Chapter Text
Titel: Tupperwood (August bis Dezember 2010)
Fandom: Torchwood
Pairing: Jack/Ianto & Team
Rating: mpreg, slash, pg, crack
Zeitrahmen: irgendwann am Anfang von S2, kein Bezug zum Seriencanon.
Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Story 1: The Beginning…
Sollte Ianto Jones sich jemals die Frage gestellt haben, wie sich ein schwangerer Mann benehmen würde – nicht, dass er sich diese Frage stellte, selbst dann nicht, als Owen in aller Ausführlichkeit über Jacks Bemerkung (wirklich, wie konnte der Arzt ihm glauben? Jack… und schwanger? Was war das nächste? Weevils, die Tangokurse abhielten?) her zog – nun, seine Antwort wäre sicherlich weit von der Wahrheit entfernt gewesen.
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Der Tag, an dem sich sein Leben – wieder einmal – um 180° gedreht hatte, lag inzwischen knappe vier Monate zurück. Wie üblich brachte er Jack nachmittags eine Tasse Kaffee. Er trat ein und sah überrascht, wie Jack und Owen - die eben an Jacks Schreibtisch noch die Köpfe über einem Computerausdruck, den der Arzt in der Hand hielt, zusammensteckten – auseinander fuhren, als hätte er sie bei etwas Verbotenem ertappt. Ianto räusperte sich und gab vor, nichts bemerkt zu haben.
Owen hatte sich in den Besucherstuhl geworfen, und war dort in sich zusammengesackt wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte; die langen Beine ausgestreckt, die Arme über der Brust – und dem Blatt Papier, das er an sich presste wie einen Schatz – gekreuzt. Er starrte an die Decke und gab vor, Ianto nicht zu bemerken. Was nicht unbedingt neu oder ungewöhnlich war.
Jack sah zu ihm auf und lächelte, als er ihm die blaugestreifte Tasse reichte. „Danke, Ianto.“ Jacks Fingerspitzen glitten über seine Handfläche und unter die Manschette, um den Pulspunkt an seinem Handgelenk zu streicheln.
„Gerne, Sir.“ Er zog seine Hand zurück, als Jacks Finger sich um die Tasse schlossen. „Owen. Soll ich deinen Kaffee hierher bringen oder an deinen Schreibtisch?“, fragte er höflich, als er sich dem Arzt zuwandte.
Owen sah ihn an, musterte Ianto von Kopf bis Fuß, schnitt eine Grimasse und wandte den Blick wieder an die Decke. „Ich verzichte. Danke.“
Er war sich nicht sicher, was ihn mehr schockte – Owen sagen zu hören, dass er keinen Kaffee wolle, oder dass er tatsächlich „Danke“ gesagt hatte.
Bei was genau hatte er Jack und Owen eigentlich ertappt? Ianto sah Jack an, doch Jack hatte die Augen geschlossen und genoss sichtlich seinen Kaffee. Er blickte Owen an, und der Arzt, der ihn aus den Augenwinkeln betrachtet hatte, sprang so abrupt auf, dass Ianto fast das Tablett fallen ließ.
„Ichmussgehen.“ Und damit floh Owen förmlich aus dem Büro, die Tür hinter sich ins Schloss knallend.
Jack sah ihm nach und stellte seine Tasse ab. „Ianto… wir müssen miteinander reden“, sagte er. „Vielleicht setzt du dich besser.“
Sein Tonfall alleine war genug, dass Iantos Knie sich in Pudding verwandelten und er sich gerne in den Stuhl setzte, den Owen freigemacht hatte. In seinem Hals bildete sich ein Kloß.
