Actions

Work Header

Die Farben des Vortex

Summary:

Noah und Kaito sind schon seit einiger Zeit zusammen und langsam wird es ernster zwischen den beiden. Aber Noah muss unbedingt mit seinem Freund über etwas wichtiges reden, schiebt es jedoch vor sich her.

Nicht unbedingt Canon-Compliant, da ich die fanfic angefangen habe, bevor Talus 2 rausgekommen ist.

 

Heute würde Noah es ihm sagen.

Er hatte es schon viel zu lange vor sich hergeschoben und befürchtete, dass er Kaito damit das Gefühl gab, als würde er ihn doch nicht lieben. Und das war nun wirklich nicht der Fall. Dennoch hatte er Kaitos vorsichtige Versuche, etwas weiter zu gehen, jedes Mal abgeblockt und nach irgendwelchen Ausreden gesucht.

Notes:

Ich habs dann auch endlich mal geschafft, die fanfic zu Ende zu schreiben. Yayy! Applaus für mich.
Anyways, sorry für die crappy Beschreibung, ich kann echt keine guten Zusammenfassungen schreiben. Ich hoffe die fanfic gefällt.
Und ja, Erin und Kaito sind adorable zusammen, aber Noah ist mein bebi und die chemistry zwischen ihm und Kaito ist einfach *chef’s kiss*

Work Text:

Heute würde Noah es ihm sagen.

Er hatte es schon viel zu lange vor sich hergeschoben und befürchtete, dass er Kaito damit das Gefühl gab, als würde er ihn doch nicht lieben. Und das war nun wirklich nicht der Fall. Dennoch hatte er Kaitos vorsichtige Versuche, etwas weiter zu gehen, jedes Mal abgeblockt und nach irgendwelchen Ausreden gesucht.

Wäre da nur nicht seine Sorge, das Kaito nicht mehr mit ihm zusammen sein wollte, wenn er es ihm gesagt hatte. Weil er nicht genug war und Kaito eben doch nur das eine wollte.

In seine Gedanken und Sorgen versunken trat er durch das Tor in die Welt der Radain und machte sich auf den Weg zu Kaitos neuer Wohnung. Nachdem die alte abgebrannt war, hatte er dafür gesorgt, dass der Rat ihm eine Neue zuteilte und nun verbrachte er seine freien Wochenenden und Nachmittage oft bei Kaito, um seinem Elternhaus zu entfliehen.

Nervös stand er wenig später vor Kaitos Tür, in einem wenig überzeugten Versuch, das bevorstehende Gespräch noch ein wenig hinauszuzögern. Gleichzeitig vermisste er Kaito. Er hatte eine stressige Woche hinter sich und er wollte einfach wieder in die Arme seines Freundes sinken und die dunkle Seuche vergessen.

Sein Handy vibrierte und ein schneller Blick verriet ihm, dass es Kaito war, der wissen wollte, wie lange er noch brauchte. Schnell entsperrte er sein Handy und tippte eine Nachricht. „Ich stehe vor deiner Tür.“

Keine zwei Sekunden später ertönte der Summer und er öffnete die Haustür. Er holte noch einmal tief Luft und trat in das Halbdunkel des Flurs. Es würde schon irgendwie alles gut werden.

Kaito stand in seiner Wohnungstür und lächelte ihm entgegen. „Da bist du ja endlich. Ich hab dich vermisst.“

Noah musste auch lächeln und ging schnell die letzten Schritte zu seinem Freund, zog ihn in seine Arme und küsste ihn sanft. „Ich dich auch. Du kannst dir nicht vorstellen, wie anstrengend die letzte Woche war.“

„Und da hast du nicht die Hilfe eines begnadeten Kartenlegers gebrauchen können?“ fragte Kaito mit hochgezogener Augenbraue und einem spitzbübischen Grinsen.

„Kennst du denn da einen?“ Er liebte es, seinen Freund aufzuziehen, auch wenn er verdammt süß aussah, wenn er so selbstzufrieden mit ihm flirtete. Doch der darauffolgende empörte Blick des Kleineren war es ihm wert. Er beugte sich erneut zu ihm runter und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Nase.

Kaito stieß ein gespielt genervtes „pffft“ aus, gefolgt von der Frage: „Willst du dann auch endlich mal reinkommen?“ Ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen, bevor er diese auf Noahs legte und die Hände an dessen Hüften und ihn, rückwärts gehend, durch die noch immer offenstehende Wohnungstür zog.

