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Black Cat (German Translation)

Chapter 10

Summary:

Stress

Chapter Text

„Es hat keinen Sinn mehr.“ Yoongi sah aus, als würde er jeden Moment auf die Knie fallen.
„Ich bin sicher, wir werden da in Nullkommanichts durch sein“, sagte Taehyung mit gerunzelten Augenbrauen, während er seinen Rucksack auf seinem Rücken wieder zurechtrückte, „die sind gut in ihrem Job, oder?“
„Taehyung, wir haben buchstäblich noch siebenundfünfzig Minuten, bis das Konzert anfängt-“
„Okay, selbst wenn wir noch zweihundert Minuten hätten, sind wir immer noch in dieser Passkontroll-Schlange, also gibt es nicht viel, was wir tun können.“
Yoongi biss die Zähne zusammen, während sein Daumen auf dem Plastik von Jimins Pass auf und ab strich. Seine Schuhe quietschten, als er sie auf dem glatten Boden bewegte und er starrte düster in die Menge der Menschen, die vor ihnen waren. Jedes Alter und jede Größe war vertreten und alle standen sie dicht gedrängt wie eine Herde Pinguine, wartend darauf, dass sie durch die Kontrolle durften.
Und die Schnelligkeit, in der das passierte, war qualvoll.

Natürlich war der Stress auch bei Taehyung vorhanden, aber er konnte es besser verstecken. Yoongi zog in Erwägung, dass es wegen ihrer Konversation im Flugzeug war, aber wie er dastand, so vollkommen ohne einen geistreichen Kommentar, sagte schon alles. Taehyung war genauso nervös wie er. Und er war noch nicht einmal derjenige, der auf diesem Konzert auftreten musste.

Jede Sekunde verstrich schmerzhaft langsam. Er konnte nicht anders, als konstant sein Handy zu überprüfen und zu erschauderte mit jeder Minute, die verstrich.
Die Schlange hatte sich kaum mehr als ein paar Schritte bewegt nach fünf, und nach zehn hatte sich der Druck in seinem Kopf so arg verstärkt, dass er meinte, er würde explodieren. Aber er wusste, dass er nichts tun konnte außer warten, und als sie schon siebzehn Minuten hier standen, stieß er einen geschlagenen Seufzer aus, der so schwer in der Luft hing, dass Taehyung ihm aufmunternd auf die Schulter klopfte.
„Ich rufe Namjoon an.“ Yoongi entsperrte unhandlich Jimins Handy und wählte die Nummer.
„Nein, nicht-“
„Taehyung, warum hast du mir das Handy weggenommen-“
„Ich rede. Du lässt alles nur schlimmer klingen als es ist.“
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Stehen in einer ewig langen Schlange mit nur vierzig Minuten Zeit, bis wir live übertragen werden, ist ein sehr guter Grund, es schlimmer klingen zu lassen, als es ist.“
Aber alles was er ans Antwort bekam war ein „Shh“ und einen Zeigefinger an seinen Lippen. Die andere Hand benutze Taehyung, um sich das Handy ans Ohr zu halten.

Hallo?“, sagte Taehyung nach ein paar Sekunden der Stille, „ja, hier ist Taehyung. Nein, nein, er ist hier… nur, gestresst, ja, gestresst. Oh Junge- oh, es ist auch nett, dich kennenzulernen. Ich bin ein großer Fan, es ist, als-“
„Taehyung. Wenn du schon mit ihm redest, sag ihm wenigstens auch, was los ist.“
„“Natürlich. Uh- Hör zu, Namjoon… Ich denke nicht, dass wir zum Start des Konzerts da sein werden. Ja, nein, wir sind in der Schlange vor der Kontrolle und sie ist verdammt lang. Wir müssen auch noch ein Taxi rufen und alles, also… -Nein, ich denke nicht? Warte, ist er hier? Kann ich mit ihm sprechen?… Ja, ruf mich zurück, wenn du das erledigt hast. Okay. Okay, gut… ja, wir versuchen es. Tschüss.“
Der Anruf war beendet und Taehyung ließ seine Hände fallen, das Handy locker in der Hand. Yoongi zog fragend eine Augenbraue hoch, als Taehyung nichts sagte.