„Ich gebe zu, das ist kein Gespräch, dass ich mir vorgestellt habe, dass ich es jemals führen werde.“ Jack sah ihn an. „Du weißt, dass ich aus der Zukunft komme, Ianto.“
Er nickte, nicht in der Lage, ein Wort heraus zu bringen. Versuchte Jack ihm zu sagen, dass er vorhatte, sie wieder zu verlassen? Hatte er eine Möglichkeit gefunden, in seine eigene Zeit zurück zu kehren? Jack hatte zwar gesagt, dass er das nicht wollte, aber…
„Es gibt in meiner Zeit ein paar biologische Unterschiede“, fuhr Jack fort, offensichtlich ohne Iantos inneren Aufruhr zu bemerken. „Einer davon ist für Männer die Möglichkeit, schwanger zu werden.“
„Bitte?“ Ianto fragte sich, ob er richtig gehört hatte. Nun, in Ordnung, er arbeitete für Torchwood und war darin geübt sieben Unmöglichkeiten bereits vor dem Frühstück zu glauben, aber diese spezielle „Unmöglichkeit“ kam etwas zu nahe für seinen Geschmack. Auch wenn Jack ihn für rückständig halten mochte, es gab ein paar Dinge, die für ihn… Moment. Warum wählte Jack gerade diesen Augenblick, um ihm davon zu erzählen? Vor allem, nachdem er offensichtlich gerade etwas mit Owen zu diskutieren hatte… Der Kloß in seiner Kehle wuchs auf Ballongröße an. Jack hatte doch nicht vor… nein, natürlich nicht.
„…eigentlich hätte das nicht passieren sollen, aber ich denke, dass die Verhütungsmethoden der Time Agency nicht für jemand gedacht waren, der so lange lebt wie ich… kurz gesagt, ich bin schwanger“, endete Jack. „Oh, und es ist von dir.“
Der Ballon-Kloß in seiner Kehle platzte und Ianto wurde schwarz vor Augen.
Als er die Lider aufschlug, saß er noch immer in dem Stuhl vor Jacks Schreibtisch, aber Jack saß nicht mehr dahinter. Stattdessen kniete der Captain vor ihm und hielt seine Hände.
„Hey“, sagte Jack mit einem Grinsen. „Da bist du ja wieder. Alles okay?“
Ianto blinzelte. „Habe ich geträumt?“, fragte er heiser. „Hast du gerade gesagt, du wärst schwanger?“
„Nein“, sagte Jack. „Und ja. Ich bin schwanger. Und du kannst mir glauben, es ist ein verdammtes Wunder.“
Ianto schluckte erneut und beschloss, bei nächster Gelegenheit nach tangotanzenden Weevil Ausschau zu halten.
# # #
Jetzt, vier Monate später, war sich Ianto – oder Owen, was das betraf – noch immer nicht völlig sicher, wie es genau zu Jacks Schwangerschaft gekommen war. Ähem, nun die technischen Aspekte waren klar… Ianto benötigte keine Blümchen-und-Bienchen-Lektion. Es ging eher um die medizinische Seite...
Jack war da auch alles andere als hilfreich. Sein Wissen über diesen Aspekt seiner Biologie beschränkte sich auf seine Erfahrungen mit seiner ersten Schwangerschaft, die jedoch nach zwei Monaten geendet hatte, als Jack – der nichts davon wusste – bei einer Mission der Time Agency verletzt wurde, worauf sein Körper die Schwangerschaft unterbrach, um sich auf die Heilung voll konzentrieren zu können. Darauf und auf Erfahrungen aus zweiter Hand, was er von Lucias Schwangerschaft mitbekommen hatte (nicht viel, da sie sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder getrennt hatten) die generellen Unterweisungen, von denen er aber etliche Stunden… versäumt… hatte. Seine Vorgesetzten waren nicht begeistert von der Vorstellung, dass ihre Agenten auf die eine oder andere Weise für Nachwuchs sorgten und damit eventuell Zeitlinien gefährdeten und sorgten dafür, dass es nicht mehr vorkommen würde. Aber niemand hatte Jacks spezielle Umstände voraussehen können.
Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, war zumindest Owen im siebten Himmel.
Abgesehen davon jedoch, Ianto hatte sich mit der Situation abgefunden. Zwar war er sich immer noch alles andere als sicher, wie sie Torchwood und ein Kind unter einen Hut bringen sollten, aber im Augenblick ließ ihm Jack nicht viel Gelegenheit, darüber nach zu denken.
Ianto hatte zugegebenermaßen keine Erfahrung mit schwangeren Männern. Doch wenn sie sich alle so wie Jack benahmen, dann war – wie Ianto spekulierte – die Menschheit vielleicht doch noch nicht bereit für dieses Experiment. Oder genauer gesagt, eine Hälfte der Menschheit schien es nicht.
Sie hatten die ersten drei Monate der Schwangerschaft glücklich hinter sich gebracht. Auch als Mann war Jack nicht von der typischen Morgenübelkeit verschont geblieben. Owen erklärte, dass es etwas mit den Hormonen zu tun hatte, die sein Körper aufgrund der Schwangerschaft produzieren musste.
