Chapter Text
Hallo liebe Leser!
Ohne jetzt viele Worte zu verlieren wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen meiner neusten Fanfiktion.
Mein Profilbild entspricht dem Titelbild dieser Geschichte, wenn ihr Lust habt könnt ihr ja mal vorbeischauen.
Alle der auftreten Personen gehören sich selbst, die Geschichte mit den auftretenden Charakteren und Handlungen sind in diesem Zusammenhang nicht real und ich verdiene auch kein Geld damit.
Der Unterschied zwischen einer erfolgreichen Person und anderen
ist nicht ein Mangel an Kraft
nicht ein Mangel an Wissen
sondern eher ein Mangel an Willen
Vince Lombardi
„Pass auf, Leo!“
Es war die 44. Minute, kurz vor Ende der ersten Halbzeit als es passierte. Leonie Maier rannte über die rechte Außenseite auf das gegnerische Tor zu, Celia Sasic und Anja Mittag preschten derweil über das Mittelfeld. Kurz vor dem Torraum bekam Lena Lotzen den Ball zugespielt, die ihn sofort nach vorne zu Leonie passte. Es sah fast so aus, als würde es eine Wiederholung von Leonies erstem Länderspieltor gegen Kanada geben, aber nur fast. In dem Moment in dem sie das runde Leder gerade aufs Tor schießen wollte und Lena ihrer Freundin die Warnung zurief, rannten zwei Gegner frontal auf Erstere zu. Die gegnerische Abwehrspielerin erreichte ihre Positionskollegin zuerst und stieß sie hart zu Boden. Und während das Publikum bereits außer sich war, stieß die zweite Spielerin auf die am Boden liegende Konkurrentin und trat ihr mit voller Wucht in den Magen, so dass sich Leonie nur so vor Schmerzen krümmte.
Der Schiedsrichter pfiff das Spiel sofort ab und gab der deutschen Nationalmannschaft den verdienten Elfmeter, sowie die rote Karte für Megan Rapinoe.
Die amerikanischen Fans waren außer sich vor Zorn, während die deutschen Fans Hoffnung hatten und das nicht ohne Grund. Es war das Fußballweltmeisterschaftsfinale der Frauen in Kanada und die USA führten dank Carli Lloyd bereits 0:1 den Deutschen gegenüber. Auch wenn es noch die erste Halbzeit war, so war es doch die Chance zum Ausgleich. Eine dringend nötige Chance. Obwohl die deutschen Frauen nicht schlecht spielten war es bisher ein harter Kampf und es gab eine Menge Fouls auf beiden Seiten. Möglichkeiten dagegen nur wenige, vor allem bei der deutschen Mannschaft.
Durch das brutale Foul an Leonie würden die USA in der gesamten zweiten Halbzeit nur noch zu zehnt auf dem Platz sein, was ebenfalls ein Vorteil war. Allerdings würde es die deutsche Elf voraussichtlich für die letzten Minuten der ersten Halbzeit auch sein. Während Rapinoe noch versuchte sich damit rauszureden dass sie nicht Leonie, sondern den Ball treffen wollte – der allerdings nicht einmal in der Nähe war – lag Leonie noch immer zusammengekrümmt auf dem Boden.
Inzwischen wurde sie von den Sanitätern außerhalb des Spielfeldes weiterbehandelt und auch Rapinoe hatte den Platz mittlerweile verlassen. Die anderen Spielerinnen hatten sich indes am Elfmeterpunkt versammelt. Celia wollte ihn verwandeln. Anja und Tabea versuchten gleichzeitig wieder Lena zu beruhigen. Während sie alle um die jüngere bzw. ältere Mitspielerin besorgt waren, waren sie eher wütend. Lena war dagegen ein halbes nervliches Wrack und sie wollte nichts lieber als vom Feld und zu Leonie zu gehen um zu sehen wie es ihr geht.
Das war aber auch verständlich. Lena und Leo waren seit knapp fünf Monaten ein Paar, bisher wussten davon aber nur ihre Familien und das Team.
„Lena, konzentriere dich. Wenn du jetzt ausflippst wird das Leo auch nicht helfen.“ meinte Anja, Lena reagierte nicht einmal.
„Warte noch ein paar Minuten, dann kannst du zu ihr und sie kann dir selbst sagen das es ihr gut geht.“ versuchte Anja weiter zu ihr durchzuringen.
