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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-10-05
Words:
1,419
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
4
Hits:
16

Hausbesuch

Summary:

Paul ist krank. Seit vier Tagen.
Ivo macht sich Sorgen.

Notes:

Kann platonisch oder eben auch nicht platonisch gelesen werden, ihr entscheidet :) Was ihr nicht entscheidet, ist, dass Paul touch starved ist, besonders wenn er krank ist, denn das hab ich schon entschieden.

Work Text:

„Wo war eigentlich Paul den ganzen Tag?“

Frida zuckt sorglos, beinahe gleichgültig mit den Schultern und wickelt sich ihren Plüschschal um den Hals. „Soweit ich weiß, ist der noch krank“, meint Mia.

„Was, immer noch?“ Seit Ivo in der Karlsklinik arbeitet, hat Paul noch nie krankheitsbedingt gefehlt. Und jetzt gleich vier Tage.

„Naja, Grippe haben viele grade.“ Mia zieht den Reißverschluss von ihrem Anorak hoch und wirft Ivo einen neugierigen Blick zu. „Oder wieso fragst du?“

Betont lässig zuckt er mit den Schultern. „Och, nur so“, sagt er. Was er nicht sagt, ist, dass er Paul gestern Abend noch geschrieben hat und er meinte, es ginge ihm schon besser und er würde heute bestimmt wieder zur Arbeit kommen. 

„Er kommt schon wieder, dein Doktor Eckart“, zieht Frida ihn mit hochgezogenen Augenbrauen und einem schnippischen Grinsen auf. „Ey, wollt ihr noch was trinken gehen?“

Mia nickt begeistert. „Gerne!“

Ivo wiederum lehnt zähneknirschend ab. „Ne sorry, ich hab noch was vor.“

„Was wohl…“ murmelt Mia, erntet einen warnenden Blick von Ivo und einen fragenden von Frida. „Hausbesuch.“

 

Es ist viertel nach sieben, als Ivo vor Pauls Wohnungstür aufschlägt. Nach ein paar Umwegen hat er die Adresse gefunden. Als seine Hand über der Klingel ausharrt, zittern seine Finger. Warum gleich hat er gedacht, es wäre eine gute Idee einfach so bei Paul aufzutauchen? Ivo schluckt schwer, nimmt seinen Mut zusammen. Jetzt ist er ja schon da. Und wer sagt denn, dass Paul überhaupt aufmacht? 

Tatsächlich tut sich eine ganze Weile gar nichts. Ivo hat sogar ein zweites Mal geklingelt. Paul muss zuhause sein, denn sein Auto steht unten an der Straße. Vielleicht schläft er ja so fest, dass er die Klingel nicht hört. Ivo will schon abhauen, da klickt plötzlich das Türschloss. 

 

Und dann steht da Paul und er sieht schrecklich aus. 

Ivo erschrickt richtig. So hat er Paul überhaupt noch nie gesehen. Er ist ganz blass, die Augen sind glasig und irgendwie trüb, die Schatten darunter sind tief, und irgendwie ist er recht wacklig auf den Beinen, so wie er schwankt. 

Paul guckt ihm mindestens genauso überrascht entgegen wie Ivo es tut. Nur, dass sich auf seinem Gesicht der Hauch eines Lächelns abzeichnet anstatt einer Sorgenfalte zwischen den Augenbrauen. „Ivo“, haucht Paul heiser, „was machst du hier?“

„Ich wollt mal nach dir sehen“, antwortet er und versucht sich auch an einem Lächeln, aber scheitert. „War wohl auch bitter nötig. Shit, Paul, du siehst… also…“

„Beschissen aus? Sag‘s ruhig, ich hab heute Morgen in den Spiegel geschaut“, seufzt er und tritt an Ivo heran, bis da nur noch ein paar Zentimeter zwischen ihnen sind. Seine Unterlippe zuckt. „Ivo, ich will dich nicht anstecken, aber meinst du, du kannst ein paar Minuten bleiben?“

Sofort nickt er eifrig. „Ich kann auch länger.“

„Danke“, wispert Paul und im nächsten Moment fällt er Ivo um den Hals. Ivo hält erschrocken die Luft an, hält dann Paul fest und erschrickt, weil er auf vier Tage ordentlich Gewicht verloren hat. Zumindest kommt es Ivo so vor, als er über Pauls Rücken streichelt. 

