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Chapter 6: Blues Make You Bad

Chapter Text

 

6

Times when I know you'll be lonesome
Times when I know you'll be sad
Don't let temptation surround you
Don't let the blues make you bad

We’ll Be Together Again von Carl T. Fischer und Frankie Laine, 1945.


Nach der Normandie ist Steves normalerweise perfektes Gedächtnis einfach... abgerissen. Es ist schlimmer als damals in den Schützengräben in Italien. Es ist nicht nur eine seltsame Wolke von Unwirklichkeit, er kann einfach... nicht. Sein Gedächtnis ist etwas, das stottert und raucht und – nicht – funktioniert –

Er kann Fakten aufzählen, diejenigen, die er vorher und nachher gelernt hat, aber der Kampf selbst, alle sechs Tage davon, während sie darum gerungen haben, die Landköpfe zu verbinden, sind alle einfach... durcheinander gewirbelte Blitze. Bedeutungslos.

Tausende von alliierten Truppen liegen tot an den Stränden, mehr als er je gesehen hat, mehr als er je sehen wollte. Er denkt zum ersten Mal darüber nach, wie es mehr von ihm hätte geben sollen. Mehr Leute wie ihn. Wie viele Leben hätten sie mit einem halben Dutzend mehr wie Steve retten können, oder noch besser? Wie viele hätten sie verschonen können?

Ich wollte eine Armee und alles, was ich bekommen hab, sind Sie, hört er wieder in seinem Kopf, als er auf die Strände starrt. Die Leichen. Die Trümmer. Sie sind nicht genug.

Buckys Hand auf seiner Schulter zieht ihn wieder raus. Bucky hat Blut auf seiner Wange verschmiert, aber er sieht unverletzt aus. Er drückt Steves Schulter fest genug, um Steve aus dem Nebel zu bringen.

„Komm schon, Kumpel“, sagt Bucky. „Komm hier weg, jetzt.“

Bucky führt ihn zurück zum Feuer, setzt ihn auf einem Holzstamm hin. Steve stützt seinen Kopf in seine Hände. Sein Gehirn fühl sich an wie – voller Statik – schreiend – seine Ohren läuten und –

Steve ballt seine Hände in seinen Haaren zu Fäusten. „Was ist passiert?“

„Was meinst du?“, fragt Bucky, vorsichtig und leise.

„Ich kann mich nicht...“ Er starrt auf seine Füße und schluckt und versucht, seine Gedanken zu organisieren. Er kann sich normalerweise an alles erinnern. Bucky weiß das. Weiß von Steves gruselig genauen Abrufungen, seinem angsteinflößend präzisen Gedächtnis, seinen Sinnen, die so hoch gedreht wurden, dass der Schalter abgebrochen ist. Er kann alles sehen, alles hören und sich an alles erinnern, aber jetzt kann er sich nicht – „Erinnern“, Beendet er. „Ich kann nicht. Alles. Ist nur. Teile. Ich...“ Er sieht hoch, hilflos.

Bucky runzelt die Stirn und nickt, als ob er versteht. Er legt eine Hand in Steves Nacken und drückt. „Du hast den Motor geflutet, Kumpel“, sagt Bucky, als ob es so einfach ist.

Steve blinzelt ihn an. Er kann Beschuss in der Ferne hören. Es ist... schwer, sich zu konzentrieren. „... Was?“

„Passiert manchmal. Wenn der Kampf so intensiv wird. Zu viel Einsatz, genau wie beim Auto. Wenn du zu viel rein tust, zu viel Kraftstoff, oder die falsche Art, weißt du? Der Motor ist abgewürgt. Du musst ihn freimachen. Komm schon.“ Bucky nimmt seine Hand nicht von Steves Nacken. Er schüttelt ihn ein wenig. „Rede mit mir. Erinnerst du dich an die Landung?“

„Wir waren...“, sagt Steve langsam. „Die haben uns gesagt, wir gehen nach Omaha Beach, da war-“

„Das war vorher“, sagt Bucky. „Zurück im Hauptquartier, aber erinnerst du dich an die Landung selbst? Den Namen vom Boot? Erinnerst du dich, neben wem du gestanden hast? Konzentrier' dich, Kumpel?“

Steve schluckt Galle runter. „Ich erinner' mich... ich...“ Da ist Blut im Wasser, Blut im Sand um sie herum. Er erinnert sich daran. Er erinnert sich daran, überall um ihn herum, als ob es jetzt passiert. Der Geruch davon und im Wasser treibt – „Da war ein Fuß, da war --“

„Ja, daran erinner' ich mich auch“, sagt Bucky schnell. „Ist in Ordnung. Ich erinner' mich für dich daran. Da musst du nicht drüber nachdenken. Wir sind an den Strand gekommen. Erinnerst du dich dran?“

Steve nickt. Es ist dicht um ihn herum, in seinem Kopf. Seine Ohren läuten noch immer davon. „Wir waren nicht am richtigen Ort.“

„Niemand war das“, stimmt Bucky zu.

„Da war... Die Ingenieure hatten nicht geräumt. Wir konnten nicht... wir mussten den Strand räumen. Die... Minen.“ Er sieht zur Bestätigung hoch zu Bucky.

„Das hast du selbst übernommen“, sagt Bucky trocken. „Hast angefangen, Igel wie Halbziegel rumzuschmeißen.“

„Hab ich?“, sagt Steve. Aber sogar, während er das sagt, hebt er ein schweres Stück Metall mit Nägeln und Eisenspitzen hoch, eines von dutzenden, hunderten, wie ungeheure Teile, die ein Riese am Strand verstreut hat. Er hebt es über seinen Kopf hoch und schmeißt es zurück auf eine reihe von Panzerabwehrminen auf Holzstacheln. Jag' die Scheißkerle einfach hoch, denkt er. Wir sprengen uns den Weg frei.

„Hast du.“ Er tippt mit einem Finger auf Steves Schulter. Die Uniform ist dort ganz zerrissen.

„Was?“, sagt Steve und starrt.

„Schrapnell. Sanitäter hat's aufgegeben, es rauszuziehen, als du ihm gesagt hast, er soll sich verpissen. Ist von selbst ein paar Stunden später rausgedrückt worden. War nicht so tief.“

Steve schiebt seine zerrissene Uniform auf Seite. Da ist Blut, aber darunter scheint die Haut rosa und sauber. Er schaudert. Da ist ein weiteres Loch in seiner Seite. „Heftiger Beschuss“, sagt er, drückt auf den Fleck, erinnert sich an den runden Riss in sich selbst. Auch da keine Narbe, nur glänzende neue Haut.

„Ja, kannst du laut sagen. Du hast Morita mit dem Schild gedeckt, nach Evakuation gerufen.“

„Morita – ist er?“

„Er hat 'ne Gehirnerschütterung, aber er wird wieder. Dugan hat ein Bajonett ins Bein bekommen, der wird auch wieder.“

„Bajonett?“

Bucky seufzt. „Du hast entschieden, dass wir helfen können, indem wir 'ne Pillbox oder zwei ausschalten.“

Die Pillboxen. Niedrig, Betonbauten, stark befestigt. Die haben den Vorsprung blockiert, also hat Steve –

„Ich hab durch den Beton geschlagen“, erinnert sich Steve.

„Mit deinen Fäusten, was ganz schön verdammt dämlich war.“

Steve zeigt ihm den Mittelfinger, automatisch. Noch immer halb in der Erinnerung. Ein Sanitäter richtet seine Finger und Bucky schreit ihn an. Steve zeigt ihm den gebrochenen, blutenden Mittelfinger, ganz krumm und glänzend weiß wo der Knochen durchguckt. Bucky wird grün.

Der Finger ist krumm. Nicht dann, im Zelt vom Sanitäter. Jetzt und hier. Die Haut über seinen Knöcheln ist rosa und sieht wund aus, ist aber verschlossen. Die Finger sind noch leicht gekrümmt. Bucky verzieht das Gesicht. „Du wirst einen der Sanitäter fragen müssen, um das neu zu brechen. Schon wieder.“ Buckys Gesicht ist voller Verärgerung.

