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Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 8 of Tenshi Tachi no Sekai ~ Sidestories
Stats:
Published:
2021-08-08
Completed:
2021-08-08
Words:
4,069
Chapters:
2/2
Comments:
6
Kudos:
3
Hits:
16

Süße Träume

Summary:

Die Wellen brachen an dem Gestein. Die Sonne prallte von oben hinunter und gab dem Meer einen goldenen Schimmer. Möwen bedeckten den Himmel und begrüßten den Gästen am Strand mit ihren typischen „myaa, myaa“ Geräuschen. Um genau zu sein, begrüßten sie zwei Gäste. Zwei Frauen. Die einen langen, gemütlichen Abendspaziergang am Strand von Ambrosia machten. Keine andere Menschenseele war zu sehen. Nur die beiden waren anwesend. Und genossen die sommerliche Abendbrise, die nur für die beiden wehte. [Textauszug]

Notes:

Spielt zwischen Staffel 1 und 2, enthält jedoch Spoiler für Finale Part 8!!

Chapter Text

Es ist schon eine Weile her, seitdem sie das letzte Mal in diesem Haus waren. Seitdem mit ihren Plänen begonnen wurde, zogen sie sich in die Unterwelt zurück. Um genau zu sein, sie haben die Unterwelt übernommen. Sie beanspruchten einige Gästezimmer des Schlosses für sich; mal waren sie getrennt, mal waren sie zusammen. Mal schauten sie sich den ganzen Tag gar kein einziges Mal an, mal verbrachten sie sehr viel Zeit miteinander, umschlossen von der Körperwärme der anderen.

Die Beziehung zwischen ihnen war schon von Anfang an kompliziert und undefinierbar. Sie schienen sehr intim miteinander zu sein, doch nie sind sie je einen Schritt über das, was noch als platonisch angesehen werden kann, gegangen. Vielleicht war es die Abwesenheit anderer Erwachsenen? Die Tatsache, dass sie nur sich und niemand anderen hatten? Die Intimität, eine Person bei sich zu haben, mit der man so große und gefährliche Pläne verwirklichen kann?
Wie würden sie voneinander denken, wenn sie andere in ihrem Leben zulassen würden? Würde sich etwas ändern? Wäre alles noch gleich?

Eines ist jedoch klar. Zumindest für Kyoki.
Das Lächeln dieser jungen Frau, die sie aus der Leere befreit hatte, war wirklich eine der schönsten, die sie in ihrem langen, langen Leben gesehen hatte. Nichts konnte diese Tatsache ändern.

Nun saß sie dort, in dem alten Haus dieser Frau. In dem Wohnzimmer, in dem sie zum ersten Mal zusammen gegessen hatten. Es war düsterer, als damals. Die Lichter, die Klimaanlage, der Fernseher, nichts schien zu funktionieren. Die alte Besitzerin dieses Haus sagte, dass die Stadt den Strom ausgeschaltet haben wird, nachdem sie seit fast einem Jahr keine Rechnungen mehr gezahlt hatte. Die Zimmer, in denen sie einst viel Zeit verbrachte, so dunkel und unbewohnt zu sehen, hinterließ ein nostalgisches Gefühl. Sie verbrachte zwar nur ungefähr drei Monate ihres Lebens hier, aber... es war eine sehr... angenehme Zeit gewesen...

Nun, Nostalgie beiseite, Kyoki verstand nicht, warum diese Frau ausgerechnet heute so sehr darauf bestand wieder hierherzukommen. Hatte sie etwas Wichtiges hier vergessen? Aber dazu hätte Kyoki doch nicht extra mitkommen müssen, oder nicht?

Bevor sie in Gedanken versank, hörte sie die schnellen Fußschritte eines wild gewordenen Kindes auf das Wohnzimmer zukommen. Zumindest... hätte sie gedacht, dass sie einem Kind gehören würden... Bis...

„Heute ist einer der besten Tage meines Lebens!!“
Und schon wurde die Tür aufgeworfen. Hinein rannte, mit ausgestreckten Armen, genau die Person, an die Kyoki bis vorhin die ganze Zeit gedacht hatte. Paula Mac Cárthaigh.
Auf ihrem Gesicht war ein breites, unschuldiges Lächeln zu erkennen. Es strahlte nicht so stark, wie einst vor einigen Monaten, doch es war genug, um Kyokis Herz kurz stillstehen zu lassen.

„... Warum schreist du so früh am Morgen herum?“, gab Kyoki mit einem leicht genervten Unterton von sich, um das Gefühl, das sich drohte in ihr auszubreiten, schnell wieder zu unterdrücken.