Taehyung grinste. „Ich habe gerade mit Rap Monster gesprochen.“
Warte.
„Du wolltest also nur telefonieren, damit du mit Namjoon sprechen kannst?“
Sein Lächeln verblasste nicht. „Ist das ein Problem.“
Yoongi fuhr sich mit den Fingern entnervt durch das Gesicht. „Oh, Gott. Bitte holt mich.“
„Hey, ich hab ihm gesagt, dass wir Probleme haben-“
„Ich würde lieber für vierundzwanzig Stunden am Stück auftreten, als hier mit dir festzustecken.“
„Ist das nicht ein bisschen hart?“ Taehyungs Hand flog zu seiner Wange in spöttischem Ärger.

Yoongi holte tief Luft und drehte sich um, nicht antwortend. Sie beide standen still, aber er konnte für sein Leben nicht sagen, ob Taehyungs Stresslevel genau so hoch war wie seines. Er beobachtete, wie er ein tiefes Seufzen ausstieß und sich gegen sein Handgepäck lehnte.
Die Uhr auf seinem Handy zeigte eine weitere vergangene Minute an und obwohl sich um ihn herum nichts verändert hatte, wusste er, was das bedeutete. Es war jetzt unmöglich noch rechtzeitig anzukommen. Sie hatten einfach
nicht genug Zeit.
Sein Herz raste, er spürte sein Blut durch seinen gesamten Körper pulsieren. Seine Füße schmerzten und seine Schultern protestierten gegen das Gewicht seines Rucksacks.
Er starrte düster herüber zu der Frau, die gerade ihren Pass zurück bekam und im Dank dem Mann hinter dem Glas zunickte, bevor sie um das Häuschen herum lief. Jemand anderes nahm ihren Platz ein, nach noch jemand, und wieder ein anderer. Die Zeit raste zusammen mit seinen Gedanken und er ballte seine Fäuste, die Ärmel seines Pullis zwischen seinen Fingern und Taehyung wurde zu einer vagen Präsenz neben ihm.
Jimins Körper fühlte sich heiß an, seine Wangen und sein Nacken
brannten. Nach außen hin ruhig, aber innerlich schreiend, nahm er einen Schluck aus der Wasserflasche, aber es war, als würde er trocken schlucken. Er bekam es kaum hinunter, ohne dass er sich verschluckte.
Er musste sich beruhigen, bevor er noch eine Herzinfarkt erlitt. Bevor er Jimin verletzte.
Also tat er das Einzige, was ihm gerade in den Sinn kam.
Er versuchte, mit Taehyung zu reden.

Also...“
„Also?“
Yoongi schluckte erneut und trat einen kleinen Schritt näher, aber der Abstand zwischen ihnen wurde auf einmal so schmal, dass er sich selbst atmen hören konnte, Jimins Atem, und er wunderte sich für einen Moment, ob ihre Körper das schon kannten. Eng beieinander, wenn sie vielleicht Fern sahen oder ein Videospiel spielten. Freunde.

Also waren deine Eltern einverstanden, dass du einfach so das Land verlässt?“
„Eigentlich leben sie in Daegu“, antwortete Taehyung und zuckte mit den Schultern, „sie haben mich hierher geschickt, weil es hier bessere Schulen gibt, denke ich, also werden sie mich nicht vermissen, wenn ich sowieso weg bin? Ich hab einfach gesagt, ich bin krank.“
„Macht Sinn.“
Taehyung brummte zustimmend.
Okay, das funktionierte.

Wenn er raten müsste, würde Yoongi sagen, dass noch etwa zwanzig Menschen vor ihnen waren. Die Geräusche des vollen Flughafens drangen bis zu ihnen und er ertappte sich dabei, dass er hoffte, sie würden lauter werden, damit er sich auf sie konzentrieren konnte, um nicht verrückt zu werden – sie bekamen seine Menschenmenge, die, die Jimin heute erleben würde.
Ein Teil von ihm war dankbar an was auch immer für eine höhere Kraft, ihm einen Seelenverwandten zu geben, der wenigstens die Worte zu seiner Musik kannte. Yoongi war sich nicht sicher, ob er noch bei Bewusstsein wäre, wenn er das nicht als kleine Rückversicherung hätte.