Steves Erinnerung blitzt auf: Explosionen, die überall um sie herum hochgehen, und Bucky, der vor Empörung mit den Armen wedelt und kreischt Wofür zur Hölle hast du den Essteller denn?, während Steve seine Faust wieder, wieder, wieder in den Beton haut, die Metallklappe packt und zieht und dreht und –

„Hat nicht wehgetan“, sagt Steve.

„Ich garantier's dir, Kumpel, das hat es.“

Steve reibt sich die Augen. Er ist müde. Er ist so scheiße müde. „War ich in Ordnung?“

„Du warst gut, Stevie. Du warst großartig“, versichert ihm Bucky. Er drückt wieder, Finger an Steves Nacken gelegt. Erdet ihn. „Du warst unaufhaltsam“, sagt er mit seltsamer, sanfter Stimme. Bucky hat früher so bei seinen Verabredungen geredet. Du bist hübsch, du bist perfekt, du bist wunderschön, mit dieser sanften, süßen Stimme. Es ist schön, sie wieder zu hören. Schöner, sie für sich selbst zu hören. Noch schöner, das zu hören. Du bist unaufhaltsam. Es verleiht ihm innerlich Auftrieb. Bucky schüttelt ihn.

Es ist noch nicht vorbei, das weiß Steve. Es ist immer noch nicht vorbei. Es fängt gerade erst an. Sie werden bald vom Hauptkörper der vordringenden alliierten Truppen wegbrechen und tiefer ins feindliche Gebiet eindringen müssen, zurück dazu, Hydra anzugreifen. Laut Info plant Schmidt irgendwas Großes. Die Operationen des SSR (und vor allem die der Commandos) haben ihn verlangsamt, ihm Aufschub um Aufschub verursacht, aber sie sind noch lange nicht aufgehalten.

Steve fühlt sich, als ob alles beschleunigt wird, um ihn herum, unter ihm rauscht es, lässt ihn zu irgendeinem unbekannten Schluss rasen. An manchen Tagen fühlt es sich an, als ob der Krieg nie aufhören wird, aber an anderen Tagen fühlt es sich an, als ob das Ende genau da ist, auf ihn zukommt, aber es ist Beton. Er fällt.

„Komm schon, Kumpel“, sagt Bucky und Steve erinnert sich wieder, wo er ist. „Ruh dich was aus.“

Steve starrt Bucky an und staunt, ein bisschen. Er versteht nicht ganz, wie Bucky überhaupt funktionieren kann. Steve ist so müde, dass er nicht geradeaus gucken kann, und hier ist Bucky und stützt ihn und Bucky hat noch nicht mal das Serum.

Bucky ist der Unaufhaltsame, nicht Steve.

 


 

Sie verbringen den Rest des Sommers damit, quer durch Frankreich zu springen und dahin zu gehen, wo sie gebraucht werden. Es sind viele Straßenkämpfe, viele schmutzige Schlachten und ungeordnetes Vordringen, ein schlampiges Rennen Richtung Berlin.

Der Plan ist, Paris zu umgehen (zu viele Münder zum Füttern, zu kompliziert), aber dann inszeniert der Französische Widerstand einen Aufstand und Steve und die Commandos rennen los, um zu helfen, bevor irgendwer es ihnen verbietet und was sollen Eisenhower und Bradley da noch machen? Captain America ohne Unterstützung hingehen lassen? Sie schicken ein paar französische Divisionen und das Amerikanische 4. Panzerregiment.

Steve ist an der Front der Kolonne, als sie die Vorstädte angreifen. Er ist da, räumt Straßensperren, die von den fliehenden Deutschen aufgebaut wurden, hebt Bäume hoch und schiebt Schutt und Sandsäcke auf Seite, während die Commandos vorgehen und auskundschaften, Gebäude räumen und auf potentielle Scharfschützen überprüfen.

Dann sind sie in der eigentlichen Stadt. Zu viele Gebäude zum räumen, also sorgt Bucky dafür, dass Steve den Helm wieder aufsetzt, als ob Bucky seine Mom ist, die sich Sorgen macht, dass Steve ohne Mantel raus in die Kälte geht.

Manchmal sind da brüllende Mengen: Zivilisten und FFI Kämpfer mit Bändern an ihren Oberarmen, die ihre Gewehre über ihre Köpfe heben und leidenschaftlich jubeln. Immer wieder wird Monty von Frauen gegriffen, die ihn küssen, aus irgendeinem Grund. Ein paar küssen Bucky (was Bucky zum Lachen bringt, aber nicht so, wie er's früher getan hat) und einige schmatzen auch Dernier ab, als sie ihn auch als Franzosen erkennen, aber aus irgendeinem Grund ist es größtenteils Monty. Monty nimmt es gelassen. Er hat eine Art, die Schultern zu zucken, wie um zu sagen das ist nur zu erwarten, wenn man so aussieht wie ich. Niemand küsst Steve, aber das ist nur, weil Steve sicher außer Reichweite bleibt und auf dem Panzer steht. Er hat seine Lektion in London gelernt. Ihm wurde von den Frauen Amerikas gedankt, er hat kein Bedürfnis, auch den Dank der Frauen aus Frankreich zu empfangen.

Seine Strategie geht nach hinten los, als sie um die Ecke kommen und ein Schuss ertönt. Steve lässt sich fallen, sobald er fühlt, wie die Kugel sein Schlüsselbein streift und eine Linie aus rotem Feuer Zentimeter entfernt von seinem ungeschützten Hals hinterlässt. Er rollt sich vom Panzer runter und sucht darunter mit den anderen Commandos und den GIs, mit denen sie gereist sind, Schutz.

Er sieht rüber und da ist Bucky, starrt zurück mit dieser leidenschaftlichen, wilden Entschlossenheit im Gesicht. Sein Blick klammert sich an Steves blutende Schulter. Steve würde den Ausdruck als Wut bezeichnen, aber er ist biblischer als das. Es ist Zorn. „Ich hab ihn“, ist alles, was er sagt, und dann rollt er unter dem Panzer heraus.

„Barnes!“, ruft Steve. „Bucky!“

Aber Bucky ist schon weg, läuft ihm Zickzack quer über die Straße, tief und schneller als irgendwas, was Steve gesehen hat, von sich selbst abgesehen. Er tritt die Tür der alten Kirche ein und rast hinein. Die Straße hält die Luft an. Es ist vielleicht zwei Minuten später, als sie einen Mann schreien hören und Steve kann nicht länger Stellung bewahren. Er krabbelt unter dem Panzer hervor und springt hoch, bereit um –

Und dann fällt die Leiche des deutschen Scharfschützen vom Kirchenturm und landet zu Steves Füßen. Sein Hals ist aufgeschlitzt. Steve schaut hoch und sieht Bucky, der zu ihm runter guckt, Pistole in einer Hand, Messer in der anderen, Gewehr noch immer auf den Rücken geschnallt. Blut sammelt sich auf den Pflastersteinen. Hinter ihm fängt die Menge wieder an zu jubeln. Steve wirft einen Blick auf sie zurück und bis er wieder hoch sieht, ist Bucky in die Schatten der Kirche verschwunden.



Er kommt später wieder zu ihnen, nahe des Eiffelturms. Er sieht ein bisschen blass aus, ein bisschen angespannt um den Mund herum, aber er ist zum Einsatz bereit, als der Einsatz wieder mit ihnen aufholt.

Von den überbleibenden Deutschen kommt ein Stoß Widerstand auf. Steve erwartet, Zivilisten treiben zu müssen, aber die Pariser sind jetzt gut an das Geräusch von Geschützfeuer gewöhnt. Ihnen muss nicht gesagt werden, dass sie Schutz suchen, oder die Köpfe unten halten, oder auf grünes Licht warten sollen. Also kann Steve sich mit Bucky an seiner Seite und den Commandos hinter sich in die Schlägerei werfen.