„Sie hat Recht LeLo. So wird sie sich höchstens Schuldgefühle einreden und du weißt wie sie aussieht, wenn sie traurig ist...“
„...wie ein geschlagener Welpe.“ murmelte Lena.
„Genau. Und man schlägt keine Welpen.“
„Ist gut, ich habs verstanden. Ich werd mich zusammenreißen.“ sagte Lena, gerade noch rechtzeitig als der Schiedsrichter den Elfmeter freigab.
Celia nahm Anlauf und legte all ihre Wut in den Freistoß. Die Mannschaft stand sich auch außerhalb des Spielfelds sehr nahe und war wie eine kleine Familie. Und niemand tat jemanden aus ihre Familie, ihrer kleinen Schwester, weh.
Der Schuss ging in die linke, obere Ecke. Hope Solo hatte keine Chance.
„Der ist für Leo!“ schrie Celia über den tosenden Beifall des deutschen Publikums über den Ausgleich, während Anja und die anderen auf sie zu rannten um sie zu beglückwünschen.
Zur selben Zeit pfiff der Schiedsrichter zur Halbzeit ab. Jetzt gab es für Lena kein Halten mehr und sie rannte so schnell sie konnte zum Spielfeldrand, wo die Sanitäter währenddessen mit Leonie „fertig“ waren.
„Leo, alles okay?“ fragte sie sofort und half ihrer Freundin auf.
„Ja, mir geht’s gut.“ antwortete Leonie. Lena sah sie zweifeln an. Ihr entging nicht wie sie kurz das Gesicht verzog als sie aufstand. Sie hatte aber keine Zeit mehr etwas zu erwidern, da die anderen schon auf sie zu kamen.
„Kommt ihr Turteltauben.“ rief Natze lachend, nachdem sie sah dass es Leonie wieder gut ging. Sie hatte vom Tor aus nicht viel sehen können, sich aber natürlich trotzdem Sorgen gemacht. „Ab in die Kabine.“
Silvia und die anderen Trainer hatten sich noch nicht blicken lassen und so waren die Spielerinnen alleine in der Kabine, erholten sich, tranken etwas, redeten miteinander.
Leonie saß mit dem Kopf an die Wand gelehnt da und hörte den anderen bei ihren Gesprächen mehr zu als sich selbst zu beteiligen.
„Hey Kleine, guck nicht so deprimiert, du weißt das mit dein Lächeln viel besser gefällt.“ sagte Lena und ließ sich neben sie fallen.
Leonie verdrehte gespielt genervt die Augen als sie den Spitznamen hörte den viele ihrer Mitspielerinnen benutzen und Lena eben auch. Allerdings störte es sie bei weitem nicht so sehr wie sie immer vorgab. Bei Lena fand sie es eigentlich ganz süß.
„Du weißt aber schon dass ich die Ältere von uns bin, oder?“ gab sie zurück.
„Älter vielleicht, kleiner aber auch. Genaugenommen bist du sogar die Kleinste von uns allen hier.“ feixte Lena.
„Jaja, ich weiß ich bin ein Zwerg.“ meinte Leo.
„Stimmt. Wie wärs wenn wir dich „Zwerg Terrier“ nennen, wenn dir „Kleine“ schon nicht gefällt?“schlug Lena mit einem Grinsen vor. „Anja nennt dich ja schon Terrier und wenn du selbst zugibst klein zu sein...“
„Bloß nicht.“antwortete Leonie sofort. Einen Moment später stand sie auf. „Ich komm gleich wieder, ich muss kurz auf die Toilette.“ sagte sie und verließ die Umkleidekabine. Lena sah ihr kurz nach, bevor sie sich an Tabea und Sara wandte, die sie etwas gefragt hatten.
Leonie musste eigentlich nirgendwo hin, sie wollte nur für ein paar Minuten alleine sein um zur Ruhe zu kommen. Denn auch wenn die Sanitäter sie freigegeben hatten, hatte ihr das Foul mehr zugesetzt als sie zu geben wollte, vor sich und schon gar nicht vor den anderen. Das war auch der Grund warum sie Lena nichts gesagt hatte, auch wenn sie sich sicher war das die Brünette wusste das sie nicht die Wahrheit gesagt hatte.
Durch die gemeinsame Zeit beim FCB und der Nationalelf kannten sie sich schon gut genug, aber seit sie zusammen waren, wusste Lena fast immer wenn irgendwas mit ihr nicht in Ordnung war.
