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14. Februar 2020
Eine Stimme, die das Stockwerk, welches der Aufzug erreicht hat, ankündigt, ertönte aus einem Lautsprecher. Die Türe öffnen sich, ich trete ein paar Schritte nach vorne und werde von einer großen Menschenmenge begrüßt.
Familien, die in stereotypische Hawaii-Klamotten gekleidet sind. Frauen und Männer in Business-Anzügen. Und ein einzelner Tourist, der verzweifelt nach seinem Reisepass zu suchen scheint.
Nun bin ich wieder hier. London Heathrow Airport.
Wann war ich das letzte Mal an diesem Ort? Mama, Papa und ich sind, als ich noch 6 oder 7 Jahre alt war, von hier aus nach Tokyo geflogen, um die Familie meiner Mutter in der Nähe der Gifu Präfektur zu besuchen. Wow... Ist das wirklich schon so lange her?
Mittlerweile bin ich 19 Jahre alt, in zwei Monaten werde ich 20. Wie die Zeit vergeht... Es fühlt sich so an, als wäre ich erst gestern eine Schülerin der Tsubasa Middle & Upper School gewesen; nun studiere ich an einer hochangesehenen Universität in der Innenstadt von Eudora.
Normalerweise würde ich mich in diesem Moment im Klassenzimmer befinden und einem eigentlich spannenden Thema, das im langweiligen Monoton erzählt wird, zuhören. Und ich bin, ohne zu übertreiben, eine ziemlich fleißige Studentin. Ich habe noch nie einen Tag verpasst, seitdem ich dort angenommen wurde.
Aber heute ist eine große Ausnahme. Heute... sehe ich sie endlich wieder.
Es ist seltsam. Sie war eigentlich nur für vier Wochen weg, dennoch fühlte es sich an wie eine halbe Ewigkeit an. Ich denke, wenn man wirklich daran gewöhnt ist, jeden Tag dieselben Menschen zu sehen, fällt es umso mehr auf, wenn sie plötzlich weg sind.
Nun, verstehe mich nicht falsch. Das ist nicht das erste Mal, dass ich eine Person, die mir wichtig ist, für eine längere Zeit nicht sehen konnte. Es ist schon einmal vorgekommen. Zweieinhalb Jahre. Und auch sie habe ich wirklich vermisst. Sehr sogar.
Jedoch ist es bei der Person, die ich heute treffen werde... Ja, da ist etwas anders.
Die Tage fühlten sich so leer an. Nichts hat richtig Spaß gemacht. Es... fehlte etwas...
Denn durch ihre Abwesenheit, ist mir eines klar geworden. Etwas, das ich kaum zugeben möchte...
Und doch bin ich so weit gefahren, nur um sie wiederzusehen. Laut dem Internet hätte es nur eine Stunde und zwanzig Minuten dauern dürfen, um hier anzukommen; aufgrund des schlechten Verkehrs, hat es sich aber letztendlich um zwei Stunden gehandelt. Zum ersten Mal, seitdem ich meinen Führerschein erlangte, bin ich so eine weite Strecke alleine gefahren. Fehlerfrei. Wenn man ignoriert, dass ich mit dem Spiegel fast vor Aufregung gegen einen der Steinpfähle des Parkhauses gefahren bin... Sorry, Papa.
Vielleicht hätte es mehr Sinn gemacht, meinen Alltag ganz normal damit zu verbringen, zu meinem Unterricht zu gehen und sie heute Abend mit offenen Armen in Ambrosia zu empfangen. Sie hatte schließlich Zugtickets gebucht, um sicher vom Flughafen zurück zu uns nach Hause zu kommen. Mitnehmen kann ich sie also sowieso nicht, ohne dass sie das Geld, welches sie für diese ausgab, verschwendet.
Doch, egal wie ich darüber nachdenke, es ging nicht anders. Ich musste sie so früh wie möglich sehen.