Sie bewegen sich wie eine gut geölte Maschine, wenn auch eine, die größtenteils von Adrenalin und Derniers rasendem, aufgebrachten Patriotismus angetrieben wird, der in Wellen aus ihm zu kommen scheint. Mehr als einmal muss Steve Dernier körperlich von Deutschen, die schon aufgegeben haben, runter zerren, um den normalerweise munteren Franzosen davon abzuhalten, sie mit seinen bloßen Händen zu Tode zu prügeln.

Bucky hilft bei dieser speziellen Aufgabe nicht. Steve wirft ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, aber Bucky zuckt nur mit den Schultern, klar der Meinung, dass es Dernier erlaubt sein sollte zu tun, was auch immer er will, sogar wenn was auch immer er will technisch gesehen ein Kriegsverbrechen ist.

Manchmal macht Bucky solche Sachen, oder sagt solche Sachen und Steve tut die Brust davon weh, an die Person zu denken, die Bucky vor dem Einberufungsbrief war, vor dem Ausbildungslager, vor dem Krieg. Immer bereit, für einen Freund zu kämpfen und schonungslos bei ihrer Verteidigung, ohne dabei jemals zu vergessen, dass der andere Kerl ein Mensch ist.

Diesem Bucky scheint das nicht immer so wichtig zu sein.



Sie stehen alle neben und hinter Dernier, als die Alliierten die dreifarbige Flagge Frankreichs an der Spitze des Eiffelturms hissen. Als Derniers Knie unter ihm nachgeben, ist es Gabe, der ihn auffängt und so tut, als ob er nicht aufgefangen werden musste.

 


 

Bis Ende November ist Antwerpen unter alliierter Kontrolle und Hitler ist, wie sie sagen, in einem Bunker in Berlin. Die Deutschen drängen in den Ardennen zurück. Schlacht der Ausbuchtung, so nennen sie es. Steve möchte dort sein, aber sie werden woanders gebraucht, wie ihnen gesagt wird.

An der Ostfront gibt es einen Hydra Stützpunkt, der nicht dort sein sollte und er ist riesig: ein ausgedehntes unterirdisches Chaos, so geheim, dass es nicht mal auf Zolas Karte war. Er ist das Herz der Blockade außerhalb von Stalingrad, die den Vordrang der Alliierten jetzt seit Monaten aufgehalten hat.

Also machen sich Steve und die Commandos im Dezember stattdessen auf nach Osten. Während der Schnee dicht und schnell fällt, finden sie sich selbst in Russland wieder, dank eines aufgemotzten Stark-Flugzeugs und eines Fallschirmsprungs, der sogar Steve ein bisschen blass und zittrig werden lässt, sobald sie wieder auf festem Boden sind.

Sie werden der Roten Armee ausgeliehen. Was. Seltsam ist.

Keiner der Commandos spricht auch nur ein Wort Russisch, fürs Erste. Also ist es kein bisschen so, wie bei den Amerikanern oder Franzosen eingegliedert zu werden. Nur ein Russe spricht viel Englisch, der Anführer der Division, Major Karpov. Er ist etwa in Steves Alter, möglicherweise ein paar Jahre jünger, mit dunklen Haaren und einem Ziegenbart. Er hat eine Freundin in einer Stadt namens Kronas. Er wird sie heiraten, wenn das hier alles vorbei ist, sagt er. Er scheint jung, um ein Major zu sein.

Als Steve das erwähnt, starrt Karpov ihn an. „Beförderung auf dem Schlachtfeld“, sagt er mit matter, kalter Stimme und Steve erinnert sich, dass Eisenhower innerhalb von zwei Monaten vom Colonel zu, na ja, Eisenhower geworden ist.

Die Russen sind... sie sind härter als die anderen alliierten Truppen. Sie sind rau auf eine Art, die weniger mit ihren Uniformen und mehr damit zu tun hat, wie dünn ihre Reihen sind. Magerer. Gemeiner. Sie lächeln mit all ihren Zähnen, über Dinge, die sogar die Howlies nicht lustig finden.

Aber Steve kann ihnen keinen Vorwurf machen. Verurteilt sie überhaupt nicht. Die Verluste, die sie gesehen haben... Steve dachte, er hätte das Schlimmste gesehen, was Krieg anzubieten hat, damals in Italien, in Österreich, in Frankreich. Er dachte, er hätte das Schlimmste gesehen, was Krieg ihm zeigen könnte, am Omaha Beach.

Aber er hatte noch keinen russischen Winter gesehen. Er hatte Stalingrad noch nicht gesehen. Er hatte keine Haufen von gefrorenen Leichen gesehen, zusammengeworfen in Massengräbern. Er hatte noch nicht gesehen, wie Männer, die in der Nacht zuvor gestorben sind, am Morgen mit blauem Gesicht und friedlich gefunden wurden. Er hatte noch keinen Erfrierungen an seinen Fingerspitzen, oder Dugan dabei beobachtet, wie er einen kleinen Zeh daran verliert. Er hatte noch nicht gesehen, wie Zivilisten ihre eigenen Saaten aus Trotz verbrennen, damit der Winter sie alle bekommt, anstatt sie den Invasoren zu überlassen.



„Gut, Jungs“, sagt Peggy. Sie sind jetzt fast zwei Monate schon bei den Russen. Es ist ein neues Jahr und nur ein paar Tage, bis sie die Blockade brechen sollen. Sie ist ganz Geschäftsfrau, mit ihren Haaren zurückgelegt, Tarnhose und schweren Stiefeln und Winterausrüstung und sie ist noch nie schöner gewesen, Steves Meinung nach. „Passt jetzt gut auf.“

Sie sind alle um eine Karte versammelt, die auf der Motorhaube eines Jeeps ausgebreitet ist, stehen im Kreis, als ob sie Ritter der Tafelrunde wären. Sie zeigt den Stützpunkt, seine unterirdischen Gänge in grau unter die Konturlinien des Hangs skizziert. Sie zeigt auch die sich sträubenden Verteidigungen der Blockade. Die sind rot markiert, strecken sich nach Norden und Süden von der Anlage aus, wie ein Fluss aus Blut.

„Also, wir werden teilen und herrschen. Wir trennen uns. Captain Rogers, ich selbst, Barnes und Dernier werden mit der Haupttruppe unter Phillips und Karpov bleiben. Monty, Sie nehmen Gabe, Dugan und Morita und gehen mit dem Rest der Bataillon. Denkt dran, ihr stellt Fachwissen über Hydra zur Verfügung: die meisten der Männer bei euch werden noch nie zuvor gegen sie angetreten sein. Sie wissen nichts von den Hydra Gewehren oder den Experimenten oder irgendetwas vom Rest.“

„Ich bin nicht begeistert davon, unsere Truppen so aufzuteilen“, grummelt Dugan und lehnt sich weiter über die Karte.

Bucky sieht ihn trocken an. „Gehören immer zwei dazu, Dollface.“

„In diesem Fall, zu einer Zangenbewegung“, beendet Steve.

Dugan grummelt trotzdem weiter. Nicht wegen des Spitznamens – Bucky hat angefangen, Dugan Dollface zu nennen, als Rache für den Babyface Barnes Spitznamen, aber es ist irgendwie zum persönlichen Rufzeichen zwischen den beiden geworden. Nein, Steve weiß genau, warum Dugan grummelt; Dugan vertraut den Russen nicht. Das tut keiner von ihnen wirklich.

Karpovs Division ist eine Gruppe von hartgesottenen Männer, die keine Gefangenen machen. Die Howlies nehmen generell auch keine Gefangenen, aber sie lassen Gefangene auch nicht ihre eigenen Gräber ausheben und erschießen sie dann so, dass sie genau darein fallen. Steve hasst es, aber er hat keine Vollmacht, um es aufzuhalten. Als er es trotzdem versucht, droht Karpov damit, die Howlies abzuschneiden und zu sehen, wie es ihnen gefällt, die Blockade ohne die Hilfe der Russen aufzubrechen. Bucky hat Steve von diesem Streit praktisch weggezerrt.

