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"Für dich"

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18. Dezember 2025 - Sao Paulo

Die Sonne senkte sich über der Skyline von Sao Paulo. Mizrak blinzelte in das Licht, als er die beiden Tassen zu der Sofalandschaft trug. Er hatte einst gedacht, Olrox hätte ihm mit der Verwandlung für immer der Sonne beraubt. UV-Filtern sei dank hatte er nun einen unbeschreiblichen Ausblick.
Olrox hatte es sich bereits auf dem Sofa bequem gemacht. Die Füße auf der Ottomane ausgestreckt, einen Katalog über Hochzeitsmode und einen Stift in den Händen. Auf dem Tisch waren zwei Stapel mit weiteren Katalogen. Wie so oft, wenn sie planten die Nacht Zuhause zu verbringen, hatte er sich nicht die Mühe gemacht, etwas anzuziehen. Mizrak selbst trug immerhin eine Leinenhose.
Langsam ließ er seinen Blick über Olrox wandern. Angefangen bei seinen Füßen, über die Beine und weiter nach oben. Hätten sie nicht gerade erst vor dem Aufstehen Sex gehabt, er wäre ernsthaft versucht, eine neue Runde zu starten. Nachdem sie allerdings schon die letzten Tage ihre Verlobung ausgiebig “gefeiert” hatten, hatten sie abgemacht, sich heute endlich um die Planung der eigentlichen Hochzeit zu kümmern.
“Gefällt dir was du siehst?”, fragte Olrox amüsiert und riss Mizrak aus seiner Beobachtung.
Ertappt spürte er Hitze in die Wangen steigen, doch er fasste sich. “Immer.” Er reichte Olrox seinen Kaffee. “Leider müssen wir uns jetzt mit Planungen beschäftigen.” Er stellte seine eigene Tasse auf den Couchtisch und setzte sich neben Olrox. Wie selbstverständlich legte dieser seinen Arm um ihn, mit dessen Hand er den Stift hielt. Mizrak lehnte sich bei ihm an.
“Was hältst du von so etwas?” Er zeigte auf ein Anzugmodel. Mit Kugelschreiber hatte er aufwändigere Manschetten darauf gemalt und weitere Details hinzugefügt. “Wobei ich eher zu Lavendel tendiere, als zu weiß.”
Mizrak neigte den Kopf ein Stück und versuchte sich vorzustellen, dass das Model kein weißer Mann mit blonden Haaren und blauen Augen war, sondern Olrox. “Steht dir.” Er nickte auf das Handy, das auf dem Tisch lag. “Hast du Adrian schon geschrieben?”
Olrox nickte. “Er hat noch nicht geantwortet. Wahrscheinlich ist er beschäftigt.”
“Mmh”, machte Mizrak, als Zeichen, dass er ihn gehört hatte. Er griff nach dem Katalog und blätterte um. Kein Wunder, dass Olrox darin herumgezeichnet hatte. Die meisten Modelle waren … langweilig. In aller Ruhe blätterte er weiter, bis er auf einen Anzug stieß, der ihn ansprach. “Der gefällt mir. Aber ohne die Mütze.” Irgendjemand hatte es für gut empfunden, dem Mann der das Modell trug, eine Schiebermütze aufzusetzen. “Und ich denke …” Mizrak zögerte. Der Gedanke hatte ihn die letzten Tage begleitet, aber er hatte ihn noch nicht offenbart. “Ich denke, ich möchte weiß tragen.”
Olrox hob die Augenbrauen und sah ihn von der Seite her an. “Weiß?”
Mizraks Wangen brannten, doch er nickte und sah seinen Geliebten an. “Ich weiß, dass es mit der Unschuld bei uns beiden nicht mehr weit her ist, aber … Ich habe meine Unschuld damals in deine Hände gelegt und jetzt möchte ich es gern auch offiziell tun.”
Die Augenbrauen wanderten ein Stück höher. Zur Abwechslung hatte Mizrak ihn mal überrascht. Die Überraschung wich etwas anderem. Olrox legte ihm die Hand an die Wange und küsste ihn sanft. “Danke”, flüsterte er. In Mizraks Magengrube kribbelte es. Seine Hand fand wie von selbst Olrox’ Oberschenkel.
Die Türglocke läutete und rief ihn zurück zur Ordnung. Sie wollten planen. Sie mussten planen, wenn sie nicht in Sack und Asche zum Standesamt gehen wollten und er wusste genau, dass das für Olrox nicht in Frage kam.
Dieser küsste ihn noch einmal. “Ich glaube, das ist meine Bestellung.” Er löste sich und ging zum Aufzug.
