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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Character:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 2 of Tenshi Tachi no Sekai ~ Sidestories
Stats:
Published:
2017-05-02
Words:
2,277
Chapters:
1/1
Comments:
2
Kudos:
3
Hits:
12

Süße Ambrosia

Summary:

In der Gegenwart wird sie gefürchtet. Vor dreihundert Jahren war sie die liebende Mutterfigur eines verzweifelten Waisenkindes. Doch, wie war es, als sie selbst noch ein kleines Kind war?

Notes:

|| Warnung!! Große Spoiler für Staffel 3, Folge 24 ||

Work Text:

25. Dezember 478 n. Chr., spät abends.



„Hey, hey... Atria?“
„Hm? Was gibt es, Derya?“
„Heute ist doch der zweite Weihnachtstag.“
„Und weiter?“
„Ist das nicht eines der wenigen Tage, an denen Kyōki den ganzen Tag freibekommt?“
„Das ist nichts Besonderes. Es ist Weihnachten, alle Götter haben heute frei, damit sie gemeinsam feiern können.“
„Ich weiß schon. Aber ich dachte mir, dass wir sie vielleicht auch einladen könnten, zusammen mit uns und den anderen Götter-Kindern zu spielen.“
Ein kurzes Lachen. „Keine Chance, Derya. Mit diesem Prinzesschen werde ich mich nicht blicken lassen.“ Ihre Miene verfinstert sich. „Außerdem... hast du sie jemals genauer beobachtet?“
„Wie genau meinst du das?“
„Sie ist komisch, so meine ich das.“
„Du hast sie einfach noch nicht richtig kennengelernt...“
„Ich muss sie nicht kennenlernen, um zu wissen, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmt.“
„Und wieso denkst du so?“
„Sie führt andauernd irgendwelche Selbstgespräche. Und das ziemlich laut.“
„Na ja... Sie ist ja auch die ganze Zeit über alleine. Irgendwann wird das mit Sicherheit ein wenig langweilig, findest du nicht?“
„Hm. Jedenfalls... möchte ich sie nicht in meiner Nähe haben.“
„Komm schon, Atria...“
„Wir sollten uns beeilen. Die anderen warten bestimmt schon auf uns.“
„... Du hast recht...“

Leise konnte man am anderen Ende des Ganges, etwas weiter weg von den beiden, leise Fußschritte hören, die sich immer mehr entfernten.


„Mama!“
Ich ziehe schon die ganze Zeit genervt an ihrem Rock. Aber sie reagiert nicht. Sie unterhält sich weiterhin mit den anderen Erwachsenen, ein Glas Rotwein in ihrer Hand.

„Mama!“ Ich ziehe weiter. „Mir ist langweilig!“

Ein Seufzen entkommt ihr. „Entschuldigt mich bitte...“
Sie bückt sich zu mir runter und redet mit etwas leiserer Stimme zu mir: „Schatz, du weißt, dass dies kein Ort für kleine Kinder ist.“

Ich verdrehe meine Augen. „Mama. Ich bin schon 604 Jahre alt.“

„Richtig. Und das heißt, dass es nochmal fünfhundert Jährchen dauern wird, bis du als vollwertige Erwachsene anerkannt wirst.“

„Ich bin sehr wohl erwachsen! Ich bin sogar fast alt genug, um ein eigenes Kind zu besitzen!“

Ein kleines, aber freundliches Grinsen erscheint auf die Lippen der Frau vor mir. „Süß.“
Sie wuschelt mir durch die Haare, um danach direkt wieder aufzustehen.

„... Warte!“ Ich ziehe erneut an ihrem Rock.

Erneut ist ein Seufzen zu hören und sie begibt sich wieder auf meine Augenhöhe. „Was ist los?“

Ein beleidigtes Gesicht ist alles, was sie von mir bekommt.

„Kyōki, komm. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit.“
„Ja, weil wir beide später noch etwas machen werden.“ Ich ändere meinen Gesichtsausdruck nicht.

Doch ich bekomme nur einen verwirrten Blick zurück. „... Wie bitte...?“
„Du hast versprochen, dass wir, sobald ich mal einen freien Tag bekomme, etwas zusammen unternehmen werden!“

„... Oh...“

„Oh?“

„... Tut mir leid, Kyōki, aber das wird heute nichts mehr. Nächstes Mal, einverstanden?“

„Was...? ... Aber...“ Ich senke leicht meinen Blick. „Du hast es doch versprochen...“

„Och, es tut mir leid, Schätzchen.“ Sie streicht eine Strähne hinter meinem Ohr. „Aber bis ich hier fertig bin, ist es schon längst Zeit für dich und die anderen Götter-Kinder, schlafen zu gehen.“

Und sie fängt schon wieder damit an. Na toll.
„Nächstes Mal machen wir auf jeden Fall etwas zusammen. In Ordnung?“

Mein Blick hebt sich wieder. „Versprochen...?“

„Dieses Mal auf jeden Fall, versprochen.“

„... Gut...“ Ein kleines Lächeln erscheint auf meine Lippen.