Jetzt klopft Steve mit einer Hand auf Dugans Schulter. „Ich weiß, dass der Plan verrückt ist, aber he – es ist mein verrückter Plan.“ Die Lüge geht ihm leicht über die Zunge. Wann hat er gelernt, das zu machen? „Hab ich dich je enttäuscht?“

Dugans Schnurrbart zuckt. „Nein, Sir, Captain Rogers, Sir“, sagt er. Er nennt Steve nur Sir und Captain Rogers, wenn er ihn (wie Peggy sagt) verarscht.

„Na ja, ich werd' jetzt nicht damit anfangen, Private Dugan“, sagt Steve. „Jetzt aber raus hier, ihr habt eure Befehle.“

Peggy fängt seinen Blick ein, während die Howlies sich verteilen. Ihre Lippen sind dünn. Sie wissen beide die Wahrheit:

Es ist nicht wirklich Steves Plan. Es ist ein gemeinsamer Plan, zwischen den russischen Generälen und der alliierten Führung. Aber Steve weiß, dass die anderen Howlies dem nicht zustimmen werden, wenn er nicht dafür bürgt, also tut er das. Die Zangenbewegung, der koordinierte Angriff, die Zeitregulierung dabei, ihre Bewegungen präzise wie ein Uhrwerk... Es ist nicht sein Plan, aber er schreibt seinen Namen darunter, legt sein Vertrauen darein, gibt seinen Männern sein Wort, dass sie es möglich machen können, weil er denkt, dass sie es können.

 


 

Er hat wirklich gedacht, dass sie es könnten.

Sie haben alles berücksichtigt außer den Winter.

 


 

Als der Blizzard sich legt, ist ihr Fenster vorbei, die zwei Hälften ihrer Bataillon gespalten und jetzt stehen beide Seiten unter heftigem Beschuss. Steves ist die einzige Gruppe mit einer realisierbaren Option zum Rückzug.

„Wir lassen sie nicht zurück“, sagt Steve eben. Das Kommandozelt wackelt ein bisschen, Wind und nicht-so-ganz-entfernte Explosionen. Phillips seufzt und kneift sich den Nasenrücken. Er ist an Steves Ungehorsamkeit mittlerweile gewöhnt. Karpov sieht nur auf kalte Art rasend aus.

„Niemand ist mit der Situation zufrieden, Captain. Die Hälfte meiner Männer ist auch eingekeilt“, knurrt Karpov. „Aber was ist unsere Alternative, hm?“ Er breitet die Arme aus. „Wir können uns zurückziehen, die Männer, die wir schon verloren haben, verlieren und unseren Vorteil verlieren. Oder wir können versuchen, durchzukommen, Männer auf beiden Seiten verlieren und immer noch unseren Vorteil verlieren. Ohne die andere Hälfte der Bataillon sind wir zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegen.“

„Ich hasse nichts mehr als Situationen, in denen man nicht gewinnen kann“, murrt Phillips. Peggy steht direkt hinter ihm und als sie Steves Blick begegnet, ziehen sich ihre Lippen – heute nicht rot, nur dünn und müde und blass – an den Mundwinkeln nach unten.

Steve sieht von ihr weg, sieht runter auf die Karte; auf die Reihe an Befestigungsanlagen zwischen ihnen und dem Rest der Bataillon. Der geschätzte Standpunkt der feindlichen Truppen, ihre ungefähre Anzahl und die Stärke ihrer Artillerie.

Er spannt seinen Kiefer an.

„Rogers, mir gefällt dieser Blick nicht“, sagt Phillips schneidend.

Steve dreht seinen Kopf, um ihn anzustarren. „Bei allem Respekt, Colonel, das muss er auch nicht. Das ist unsere beste Option, taktisch gesehen.“

„Welche wäre das?“, sagt Karpov.

„Ich werde uns einen Weg freimachen“, sagt Steve. „Hier, wo die Reihe am dünnsten ist. Wenn wir durchbrechen können, werden wir sie stattdessen abgeschnitten haben, die Zangenbewegung vervollständigen, die wir überhaupt erst geplant hatten. Das ist das Risiko wert.“

„Das Risiko, Captain America zu verlieren?“, blafft Phillips. „Roosevelt selbst würde meine Eier zum Frühstück essen.“

Steve sieht einen Moment rot bei dem Gedanken, dass sie lieber eine halbe Bataillon sterben lassen würden anstatt Captain America zu verlieren – wer ist der Arsch überhaupt? Steve will den Mistkerl irgendwie selbst umbringen.

Es entgeht ihm nicht, dass sie nichts darüber sagen, die Hälfte der Howlies zu verlieren und er hat exakt keine Zweifel daran, woran das liegt. Der Japse, der Schwarze, der Brite und der vorlaute irische Kerl. Na ja, Steve ist ein vorlauter irischer Kerl und das war er schon lange, bevor er Captain irgendwas war. Er hat mit Dugan mehr gemeinsam als mit Captain America. Er hat sein Leben in Moritas Hände gelegt, er hat Buckys Leben in Moritas Hände gelegt. Er vertraut Gabe damit, seine Ohren zu sein, seine Worte zu sprechen, wenn er die Sprache nicht kennt. Und Falsworth ist derjenige, der die Verantwortung übernimmt, wenn Steve und Bucky bei einem zwei-Mann-Einsatz sind.

Sie sind sein Team, aber sie sind mehr als das: sie sind seine Brüder.

„Er hat recht, Colonel“, sagt Peggy, unterstützt Steve sofort. „Captain America ist ein taktischer Vorteil, nicht nur ein Maskottchen. Wenn er das hier schafft, werden wir eine noch nie dagewesene Zurschaustellung der Macht haben, die wir besitzen, zusätzlich zum Fortschritt, den wir machen. Wir können Hydra genau hier, genau jetzt das Rückgrat brechen. Das ist das Risiko wert.“

„Und wenn ich es nicht kann, werden Sie einen Märtyrer haben“, sagt Steve. „Captain America stirbt, während er tausend Männer rettet. Erweist seinem Opfer Ehre. Kauft scheiß Kriegsanleihen.“ Es kommt wütend und aufmüpfig rüber und das weiß er auch, aber bevor Phillips oder Karpov ihn zurechtweisen können –

Bucky materialisiert sich aus den Schatten heraus. „Das ist ein verdammt dämlicher Plan, Cap“, sagt er verärgert.

Steve guckt finster. Er hasst es, wenn Bucky ihn so nennt. Er fängt an, es zu hassen, wenn irgendwer ihn so nennt. Er hatte fast vergessen, dass Bucky hier ist, in einer hinteren Ecke herumschleichend. „Ist es nicht.“

Bucky verdreht die Augen. „Ja, na gut, vielleicht ist es zu 50% ein anständiger Plan, aber 50% fallen immer noch durch.“ Er kommt, um auf Steves linker Seite zu stehen – er mag Steves rechte Hand sein, aber er steht gewöhnlich links, zieht Steves gutes Ohr (nicht dass er noch ein schlechtes hat) und seine nicht-dominante Seite vor. Bucky lehnt sich vor, kratzt sich am Kinn. „Wenn Sie das hier durchführen wollen, werden Sie eine verdammt gute Ablenkung brauchen. Hier.“ Er legt seinen Finger aufs Papier, genau über den Stützpunkt selbst. „Schicken Sie mich erst raus. Ich werd' in den Stützpunkt einbrechen, ein bisschen Chaos anrichten.“

„Was?“, sagt Steve und Panik trifft ihn genau in den Hals. „Willst du mich verarschen, das ist –„

„Keine schlechte Idee, eigentlich“, fährt Phillipss dazwischen. „Denken Sie, Sie könnten die Selbstzerstörung auslösen.“

Bucky sieht hoch. „Genau daran hatte ich gedacht.“

„Wir wissen nicht einmal, was darinnen ist“, setzt Karpov protestierend an. „Information, Material...“

„Sehe ich auch so“, sagt Steve. Das tut er nicht, genau genommen, aber er will wirklich nicht, dass Bucky dort alleine hingeht.

Bucky sieht ihn böse an, als ob genau weiß, was Steve denkt.

„Barnes hat recht“, sagt Peggy sanft.

