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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 13 of Twitter Writing Meme
Stats:
Published:
2021-08-15
Words:
1,190
Chapters:
1/1
Kudos:
16
Bookmarks:
1
Hits:
187

Kein Ort wie das Auge des Sturms

Summary:

Sharpay ist eine Naturgewalt und Gabriella jagt Stürme.

Notes:

für: twitter writing meme und chrisii, weil ich unsere hsm-abende vermisse ♡
prompt: » femslash ship, das rent-free in meinem kopf lebt | 22: Getting Caught In A Storm «

CN: Essen (erwähnt)

Work Text:

Sharpay ist eine Naturgewalt, ein Wirbelsturm, Orkanböen und Regen und Blitz und Donner um Gabriella herum. Sharpay ist Flut um Flut um Flut, sich auftürmende und Gabriella niederreißende Wellen, aber nieniemals so ruhig und überschaubar wie Ebbe.

Es sind die mit Stolz über die Schulter geworfenen, blonden Haaren und die Parfumwolke, die Gabriella einhüllt und es ihr schwer macht, zu atmen oder auch nur einen einzelnen klaren Gedanken zu fassen.

Es sind der abschätzige Zug um ihre Lippen und die herablassenden Blicke über ihre Nasenspitze, die sich tief in Gabriella graben und ihr die Nervosität ins Zwerchfell treiben.

Es ist diese Aura überheblicher Bedrohlichkeit, die Sharpay umgibt und Gabriella immer wieder dazu bringt, vorsichtig über ihre Schulter zu linsen, um zu sehen, ob sie einen Blick auf Sharpay erhaschen kann. Aber letztendlich fängt Sharpay ihren Blick nie auf.

Gabriella fühlt sich, als würde sie trudeln und ins Schleudern geraten und immer weiter von ihren eigentlichen Zielen abdriften. Sie will bei den Mathleten gewinnen und sie will irgendwann ein Stipendium erhalten und sie will es ganz, ganz weit bringen, aber stattdessen sieht sie sich selbst dabei zu, wie sie ihren Namen auf das Anmeldeformular für das Frühlingsmusical setzt – und sie bemerkt dabei, wie ihre eigene Schrift sich an Sharpays anschmiegt, als wäre über ein Jahrzehnt an Schreibübungen und -praxis in genau diesem Moment kulminiert; als hätte alles Schreiben nur hierfür stattgefunden; als müsste Gabriella nur einfach direkt unter dem ausladenden S von Sharpay stehen.

Es macht sie nervös, der Gedanke, dass Sharpay vor dem Anmeldeformular steht und ihre Namen genauso intensiv betrachtet wie Gabriella; es macht ihre Hände schwitzig und ihre Füße stolperfreudig, es macht, dass sie jegliches Gefühl für Raum und Zeit verliert. Sie wirft ihr Mittagessen in Sharpays Dekolleté, aber sie ist auch bei den Mathleten und im Unterricht und zuhause und nie bei Sharpay.

„Du bist abgelenkt“, wirft Taylor ihr vor. „Konzentrier Dich aufs Spiel.“

Aber die Mathleten sind kein Spiel, sie sind Spaß, aber Pflicht, das Spiel findet auf der Bühne statt. Es ist der Beginn von etwas Neuem, von etwas Aufregendem, etwas, das Gabriella bis in die letzte Faser einnimmt und jeden ihrer Gedanken ausfüllt.

Gabriella singt vor und es ist das erste Mal, dass Sharpay sie wirklich sieht. Nicht nur als Konkurrentin, nicht als etwaige Gegenspielerin, sondern als Gabriella Montez, die vielleicht gut in Mathe ist und immer hilfsbereit, aber auch voller Überraschungen oder zumindest Überraschungen für Sharpay.

Sharpay sieht sie öfter an, so oft, dass es sogar Ryan auffällt, so intensiv, dass sogar Taylor es bemerkt. Sharpay sieht sie so lange an, dass sie, wenn Gabriella einen Blick über ihre Schulter wirft, ihren Blick auffangen kann – und dann sieht sie noch nicht einmal weg, fixiert Gabriella stattdessen und zieht die Augenbrauen zusammen, als müsste sie schrecklich heftig darüber nachdenken, was sie mit Gabriella anfangen sollte.

Und dann wird Gabriella klar, dass sie eine Sturmjägerin ist, die den Wolkenbändern viel zu nahe gekommen ist und jetzt keine Chance mehr hat, der Wolkenwand zu entkommen.

„Ms. Darbus hat was?“ Sharpays Schrei hallt durch den Flur und ihr fällt beinahe die Tasche aus der Armbeuge. Gabriella hat den perfekten Blick auf Sharpays in Schock geweiteten Mund und ihre aufgerissenen Augen, und nicht einmal das, was auch immer Ryan gerade zu Sharpay sagt, kann sie zurück auf Kurs bringen.