Noah versuchte sich zu entspannen, es würde schon alles gut gehen. Es musste einfach alles gut gehen. Trotz all seiner Sorgen hatte er sich nämlich nicht damit beschäftigt, was er machen würde, wenn Kaito es doch nicht verstehen würde. Denn an sich wollte er nicht nur für seinen Freund etwas machen, was ihm nicht gefiel. Jedenfalls nicht bei einer Sache diesen Ausmaßes. Nicht bei Sex.

Aber bei dem Gedanken, Kaito, seine einzige Zuflucht und seinen Ruhepol, zu verlieren, krampfte sich sein Herz schmerzhaft zusammen und es fühlte sich an, als hätte ihm jemand einen Schlag in die Magengrube versetzt.

„Alles ok, Love?“ holte ihn Kaitos Stimme aus dem Sog seiner Gedanken. Er schaute nun etwas besorgt zu ihm hoch, seine Hände lagen zwar noch an Noahs Seite, aber nur noch ganz locker, mehr ein Stützen als ein Drängen. Ein stummes Versprechen. Jetzt oder nie!

Er holte tief Luft bevor er antwortete: „Ich… hatte nur eine verdammt anstrengende Woche. Ich bin einfach nur tot. Aber alles gut.“ Er zwang sich zu einem Lächeln, während er sich innerlich schalt, diese Chance nicht ergriffen zu haben. So einen günstigen Zeitpunkt würde er nicht so bald wieder bekommen. Das wusste er.

Kaito sah ihn prüfend an und Noah hoffte, dass seine jahrelang trainierte Maske überzeugend genug war. Jedenfalls ein Teil von ihm. Ein anderer wollte, dass Kaito ihm nicht glaubte und nachbohrte. „Sag einfach Bescheid, wenn ich was für dich tun kann, ok? Ich liebe dich, ich bin für dich da“ sagte dieser nach einer kurzen Pause.

Noah konnte nicht einordnen, ob Kaito ihm nicht glaubte oder einfach nur besorgt war und für ihn da sein wollte. Sein Herz konnte sich nicht entscheiden, was es lieber wollte, während sein Kopf ihm immer noch sagte, wie dumm er sich doch verhielt.

Er ließ sich auf Kaitos Couch fallen und breitete die Arme in einer Aufforderung aus. Kaito grinste und kuschelte sich bereitwillig in seine Arme. Noah legte sein Kinn auf den Kopf seines Freundes und sog seinen Geruch durch die Nase ein. Kaito roch nach diesem Hauch des Vortex, der bei ihm eher an Papier oder alte Bücher oder etwas in der Art erinnerte. Vielleicht rochen so auch einfach Tarotdecks? Das würde schließlich Sinn ergeben, war Kaito doch ein Tarotleger. Den Rest seines Geruchs konnte Noah nicht einordnen, aber das war auch nicht wirklich wichtig, denn für ihn roch Kaito einfach nach Sicherheit und Zuhause.

„Du solltest einfach hier einziehen. Würde alles viel einfacher machen…“ murmelte Kaito. Er hatte die Augen geschlossen und lächelte sanft. Noah zögerte kurz. „Ja, schon. Dann wär ich meinen Vater los… Aber dann müsste ich jeden Tag runter in die Unterwelt und alles…“. Kaito seufzte. „Aber mit dir zusammen wohnen wäre toll“, fügte Noah noch schnell hinzu.

Auch er musste bei dem Gedanken, mit Kaito zusammen zu wohnen, lächeln. Neben ihm aufwachen, ihn immer um sich haben, all das würde Glück für ihn bedeuten. Aber dafür würde er erst mit seinem Freund reden müssen. So schwer, wie er es sich machte, konnte das doch nicht sein…

„Du, Kaito…“ setzte er an, sein Herz begann zu klopfen und ihm wurde ganz heiß.

„Hmm?“ brummte der Angesprochene.

Noah atmete tief durch und begann vorsichtig: „Ich… ich müsste dich mal kurz von mir runterschmeißen, ich muss aufs Klo und ich hab Durst. Tut mir leid.“ Er klang entschuldigend. Nicht nur weil es ihm leid tat, dass er aufhören musste, mit seinem Freund zu kuscheln, sondern vor allem, weil er sich schon wieder vor dem Gespräch gedrückt hatte. Er war ein Feigling, ein kleiner Angsthase.