Steves Kopf wirbelt so schnell herum, dass er denkt, dass er vielleicht runterfallen könnte. Aber dann erinnert er sich... es hatte einen Plan wie diesen gegeben – für Bucky, der sich reinschleichen und die Selbstzerstörung auslösen sollte. Ein Plan, den er sich mit Peggys Hilfe ausgedacht hatte, nicht mit Steves.

Peggy zieht nur eine Augenbraue hoch. „Potentieller Verlust von Informationen ist es wert, die Männer zurück zu bekommen und eine solche Ablenkung, koordiniert mit einem Präzisionsangriff von Ihnen, um den Weg frei zu machen... Das könnte funktionieren.“

Steve will sagen, dass er weiß, dass es funktionieren könnte, dass die Tatsache, dass es funktionieren könnte, verdammt noch mal nicht die Sache ist, um die es geht.

„Wie?“, sagt Karpov skeptisch. „Vielleicht kann Ihr Supersoldat den Weg frei machen, vielleicht nicht. Aber Barnes ist kein Supersoldat. Wie kann er in die Anlage einbrechen? Er müsste sich mindestens an einem Dutzend Wachen vorbei schleichen oder diese neutralisieren.“

„Eher zwei Dutzend, Kumpel. Wird kein Problem sein“, sagt Bucky. „Deshalb mal keinen Kopf machen.“ Dieser Brooklyn Akzent. Keinkopfmachen. Das hat er früher dazu gesagt, wenn sie kein Geld für den Zug zurück hatten, oder wenn er Steves Verschreibungsmedikamente abgeholt hat, oder wo sie Zeit zum Lernen herkriegen sollten, wenn sie zum Tanzen ausgehen. Jetzt sagt Bucky es dazu, nebenbei ein Dutzend Kehlen oder so durchzuschneiden.

„Vertrauen Sie mir, Major, Barnes ist nicht derjenige, um den wir uns Gedanken machen müssen...“, sagt Phillips gerade, „er ist nicht der Unruhestifter hier-“ aber Steve passt nicht mehr auf. Sein Fokus hat sich zu Bucky gewendet. Bucky sieht nicht zurück und Steve denkt, dass Bucky seinem Blick absichtlich ausweicht.

Er weiß es, als Bucky nach dem Treffen verschwindet, ohne ein Wort zu sagen.



Sie besorgen für Steve Winterausrüstung, damit er diese über seiner Captain America Uniform tragen kann. Er hat einen weißen Mantel, den er über dem Rot-Weiß-Blau trägt, weiße Stiefel, die seine braunen ersetzen. Er hat seine Faustfeuerwaffe, sein Gewehr, seine Taschen voller Munition.

„He.“

Steve guckt hoch und sieht Bucky, der da am Eingang seines Zelts steht. Er trägt schon seine Winterausrüstung: ganz in weiß und gespenstig, während hinter ihm draußen der Schnee dicht fällt. Er kommt ins Zelt und lässt seinen Rucksack fallen. Er klappert.

Bucky hat angefangen, Waffen so zu horten, wie ein Eichhörnchen Nüsse hortet. Er hat mehr Messer als der Rest des Teams zusammen. Einige waren Teil seiner ursprünglichen Ausstattung, aber die meisten davon wurden toten Soldaten abgenommen, oder ihm gelegentlich von dankbaren Bürgern geschenkt. Er hat sie gesammelt wie Andenken und er hat angefangen, sie zu personifizieren, wie seine kleine Schwester früher ihr Tagebuch personifiziert hat.

Bucky wühlt einen Moment lang in der Tasche herum, dann zieht er zwei seiner Grabenmesser raus. Eines davon ist ein altes, abgenutztes Ding aus dem letzten Krieg, mit Messinghöckern auf dem Griff, und das andere ist das, was Bucky praktisch von Grund auf gebaut hat, als sie drei Tage lang in einem Graben festgesessen haben, ohne irgendwas zu tun zu haben, außer darauf zu warten, dass die Bombardierung aufhört. Steve weiß, dass es perfekt ausbalanciert ist.

Er hält Steve die zwei Messer hin. „Mach schon“, sagt Bucky, begegnet Steves Blick nicht ganz. „Pistolen brauchen Munition. Messer nicht.“

Steve nimmt die zwei Messer und fährt mit seinem Daumen über die Stellen, wo Bucky seine Markierungen eingeritzt hat. Grob bearbeitete Sterne, die zu dem passen, den Steve trägt.

Bucky überprüft seine Messer – diejenigen, die er nicht Steve gegeben hat. Und das sind eine Menge. Sie verschwinden an seinem ganzen Körper, wie schüchterne Kinder, die sich hinter seinem Rockschoß verstecken. Er hat ein Messer an seinen Gewehrlauf geschnallt, Herrgott noch mal.

Steve hasst es, dass Bucky solche Dinge tun muss. Er wird einen Weg durch die Wachen finden. Er wird das mit Messern machen, mit Garotten. Es wird blutige Arbeit sein, praktisch. Er wird die Geräusche hören, die die Wachen machen, während sie sterben. Niemand sonst scheint den Tribut zu sehen, den Bucky dafür zahlt.

Und mehr als das; er hasst es, dass Bucky diese bestimmte Mission auf sich nimmt. Diese Mission in eine Hydra Hochburg. Diese Mission, die keinen wirklichen Plan zum Extrahieren hat.

„Ich will das nicht von dir verlangen“, sagt Steve leise. Er schaut hoch und fängt den Ausdruck von offener Verärgerung auf Buckys Gesicht ein.

„Du hast das nicht von mir verlangt, Kumpel. Das war meine Idee, falls du dich erinnerst.“

Und als ob Steve nicht davon schlecht wird, das zu hören. „Du musst mich nicht mehr beschützen, Buck“, sagt Steve, leise und aufrichtig.

Bucky wirft ihm einen stillen, aber redegewandten Blick des langen Leidens zu. Wortlos reicht er Steve den Helm. Steve hasst diesen scheiß dämlichen Helm irgendwie mittlerweile, aber er setzt ihn fast automatisch auf. „Denk an den Plan“, sagt Bucky. „Ich gehe, du gibst mir 'ne halbe Stunde, um die Selbstzerstörung auszulösen.“

„Ich weiß.“

„Und wenn du sie nicht hochgehen siehst -“

„Ich weiß, Buck-“

Wenn du sie nicht hochgehen siehst“, sagt Bucky wieder, bestimmt. „Dann hau da bloß ab.“

Steve spannt seinen Kiefer an.

„Steve“, sagt Bucky warnend. „Du haust da ab und du löst den Rückzug aus. Du weißt, dass ich hiermit recht hab. Du kannst Befehle nicht missachten, nicht diesmal.“

Steve ist so wütend, dass es eine Sekunde dauert, seinen Kiefer zu lockern. „Du bist hier nicht der befehlshabende Offizier, Sergeant.“

„Der Scheiß zieht bei mir nicht, wir wissen beide, dass du so viel Captain bist wie meine kleine Schwester“, blafft Bucky zurück, hart und fies an den Kanten. „Du hast hier nur das Kommando, weil Stark dich aufgemotzt hat wie eins von seinen gottverdammten Flugzeugen.“

Steve macht einen Schritt zurück, fühlt sich auf absurde Weise so, als ob er geohrfeigt wurde.

Bucky schließt seine Augen, senkt den Kopf. „Scheiße. Kumpel, tut mir leid. Das hab ich nicht so gemeint.“

„Doch, hast du“, sagt Steve.

„Ich wollte das aber nicht so sagen“, korrigiert Bucky. Er reibt sich den Unterarm. „Scheiße. Ich meine nur-“

„Ich weiß, was du meinst, das hast du echt deutlich gemacht“, sagt Steve.

„Nein.“ Bucky sieht scharf hoch. „Würdest du mir mal zuhören?“

Steve beißt sich feste genug auf die Zunge, dass es sticht.

„Wir haben uns dafür entschieden, dir zu folgen, wir alle. Alle Howlies, sogar Carter. Entgegen Befehlsrängen, entgegen unserm Training, entgegen gesundem gottverdammten Menschenverstand. Wir haben uns alle dafür entschieden, dir zu folgen.“ Buckys Blick ist schmerzhaft direkt, schmerzhaft offen und ehrlich.