Gedankenverloren gehe ich die langen Gänge des Flughafens entlang. Mein Herz rast. Meine Hände zittern. Ich habe sie früher jeden Tag gesehen und nun macht mir der Gedanke, ihr in die Augen zu blicken, solche Angst. Was ist nur los mit mir? Das ist doch nicht normal, oder?
Es ist fast fünf Jahre her. Der Tag, an dem wir uns kennenlernten. Der 20. März 2015. Ich erinnere mich gut an diesen Tag. Samy wurde in unsere Klasse eingeschult. Zusammen mit ihr, Lilly und Caro, habe ich zum ersten Mal, ein klassisches Ramen-Restaurant besucht. Ich habe zum ersten Mal etwas mit Freunden unternommen. Und dann... durch einen Angriff von ihr und einem anderen Mädchen... wurden Samy und ich als Engel wiedergeboren...
Stimmt... Das war der Anfang unseres langen Abenteuers.
Ein Abenteuer, das nur ein paar Monate hielt und doch mein Leben so sehr verändert hat...
Paula... Kyoki...
Zwei Personen, die ich kaum kannte... Aber zwei Personen, die mein Leben in eine komplett andere Richtung gesteuert haben, wenn auch nur indirekt...
Ohne die Einflüsse der beiden, hätte ich sie niemals kennenlernen können...
Nun... Es stimmt zwar, dass wir uns im März zum ersten Mal gesehen hatten. Angefreundet hatten wir uns dennoch erst ein paar Monate später. Der Anfang war vielleicht... etwas kompliziert und schmerzhaft. Doch das ändert nichts daran, dass ich es sofort bemerkt hatte.
Wie süß ihr Lächeln eigentlich ist.
Dieses Mädchen, oder wäre es angemessener sie „Frau“ zu nennen, befand sich die letzten vier Wochen auf eine Tour durch ganz Westeuropa. Von Deutschland, nach Frankreich, bis hin zu Italien...
Und während sie ihren Spaß hatte, musste ich einige Dinge hinterfragen. War es nicht ihr Traum, durch die Welt zu reisen? Wieso würde sie dann so viele Länder auf einmal besuchen? Desto mehr sie in kurzer Zeit besucht, desto schneller wird ihr Traum vorbei sein. Nicht nur das, sie musste außerdem fast ihre ganzen Urlaubstage für dieses Jahr dafür opfern. Wir haben erst Mitte Februar. Sie wird kaum Tage für den Rest des Jahres übrig haben und wird bis 2021 warten müssen, um erneut reisen zu können. Möchte sie etwa für den Rest von 2020 nur zu Hause rumsitzen? Wo ist der Sinn an der ganzen Sache? … Ich denke einfach, ich werde niemals verstehen, wie es sich fühlen muss, in ihrer Lage zu sein. Oder vielleicht spricht einfach nur die Einsamkeit aus mir heraus. Wenn es nicht einfach eine Mischung aus beidem ist.
Jedoch kann ich nicht leugnen. Sie hat sich wirklich auf diese Reise gefreut.
Seit ungefähr zwei Jahren arbeitet sie bei einer großen Firma, um für ihren zweiten, beruflichen Traum zu trainieren. Sie gibt dabei wirklich ihr Bestes. Dafür beneide ich sie sehr. Und in all der Zeit, hat sie die notwendigen Kosten für diese Tour aufgebaut. Keinen einzigen Pfennig hat sie jemals an unnötige Sachen verschwendet. Alles, das sie sich erbaute, wurde für diese einzige Reise eingesetzt.
Dazu kommt noch hinzu, dass sie von Meganii als offizielle Bürgerin des Himmelreiches eingetragen wurde, und konnte somit von den himmlischen Vorgesetzten der britischen Regierung, legale erdliche Reisedokumente erhalten. Im Normalfall wäre sie gezwungen gewesen, im Himmelreich eine Unterkunft zu finden, allerdings durfte sie, aufgrund ihrer speziellen Umstände, hier auf der Erde bleiben. So hat sie innerhalb weniger Monate, zwei Staatsbürgerschaften auf einmal erhalten. Meine Mutter hätte sich gewünscht, dass es für sie so einfach gewesen wäre.