Kaito murrte, rollte sich dann aber von Noah runter, nachdem dieser ihn mit einem Kuss auf die Stirn bestach. „Guck mal, ich bin sogar so nett und mach dir was zu trinken.“ Er strahlte seinen Freund an, aber nach Bruchteilen einer Sekunde verdunkelte sich sein breites Lächeln und in seinen Augen spiegelte sich Sorge. Er sagte jedoch nichts sondern ging zu der kleinen Küchenzeile und Noah atmete aus, einerseits erleichtert, das Kaito nicht nachgehakt hatte, andererseits war ihm auch bewusst, dass es ohne dieses Nachhaken sehr viel schwerer für ihn war, über seine Sexualität zu reden.

Noah stand auf und ging ins Bad. Nachdem er die Tür hinter sich abgeschlossen hatte, ging er zum Waschbecken und fühlte nach dem Vortex. Er hatte zwar noch einiges an Magie gespeichert, doch das Strömen des Vortex hatte immer eine beruhigende Wirkung auf ihn. Durch die Ströme des Vortex fühlte er nach dem Wasser in der Leitung und brachte den Hahn so zum Laufen.

Durch die geschlossene Tür hörte er das Klappern von Tassen. Eigentlich sollte ihn das beruhigen, war es doch ein Zeichen, dass er nicht alleine war. Aber die drohende Einsamkeit und die quälenden Gedanken machten dieses Geräusch unerträglich. Noah unterdrückte ein schluchzen und ließ Wasser in sein Gesicht klatschen. Er hoffte, dass es den Drang zu Weinen wegspülte.

Am liebsten hätte er mit der Faust gegen die Wand oder den Spiegel geschlagen, aber das hier war Kaitos Wohnung und er würde ihn hören. Er wollte nicht schwach sein. Er hasste dieses Gefühl der Machtlosigkeit, es fühlte sich fast wie ertrinken an, als würde sein geliebtes Element ihn ersticken und er hätte keine Kontrolle mehr darüber. Er rang nach Luft und fuhr sich mit seinen nassen Händen über das Gesicht, bevor er sich auf den Rand des Waschbeckens aufstützte und vorsichtig in den Spiegel schaute.

Noah war klar gewesen, dass er schrecklich aussehen musste, aber das Gesicht, was ihm aus dem Spiegel entgegenblickte, schockierte ihn dennoch. Es war blass, die Augen hatten rote Ränder und dunkle Ringe darunter. Zusammen mit den langen, ins Gesicht hängenden Haaren und der Mischung aus Verletztheit und Wut hatte es etwas von einem Rachegeist aus einem dieser Radainfilme.

Kein Wunder das Kaito sich um ihn sorgte.

Er fuhr sich durch die Haare und seufzte, bevor er die Klospülung betätigte und wieder ins Wohnzimmer trat. Kaito wartete dort schon auf ihn; er saß mit unterschlagenen Beinen auf dem Sofa und hielt einen dampfenden Becher in der Hand. Vor ihm auf dem kleinen Tisch stand eine ebenfalls dampfende Tasse. Er schien schon auf Noah gewartet zu haben, denn er blickte auf, sobald dieser den Raum betrat. „Dein Tee wird kalt.“ Er deutete auf die Tasse.

Noah lächelte dankbar. „Ich brauche eine Umarmung“ murmelte er, nachdem er die ersten Schlucke Earl Grey getrunken hatte. Er traute sich nicht, Kaito anzuschauen, jetzt wo er dessen sorgenvolle Blicke verstand.

„Hey klar, komm her“ sagte Kaito sanft, stand in einer fließenden Bewegung auf, nahm Noah die Tasse aus der Hand und stellte sie zusammen mit seinem Becher auf dem Couchtisch ab. Dann nahm er seinen Freund in den Arm und zog ihn an sich. Dieser vergrub sein Gesicht in Kaitos Schulter und flüsterte ein tonloses „Danke“ gegen dessen Hals. Wenn möglich zog Noah ihn noch enger an sich, als er seine Arme um seinen Hals legte.

Kaitos feste Umarmung gab ihm Halt. Nicht nur körperlich, sondern auch auch weil sie ihm das Gefühl gab, dass er nicht auseinanderbrechen konnte, egal wie groß der Gedankensturm war, der in ihm tobte. Es überraschte Noah immer wieder, wie kräftig sein Freund war. Und hier, hier in seinen starken Armen, würde schon alles gut werden.

Noah fasste sich ein Herz.

