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Ein anderes Mal

Summary:

Bob will nicht über Seelenverwandtschaft nachdenken. Warum auch, wenn er seit Jahren in jemanden verliebt ist, bei dem er eh keine Chance hat? Peter hingegen interessiert das Thema brennend. Blöd nur, dass er dabei noch nie auf die Idee gekommen ist, dass sein Seelenverwandter möglicherweise gar nicht weiblich ist.

Cue in: Bob als Meister des Pining, Peter tief im Vermeidungsverhalten und Justus mit klugen Ratschlägen. Und das alles auf einem Roadtrip mit einem Campingvan.

Oder: Die Soulmate-AU, die ich seit Jahren in diesem Fandom vermisse

Notes:

Ahhh Leute, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie lange ich schon eine Soulmate-AU schreiben will. Jetzt habe ich mich endlich mal rangetraut.

Ich habe mir übrigens sehr lange den Kopf zermatert, wie man die soulmarks auf Deutsch nennen soll. Ich bin am Ende bei "Mal" gelandet, weil mir das wirklich wie die beste Lösung erscheint. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es am Anfang, aber ich finde, man kommt recht schnell darüber hinweg.

Und sorry übrigens, dass ich Kelly ein bisschen toxisch schreibe hier, aber ich habe vor, sie ein bisschen zu redeemen am Ende :D

Okay, jetzt bin ich erstmal gespannt, was ihr dazu sagt. Bin ja sehr nervös.

Viel Spaß
Chris

PS: Korrekturgelesen von Milopoli :)

Chapter 1: Bob, Rocky Beach

Notes:

(See the end of the chapter for notes.)

Chapter Text

Bob mied das Thema Seelenverwandtschaft wie die Pest. Wenn darüber geredet wurde, schwieg er für gewöhnlich. Oder er gab Ein-Wort-Antworten, versuchte das Thema zu wechseln, oder er verließ physisch den Raum. Sofern das unauffällig möglich war. Denn was er noch weniger wollte, war, dass Leute seinen Hass auf das Thema bemerkten und ihn darauf ansprachen. Der Nachteil dessen war natürlich, dass Bob keine Vorwarnung bekam, als seinem Vermeidungsverhalten dann fast gewaltsam ein Ende gesetzt wurde.

Der Tag begann ganz gewöhnlich. Bob war nach dem Frühstück zum Gebrauchtwarencenter T. Jonas gefahren, um ihren letzten Fall zu archivieren. Das kam in letzter Zeit seltener vor, weil sie mit dem Lernen für ihre Abschlussprüfungen beschäftigt waren. Aber heute Morgen hatte er Zeit. Er hatte sich gerade mit einer Tasse Tee am Schreibtisch platziert und seinen Laptop aufgeklappt, als sein Handy surrte. Bob, wo bist du? – Eine Nachricht von Peter.

Zentrale, schrieb Bob zurück. Eine Antwort erhielt er nicht.

Stattdessen platzte Peter zehn Minuten später völlig außer Atem durch die Tür. Er war verschwitzt und aufgeregt, Augen weit aufgerissen. Seine Haare standen in alle Richtungen ab und sein Hemd war falsch zusammengeknöpft. Irgendwie sah er aus, als wäre er auf der Flucht. Da sie gerade keinen Fall hatten, war das definitiv etwas verwunderlich.

Bob musterte den zweiten Detektiv aus dem nun zur Tür umgedrehten Schreibtischstuhl. „Wie siehst du denn aus? Ist alles in Ordnung, Pete?“

„Nein, überhaupt nichts ist in Ordnung!“ Peter schüttelte vehement den Kopf. Und redete dabei viel zu laut. „Ich kriege ein Mal.“

Die Worte schlugen in Bobs konzentrierte Ruhe ein wie eine Abrissbirne.

Ein paar Sekunden vergingen, während Bob versuchte, seine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Es gelang ihm nicht einmal ansatzweise. Er fühlte sich plötzlich, als säße er in einem Fahrgeschäft auf dem Jahrmarkt. Am liebsten wäre er weggerannt. Aber das würde Peter jetzt nicht helfen. Er musste etwas sagen. Und für gewöhnlich freuten Menschen sich, wenn sie ein Mal bekamen, selbst wenn Bob sein eigenes seit Jahren versteckte – auch vor Peter und Justus.

„Okay, und das ist schlecht?“, sagte er deshalb vorsichtig.