Nach all den Jahren, konnte sie den ersten Teil ihres Traumes verwirklichen.
Nach all den Jahren, konnte ich sie für eine längere Zeit nicht sehen.
Obwohl ich es so sehr wollte.
Ich verstehe es nicht. Was macht sie in meinen Augen anders, als die anderen? Finde ich sie einfach attraktiver? Habe ich mit ihr mehr Zeit verbracht? Liegt es an den Erfahrungen zwischen uns beiden? Oder ist sie für mich eine emotionale Sicherheit?
Ich kann diese Frage nicht beantworten.
Eines weiß ich. Es ist nicht so, dass sie mir wichtiger ist, als die anderen. Niemand ist mir wichtiger. Niemand hat in meinem Leben einen höheren Rang. Klar, es gibt einige Menschen, mit denen mich etwas mehr verbindet, in Gegensatz zu anderen, so wie zum Beispiel Samy. Doch es gibt niemanden, den ich „mehr mag“. Und dasselbe zählt auch für die Person, die ich erwarte.
Warum also ausgerechnet sie? Was macht sie anders? Ist mal etwas zwischen uns beiden passiert, an das ich mich einfach nicht erinnere? Das kann nicht sein. Wie vorhin schon erwähnt, gibt es zwischen mir und Samy auch eine besondere Bindung. Zwischen mir und Samy ist auch vieles passiert. Aber diese... Gedanken hatte ich bei ihr nie. Sie ist eine meiner besten Freunde, meine erste Freundin und jemand, die mir viel bedeutet, aber diese Gefühle sind nicht dieselben, wie die, die ich für diese andere Person spüre. Obwohl ich sie nicht „mehr mag“, als Samy. Und andersrum genauso. Was ist dann der Grund für meine Gefühle?
Oder... gibt es überhaupt einen Grund?
Und dann kommt noch die Frage.. Wie lange fühle ich mich schon so über sie? Wie lange hatte ich unbewusst diese... anderen Gefühle für dieses Mädchen?
Sie macht mich... einfach glücklich. Bei ihr fühle ich mich sicher. Und ihre Abwesenheit... tut weh. Ich hasse es, sie zu vermissen. Mehr als alles andere.
Die große Halle der Heathrow Airport streckt sich plötzlich vor mir hinaus. Mir ist gar nicht aufgefallen, wie weit ich schon gelaufen bin.
Umgeben von Geschäften aller Art, Bücherläden, Boutiquen, Restaurants, und den eindeutig überteuerten Produkten, überkam mich eine Nostalgie aus Kindheitstagen. Die Aromen verschiedener Gewürze und Parfümerien, die hochangebrachten Anzeigetafeln... Und an genau diesen wurde eine Nachricht angezeigt, die meine Nervosität auf 180 brachte. Ihr Flug solle bald landen. Es ist soweit. Sie ist nur wenige Minuten von mir entfernt.
Schnell wollte ich mich auf dem Weg machen, um sie bloß nicht zu verpassen... bis ich etwas Interessantes aus dem Augenwinkel entdeckte.
Die Schiebetür öffnet sich erneut und mein Herz bleibt stehen. Doch sie war es nicht. Ein älteres Ehepaar befand sich an ihrer Stelle dort. Oder zumindest, die Stelle, an der ich sie erwarte.
Wenn mich mein Zeitgefühl nicht in die Irre führt, stehe ich hier schon seit 30 Minuten. Ich verstehe, dass einige Kontrollen durchgeführt werden müssen, bevor man offiziell an die Grenze vorbei darf. Doch desto länger ich hier warte, desto größer wird meine Angst.
Aber wovor habe ich denn Angst? Vor dem Wiedersehen? Oder dass sie niemals durch diese Tür treten wird, egal, wie lange ich hier warte? Es sind schon so viele Menschen aus der Gepäckabnahme herausgekommen. Wo bleibt sie nur?