„Braves Mädchen.“ Sie wuschelt nochmal durch meine Haare. Ja, das tat sie öfter.

„Mh...“ Trotzdem gab ich mich noch nicht zufrieden.

„Hm? Stimmt irgendwas nicht?“

„Mir ist trotzdem langweilig.“ Ich verschränke meine Arme. „Wie willst du dich nun dafür verantwortlich zeigen?“

Erst starrt sie mich nur an. Danach fängt sie an zu kichern. Irgendwie... wusste ich, dass sie das tun würde...

„Warum fragst du die anderen Kinder nicht einfach, ob du mit ihnen spielen darfst? Sie würden sich sicherlich freuen, sie sehen dich doch so selten.“

Nun bin ich diejenige, die seufzt. Und zwar leicht genervt. „Na guuut...“

Doch sie lächelt mich nur an. „Ich sage dann schon mal Gute Nacht, ja?“

„Ja, ja, ja, gute Nacht.“

Sie kichert erneut und gibt mir dann einen kleinen Kuss auf die Stirn, bevor sie sich erneut den anderen zuwendet.
Warum sie es für nötig hielt, mich vor allen anderen Göttern so zu behandeln, bleibt mir ein Rätsel. Manchmal... können Eltern echt peinlich sein...


Und nun... sitze ich hier im Gang. Alleine.
Ach, wen interessiert es schon? Ich wollte doch sowieso nicht mit diesen anderen Kindern spielen. Außerdem... wer sagt, dass es seltsam sei, mit sich selbst zu reden? Macht das nicht jeder einmal? Solange mir keiner plötzlich aus dem Nichts antwortet, ist doch noch alles in Ordnung mit mir, oder?

… Richtig. Mir antwortet niemand...
Niemand, mit dem ich reden kann. Niemand, mit dem ich Geheimnisse teilen kann, oder spielen kann, oder mit dem ich mich sogar streiten könnte.

Am liebsten wäre ich zu dieser Atria hingegangen und hätte ihr direkt ins Gesicht gesagt: „Prinzesschen? Was willst du mir damit sagen? Dass du eifersüchtig bist, dass meiner Mama dieses Reich gehört und ich somit indirekt einen ähnlichen Status habe, wie der einer Prinzessin?“

Aber dann würde ich mir widersprechen. Wieso? Ich bin eine Göttin. Götter sind vieeel besser als Prinzessinnen. Die sind langweilig.
Und auch wenn schon... vielleicht wollte ich auch gar nicht mit ihnen spielen. Denn... ich bin kein Kind mehr. Ich bin eine Erwachsene!

… Wünschte ich zumindest.

Das ist so unfair! Wenn ich ein Mensch wäre, dann wäre ich schon vor über fünfhundert Jahren erwachsen gewesen!
Na ja, ich würde dann auch schon seit längerer Zeit unter der Erde liegen, aber... darüber reden wir jetzt mal nicht.

Doch jeder Mensch, der mich sehen und für eine von ihnen halten würde, würde aufgrund meines Aussehens und meines Intellekts sofort denken, dass ich erst mickrige zehn Jahre alt bin. Und wenn nicht, dann auf gar keinen Fall älter als zwölf.

Ja, genauso läuft es hier. Ich bin 604 Jahre alt, aber es dauert noch, bis ich zu den „Älteren“ gehöre. Wann genau dies passieren wird, kann ich leider noch nicht sagen, aber ich werde sicherlich noch warten müssen, bis ich mindestens 1000 Jahre alt bin.
Dann kann ich endlich auch dazu gehören! Ich werde umgeben sein von ganz vielen anderen erwachsenen Götter und werde eine Menge von diesem roten Saft trinken, den Mama und die anderen immer haben.

Ich meine, ich arbeite schon. Als die „Botin der Hoffnung“ reise ich durch die Welt und helfe verzweifelte Menschen wieder ins Licht. Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Es ist anstrengend. Aber Mama hat gesagt, ich muss es machen. Und wenn ich es nicht mache oder irgendetwas falsch mache, dann... werde ich wieder bestraft...

