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Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 3 of Tenshi Tachi no Sekai ~ Sidestories
Stats:
Published:
2017-08-08
Words:
1,634
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
3
Hits:
9

Glühwürmchen

Summary:

Wusstet ihr, dass Glühwürmchen als die ewig lebenden Seelen von Verstorbenen angesehen werden? Und dann soll ich die "Königin der Glühwürmchen" sein. Etwas, das vor langer Zeit eine so unschuldige Bedeutung trug. Und dennoch passt es selbst heute noch zu mir. Ob es mir gefällt oder nicht ...

Notes:

Work Text:

Juni 1709

„Lucy...!“

Es ist bereits dunkel draußen.
Ich renne durch den dichten Wald, in der Hoffnung, dass ich sie doch bald finde. Das kann nicht so schwer sein, ein einziges Mädchen in dieser kleinen Umgebung zu finden, oder...?
Falsch gedacht.

Sie hatte vor einigen Stunden nach mir gerufen. Dies tat sie in letzter Zeit immer öfter...
Am Anfang wollte sie wirklich nur über ihre Probleme reden. Probleme, die eine Achtjährige niemals durchmachen sollte...

Doch neuerdings ruft sie mich manchmal, nur um mit mir zu reden. Ich habe keine Ahnung, was durch ihren Kopf geht, aber ich habe sicherlich keine Zeit dafür.

Ich habe Aufgaben zu erledigen. Ich muss für die Menschen da sein, die wirklich meine Hilfe brauchen. Nur leider denkt dieses kleine Kind sich, dass es mich davon ablenken muss. Auf Dauer wurde es wirklich nervig...

Wenn sie dies tat, dann brachte ich sie meistens zu mir nach Hause, in eine der alten, unbenutzten Klassenzimmer. Dort brachte ich ihr einige Dinge bei: das Lesen, das Schreiben, ab und zu auch ein wenig Rechnen. Damit ich zumindest sagen kann, dass ich ihr bei irgendetwas geholfen habe.

Es mag zwar verboten sein, Menschen mit zum Himmelpalast zu bringen, aber das interessiert mich eher wenig. Entweder ich belehre sie weiter und helfe sie somit, was schließlich auch mein Ziel sein soll oder ich muss sie enttäuschen, indem ich ihr mitteile, dass ich leider nicht ihre kleine Freundin oder sonst was sein kann.
Das würde sie verletzen. Und schließlich heißt es, „Ich soll nur an andere denken, was mit mir dabei ist, solle mir egal sein.“

Jedenfalls, wo bin ich stehengeblieben? Wie ich schon erwähnte, dieses Mädchen rief mich vor einigen Stunden zu sich.
Es hatte mit ihren Eltern zu tun. Ihr Vater sei letztes Jahr, kurz bevor wir uns zum ersten Mal an dem schneereichen Tag trafen, verstorben.
Ich weiß nie wirklich, was ich dazu erwidern soll... Ein Versprechen zwischen uns beiden besagt zwar, dass ich ihre Eltern regelmäßig hoch oben im Himmel besuche, aber...

Ich beschloss sie, wie immer, mit ein wenig Belehrung abzulenken. Doch als wir nach Ambrosia zurückkehrten, verschwand sie plötzlich in den Wald, dies folgte nach einem: „Komm, ich will dir etwas zeigen!“

Das war das letzte Mal, dass ich sie sah.
Um ehrlich zu sein, kann es mir auch egal sein, was nun mit ihr ist. Sollte sie bemerken, dass ich nach einer Weile immer noch nicht auftauche, so wird sie schon alleine zum Waisenhaus zurückkehren.
Außerdem werde ich langsam von Müdigkeit überfallen... Und dazu muss ich noch mit meiner Mutter reden, ihr wöchentliche Berichte erstatten... Wundervoll...

Warum suche ich sie dann? Wenn ich das nur wüsste... Irgendwie will es mir keine Ruhe lassen, das kleine Mädchen rennt da draußen alleine im dunklen Wald herum.
Natürlich ist sie nervig, aber irgendwie...

„Kyōki!“
Wo man gerade vom Teufel spricht...

Das Mädchen, Lucy, stand ganz am Ende des Waldweges. Sie ist wirklich weit gekommen... Wie schnell ist sie eigentlich?
Sie lächelte mich freudig an. Jedoch konnte ich mich leider nicht genauso fühlen, wie sie...