So genau musste Ianto das auch gar nicht wissen – er hatte genug mit den Auswirkungen zu tun. Jack war unleidlich. Nicht nur, dass ihr morgendlicher Sex (eine weitere Nebenwirkung der Hormone war Jacks Dauer-Erregung und Ianto fand sich so oft in Nischen und Ecken und leere Räume gezogen, dass er tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben auf den Gedanken kam, dass es auch so etwas wie zu viel Sex geben konnte) ziemlich unsanft unterbrochen wurde, weil Jack plötzlich grün wurde und ins Bad spurtete, Owen hatte obendrein festgestellt, dass Koffein seine Übelkeit verschlimmerte. So litt Jack auch noch unter dem Entzug seiner Lieblingsdroge. Und selbst Iantos Kaffeemagie scheiterte an entkoffeiniertem Kaffee.
Und wenn Jack litt, bedeutete das, dass nicht nur Ianto pflichtschuldig mitlitt – er kam sich fast wie ein fremdgehender Ehemann vor, wenn er sich im Archiv „richtigen“ Kaffee aus der Thermosflasche gönnte und hinterher Mundsprays und Kaugummis verwendete, um die Tatsache zu verschleiern – sondern auch der Rest des Teams.
Tosh und Gwen, die – nachdem der anfängliche Schock überwunden war, dass ausgerechnet Jack das erste Torchwoodbaby haben würde – mindestens ebenso aufgeregt wie der werdende Vater…Mutter…Jack waren, legten ihre Babyshower-Pläne auf Eis und gingen Jack aus dem Weg.
Owen verkroch sich in der MedBay und kam nur noch zum Vorschein, um Jack Blut abzunehmen oder den Scanner auf ihn zu richten und Dinge in seine Richtung zu brüllen, wie dass er weniger Zucker und mehr Obst zu sich nehmen solle, bevor er hastig in seine Gemächer verschwand, um zu verhindern, dass Jack zurückbrüllte, da ihm wieder etwas verboten wurde.
Ianto fand sich unfreiwillig als Vermittler zwischen den Parteien wieder. Was wie so oft in solchen Fällen dazu führte, dass er es von beiden Seiten abbekam.
Gegen Ende des dritten Schwangerschaftsmonats war er bereit alles hinzuschmeißen und sich für die nächsten sechs Monate irgendwo zu verkriechen, bis alles vorbei war. Aber wenn Jack dann seine Hand nahm und sie auf seinen Bauch legte – der erst nun langsam erste Anzeichen der Schwangerschaft in Form einer kleinen Wölbung zeigte – dann flatterte etwas in seiner Brust und er hatte Schwierigkeiten zu schlucken, und ohmeingott, sie bekamen ein Baby!
Mit Beginn des vierten Schwangerschaftsmonats war die Morgenübelkeit wie fortgeblasen und Owen erlaubte Jack wieder, normalen Kaffee zu trinken – wenn auch in Maßen.
Die Lage im Hub entspannte sich etwas.
Owen vertiefte sich wieder in seine Forschungen – allerdings mit etwas weniger gebrüllten Anweisungen – und Ianto sorgte dafür, dass die Tasse des Arztes nie leer wurde.
Tosh und Gwen kehrten mit solchem Enthusiasmus zurück zu ihren Planungen – und verstummten verdächtig rasch, sollten Ianto oder Jack in ihre Nähe kommen – als erwarteten sie selbst Nachwuchs. Sie planten definitiv alles, von der Babyshower bis zur Einrichtung des Kinderzimmers, selbst als Ianto zaghaft einzuwenden hatte, dass er und Jack da vielleicht ein Mitspracherecht haben sollten…
Jack überraschte ihn damit, dass er heimlich ein Haus für sie fand – Iantos Wohnung war für zwei groß genug, aber nicht für ein Kind und sie konnten das Baby ja nicht im Hub unterbringen – das nicht allzu fern vom Roald Dahl Plass entfernt war, so dass sie es nicht weit zur Arbeit hatten.
In solchen Momenten war Ianto sich ganz sicher, dass sie das irgendwie hinbekommen würden.