„... Hah? Früh? Wir haben es fast halb zwölf und du sprichst hier von früh?“

„Du hast mich schon vor zwei Stunden aus meinem Schlaf gerissen. Nachdem ich nur drei Stunden geschlafen hatte. Ich bin nur mitgekommen, weil heute angeblich so ein besonderer Tag sein soll, aber davon habe ich noch nichts mitbekommen.“

„Ja? Und? Du bist selbst schuld, wenn du erst so spät schlafen gehst-...“

„Warum sind wir hier?“
Kyoki konnte sich diese Lektion im letzten Jahr bestimmt mehr als zwanzig Mal anhören. Paula scheint wohl nicht zu verstehen, dass sie schon längst erwachsen ist und mit ihrem Leben machen kann, was sie will.
Wenn es nicht das ist, dann beschwerte sie sich darüber, dass sie aufhören solle, in geschlossenen Räumen zu rauchen. Oder einfach die Finger von Alkohol lassen und etwas Normaleres trinken sollte.
Desto mehr Kyoki darüber nachgedacht hatte, desto weniger konnte sie sich selbst dabei verstehen, warum sie freiwillig so früh, für so eine aufdringliche Person aufgestanden ist.

„Huh?“ Paula schien verwirrt zu sein. Weiß Kyoki denn wirklich nicht, warum heute so ein besonderer Tag ist? Warum heute der beste Tag aller Tage ist?! Das denkt sie wahrscheinlich. „Na, heute ist der 8. August!“

„... Und weiter?“

„Der 8. August ist mein Geburtstag! Ich werde heute 20!“

„... Oh...“
Hatte Paula ihr überhaupt schon mal gesagt, wann ihr Geburtstag war?

„Mhm! Und noch dazu kommt, dass ich vor ein paar Tagen endlich ein paar Engel eigenhändig losgeworden bin! Das ist ein Grund, zu feiern!“

Ist das... wirklich etwas, worüber sie sich so sehr freuen sollte...? Bevor sie zu sehr in Gedanken versank, erwiderte Kyoki mit einem leicht geschwächtem: „Ja, du hast recht.“ Sie öffnete ihre Hand und ließ dort eine rote Flamme aufglühen. „Durch diese Aktion hast du eine Menge roter Magie gesammelt. Das hast du nicht schlecht gemacht.“

Diese glühende, rote Magie.. .Desto mehr sie darin hineinschaute, desto mehr könnte sie sich darin verlieren... Wie oft hatte sie sich diesem Gefühl schon ergeben...? Sie weiß es nicht mehr...

Doch es war jedes Mal ein wirklich, wirklich... schönes Erlebnis...

„Jap! Ich habe ein bisschen von dem 0N1A, das ich von den Engeln genommen hatte, für mich beansprucht. Ich hoffe, das macht dir nichts aus? Ich möchte auf keinen Fall, dass mir dieses Zeug leer geht!“

„... Mach damit, was auch immer du willst.“
Kyoki hatte bisher noch nie verstanden, warum Paula diese rote Magie so einen komischen Namen gab. Anscheinend soll es mit der Legende, über die früher viel erzählt wurde, zusammenhängen, jedoch fand sie nie heraus, was diese Verbindung sein sollte. Alles, was sie wusste, ist, dass diese Legende ihr jedes Mal Gänsehaut bereitete. Und sie so wenig damit zu tun haben wollte, wie möglich.

Ironisch, wenn sie sich der Magie doch schon so schnell ergeben hatte...

„Weißt du, meine Mutter brachte mir früher zu meinem Geburtstag immer eine 10er-Packung von Diddy's Donuts mit.“

„... Wie bitte?“
Das Gespräch entwickelte sich plötzlich in eine... seltsame Richtung...

„Die 10er-Überraschungs-Packung! Wo du keine Ahnung haben wirst, was sich dort für Donut-Sorten befinden, bis du es schon gekauft und bezahlt hast.“

„... Aha.“

„Es gibt dort Schoko, Erdbeere, Banane... Oh! Meine Lieblingsdonuts sind die, die mit Pudding gefüllt sind!“

„... Und was würdest du tun, wenn sie dir Donuts rausgeben, die mit Fleisch befüllt sind?“

„Huh? Wer würde jemals solch eklige Donuts herstellen?!“

„Ich hoffe, sie tun welche rein.“

„... Unmensch.“

Paula warf Kyoki einen beleidigten Blick zu.
Wie kann sie nur? An ihrem Geburtstag auch noch?!