„Was sollte das bitte werden?“

„Wovon redest du?“ Ein unschuldig fragender Blick erschien auf ihr Gesicht.

„Wovon ich rede? Du bist mir einfach davongerannt. Weit in diesen dunklen, gefährlichen Wald. Bist du denn wahnsinnig?“

Daraufhin blickte sie leicht zu Boden. „... Bist du nun... sauer auf mich...?“

War es nicht offensichtlich genug? „Natürlich bin ich sauer! Schließlich habe ich mir Sorgen gemacht.“

„.. Oh...“
Lucy hob ihren Kopf wieder und sah mich mit einem kleinen, leicht schüchternen, Lächeln an. „Das tut mir leid...“

... Nimmt sie mich etwa nicht ganz ernst? Ich seufze dazu.
„Ich nehme deine Entschuldigung an, solange du so was nicht noch einmal tust.“

„Versprochen!“

„Könntest du mir aber vielleicht erklären, warum du lächelst? Findest du das etwa lustig?“ Wehe, wenn das der Fall ist... Kleine Kinder sollten Erwachsene respektieren.

„Na... Du hast gesagt, dass du dir Sorgen, um mich gemacht hast!“

„... Wie bitte...?“

Ihr Lächeln wird breiter. „Das heißt, du magst mich!“

… Moment mal... Habe ich das wirklich gesagt...?
Ich fühle, wie mir langsam warm im Gesicht wird... Na ja, es ist schließlich Sommer. Vielleicht... Vielleicht liegt es daran...?
„... Du wolltest mir etwas zeigen.“

„Ach, ja!“ Lucy drehte sich rasch um. „Folge mir!“

„Renne aber bitte nicht schon wieder voran.“ Sie tritt vor, ich gehe langsam hinterher.

„Keine Sorge, wir sind fast da!“

Nach nicht mal einer Minute, haben wir unser Ziel erreicht: Der See dieses Dorfes. Um genau zu sein, mein Lieblingsort in dieser ganzen Welt.
Er liegt nahe eines Waldes, der zwischen der örtlichen Kirche und dem besagten See liegt. Selten kam jemand hierher, vor allem in der Nacht war es leise.
Der perfekte Ort für mich, wenn ich einmal genug von zu Hause habe.

„Und... hier sind wir!“
Lucy streckte ihre Arme raus, als würde sie mir etwas Spektakuläres präsentieren.

Ich lächelte leicht, doch mein Gesichtsausdruck verrät definitiv nicht, wie ich mich momentan wirklich fühle.
„Aber... hier waren wir doch schon einmal zusammen. Erinnerst du dich nicht?“

„Das mag stimmen, aber letztes Mal waren sie noch nicht hier!“

Nun weiß ich nicht, wie ich mich fühlen sollte.. „Sie...?“

„Ja, komm mit!“
Sie nahm meine Hand und führte mich näher an den See heran.

Desto näher wir kamen, desto besser konnte ich sie sehen. Kleine Lichter, die um den See schwirrten und dies zu einem noch schöneren Ort verwandelten. Sie meinte doch nicht etwa...

„Glühwürmchen!“

… Das wollte sie mir zeigen?

Bitte... Ich bin eine Göttin. Ich bin älter als Jesus. Als ob ich nicht weiß, was ein Glühwürmchen ist. Aber sie ist ein Kind... Ein Kind, dessen Gesicht voller Neugier und Naivität strahlt...
„Das... Das ist echt schön...“ Ich lächele ganz leicht.

„Nicht wahr?! Endlich sind sie wieder zurück! Ich dachte, sie würden nicht wieder zurückkommen... Aber dann hat Papa mir gesagt, dass sie sowieso nur im Sommer erscheinen. Leider vergeht ein ganzes Jahr immer so langsam, es fühlt sich so an, als würde es nie enden...“

Darüber kann ich nur lachen... Ich muss nur blinzeln und es sind schon zehn Jahre vergangen...
Aber na gut, kurz nach meiner Geburt erging es mir nicht anders, als es bei Lucy jetzt der Fall ist.

