Actions

Work Header

Pyjamaparty

Summary:

Es ist ein seltsames Bild, das sich Leo da bietet, als er nach Hause in ihre WG kommt und das Wohnzimmer betritt.

Adam sitzt auf der Couch. So weit so gut, das hat er erwartet.

Nicht erwartet hat er hingegen, dass Adam dort a) mit Esther (?) im Pyjama vorm Fernseher sitzt und Leo b) ganz nebenbei ein paar interessante Dinge über Adams Männergeschmack aufschnappen darf.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Dass irgendwas nicht stimmt, ist Leo spätestens in dem Moment klar, als er die Stimme wahrnimmt, die gedämpft aus dem Wohnzimmer dringt.

Weiblich ist sie, und kommt ihm irgendwie vage bekannt vor.

Stirnrunzelnd schlüpft er aus seiner Jacke, lässt seine Sporttasche neben die Garderobe fallen – und bleibt mit seinem Blick an einem beigen Trenchcoat und einem braunen Paar Damenstiefel hängen.

Gehören die nicht…?

Leicht verwirrt schiebt er die Tür zum Wohnzimmer auf – und bleibt wie angewurzelt stehen.

„Leo! Ich dachte, du wärst noch länger im Gym?”

Es ist ein seltsames Bild, das sich ihm da bietet.

Adam sitzt auf der Couch. So weit so gut, das hat er erwartet, das ist ein Bild, das er inzwischen kennt, auch wenn er sich vermutlich nie ganz dran gewöhnen wird, dass er jetzt nach Hause kommen darf und Adam da auf ihn wartet. (Wobei Adam genau genommen wohl nicht auf ihn wartet, wenn Leo abends noch unterwegs war, sondern sich halt einfach erwartbar in ihren gemeinsamen Räumen aufhält, wie das in einer WG eben so ist.)

Aber Adam sitzt nicht einfach nur auf der Couch. Er sitzt da mit… Esther. Freiwillig. Beide in Kuscheldecken eingerollt. Beide in Pyjamas. Und… beide mit einem Glas Wein in der Hand?

„Ist alkoholfrei”, sagt Adam schnell und knipst mit der Fernbedienung den Fernseher aus, über den bis eben noch irgendwas geflimmert ist.

Leo blinzelt ein paar mal. „Und der schmeckt?”, sagt er dann, als wäre der Wein das, was ihn gerade am meisten verwirren würde.

„Geht so”, sagt Esther.

Adam kichert.

Er kichert.

Wäre Leo sich nicht absolut sicher, dass Esther sich lieber für den Rest ihres Lebens nächtliche Observationen zu zweit mit Adam um die Ohren schlagen würde als wissentlich gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verstoßen, würde er denken, sie hat ihm irgendwas in sein Glas gekippt.

Dann wiederum sitzt sie hier, allem Anschein nach freiwillig mit ihm gemeinsam in einem Zimmer, besser noch, auf der selben Sitzgelegenheit, ohne dass sie ihm bisher an die Gurgel gegangen zu sein scheint, und Leo ist sich nicht sicher, was er noch über sie weiß.

Und über Adam.

„Was… macht ihr denn hier?”, fragt er verdattert.

„Ich wohne hier”, erklärt Adam wenig hilfreich.

„Ja, das ist mir klar, Adam, ich meinte mehr… was ihr hier macht?”

Esther zieht eine Augenbraue hoch. „Auch schön, dich zu sehen, Hölzerchen.”

Leo blinzelt ein paar mal. „Klar, sorry, so meinte ich das nicht–” Er atmet aus. „Auch schön, dich zu sehen, Esther.”

Esther nickt zufrieden, nimmt einen Schluck von ihrem geht so guten Wein.

Einen Moment ist es still. Die Frage, die Leo sich stellt, steht immer noch im Raum wie ein Elefant.

„Wir haben neulich zufällig rausgefunden, dass wir gern die selben Sachen… fernsehen”, bietet Adam schließlich großzügig an.

„Oh. Schön.”

So richtig auflösen tut das Leos Verwirrung auch nicht. Ein wenig unschlüssig steht er herum, fühlt sich ein bisschen verloren in seinem eigenen Wohnzimmer und weiß nicht so recht, wohin jetzt mit sich. Vielleicht sollte er sich einfach in sein Zimmer verziehen und Adam und Esther… neugefundene BFFs sein lassen, oder was auch immer das hier ist?

Schließlich entscheidet er sich doch dazu, die einzig logische Frage zu stellen.

„Kann ich… mitgucken?”

Adam macht ein ersticktes Geräusch, Esther verschluckt sich an ihrem Wein.

„Hm?”, fragt sie hustend.

