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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2026-10-16
Words:
1,557
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
3
Hits:
6

Kribbeln im Bauch

Summary:

Paul und Ivo treffen sich zum allerersten Mal.

Notes:

Für dich Bestie, hoff du magst es!

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Ivo weiß nicht ganz, womit er gerechnet hat, als ihm Betty und Zoe von Safis legendärem Kiosk erzählt haben, aber mit Sicherheit nicht damit, das hier in der Mittagspause eine riesenlange Schlange steht. Kurz überlegt er, doch wieder umzudrehen und zurück zur Klinik zu laufen, sich wieder in der Kantine was zu holen wie die gestern, aber da ihm sein Magen gefühlsmäßig schon bis in die Kniekehlen hängt, entscheidet er sich gegen Kantine und für Kiosk. Wird schon nicht so lange dauern. 

Ivo stellt sich hinter einen Kerl mit braunen Haaren und champagnerfarbener Cordjacke mit Plüschkragen in die Schlange. Tatsächlich geht es recht zügig voran. Noch drei Leute vor ihm. Ivo reckt ein wenig seinen Kopf, versucht einen Blick nach vorne in die Auslage erhaschen zu können. Dabei erregt er die Aufmerksamkeit seines Vordermanns.

Der dreht sich mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem Lächeln auf den Lippen zu ihm um. Er ist sicher ein paar Jahre älter als Ivo, trägt ein grünes Sweatshirt, Dreitagebart und sanfte Lachtfalten um die Augen. Er hat noch gar nichts gesagt, doch Ivo findet ihn jetzt schon sympathisch. Das ist der Typ Mensch mit dem man Pferde stehlen kann. Oder eben stundenlang nebeneinander in einem Krankenhaus herarbeiten kann.

„Dich kenn ich aber noch nicht, stimmt‘s?“ fragt er neugierig.

Ivo schüttelt lächelnd den Kopf. „Ne, ich bin neu hier.“

Der Braunhaarige nickt. Weiter kommen sie nicht, weil er der nächste in der Schlange ist. Er bestellt bei Safi eine Pfirsich-Minz-Limo und einen Bulgursalat. „Legendär. Beides“, informiert er Ivo mit einem Zwinkern.

„Sonst noch was?“ will Kiosk-Safi wissen. 

„Danke, das-“ Er hält inne, wirft Ivo nochmal einen Blick zu, diesmal länger. „Was magst du?“

Ivo ist völlig überrumpelt und antwortet einfach: „Dasselbe, bitte.“

Safi nickt geschäftig, reicht dem Braunhaarigen noch eine Limo über den Tresen, die er dann an Ivo weitergibt. „Bulgursalat war leider der letzte. Was darf es stattdessen sein?“

„Ähh…“ Hilfesuchend schaut Ivo nach links.

Er lehnt sich ein wenig zu ihm rüber. „Das Sandwich mit Grillgemüse ist sehr gut“, lässt er ihn wissen.

„Dann das“, entscheidet Ivo. Er kramt gerade nach seinem Geldbeutel, doch da hat der braunhaarige Kerl schon einen Zehner auf den Tresen gelegt.

„Stimmt so. Danke dir, Safi.“ Er wendet sich zu Ivo, streift mit seiner Hand sacht seinen Oberarm und schiebt ihn zu einem der Stehtische. „Na komm.“

„Geld geb ich dir sofort“, haspelt Ivo, stolpert aus blanker Überforderung beinah über seine eigenen Füße.

„Lass stecken. Sieh‘s als Einstand… ähm?“

„Ivo. Ivo Bogdanovic“, stellt er sich vor. „Bin der neue Pfleger.“

„Freut mich, Ivo“, erwidert er und streicht schon wieder flüchtig über seinen Arm. Eigentlich findet Ivo sowas befremdlich, fand es befremdlich, als Betty es gestern getan hat, aber bei ihm ist das irgendwie anders. Nicht so mütterlich wie bei Betty oder von oben herab, sondern freundschaftlich. „Ich bin Paul Eckart“, stellt er sich nun endlich vor und seine Mundwinkel zucken fröhlich nach oben. 

„Paul. Cool!“ Ivo hält ihm seine Faust hin. Paul erwidert den Fistbump sofort mit einem Grinsen. „Bist du dann auch Pfleger auf der Station von Frau Puhl?“ fragt er hoffnungsvoll.