Steve schluckt schwer. Er erinnert sich an den langen Marsch zurück aus Österreich, nicht zu schlafen, und an Falsworth, der Befehle ohne einen Mucks befolgt, obwohl er derjenige sein sollte, der die Befehle erteilt statt sie zu befolgen. Falsworth, der länger in diesem Krieg war als jeder andere von ihnen, außer Dernier, der seine ganze Einheit verloren hat und niemals ein Wort darüber sagt. Falsworth, der hinter der Grenze festsitzt mit –

„Hörst du mir zu, Kumpel?“, sagt Bucky.

„Ich hör' zu“, sagt Steve.

„Wir haben uns für dich entschieden, wir folgen dir, wir sterben vielleicht für dich. Wir haben uns dafür entschieden, das musst du respektieren. Verstehst du?“

„Aber--“

„Kein Aber, Kumpel. Wir haben uns hierfür gemeldet.“

Du nicht“, sagt Steve, denkt an einen Einberufungsbrief, den Blick auf Buckys Gesicht in der Nacht, als er ausgeschifft ist.

Bucky lächelt, fast. „Doch, hab ich. Ich hab mich 19- verdammt-noch-mal-30 hierfür gemeldet.“

Steve kann fühlen, wie dicke Tränen seinen Hals raufklettern. „Buck. Du kannst nicht von mir verlangen, dich zurück zu lassen.“

Buckys Gesichtsausdruck ist kämpferisch. „Doch, das kann ich verlangen. Ich verlange das. Hier steh ich. Und verlange.“

„Das ist 'ne scheiß Hydra Fabrik“, sagt Steve, hebt die Stimme, jetzt mit verzweifeltem Ton darin. „Das ist 'ne gottverdammte Forschungseinrichtung, wie -“

Bucky ist still geworden, wie Stein, sein Ausdruck erstarrt. Jetzt ist er damit dran, auszusehen, als ob er geohrfeigt wurde. Er ist nicht dumm – Steve weiß das. Bucky hat sich hierfür mit dem völligen Bewusstsein freiwillig gemeldet, dass er direkt zurück in eine weiteres Kreischberg marschiert.

Sie reden nicht über Kreischberg, oder Azzano, oder irgendwas davon. Es ist nur ein unausgesprochenes Gesetz zwischen ihnen, eines der sehr wenigen Gesetze, das Steve noch nie zuvor gebrochen hat.

„Das hab ich nicht so gemeint“, sagt Steve sofort.

„Doch, hast du“, sagt Bucky, noch immer ganz versteift.

„Na ja, ich wollte es nicht so sagen“, gibt Steve zurück, schnell wie eine Peitsche.

Mit einem sanften, entnervten Seufzen scheint Bucky wieder aufzulockern. Er schüttelt sich ein wenig. „Steve.“ Er seufzt und reibt seine Stirn. „Schau mal. Dazu wird es nicht kommen, weil ich, anders als du, kein vollkommener Idiot bin. Ich kann das schaffen, du weißt, dass ich das kann.“

Steve schluckt. Er weiß das wirklich. Bucky ist der einzige im Team, dem er damit vertrauen kann, das zu schaffen und lebendig zurück zu kommen. Nicht dass er sich nicht trotzdem Sorgen deswegen macht, aber...

„Ich weiß, du kannst das, aber-“

„Nichts aber“, sagt Bucky bestimmt. „Dann ist das alles, was es zu sagen gibt.“ Und er dreht ihm absichtlich den Rücken zu.

Das ist nicht alles, was es zu sagen gibt, aber Steve weiß nicht, wie er die Wörter dafür formen soll. Die Trauer, die er fühlt, den Schmerz dabei, wenn er beobachtet, wie Bucky sich verändert. Jedes Mal, wenn sie seinen besten Freund raus auf einen von diesen Einsätzen schicken, lassen sie einen Teil von James Buchanan Barnes auf dem Schlachtfeld zurück; irgendwas Weiches und Lächelndes stirbt und stirbt und stirbt wieder. Und Steve kann es nicht aushalten.

Er schluckt. „Bucky...“

„Ne, halt die Klappe“, sagt Bucky, greift sich mehr Waffen von seinem Schlafsack. Wie lange schläft er schon mit einer Garotte unter seinem Kissen? „Werd' jetzt nicht weich mit mir, dafür gibt es keinen gottverdammten Grund. Himmel.“

Steve starrt Buckys Schultern an, breit unter den Lagen an Winterausrüstung. Er schluckt die Tränen runter, aber es gibt nichts, was er gegen die Enge in seiner Brust tun kann.

Wenn es dazu kommt, glaubt er nicht, dass er zum Rückzug aufrufen kann, selbst wenn er wollte. Morita, Gabe, Falsworth und Dugan zurück zu lassen – wie könnte er danach mit sich selbst leben?

Und Bucky zurück zu lassen wäre, wie sich seinen eigenen Arm abzunagen. Er kann es nicht. Er ist nicht stark genug.

Er dreht sich weg, verlässt das Zelt, damit Bucky ihm die Wahrheit nicht ins ganzen Gesicht geschrieben sieht.

 


 

Später, als Bucky kurz vorm Aufbrechen ist, zieht Steve ihn auf Seite, noch einmal.

„Sei vorsichtig, Bucky“, sagt Steve.

Bucky lächelt. Zu viele Zähne, nicht genug Fältchen in seinen Augenwinkeln. „So läuft das hier nicht genau, Stevie.“

„Buck--“

„Ich seh' dich bald wieder, in Ordnung?“

„... in Ordnung.“

 


 

Das Warten darauf, dass Bucky die Selbstzerstörung auslöst, sind die längsten dreißig Minuten in Steves Leben.

Peggy findet ihn, als er auf einem Baumstamm sitzt und ins Nichts starrt. Sie hat ein Bündel aus weißer Leinwand in den Armen und bittet darum, seinen Schild zu sehen. Die weiße Leinwand stellt sich als Abdeckung heraus. Sie spannt sie fest um das Rot, Weiß und Blau, eng genug, dass sie die Aerodynamik nicht stört.

Sie hält ihn ihm hin; er sieht aus wie die gebogene Leinwand eines Malers, bereit für die Ölfarben. Peggy sieht hart aus. Ihr Gesicht ist frei von Schminke, ihre Haare strenger zurückgesteckt, als er sie je gesehen hat. Sie ist spindeldürr und sehnig, auf eine Art, wie sie es vorher nicht war. Es war für sie alle ein harter Winter.

Er nimmt den Schild und bringt ihn in Position auf seinem Rücken. Dann nimmt er das Radio, das sie ihm hinhält. Es ist das Gegenstück zu dem, das Bucky mitgenommen hat, das Morita hat, das Peggy hat. Howard verspricht immerzu, dass er die Gestaltung sanieren und ihnen anständig hergestellte Modelle besorgen wird, aber beim letzten Mal, als Steve Howard gesehen hat, war der Mann über seinem eigenen Arbeitstisch umgekippt. Also arbeiten sie immer noch mit den zusammengepflasterten Notlösungen, die Stark und Bucky und Morita zusammengebaut haben.

Steve fährt mit dem Daumen über die Wachsmalstiftmarkierungen: das skizzierte Stark Industries-Logo und die BUCKY WAR HIER Kritzelei. Morita hat gesagt, dass er keine Markierung hinterlassen müsse. Er hat gesagt, sie würden wissen, dass es von ihm ist, weil es verdammt noch mal funktioniert.

„Peggy“, setzt er an. „Ich bin nicht -“

„Ich weiß“, sagt sie, ohne hochzusehen. „Ob Barnes die Selbstzerstörung auslösen kann oder nicht, du hast nicht die Absicht, irgendeinen von ihnen zurückzulassen, egal was passiert.“

„Ich...“ Steves Mund wird plötzlich trocken. „Woher weißt du das?“

Sie sieht ihn mit einem langmütigen Blick an. „Anders als Barnes bin ich nicht daran interessiert, aussichtslose Kämpfe zu führen. Ich habe realistische Erwartungen an dich, Liebling. Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat, sich vorzustellen, dass er dich überreden könnte, ihn zurück zu lassen.“

Steve schluckt. „Peggy“, setzt er an, aber er weiß nicht, wie er von da aus weiter machen soll, denn – was meint sie damit? Was weiß sie?