Peter stieß einen frustrierten Seufzer aus und sah Bob an, als hätte jemand seinen Hund überfahren. „Kellys Mal ist länglich und so spitz. Das hier – das ist nicht länglich und spitz!“ Er hielt seinen rechten Arm hoch und zeigte mit der linken Hand auf einen Schatten auf seinem Unterarm. „Guck hier?“

Bob schluckte, plötzlich mit allen Gefühlen konfrontiert, die er sonst so sorgfältig tief in sich vergrub. Er sollte sich Peters Mal angucken. Dann würde er wissen, wie es aussah. Live und in Farbe. Ein handfester Beweis dafür, dass Peter bald zu jemandem gehören würde. Ein offizieller Stempel für Bobs unerwiderte Gefühle. Und das einfach so an einem random Donnerstag in ihrer Zentrale, ohne dass Peter wusste, dass er gerade Bobs kleine Welt in seinen Händen hielt.

Bob versuchte, seine Gedanken abzuschütteln und sich auf Peter zu konzentrieren. Es war recht düster in der Zentrale – dem geschuldet, dass es sich bei ihrer Zentrale nach wie vor um einen in Schrott eingebauten Wohnwagen handelte – also stand Bob mit hämmerndem Herzen auf und nahm behutsam Peters Arm in seine Hand, um das Mal näher zu betrachten. Es war noch recht blass, sodass Bob erstmal das große Licht anschalten musste, um überhaupt etwas zu erkennen. Aber Peter hatte recht. Es sah tatsächlich recht rundlich aus. Aktuell ähnelte es eher einem irgendwie gearteten blauen Fleck. Auch wenn es durchaus fraglich war, mit was für einem Objekt Peter hätte kollidieren müssen, um eine solche Verletzung zu erzeugen. Letztendlich war aber eindeutig, dass das Mal noch lange nicht fertig war. Was ja normal war. Schließlich brauchten Male mehrere Wochen, um sich vollständig zu bilden. Bobs Welt blieb also zumindest noch eine kurze Weile ganz. Wenn auch fragil.

Bob betrachtete den Schatten eine Weile lang und sagte schließlich: „Naja, vielleicht wird das ja noch. Da erkennt man doch noch fast nichts.“

„Denkst du?“, fragte Peter. „Ich glaube ja nicht.“

„Hm“, machte Bob und zuckte mit den Schultern. Er wusste auch nicht so recht, was er dazu sagen sollte. Eigentlich hatte er wie Peter die Vermutung, dass sich dieses Mal nicht mehr zu etwas Länglichem und Spitzen verwandeln würde. Bei ihm hatte das damals ähnlich ausgesehen und seins war auch recht rund geblieben. Aber was wusste er schon? Jedes Mal war schließlich anders.

Peter ließ sich theatralisch auf das Sofa fallen. „Kelly wird stinksauer sein, wirklich!“

„Ist das deine größte Sorge?“

„Hä?“

„Naja, ich hätte vermutet, dass deine größte Sorge ist, dass ihr dann eventuell nicht mehr zusammen sein könntet. Wenn ihr nicht seelenverwandt seid, macht sie ja vielleicht Schluss mit dir, oder? Fändest du das nicht schlimmer, als dass sie einfach wütend auf dich ist?“

Bob konnte sich nur ausmalen, wie wenig lustig Kelly das ganze finden würde. Sie hatte immer darauf bestanden, dass Peter ihr Seelenverwandter sein musste, selbst als Peter noch nicht das geringste Anzeichen dafür gezeigt hatte, ein Mal zu entwickeln. Die Beziehung der beiden war schon immer ein eigenartiges Auf und Ab gewesen. Bob hatte es oft etwas toxisch gefunden. Aber Kelly war nie bereit gewesen, auch nur irgendeine andere Möglichkeit in Betracht zu ziehen – selbst wenn sie sich fetzten, was recht oft passierte. Eigentlich lag immer irgendetwas im Argen. Bob konnte sich kaum an eine Zeit erinnern, zu der zwischen den beiden alles blumig gewesen wäre.

Peter zog irritiert seine Augenbrauen zusammen. „Du verstehst das nicht.“

Das saß. „Vielleicht“, sagte Bob und presste die Lippen aufeinander.