Was ist mit deinen Eltern?“ Taehyung drehte sich abrupt zu ihm um.
Huh?“ Yoongi blinzelte, ein bisschen nach vorne in der Schlange schlurfend.
„Deine Eltern“, wiederholte Taehyung, „was haben die zu dir als Rapper gesagt? Und so…“
Er endete mit einem Zucken seiner Schulter und ließ seine Stimme verklingen, die Augen zu Boden gerichtet.
Yoongi biss sich auf die Lippen und fing an, zu bereuen, sich selbst ablenken gewollt zu haben. Es verlief nicht wirklich so, wie er geplant hatte.
„Sie waren… nicht gerade begeistert davon“, antwortete er nach einiger Zeit, „vor allem mein Vater. Er war besorgt darüber, wie viel ich verdienen würde
und alles. Meine Mutter zeigte ein bisschen mehr Vertrauen, aber ich weiß, dass sie auch nicht komplett dafür war. Selbst jetzt nach allem, reden wir immer noch nicht viel miteinander?“
„Nicht?“ Taehyungs Stimme hob sich um eine Oktave, „selbst, nachdem du deinen Erfolg bewiesen hast?“
Yoongi machte eine undeutliche Handbewegung. „Ich denke einfach, dass es ziemlich komisch sein würde. Ich bin schon seit Monaten nicht mehr dort gewesen.“
„Das ist merkwürdig. Ich könnte mir nicht vorstellen, länger als ein paar Tage nicht mit meiner Familie zu sprechen. Es ist hart so weit weg von ihnen zu sein.“
„Ich wette, Jimin leistet dir Gesellschaft?“
Taehyung schaute ihn direkt an, still, nur blinzelnd. Seine Lippen waren leicht geöffnet.
„…Taehyung?“
„Nein… es ist nur, ich verstehe jetzt, was Kookie gemeint hat. Wie merkwürdig es ist mit dir, Yoongi, zu sprechen, aber Jimin dabei anzuschauen.
„Wie ist das… merkwürdig?“
„Na ja…“ Taehyung versuchte etwas mit seiner Hand zu zeigen in der Hoffnung, es würde helfen, aber als Yoongi ihm nichts als einen irritierten Blick zuwarf, gab er auf und biss auf seiner Unterlippe herum und ufhr mit der Hand durch seine Haare.
„Es ist als… weil du manchmal so einen Gesichtsausdruck hast, den er macht und ich vergesse, dass du… nicht…“
„Wie im Flugzeug?“
„…Ja.“

Und dann verstand Yoongi. Warum sich Taehyung so verhielt, wie er es tat, warum seine Reaktion auf seine Panik war, wie sie war. Jimin war mal genauso gewesen.
Aber… warum?
„Nun ja.“ Er verdrängte diesen Gedanken. Jetzt war nicht die richtige Zeit dafür. Er fühlte sich jetzt schon, als wäre er kurz vorm Fallen. „Hoffentlich kommen wir zum Konzert, dann ist es nicht mehr so lange merkwürdig für dich.“
„Ja.“

 


 

 

Sie schaffen es nicht.“ Namjoon legte da Handy auf den Tisch. Jimin wusste, dass er versuchte, seinem Blick auszuweichen, so wie er auch, und tat einen Schritt nach hinten mit den Händen an den Hüften.

„“Wir machen eine kurze Pause vor dem neuen Song“, sagte einer der Manager nach einer vorsichtigen Pause und drehte sich zu Jimin, „ich bin sicher, bis dahin wird Yoongi da sein, also ist alles, was du zu tun hast, dass du die restliche Tracklist kannst, was, wie ich annehme, so ist?“
Jimin nickte, aber diese Entscheidung spendete ihm nicht viel Trost. Natürlich, er kannte alle BTS Songs, aber war das überhaupt entscheidend, wenn er sie vor tausenden von Menschen auf der Bühne aufführen musste? Er fühlte sich vollkommen schwindelig.
„Gut.“ Er griff für einige Sekunden nach seinem Arm, selbst wenn das hinzugefügte Lächeln nichts brachte.
„Danke, dass du uns aushilfst, Jimin. Es tut mir leid, dass du in dieser Situation gela-“
„Zehn Minuten!“ Gott, diese schreckliche Stimme war wieder zurück und stach durch die summende Luft des Umkleideraums.
Der Manager nickte ein letztes Mal, bevor er sich entschuldigte: „Ich gehe besser und überprüfe, ob die letzten Vereinbarungen laufen. Viel Glück, Jimin.“

