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Wie es sein soll

Summary:

Rosa und Jan und ihr Großeinsatz im Getränkemarkt und Pizzaessen und Couchkuscheln danach.

Notes:

Danke an meinen allerliebsten Lieblingsbestie für die tolle Idee, ich hab das hier sehr gern geschrieben:) Hoffe, es gefällt euch auch.

Work Text:

„Hast du die Liste?“

„Welche Liste?“

„Mann, Jan, die Einkaufsliste. Sag nicht, du hast-“ 

„Natürlich nicht.“ In seiner Hosentasche raschelt es und er zieht ein knittriges Papier heraus, das mal ein astreines Word Dokument gewesen ist. „Da“, sagt er und hält es ihr hin. 

Rosa hält abwehrend eine Handfläche hoch. „Nein, behalt‘s, ich will‘s gar nicht sehen. Scheiß Polizeiball… sonst kriegen wir auch nichts anderes als die Haltungsstufe 2 Bolognese aus der Kantine und dem wässrigen Automatenkaffee-“

„Außer dir“, wirft Jan mit mahnend erhobenem Zeigefinger ein.

Rosa wirft ihm ein Lächeln zu. Ja, außer ihr. Jan hat sie von Anfang an mit seinem guten Kaffee aus der Maschine versorgt und holt in den Mittagspausen regelmäßig was vom Bäcker oder vegetarischen Döner, wenn Zeit dafür ist. „Aber für diesen Polizeiball werden wir plötzlich alle zu Spießern und brauchen Sekt und Häppchen… wenigstens dafür haben sie einen Catering Dienst bestellt, dann müssen wir uns nicht auch noch um das Essen kümmern.“

Sie kommen vor Jans Wagen zum Stehen. Rosas Lieblingskollege hat die Stirn gerunzelt. „Ganz ehrlich, die Getränke reichen auch… heilige Scheiße, wie soll ich das bitte alles in meinen Wagen kriegen?“ Entsetzt schaut Jan von seiner Knitterliste zu seinem BMW und dann wieder zurück.

Jetzt will Rosa die Liste doch sehen. Sie tritt hinter Jan, stellt sich auf die Zehenspitzen und legt ihren Kopf auf seine Schulter. „Vier Kästen Sprudelwasser, je zehn Liter Orangensaft und Cola, aber keine Pepsi... pah, Sparfüchse... fünfmal Weißwein, circa zwanzig Flaschen Sekt…“

„… fünfzehn Flaschen Champagner, mindestens acht Kästen Bier, verschiedene. Sag mal, hackt‘s? Da brauch ich ja einen Transporter.“ Jan schüttelt missbilligend den Kopf. 

„Und ich krieg meinen neuen Wagen auch erst am Montag“, seufzt Rosa. Mit ihrem armen verbrannten Opel hat sie abgeschlossen, der nächste Wagen wird ein schicker VW. Da würden sie zumindest einen Großteil von dem Zeug reinkriegen, aber das bringt ja alles nichts, wenn sie ihn noch nicht hat. „Weißt du was? Wir leihen uns einfach einen von den Sprintern aus. Wird jetzt schon kein Großeinsatz sein.“

 

Auf der Fahrt zum Discounter schimpft Jan so lange über die Autofahrer im Feierabendverkehr, bis Rosa das Blaulicht anmacht. Die Leute auf dem Edeka Parkplatz staunen nicht schlecht, als da der große Einsatzwagen angefahren kommt und dann sie beide in Zivil und völlig unaufgeregt aussteigen. 

So gerne Rosa auch mit Jan unterwegs ist, sie hat schon keine Lust mehr auf diese Shoppingtour, als sie gerade mal den Orangensaft im Einkaufswagen haben. „Haben die dir eigentlich gesagt, wieso wir zwei das ausgerechnet machen müssen?“ will sie von Jan wissen, der gerade debattiert, welches Sprudelwasser sie nehmen sollen. 

Er guckt zu ihr, zuckt mit den Schultern. „Weiß nicht. Wahrscheinlich, weil wir gerade eh keine richtigen Fälle bekommen, nachdem wir ewig weg waren und Faber immer noch verschwunden ist“, meint er und lässt Martina dabei aus. 

Wahrscheinlich hat er Recht. Faber ist weg, niemand hat offiziell die Leitung der Mordkommission mehr, Jan hat die kommissarische abgelehnt, Rosa will man sie noch nicht geben, weil noch kein psychologisches Gutachten da ist und Rosa außerdem gerade mal zwei Wochen wieder im Dienst ist. Davor ist sie drei Wochen krankgeschrieben gewesen und Jan drei Wochen auf eigenen Wunsch beurlaubt. Da kommen sie beide für so eine Praktikanten-Sidequest wie Getränke für den Polizeiball kaufen natürlich gerade recht. 