Als sie einander wieder loslassen, ist Ivos Blick misstrauisch. „Paul? Hast du die letzten Tage gegessen?“

„Kaum“, gibt er zu, „ich hab die letzten Tage vor allem im Bett verbracht.“

„Mann Paul, du musst doch was essen“, protestiert Ivo und streicht Paul sacht über den Oberarm, bevor er sich selbst stoppen kann. „Ich bestell uns ‘ne Pizza“, entscheidet er. 

 

Während sie auf den Lieferdienst warten, kocht Ivo Tee für Paul. Ingwer und Zitrone mit einem Löffel Honig, das wirkt oft Wunder. Er bringt ihn Paul an die Couch rüber, wo sich der Mann eingerollt hat und förmlich vergraben unter seiner Decke. Ivo hilft ihm unaufgefordert, sich aufzurichten und stützt ihn ein wenig, während er seinen Tee trinkt. 

„Schmeckt okay?“ fragt Ivo. 

Paul nickt dankbar. „Schmeckt gut“, verbessert er.

„Wie fühlst du dich sonst?“

„Nicht so sehr… mein Kopf dröhnt und ich würd gern mal wieder schlafen können“, murmelt Paul mit zwei Fingern an der Nasenwurzel. Ivo bedenkt ihn mit einem mitleidigen Blick, lässt seine Finger kurz über sein Knie huschen. Als würde das was bringen - doch das tut es vielleicht, denn über Pauls Gesicht huscht der Anflug eines Lächelns.

Nachdem er sich wieder hingelegt hat, zupft Ivo seine Decke zurecht, hockt sich dann ans Fußende der Couch neben Paul, bis es an der Tür klingelt. 

 

Völlig ausgehungert scheint Paul zu sein, haut richtig rein. Die Hälfte der Pizza ist innerhalb fünf Minuten weg. Ab der zweiten fängt‘s dann an zu hapern. Letztendlich schiebt Paul Ivo sein letztes Stück zu. 

Während Ivo kurz aufräumt, verkriecht sich Paul wieder unter seiner Decke und hustet ein paar Mal ganz übel. Ivo kommt zu ihm rüber, tätschelt ihm etwas unsicher den Arm und legt dann seine Hand auf seine Stirn. „Du hast ja Fieber. Nimmst du irgendwas?“ Kopfschütteln seitens Paul. „Ernsthaft? Du bist doch Arzt.“

„Grad die sind die schlimmsten Patienten.“

Unzufrieden verzieht Ivo das Gesicht. „Hast du irgendwas da? Antibiotika, Fiebersenker?“

„Ne, nur Novamin Sulfon.“

Ivo seufzt. Besser als nichts. Gemeinsam mit einem Glas Wasser bringt er Paul die Tablette. „Du musst wirklich besser auf dich schauen, Paul“, tadelt er ihn sanft. 

„Dafür hab ich doch jetzt dich“, flüstert Paul und streckt seine Hand nach Ivo aus. 

Ohne lange zu überlegen, greift er danach und drückt zärtlich Pauls Finger. Er sieht so erbärmlich aus, dass Ivo echt krass viel Mitleid mit ihm hat. Am liebsten würde er ihn gleich wieder umarmen. „Kann ich noch irgendwas für dich tun? Brauchst du noch was?“

„Nein, danke“, murmelt Paul mit halbgeschlossenen Lidern und reißt dann plötzlich die Augen auf. „Gehst du?“

„Ich äh…“ stammelt Ivo, „ich sollt wahrscheinlich oder?“ Es ist schon spät geworden, gleich halb zehn. 

