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Agentin II - Zurück im Imperium

Summary:

Angriff von Zakuul: Die Agentin schritt den Gang des Kreuzers hinab. Sie kam an einer weiteren Luftschleuse vorbei und blieb stehen, als sie die Rüstung des Chaostrupps erkannte. Der Cathar, der sie trug, sprach gerade mit einem Imperialen, drehte sich aber um, als der Mann vor ihm ebenfalls in ihre Richtung sah.
„Ah. Sehen wir uns also doch wieder“, begrüßte Jorgan sie.
„Nicht so viel Herzlichkeit, ich weiß, dass Ihr an mich gedacht habt“, erwiderte die Spionin und erlaubte sich ein Lächeln.
Der Scharfschütze verschränkte die Arme.
„Stimmt. Ich will schließlich genug Zeit haben, um Deckung zu suchen, nachdem Ihr Euren Warnschuss abgegeben habt“, entgegnete er ungerührt.
Sie lachte leise.
„Nicht schlecht. Wo ist Orennon?“, wollte die Agentin wissen.
Der Cathar deutete mit dem Kopf in den Gang, aus dem sie selbst gekommen war.
„Müsst ihn gerade verpasst haben. Darth Marr hat uns eingeladen“, antwortete er.
„Gut. Ich könnte mir schlechtere Gesellschaft für eine Jagd auf Vitiate vorstellen“, erwiderte sie.

Notes:

Hey und Willkommen zu „Agentin II – Zurück im Imperium“!

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die mir bisher zu „Agentin I – Revans Schatten“ Comments dagelassen haben, jene, die subscribed haben, natürlich alle, die es gelesen haben und jenen, die Kudos dagelassen haben. Danke für Eure Unterstützung :)
Eigentlich wollte ich mit dem Hochladen warten, bis Agentin III fertig ist. Schon alleine, weil ich während des Schreibens von II noch ein paar Sachen in Revans Schatten abgeändert habe, damit es passt. Nichtsdestotrotz wollte ich es endlich einmal mit Euch teilen. Ich hoffe einfach, dass mich das Hochladen etwas motiviert, endlich dieses EINE Kapitel fertigzustellen, an dem ich in Teil III hänge. Außerdem fange ich an, langsam Sachen wieder umwerfen zu wollen, die ich seit Wochen gut gefunden habe. Zeit, die Sachen zu veröffentlichen, ehe ich noch mehr umschreibe als in Teil III (dazu mehr in - Teil III).
Wie auch schon im letzten Teil interessiert mich Eure Meinung: Mache ich Schnitzer was die Logik von SWtoR angeht? Ist jemand Mary Sue oder droht es jemand zu werden? Findet Ihr Re-/Aktionen von Charakteren unrealisitisch oder schlecht nachvollziehbar?
Meldet Euch, wenn Euch was auffällt (natürlich auch gerne, wenn‘s Euch gefällt :) Aber Logikfehler ausmerzen ist mir sehr wichtig). Ich versuche dann, Eure Einwände einzuarbeiten, auch wenn das heißen sollte, ein bereits hochgeladenes Kapitel zu verändern. Wie auch bei der letzten Geschichte gilt: Anonyme Reviews sind zugelassen. Ihr müsst also keinen Account bei AO3 haben, um etwas zu schreiben.
Noch was? Ach ja, uploaden werde ich hoffentlich im Wochenrhythmus so 1-2 Kapitel. Ich bin momentan sehr eingespannt und will immer nochmal final drüber lesen, bevor ich es online stelle. Bei „Revans Schatten“ habe ich auch so in jedem 5. Kapitel nochmal Kleinigkeiten abgeändert, bevor ich es hochgeladen habe – dabei hatte ich das intensiver lektoriert als diesen Teil.

Jetzt geht‘s endlich los. Viel Spaß mit „Zurück im Imperium“! Ich freue mich, dass Ihr dabei seid :)

Talin

Chapter 1: Auftakt: Ellos - Ein Mond im Sektor von Nar Shaddaa

Chapter Text

Die Agentin hatte Kaliyo nach der letzten Mission freigegeben. Lana hatte zwar Einwände erhoben, aber schließlich zugestimmt. Dennoch wollte sie Ziffer 9 sofort wieder im Dienst sehen. Von Vitiate fehlte nach wie vor jede Spur. Die Ereignisse auf Ziost lagen mittlerweile ein paar Wochen zurück, doch sie steckten der Agentin immer noch in den Knochen. Das war einer der Gründe dafür, dass sie die Rattataki ein paar Tage vom Dienst befreit hatte. Kaliyo hatte mit keiner Silbe zu verstehen gegeben, dass sie Urlaub machen wollte, aber die Spionin ging davon aus, dass auch die Söldnerin eine Auszeit brauchte. Der andere Grund war, dass sie selbst etwas vorhatte, wofür sie keine Zeugen wollte. Anstatt direkt zurück nach Dromund Kaas zu fliegen, nahm sie einen Umweg. Es war unvernünftig und an allen Ecken der Galaxis brodelte es. Dennoch hatte sie ihre ehemalige Gefährtin SKORPIO aufgesucht und ihr den Auftrag erteilt, ein Statusupdate über mehrere Personen zu liefern. Die Agentin hatte es nicht für klug gehalten, die künstliche Intelligenz um Hilfe zu bitten, aber solange ihre ehemalige Gefährtin nicht wusste, warum die Ziffer wissen wollte, wo diese spezielle Person sich aufhielt...