Sie war weit genug von der Kabine weg um ihren eigenen Gedanken nachzugehen, aber immer noch in dem Bereich der für Zuschauer gesperrt war.
Eigentlich, denn als sich sich nach ein paar Minuten umdrehte um wieder zu ihren Teamkameradinnen zu gehen, kam plötzlich ein Mann in ihr Blickfeld. Dieser war nicht nur viel breiter und größer als sie selbst, er sah sie auch auf eine Art und Weise an die ihr unheimlich erschien. Instinktiv trat Leonie einen Schritt zurück.
„Was machen Sie hier? Dieser Bereich ist für Zuschauer gesperrt!“ sagte sie.
Von dem was der Mann antwortete verstand sie kein einziges Wort. Es war eine andere Sprache, sie hatte aber keine Ahnung welche. Obwohl es sich irgendwie nach einer Mischung aus Französisch und Englisch anhörte.
Sie hatte aber auch keine Gelegenheit mehr darüber nachzudenken, da der Unbekannte sie plötzlich grob an den Armen packte und unsanft gegen die nächste Wand drückte.
„Hey was soll das? Lassen sie mich gefälligst los!“
Leonie versuchte sich zu wehren, hatte jedoch keine Chance. Je mehr sie sich zu befreien versuchte, desto stärker packte der Mann zu. Gerade als sie um Hilfe rufen wollte, hinderte der Mann sie daran, indem er ihr eine seiner Hände auf den Mund legte.
„Germany will lose today, if you know what's best for you“ sagte er. „Otherwise...“
Leonie bekam das Gefühl ihre Arme würden demnächst abfallen, wenn er noch stärker und länger zudrücken würde. Zu ihrer Erleichterung sah sie dann jedoch wie Tabea und Sara auf sie zu gerannt kamen.
„Hey! Sofort loslassen!“ rief Sara. Der Unbekannte ließ sie tatsächlich los und verschwand genauso schnell wie er gekommen war, während Leonie an der Wand hinunterglitt.
„Leo, ist alles in Ordnung?“ wollte Sara wissen. „Was wollte der von dir?“
„Ich...ich glaub er hat mir, oder uns gedroht...“ sagte Leonie.
„Was?! Gut das Silvia uns geschickt hat um dich zu holen. Geht es dir gut?“ Tabea sah sie besorgt an, während Sara zur selben Zeit meinte: „Das müssen wir sofort melden!“
„Nein! Wir müssen das Spiel zu Ende spielen und gewinnen. Wir sagen keinem was davon!“ sagte Leonie energisch. Sie glaubte sowieso nicht an das was der Typ gesagt hatte. Irgendeinen Spinner gab es schließlich bei fast jedem Spiel, sie trafen sie nur nie.
„Aber...“ setzte Sara an, doch Leonie unterbrach sie: „Kein „Aber“! Mir geht es gut. Das war nur ein Freak der uns Angst machen wollte, aber das wird er nicht schaffen.“ meinte Leonie und lief zurück in Richtung Umkleide. Wenn sie ehrlich mit sich selbst war, hatte ihr die Begegnung etwas Angst gemacht und wirklich 100% fit war sie auch nicht, aber das hatte nichts mit dem Mann zu tun. Allerdings würde sie das nie zugeben und schon gar nicht bei einem Finalspiel wie dem heutigen. Das ganze konnte auch bis später warten.
Tabea und Sara folgten ihr leicht zögernd.
„Glaubst du ihr?“ fragte Tabea die Mittelfelsspielerin.
„Nein.“ antwortete diese. „Meinst du wir sollten Lena davon erzählen?“
„Nein. Leo würde uns den Kopf abreißen und wahrscheinlich hat sie auch Recht, dass an der Sache nichts dran ist.“ meinte Tabea nachdenklich. „Beobachten wäre dagegen vielleicht nicht schlecht.“
„Warum?“
„Irgendwas stimmt nicht mit ihr.“
In der Kabine zurück setzte dich Leonie wieder neben Lena. Diese nahm unauffällig Leonies Hand in ihre eigene, sagte jedoch nichts. Sie war noch immer besorgt um ihre Freundin, durch ihren Kreuzbandriss wenige Monate zuvor wusste sie aber auch wie nervig es sein konnte wenn man alle fünf Minuten gefragt wurde wie es einem geht. Vor allem wenn es um so etwas alltägliches wie ein Foul ging.