„Ich weiß, es nervt“, murmelt Jan und stellt das Gerolsteiner zurück ins Regal. „Aber sieh‘s mal so: sei froh, dass wir mal wieder rauskommen. Die letzten Wochen waren nicht einfach. Ein bisschen normale Realität tut uns bestimmt gut.“ Er versucht sich an einem Lächeln, das Rosa nur bedingt erwidern kann.

Sie ist viel zu genervt. Normale Realität hätten sie auch anders haben können. „Trotzdem eine Schweinerei, dass wir die ganzen Kästen rumschleppen können. Die hätten uns ja wenigstens noch ein, zwei mehr Leute zum Tragen mitschicken können.“

Jan schmunzelt. „Hättest du das denn gewollt?“

Nun viel weniger genervt verdreht Rosa die Augen. „Nein, hast ja Recht. Mit dir allein ist's mir lieber.“

Jan zwinkert ihr zu und lädt das Wasser in den Einkaufswagen. „Außerdem kommt‘s eh nicht in Frage, dass du hier irgendwas schleppst, Rosa. Du passt auf, dass ich keinen Scheiß kauf und überwachst die Finanzen.“

Empört verpasst sie ihm einen Stoß in die Seite. „Ich bin übrigens nicht aus Zucker.“

„Weiß ich, aber du solltest dich schon noch schonen.“

„Jan, es ist fünf Wochen her“, brummt Rosa. „Mir geht's wieder gut.“

Kurz guckt Jan sie einfach nur an mit diesem tiefen, durchdringenden Blick, der so sanft und besorgt zugleich ist. Dann nickt er. „Okay, ich hör schon auf. Dann schleppen wir eben gemeinsam.“

 

Trotz Teamwork brauchen sie fast zwei Stunden, um die ganzen Getränke im Sprinter zu verstauen. Danach sind sie fix und fertig und knapp vierhundert Euro ärmer. Aber das holen sie sich später aus der Präsidiumskasse wieder. 

Eigentlich sollten sie das ganze Zeug auch noch ausladen, aber darauf haben sie beide keine Lust mehr. Ist schon fast halb neun, als sie wieder am Präsidium ankommen. Jan parkt den Sprinter vor dem Eingang der Kantine, wo der Ball stattfindet, Rosa schreibt eine freundliche Whatsapp in die Orga-Gruppe, die die anderen wissen lässt, dass sie das Zeug da morgen selber ausladen können. 

Dann hocken Rosa und Jan erschöpft und ausgehungert in Jans BMW. Rosa guckt ihren Lieblingskollegen an, während sie ein Gähnen unterdrückt. „Und jetzt?“

„Weiß nicht, sag du.“

Rosa lässt ihren Kopf gegen die Fensterscheibe sinken, hält jedoch Jans Blick stand. Sie muss schon wieder gähnen, er lächelt sanft und streckt die Hand aus, um ihr über die Schulter zu streicheln. Rosa lehnt sich ein wenig in seine Berührung. 

Jan entgeht das natürlich nicht. Auch nicht, dass ihr Magen knurrt. „Hast du Lust auf Pizza? Ich geb aus.“

Wie könnte Rosa da Nein sagen? Freudig nickt sie und sofort bessert sich ihre Laune. Jan fährt sie beide nachhause - Zuhause ist heute Jans Wohnung - während Rosa ein Lokal aussucht und online eine Bestellung aufgibt. 

Der Foodora Fahrer kommt ihnen entgegen, als sie in die Straße einbiegen. In der Haustür steht Mia mit drei Pizzakartons in den Händen und einem verwirrten Lächeln auf dem Gesicht. „Papa, hast du- oh, hallo Rosa! Habt ihr Pizza bestellt?“ Sie nicken synchron und Mia quiekt vergnügt. „Geil!“

In Rekordzeit verschlingt Jans Tochter ihre Margherita, schafft es nebenbei noch Rosa und Jan detailreich von ihrem Tag zu berichten und über ihre Oma abzulästern, was Jan mit einer hochgezogenen Augenbraue hinnimmt. Er hat selber den Mund mit Pizza voll, aber Hawaii. Muss er selber wissen. Rosa ist da mit ihrer Funghi weitaus besser bedient findet sie. 

Den Tisch entbröseln sie ohne Mia, die ist nämlich ins akute Fresskoma verfallen und hat sich ins Bett verabschiedet. Ist ja auch schon zehn. 

Jan spült das Geschirr ab, was den Tag über liegen geblieben ist - seine Spülmaschine ist immer noch kaputt. Seit fast zwei Wochen hat er sich nicht darum gekümmert, aber Rosa kann ihn nicht verurteilen, weil sie mit ihrem Auto nicht besser gewesen ist. Sind eben andere Dinge wichtig gewesen in letzter Zeit. Jan, zum Beispiel, für Rosa. Und Rosa für Jan. Und das ist irgendwie schön gewesen, hat ihnen beiden gut getan. 

