Actions

Work Header

Rating:
Archive Warnings:
Category:
Fandom:
Relationship:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2013-06-22
Updated:
2013-06-22
Words:
4,013
Chapters:
3/?
Comments:
1
Kudos:
2
Hits:
115

Mein Schutzengel >Sequell<

Summary:

Inhalt: Daniel trifft seinen Retter wieder.
(Allen gewidmet, die mir so liebes Feedy geschrieben
und mich um eine Fortsetzung gebeten haben. ^_^)
Hinweis: Die Fortsetzung ist nicht mehr so depri, wie die Vorgeschichte.

Notes:

//... // = Die Gedankengänge des Protagonisten

Chapter Text

*************************************************************

Als ich in dieser Nacht in meinem Bett lag, im Schutz meiner Bettdecke,
zusammengerollt wie ein kleines Kind, versuchte ich das Erlebte zu
vergessen. Ich versuchte an etwas Schönes zu denken um einschlafen
zu können.

// Der CSD //

Der Gedanke an dieses Ereignis, an diesen wundervollen Tag in Berlin,
der etwa 3 Monate zurück lag, lenkte mich tatsächlich etwas ab.

Albert, mein Boss und Besitzer des "Gay Tigers", hatte einen Festwagen
organisiert und als Angestellter seines Clubs, wie er die Kneipe immer
liebevoll nannte, durfte ich mitfahren.
Es war wundervoll gewesen, Teil eines so großen Events zu sein.
Vor allem, weil ich aus einem kleinen Kaff kam, wo nie etwas weltbewegendes
passierte und ich demzufolge noch nie etwas derartiges erlebt hatte.

Es wirkte. Ich durchlebte in Gedanken diesen unvergesslichen Tag noch
einmal und schlief darauf ein.

 

*

 

Das Klingeln meines Handys, weckte mich am nächsten Tag.
Mein ganzer Körper schmerzte, als ich mich aus dem Bett pellte, um
mein Handy zu suchen. Auf der Anrichte in der Küche fand ich es dann.

"Ja?",
murmelte ich in das kleine Wunder der Technik.
"Hallo Danny-Boy. Wo bleibst du denn? Wir wollten doch heute Mittag
Shoppen gehen. Hast du das vergessen?",
flötete eine mir wohl bekannte Stimme ins Ohr.

Es war Strupp. Einer meiner Kollegen aus der Kneipe. Ein
quirliger junger Mann, drei Jahre älter als ich, mit unzähmbarem,
braunem Lockenkopf. Deshalb auch der Spitzname Strupp. In Wirklichkeit
hieß er Henning, aber der Name passte überhaupt nicht zu ihm.
Er hatte einen Narren an mir gefressen und ich war dankbar einen
Freund wie in gefunden zu haben. Denn ich war noch nicht lange in
der Stadt und kannte noch nicht viele Menschen.

Ein Blick auf meine Armbanduhr ließ mich erschrecken. Es war schon
16.00 Uhr. Hatte ich so lange geschlafen?
"Sorry, aber mir geht es heute nicht so gut.",
begann ich und machte eine Pause.
"...Ähm, könntest du mich auch für heute Abend bei Albert
entschuldigen?"

// Ich kann nicht rausgehen und so tun, als wäre nichts passiert.
Das kann ich einfach nicht. //

"Bist du krank, Danny? Warst du schon beim Arzt?"
Strupp klang sehr besorgt und ich wusste, wenn ich mir nicht was
gutes ausdachte, würde er in einer halben Stunde vor meiner Tür stehen,
um nach mir zu sehen. Aber ich wollte jetzt niemanden um mich haben.

"Nein, keine Sorge. Ich...ich bin gestern Abend hingefallen und
habe mir ein paar hässliche Schrammen eingefangen, sonst nichts.",
log ich, weil mir nichts besseres einfiel.

"Ok. Aber ruf mich an, wenn du irgendwas brauchst. Versprich mir das,
ja."
"Jawohl, Mama.",
erwiderte ich und legte auf, bevor Strupp noch etwas sagen konnte.

Mit einem erleichterten Aufstöhnen legte ich mein Handy beiseite
und schleppte mich zum Kühlschrank. Nachdem ich eine halbe Flasche
Saft in einem Zug herunter gekippt hatte, steuerte ich wieder mein Bett
an und verkroch mich wieder unter die noch warme Bettdecke.