Nur ein paar wenige Schritte und plötzlich ist Gabriella direkt neben Sharpay und sie weiß nicht, wie sie dorthin gekommen ist. Ihr Ellenbogen stößt in Sharpays und Sharpays Blick stößt auf Gabriellas Wange, während Gabriella den Aushang am schwarzen Brett in Augenschein nimmt.

Erstbesetzung: Sharpay Evans & Gabriella Montez

„Du hast die Hauptrolle“, stellt Gabriella unnötigerweise fest. „Herzlichen Glückwunsch.“

Du“, stößt Sharpay fassungslos aus. Gabriella kann ihren Blick nicht erwidern. „Du!

„Ich“, erwidert Gabriella, „bin wohl die andere Hauptrolle.“

„Wie kann das sein?“ Sharpay verrutscht die Stimme in Höhen, die menschliche Ohren nicht mehr wahrnehmen können sollten. „Ryan hat noch nie nicht die zweite Hauptrolle gespielt!“

„Ich hab noch nie nicht die zweite Hauptrolle gespielt“, stimmt Ryan zu.

„Vielleicht sieht Ms. Darbus etwas in unserer Dynamik“, sagt Gabriella leise und sie wünschte, sie hätte nichts gesagt, denn als sie ihren Blick zur Seite wendet, sieht Sharpay sie vernichtend an.

„Auch Ms. Darbus liegt mal daneben“, spuckt Sharpay aus. Dann dreht sie sich wütend um und rauscht von dannen.

Sharpays Wut ist schlimmer als ihr Misstrauen, ihre Blicke verbrennend wie Blitze und ihre Worte schmetternd wie Donner. Aber ihre Aufmerksamkeit ist auch seltsam befriedigend, nachdem Gabriella so viel Zeit damit verbracht hat, aus der Ferne dabei zuzusehen, wie Sharpay durch ihr Leben wirbelt und eine Schneise an Verwüstung hinter sich lässt, die kein Mensch in so kurzer Zeit und in so heftiger Intensität hinterlassen sollte.

Es ist eine heikle Angelegenheit, Sharpay zu umkreisen, ihren Esprit im Gesang zu ertragen, wenn sie Gabriella die übrige Zeit nur kalte Schultern und harsche Worte entgegenwirft.

Sie studieren Tanzschritte ein und treffen sich mit Kelsi, sie gehen sich auf den Schulfluren aus dem Weg oder Sharpay rempelt Gabriella an der Schulter aus dem Weg.

Manchmal sitzt Gabriella Du kannst mir nicht ewig aus dem Weg gehen auf der Zungenspitze, aber Sharpays wütende Augen bringen sie jedes Mal wieder dazu, die Lippen aufeinander zu pressen, damit sie nur ja nicht das sagt, was ihr unter den Nägeln brennt.

Die Wolkenwand ist unerträglich, die Sturmfluten reißen sie beinahe mit, und Gabriella befürchtet, dass sie am Ende mehr Schaden davontragen wird, als sie von einer neuen Schule hätte erwarten können.

Und dann ganz plötzlich wird es still um sie herum, so ruhig und still, dass sie denkt, sie hätte das Risikogebiet verlassen und Sharpay würde vielleicht einfach weiterziehen, als hätte sie Gabriella nie mitten ins Herz getroffen.

Doch dann – sie sind gerade dabei, Twinkle Towne das erste Mal am Stück und ohne Pause zu proben – fallen ihr Ryans auffällig unauffälligen Blicke auf; sie bemerkt die geflüsterten Konversationen, während Sharpay und Ryan nicht auf der Bühne sind; sie realisiert, dass Sharpay sie nicht ansieht. Noch nicht einmal, wenn das Skript es verlangen würde, und ihre Hände werden wieder so schwitzig, dass ihr die Requisiten glatt aus den Fingern rutschen.

Gabriella mag im Rampenlicht stehen, sie mag sich drehen und winden und alles versuchen, um wieder in Sharpays Sichtfeld zu gelangen, aber sie ist längst im Auge des Sturms angekommen und Sharpay scheint nicht zu wissen, wie sie mit dieser Tatsache umgehen soll.

(Sie küsst Gabriella in der Garderobe vor ihrem Auftritt, als hätte sie nichts zu verlieren. Sie wirft das Haar über die Schulter und läuft an Gabriella vorbei, als hätten sie sich nichts zu sagen. Sie küsst Gabriella im Dunkeln in der Gartenlaube und kennt sie nicht auf den Tribünen beim Basketballspiel. Sie küsst Gabriella am Pool, während sie Jimmy Choo Flip-Flops und ein Tiffany Haarband trägt und ihr Handy in ihrer pinkfarbenen Prada vor lauter Nachrichten hohl dreht, und sie ignoriert den freien Platz, den Gabriella ihr manchmal freihält, um sich stattdessen zu ihrem Bruder zu setzen.

Aber trotz all dem Hin und Her, dem Ziehen und Stoßen und Drehen, fühlt Gabriella sich geerdet, weil es keinen Ort gibt, der vergleichbar wäre, mit dem Auge des Sturms.)

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