Chapter Text
Der scharlachrote Waffenrock sitzt zu weit an den Schultern und um die Hüfte herum. Curufin ist schmaler gebaut als sein Bruder und außerdem fehlt ihm die Rüstung, um sie darunter zu tragen.
Immerhin: Es ist weniger erniedrigend als weiterhin lediglich mit seinem Untergewand bekleidet zu sein.
Er setzt sich auf die Wurzel einer Buche, den Rücken gegen den Stamm gelehnt, und betrachtet grimmig seine nackten Füße.
„Du besitzt nicht zufällig ein weiteres Paar Stiefel?“
Celegorm kauert am Fuße des Hangs und bemüht sich, ohne Zunder ein Feuer aus dem regenfeuchtem Holz zu entfachen.
„Ich besitze zwei Stiefel“, presst er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, „willst du lieber den rechten oder den linken?“
Curufin seufzt verdrossen. „Das ist es wohl, was Mandos im Sinn hatte, als er uns ‚die Enteigneten‘ nannte?“
Beißender Rauch steigt auf. Natürlich hat das nasse Holz am Ende Feuer gefangen. Celegorm steht auf und steigt den Hang herauf.
„Wir haben unsere Leute verloren. Du dein Kind und ich mein Herz. Und Huan und dein Pferd. Und deine Waffen und Rüstung und unsere Vorräte und das letzte Gold in deinen Satteltaschen. Und einen verdammt großen Teil unserer Würde. Aber sicher, Curvo, Mandos hatte vor allem an deine Stiefel im Sinn, als er uns verfluchte.“ Sein Mund verzieht sich zu einem freudlosen Grinsen, das schnell wieder verblasst. „Zumindest“, fügt er hinzu und lässt sich mit einem Ächzen neben Curufin gegen den Baumstamm fallen, „kann es nicht mehr viel schlimmer kommen.“
Curufin schluckt. Es fühlt sich an, als würde noch immer eine Hand seine Kehle zudrücken.
Ihn überkommt das Bedürfnis, sich an Celegorms Schulter anzulehnen. Doch das birgt die Gefahr, sie beide zum Weinen zu bringen, und sie haben seit langer Zeit keine Tränen mehr vergossen.
„Allerdings. Es ist kaum noch möglich, dass die Dinge sich noch weiter zum Schlechten wenden."