// Ich bleib am besten für immer hier liegen und steh nie wieder auf. //

 

*

 

Am nächsten Morgen fühlte ich mich zwar körperlich besser, doch meine
Depressionen waren noch schlimmer geworden. Ich aß nichts und blieb
den ganzen Tag im Bett liegen.

// Wenn ich doch einfach vergessen könnte, was geschehen ist. //

Die Stunden vergingen, während ich düster vor mich hin starrte.
Ich erinnerte mich an meinen letzten Geburtstag. Das war vor
vier Monaten gewesen.

Mein 19. Geburtstag. Der Tag, an dem ich mich bei meiner Familie
outete, an dem ich ihnen sagte, dass ich schwul war. Es war an der
Zeit gewesen mit dem Versteckspielen aufzuhören. Ich war mit der
Schule fertig und mich hielt nichts mehr in dem kleine Kaff, indem
ich wohnte. Deshalb legte ich noch einen drauf und kündigte meinen
Auszug an und mein Vorhaben, in die Großstadt zu ziehen.

Meine Eltern und mein kleiner Bruder nahmen alles gefasster auf, als
ich erwartet hatte. Meine Mutter telefonierte mit mir regelmäßig,
um nachzufragen, ob es mir auch gut ginge. Sie schickte mir gelegentlich
selbstgebackenen Kuchen oder Socken. So war meine Mutter eben
und dafür liebte ich sie. Mein Bruder rief eher selten an. Er war ja
auch erst 15, da hatte man mit sich selbst genug zu tun. Mein Vater
jedoch machte es sich leicht. Er richtete mir immer nur einen Gruß
über seine Frau aus. Aber das störte mich nicht. Hauptsache er akzeptierte
meine Art zu leben.

Sie würden von mir nie etwas über das, was mir in dieser Nacht
beinahe angetan wurde, erfahren. Das war sicher. Sie würden sich
viel zuviel Sorgen machen, mich vielleicht sogar darum bitten,
wieder nach Haus zu kommen.

Meine Blicke schweiften über die vier Wände, die ich mein
Eigen nennen konnte. Noch ein wenig karg eingerichtet -
ich wohnte zwar schon vier Monate hier, doch mein Geldbeutel erlaubte
mir keine großen Sprünge – das musste ich zugeben. Aber nach und
nach würde ich es mir hier schon schön einrichten.

 

*

 

Irgendwann gegen Mittag klingelte mein Handy wieder, doch ich ignorierte
es. Nach dem es ein weiteres Mal losging, stellte ich es ganz ab.
Kurz darauf klingelte es an meiner Wohnungstür. Mit Sicherheit war das
Strupp.

// Strupp, du sturer Kerl //

Zuerst wollte ich nicht einmal an die Tür gehen, doch ich wusste, dass
er so schnell nicht aufgeben würde, also rappelte ich mich auf, ging
an die Tür und öffnete sie einen Spalt.

"Mein Gott, wie siehst du den aus?"
Strupp schob mich energisch beiseite und trat unaufgefordert ein.
Zielstrebig stapfte er in meine Küche.
Mit einem kritischen Blick auf mein blaues Auge, meinte er dann
eindringlich:
"So und jetzt erzählst du mir, was wirklich passiert ist. Von einem
Sturz bekommt man doch kein blaues Auge."

Ich musste wohl mit der Wahrheit herausrücken. Ich bat meinen Freund
sich hinzusetzten und schob ihm einen der Küchenstühle entgegen, dann
erzählte ich ihm, was mir vor zwei Nächten wirklich passierte. Als
ich mit der Beschreibung meines geheimnisvollen Schutzengels abschloss,
hatte ich einen dicken Kloß im Hals. Ich hätte am liebsten losgeheult,
riss mich aber zusammen.

"Mein armer Danny-Boy.",
antwortete Strupp in einem Ton, den ich nicht von ihm kannte.
Er stand auf und umarmte mich, dann seufzte er kurz. Ich musste zugeben,
dass mir dieser Beweis der Zuneigung sehr gut tat und lehnte mich dankbar
an ihn.

Als er mich losließ, war der alte Strupp, mit den immer gut gelaunten
Strahlen in den Augen wieder da.
"Weißt du was. Du gehst jetzt duschen, ziehst dir was Hübsches an und
dann gehen wir zwei in die Stadt. Ein bisschen Zerstreuung tut dir
bestimmt gut."