Als Jan fertig ist und sich die Hände abtrocknet, verlässt Rosa ihre Position neben ihn an der Küchenzeile und schlingt von hinten beide Arme um ihn. 

„Müde?“ fragt Jan. 

Sie nickt gegen seinen Rücken. „Ziemlich.“

„Dann lass mal auf die Couch. Du bleibst doch hier?“

Rosa liebt, wie beiläufig er das fragt. Und wie selbstverständlich sie bejaht. Ja, es ist viel Scheiße passiert in den letzten Wochen und sie haben ziemlich viel durchstehen müssen. Aber diese neue Nähe zu Jan, die daraus entstanden ist, macht das ganze fast wett. 

„Kann ich einen Pulli von dir?“ fragt Rosa und zupft an ihrer Bluse. „Die wird langsam unbequem.“

„Na klar, ich hol dir einen.“

 

Rosa kriegt das weiche, lachsrosa Sweatshirt von ihm und sitzt dann auf der einen Seite der Couch, Jan auf der anderen. Ihre Beine berühren sich. Das ist untertrieben, sie liegen eigentlich überkreuzt übereinander und Jans Hand ruht seit zehn Minuten auf ihrem Knie. 

„Was ziehst du eigentlich morgen an für den Ball?“ will er wissen, während sein Daumen Kreise über den Stoff ihrer Hose reibt.

„Keine Ahnung, ich weiß ja nicht mal, ob ich hingehe“ sagt Rosa, schlürft von der heißen Schokolade, die Jan ihnen noch gemacht hat, einfach so. 

Verwundert hebt Jan den Blick von seiner Tasse. „Wie jetzt? Ich dachte, wir zwei gehen miteinander hin.“

„Willst du da wirklich hin? War doch die letzten Jahre immer kacke. Wir haben danach noch jedes Mal gesagt, dass wir nächstes Jahr nicht mehr gehen.“

Er zuckt mit den Schultern. „Ja schon, aber ich fand's mit dir trotzdem immer ganz schön, wenn uns grad sonst niemand genervt hat. Okay, das kam oft vor… aber ich dachte zusammen könnten wir's trotzdem schön haben.“

Rosa legt den Kopf schief, schiebt ihre Finger zwischen die von Jan. „Wir könnten‘s aber auch woanders zusammen schön haben.“

„Woanders kann ich aber nicht mit dir tanzen“, lenkt Jan ein.

„Seit wann tanzt du?“

„Nur mit dir!“

„Oah ne, dann trittst du mir bestimmt dauernd auf die Füße“, stöhnt Rosa. „Außerdem hab ich morgen wahrscheinlich so ‘nen Muskelkater, dass ich mich gar nicht mehr bewegen kann.“

„Okay, überredet.“ Theatralisch wirft sich Jan auf Rosa drauf. „Wir bleiben morgen den ganzen Tag im Bett und katern aus… spaßbefreit und in völliger Ernsthaftigkeit.“

Rosa muss lachen. Mit einem Knuff in die Seite befördert sie Jan unsanft von sich runter. „Du bist so doof.“

Jan lacht schrill auf, versucht ihre Hand abzuwehren, aber sein Arm rudert nur durch die Luft. „Selber doof“, keucht er grinsend, als er aus der Versenkung zwischen Couchpolstern und Rosas Körper auftaucht.

Rosa fährt mit ihren Fingern durch seine wüsten Haare, Jan schmiegt sich gespielt beleidigt gegen sie. „Sag mal, wie lang willst du dir die Haare eigentlich noch wachsen lassen?“ hakt sie nach. Die sind in letzter Zeit tatsächlich ein bisschen lang geworden, hängen Jan ständig vor die Augen, aber so richtig draum kümmern mag er sich nicht.

„Bis ich mir auch so einen Dutt machen kann wie du“, brummt er gegen Rosas Schulter. Er blinzelt hoch zu ihr, nimmt ihr amüsiertes Schmunzeln und den darauf folgenden Stirnkuss mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis.

Und Rosa nimmt Jan in den Arm, krault liebevoll seine Schulter, bis er mit dem Kopf gegen ihr Schlüsselbein sinkt und die Augen schließt. Auch Rosa holt die Müdigkeit endlich ein. Es ist warm, weich und Jan ist bei ihr. Im Halbschlaf zeichnet sein Daumen noch kleine Halbkreise auf ihren Arm. „Hab dich lieb, Rosachen“, murmelt er, die Stimme gedämpft von Rosas Sweatshirt, das eigentlich ihm gehört.

„Ich dich auch“, flüstert Rosa, bevor sie wegdämmert. Neben Jan kann sie immer noch am besten einschlafen. Er muss gar nichts tun, einfach nur da sein - dann ist alles gut, dann ist alles genau wie es sein soll.