Zufrieden mit dem Wissen, dass sie Paula erneut ärgern konnte, gab Kyoki hinzu: „Und? Wo sind diese weltberühmten Donuts?“

„Ich habe sie soeben bestellt. Sie sollten jeden Moment hier ankommen!“

Manchmal... muss Kyoki die Intelligenz dieser Frau hinterfragen... „Du lässt Donuts zu einem Haus, das leerstehen soll, liefern?“

„... Das-... Glaubst du wirklich, das interessiert denen dort? Die wollen doch auch nur ihr Geld haben!“

„... Ach, so.“ Und so konnte Kyoki sich das Grinsen nicht verkneifen. „Wenn dein Plan nicht aufgehen sollte, nur weil du dich heute dazu entschieden hast, Donuts zu bestellen, lasse ich dich dein Leben lang nicht vergessen.“

„... Es ist eine Tradition der Mac Cárthaigh Familie eine 10er-Box von Diddy's Donuts an meinem Geburtstag zu bestellen! Tradition gehört sich! … Viel anderes haben wir an meinem Geburtstag ja nicht gemacht...“ Das letzte murmelte sie vor sich hin, sodass Kyoki nichts davon mitbekam.

„Du... willst mir also sagen, du gibst dich mit zehn Stück zufrieden...?“

„Ja...? Das reicht doch für uns zwei, oder nicht?“

Stille.

Als Paula bemerkte, dass Kyoki sie leicht enttäuscht anschaute, und sie sich nicht ganz erklären konnte warum, gab sie noch hinzu: „Außerdem darf ich nicht so viel Zucker essen. Ich werde sonst müde und kriege komische Träume.“

„Weichei“, murmelte Kyoki leise vor sich.

„... Was?“

„Nichts.“

Erneut Stille.

Und erneut durchbrach Paula diese.

„Da fällt mir ein... Wann genau hast du eigentlich Geburtstag?“

Diese unschuldige Frage reichte aus, um Kyoki kurz erstarren zu lassen.

„Ihr Götter wurdet doch auch irgendwann mal geboren. Feiert ihr eure Geburtstage?“

Ihr Geburtstag...
Es stimmt schon, dass selbst Götter diese zu feiern wissen.
War es jedoch wirklich etwas so Besonderes, das sie unbedingt von sich preisgeben sollte?
Schließlich symbolisierte dieser Tag doch nur der Anfang ihrer unbedeutenden, verschwenderischen Existenz.
Und dazu... kam auch noch... an diesem Tag... vor ungefähr dreihundert Jahren...

Ihre linke Wange begann zu pochen. Instinktiv legte sie ihre Hand dorthin, in der vergeblichen Hoffnung, dass sich so der Schmerz lindern würde.
Sie hörte schon lange nichts mehr aus ihrem linken Ohr, doch manchmal hätte sie schwören können... Sie kann immer noch dieses laute, dröhnende Geräusch von diesem Tage spüren...

„Ich erinnere mich nicht.“

„Wie bitte?“
Trotz Kyokis langen Lebens, schien Paula diese Antwort nicht erwartet zu haben.

„Ich habe den Tag, an dem ich geboren wurde schon vergessen. Ich bin schließlich nicht umsonst über 2.000 Jahre alt.“

„Ah...“
Ob sie verstanden hat, dass dies ein sensibles Thema zu sein scheint? Zumindest gab sie dieses Gefühl...

Und die Stille kehrte zurück.
Kyoki saß, mit dem Blick zur Wand gerichtet, auf dem Sofa.
Paula stand mitten im Raum und traute sich kaum, sich zu bewegen.
Selbst das Gefühl, schlucken zu müssen, fühlte sich in dieser Atmosphäre, wie ein Tabu.

Plötzlich ertönte ein lautes Klopfen von der Haustür. Die Lautstärke eines so simplen Aktes, zeigte erneut, wie still es geworden war. Ein Klopfen...? Stimmt, die Klingel würde unter diesen Umständen nicht funktionieren... Aber warte, das bedeutet...
„Die Donuts sind da...!“
Und so rannte Paula so schnell wie nur möglich zur Haustür.