Leo deutet zum Fernseher. „Naja, das, was ihr gerade geguckt habt. Kann ich da mitgucken?”

Adam wirft Esther einen hilfesuchenden Blick zu. „Äh…”

Esther scheint auch nicht so richtig zu wissen, was sie sagen soll. Klappt den Mund auf und stumm wieder zu.

In Leos Kopf beginnt es zu rattern. Es ist Wochenende. Sonntag. Aus dem Gym ist er so gegen halb 9 los, was bedeutet, dass gerade noch –

Seine Augen werden groß. „Nee, oder? Tatort?”

Adam ist für einen Moment still. Dann wirft er die Hände in die Luft. „Ja, okay, verklag uns doch!”

Leo blinzelt, schüttelt den Kopf. „Aber… das ist immer so unfassbar unrealistisch, niemand, der bei der MoKo arbeitet und ein bisschen was von sich hält, würde–”

„Wir gucken das ja auch nicht für die realistische Polizeiarbeit”, unterbricht Esther ihn augenrollend.

„Sondern?”

Adam grinst. „Esther ist scharf auf die Hälfte der Kommissarinnen.”

„Schürk!” Ein spitzer Ellenbogen landet zwischen seinen Rippen.

Adam schnaubt. „Also, so wie du die Frankfurterin letzte Woche angestarrt hast–”

„Was denn? Sie ist halt eine schöne Frau.”

„Sag doch gleich, dass du am liebsten mit deinem Klon bumsen würdest.”

„Klappe, Schürk. So ähnlich sehen wir uns nicht.” Esther verschränkt ihre Arme. „Außerdem bist du nicht viel besser.”

Huch? Auf einen Schlag ist Leo hellwach. Neugierig schaut er zu Adam rüber. „Wieso? Welches Team schaust du denn am liebsten?”

Wenn Leo sich das nicht einbildet, läuft Adam doch tatsächlich ein klitzekleines bisschen rot an. Er wirft Leo einen verlegenen Blick zu. „Äh-”

„Unseres”, antwortet Esther für ihn. „Also, Saarbrücken. Ich sag dir, so wie der eben gesabbert hat, als dieser dunkelhaarige Kommissar da an der Saar entlanggejoggt ist–”

„Zum hundertsten mal, ich hab nur so genau hingeschaut, weil ich’s nicht glauben konnte, dass der sich wirklich die Seite mit der Stadtautobahn ausgesucht hat–”

Oh. Ein bisschen neugierig ist Leo jetzt schon. Seit Adam hier eingezogen ist, hat er nie irgendwelchen Männerbesuch gehabt. Und auch davor hat er sich nie so richtig in die Karten blicken lassen, nie von irgendwelchen Dates oder Bettgeschichten erzählt, von denen Leo Rückschlüsse auf Adams Typ hätte ziehen können. Und irgendwie wüsste Leo schon ganz gern, wie der so aussieht, auch wenn das eigentlich natürlich total egal ist–

„Ich guck’ mit”, entscheidet er also, diesmal keine Frage, und rutscht neben Esther aufs Sofa.

„Von mir aus”, sagt die und greift nach der Fernbedienung. „Aber keine doofen Kommentare!”

Adam sieht kurz aus, als würde er protestieren wollen. Dann sacken seine Schultern zusammen und er scheint sich einfach seinem Schicksal zu fügen.

Die Handlung setzt irgendwo mittendrin ein. Zwei Episodenrollen streiten sich über irgendetwas, das Leo ohne Kontext nicht versteht. Die Sonne geht über der Saar auf. Dann klingelt ein Telefon im Präsidium und wird abgenommen von – dem dunkelhaarigen Kommissar.

„Oh”, macht Leo.

Starrt eine Sekunde auf den Bildschirm. Schielt dann zu Adam rüber, der ein wenig rot anläuft, ein bisschen tiefer in die Kissen sinkt und aussieht, als würde er sich gerade furchtbar anstrengen, nicht zu Leo rüberzuschauen.

Leos Gedanken rasen. Er bildet sich das doch nicht ein, dass –

„Der sieht einem von uns ziemlich ähnlich, und ich bin es nicht”, bemerkt Esther das Offensichtliche.

„Fresse, Baumann.”

Leo muss grinsen.

Was das für Adam und ihn heißt, darüber kann er später nachdenken, wenn sich sein Herzschlag beruhigt und sich das Kribbeln in seinem Bauch ein bisschen gelegt hat, entscheidet er.

Jetzt ist er erstmal ein wenig erleichtert, dass Adam und Esther irgendwo unter ihren flauschigen Decken und kuscheligen Pyjamas noch immer dieselben zu sein scheinen.

Notes:

Danke fürs Lesen! <3