„Ich… ich muss mit dir über etwas reden. Etwas wichtiges… Also für mich ist es wichtig…“ stammelte er. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Er schaute auf, um Kaitos Reaktion zu sehen. Sein Herz raste nun und etwas schnürte ihm die Kehle zu. Er schluckte hart. Alle seine Ängste schienen so viel realer, jetzt wo er das Thema angesprochen hatte.

Kaito würde ihn verlassen, er würde ihn verwirrt anschauen und ihm sagen, dass er kaputt sei, dass es krank sei, dass er nicht auf Sex würde verzichten wollen, dass Sex ihm wichtiger war als Noah. Und er würde alleine zurückbleiben. Keine Zuflucht von seinem Vater, der Arbeit und allem anderen Stress haben. Dieses Gefühl der Geborgenheit, was er in den letzten Wochen bei Kaito gefunden hatte, die Ruhe und Sicherheit, die er nur dann fühlte, wenn er bei ihm war. All das würde er in den nächsten Minuten verlieren.

Er bemerkte die Tränen erst, als Kaito sie ihm von der Wange wischte. Es hätte ihn nicht gewundert, wenn er vor Scham rot geworden wäre. Er hatte stark bleiben wollen. Kaitos sanfte Stimme holte ihn aus seinen Gedanken. „Wenn es für dich wichtig ist, ist es das auch für mich. Du kannst mit mir über alles reden, ok Love?“

Er hatte nun eine Hand an Noahs Wange liegen, die andere Hand lag immer noch auf dessen Rücken, die Umarmung aufrechterhaltend. Leider erreichte Kaito damit nicht, was er wollte, und Noah wurde von einem Schluchzer geschüttelt. „Wollen wir uns setzen? Das ist vielleicht ein bisschen bequemer…“ fragte er vorsichtig.

Noah nickte ruckartig und ließ sich von Kaito auf die Couch verfrachten. Dort wurde er direkt wieder von seinem Freund in die Arme gezogen und festgehalten. Er legt den Kopf auf dessen Brust, vergrub sein Gesicht in dessen Pullover und schluchzte erneut leise auf. Kaito begann vorsichtig damit, über Noahs Rücken zu streichen. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Ob es überhaupt irgendetwas gab, was er sagen konnte.

Irgendwann, nachdem sie schon eine Weile so dasaßen, Noah weinend in Kaitos Armen, begann der Wasserhexer stockend und immer wieder aufschluchzend zu sprechen. „Kannst du dir mir vorher was versprechen? Bitte?“ Seine Stimme klang brüchig und leise.

„Na klar,“ antwortete Kaito und gab seinem Freund einen Kuss auf die Haare.

„Danke. Kannst du mir versprechen, dass du mich nicht hasst? Und dass du mich nicht alleine lässt und so? Weil ich hab Angst, dass du dann denkst, ich bin kaputt und dass du dann nichts mehr von mir willst und dass du mich hasst. Ich will dich nicht verlieren!“ Das letzte ging fast in einem weiteren Schluchzen unter.

Kaito war ein wenig irritiert, nickte aber. „Hey, das wird nicht passieren. Bestimmt nicht.“

„Versprochen?“

„Versprochen!“

„Danke.“ Noah lächelte schwach, auch wenn Kaito es natürlich nicht sehen konnte.

„Also… Du hast vielleicht gemerkt, dass ich bis jetzt jedes mal abgeblockt habe, wenn… wenn… wenn du irgendwie weiter gehen wolltest…“ murmelte Noah leise in den Pulli seines Freundes.

„Hey, das ist doch kein Problem, du bist eben noch nicht so weit, ich versteh das. Ich kann warten. Ich lass dich doch deswegen nicht allein“, versuchte Kaito ihn mit ruhiger Stimme zu beschwichtigen.

Seine Worte bewirkten jedoch das genaue Gegenteil. Noah schluchzte laut auf und riss sich von ihm los, Tränen der Verzweiflung liefen ihm übers Gesicht. „Das ist ja das Problem! Ich werde nie so weit sein! Ich empfinde so nicht!“

In seinen Augen brannten Schmerz und Hilflosigkeit und Hass. Hass auf sich und seine Gefühle und das Ausbleiben ebendieser, Hilflosigkeit seinen Gedanken und Gefühlen gegenüber und den Schmerz, den sie ihm bereiteten. Und all das ließ ihn auf Kaito nur noch zerbrechlicher wirken. Er wollte Noah einfach nur noch in die Arme ziehen und ihn beschützen.