Sie war selbst nicht sicher, warum sie all das tat und was sie hier zu finden hoffte oder wollte. Sie hatte nach Yavin 4 niemanden erzählt, dass Theron tatsächlich der Sohn der Großmeisterin war. Die Agentin hatte damals beschlossen, dass sie diese Information von einem Verbündeten erhalten hatte. Sie wollte nicht wie Lana sein und das Vertrauen ihrer Verbündeten missbrauchen. Wenn sie in diesem Augenblick, in dem sie versuchte, ihn zu finden, obwohl sie auf dem Weg nach Dromund Kaas sein sollte, ehrlich zu sich selbst war, war es wahrscheinlich mehr als das. Und mehr bedeutete kompliziert.
Die Spionin landete ihr Schiff. Sie blinzelte, dann löste sie die Hände von der Konsole und verließ das Cockpit. Sie gab dem Droiden Anweisungen, es aufzutanken und dann auf ihre Rückkehr zu warten.
„Wie lange werden Sie fort sein?“, wollte er wissen.
„Wir starten spätestens morgen wieder“, antworte sie aus einem Impuls heraus.
Nicht, dass sie so viel Zeit hätte, aber es konnte dauern, bis sie ihn fand. Laut SKORPIOS Informationen war Theron auf unbestimmte Zeit vom Dienst suspendiert worden. Das letzte Mal war ihm das passiert, als er Orennon und die Agentin auf Rakata Prime gegen die Revaniter eingesetzt hatte, doch der Kult war vernichtet. Die Spionin sah keinen Sinn darin, den Agenten am Arbeiten zu hindern, doch das sahen die republikanischen Behörden anscheinend anders.
Sie verließ den Hangar und suchte die Orte auf, an denen sie sich auf solch einem Planeten herumtreiben würde, wenn sie Informationen sammeln wollte. Sie ließ keine Cantina aus, streifte über öffentliche und weniger öffentliche Plätze. Schließlich drehte sie noch eine Runde durch die Cantinas. In der zweiten sah sie ihn in einer Ecke sitzen. Die rote Jacke hing über der Lehne seines Stuhls. Vor ihm lag ein Datapad, auf das er hinabsah, einen Drink in der Linken. Der Ellenbogen ruhte auf dem Tisch, sein Glas befand sich auf der Höhe seines Kopfes und er lehnte mit der Stirn dagegen, während er anscheinend etwas las.
Die Agentin trat an die Theke heran, ließ sich ein Bier geben und steuerte dann auf seinen Tisch zu. Er sah erst auf, als sie sich ihm gegenüber setzte.
Theron blinzelte.
„Was tust du hier?“, wollte er wissen.
„Überspringen wir diese Frage“, antwortete sie und deutete mit ihrem Kinn auf das Datapad.
„Du bist nicht im Dienst. Die Frage ist also eher, was du tust“, erwiderte sie und nahm einen Schluck von ihrem Bier.
„Was soll ich schon tun? Kontakte pflegen, Spuren nachgehen, versuchen, herauszufinden, wohin Vitiate verschwunden ist.“
Er stellte das Glas ab und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
„Und du glaubst, damit Erfolg zu haben, wenn es zwei Geheimdienste nicht schaffen?“, hakte sie nach und musterte ihn.
Sein Gesicht wirkte müde und obwohl die Wunden, die die Überladung seines Schiffes auf Ziost auf seinem Gesicht hinterlassen hatte, mittlerweile verheilt waren, sah er schlechter als damals aus. Es gefiel ihr nicht.
„Soll ich mich selbst bemitleiden? Ich hatte die Jedi nach Ziost geschickt“, entgegnete er.
„Ja – und es war richtig, dass ihr versucht habt, euren Teil zu Vitiates Sturz beizutragen. Er ist eine Bedrohung für Imperium und Republik. Wenn deine Vorgesetzten das nicht erkennen, sind sie wirklich blind. Wenigstens die Großmeisterin muss einsehen, dass es richtig war, dort zu sein“, meinte sie und zog die Augenbrauen zusammen.