Als auch Tabea und Sara kurz nach Leonie wieder bei dem Rest der Mannschaft eingetroffen waren, begann Silvia mit den Taktikveränderungen für die zweite Halbzeit. Durch ihre eigene Fußballkarriere wusste sie natürlich wie hoch der Druck auf den Spielerinnen war, gerade bei einem wichtigen Spiel. Und sie spielten keinesfalls schlecht, dennoch war es nicht gut genug. Jedenfalls nicht um zu gewinnen. Eine dieser Veränderungen war die Auswechslung von Lena gegen Sara. Wenn sie ehrlich war, wusste Leonie nicht ob sie darüber froh sein sollte oder nicht. Lena war so ziemlich die Einzige die sie gut genug kannte, um zu erkennen wann etwas los war und wenn sie nicht mehr auf dem Feld war, musste sie ihr wenigstens nichts vormachen. Andererseits hatte sie nun die gesamte zweite Halbzeit Zeit um sie zu beobachten, was nicht unbedingt eine bessere Option war.
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie bemerkte wie alle, inklusive Silvia und den anderen vom Trainerteam, sie besorgt ansahen.
„Äh...wie bitte?“ fragte sie verlegen und lief leicht rot an.
„Silvia hat dich gefragt ob es dir gut genug geht, um dich in der zweiten Halbzeit einzusetzen?“ erklärte ihr Dzsenifer.
„Was? Ach so, ja klar, alles prima:“ erwiderte Leonie.
„Bist du sicher?“ fragte Tabea die jüngere Mannschaftskameradin. Leonie sah sie einen Moment lang an, wendete den Blick aber sofort wieder ab nachdem sie bemerkte wie Tabea sie stirnrunzelnd musterte.
„Hey. Wenn Leo sagt das es ihr gut geht, dann wird das auch stimmen. Nicht wahr Leo?“ kam Natze ihr zu Hilfe.
„Genau.“ antwortete Leonie, nicht mehr ganz so selbstsicher wie einen Moment zuvor. Für Silvia und die anderen war dies aber gut genug und so ging es schließlich in die zweite Halbzeit. Diese lief besser als die Erste, aber es war trotzdem ein harter Kampf. Die Deutschen starteten mutig und bekamen schnell die ersten Chancen. Sie waren insgesamt von Beginn an gefährlicher für die USA und kamen öfter durch das Zentrum in den Torraum, scheiterten jedoch genauso oft an der gegnerischen Torhüterin.
Obwohl die USA durch die rote Karte von Rapinoe nur noch zu zehnt auf dem Platz standen, spielten sie strategisch und taktisch so gut das es kaum auffiel und ihnen auch keinen all zu großen Nachteil verschaffte. Als Melanie Behringer in der 67. Minute für Dzsenifer ausgewechselt wurde, hatten sie mehr Struktur im Spiel und ihre Gegner deutlich besser im Griff, dafür fehlte es ihnen an der Präzision um den Ball auch wirklich ins Netz zu bekommen.
Ihre Gegner taten sich auch sehr schwer und scheiterten ebenfalls an Nadine Angerer.
Die deutsch Frauen versuchten viele Taktiken um ein Tor zu erzielen, doch die Distanzschüsse scheiterten an Hope Solo ebenso wie die aus der Nähe. Silvia versuchte zum Ende des Spiels noch einmal frischen Wind hineinzubringen indem sie Lena Goeßling rausholte und dafür Simone Laudehr auf den Platz schickte. Doch auch sie konnte an dem Spielstand nichts ändern und so ging es mit Unentschieden in die Verlängerung.
Das einzig positive an dem intensiven Spiel war, dass sowohl Leonie, als auch Sara und Tabea die Begegnung mit dem merkwürdigen Mann vergessen konnten.
Leonie schöpfte trotz allem nicht ihr gesamtes Potenzial aus. Sie blieb die meiste Zeit über in ihrem eigenen Abwehrbereich. Und auch wenn das ihrer eigentlichen Position durchaus entsprach, so war es doch ungewöhnlich für die gebürtige Stuttgarterin.