Kyoki, hingegen, blieb sitzen. Es war ihr egal, wer an der Tür stand, sie wollte diese Person nicht sehen. Mit fremden Personen in einem normalen Umfeld zu interagieren, empfand sie schon immer als anstrengend.
Sie war nicht schüchtern und litt nicht unter irgendwelchen sozialen Ängsten. Das Reden mit anderen Wesen war an sich überhaupt kein Problem für sie. Sie empfand es jedoch schon immer als unangenehm, Freundlichkeit und Höflichkeit vorzutäuschen, wenn sie sich überhaupt nicht danach fühlte. Warum sollte sie sich dazu zwingen, mit anderen zu assoziieren, wenn sie diese überhaupt nicht leiden konnte? Kein Interesse an diese Personen hatte? Lügt sie sie nicht indirekt an, wenn sie vortäusche, sie würde diese Personen mögen?
Außerdem... wenn man doch jemanden findet, den man in sein Herz schließt, dann...

Ihre Wange begann erneut zu pochen.
Und so blieb sie lieber in ihrer eigenen Gesellschaft. Das gefiel ihr am meisten...

Ehe sie sich versah, begab sie sich von ihrer sitzenden in einer liegenden Position. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie müde sie war. Einfach nur sich vorzustellen, wie sie sich mit anderen in einem sozialen Umfeld abgibt, war genug, um sie zu erschöpfen. Wenn es ihr möglich wäre, würde sie sofort ihre Augen schließen und in einen tiefen Schlaf fallen.

Ja, das würde sie in diesem Moment am liebsten tun. Es gibt schließlich nichts Schöneres, als für eine Zeit sein Bewusstsein aufzugeben und nichts fühlen zu müssen, auch wenn diese kurz war. Es war ihr egal, wie spät es war. Es war ihr egal, wie lange sie weg wäre. Es war ihr egal, ob es gesellschaftlich unerhört war, am helllichten Tag zu schlafen. Solange sie nicht damit beschäftigt war, ihrem Ziel näherzukommen, verbrachte sie ihre Zeit am liebsten damit, zu vergessen. Zu vergessen... was alles war... Zu vergessen... was noch alles sein wird...

Die Stimmen von Paula und dem Lieferanten hörten sich so weit weg an. Selbst das Gezwitscher der Vögel, das aus dem Fenster direkt neben dem Sofa ertönte, konnte sie kaum noch erreichen. Langsam... übergab sie sich dem Gefühl, das sie so sehr liebte...

„Ahhhhhh!!“

Und so schnell konnte es auch wieder vorbei sein. Ein weiterer Grund, warum sie ihre Zeit lieber alleine verbringt...

„Kyoki! Wir haben ein Problem!“

„... Hm...?“
Paulas Stimme hörte sich plötzlich so nah an.. Ist sie etwa schon wieder ins Wohnzimmer gekommen...?

Langsam öffnete sie wieder ihre Augen und schaute direkt in das Gesicht einer.. ziemlich besorgten Paula...
Wurden sie etwa doch schon erwischt...? Kyoki hatte sie gewarnt, dass es keine gute Idee wäre, etwas zu einem leeren Haus liefern zu lassen...

„Was ist das Problem...?“

Desto klarer ihre Sicht wurde, desto mehr wurde ihr bewusst, wie sehr Paula unter Panik stand. Sie zitterte leicht und hielt beide ihrer Arme fest, während sich ihre Gestik verschloss. War es... etwa so schlimm gewesen...?
Als Kyoki realisierte, dass sie wahrscheinlich das Schlimmste erwarten sollte, setzte sie sich langsam auf und fragte erneut: „Was ist passiert? Warum stehst du so unter Panik?“

„... Sie-...“

„Sie...?“
Wer ist... sie...?

„Sie...“ Langsam nahm Paula ihren Mut zusammen, öffnete ihren Mund und schrie heraus, was sie so unbedingt sagen wollte.
„Sie haben meine Bestellung falsch verstanden! Sie haben zehn 10er-Packungen liefern lassen!“

… Moment. Was.

Als ob sie gleich unter einer Panikattacke leiden würde, hielt sie sich den Kopf und murmelte langsam vor sich hin.
„Einhundert Donuts... Wie sollen wir bloß einhundert Donuts schaffen... Einhundert verdammte Donuts...“

An diesem Moment wünschte sich Kyoki nichts anderes, als dass sie einfach erneut eingeschlafen wäre und nicht auf Paula gehört hätte.
… Zumindest dachte sie das, bis sie anfing, darüber nachzudenken, was Paula gesagt hatte und sie realisierte, was genau nun auf sie zukommen wird...

„Paula.“

„H-... Huh...?“
Immer noch leicht unter Panik, schaute sie langsam und erwartungsvoll zu Kyoki.

„Bring die Donuts her.“