Der Agent schüttelte den Kopf und mied einen Moment lang ihren Blick.
„Ich hatte das Team ohne jegliche Rücksprache mit ihr oder sonst wem dort. Sie haben getötet und sind traumatisiert, weil sie unter Vitiates Einfluss standen. Also nein: Die Großmeisterin hat kein Verständnis dafür, was ich getan habe“, antwortete er und sah sie wieder an.
„Wir müssen alle Opfer bringen. Ich dachte, der Orden der Jedi lebt das vor“, hielt sie dagegen und schüttelte den Kopf.
Diese angeblich lichten Krieger... Wofür hatte sie sie verschont, wenn sie jetzt doch nicht gegen Vitiate kämpfen würden? Einen Moment lang dachte sie an den einzig vernünftigen Jedi, den sie getroffen hatte. Nun, genau genommen war Ardun Kothe gar kein Jedi mehr.
„Könnten wir... nicht darüber reden?“, schlug Theron vor und holte ihre Gedanken in die Gegenwart zurück.
Sie sah ihn wieder an. Für einen Moment wirkte er schutzlos, doch sie blinzelte und der Augenblick war vorbei.
„Entschuldige. Es... muss schwierig gewesen sein, zuzusehen, wie dein Team all dem dort ausgesetzt war. Du hast für sie getan, was du konntest“, entgegnete sie.
„Ja, aber manchmal ist nicht mal das genug.“
Seine Stimme klang düster und er starrte auf seinen Drink hinab.
„Hey, was ist mit dem Agenten los, der sich selbst für den Besten im SID hielt? Du hast mehr getan als der Rest in diesem Verein. Du hast die Revaniter verfolgt. Du hast Revan gestellt, was alles andere als leicht war, selbst wenn man außer Acht lässt, dass er dein Urahn war. Du hast alles richtig gemacht“, widersprach sie ihm und lehnte sich nach vorne.
Sie streckte eine Hand nach ihm aus, hielt aber inne, ehe sie seinen Arm erreichte und zog sie zurück. Sein Blick folgte erst ihrer Hand, dann sah er auf.
„Und was hat es mir gebracht? Vitiate ist dort draußen und ich habe weniger Ressourcen als auf Rishi.“
„Komm mit mir. Vielleicht könnten wir Lana dazu bewegen, dass du nur daran arbeitest. Ohne... dass du deine eigenen Leute erschießen musst“, erwiderte sie aus einem Impuls heraus.
Die Ziffer hörte die Unsicherheit in ihrer eigenen Stimme mitschwingen. Die Wahrheit war, dass sie nicht wusste, ob Lana das gestatten würde. Die Agentin schob den Gedanken daran, was ihre Vorgesetzte möglicherweise mit ihr anstellen würde, wenn sie wüsste, wo und mit wem sie gerade zusammen war, beiseite. Die Agentin hatte nicht vergessen, was Darth Zhorrid ihr angetan hatte, als sie ihr Widerworte gegeben hatte. Sicher, Lana war anders, aber auch nur dem Rat der Sith unterstellt.
Theron schüttelte den Kopf.
„Ich gehöre zum SID. Du kannst ihr sagen, dass ich nicht für sie arbeiten werden“, entgegnete er entschlossen.
Der Agent musterte sie über seinen Drink hinweg, als er einen Schluck nahm.
„Ich bin nicht in ihrem Auftrag hier. Eigentlich sollte ich schon auf dem Weg zur Zitadelle sein“, gestand sie.
Er senkte langsam das Glas und hob beide Brauen.
„Und was tust du dann hier?“
„Den Teil hatten wir schon, oder?“
„Das war keine Antwort“, erwiderte er.
„Ich habe keine.“
„Was? Du kannst mir nicht Mal einen Tipp geben? Du tauchst hier auf und erwartest, dass ich dir erzähle, was ich mache und gibst selbst nichts von dir Preis? So läuft das in unserem Geschäft nicht, das weißt du genau“, entgegnete der Agent.
Er klang zunehmend aufgebracht. Dieses Gespräch entwickelte sich nicht so, wie sie es sich erhofft hatte. Andererseits war keine ihrer vorher durchgegangen Begegnungen wirklich realistisch gewesen.
„Ich habe keine Antwort. Ich habe einen Auftrag in diesem System abgeschlossen. Ich habe SKORPIO gesagt, dass sie nach dir Ausschau halten soll und sie hat mich informiert, dass du hier gesehen wurdest. Das ist alles“, erwiderte sie.
