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Kalli hatte in seinem Leben schon vieles an unschönen Bemerkungen über sich gehört. Von Lesbe über hässlich und schwul war da alles dabei gewesen. Und während es seine Eltern meistens nicht störte, dass er sich nicht „mädchenhaft“ kleidete einen Kurzhaarschnitt hatte und die meisten seiner Freunde Jungs waren, so gab es trotzdem manchmal Probleme. Wenn er etwa bei der Hochzeit seiner Tante doch ein Kleid und keinen Anzug anziehen sollte, weil "das Kleid sieht doch viel schöner aus". Er hatte es gehasst. Einerseits weil er sich unwohl fühlte, andererseits weil Damenkleidung einfach unpraktisch war. Die Taschen waren zu Klein, bei Wind flog ein Kleid oder Rock hoch und aus Ballerinas rutschte man beim rennen eben schneller raus als aus Anzugschuhen. Im laufe der Zeit hatte er gelernt weniger über sein Geschlecht zu reden, sollten die Leute doch denken, dass er ein Mädchen mit kurzen Haaren war. Später auf der Polizeischule war es sowie kein Problem mehr gewesen, da hatte ihn niemand gekannt, er hatte sich mit Kalli vorgestellt und falls doch jemand seinen Deadname raus gefunden hätte, hätte er gesagt das Kalli sein Spitzname war.
Als er gehört hatte mit wem er in München zusammenarbeiten sollte hatte er sich zuerst sorgen gemacht. Zwei Männer in ihren sechzigern, das konnte ja heiter werden. Im besten Fall würden die in den Akten nachgucken und ihn nur noch mit seinem Deadname ansprechen. Er hatte zwar seinen Namen offiziel ändern lassen, aber wer wusste schon wie lange in Deutschland Akten aufbewahrt werden. Ein weiteres Problem könnten Gruppenduschen und -umkleiden werden. Umkleiden waren auch etwas was Kalli sein ganzes Leben gehasst hatte. Duschen waren noch schlimmer da sah man seinen Körper, oder das was der eigene Körper sein sollte, aber irgendwie nie so richtig war.
Am Abend vor seinem ersten Arbeitstag hatte er noch lange mit Kenni geredet, ihm von seinen Ängsten erzählt und sich von ihm halten lassen. Zu seinem Glück hatte sich keine seiner Befürchtungen bewahrheitet. Franz und Ivo waren immer supportive gewesen und mit der Zeit wie Väter für ihn geworden. Auch mit Matthias Steinbrecher, dem Opernfanatiker aus der Gerichtsmedizin hatte er sich immer gut verstanden. Er hatte es immer interessant gefunden wenn dieser erzählte was er nun wieder gesehen hatte und warum es jetzt so besonders war, auch wenn Kalli nicht viel vom Theater verstand. Um so mehr hatte es ihn getroffen als Matthias während der Ermittlung im Schachfall durch einen Unfall verstorben war. In dieser Zeit war er immer öfter bei Ivo und Franz gewesen, hatte sich sowohl bei ihnen als auch bei Kenny ausgeweint.
Mit seinem neuen Partner Nikola Buvak hatte er zuletzt schon zusammen gearbeitet, als im letzten Fall das SEK eingeschalltet werden musste. Er schien sehr freundlich und offen und so sehr es wehgetan hatte Franz und Ivo gehen zu lassen, so freute er sich nun darauf selbst KHK zu werden.