Ach, Mann! Ich bin mir sicher, dass diese Arbeit viel einfacher sein wird, sobald ich auch endlich aus diesem Kinderkörper raus bin.
Aber erst mal muss ich warten... Und warten... Und warten...

Ein knurrendes Geräusch unterbricht meine Gedanken.

... Warte, das war nur ich. Um genau zu sein, mein Bauch.

Ich habe gar nicht darauf geachtet, wie lange ich eigentlich schon hier sitze, aber es scheint schon eine Weile vergangen zu sein.
So sehr war ich in meinen Gedanken vertieft, dass ich nicht einmal bemerkt habe, dass ich Hunger habe. Obwohl wenn ich zurückdenke, es ist schon ein paar Tage her, seitdem ich das letzte Mal etwas gegessen hatte...
Na ja, ein Gott oder eine Göttin zu sein bringt natürlich schon seine Vorteile mit sich. Zum Beispiel halten wir es um einiges länger, als Menschen ohne Essen aus. Und selbst wenn, wir würden davon nicht sterben. Wir sind nicht umsonst Götter.

Vorhin habe ich mich nur über diese ganze Sache aufgeregt, aber nun kann ich an nichts anderes denken, als an Essen.
Vielleicht sollte ich mich in die Küche begeben und schauen, was es dort so gibt...


Langsam öffne ich die Tür. Ein Licht scheint durch. Gut, die Köche sind noch da. Ich öffne die Tür ganz.

Das Aroma von gebratenem Hühnchen durchfüllt den Raum. Eine Spezialität, die es schon länger bei uns Göttern gibt. Und eines meiner Lieblingsgerichte. Ob die Menschen dies auch essen oder ob sie es eines Tages genauso genießen können wie wir, ist mir unbewusst, doch wenn nicht, dann verpassen sie etwas wirklich Tolles.

„Ah, Kyōki!“ Ein etwas älterer und größerer Mann kommt auf mich zu. Der momentane Chef des Himmelpalastes.
Er ist kein Gott, sondern ein Engel, also wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis er uns auch verlässt.
„Frohe Weihnachten!“ Lächelnd hält er mir eine Hand hin.

Ich nehme sie freudig und lächele strahlend zurück. „Frohe Weihnachten!“

„Wow, da ist jemand aber heute gut drauf. Ich hätte gedacht, diese Feste würden dich langweilen.“

„Nein, das tun sie immer noch.“

„Hm? Aber warum dann diese gute Laune?“

Ich behalte mein Lächeln und zeige auf den Ofen, von dem dieses wundervolle Aroma stammt.
„Verstehe... Du hast Hunger.“

Nichts ändert sich an meine Position, ich antworte lediglich mit einem schnellen Kopfnicken, in der Hoffnung, dass mein Hunger bald endet.
„Und du willst etwas von dem Brathähnchen haben?“

Ich klatsche meine Hände schnell zusammen, als würde ich gleich anfangen zu beten und schaue ihn mit funkelnden Augen an.
„Wenn du noch anderthalb Stunden warten kannst, gebe ich dir gerne etwas ab.“

Das Funkeln verschwand.
„Ansonsten kann ich dir auch irgendetwas anderes anbieten.“

Ich verschränke wieder meine Arme. „Nein. Das akzeptiere ich nicht.“

„Aber... du hast doch Hunger, oder nicht?“ Er blickte mich mit einem verwirrten Gesicht an.

„Das letzte Mal, dass ich so einen Brathähnchen bekam, ist so lange her. Ich möchte nichts anderes essen.“ Ich behielt diese Geste.

„Ach, komm. Übertreibe mal nicht. So lange kann das nicht her sein.“

„Als ich das letzte Mal ein Brathähnchen zu essen bekam, existierte das Konzept von 'Weihnachten' noch gar nicht.“

Stille.

„.. Gut. Du hast mich überzeugt. Es ist lange her.“
Ein Siegeslächeln erschien auf meinen Lippen.

„Aber leider ändert das nichts daran, dass es noch anderthalb Stunden braucht, bis das ganze Essen hier fertig ist.“
Und so schnell verschwand es auch wieder.

Meine Hoffnungen und Träume... Sie wurden binnen Sekunden zerstört...

„Ich muss wirklich... so lange warten..?“ Mein Kopf senkte sich.

„... Das tut mir leid...?“

Ich schniefte leicht gespielt. „Schon in Ordnung..“

Und es trat erneut Stille ein.

Bis der Koch diese durchbrach mit einem Seufzen. „Keine Sorge, ich werde dafür sorgen, dass er so pünktlich wie möglich fertig ist. Würdest du dich bitte noch ein Weilchen gedulden?“

Mein Kopf hebte sich darauf wieder. „Versprochen?“

„Versprochen.“

„... Gut.“ Und so schnell bildete sich wieder ein Lächeln in meinem Gesicht.
Zufrieden kehre ich ihm den Rücken zu und wollte Richtung Tür gehen.