Es lag nicht am fehlenden Ehrgeiz dass Leonie kaum noch nach vorne spielte. Eher waren es ihre Kräfte, die begannen an ihr zu zerren und die daran Schuld waren. Sie bemerkte wie sie von Minute zu Minute träger wurde je länger das Spiel ging und auch die ein oder andere Schwindelattacke hatte sie schon überrascht. Da diese jedoch genauso schnell wieder gingen wie sie kamen und sie auch nicht sonderlich beeinträchtigten, maß Leonie ihnen keine allzu hohe Bedeutung zu.
Dazu kam es häufig vor, dass einem schwindelig wurde, wenn man sich körperlich sehr anstrengte und nebenbei nicht die Möglichkeit hatte dabei genügend zu trinken, bei Fußballspielerinnen war das nun mal ein mehr oder weniger großes Berufsrisiko.
Die Verlängerung wurde nicht nur für Leonie ein Härtetest, sondern für alle. Bei allen Spielerinnen schwanden so langsam die Kräfte und die Verlängerung wurde zu einer intensiven Schlacht. Es war das Finale einer Weltmeisterschaft und beide Mannschaften wollten natürlich gewinnen. Je länger das Spiel ging umso härter und erbitterter wurde es auf beiden Seiten. Mit Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung gab es reihenweise Rempler und Schubser und nicht selten waren sie alleine auf die Gegnerin und nicht auf den Ballgewinn abgezielt. Mit Ausnahme der Torhüterinnen gab es nicht eine Spielerin die nicht irgendwann zu Boden ging.
Auch Leonie hatte es erneut getroffen, an der selben Stelle wie zum Schluss der ersten Hälfte. Obwohl es länger dauerte als sonst und es ihr schwerer fiel, stand sie nach kurzer Zeit mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder auf. Sie war wild entschlossen dieses Spiel zu Ende zu spielen, koste es was es wolle und sie durften ohnehin nicht mehr auswechseln.
So erbittert das Spiel auch war, es fiel auch in der Verlängerung kein Tor mehr und so kam der Drahtseilakt auf sie zu, den sie eigentlich alle vermeiden wollten: Elfmeterschießen.
Lena war unendlich froh das das Spiel endlich aus war. Sie kümmerte der Spielstand inzwischen nicht mehr halb so viel wie der Zustand ihrer Freundin. Ihr war Leonies träges und merkwürdiges Verhalten die gesamte zweite Halbzeit über aufgefallen und sie hatte das Gefühl das es nach dem zweiten Foul an ihr noch viel schlimmer wurde. Lena hatte die Hoffnung Leonie davon überzeugen zu können das Elfmeterschießen auszusetzen. Durch die rote Karte war die Mannschaft der USA ein Spieler weniger und in den Regeln war festgeschrieben, das beide Mannschaften gleich viele Schützen haben müssen. Demnach müsste ein Teammitglied der deutschen Mannschaft von vornherein aussetzen. Als die erschöpften Spielerinnen jedoch vom Feld kamen, sah Lena ein Problem auf sich zu kommen, oder eher zu humpeln.
Kurz vor Abpfiff war Annike noch einmal gefoult worden und kam ziemlich unglücklich mit dem Fuß auf. Von Lenas Position sah es nicht so schlimm aus, aber Annikes Gesichtsausdruck zufolge und Leonies Sturheit nach, konnte Lena bereits ahnen wer von den beiden das Elfmeterschießen ausetzten würde.
Lena tat es den anderen Auswechselspielerinnen nach und verteilte Wasserflaschen, während Silvia die Feldspieler um sich scharte. Jetzt ging es darum herauszufinden wer dem Druck standhalten konnte einen Elfmeter zu schießen. Sie alle hatten es im Training natürlich ausgiebig geübt, aber bei einem Spiel bei dem es wirklich um etwas ging, war es logischerweise ein ganz anderes Kaliber.
Viele schauten zu Boden als Silvia die entscheidende Frage stellte.
„Ich machs.“ meldete sich Celia als Erste.
„Ich auch.“ sagte Dzsenifer, kaum eine Sekunde später sagte auch Alexandra zu. Nach kurzem Zögern waren auch Simone und Sara bereit den Elfmeter zu schießen.