Sie verdreht die Augen. „Ehrlich. Ihr steht euch in nichts nach. Aufopferungsvolle Idioten, alle beide.“ Ihr Gesichtsausdruck wird weicher. Sie beugt sich vor und legt ihre starken kleinen Hände auf seine Unterarme. Sie sieht hoch zu ihm, warme braune Augen, scharf vor Verständnis. Er hat keine Ahnung, was es bedeutet, aber... „Was soll ich für dich tun?“, fragt sie, bestimmt und erdend.

Steve schluckt schwer. Was auch immer sie weiß, sie haben eine Aufgabe zu erledigen, hier und jetzt. „Wenn das hier nicht klappt, stell' sicher, dass sie zum Rückruf aufrufen und ohne mich aufbrechen. Ich werde niemanden zurücklassen, aber ich kann den Rest der Bataillon nicht so in Gefahr bringen.“

„In Ordnung. Ich werde tun, was ich kann.“ Ihre Stimme ist sanft.

Er sieht hoch. Sie hält seinen Blick und er denkt daran, was Bucky gesagt hat, in dieser Nacht in London, die sich anfühlt, als sei sie Jahrzehnte her. Sie wird dich in so viele Schwierigkeiten bringen, das kann ich schon sehen.

Sie sieht aus, als ob sie kurz davor ist... etwas zu sagen, aber ein donnernder Knall dröhnt durch das Tal. Sie wirbeln beide mit ihren Köpfen herum. Der Ausblick ist durch noch immer fallenden Schnee verdeckt, aber Steve kann klar genug sehen. Hinter den Linien dringt Rauch aus der Anlage, ein ganzes Drittel davon in Flammen. Er kann schon den Aufruhr auf der anderen Seite vom Niemandsland hören, als Soldaten reagieren und sich fragen, ob sie angegriffen werden.

„Nun gut“, atmet Peggy. „Das wird uns eine Lehre sein, Barnes nicht zu unterschätzen.“

Steves Herz schlägt ihm bis zum Hals. Ist Bucky rausgekommen, ohne gefangen zu werden? Ist er überhaupt rausgekommen?

Darüber kann er gerade nicht nachdenken. Er muss darauf vertrauen, dass Buck weiß, was er tut. Er hat seine eigene Aufgabe zu erledigen. Er zieht seine Pistole und wiegt sie in der Hand. „Es ist noch nicht vorbei“, sagt er.

„Steve?“, sagt sie.

Er sieht zu ihr zurück.

„Du kommst nicht ohne sie wieder“, sagt sie bestimmt, „und du kommst wieder.“

Das ist keine Bitte. „Ja, Ma'am“, sagt Steve. Der Blick, den sie ihm zuwirft – er lässt sein Herz nicht stottern. Nein, durch den hier fühlen sich seine Innereien so heiß und schwer an wie geschmolzenes Blei.

Er könnte sie küssen, vielleicht. Niemand ist bei ihnen. Er könnte –

Später, denkt er. Später.

Er salutiert und verschwindet im sanft fallenden Schnee.

 


 

Er kommt aus dem Weiß wie ein riesiger, von Frost bedeckter Rachegeist. Wie ein Gespenst.

Jotun!“, ruft einer der Soldaten überrascht, bevor sein Blut rot quer über die weiße Leinwand auf Steves Schild verschmiert.

 


 

Als der Kampf vorbei ist und sie die Überlebenden einbringen, sobald er die Kapitulation des befehlshabenden Offiziers entgegengenommen hat, macht Steve auf dem Absatz kehrt und rennt mit voller Geschwindigkeit auf den noch immer schwelenden Stützpunkt zu, Schild noch immer am Arm, Winterausrüstung schon lange zurückgelassen, zu verschmiert mit Schlamm und Blut, um irgendeine Art nützliche Deckung abzugeben.

Er verlangsamt seinen Lauf, als er zur großen Stützpunkttür kommt. Rauch drängt daraus hervor und im Hof sind Leichen verstreut. Karpovs Division hatte den Stützpunkt geräumt, während Steve den Angriff gegen den Körper der Blockade geführt hat.

Steve reißt sich den Helm vom Kopf und wirft ihn auf Seite. „Bucky?“, ruft er, starrt auf die offene Tür des Geländes, den dichten schwarzen Rauch, der daraus rollt, glitschig wie Öl in der Luft. „BUCKY!“

„Gott, Steve, kein scheiß Grund zu schreien.“

Steve wirbelt mit dem Kopf herum und da ist Bucky, sitzt im Schatten beim Tor. Vage bemerkt der taktische Teil von Steves Gehirn, dass das ein idealer Standort ist. Er kann von niemandem gesehen werden, der durchs Tor reinkommt oder das Gelände verlässt, aber er hat klare Sichtlinien. Er sitzt auf einer Kiste mit seinem Gewehr auf dem Schoß. Sein Gesicht ist blass, verschmiert mit Ruß. Seine Jacke ist am Ärmel und am Bauch mit Blut befleckt.

Steve überquert die Distanz zwischen ihnen mit wenigen langen Schritten und zerrt Bucky auf die Füße. Bucky zuckt bei der Berührung zusammen, aber er ist nachgiebig und lässt sich von Steve hochziehen.

„Bist du verletzt?“, fragt Steve, inspiziert sein Gesicht. Er sieht ein bisschen aus, als ob ihm schlecht ist, ein bisschen bleich. Könnte der normale Schock nach dem Einsatz sein, aber es könnte Blutverlust sein, Bucky ist bedeckt von –

„Ist nicht meins“, sagt Bucky, seine Stimme ein bisschen dünn geworden. „Der dritte Kerl – nein, der vierte. War ein Bluter, er war -“

Steve zerrt ihn einfach zu sich, legt seine Arme um Bucky und drückt.

Bucky atmet zitternd ein und wieder aus. „Rogers, wie verdammt kitschig“, murmelt er beim Ausatmen.

Steve interessiert das kein Stück. Er zieht sich zurück, hält Bucky auf Armlänge. „Geht's dir gut?“

Bucky nickt. Er starrt seine Zehen an. „Da waren. Labore. Die hatten – Stichproben. Blut. Schmidts Blut, glaub ich. Die haben versucht – die haben es getestet. An Hunden. Ich glaub' das waren Hunde. Ich bin nicht – das waren keine Hunde mehr.“

„Oh mein Gott“, Steve zieht ihn wieder an sich und dieses Mal hebt Bucky den Arm, ballt eine Faust im Rücken von Steves Anzug und er hält sich fest, klammert.

„Hab den Ort abgefackelt, wo es. Wo sie. Können das Serum nicht rauskommen lassen. Können niemand anderen – wenn scheiß Karpov seine Finger an -“

Steve schaudert ein bisschen. Er weiß, dass die Russen ihre Verbündeten sind, aber er mag nicht daran denken, was sie tun würden, wenn sie je ihre Finger an das Serum kriegen würden, das ihn und Schmidt gemacht hat. Er vertraut nicht mal Amerika mit dem Serum und Amerika taumelt nicht durch eine Invasion wie ein verwundeter Bär, bereit um nach irgendwem auszuschlagen.

Er drückt Bucky fest, dann zieht er sich zurück, hält ihn auf Armlänge mit seinen Händen an Buckys Schultern. „Du hast das Richtige getan.“

Bucky nickt, ein scharfes, ruckartiges Doppelnicken. „Ja. Und...“ Er atmet ein, festigt sich sichtlich selbst. „War kein kompletter Reinfall. Ich hab was.“

Bucky tritt zurück, dann tritt er die Kiste auf, auf der er bis eben gesessen hat. Steve sieht hinein und zieht scharf Luft ein. „Oh“, sagt er.