Der Agent blinzelte, dann legte er den Kopf leicht schief. Sie musste sich Mühe geben, seinem Blick standzuhalten. Das war neu. Sie hatte mit Zhorrid und anderen Sith ihre Probleme, wenn sie diese ansah, aber eher, weil sie dabei stets kalkulieren musste, wie viel Blickkontakt gut war, um Sicherheit zu vermitteln. Ihrer Erfahrung nach durfte es bei Sith – mit Ausnahme von Darth Marr und Lana – nicht zu viel werden, weil man dann von ihnen geschockt wurde.
Theron würde sie sicher nicht unter Strom setzen – selbst wenn er machtsensitiv wäre. Es war eher, dass sie fürchtete, dass er weiterbohrte. Oder aufstand und ging. Beide Szenarien hielt sie für mehr als wahrscheinlich.
„Wer ist SKORPIO?“, wollte er wissen.
„Eine künstliche Intelligenz, die auf Belsavis zum Schutz einiger besonderer Wesen eingesetzt worden war. Ihr Bewusstsein hat sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt“, antwortete sie.
„Du warst auf Belsavis?“
Die Agentin wiegte leicht den Kopf und begann, ihre Begegnung mit SKORPIO zu schildern. Sie ließ ihre Vergangenheit mit Ardun Kothe aus und begann gleich dabei, dass sich bei einer Operation ein Verräter eingeschlichen hatte, den sie daraufhin verfolgt hatten. Sie erzählte ihm von Hunter, dem Sternenkomplott, vom Alten Mann auf Tatooine, Corellia und schließlich der Station, auf der sich der Schwarze Kodex befunden hatte. Erneut ließ sie Kothe außen vor, aber das war auch das Einzige, was sie ihm verschwieg.
Es war einen Drink später, als sie damit fertig war. Theron hatte Fragen eingeworfen, wenn sie sich einem möglichen Ende genähert hatte. Dadurch war ihre Schilderung länger ausgefallen, als sie es ursprünglich geplant hatte, doch der Agent schien ihr aufmerksam zugehört zu haben.
„Wow. Ich habe mir schon gedacht, dass die Revaniter nicht die erste Verschwörung waren, die du mit aufdeckst... Aber dieses Sternenkomplott hört sich an, als hätte Revan auch gerne bei ihnen mitgemischt“, meinte er, als sie schließlich geendet hatte.
„Und du hast diesen Kodex wirklich zerstört?“, hakte er nach.
Sie zuckte mit den Schultern und hob leicht die geöffneten Hände.
„Das war eine Menge Wissen. Und ich glaube nicht, dass es bei mir in den richtigen Händen gewesen wäre, noch bei irgendwem, den ich damals kannte“, erwiderte sie.
„Und heute wär das anders?“, wollte er wissen.
Sie betrachtete ihn und hob noch einmal leicht die Schultern.
„Ich... hatte eine Freundin beim Geheimdienst, die sich sehr gut mit Analysen auskannte. Wenn sie ihre Konditionierung mittlerweile los ist, wäre sie jemand, dem ich solche Informationen anvertrauen würde“, sagte sie schließlich.
Die Agentin vermisste Shara ein wenig. Dabei neigte die Ziffer sonst nicht zu Sentimentalitäten, aber die ehemalige Wächter 2 war jemand, der ihr zumindest ein Stück weit wichtig geworden war. Ähnlich wie Kaliyo. Und anscheinend der Mann ihr gegenüber, obwohl sie viel kürzer zusammengearbeitet hatten.
„Mmh...“, machte Theron schließlich, lehnte sich zurück und schien sie erneut zu mustern.
„Entweder du bist sehr gut, oder du hast wirklich nicht einmal gelogen“, meinte er schließlich.
„Vielleicht habe ich ja was ausgelassen“, erwiderte sie und erlaubte sich ein kleines Lächeln.
Der Agent lehnte sich wieder nach vorne. Er erwiderte die Geste nicht, aber wenigstens wirkte er nicht mehr ganz so angespannt wie zu Beginn ihres Gesprächs.
„Davon gehe ich sogar ganz fest aus. Warum hast du mir das erzählt?“
Sie blinzelte.
„Du hast nach SKORPIO und Belsavis gefragt.“
„Eigentlich habe ich gefragt, was du hier tust. Du hast mich gesucht. Und langsam glaube ich, dass es nicht in Lanas Auftrag war.“
„Du weißt, dass sie dich sehr gut ohne meine Hilfe kontaktieren kann.“
„Was dann? Wir beide wissen, dass du nicht aus Sentimentalität hier bist“, erwiderte er.
Seine Stimme bewegte sich in Nuancen zwischen angriffslustig, vorwurfsvoll und anklagend.
Zu spät bemerkte die Agentin, dass sie zur Seite gesehen hatte, um seinem Blick auszuweichen. Sie sah auf die Tischplatte, als könne sie dort eine Antwort finden oder wenigstens eine Lüge, mit der sie diese Reaktion erklären konnte.
