Work Text:
Die Sonne prallte gegen das Fenster meines Schlafzimmers. Nachdenklich starrte ich auf das leere Blatt vor mir.
Dies tat ich gefühlt schon seit Stunden, doch wahrscheinlich ist nicht einmal eine einzige vergangen.
Eine Landschaft zeichnen.
So lautete unsere Kunsthausaufgabe.
Aber was für eine Landschaft bitte?
Die meisten aus meiner Klasse trafen sich, um gemeinsam durch die Stadt zu schlendern und diese Aufgabe zu bewältigen.
Aber ich? Ich bin eher jemand, den man in Ruhe lässt.
Vielleicht ist das meine Schuld, schließlich gehe ich auch nie von selbst auf die Anderen zu. Aber was würden sie dann von mir halten?
Würden sie mich einfach so aufnehmen? Würde ich sie nerven?
Die Möglichkeit besteht auch, dass sie mich gar nicht beachten. Mich uninteressant finden. Na ja, ändern würde sich nicht unbedingt etwas.
Meine Freizeit verbringe ich sowieso meistens zu Hause.
Oft schaue ich meiner Mutter beim Backen zu, das habe ich schon als Kind viel gemacht.
Einige Rezepte hat sie mir sogar schon beigebracht.
Ich kann nun bessere Brownies backen als meine Mutter, meinte mein Vater zu mir.
Dies würde er jedoch niemals meiner Mutter ins Gesicht sagen. Er hat zu viel Respekt vor ihr.
Es ist kein Geheimnis, dass sie die Hosen in deren Beziehung an hat.
Ich schmunzelte bei dem Gedanken.
Bis mir dann das leere Blatt vor mir wieder einfiel.
Na super...
Ich hatte noch keinen einzigen Strich gezeichnet. Und bemalen müssen wir es auch noch.
Das könnte noch recht amüsant werden. Denn mit dem Pinsel kann ich genauso wenig was anfangen, wie ein Hund mit Gabel und Messer.
Nein, selbst der Hund hätte bessere Chancen als ich, wenn ich mir das genauer überlege.
Und nun komme ich wieder nicht voran.
Ich seufzte laut und drehe den Ventilator, der auf meinem Schreibtisch neben mir steht, ein wenig auf. Warum musste es jetzt schon so heiß sein? Es war doch gerade eben erst April!
Der Sommer schien dieses Jahr früher zu kommen, als erwartet. Diese Tatsache weckte nicht unbedingt Begeisterung in mir auf.
Von allen Jahreszeiten habe ich den Sommer schon immer am meisten gehasst.
Die schlaflosen Nächte, die unerträgliche Hitze...
Am liebsten würde ich diese Aufgabe einfach schmeißen und in das nächste kühle Gewässer springen. Aber im Schwimmbad sind zu viele Menschen und dieser Gedanke schreckte mich etwas ab.
Wenn ich könnte, würde ich gerne in irgendeinen einsamen See springen. Dort würde ich stundenlang auf dem Wasser treiben.
Umgeben von unzähligen Bäumen, weg von der Gesellschaft. Danach würde ich mich in den kalten Wald begeben. Die Natur war etwas, das mich schon fasziniert hat, als ich noch süße vier Jahre alt war.
Moment... War ich nicht schon mal an solch einem Ort?
Ehe ich mich versah, verließ ich mit Kunstblock und Etui das Haus.