Die Tür öffnet sich erneut. Diesmal sind es zwei jüngere Männer, vermutlich zwei gute Freunde, die einen Erholungsurlaub gemacht haben, nachdem sie nun volljährig geworden sind und nicht mehr auf ihre Eltern hören müssen. Aber immer noch keine Spur von ihr.
Ich bekomme ein ekliges Gefühl an meinen Händen. Mit einer halte ich den Träger meiner Umhängetasche fest, so sehr, dass er in meinen Händen klebt. Unannehmlichkeit breitet sich in mir aus und die wildesten Gedanken kreisen sich in meinem Kopf. Hat sie ihren Flieger etwa verpasst? Gibt es Probleme an der Kontrollgrenze und sie wird nicht reingelassen? Ist ihr Flieger vielleicht abgestürzt und der Flughafen wurde nie darüber benachrichtigt?! … Okay, nein. Ich fange an, zu übertreiben. Beruhige dich, Sakura. Alles wird gut. Sie wird jeden Moment aus dieser Tür kommen und dann-,.. Oh mein Gott, habe ich heute Morgen daran gedacht, Deo zu benutzen? Sehen meine Haare gepflegt aus? Ich habe sie doch gestern gewaschen, oder? Oh nein, hoffentlich sehen sie durch mein nervöses Schwitzen nicht fettig aus! Ahhh, was mache ich nur, wenn sie denkt, ich würde in komplett unhygienischem Zustand hierherkommen, um sie zu begrüßen-...?!
„Sakura...?“
Mein Herz steht still. Ich habe vergessen, wie man atmet.
Langsam, ganz langsam, schaue ich in die Richtung, aus der ich die Stimme gehört habe.
… Eine etwas größere Frau steht da. Mit einem Koffer in der Hand und einer Handtasche in der anderen. Und mit einem, verständlicherweise, fragenden Blick, der offensichtlich an mich gerichtet ist.
Sie ist es. Das ist die Person, die ich nach vier Wochen endlich wiedersehen wollte.
„K-... Kathy...“
Kathy nahm ihren Blick nicht von mir, doch anstelle des verwirrten Blickes breitete sich ein kleines Lächeln aus. „Was machst du denn hier? Müsstest du nicht eigentlich in der Uni sitzen?“
„Ahh-... Ja, ich habe mich ausnahmsweise krankschreiben lassen! Ah ha ha ha, einmal schwänzen wird meinem Ruf schließlich auch nicht schaden, ha ha... ha...“
„Hmm? Aber du siehst für mich kerngesund aus.“
„Ja, ich habe mich ja auch nur krankschreiben lassen, um dich rechtzeitig hier sehen zu können! … A-Ach... Ich habe die anderen gefragt, ob sie mitkommen möchten, aber sie konnten sich leider nicht so einfach von ihren Pflichten lösen, wie ich, ha ha ha ha...!“ Ich habe die anderen nie gefragt. Sie wissen nicht mal, dass ich hier bin.
„Oh? Aber wir hätten uns doch in ein paar Stunden sowieso gesehen.“ Ein Kichern entkam von ihr.
„Äh... Ja... Aber... Ähm... Ah...! Ich wollte dir zum Geburtstag gratulieren! Als Erstes! … Das hätte zwar nicht funktioniert, wenn die anderen hier wären, aber-... da sie nicht hier sind, bin ich die erste. Ja. … Happy Birthday!“
Kathy blinzelte nur verwirrt. „Sakura... Ist alles in Ordnung?“
„Huh? Natürlich! Wieso? … Oh! Meinst du, weil heute nicht dein Geburtstag ist? Da hast du recht, aber ich konnte dich an deinem eigentlichen Geburtstag auch nicht sehen! Deswegen... Weißt du! Wie alt bist du noch mal geworden? 22? Mann, bist du alt! Obwohl ich wahrscheinlich auch nicht groß reden kann, mit meinen 19, fast 20, Jahren, ha ha ha...“
Ihr verwirrter Blick wandelte erneut in ein kleines Lächeln um. „Sakura... Hast du etwa schon vergessen, dass wir an meinem Geburtstag miteinander telefoniert haben?“
… Toll gemacht, Sakura.
