Work Text:
Die Abschlussfeier ist vorbei. Jetzt müssen sie noch die Sachen von der Glückissage abbauen und Joshua hat sich bereiterklärt, Luis dabei zu helfen.
„Sag mal“, fragt er, als sie sich auf den Weg machen, „Kann man deine Moodbox eigentlich auch zu zweit benutzen?"
Luis lächelt ihn an.
Scheiße, so hat Joshua das doch überhaupt nicht gemeint! Er hat sich nur gedacht, dass Luis dann ja für ihn bezahlen könnte.
„Denk schon“, sagt er, „Hat sich bisher nur keiner getraut.“
Wenn Luis denkt, dass Joshua gerade mit ihm flirtet, irrt er sich aber gewaltig! Er will einfach nur nochmal dieses Entspannungsprogramm machen. Nichts weiter.
„Willkommen“, begrüßt sie die tiefe Stimme, als sie eintreten, „Bitte legt eure Hände auf das Display.“
„Nacheinander, oder?“, fragt Joshua irritiert. Doch als zuerst nur Luis seine Hand darauf legt, wiederholt die Stimme nur ihre Aufforderung.
„Rück mal“, sagt Joshua zerknirscht und versucht, seine Hand so zu positionieren, dass sie Luis‘ Hand nur minimal berührt. Bescheuerte Technik, dieses eindeutige Infektionsrisiko wird er danach sofort dem Gesundheitsamt melden. Was soll’s. Hauptsache er kriegt sein Entspannungsprogramm. Bald wird das Licht grün werden und eine sanfte…
ROSA?!
„Ihr braucht ganz viel Liebe und Zärtlichkeit“, sagt die Stimme.
Keine Entspannungsmusik.
Stattdessen:
Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein, ohne dich fahr ich heut Nacht nicht heim.
„Hallo?“, ruft Joshua und schlägt auf das Display, „Hallo, hier muss ein Fehler vorliegen!“
Luis grinst nur.
Trottel.
„Jetzt mach doch auch mal was!“, fleht Joshua ihn an.
„Nimm deinen Liebsten oder deine Liebste an die Hand. Schaut euch tief in die Augen. Genießt eure Zeit zu zweit“, sagt die Stimme.
„ICH BIN NICHT SCHWUL!“, ruft Joshua verzweifelt.
„Verstanden“, sagt die Stimme. Die Musik verstummt und Joshua will schon aufatmen, doch dann fängt der nächste Song an.
Girls who are boys who like boys to be girls who do boys like they′re girls who do girls like they're boys.
“Mein Lieblingslied!”, ruft Luis und singt auch noch mit.
„Ich. Stehe. Nicht. Auf. Jungs.“, sagt Joshua. Vielleicht versteht die Sprachsteuerung einen ja nur dann, wenn man laut und deutlich spricht.
„Beziehungsanalyse:“ sagt die Stimme nur, „Ihr seid ein echtes Traumpaar. Eure Kompatibilität liegt bei 98%. Euer Liebesbarometer für die nächste Woche…“
„Jetzt reichts!“, ruft Joshua entnervt und stürmt aus der Moodbox.
Luis folgt ihm.
„Was ist denn?“, ruft er ihm nach.
„Was hast du da für nen Scheiß programmiert?“, entgegnet Joshua genervt, „Macht es das jedes Mal wenn man zu zweit da rein geht?“
„Eigentlich nicht“, erwidert Luis, „Normalerweise macht es das nur bei Leuten, die Chemistry miteinander haben.“
Joshua bleibt stehen und dreht sich zu ihm um.
„Schön“, sagt er ernst, „Ich hab die Chemistry von Elementen der 18. Hauptgruppe.“
Luis schaut ihn verwirrt an.
„Edelgase. Ich gehe keine Verbindungen ein, weil ich das nicht nötig habe.“
„Sicher?“, fragt Luis.
„Ja“, entgegnet Joshua. Er dreht sich wieder um und trottet von dannen.
Luis schaut ihm hinterher. Joshua mag es sich zwar noch nicht eingestehen, aber er hat ihn schon durchschaut, als er ihm im NEON sein Getränk eingeschüttet hat.
Und seine Moodbox irrt sich nie.