Paul schüttelt weder den Kopf noch nickt er - es ist mehr so ein dazwischen, während er leicht beschämt die Augenlider niederschlägt. „Fast. Ich bin auf der Station, aber als Assistenzarzt.“

„Oh fuck, sorry!“ purzelt es Ivo über die Lippen, während er spürbar rot anläuft. Er schafft es wirklich immer in irgendein Fettnäpfchen zu treten. „Ich wollt Sie nicht-“

Paul hebt eine Hand hoch, schüttelt den Kopf. „Bitte. Bleib bei Paul. Ich find dieses Gesieze wahnsinnig anstregend. Außerdem waren wir doch schon so schön beim Du.“ Fast feierlich hebt er seine Limoflasche. „Auf dich, Ivo.“

Noch immer etwas verlegen prostet Ivo Paul zum Die Flaschen klirren leise, Paul schmunzelt, ehe er trinkt. Ivo muss unterm Trinken lächeln, verschluckt sich fast, aber entkommt gerade noch einem Hustenanfall. „Danke für's Mittagessen ausgeben, Paul. Ich darf mich aber schon mal revanchieren oder?“

„Sehr gerne“, erwidert Paul. Er klingt ehrlich erfreut, als er das sagt. Seine braunen Augen blitzen kurz auf. Ivo mag, wie schön warm die sind. Schokoladenbraun, irgendwie. „Tut mir übrigens leid wegen dem Bulgur. Wenn du tauschen willst, gib Bescheid“, sagt Paul, während Ivo schon gierig in sein Sandwich beißt.

„Zu spät“, nuschelt er mit vollem Mund.

Paul muss lachen. Ein kehliges, warmes Lachen. Klingt schön. Ivo mag, wie Paul lacht. „Alles klar. Dann vielleicht probieren?“

Enthusiastisch nickt Paul. „Gerne! Glaubst du, Safi gibt mir ‘noch ne Gabel dafür?“

„Lass gut sein. Hier, ich hab noch nicht.“ Paul hält Ivo seine Gabel hin.

„Sicher, dass das okay ist? Ich meine-“

„Ivo. Alles gut. Probier.“ Zur Verdeutlichung schiebt er ihm die Glasschüssel mit dem Bulgur hin und drückt ihm seine Gabel in die Hand.

Der Bulgur schmeckt tatsächlich klasse. Aber das Sandwich genau so. Ivo fragt aus Höflichkeit heraus, ob Paul davon auch einen Bissen mag, wo er ihn immerhin um einen Bissen seines Mittagessens gebracht hat, und Paul nimmt das Angebot an. Wenn Ivo Pauls Gabel benutzen darf, darf Paul von seinem Sandwich hinten abbeißen. Das ist nur fair. Doch aus Fairness wird dann ganz schnell Gewohnheit und so landen Sandwich und Bulgursalat in der Mitte des Tischs und sie teilen einfach weiter, bis nur noch Krümel übrig sind. 

Erst danach wird sich in Ruhe den Limos gewidmet. Paul lehnt sich ein wenig vor auf den Tisch, mustert Ivo interessiert. „Erzähl mal, Pfleger Ivo… wie lang bist du schon hier?“

„Nicht lang. Heut ist mein zweiter Tag.“

„Und? Schon eingelebt?“

Ivo zuckt mit den Schultern. „Joa. Mia, Ava, Zoe und Betty sind total nett. Frau Puhl ist auch schwer in Ordnung, glaub ich. Nur diese eine Ärztin… naja, die macht mir etwas Angst manchmal.“

„Du meinst die Von Arnstett?“ Paul nickt wissend. „Ja, die ist etwas eigen. Aber auch, wie sagtest du… schwer in Ordnung? Nein, ehrlich, menschlich ist sie gewöhnungsbedürftig, aber eine großartige Ärztin mit unglaublich viel Kompetenz und Scharfsinn… und gutem Humor. Wirst du noch merken.“

„Solang nicht ich das Thema ihrer Witze bin“, meint Ivo. 