Ich gehorchte. Zog sogar die von ihm herausgesuchten schwarzen Jeans,
mein gelbes Hemd mit den roten Flammen drauf, dass ich eigentlich
nur anzog, wenn ich in die Disco wollte, und die dazu passende,
rote Jacke an. Etwas zu aufgedonnert, aber das war mir in diesem Moment
ziemlich egal. Ein Stadtbummel war vielleicht wirklich besser, als
den ganzen Tag die Decke anzustarren.

// Danke, mein Freund, für den kleinen Tritt in meinen Hintern //

 

*

 

Wir fuhren mit Strupps weißen VW Golf in das Parkhaus eines der großen
Kaufhäuser in der Stadtmitte. Er bestand darauf, erst einmal ein paar
Happen beim Chinesen zu essen, bevor wir, wie er sich ausdrückte, einen
sehr wichtigen Einkauf tätigen müssten. Was für einen Kohldampf ich hatte,
merkte ich erst, als ich den leckeren Duft von Safran und Soya roch.
Dementsprechend schaufelte ich dann auch in mich hinein.

Mit einem höchst zufriedenen Magen folgte ich nach dem Essen meinem Freund
in Richtung Fußgänderzone.
"Ähm...Moment mal. Was um Himmels Willen willst du hier drin?",
fragte ich überrascht, als Strupp den Eingang eines edlen Herrenbekleidungs-
Geschäfts ansteuerte.

Meine Verwunderung stütze sich auf die Tatsache, dass Strupp sonst nur
flippige und bunte Kleidung bevorzugte.
"Na, ich brauch doch was Feines für Sabines großen Tag. Die killt mich,
wenn ich dort in roten Hosen und Glitzerhemd antanze.",
belehrte er mich grinsend.

// Ach ja, die Hochzeit //

Ich erinnerte mich wieder daran, dass Strupp mir von der groß angelegten
Hochzeit seiner Schwester erzählt hatte, die am nächsten Wochenende
stattfinden sollte.

"Und du willst tatsächlich so etwas anziehen?"
Bei diesen Worten zeigte ich auf einen der streiften Anzüge, die im
Schaufenster dekoriert waren.
"Ne, zu spießig und vor allem zu teuer. Aber vielleicht finde ich ja drinnen
was passendes."

Der Laden wirkte von innen noch riesiger, als von außen. Wir fuhren
eine aufwendig verzierte Rolltreppe hinauf in den ersten Stock des
Ladenlokals, wo sich laut eines Hinweis-Schildes die so genannte
"jüngere Mode" befinden sollte.

Strupp wuselte von einem Regal zum anderen, hielt mir etliche Modelle
vor die Nase und verschwand nach kurzen Kommentaren meinerseits, wie "nicht
die richtige Farbe", "zu kitschig", oder "um Himmels Willen, den auf keinen
Fall", damit wieder hinter einem Regal.

Im Augenwinkel bekam ich mit, wie zwei Männer die Rolltreppe hinauf
kamen. Sie waren beide vornehm gekleidet und sie unterhielten in einer
fremden Sprache.

// Oh, sie sprechen Japanisch! //

Sofort drehte ich meinen Kopf in ihre Richtung und erblickte meinen
nächtlichen Schutzengel. Er war es wirklich! Der Mann, der mir in
dieser unheilvollen Nacht zur Hilfe kam und den ich nicht erwartet
hatte, jemals wieder zu sehen.

Ich starrte ihn wie paralysiert an. Bisher hatte er mich nicht bemerkt.
Oder nicht erkannt. Angeregt unterhielt er sich mit seinem Begleiter.
Einem älteren, ebenfalls asiatischen Herrn, der meinem Retter, bei
genauerer Betrachtung, ziemlich ähnlich sah. Ein Verwandter vielleicht?

Strupp gesellte sich wieder zu mir. Er bemerkte meinen starren Blick und
schaute interessiert in die Richtung, in die ich starrte.
"Uh...Der ist ja Zucker",
bemerkte er grinsend und wollte gerade etwas dazufügen, als der junge
Asiate mich entdeckte. Sein Gesicht erhellte sich, er sagte etwas zu seinem
Begleiter und steuerte direkt auf mich zu.

Er sieht wirklich verdammt gut aus, dachte ich bei mir. Meine Knie
wurden mir weich.

// Ich glaube, ich verliebe mich gerade. //

 

Ende Teil 1