„Äh... Ja... Ähm... Aber persönlicher ist doch immer ein bisschen schöner, nicht wahr?“
Nachdem Kathy mich nur für ein paar unangenehme Sekunden anstarren konnte, brach sie plötzlich in leichtes Gelächter aus.
„Huh-...?! Warum lachst du?!“
„Ach...“ Sie wischt sich ein paar Tränen von ihren Augen. „Ich merke gerade nur, wie sehr ich dich vermisst habe.“
„Huh...?“ Und schon fühlt es sich so an, als wäre die Zeit stehengeblieben.
Sie hat mich vermisst. Genauso wie ich sie vermisst habe, hat sie mich auch vermisst.
Ein warmes, leicht brennendes Gefühl umgibt meine Augen und schon spüre ich, wie eine einzige Träne, mein Gesicht herunterfließt.
Kathys glückliches Gesicht wechselt schnell in Besorgnis um. „Sakura...? Ist... Ist alles in Ord-...“
Bevor sie ihren Satz überhaupt beenden konnte, warf ich meine Arme um sie.
Ein kleines erschrecktes Geräusch war von ihr zu hören, aber sonst nichts. Um mich herum war es still. Es befand sich niemand in unserer Nähe. Nur Stille. Nichts Weiteres.
Diese beruhigende Nähe... Die Person, die ich aufgesucht habe, wenn ich Komfort brauchte... Das Gefühl von Sicherheit...
Es ist alles wieder da...
„Willkommen zurück...“, kam als leises Flüstern aus mir heraus.
Die Stille ging weiter. Zeit weiterhin eingefroren. Nichts außerhalb meiner kleinen Welt spielte eine Bedeutung.
Ich spürte, wie Kathy ihre Arme kurz bewegte, um mich zurückzuumarmen, doch diese Chance bekam sie von mir nicht.
Bevor sie ihre Arme um mich wickeln konnte, nahm ich meine eigenen leicht zurück und stoppte, als meine Hände ihre Schulter fassten. Langsam begab ich mich auf meine Zehenspitzen, sodass ich mit meinem Gesicht, ihrem von der Seite näherkam.
Meine Lippen näherten sich ihrer Wange immer mehr und mehr, bis mich im letzten Moment der Mut verließ und ich erstarrte. Nach einigen langen Sekunden, entfernte ich mich von ihr Wange, beugte ich mich leicht vor und flüsterte leise in ihr Ohr: „Ich habe dich auch vermisst...“
„... Huh...?“
Einige weitere, lange, unangenehme Sekunden vergingen, bis ich sie plötzlich losließ und mich wieder nach hinten warf. Die Zeit ging normal weiter, Geräusche kehrten wieder zurück und ich konnte erneut die Präsenz von anderen Menschen spüren.
Schnell stellte ich mich wieder in eine aufrechte Position und schaute sie strahlend an, als wäre nie etwas passiert.
„Ich sagte, ich habe dich auch vermisst!“
Kathy schien verblüfft, nachdem ich ihre Umarmung quasi abgelehnt hatte, doch brach danach wieder in Gelächter aus und gab ein sarkastisches „Ach, wirklich?“ ab.
Ich kicherte als Antwort, bis mir wieder etwas einfiel. „Ach ja!“ Schnell öffnete ich meine Tasche und kramte darin herum. „Ich habe etwas für dich, zum Geburtstag.“
„Oh?“ Ihre Neugier geweckt, starrte sie gebannt auf meine Tasche. Als sie jedoch sah, was ich aus dieser herausnahm, fand sich erneut ein Grinsen auf ihrem Gesicht wieder. „Gibt man Geburtstagsgeschenke nicht eigentlich ab, wenn man der Person 'Happy Birthday' sagt?“
In meinen Händen befindet sich eine Schachtel Schokolade. Eine Schachtel Schokolade in Form eines klassischen Herzens, gebunden mit einem kleinen Schleifchen. Kurz gesagt: Ein klischeehaftes Valentinstagsgeschenk. Und eines, das ich, ehrlich gesagt, erst vor Kurzem gekauft habe. Um genau zu sein, hier an diesem Flughafen. Aber als ich es sah... konnte ich einfach nicht anders.
