Actions

Work Header

Funkelperlenaugen

Summary:

Boerne schießt den Vogel ab.

Notes:

Ich habe für diese Geschichte nicht einmal eine Entschuldigung. Ich könnte es darauf schieben, dass besagte Veranstaltungen so lange nicht mehr stattfanden und auch in Zukunft erstmal nicht werden stattfinden können, aber ich bin mir nicht sicher, ob das ein Argument wäre. Nehmt es einfach nicht zu ernst und habt ein bisschen Spaß dabei.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Für Pfingsten war es ungewöhnlich schwül und drückend. 

Frank lehnte mit dem Rücken am Bierwagen und verfluchte sich ein bisschen selbst dafür, dass er vor wenigen Stunden noch auf Boerne gehört und sich eine lange schwarze Hose und ein weißes Hemd angezogen hatte, nur damit er aussah, wie alle anderen in diesem Verein. 

In der Luft hing ein Geruch nach Bratwurst, Bier und Rauch, zudem waberte eine befremdliche Mischung aus Marschmusik und deutschem Schlager zu ihm hinüber. Je länger er sich auf dieser Veranstaltung aufhielt, desto mehr zweifelte er daran, ob er Boerne überhaupt kannte. Der Boerne, den er in den letzten Jahren lieben gelernt hatte, hielt Bratwurst und Bier für zu prollig, rauchte höchstens Zigarre und verabscheute deutschen Schlager, zumindest wenn man für seine Vorliebe für Roman König absah, dessen Musik er regelmäßig zu hören pflegte, um eine Verbindung zur Allgemeinheit zu bekommen, wie er selbst sagte. Hier allerdings wuselte er begeistert in der Menschenmenge herum, kannte jeden, begrüßte jeden und verbreitete eine gute Laune, wie Frank es bisher nur selten erlebt hatte. 

Er kannte zwar die Vorliebe seines Partners für merkwürdige Traditionen, zu denen er selbst keinen Draht hatte, was nicht zuletzt in einer Auseinandersetzung über Studentenverbindungen und Akademikerfamilien gegipfelt hatte, aber seine immense Begeisterung für ein Fest, bei dem es nur ums Saufen und Schießen ging und das zu allem Überfluss auch noch ein heteronormatives Weltbild reproduzierte, war ihm wahrlich suspekt. Dennoch hatte er sich - nach einiger Überzeugunsgarbeit seitens Boerne - dazu bereit erklärt ihn zu begleiten. 

Seit geraumer Zeit hielt er sich aber lieber in der Nähe des Alkohols auf. Ihm war nicht ganz wohl bei der Sache selbstbewusst an Boernes Seite sich als sein Partner zu präsentieren, vorallem nicht in diesem Umfeld, welches ihm mehr als fremd war und über das er nichts wusste, außer das, was er sich aus seinen Vorurteilen zusammen gesponnen hatte. 

Boerne selbst stand, ganz ungewohnt in weißer Jeans mit grüner Jacke und einer albernen grünen Mütze mit Federn, unter der Vogelstange und wartete darauf erneut schießen zu dürfen. Frank beobachtete ihn aus seinem sicheren Hafen hinaus. Auch, wenn er aufgrund ihrer Entfernung nicht verstehen konnte, was gesagt wurde und er Boerne nur lachen sah, wurde ihm ganz warm ums Herz, weil er plötzlich verstand, dass ihm dieses ganze Theater wirklich wichtig war. 

„Was grinst du denn?“ 

Kai, der Student, der dieses Wochenende das Bier zapfte und mit dem Frank seit 30 Minuten per Du war, hatte sich mit den Armen auf die klebrige Theke gelegt und blinzelte ihn an. 

„Hast du keine Leute zu bedienen?“ 

„Weil du glaubst, dass man das hier nur betrunken erträgt?“ 

Frank nickte, wandte den Blick aber nun von Boerne ab. 

„Wieso bist du so skeptisch?“ 

Anstatt einer Antwort machte Frank eine Handbewegung, in die er versuchte all seine Kritik an Veranstaltungen wie dieser zu legen. 

„Schau mal...“, fing Kai an, während er einem kleinen Jungen ein Glas Fanta einschenkte - wahrscheinlich das erste alkoholfreie Getränk des Tages - und fuhr fort: „Für die Meisten hier ist das ein Gefühl von Gemeinschaft, man trifft sich einmal im Jahr und feiert zusammen.“ 

„Das kann man auch beim Fußball.“ 

„Da hat man aber nicht so regelmäßig was zu feiern, zumindest in Münster.“ 

Frank brummte als Zeichen, dass er Kai Recht gab. 

„Warum bist du überhaupt hier?“ 

„Na, für die gute Musik.“, gab Frank sarkastisch zurück, als Matthias Reim gerade vom Pur Party Mix abgelöst wurde. 

Doch er kam nicht dazu seine Meinung zur Musikauswahl kundzutun, denn plötzlich ertönte hinter ihm ein lauter Tumult. Leute fingen an zu jubeln und zu schreien, so dass Frank sich halb genervt, halb neugierig umdrehte und sich einem Karl-Friedrich Boerne gegenüber fand, der von zwei älteren Männern auf den Schultern getragen wurde, die Mütze in der Hand, die Haare und das Hemd nass von Bier. Die beiden Männer bremsten zu spät, Boerne rutschte von ihren Schultern, prallte gegen die Theke, schmiss Franks Bier um und strahlte ihn an. 

„Der Vogel ist unten, ich bin König!“, sagte er, was überflüssig war, denn die Menge hatte mittlerweile begonnen seinen Namen zu skandieren. 

„Willst du meine Königin sein?“, fragte er und grinste Frank schelmisch an. 

„Ne, klar.“ Frank tat die Frage als Scherz ab und tippte sich mit dem Zeigefinger mehrmals an die Stirn. 

Boerne überging das, zog Frank zu sich und küsste ihn, nicht darauf achtend, dass alle um sie herum zu johlen anfingen. Als er bedauernswerterweise damit aufhörte, blitze er Frank mit vor Aufregung und Begeisterung funkelnden Augen an und flüsterte mit stolzer Stimme: „Zum ersten Mal zwei Könige.“ 

Notes:

Die Figuren gehören nicht mir. Wisst ihr ja.