„Überlegst du dir, welche Karte du als nächstes spielst?“, wollte Theron wissen.
Seine Erwiderung traf sie unvorbereitet. Merhana hob den Blick und musterte ihn.
„War der letzte Drink zu viel?“, entgegnete sie.
„Du wickelst mich ein. Ich kenne diese Taktik. Erzähle solange Wahrheiten, bis dein Zug kommt“, erwiderte er.
Sie blinzelte. Natürlich. Es hatte Situationen gegeben, in denen sie genau diese Technik angewendet hatte, aber gerade versuchte sie es nicht. Die Agentin merkte, dass sie unter seinen Anschuldigungen unsicher wurde. In solchen Situationen war Angriff die beste Verteidigung. Oder Flucht.
„Entschuldige mich kurz. Ich gehe frische Luft schnappen und überlege mir eine neue Technik“, antwortete sie kalt und stand abrupt auf.
Sie wandte sich um und verließ zügig die Cantina. Die Spionin erinnerte sich an ihre Ausbildung und bemühte sich, nicht zu viel Aufmerksamkeit mit ihrem Abgang zu erregen. Als sie wie beiläufig den Blick über die Tische schweifen ließ, merkte sie, dass sie sich die Mühe hätte sparen können. Die Cantina war schon zu Beginn nicht sonderlich voll gewesen. Jetzt sah sie, dass nur noch eine Handvoll Tische besetzt waren.
Die kühle Nachtluft schlug ihr entgegen, als sie endlich die Oberfläche betrat. Die Bar befand sich im Keller eines größeren Gebäudes. Der Rest davon wirkte wie eine Werkshalle. Genau konnte sie es nicht sagen, aber es interessierte sie auch nicht wirklich, was sich darüber befand.
Therons Worte hatten sie mehr getroffen, als sie sich eingestehen wollte. Wenigstens das konnte sie sich selbst gegenüber zugeben. Ihr Blick wanderte die Straße entlang. Bis zum Raumhafen waren es vielleicht zwanzig Minuten. Sie konnte dieses gescheiterte Experiment genauso gut abbrechen.
Die Agentin setzte sich in Bewegung.
Was erwartete er? Dass sie ihm ihr Innerstes offenbarte? Sie versuchte, um ihre Gefühle einen möglichst großen Bogen zu machen. Gefühle machten die Arbeit schwierig. Sie konnten die Instinkte trüben und hatten in einem Geheimdienst nichts verloren.
Und doch war sie hier. Sie wollte hier sein.
Langsam keimte eine Erkenntnis am Rande ihres Bewusstseins auf. Er hatte nicht Unrecht gehabt. Sie hatte ihn eingewickelt, aber nicht, um an Informationen zu gelangen, sondern um keine Preis zu geben. Nicht einmal sich selbst gegenüber. Unwillkürlich musste sie an die Jedi-Großmeisterin denken. Sie verhielt sich ihrem eigenen Sohn gegenüber genau so: keine Nähe zulassen, nichts eingestehen.
Die Agentin schüttelte Kopf, um ihre Gedanken loszuwerden. Sie war nicht Satele. Aber sie war dennoch kurz davor, ihn ebenso im Stich zu lassen wie alle anderen. Genau genommen wäre genau das auch ihr Job oder wenigstens, so viele Informationen von ihm zu erlangen, wie möglich. Sie würde keins von beidem tun. Die Spionin drehte um und begann, den Weg wieder zurückzugehen.
Sie war schon länger der Ansicht, dass sie dem Imperium nichts schuldete. Als dank für die Rettung der alten Ordnung hatten die Sith sie mit einer mentalen Konditionierung an die Leine nehmen wollen. Die Spionin hatte die Programmierung mit viel Mühe brechen können und seitdem war sie nur sich selbst verpflichtet. Und vielleicht schuldete sie Theron noch einen Rest Ehrlichkeit, wenn sie daran zurück dachte, wie schwer es ihm auf Yavin 4 gefallen war, einen Schlussstrich zu ziehen. Sie hatte ihn die ganze Arbeit machen lassen und jetzt war sie ihm gegenüber nicht einmal so ehrlich, zuzugeben, dass sie sich um ihn sorgte.
Die Frage war nur, wie sie ihn nach ihrem Abgang dazu bringen konnte, ihr zu glaube. Sie hatte mittlerweile den Eingang der Cantina erreicht, ging aber nicht hinein. Stattdessen lehnte sie sich etwas außerhalb des Lichtkegels an eine Außenwand und dachte nach, während sie gleichzeitig die Gegend sondierte. Die Stadt war groß genug für ein paar Gangs und sie wollte nicht den Anschein eines leichten Opfers erwecken. Zumal sie Theron nicht verpassen wollte. Falls sie das nicht schon getan hatte.