„Aber nun konnte ich es dir endlich zeigen!“

Ich schaue auf den See hinaus und beobachte, wie die kleinen, leuchtenden Insekten umherschwirren. „Das... freut mich wirklich... Aber warum wolltest mir das unbedingt zeigen?“

„Weil meine Mutter mir die zum ersten Mal gezeigt hat, kurz bevor sie gestorben ist.“ Ihr Blick senkte wieder leicht, doch nur kurz darauf hob er sich wieder und schaute zu mir hinauf. „Also habe ich seit unserem Kennenlernen im Winter darauf gewartet, bis sie endlich zuürckkehren. Damit ich sie meiner neuen Mutter zeigen kann!“

Ich blinzele verwirrt. „Deine... neue Mutter?“

„Du!“

Stille.
„... I-Ich...?“ Mir wird wieder warm... Aber dabei ist es draußen noch gar nicht so warm, der Sommer hat erst begonnen... Oder bilde ich mir das ein...?

Lucy schaute daraufhin besorgt. „Ist alles in Ordnung, Kyōki...?“

„Huh...? Was soll mit mir sein...?“ Habe ich irgendwas Falsches gesagt?

„Du bist voll rot im Gesicht. Hast du Fieber...?“

Ich fasse schnell meine Wangen an. „... Nein...? Mir geht es gut...?“

„Sicher...?“ Sie hört nicht auf, mich so besorgt anzuschauen.. Aber soll das nicht ein Moment sein, an dem sie sich freut?

Ich nehme meine Hände wieder runter und lache nur nervös als Antwort. „Warum... würdest du sagen, dass ich deine Mutter bin...?“
Wahrscheinlich einfach nur etwas, das Kinder sagen, sobald sie einem Erwachsenen näherstehen. Ich muss mir darum keine Gedanken machen, sie wird sicherlich eines Tages aus dieser Phase raus sein.

„Weil du wie eine bist! Zumindest zu mir. Also bist du meine neue Mutter!“

Kinder... Sie haben so eine einfache Denkweise...
„Das... Das freut mich...“

„Ich weiß. Du lächelst nämlich.“

„Huh..?“
Tu ich das..? Mir... ist das gar nicht aufgefallen...

Von Lucy bekam ich nur ein Kichern. Will ich wissen, was das zu bedeuten hatte..?

„Meine neue Mutter ist auch ein Glühwürmchen!“

„... Wie bitte...?“

„Als wir uns damals getroffen haben, hattest du auch so ein goldenes Leuchten. Wie die Glühwürmchen.“

Sie haben ebenfalls eine... seltsame Denkweise...

„Du... bist wie ein großes Glühwürmchen! Die... Königin der Glühwürmchen!“

Ich bleibe stumm.
Aber nicht lange, denn von mir entkommt plötzlich ein kurzes Lachen. „Das... ist echt süß...“, bekomme ich zwischen dem Gelächter nur heraus.

„Du lachst!“
Lucy strahlte mich an.

Direkt danach höre ich auf. „Äh... Ja...?“

„Ich glaube, das ist das erste Mal, dass ich dich richtig lachen gesehen habe.“

„... Wirklich...?“ Habe ich... wirklich nur so selten gelacht...?

„Deswegen dachte ich, dass du vielleicht traurig bist. Aber ich möchte nicht, dass meine neue Mutter traurig ist! Also habe ich dir etwas gezeigt, das mich auch immer wieder aufmuntern kann... Die Glühwürmchen!“

Ich schweige.

„... Kyōki...?“

„... Weißt du... Eigentlich ist es verboten, mich auf die Erde zu holen, wenn man keinen festen Grund dazu hat...“

„... Eh...?“ So schnell kann sich die Stimmung eines Kindes umwandeln. Ich bemerkte schon, wie ihre Miene sich langsam nach unten verzog.

„Doch... Ich denke, bei dir kann ich eine Ausnahme machen...“ Ich hoffe doch, dass ich dies nicht bereuen werde... „Du... darfst mich rufen, so oft und wann immer du willst...“

„... Wirklich?!“ So ein breites Lächeln habe ich noch nie auf Lucys Gesicht gesehen. „Das freut mich! Danke!“ Und so schnell sie das sagte, warf sie schon ihre Arme um meine Beine. Sie war noch so klein, da fiel es ihr ein wenig schwer, mich vernünftig zu umarmen.

Ich konnte auf diese Erwiderung nur lächeln.
Um ehrlich zu sein, kann ich gerade nicht vollkommen nachvollziehen, warum ich das zu ihr gesagt habe.

Aber das ist mir egal... Solange sie glücklich ist...

„Danke, Mama-Kyōki!“

Eines Tages wirst du daraus hinauswachsen. Du wirst mich irgendwann nicht mehr als deine Mutter sehen. Doch solange es noch so ist, werde ich mich um dich kümmern.

So, als wärst du meine eigene Tochter...