Paul kratzt sich amüsiert am Kinn. „Das könnte gut passieren, aber das darfst du nicht persönlich nehmen. Die ist einfach etwas schräg.“

„Und du?“

Paul legt den Kopf schief. „Ich bin hoffentlich nicht ganz so schräg.“

„Nein, ich meinte eher… also, ich wollte noch was über dich wissen, Dr. Paul Eckart.“

„Achso. Viel gibt's da nicht… ich arbeite schon ein paar Jahre hier, mir hat‘s vor allem die Unfallchirurgie angetan und in meiner Freizeit spiel ich manchmal Hockey“, erzählt er. 

„Cool. Ich geh zweimal die Woche zum Boxtraining.“

Paul runzelt ein wenig die Stirn. „Ah. Daher das blaue Auge? Wenn ich‘s mir mal ansehen soll, gib Bescheid.“

Ivo nickt, sieht sich gerade den kleinen Pride-Pin an, der zur Hälfte unter Pauls Kragen hervorlugt und ihm wird ganz warm ums Herz. Dann ist Paul mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nach schwul oder auch bisexuell oder wenigstens auf irgendeine Weise queer. Das zu wissen, tut ziemlich gut. Ivo muss lächeln, kann nur schwer zurück zum blauen Auge wechseln. „Schon okay, tut kaum weh. Aber danke. Vielleicht komm ich ein anderes Mal drauf zurück, wenn ich wieder eine abkrieg. Also, wenn ich darf?“

Vielleicht bildet er's sich ein, aber er glaubt, dass Pauls Wangen ein wenig glühen, als er sagt: „Jederzeit, Ivo.“ Schon wieder ist seine Hand an Ivos Arm, aber harrt da so lange aus, dass Ivos Haut unter Pauls Griff zu kribbeln beginnt. Ihre Blicke treffen sich und kurz ist da nichts anderes außer die beide im Klinikgarten. 

Dann nimmt Paul schnell seine Hand von seinem Arm, räuspert sich, guckt ihn aber nicht weniger warm an, als er sein Handy aus seiner Jackentasche fischt. „Willst du meine Nummer? Falls du mal außerhalb meiner Arbeitszeit zusammengeflickt werden musst?“

Ivo schnaubt belustigt. „Ich hoff nicht, dass es soweit kommt, aber deine Nummer mag ich trotzdem gerne“, antwortet er und merkt erst danach, wie das klingt. Ihm schießt auch schon wieder die Hitze ins Gesicht, aber vielleicht bemerkt Paul es nicht so sehr, während Ivo konzentriert seine Nummer in sein Handy eintippt und andersherum. 

„Ich muss jetzt leider wieder weiter“, sagt Paul entschuldigend, nachdem sie auch ihre Limos geleert haben. „Aber wir sehen uns wieder.“

„Wann?“ fragt Ivo mutig. 

Paul guckt kurz überrascht, dann muss er wieder lächeln. Kein Wunder, dass er so viele Lachfalten hat. „Spätestens morgen? Selber Ort selbe Zeit?“

Ivo kommt aus dem Dauergrinsen gar nicht mehr raus. Pauls Anwesenheit macht irgendwas mit ihm. Er weiß noch nicht, was es ist, aber er weiß, dass er es mag. „Klingt gut.“

„Super“, sagt Paul und macht einen Schritt auf ihn zu. Plötzlich hat er beide Arme um Ivo geschlungen und sein Kopf ist auf seiner Schulter. „Ich freu mich.“

Ivo erwidert die Umarmung, bevor Paul noch auf die Idee kommt, sie vorschnell aufzulösen. Er reibt beide Hände über seine Schultern und erwidert: „Ich mich auch.“ Und dann fügt er noch etwas leiser hinzu: „Und ich mag übrigens auch deinen Anstecker.“

„Danke“, haucht Paul und drückt ihn kurz ganz fest an sich. Dann löst er die Umarmung auf, drückt seine linke Schuhspitze gegen Pauls rechte. „Und ich mag deine Converse.“ Er zwinkert ihm konspirativ zu, dann hebt er die Hand zum Abschied und läuft zurück zur Klinik. 

Ivo bleibt zurück mit einem Kribbeln auf der Haut und auch im Bauch - und das kommt ganz sicher nicht von der Kohlensäure in der Limo. 

Notes:

Converse sind ein queer code, ok???