Die Ziffer überlegte, wieder in die Cantina zu gehen, doch sie wusste noch nicht, wie sie es anstellen sollte, dass er ihr glaubte, dass sie ihn nicht versuchte auszuhorchen. Die Entscheidung wurde ihr abgenommen, als sie Schritte zu ihrer Linken hörte. Sie drehte sich um und sah den Agenten auf sich zukommen.
„Ich hatte schon überlegt, ob du den Mond bereits verlassen hast“, sagte er, als er sie erreicht hatte.
„Ich bin ein paar Schritte weit gekommen, bis mir aufgefallen ist, dass es das Gegenteil von dem ist, weswegen ich hergekommen bin. Ich habe dich gesucht. Ich weiß, es ist gegen meine Vorschriften, aber wenn ich kann, will ich dir helfen. Du sahst schlecht auf Ziost aus und das nicht nur, weil du dein Schiff überladen hattest. Genaugenommen siehst du immer noch nicht viel besser aus. Ich… habe mir Sorgen gemacht“, antwortete sie.
Den letzten Teil hatte sie nur zögerlich geäußert. Sie fühlte sich merkwürdig, nachdem sie das gesagt hatte, aber es war die Wahrheit, wenn sie sich nicht gerade wieder in sich selbst täuschte.
Der Agent verschränkte die Arme und für ein paar Sekunden mied er ihren Blick, bis er antwortete: „Nach Ausschluss aller anderen Möglichkeiten blieb nur noch diese übrig, auch wenn ich es für unwahrscheinlich hielt. Außerdem wird Einwickeln ja auch verwendet, um von Tatsachen abzulenken.“
Sie fühlte, wie sich ihr Gesicht etwas entspannte, als sich etwas wie der Ansatz eines Lächelns darauf ausbreitete: „Doch einer der besseren SID-Agenten.“
„Nicht gut genug“, entgegnete er.
Sie machte einen halben Schritt auf ihn zu und breitete die Hände vor sich aus. „Theron, was auch immer sie dir vorwerfen – sie irren sich. Du hast deine Jedi zurückgebracht.“
„Jene, die überlebt haben“, warf er ein.
Sie wischte den Einwand mit einer Handbewegung beiseite.
„Im Gegensatz zu allen anderen hast du den wahren Feind erkannt. Wir sind nur Spielfiguren, weil unsere Oberen glauben, dass es klug sei, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Vitiate ist da draußen und gefährdet uns alle.“
Er musterte sie. Die Spionin hörte Schritte und ein Gespräch unter Betrunkenen, doch sie entfernten sich von den Beiden.
„Schon verrückt. Eine Agentin des Imperiums sagt mir, dass ich alles richtig gemacht habe. Du weißt, dass wir nicht so zueinander stehen sollten.“
Die Spionin schüttelte den Kopf und wandte sich halb ab. Einen Moment lang musterte sie die dunkle Straße, ehe sie erwiderte: „Es war schon nicht besonders klug von mir, mich auf Rishi für dich zu interessieren.“
Sie zögerte kurz, ehe sie anfügte: „Aber ich bereue es nicht.“
Erst dann sah sie wieder zu ihm zurück. Gerade rechtzeitig, um ein Lächeln über sein Gesicht huschen zu sehen.
„Ja – aus beruflicher Perspektive einer unserer unvernünftigeren Züge. Aber weißt du was? Ich bin gerade nicht im Dienst. Und ich glaube, ich kann heute Nacht noch mehr Unvernunft vertragen“, sagte er.
Sie hob leicht eine Augenbraue. Die Ironie dieser Situation war ihr mehr als bewusst, dennoch fragte sie: „Zu dir oder zu mir?“
Der Agent lachte kurz auf. Nicht sonderlich amüsiert, aber es war ein Anfang.
„Zu mir. Nachher entführst du mich noch – das wäre mehr als peinlich“, entgegnete er.
Sie schüttelte den Kopf, konnte aber ein Lächeln nicht ganz verwinden. Er drehte sich nach rechts und sie schloss sich ihm an, als er begann, die Straße hinabzugehen.
„Auf die Idee bin ich bisher gar nicht gekommen“, erwiderte sie.
„Ich wäre dir dankbar, wenn du sie auch weiterhin nicht nutzt.“
Die Agentin lächelte leicht.
„Du gefällst mir als freier Mann wesentlich besser, keine Sorge.“
Sie bemerkte, wie er sie von der Seite ansah, erwiderte seinen Blick aber nicht.
„Wollen wir hoffen, dass das so bleibt“, meinte er.
„Komm schon. Du solltest dich dringend ein wenig entspannen“, entgegnete sie und schlug leicht mit ihrem Handrücken gegen seinen Oberarm.