„Und ich bin die Spielerin die aussetzt, wenn niemand was dagegen hat.“ meinte Annike. Als sie von einigen überrascht angesehen wurde, sprach sie weiter: „Die Regeln? Ihr wisst schon, durch die rote Karte darf einer von uns nicht antreten. Ich will mich nicht drücken, aber mit dem Fuß werd ich nie treffen, falls es dazu kommt.“
„Wir hoffen natürlich, dass das nicht der Fall ist, aber du hast wohl Recht. Hat jemand Einwände?“ fragte Silvia. Keiner meldete sich. „Gut, dann teile ich das so dem Schiedsrichter mit und du, Annike, gehst bitte zu den Sanitätern.“ Sprachs und war auch schon unterwegs.
Lena wandte sich inzwischen an Leonie, die ein wenig abseits des sich gerade auflösenden Pulk aus Spielern auf dem Boden saß und trank.
„Leo...“ setzte Lena an.
„Ich weiß genau was du sagen willst Lena, aber du hast Annike gesehen. Sie ist jetzt nicht bereit für Elfmeter.“ unterbrach Leonie sie.
„Du aber auch nicht Leo.“ sagte Lena als sie sich neben sie kniete. „Ich hab schon Bettlaken gesehen die mehr Farbe hatten wie du gerade.“
„Das ist nach dem Spiel auch nicht groß verwunderlich. Die anderen...“
„Sehen bei weitem nicht so fertig aus wie du.“ Lena hasste es dass ihre Beziehung nicht öffentlich war. Sie wollte mehr für Leonie tun, als nur mit ihr zu reden. Sie wollte sie in ihre Arme nehmen, küssen, einfach irgendwas tun. Aber sie konnte nicht und das machte sie schier wahnsinnig. Als Leonie ihr nicht antwortete, redete sie weiter: „Ich mach mir doch nur Sorgen, Kleine.“
„Ich weiß.“ seufzte Leonie. Sie wollte es ja nur nicht zugeben, aber ihr ging es ja wirklich nicht gut. Seit dem zweiten Foul wurden ihre Schmerzen immer schlimmer. Aber sie konnte jetzt nicht einfach aufgeben. Wenn sie zugab wie sie sich fühlte, wäre alles vorbei. Und sie musste ja nur noch etwas länger durchhalten und dann wäre alles vorbei. Dann würde alles gut werden. Sie wollte nichts lieber, als jetzt in Lenas Armen zu liegen und einzuschlafen, aber es war einfach noch nicht die Zeit dafür. „Was hältst du davon, wenn du nachher oder morgen früh immer noch überzeugt davon bist, dass etwas nicht stimmt, kannst du mich zum Arzt schleppen?“ gab sich Leonie geschlagen.
„Na gut.“ Lena war mit dem Ergebnis nicht 100% zufrieden, aber dennoch erleichtert überhaupt etwas erreicht zu haben. „Und jetzt geht ihr da raus und holt und den Sieg.“ grinste sie, als sie bemerkte dass die anderen Spielerinnen langsam auf das Feld gingen, die Schiedsrichter sich bereit machten und Silvia Natze noch ein paar ermutigende Worte zusprach.
„Abgemacht.“ lächelte Leonie leicht zurück. Sie umarmte Lena noch kurz bevor sie zu den anderen auf dem Spielfeld lief.
Die Münze hatte entschieden und die USA würden anfangen. Sie starteten mit Shannon Boxx und die verwandelte den Schuss selbstsicher, aber Dzsenifer setzte nach und es stand wieder alles offen. Auch die nächsten Schützinnen Abby Wambach für die USA und Alexandra Popp für Deutschland schossen den Ball ins Netz.
Den ersten Fehler machte Alex Morgan, als sie sich total verschätzte und den Ball am Tor vorbei schoss. Das gesamte Stadion und alle Spieler und Trainer waren angespannt als Simone zum Elfmeterpunkt ging. Doch auch ihr versagten die Nerven, vielleicht hatte Hope Solo aber auch nur die besseren als sie unter Jubel der Amerikaner und Aufstöhnen der Deutschen den Schuss abwehrte.
Als nächstes war Heather O'Reilly dran, die den Ball so in die rechte Ecke schoss, dass auch Nadine ihn nicht mehr erwischen konnte. Doch auch Sara, die noch nie zuvor einen Elfmeter in einem wichtigen Turnier geschossen hatte, versenkt den Ball in Netz.
Die beiden letzten Schützinnen waren Carli Lloyd und Celia Sasic. Wie nicht anders zu erwarten verwandelten sie beide den Elfmeter.