Erinnere dich daran, wie gut du das vorhin gemacht hast“, Hoseok war zu ihm gekommen und lächelte so breit er konnte, „wir werden die Führung übernehmen. Yoongi ist ein bisschen distanziert manchmal – so lange du mitspielst, wird niemand etwas merken.“
„Denkst du wirklich?“
„Na ja“, Hoseok rollte seine Schultern, „du warst großartig, als wir heute morgen geübt haben, also kann ich nicht anders, als dir zu vollkommen vertrauen. Alles was du machen musst, ist lautlos mitzurappen und ein paar Adlibs einbringen.“
„Ich denke, dass ist eine sehr akkurate Darstellung, wie ich viele meiner Nächte zu Hause verbracht habe…“ Jimin sah, wie die Mundwinkel des Rappers sich etwas hoben bei seinem Spaß und er erntete einen spielerischen Klaps auf seinem Knie.
„Siehst du?“,
rief Hoseok aus, seine Stimme so laut, dass er Namjoons Aufmerksamkeit auf sich zog, „Das ist die richtige Einstellung! Wenn du da raus gehst, lächle! Hab Spaß!“
„Ich weiß nicht… geht das nicht ein bisschen zu weit?“
„Du wirst fantastisch sein. Ich wette, besser als der echte Yoongi.“
„Okay, das geht
definitiv zu weit.“
Hoseok lachte nur und Jimin war dankbar für den Stimmungswechsel, aber direkt als er sich mit einem Kommentar verabschiedete, sein Augen Make-Up machen zu lassen, raste die kalte Realität wieder auf ihn herab, wie Laub, dass sich nach einem Windstoß wieder am Boden absetzte.

Jimin sank in seinem Stuhl in sich zusammen. Er fühlte sich klein, trotz der aufbauenden Worte aller, und er hatte vor ein paar Minuten sogar mit dem Gedanken gespielt, zu fragen, ob sie das Konzert nicht einfach absagen konnten, Comeback hin oder her. Aber die Erinnerung daran, wie er die Nacht in Taehyungs Armen verbracht hatte, nachdem er einen sehr innigen Fancafe-Post von Suga gelesen hatte, dass er zu krank war, um an einem Konzert teilzunehmen, stieg in ihm auf und Jimin fühlte sich schlecht seinem eigenen Gewissen gegenüber, diese Idee überhaupt vorzuschlagen.
Es würde schwer werden, das hinzukriegen, das wusste Jimin. Er fragte sich, ob so eine Situation schon einmal stattgefunden hatte, ob einige besessene Fans wirklich mit Adleraugen alles verfolgten, was ihre Idols machten und auf jede noch so kleine Veränderungen achteten, nur darauf wartend, dass der Seelenverwandte etwas verpatzte und sich verriet. Wartend.
So wie er jetzt.
„Drei Minuten!“, rief jemand und das war's. Er konnte nicht stillhalten. Er machte sich seinen Weg hinüber zu Namjoon und Hoseok, sein Herz ihm bis zum Hals schlagend, aber auf einmal wachte ihn ihre Präsenz nur noch nervöser und er drehte sich um, um einen Schluck Wasser aus dem Wasserspender zu trinken. Er konnte es sich nicht leisten, durch sein Shirt zu schwitzen.

Die Zeit verging zu schnell. Sie verging nicht schnell genug. Er stürzte den ganzen Becher auf einmal hinunter, kaum atmend und hustend, kalte, leere Finger krümmten sich und zupften an seiner Jeans. Er erschrak, als jemand hinter ihm ihm ein schnelles „Ich werde deine In-Ear-Monitors überprüfen, Yoongi“ zuwarf und er darauf Finger an seinem Nacken spürte, die etwas festklebten und ihm seine Kopfhörer fester in die Ohren steckten.
Ich bin nicht Yoongi.

Dieses Mal kam Namjoon zu ihm, ein Handy entsperrt in der Hand. Es war klar, dass er die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben hatte.
„Du musst überhaupt nicht selbst rappen, schon vergessen?“, flüsterte er, „wir haben die Songs aufgenommen, wie immer. Versuche einfach, deine Lippen zu bewegen und einige Suga-klingende… Geräusche zu machen. Du hast Yoongi schon auftreten sehen, oder? Du bist als Fan groß genug, um dir bewusst zu sein, wie er sich auf der Bühne verhält.“
Jimin nickte, Namjoon machte es ihm nach und griff nach seinem Oberarm.
„Ich vertraue dir, Jimin.“
„Ich auch“, Hoseok tauchte hinter ihm auf, „du wirst großartig sein. Wie ich gesagt hab.“
„Wir sollten besser gehen“, sagte Namjoon und nahm ihn sanft am Handgelenk. Die Berührung auf seiner Haut fühlte sich taub an.

Notes:

Erstes Kapitel für euch^^

Kudos (?)