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wie nett, suzie

Summary:

Suzie und Penelope verlassen die Plakatbemalaktion in Rogers Wohnheimzimmer und Suzie ist eine useless lesbian.

Notes:

für: twitter writing meme
prompt: » Penny x Suzie | 18: Holding Hands «

Work Text:

Sie haben Rogers Wohnheimzimmer verlassen und sind unten auf die Straße getreten. Suzie kann immer noch Pennys Hand an ihrer spüren, obwohl sie sie bereits vor Minuten losgelassen hat, um sich Jacken und Schals anzuziehen und dann nacheinander die Treppen nach unten zu gehen. Es sollte unmöglich sein, aber sie wird das Gefühl von Pennys warmer, trockener Haut einfach nicht los.

Die Novemberluft trifft Suzies Wangen und versucht, ihren Weg unter Suzies Schal zu bahnen, und Suzie wünscht sich, sie könnte einfach dreißig oder vierzig Zentimeter weiter drüben laufen, um sich an Pennys Seite zu hängen wie ein Klammeräffchen an einen Heizkörper. Aber sie ist ein Feigling und Penny ist so unerreichbar, dass Suzie noch nicht einmal in Betracht ziehen kann, ihr nahezukommen.

„Sehr kalt heute, oder?“, fragt Penny in die Stille, die nach dem Trubel in Rogers Zimmer beinahe betäubend wirkt, und schreckt Suzie damit aus ihren Gedanken. Sie wirft einen Blick aus dem Augenwinkel auf Penny, nur um Pennys Blick zu begegnen, die sie mit ausdruckslosem Miene betrachtet.

„Absolut unerträglich“, erwidert Suzie schnell, bevor Penny es sich noch anders überlegen kann, weil sie eigentlich doch kein Gespräch mit Suzie führen möchte. „Wenn es noch kälter wird, muss ich mir eine Wärmflasche mit in die Vorlesungen nehmen, damit ich nicht verfriere.“

„Ich würde niemals zulassen, dass Du erfrierst“, erwidert Penny und Suzies Herz beginnt schon, heftig gegen ihre Rippen zu schlagen, weil es sich beinahe wie eine Zuneigungsbekundung anfühlt, als Penny nüchtern fortfährt: „Ich könnte die Truppe ohne Dich doch nicht ertragen“, und Suzies Enthusiasmus und Nervosität werden gleich wieder im Keim erstickt. (Nun gut, vielleicht nicht die gesamte Nervosität. Sie glaubt auch nicht, dass das in Pennys Gegenwart überhaupt möglich wäre.)

„Ich bin immer gern der Puffer zwischen Roger und der Welt“, antwortet Suzie, aber sie weiß nicht so recht, warum sie es gesagt hat. „Glaube, das ist der Vorteil, wenn Du mit einem Menschen schon auf der Schule befreundet warst. Ich kann Roger meistens von seinen Überrumplungsaktionen abhalten.“ Oder sie ist ganz vorne mit dabei, weil sie überall zusammen drin stecken – wie Türzargen in der Wandlaibung.

Während Suzie versucht, ihre Hände noch tiefer in ihren Taschen zu vergraben und den Hals so weit es nur geht in ihren Schal zurückzuziehen, macht Penny ein zustimmendes Geräusch, bevor sie erwidert: „Rogers Mitbewohner war in Olivers und meiner Klasse.“

„Percy?“, hakt Suzie nach, dann dreht sie ihren Kopf endlich komplett in Pennys Richtung, um sie anzusehen, weil sie ja jetzt in ein richtiges Gespräch verwickelt sind, was bedeutet, dass es nicht mehr seltsam oder unangenehm für Penny wäre, wenn Suzie sie ansieht. (Oder?)

„Ja, wir hatten nie wirklich—“ Penny sieht zu Suzie und für einen Moment begegnen sich ihre Blicke, aber im Gegensatz zu Suzie scheint Penny nicht der Atem in der Brust zu stocken, oder zumindest gibt sie ein genervtes Seufzen von sich, mit dem sie sich selbst unterbricht. „—das kann man ja nicht mitansehen.“ Und damit zieht Penny ihre Hand aus ihrer Jackentasche und schiebt sie ohne großes Tamtam in Suzies Jackentasche, um ihre Finger mit den eigenen zu umschließen.

Der einzige Grund, dass Suzie nicht einfach stehen bleibt oder über die eigenen Füße stolpert, ist, dass Penny normal weiterläuft und sogar noch den Nerv hat, weiterzusprechen. „Percy war immer sehr … zurückgehalten in der Schule. Ein paar Mal haben wir Projekte für den Unterricht zusammen gemacht, aber ansonsten hatte ich nie recht viel mit ihm zu tun. Bedauernswert, ich denke, wir hätten gut miteinander auskommen können.“

Es ist ein absoluter Segen, dass Penny gar nicht zu bemerken scheint, dass Suzie das Herz in die Hose rutscht und sich ihr Herz auf die Berührung ihrer Handinnenflächen einstimmt, weil Suzie gerade nicht die Fähigkeit besitzen würde, sich zu rechtfertigen. Wer hat Penny auch das Recht gegeben, einfach so Suzies Hand zu ergreifen?