Als er hoch sieht, grinst Bucky. Es ist genau dasselbe riesige Grinsen, das er früher hatte, wenn er ein siegreiches Pokerblatt auf den Tisch gehauen hat. „Ja.“



Vor etwa einem Jahr, auf seiner zweiten Mission, diejenige, bei der er eine Kugel ins Bein bekommen hat, hatten die Commandos eine von Hydras Versionen der Enigma Maschine beschlagnahmt, was zu einem Ausbruch an Siegen für die Alliierten geführt hatte. Während Steve in Norwegen war und mit dem Ablenkungsplan, der zur Normandie geführt hat, geholfen hat, hat Schmidt herausgefunden, dass seine Kommunikationen komprimiert war und eine neue Version gebaut und plötzlich waren all ihre abgefangenen Hydra-Kommunikees wieder Kauderwelsch.

Als Peggy daher die Hydra-Enigma Maschine sieht, die Bucky mitbringt, packt sie ihn bei den Ohren und küsst ihn auf die Stirn. Der Ausdruck auf seinem Gesicht ist so vom Donner gerührt, dass sie ihn genauso gut mit einem Ziegel hätte schlagen können. Dann wirbelt sie herum, Pferdeschwanz hüpfend, strahlend. Sie packt Steve am Kiefer und zieht ihn runter, dann drückt sie auch auf seine Wange einen Schmatzer, als Zugabe. Bevor er reagieren kann, hüpft sie praktisch davon – vermutlich um zu sehen, was sie und Gabe und Morita da rausholen können (auch wenn die beiden immer noch wegen geringer Hypothermie im Sanitätszelt behandelt werden.)

Steve ist auf der Stelle erstarrt, leicht vorgebeugt, Wangen glühend. Er sieht zu Bucky und ist irgendwie überrascht zu sehen, dass auch Bucky rot wird.

„Guck mich nicht an, Kumpel, sie gehört ganz dir“, sagt Bucky. „Sie jagt mir verdammte Scheiße noch mal 'ne Heidenangst ein.“

Eine Seite von Steves Mund hebt sich zu einem benebelten Grinsen. „Mir auch“, sagt er, anhimmelnd.



Beim Treffen zur Nachbereitung ist sogar der hartgesottene Major Karpov beeindruckt. Im Führungszelt zeigt er, als er reinkommt, nacheinander auf Steve und Bucky. „Ich hätte gerne zwanzig von ihm und hundert von ihm, bitte.“

Wenn Karpov erwartet, dass Steve vom klaren Vorzug von Bucky vor Captain America beleidigt ist, wird er bitter enttäuscht sein. Steve zuckt nur mit den Schultern. „Ja. Was Sie nicht sagen.“

„Stellen Sie sich hinten an“, fügt Phillips hinzu, sehr zu Steves Befriedigung und Buckys offensichtlichen Unbehagen. Zu dumm, Kumpel, gewöhn' dich an Lob. Jeder militärische Anführer, der das Vergnügen hatte, mit Bucky zu arbeiten, und den großen Frust, mit Steve zu arbeiten, weiß, wen sie vorziehen würden. Gib Bucky eine Aufgabe, ein paar Ziele und er tut es einfach. Gib Steve eine Aufgabe und er tut es, aber du würfelst aus, weil er wahrscheinlich auch ein halbes Dutzend andere Dinge tut. Steve ist 'ne Wildcard, auf die Art. Außerdem hat er normalerweise Erfolg, was die Leute nur noch mehr anpisst.

Karpov lächelt tatsächlich, was absolut gruselig ist. Er klopft mit einer Hand auf Buckys und Steves Schultern. Steve widersteht dem Drang, weg zu zucken. Er kann Karpov nicht unbedingt einen Vorwurf für seine Schonungslosigkeit machen, ausgehend von dem Leid, das sie gesehen haben, seit sie nach Russland gekommen sind. Aber das heißt nicht, dass er den Mann mögen muss. „Wo findet man solche Soldaten, hm?“, sagt Karpov grinsend.

Steve fährt mit einer Hand durch seine Haare und Bucky lächelt nur auf die träge Art, die nicht mal annähernd seine Augen erreicht. „Brooklyn“, sagt er trocken.

Dann versammeln sie sich um den Tisch, die Karte. Phillips ist da, und Peggy, sowie ein weitere Russe, den Steve nicht kennt, und dann Steve und Bucky. Der andere Russe sieht aus, als ob er im mittleren Alter ist, mit höherem Rang als Karpov, aber anscheinend spricht er kein Englisch, denn er redet nur im leisen Ton mit Karpov und lässt Karpov mit dem Rest von ihnen sprechen.

Sie starren beide Steve und Bucky auf eine Art an, die Steve zutiefst unangenehm ist.

„Was ist unser nächster Schritt?“, fragt Steve und versucht, das kribbelige Gefühl von Augen auf sich zu ignorieren.

„Zola“, sagt Phillips, vermeintlich beiläufig. „Laut Info ist er aktuell in Norditalien, bei einer Hydra Anlage dort, arbeitet an... na ja, wir wissen nicht genau, woran er arbeitet“, gibt Phillips zu. „Aber wir haben vor, ihn aufzuhalten. Wir vermuten, dass er bald schon zurück nach Österreich gerufen wird. Captain Rogers, wir würden Sie und Ihr Team gerne dorthin schicken, um Arnim Zola abzufangen und, wenn möglich, in Gewahrsam zu nehmen.“

Steve sieht nicht zu Bucky. Bucky würde ihn dafür ermorden. Aber er meint, dass er fühlen kann, wie sich die Energie im Raum verschiebt. Er kann hören, wie Buckys normalerweise so beständiger Herzschlag einen Zahn zulegt. Er kann Adrenalin riechen und nimmt gerade so das Geräusch wahr, als Bucky mit den Zähnen knirscht. Sogar nur die Erwähnung von Zola macht das noch immer mit ihm.

„Mit Vergnügen“, sagt Steve mit verbissenem Genuss.

„An einem Stück“, warnt Phillips.

Steves Lächeln ist ein Ding mit Zähnen und keiner Freude. „Ich werd' mir Mühe geben. Aber ich kann nichts versprechen.“

Phillips seufzt schwer. „Die Sowjets haben zugestimmt, Ihnen bis Polen eine Mitfahrgelegenheit anzubieten. Dort ist ein Hydra Stützpunkt, den wir auf dem Weg angreifen wollen, und uns dann auf den Weg hierher machen...“ er zeigt auf einen Fleck auf der Karte.

Steve schielt auf den Ort, liest den Namen der nahegelegenen Stadt. Oświęcim. Er lehnt sich zurück, sieht die anderen an.

„Ich erkenne das wieder. Die haben über Bombardierungen hier geredet und dann haben sie sich dagegen entschieden. Soll da nicht ein Lager sein?“ Er hat von den Lagern gehört – sogar schon vor dem Krieg, vor dem Serum hatte er Gerede gehört. Niemand war sich überhaupt sicher, wie viel davon wahr war. Sie fangen jetzt an, sie alle zu befreien, aber die Nachrichten sind... verwirrt. Unklar. Und Steve war beschäftigt. Jedenfalls weiß er, wie ein Arbeitslager aussieht. Er kann Buckys Anspannung neben sich fühlen.

Peggy und Phillips tauschen einen Blick aus. „Ja“, sagt Phillips kurz. „Wir hoffen darauf, es zu befreien.“

Er führt es nicht näher aus.

 


 

Steve dachte wirklich, dass er wüsste, wie ein Arbeitslager aussieht. Er dachte wirklich dass er mittlerweile das Schlimmste gesehen hätte, was Krieg anzubieten hat.

Er lag falsch.

 

 

Notes:

Willkommen zu Teil Zwei der Olympiade im Leiden! Wenn ihr Teil eins noch nicht gelesen habt, keine Sorge. Jeder Teil steht für sich allein, ihr könnt sie in irgendeiner Reihenfolge lesen, die ihr wollt, sie knüpfen alle aneinander an und knüpfen so sauber an die Canon an, wie es geht, wenn man das MCU bedenkt.

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