Bis ich etwas... Interessantes aus dem Augenwinkel entdecke...

Langsam drehe ich mich zu meiner Entdeckung hin.
Mehrere Schüssel. Sieht aus wie... Dessert...
Wie in Trance gehe ich darauf zu und schaue mir genau an, was ich dort Neues erwischt habe.

In diesen Schüsseln entdecke ich etwas, das aussieht wie ein Fruchtsalat. Doch irgendwas... ist anders...

In der Mitte jeder dieser Schüssel liegt eine einzige Ananas-Scheibe, ringsherum umgeben von Mandarinen-Stücke und kleinen Kirschen.
Unter diesem Obst-Muster befinden sich diverse andere Früchte, unter anderem Bananen, Erdbeeren und Weintrauben.
Diese werden überdeckt mit weißem Naturjoghurt. Sollte jemand Zucker hinzugefügt haben, dann wäre dies perfekt.

Doch... ich habe etwas vergessen... Ich kann es nicht erkennen... Moment mal... Sind das Marshmallows?
Gut, ich muss mich verbessern. Es wäre nicht perfekt. Es ist perfekt!

„... Entschuldigung?“

„Hm? Was gibt es, Kyōki?“

„Was genau... ist das hier...?“

Er kommt zu mir und diesen besagten Schüsseln gefüllt mit essbaren Träumen und schaut sie sich genauer an.
„... Oh! Das nennt sich Ambrosia. Ein Dessert, das hier im Himmel erfunden wurde und noch nicht in der Welt der Menschen bekannt wurde.“

Doch ich habe ihm ab der Hälfte schon gar nicht mehr zugehört.
„... Ambrosia...~“

Ich denke mal, dass er mich leicht verwirrt nun anschaut. „Ähm... Ja. Aber lass die Finger davon, das ist nichts für dich.“
… Hast du das auch gehört? Das war mein Herz, wie es in tausend Stücke zerfiel.

„Warum nicht?“

„Na ja... Dieses Dessert beinhaltet Sherry.“

... Wie bitte? „Sherry? Was soll das sein?“

„Alkohol. Nichts für kleine Kinder.“
… Wie. Bitte.

„Ich werde nun eine kleine Pause machen. Es wäre mir lieb, wenn du in der Zeit, die Küche verlässt.“
Ich rühre mich nicht.

„Oh, und bitte tu mir einen Gefallen und fass die Ambrosia nicht an. Sonst bringt Meganii mich um, wenn ich ihrem Kind Alkohol verabreiche.“ Dies sagte er lachend, während er die Küche verließ. „Bis gleich, ja?“

Und schon ging die Tür wieder zu.

Ich rühre mich immer noch nicht.
Blieb komplett still.
Starrte nur auf die Ambrosia vor mir.
Während die Worte dieses Koches sich noch in meinem Kopf abspielten.
Immer.
Und immer.
Und immer wieder.
Das Ticken der Uhr ist zu hören.
Doch sonst war es still.
Langsam drehe ich mich zu der geschlossenen Tür.
Mein Blick? Kalt und leer.
Es blieb still.
Dadurch erschien das Ticken lauter.


„... Ich. Bin. Kein. Kind. Mehr.“


„Liebe Meganii!“ Derselbe Chef, der für das Brathähnchen zuständig war, lief hektisch auf die ältere Göttin zu.


„Oh... Entschuldigt mich bitte...“ Sie begab sich zum Eingang der großen Halle, in der sich die älteren Götter schon seit Stunden aufhielten.
„Ah, guten Abend, Chef Vincent. Gibt es irgendein Problem?“

Er schien schon ganz außer Atem zu sein. Der Arme.. „Die... Die Ambrosia...“

„Die Ambrosia?“

„Weg! Sie sind einfach weg! Verschwunden!“


Wenn man sich in das Schlafzimmer von der Tochter der Himmelsgöttin begeben würde, dann würde man sehr viele leere Schüsseln auffinden.
Einzelne Marshmallows, Kirschen und Mandarinen-Stücke durch das komplette Zimmer verteilt. Viele kleinere Möbelstücke nicht an richtiger Ort und Stelle, so als wäre das Zimmer ein aufgedrehtes Kind zum Opfer gefallen.

Und in der Mitte von dem ganzen Chaos?
Ein kleines, schlafendes Mädchen mit einem leichten roten Schimmer auf ihre Wangen.