Und aufgrund von Kathys Scharfsinnigkeit, fühlte ich mich direkt wieder eingeschüchtert.
„Hehe... Ich hatte es einfach... bis jetzt vergessen...“
„Aaach, so. Verständlich... Wenn ich nervös bin, vergesse ich auch hin und wieder ein paar Dinge.“
„Ah-...!“
Und wieder kann ich Gelächter von ihr hören. Argh! Sie ist in den letzten viereinhalb Jahren echt fies geworden!
„Dann nehme ich es mal dankend an“, sagte sie schadenfreudig, nachdem sie sich endlich beruhigt hatte, und nahm mir die Schokolade aus der Hand.
Bevor sie wieder etwas erwidern konnte, warf ich schnell hinein: „Du kannst sie ja im Zug essen! ... Und dann sagen, ob sie dir geschmeckt haben oder nicht. Ich würde dir schließlich kein schlechtes... Geburtstagsgeschenk geben wollen.“
„Huh? Im Zug?“ Sie blickte fragend zu mir auf, nachdem sie die Schokolade in ihre Tasche gepackt hatte.
„Na ja... Du hast doch extra ein paar Tickets erworben, oder nicht?“
„... Hm... Dabei würde ich sie viel lieber bei dir im Auto essen... Dann kann ich dir direkt sagen, ob sie mir gefallen oder nicht~“
„Eh...?!“ Mein Gesicht glühte auf. … Warum werde ich ausgerechnet jetzt rot? Ich habe diese Schokolade nicht mal selbst gemacht!
„Aber... was ist mit dem Geld, das du extra für die Tickets nach Hause zur Seite gelegt hast?“
„Sakura... Glaubst du wirklich, ich werde die £31, die ich dafür ausgegeben habe, so sehr vermissen?“
„... Hätte ja sein können!“
Und ein weiteres Grinsen ist auf ihrem Gesicht zu erkennen, eines, das sich kurz darauf in ein Lächeln verwandelt. „Denkst du, du wirst großen Ärger bekommen, wenn man dich draußen erwischt, obwohl du krankgeschrieben bist?“
„Huh? Ich denke, es kommt darauf an, was ich mache. Wieso fragst du?“
„Nun... Na ja...“ Mit einer Hand hält sie ihren anderen Arm fest, während sie nervös durch die Gegend schaut und Augenkontakt mit mir meidet. … Zumindest... denke ich, dass sie sich nicht nur aufspielt, um mich zu ärgern...
„Ich dachte nur, wir...“
„Wir...?“
Kathy lässt weiterhin ihren Blick durch die Halle schweifen, als würde sie sich schwertun, etwas zu sagen.
„Ja...? Was möchtest du sa-...“ Und bevor ich meinen Satz beenden konnte, greift sie mit ihrer freien Hand nach meiner, stärkt den Griff um ihren Koffer und fängt an, Richtung Ausgang zu rennen.
„Eh-...?! Kathy...?!“
„Lass uns mit dem Auto nach London fahren und dort einen schönen Tag machen!“
„Hä...?“ Erst konnte ich nicht ganz folgen, was sie sagen wollte, bis es bei mir oben im Kopf endlich ankam und mich mehr als nur Freunde spüren lassen ließ.
„Ah...! Ja, lass uns das machen...!“
Auf dem Weg nach draußen haben wir mehrmals fast einige Menschen und sogar einen Kofferwagen umgerannt. Jedes Mal schimpfte man uns hinterher und fragte, ob wir noch ganz dicht seien.
Wir konnten als Antwort nur lachen.
Ja, es stimmt...
Ich habe sie wirklich vermisst.