„Ich kann verstehen, wenn du mich jetzt nicht mehr als Freund willst… Ich weiß, dass ich kaputt und wertlos bin…“ murmelte Noah dann. Er traute sich nicht, Kaito anzuschauen, wollte nicht die Verachtung sehen, die ihm unweigerlich im Gesicht stehen würde.

Kaito setzte sich gerader hin. „Was?! Wer sagt das?“ Er klang entsetzt, geradezu wütend. Doch Noah erlaubte es sich nicht, auch nur etwas Hoffnung zu schöpfen.

Er biss sich auf die Unterlippe. „Mein… mein Vater…“ murmelte er. Noah schämte sich dafür, dass die Worte seins Vaters sich so sehr in seine Gedanken gefressen hat, aber er konnte nichts dagegen tun.

Im nächsten Moment hatte Kaito ihn schon in seine Arme gezogen. „Nein! Nein, nein, nein, nein, nein. Das stimmt nicht. Hörst du Noah, das stimmt nicht!“ Er nahm Noahs Gesicht in beide Hände und drehte es zu sich. „Schau mich an. Bitte.“ Das letzte klang fast flehend.

Noah schüttelte krampfhaft den Kopf. „Nein! Bitte mach’s einfach kurz.“

„Noah… Du bist nicht wertlos. Du bist nicht kaputt.“

Noah öffnete vorsichtig die Augen, die er vorher fest geschlossen hatte, und sah Kaito an. Sah die Ernsthaftigkeit in seinen Augen. Sah, dass er jedes einzelne seiner Worte meinte.

„Noah, ich liebe dich. Nicht wegen deines Körpers. Ich bin nicht mit dir zusammen, weil ich Sex haben will. Ich bin mit dir zusammen, weil ich dich als Menschen liebe. Weil du faszinierend und intelligent und wundervoll bist. Ja, Sex schön und gut, aber das emotionale zwischen uns ist mir so so viel wichtiger und das will ich nicht aufgeben. Ich…“

Während Kaito redete, waren Noah wieder Tränen über das Gesicht gelaufen. Er ließ ihn jedoch nicht ausreden und presste stattdessen seine Lippen auf die seines Freundes. Er versuchte all die Gefühle hineinzulegen, die er gerade nicht in Worte fassen konnte, und Kaito schmeckte das Salz der Tränen und die Verzweiflung; spürte die Dankbarkeit, als die Tränen langsam versiegten.

Er ließ Noahs Gesicht los und schlang stattdessen seine Arme um dessen breite Schultern, hielt ihn fest um ihm zu zeigen, dass er seine Worte wirklich meinte.

So plötzlich wie er ihn geküsst hatte, ließ Noah auch wieder von Kaito ab. Dieser legte den Kopf schief und sah ihn fragend an. Noah fuhr sich über das Gesicht, um die Spuren der Tränen wegzuwischen. Dann murmelte er: „Danke. Ich weiß, dass dieses Wort viel zu klein für das alles ist, aber ich finde kein anderes. Danke. Wirklich.“

„Du musst dich nicht bedanken, Love. Wirklich. Ich liebe dich. Bedingungslos. Du weißt was das heißt? Dass du nichts dafür tun musst. Auch kein Sex. Und außerdem… Der Vortex ist nicht um sonst bunt. Und vielfältig. So wie wir Hexen eben auch. Es macht dich nicht weniger wundervoll oder liebenswert, dass du asexuell bist. Das wäre ja so als würdest du mich nicht mögen, weil ich bi bin. Komplett bescheuert.“ Kaito nahm Noahs Hand und strich ihm vorsichtig mit seinem Daumen über den Handrücken.

Ein vorsichtiges, erschöpftes Lächeln stahl sich auf Noahs Lippen und Kaito wurde bei dem Anblick warm ums Herz. Niemals hätte er diesen wundervollen Mann verlassen, nur wegen seiner Asexualität. Und dieses Gefühl, dass dessen Lächeln in ihm auslöste, bestärkte ihn nur in seiner Entscheidung. „Ich liebe dein Lächeln.“

Noah errötete. „Danke.“ Er hatte sich in den zwei Monaten, in denen sie jetzt schon zusammen waren, immer noch nicht an Kaitos Komplimente gewöhnt, die er ihm manchmal ohne ersichtlichen Grund machte. „Ich deins auch. Ich liebe dich generell.“ Sein Lächeln wurde breiter und Kaito erwiderte glücklich.