Nach kurzer Pause standen die nächsten Spielerinnen bereit. Für die deutschen würde Anja Mittag antreten, für die USA Tobin Heath. Beide Schüsse wurden von den Torhüterinnen Hope Solo und Nadine Angerer gehalten. Die Nerven aller wurden immer angespannter, die verbleibenden Spieler immer nervöser.
Leonie wusste das sie nun an der Reihe ist. Sie hatten das Szenario oft genug im Training geübt, nur hatten sie es bisher nie durchführen mussten. Eigentlich wäre Annike noch vor ihr dran gewesen, aber sie fiel aus und damit war sie am Zug. Nach den Stürmern und Mittelfelsspielern, vor den anderen Abwehrspielern und Natze.
Für die USA startete Becky Sauerbrunn. Zum Entsetzten bzw. Erfreuen der Fans hielt Natze den Schuss. Nun lag alles an ihr. Sie könnte das hier alles beenden und Deutschland zum dritten WM-Sieg führen oder ebenfalls versagen und die nächsten Zwei wären an der Reihe.
Nervös und mit zitternden Beinen machte Leonie sich bereit und lief zum Elfmeterpunkt. Ihr war eiskalt und bei jedem weiteren Schritt hatte sie das Gefühl es wäre einer zu viel.
Schließlich stand sie bereit, die Torhüterin ebenfalls und die Schiedsrichterin gab den Elfmeter frei. Leonie nahm Anlauf und schoss aufs Tor. Hope Solo sprang in die selbe Richtung in die der Ball flog und für einen Augenblick war alles still.
Es dauerte einen Moment bis alle verstanden hatten was passiert war. Die Jubelrufe brachen gleichzeitig aus wie die Entsetzten stimmen der Gegner. Der Ball lag im Tor. Leonie hatte es geschafft! Deutschland war Weltmeister!
Es sollte der glücklichste Moment in ihrem Leben werden, doch dann passierte das was es auch zum schlimmsten werden ließ.
Erst wusste keiner so genau was los war. Es gab einen lauten Knall und dann brach das Chaos aus. Die Zuschauer waren außer sich und versuchten alle zur selben Zeit wegzukommen, die Feldspieler warfen sich zu Boden oder versuchten irgendwo Deckung zu finden. Alles passierte gleichzeitig und keiner verstand was hier gerade passiert war.
Die Sicherheitskräfte reagierten schnell und konnten den Verursacher glücklicherweise schnell fassen. Und mit einem Mal wurde allen klar was geschehen war. Es war nicht nur ein Knall gewesen, Nein, es war ein Schuss. Ein Schuss aus einer Pistole. Ein Schuss weil ein Mensch im Stadion es nicht ertragen hat können dass seine Mannschaft aus dem Spiel nicht als Gewinner herausgetreten war. Leonie hatte sich geirrt in der Halbzeitpause. Es war nicht nur ein Spinner gewesen der ihnen Angst machen wollte. Es war ernst gewesen, bitterer ernst. Doch Leonie konnte auf diese Tatsache nicht reagieren, sie lag mit geschlossenen Augen auf dem Boden.
Es sollte der glücklichste Moment in ihrem Leben werden, doch es wurde zum Schlimmsten.
Während die Ersten sich von ihrem Schock erholten und nach Sanitätern riefen, rannten einzelne schon auf die am Boden liegende, reglose Mitspielerin zu. Lena war die Erste die bei ihr ankam und während die anderen noch weiter weg waren, ging ihnen ihr verzweifelter Schrei durch Mark und Bein. Sie waren Weltmeister geworden und doch nicht glücklich. Sie hatten gewonnen und doch verloren...
Gib zur Halbzeit nicht auf
Tu ALLES um die zweite Halbzeit zu gewinnen
So, damit wäre das erste Kapitel dann auch schon zu Ende, ich hoffe es hat euch gefallen.
Ich wollte noch anmerken dass ich nichts gegen die USA oder irgendeinen anderen der Spieler in der Geschichte etwas habe, zum großen Teil sind es meine Lieblingsspielerinnen die hier agieren und das die deutschen in meinem imaginären Finale gegen die USA spielen, war für mich schon beim Halbfinale klar, als ich angefangen habe die Geschichte zu schreiben. Einfach weil die beiden Mannschaften für mich die stärksten im Turnier waren.
Bis zum nächsten Mal :)
Jeylee