„Was? Gehen wir nicht deswegen zu mir?“, erwiderte er und zumindest zupfte der Ansatz eines Lächelns an seinem Mundwinkel.
„Bild dir nicht zu viel ein, Agent Shan“, sagte sie und versuchte, entmutigend zu klingen, verschränkte aber gleichzeitig ihre Finger mit seinen. Ihr waren Vitiate, Republik und Imperium für den Moment egal. Sie wollte herausfinden, ob Theron sich so gut anfühlte, wie sie es sich vorgestellt hatte. Mehr als einmal war sie in Gedanken durchgegangen, wie es wäre, wenn sie miteiander schlafen würden. Dass sie jetzt – entgegen ihres Auftrages und einer gehörigen Portion Vernunft – mit ihm auf dem Weg war, genau das zu tun, versetzte sie tatsächlich in gute Laune.
Theron sah auf ihre Hände hinab.
„Wir sind wirklich verrückt.“
„Hey, wie wäre es, wenn wir heute Abend die Arbeit Mal vergessen? Schieben wir beiseite, dass wir versuchen sollten, den anderen reinzulegen, zu entführen... was auch immer unsere Arbeitgeber wollen würden. Wir sind einfach zwei Leute, die sich in einer Bar getroffen haben und den jeweils anderen ganz sympathisch fanden“, schlug sie vor und schaute ihn von der Seite an.
Theron erwiderte kurz den Blick, ehe er in einen Hauseinang abbog und ihre Hand losließ. Das Gebäude verfügte über mehrere Stockwerke und sah nach der Art anonymisierter Unterkunft aus, die sie selbst auf Einsätzen auch aufsuchte, wenn sie under cover unterwegs war.
Er holte eine Codekarte hervor und öffnete die Eingangstür. In der Halle dahinter befand sich ein verwaister Thresen. Mit Ausnahme der Notbeleuchtung war es dunkel – ein sicheres Anzeichen dafür, dass hier niemand mehr arbeitete. Sie durchquerten den Raum, dann stiegen sie in einen Lift ein. Der Agent drückte auf einen Knopf und kurz darauf spürte die Spionin, wie die Kabine sich bewegte. Da er schwieg, tat sie es ihm gleich, bis sie wieder ausstiegen und schließlich sein Zimmer erreichten.
Als die Tür sich hinter ihnen schloss, drehte er sich zu ihr um.
„Und du glaubst, das könnten wir? Einfach so tun, als hätten wir nicht gemeinsam die Revaniter gejagt, Revan aufgehalten und zumindest versucht, Vitiates Aufstieg zu verhindern?“, wollte er von ihr wissen.
Die Agentin holte tief Luft und stieß sie ungenutzt wieder aus, während sie den Kopf schüttelte und zur Seite sah. Was machte sie sich vor? Wahrscheinlich würden sie einfach noch einen Drink zusammen nehmen und dann würde sie zu ihrem Raumschiff zurückkehren. Immerhin wusste sie, dass er am Leben war und ihm zumindest etwas an ihr lag.
„Weißt du was? Ich gebe es auf. Es ist hoffnungslos mit...“, begann sie, brach aber ab, als sie ihm plötzlich in die Augen blickte. Theron hatte die Distanz zwischen ihnen überbrückt, seine Hände an ihr Gesicht gelegt und leicht ihr Kinn angehoben, so dass sie einander ansahen.
Dann küsste er sie.

Als sie sich voneinander trennten, rollte sie sich auf den Rücken. Sie nahm ein paar Atemzüge und versuchte, wieder ruhiger zu werden. Merhana wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit sie angefangen hatten, sich ihrer Kleidung zu entledigen. Irgendwie war das alles ziemlich überstürzt gewesen. Und trotzdem alles andere als kurz.
„Um ehrlich zu sein, hätte ich nicht gedacht, dass der Abend diese Wendung nimmt“, sagte sie schließlich und sah zur Seite.
Theron lag neben ihr und wandte ihr ebenfalls sein Gesicht zu.
„Nicht? Ich habe damit gerechnet, seit du dich an meinen Tisch gesetzt hast“, erwiderte er.
Seine Züge wirkten ernst, auch wenn sie glaubte, Müdigkeit darin zu erkennen.
„Wirklich? Mmh... da ist aber jemand von sich überzeugt“, meinte sie, stützte sich auf ihren Ellenbogen und beugte sich zu ihm hinüber.
Sie küsste ihn kurz.
„Trotzdem – gut gemacht“, sagte sie und lächelte ihn an, was er nur schwach erwiderte. Aber wenigstens einen Lidschlag lang wirkten seine Züge nicht komplett von Sorge überschattet.
„Ich geh mich frisch machen. Ich hasse es, verschwitzt einzuschlafen“, sagte sie.
