er denken konnte und ehe er sich versah, war er los gerannt. Der Regen prasselte auf ihn nieder, doch gerade konnte er sich darüber keine Gedanken machen. Er musste Colin aufhalten. Das war alles, was gerade zählte. Er musste Colin alles erzählen, was er nie ausgesprochen hatte. Oder wenigstens einen Teil. Wenigstens ein Es tut mir leid. Das hatte Colin verdient.

Die Straßen Erfurts zogen sich eine Ewigkeit und Noah hatte irgendwann seine Hoffnung aufgegeben, Colin überhaupt noch abfangen zu können. Trotzdem rannte er weiter, durch Gassen, über Straßen, bis er vorm Hauptbahnhof endlich zum Stehen kam. Verzweifelt sah er auf sein Handy, in acht Minuten fuhr der Zug. Wenn er Glück hatte, würde er Verspätung haben und Colin stand noch am Gleis.

Seine Schritte beschleunigten sich wieder. Gleis 3. Er rannte die Rolltreppe hinauf, quetschte sich an allen Menschen vorbei, bis er ihn endlich sah. Colin.

„Colin!" Seine Stimme klang leicht verzweifelt. War er auch. Er hatte solche Angst.

Noah sah, wie Colin verwirrt umher schaute. Dann fanden ihre Augen sich und eine Sekunde dachte Noah ernsthaft darüber nach, wieder wegzurennen. Aber er blieb, er zwang sich selbst dazu.

Die letzten Schritte zwischen ihnen waren schnell überbrückt und Noah traute sich, Colin in eine feste Umarmung zu ziehen. Er schluchzte leise, sein Gesicht vergrub sich in Colins Schulter. Auch Colins Arme legten sich nun leicht überrumpelt an Noahs Rücken. „Noah…“, flüsterte der Lockenkopf.

Noah erwiderte nichts, sondern hielt sich einfach weiter an Colin fest. Nach ein paar Momenten hatte sich sein Herzschlag wieder ein wenig beruhigt und auch die Tränen wurden weniger. Er traute sich, seinen Kopf von Colins Schulter zu nehmen und ihn anzusehen. „Ich will nicht, dass du gehst.“ Die Worte kamen ihm leise über die Lippen. Er sah, wie sich Colins Gesichtsausdruck sofort änderte. Ein wenig Verwirrung erkannte Noah, aber auch viel Zuneigung.

Trotzdem stellte Colin die Frage, mit der Noah gerechnet hatte: „Warum sagst du das erst jetzt? Jetzt gibt es für mich kein Zurück mehr.“

Noah musste schlucken. Es war ihm bewusst, dass seine Worte viel zu spät kamen. Er wusste, dass Colin bereits am Einstein abgemeldet und auf der anderen Schule in Köln angemeldet war.

Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich hab mich… irgendwie nie getraut. Es tut mir alles so leid, Colin.“

Jetzt auf einmal schien es wie das Einfachste auf der Welt, diese Worte loszuwerden. Colin seufzte. „Noah, ich… ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll.“

Verstehend nickte der Blonde. „Ich wollte, dass du das weißt. Bevor du gehst. Ich will, dass du weißt, was du mir bedeutest. Dass du… alles für mich bist.“

Wieder bildeten sich Tränen in Noahs Augen. Aber diesmal war er damit nicht allein. Auch Colin war den Tränen nahe. „Noah…“

Weiter kam Colin nicht, denn Noah hatte sich ihm entgegen gelehnt und auf einmal waren ihre Gesichter nur noch wenige Millimeter voneinander entfernt. „Ist das okay?“, fragte Noah sicherheitshalber noch einmal nach. Colin nickte nur, ein wenig überrascht.

Im nächsten Moment lagen ihre Lippen in einem sanften Kuss aufeinander. Sie schlossen zeitgleich ihre Augen und gaben sich sämtlichen Gefühlen einfach hin. Noah traute sich zum ersten Mal, seinen Kopf einfach auszuschalten und nur auf sein Herz zu hören. Sein Herz wollte das hier. Es wollte nur Colin. Und, dass dieser Moment nie wieder endete.

Er wollte nicht, dass Colin ging.

Als sie sich nach ein paar Sekunden wieder voneinander lösten, sah Colin den anderen traurig an. „Ich wünschte wirklich, ich könnte jetzt bei dir bleiben“, gestand er. Noah nickte. „Aber wir schaffen das schon… irgendwie. Auch mit der Entfernung.“

Jetzt war es Colin, der zustimmend nickte. „Vielleicht tut uns das auch gut. Der Abstand. Wenn wir mal nicht die ganze Zeit aufeinander hängen.“

Noah seufzte leise. „Ich denke auch.“

Eine halbe Minute später kam schon der Zug eingefahren, mit dem Colin nach Köln fahren würde. „Ich muss dann wohl“, murmelte er, bevor er Noah erneut in eine Umarmung zog. Noah drückte den Jungen eng an sich und vergrub seinen Kopf für einen Moment in seinen Locken. Als sie sich lösten, lächelte er Colin leicht an. „Hab eine gute Fahrt. Bis bald.“

„Bis bald“, erwiderte Colin. Er hauchte Noah noch einen zarten Kuss auf die Wange, dann stieg er in den Zug und fuhr los.

Noah machte sich auf den Weg zurück zum Einstein. Er dachte an Colins Worte zurück. Vielleicht tut uns das auch gut. Der Abstand. Noah hoffte es sehr. Vielleicht war das hier seine Chance, sich im klaren über seine Gefühle zu werden.

Notes:

Danke fürs Lesen ❤️