“Du hast etwas bestellt?” Mizrak drehte sich ein Stück herum, sodass er den Arm auf die Rücklehne des Sofas legen und seinem Liebsten mit den Blicken folgen konnte. Die seidige Kaskade seiner Haare fielen ihm über den Rücken bis kurz über den Po, an dem Mizraks Blick hängen blieb.
“Habe ich.” Olrox sah auf die Sicherheitskamera. “Sehr gut.” Er drückte den Knopf, der den Lieferanten in den Aufzug lassen und zum richtigen Stockwerkbringen würde. Etwa eine Minute später öffneten sich die Türen.
Die Augen des Boten weiteten sich. Sein Blick flackerte für einen winzigen Moment abwärts, bevor er Olrox angestrengt ins Gesicht starrte. Dieser tat so, als würde er nichts merken, doch Mizrak hörte ihn förmlich in seinen Gedanken lachen. Er unterzeichnete für die Übergabe und nahm die dezent bedruckte Papiertüte entgegen. Er drehte sich um und drückte den Knopf für den Aufzug. Bevor sich die Türen schlossen, sah Mizrak, wie der Blick des Boten wieder abwärts glitt.
Ein Stich der Eifersucht durchzuckte ihn und für einen Moment musste er das Verlangen zurückkämpfen, dem Kurier an die Kehle zu gehen.
Der konnte nichts dafür, dass Olrox nur zu gern seine Umgebung schockierte.
“Ich habe ein Geschenk für dich.”
Mizrak sah zu Olrox auf, der sich neben ihm aufs Sofa kniete und ihm die Tüte reichte. Nun war es an ihm, überrascht die Augenbrauen zu heben.
“Ein Geschenk?” Hatten sie irgendwann abgemacht, dass sie sich etwas schenken würden und er hatte es vergessen? Er nahm die Tüte entgegen. “Ich habe gar nichts für dich.”
Olrox lächelte. “Wenn du es öffnest, weißt du, was du mir schenken kannst.”
Was hatte er nur besorgt? Mizrak griff in die Tüte. Ein in dunkelgrünes Papier verpacktes Geschenk kam zum Vorschein. Eindeutig ein Buch. Großes Format. Hardcover. Mizrak sparte sich die Frage, ob sie nicht schon genug Bücher hätten. Offensichtlich war Olrox anderer Meinung.
Er zog die Schleife auf und löste behutsam die Klebestreifen. Ein weißes, mattes Cover mit einem hochglänzenden Foto kam zum Vorschein. Zwei nackte Männer in sinnlicher Umarmung. Auch der Titel war in Hochglanz gedruckt.
Mizrak sah Olrox an, der nicht zufriedener aussehen könnte “Du schenkst mir ein Kamasutra für schwule Paare?”
Olrox rutschte ein Stück näher an ihn heran, sodass sich ihre Schultern berührten. Er strich mit den Fingern über den Einband und Mizrak spürte es, als wäre es nicht das Buch, das er gerade berührte. “Ich würde gern Nummer 8 ausprobieren.”
Wie könnte er das Buch da noch geschlossen halten? Mizrak blätterte. Es war nicht nur ein Buch mit Stellungen. Es gab lange Textpassagen über Sinnlichkeit und Verführung, Partnerschaft und Philosophie. Tatsächlich nahmen die Stellungen nur einen kleinen Teil ein. Mizrak schlug Nummer 8 auf. Er legte den Kopf schief. “Sieht machbar aus.”
Olrox ließ die Hand verführerisch über seine Brust streichen. “Wann bekomme ich mein Geschenk?”
Mizrak hielt seine Hand auf, bevor er weiter abwärts wandern konnte und klappte das Buch zu. Er schloss die Augen, um sich zu fangen. “Später. Wenn wir fertig sind.” Besser. Er sah Olrox an, der gespielt die Lippen geschürzt hatte, als würde er schmollen. “Wir hatten abgemacht, dass wir heute artig sind. Wir brauchen Anzüge und …”
Das Handy unterbrach ihn mit einem melodischen Ton. Olrox seufzte. “Du hast ja recht”, gab er zu und griff nach seinem Telefon. Er tippte darauf herum und warf dann lachend den Kopf in den Nacken. Ohne Erklärung reichte er Mizrak das Handy. Der Chat mit Adrian war geöffnet.
‘Wir heiraten. Willst du unser Trauzeuge sein?’
‘Wurde auch Zeit. Wann findet die Zeremonie statt?’
Mizrak lachte leise. Das war typisch Adrian. Er hörte den trockenen Ton mit dem er das sagen würde förmlich. Er legte das Handy zurück auf den Tisch und wandte sich wieder Olrox zu. “Also … Hors d'Oeuvres oder Sushi für den Empfang?”

Notes:

Basierend auf einem Traum, in dem Mizrak Olrox aus einem militärischen Bunker befreien musste. Ich bin nicht sicher, ob ich mehr solcher Träume haben will oder nicht XD