„Ach ja?“, fragt Suzie, obwohl ihr nicht ganz klar ist, was sie damit aussagen möchte, oder worauf sie eigentlich antwortet.

„Er ist ein netter Kerl“, antwortet Penny mit einem Schulterzucken, das Suzie an ihrer Hand spüren kann, weil Penny ihre Hand hält. (Wie kann das legal sein? Wie kann das nicht das oberste Verbot sein? Warum ist Penny nicht bis ins Mark erstarrt?)

„Ich kenn ihn nicht wirklich“, gibt Suzie zu, während sie hektisch überlegt, ob sie ihren Daumen bewegen kann, um Pennys Hand ebenfalls gänzlich zu umfassen, oder ob sie Penny damit nur vielleicht aufschrecken und dazu bringen würde, ihre Hand zurückzunehmen, weil sie bemerken würde, dass sie Suzies Hand doch eigentlich gar nicht halten möchte. „Ich höre nur Roger immer wieder über ihn sprechen.“

„Oh“, macht Penny und fixiert Suzie. Wenn Suzie es nicht besser wüsste, würde sie sagen, dass das Neugierde in Pennys Gesicht ist. Aber sie weiß es besser, weil Penny keine Klatschbase ist. (Ganz im Gegensatz zu Roger und Suzie, aber psch, darum geht es doch gerade gar nicht.) „Was sagt Roger denn so über Percy?“

Suzie überlegt und tut so, als würde sie ihren Daumen über Pennys Knöchel auf ihren Handrücken schieben, weil sie tief in Gedanken versunken ist, obwohl sie nur einfach zumindest zu Roger später sagen können will, dass sie Pennys Hand verdammt nochmal gehalten hat wie ein normaler Mensch. (Er würde ihr schon verzeihen, dass sie ihn ein klitzekleines bisschen verpetzt. Außerdem redet Roger eh immer so schamlos über seine Schwärmereien, dass es nun ja auch nicht wirklich etwas ist, das Penny nicht von alleine mitbekommen würde.)

„Er würde es nicht so bezeichnen“, sagt sie schließlich langsam, „aber er ist schon ein winziges bisschen verliebt. Und ich kann Dir nicht einmal sagen, warum. Ich glaube, die beiden haben null Komma nichts miteinander zu tun, aber Roger kam an seinem ersten Tag in diesem Wohnheimzimmer zu mir und hat seitdem nicht aufgehört, mir zu vorzuheulen, wie schön Percy ist.“

„Findest Du Percy schön?“, fragt Penny und bringt Suzie damit vollkommen aus dem Konzept.

„Was?“, fragt sie also etwas verwirrt zurück. Sie hält gerade die Hand von Penelope Clearwater, als ob Suzie sich gerade daran erinnern würde, wie der Mitbewohner ihres besten Freundes aussieht.

„Na, stimmst Du Roger zu? Ist Percy schön?“, wiederholt Penny sich, die Stimme noch immer genauso ruhig und unberührt, als wäre es ein normales Spaziergangsgespräch, während einem die Hand gehalten wird, sich darüber zu erkundigen, ob eins Percy Weasley schön findet.

„Ich hab ihn mir nicht so wirklich angesehen“, erwidert Suzie also und plötzlich hört sie sich auch noch selbst sagen: „Wenn Du da bist, seh ich seltenst andere Leute an.“

Penny nickt, als würde das alles Sinn ergeben.

Dann sagt sie: „Wie nett, Suzie.“

Und was zur Hölle soll das nun bedeuten? Was zum—Was zum Geier soll das bedeuten?

Suzie hat hier eine absolute Krise, quasi den Moment vor der Kernschmelze, und Penny wendet ihren Blick von Suzie ab, als hätte sich damit das Gespräch für sie erledigt; als hätten sie alles zu dem Thema gesagt, das es für sie zu besprechen gab. Und Suzie bleibt zurück zwischen Pennys warmer Handfläche und dieser nichtssagenden Erwiderung, die sich ein bisschen wie ein Korb anfühlt, aber vielleicht keiner ist, weil Penny direkt genug wäre, Suzie ins Gesicht zu sagen, dass sie nicht interessiert ist.

Vielleicht muss Suzie ein bisschen direkter werden, wenn sie möchte, damit Penny bemerkt, dass Suzie ein klitzekleines, winziges bisschen verliebt in sie ist. Oder sie kann einfach so weitermachen wie bisher, weil Penny anscheinend keine Ahnung davon hat, dass Suzie heute Nacht nicht schlafen können wird, weil sie das Gefühl von Pennys Hand an ihrer nicht vergessen können wird. – Und Pennys Hand zu halten, ohne dass sie wirklich aktiv etwas dafür tun muss, ist schließlich auch schon genug. (Oder?)