In anderen Momenten hatte er das Gefühl, dass eine Welle über seinem Kopf zusammenschlug. Seine früheren Vorstellungen von seinem Leben hätten nicht weiter von der Wirklichkeit entfernt sein können. Er lebte mit einem Mann aus dem 51sten Jahrhundert zusammen, der zwar sterben aber nicht tot bleiben konnte – liebte diesen Mann mit allem was er war – einen Mann, der ein Kind von ihm erwartete. Natürlich nur dann, wenn er nicht hinter Alien in Abwasserkanälen hereilte oder verirrten Touristen (nicht aus Europa, sondern aus dem nächsten Sonnensystem) den Weg wies oder sie Weltraumschrott aufsammelten, oder...
Diese Momente endeten in der Regel damit, dass er sich hinsetzen und so lange seine Atemzüge zählen musste, bis die Panik abebbte.
Dann begann Jack, Appetit auf die merkwürdigsten Dinge zu entwickeln.
Nun, wie Owen ihnen versicherte, war auch das völlig normal und entsprach dem Verlauf der Schwangerschaft.
Nicht ganz „normal“ oder auch nur realisierbar, waren viele Dinge, auf die Jack Appetit hatte. Sie zu finden scheiterte an Beschränkungen in Zeit und Raum. So sehr Jack auch von einer Frucht mit unaussprechlichem Namen von einem Planeten mit unaussprechlichem Namen schwärmte, er musste sich mit dem zufrieden geben, was die Erde – oder genauer gesagt – Wales hergab.
Wieso konnte es nicht so etwas simples sein wie Taco-Chips und Nutella? Oder Himbeersirup und Fischstäbchen? Eventuell schuldete er Rhi noch eine Entschuldigung dafür, dass er sich bei seinem einzigen Besuch bei ihr während ihrer Schwangerschaft mit Mica über ihre merkwürdigen Gelüste lustig gemacht hatte…
Jack neuester Wunsch hatte ihn überrascht.
Fish’n’Chips von einem kleinen Kiosk in der Bay, an dem sie oft mitten in der Nacht Halt gemacht hatten, um etwas zu essen, noch high von Adrenalinrush einer erfolgreichen Weeviljagd. Es war praktisch Teil ihres Vorspiels geworden.
Also hatte Ianto seine Jacke geholt und die kalte Brise genossen, während er über den Plass schritt. Auf dem Rückweg bemerkte er, dass sein eigener Magen ebenfalls knurrte, wann hatte er selbst zum letzten Mal gegessen?
Der Hub war im Nachtmodus, Myfanwy schlief in ihrem Nest und die Weevil in den Zellen.
In Jacks Büro brannte Licht, aber vom Captain selbst war nichts zu sehen. Die Abdeckung zum Bunker stand offen und Ianto kletterte die Leiter hinunter, seine Tüte mit ihrem heißen und fettigen Inhalt sorgfältig von sich weghaltend, damit er keine Fettflecke auf seine Kleidung bekam.
Jack lag auf seinem Bett, einen Arm unter den Kopf geschoben, den anderen quer über seine Mitte, die Finger über der Wölbung gespreizt, die ihr Kind beherbergte. Vor dem Bett, offensichtlich auf den Boden gefallen, als Jack einschlief, lag eines der Bücher über Babys und Kleinkinder, die sich Ianto besorgt hatte. Und von denen Jack behauptete, sie nicht zu benötigen, denn schließlich hatte er bereits eine Tochter. Die, wie Ianto ruhig erwiderte, bei ihrer Mutter aufgewachsen war und die Jack nur alle paar Monate zu Gesicht bekam. Und außerdem, es war Iantos erstes Baby.
Er stellte die Tüte beiseite, hob das Buch auf und legte es weg, bevor er sich auf die Bettkante setzte und sich vorbeugte, um Jack wach zu küssen.
Als ihn schläfrige, blaue Augen anblinzelten und sich Lippen zu einem liebevollen Lächeln verzogen, bevor Jack ihn am Kragen packte, „Hallo, Daddy“, flüsterte und ihn zu einem weiteren Kuss herunter zog, war sich Ianto plötzlich sicher, dass sie auch diese Herausforderung meistern würden.
Immerhin, ein Kind zu haben konnte doch nicht viel schwerer sein, als das Ende der Welt zu verhindern. Und das war schließlich eine ihrer leichtesten Übungen…
Ende
Von hier an wird es besser, ich versprechs! ;o)