„Tu dir keinen Zwang an“, gab Theron zurück.
„Ich zwinge mich heute zu gar nichts mehr“, meinte sie, ehe sie aufstand.
Sie sammelte ihre Kleidung zusammen und warf alles, mit Ausnahme ihrer Unterwäsche auf einen Stuhl. Dann ging sie in das kleine Bad und stellte sich unter die Dusche. Sie musste ein wenig grinsen. Es war nicht so, als hätte sie sich nie vorgestellt, mit Theron zu schlafen, aber es tatsächlich zu tun, war etwas anderes. Und es hatte sich durchaus gut angefühlt. Ob nur seiner Erfahrung oder auch Ausbildung geschuldet – er wusste, was er tat.
Ihr Lächeln verebbte allmählich, als sie daran dachte, dass er auch jetzt kaum entspannt wirkte. Sie hatte selbst einiges an Technik zu bieten gehabt und glaubte nicht, dass es daran lag, dass der Sex ihm nicht gut genug gewesen war. Theron war ein Mann der Republik – wahrscheinlich so, wie sie früher zum Imperium gehört hatte. Wenn sie ihn richtig einschätzte, war er seinem System treu ergeben – einem System, dem er gerade nicht dienen durfte und trotzdem versuchte er genau das.
Sie selbst war dem Imperium nach außen hin treu geblieben, weil es ihr auf der anderen Seite nicht wesentlich besser erschien und sie in ihrer jetzigen Position einige Vorzüge genoss. Zu denen zwar leider nicht Theron zählte, aber anscheinend war es nicht unmöglich, sich gemeinsame Zeit zu stehlen...
Merhana trat aus der Dusche und zog ihre Unterwäsche wieder an, dann warf sie einen Blick in den Spiegel.
Wem machte sie etwas vor? Sich Zeit stehlen? Sie konnte nicht mit Theron zusammensein, nicht wirklich. Selbst, wenn sie Kothes Angebot angenommen hätte und für die Republik arbeiten würde – sie würde dennoch auf unbestimmte Zeit genau dort bleiben, wo sie war.
Theron hatte ohnehin schon genug Schwierigkeiten, ohne, dass er mit einer imperialen Spionin eine aussichtslose Beziehung führte. Und wo kam überhaupt dieser Gedanke her? Es sollte doch nur ein wenig Spaß sein...
'Weil du für ihn Regeln missachtest und Umwege machst. Das tust du sonst für niemanden', antwortete ihr eine Stimme in ihrem Inneren.
Sie holte tief Luft und öffnete die Badtür. Mit einem leisen Zischen schob sich das Metall zur Seite. Sie verließ den kleinen Raum. Ihr Blick wanderte zum Bett, halb fürchtend, dass sie dem wachen Blick des Agenten begegnen würde, doch Theron wirkte, als wäre er eingeschlafen. Sogar im Schlaf schien der angespannte Ausdruck sein Gesicht nicht wirklich zu verlassen.
Merhana näherte sich leise dem Bett. Theron hatte sich auf die Seite gedreht und zugedeckt. Seine Haare waren etwas zerzaust, seine Arme zur Seite ausgestreckt. Er wirkte verloren und sie beschleunigte kurz ihre Schritte, um rascher bei ihm zu sein. Doch als sie sich auf die Bettkante niederließ, hielt sie inne.
Was würde geschehen, wenn Lana hiervon erfuhr? Oder Darth Marr? Oder schlimmer noch – irgendein anderer Sith oder Imperialer? Sie war mit dem Feind ins Bett gegangen. Und auch wenn sie es keine Sekunde lang bereute, wollte sie ihn nicht gefährden. Man würde nicht sie angreifen. Man würde versuchen, ihn gegen sie zu verwenden. Gefangennehmen oder ihm nachstellen. Seine Schwachstellen suchen. Weil er anscheinend ihre Schwachstelle war.
Es kostete die Agentin einen Großteil ihrer Willensstärke, den Blick von dem Schlafenden abzuwenden. Sie stand, so leise es ihr möglich war, auf und zog sich komplett an. Erst als sie in ihre Stiefel schlüpfte, versuchte sie, noch einmal zum Bett zu schauen, doch sie konnte sich vorher davon abhalten. Ihr Blick blieb an dem Datapad hängen, über dem Theron in der Cantina gebrütet hatte. Sie ging zu dem kleinen Gerät und nahm es vorsichtig in die Hand.
Bei der ersten Berührung des Bildschirms erschien ein Codefeld.
Natürlich. Sie gab eine Folge von Zeichen ein und drückte die Eingabetaste. Der Code war falsch, doch das war ihr bereits beim Tippen klar gewesen. Sie legte das Datapad wieder hin, dann drehte sie sich zur Tür um und verließ das Zimmer.