Nach einem kurzen Augenblick des Schweigens ergriff Kaito das Wort. „Wie…“ er räusperte sich, „trägst du das alles schon lange mit dir rum?“ Er machte eine Handbewegung, mit der er versuchte dieses „alles“ zu beschreiben.

Noah nickte. „Ja. Schon ein paar Wochen… Tut mir leid, dass ich es dir nicht eher gesagt habe.“ Seine Stimme war leise, aber dennoch laut genug für Kaito, um ihn zu verstehen. Er schämte sich dafür, so eine Szene daraus gemacht zu haben.

„Bitte entschuldige dich nicht dafür. Sowas braucht seine Zeit,“ erwiderte Kaito, in dem er erneut nach Noahs Hand griff und ihre Finger verschränkte. Er hob ihre Hände zu seinem Mund und küsste Noahs Finger.

„Danke,“ sagte Noah mit einem weiteren, etwas weniger vorsichtigen Lächeln.

„Du siehst aus, als könntest du etwas Ablenkung gebrauchen. Was hältst du von einem Film oder einer Serie? Und ich mach dir nochmal nen neuen Tee, deiner ist schon längst kalt. Denn wie ich dich kenne, wirst du dich weigern, den Tee nochmal warm zu machen,“ schlug Kaito vor und erhob sich vom Sofa.

Wiederwillig ließ Noah dessen Hand los und grummelte: „Tee kocht man nicht zweimal auf. Das ist eine Straftat!“

„Ja ja. Such dir schonmal was aus. Du weißt ja mittlerweile, wie Streaming funktioniert.“ Man konnte das Grinsen in Kaitos Stimme kaum überhören und es sprang auf Noah über, ganz von alleine.

Er griff nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Dann nahm er Kaitos Becher und zapfte seine gespeicherte Magie an. Nach einem kurzen Moment der Konzentration richtete er sie auf den Kakao in dem Becher und befahl ihm warm zu werden.

Augenblicke später dampfte der Kakao und verströmte seinen schokoladigen Duft. Mit einem zufriedenen Lächeln stellte Noah den Becher ab und griff erneut nach der Fernbedienung. Netflix hatte mittlerweile geladen und nach kurzer Überlegung entschied er sich für Queer Eye. Vielleicht etwas kitschig, aber genau das, was er gerade brauchte.

Als das Intro ertönte, kam Kaito zurück und hielt Noah seine Teetasse mit einer kleinen Verbeugung hin. „Hier, my Lord. Ihr frisch aufgebrühter Tee.“

Sein Lächeln war breit und strahlend und ließ Noah warm ums Herz werden. Er nahm den Tee entgegen und stellte ihn auf dem Tisch ab. „Danke Kleiner“ murmelte er grinsend und schlang die Arme um seinen Freund.

„Ich bin nicht klein!“ protestierte Kaito, aber sein Lächeln war, wenn überhaupt, noch breiter geworden.

„Jaja. Du bist kleiner als ich. Das reicht schon.“ Noah pausierte die Serie um sich nach hinten zu lehnen und Kaito auf sich zu ziehen. Der tat so, als würde er sich wehren wollen und stieß ein kleines „aahhhh!“ aus. Es klang viel zu süß, als dass Noah ein „aww“ hätte unterdrücken können.

Kaito versuchte sich in Noahs Armen umzudrehen, was beinahe in eine kleine Prügelei ausartete, weil Noah dies partout nicht zulassen wollte. Das änderte sich erst, als Kaito ihm in die Seite pikste und er wegzuckte. Mit einem breiten Grinsen begann Kaito nun seinen Freund zu kitzeln.

Noah quiekte auf und ließ seinen Freund los, damit er nach dessen Händen greifen konnte, um die Attacke zu stoppen. Doch Kaito dachte gar nicht daran, aufzuhören. Er wand seine Hände aus Noahs Griff und machte weiter.

Erst als Noah unter ihm wegrutschte und fast von der Couch rollte, hörte Kaito auf und zog den Größeren in seine Arme.

„Hast du das jetzt nur gemacht, damit du der big spoon sein kannst?“ fragte Noah schmunzelnd.

Kaito grinste in Noahs Nacken. „Hmm, vielleicht? Wer weiß.“

Noah nahm Kaitos Hand, die dieser um ihn gelegt hatte, hoch zu seinem Mund und küsste den Handrücken. „Du weißt, dass du auch einfach hättest fragen können?“ stellte er fest, bevor er auf „play“ drückte und sich glücklich lächelnd in die Arme seines Freundes kuschelte.