Sofort zuckte Peter zusammen und machte große Augen. „Sorry, so hatte ich das nicht gemeint.“

„Naja, du hast ja recht. Ich habe deutlich weniger Erfahrung mit langfristigen Beziehungen als du.“

Peter schüttelte den Kopf. „Keine Ahnung, vielleicht hast du ja auch recht. Irgendwie wäre der Gedanke fast befreiend.“

Bob stockte. „Welcher Gedanke?“

„Dass es nicht Kelly ist.“

Bob setzte sich neben Peter auf das Sofa. Irgendwie war es langsam komisch, dass er hier so herumstand. „Was meinst du?“

„Naja, wir waren so in Stein gemeißelt. Und deshalb haben wir uns immer gezwungen, weiterzumachen. Aber vielleicht sollte das alles gar nicht sein. Keine Ahnung. Irgendwie war das immer alles so anstrengend.“

Ja. Anstrengend war es wirklich immer gewesen. Auch für Bob.

„Hm“, machte er geistesabwesend. Er mochte nicht, was Peters Worte mit ihm machten. Er hasste dieses Gefühl. Diese aufkeimende Hoffnung, die am Ende eh nur wieder zerschmettert werden würde. So endete es immer. Peter und Kelly – das würde so schnell nicht verschwinden, seelenverwandt oder nicht. Es war immer das gleiche Spiel. Seit Jahren.

„Warte lieber erstmal ab“, sprach er Peter deshalb zu und drückte seine eigenen Gefühle tief hinab in sein Unterbewusstsein. „Du weißt ja noch gar nicht, wie das in ein paar Tagen aussehen wird. Vielleicht klärt sich ja auch alles und ihr habt am Ende doch das gleiche Mal.“

Peter sah seufzend an die Decke. Dann legte er sich so auf das Sofa, dass sein Kopf auf Bobs Schoß lag. Das machte er öfter. Vor allem in letzter Zeit. Bob liebte es, aber gleichzeitig fühlte er sich, als würde er gleich explodieren. So als würde alles in ihm laut surren, wie ein uraltes Nokia-Handy. Wie automatisch wanderten seine Hände in Peters Haare und begannen, seine Kopfhaut zu kraulen. Die ganzen anstrengenden Gefühle von vor noch wenigen Sekunden zerbarsten wie kleine Seifenblasen in der stickigen Luft des Wohnwagens, fast ein bisschen wie Magie. Irgendwie hasste Bob sich ein bisschen dafür, wie glücklich es ihn machte, wenn Peter seine Nähe suchte. Eine verbotene Frucht. Ein Stück Glück, das ihm nicht gehörte. Diebesgut. Aber Peter summte zufrieden und schloss die Augen und schien wie Wachs in Bobs Händen zu zerlaufen und das war alles, was Bob wollte, selbst wenn danach seine Finger klebten und er für den Rest des Tages ein Stück von Peter mit sich herumtrug.

„Es war eine gute Idee, hierher zu kommen“, sagte Peter nach einer Weile leise.

„Ja?“

„M-hm.“ Peter öffnete die Augen und sah zu Bob hoch und sah dabei so schön aus, dass es Bob fast wehtat. „Wenn ich mit dir über alles rede, fühlt es sich immer gleich nur noch halb so schlimm an.“

„Das ist gut“, sagte Bob. Er lächelte und spürte, dass er es auch so meinte. Selbst, wenn Peter seine Gefühle nicht erwiderte, konnte er wenigstens das hier haben. Einen besten Freund, mit dem die Welt ein Stückchen sonniger aussah, als sie eigentlich war.

„Zum Glück wurden wir alle am gleichen College angenommen. Ich weiß nicht, ob ich das nächstes Jahr alleine durchstehen könnte.“

„Ich auch nicht“, sagte Bob.  

Sie schwiegen einige Momente lang. Bob fragte sich, ob er wohl heute noch zum Archivieren kommen würde. Vermutlich nicht. Vor allem, wenn er jetzt mit seinen Gedanken nur noch bei Peter war. Da konnte er sich eh nicht mehr auf Papierkram konzentrieren. Und so wie er sich kannte, würde er sich vermutlich dazu breitschlagen lassen, irgendwelche Filme zu gucken oder an den Strand zu gehen. So wie immer, wenn Peter Stress mit Kelly hatte. Und dann würde Peter nach Hause fahren, sich am nächsten Tag mit seiner Freundin versöhnen und Bob würde in sein Zimmer gehen und traurig sein halbes Tagebuch vollschreiben. So lief das eben. Wie gesagt – er wusste das alles schon. Er kannte das Prozedere und die damit verbundenen Gefühle. Aber für Peter würde er es immer wieder tun – das wusste er auch.

Notes:

Und? Was denkt ihr?