„Und wenn du hier bleibst?“

„Was?“ Ivo kann nicht glauben, dass er das gerade fragt. Der Mann, mit dem er sonst im Behandlungszimmer steht und Menschen gesund pflegt, will, dass er bei ihm übernachtet, hat er das gerade richtig verstanden? „Meinst du das ernst?“

Paul nickt zaghaft. „Eigentlich schon… ich möcht heute nicht mehr allein sein.“

„Musst du auch nicht“, entscheidet Ivo, „ich bleib hier.“

 

Eine Weile noch bleiben sie im Wohnzimmer. Ivo hat sich neben Paul aufs Sofa gesetzt und Paul hat gut eine Viertelstunde mit Kopf in Ivos Schoß geschlafen. Als er aufgewacht ist, hat er wieder einen Hustenanfall gehabt. Ivo hat fest eine Hand über seinen Rücken gerieben. 

Jetzt zittert Paul, klagt, dass ihm kalt ist. Ivo fürchtet, dass über die Nacht Schüttelfrost draus wird. Aber seinen Vorschlag, in die Klinik zu fahren, lehnt Paul vehement hab. 

„Dann nimm wenigstens meinen Hoodie“, bietet Ivo an. Dagegen sagt Paul nichts, hebt brav die Hände, als Ivo ihm beim Anziehen hilft. Das Zittern wird leichter, Paul ist trotzdem fix und alle. Er lehnt sich gegen Ivos Schulter, kann sich keine zwei Minuten mehr alleine aufrechthalten. 

Irgendwann zieht Ivo ihn hoch, schlingt einen Arm um seine Mitte und hilft ihm die Treppe hoch. „Du gehörst ins Bett“, erwidert er auf Pauls halbherzigen Protest. Er glaubt, dass Pauls einzige Sorge ohnehin nur ist, dass er abhaut. Aber das würde ihm nicht im Traum einfallen.

Als Ivo ihn zudeckt, zittert Paul wieder - trotz Decke, trotz Hoodie. Also klettert Ivo kurzerhand zu ihm ins Bett, schlüpft mit unter die Decke und breitet die Arme aus. „Komm mal her jetzt, wir müssen dich mal aufwärmen.“

Paul rutscht an ihn heran, drückt seinen Rücken gegen Ivos Brust und lässt sich mit einem zufriedenen Seufzen in den Arm nehmen. Tatsächlich wird das Zittern leichter - Körperwärme hilft eben am besten.

Irgendwann dreht er sich um und schmiegt sein Gesicht erschöpft gegen Ivos Hals. „Ich bin froh, dass du da bist“, nuschelt er und klammert sich an Ivos Shirt fest. „Danke, Ivo.“

„Klar“, flüstert er und fährt mit einer Hand vorsichtig durch Pauls Haare. Er mag, wie vertraut sich das anfühlt, und wie ruhig Paul atmet, als er langsam in Ivos Umarmung wegdämmert. „Was macht dein Kopf?“ will Ivo dennoch wissen.

„Viel besser“, brummt Paul schläfrig. 

„Morgen bleiben wir aber trotzdem noch daheim.“

Verwundert blinzelt Paul zu ihm hoch. „Wir?“

Ivo nickt entschlossen. „Wir. Ich hab morgen meinen freien Tag und außerdem hab ich dir doch gesagt, dass ich hier bleib.“

„Oh, Ivo“, murmelt Paul und er muss schon im Halbschlaf sein, als er das sagt, weil er sagt, „hab ich dir schon mal gesagt, dass ich dich echt lieb?" 

Ivos Herz überschlägt sich in seiner Brust. Er zieht ihn näher und drückt seine Lippen an seine Stirn. „Ich lieb dich auch“, haucht er in Pauls Haare und dann schläft auch Ivo ein.