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Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationships:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-03-19
Words:
2,213
Chapters:
1/1
Comments:
10
Kudos:
47
Hits:
383

Wash it all away

Summary:

Vincent rettet Adam...aber zu welchem Preis?

Notes:

Viel Spaß beim Lesen <3

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Vincent

Sein Atem ging schnell und er musste sich zwingen flacher zu atmen, um seinen Körper ruhig zu halten. Er spürte das Metall seiner Waffe kalt und schwer in seinen Fingern.
“Waffe fallenlassen, sofort!”, wiederholte er seine Anweisung und war selbst von der Festigkeit seiner Stimme überrascht. Sein Blick war fixiert auf die Geschehnisse, die sich vor ihm abspielten: Ein Mann hielt einem anderen ein Messer an die Kehle. Das war die neutrale Version. Nur war es eigentlich noch viel schlimmer.
“Einen Schritt weiter und ich leg ihn um!”
Vincent blieb ruhig stehen. “Legen Sie die Waffe weg!”
“Nein, du legst die scheiß Waffe weg, oder dein Kollege stirbt!”
Vincent schluckte.
Adam wirkte völlig gelassen, in den Fängen des Mannes, doch Vincent wusste, dass er genauso wie er selber die Ruhe nur nach außen hin wahrte.
“Ruhig, ganz ruhig”, sagte Adam in besänftigendem Ton. Sprach er mit dem Mann, mit Vincent, oder mit sich selber?
“Halts Maul!”, der Mann drückte die Klinge noch etwas stärker gegen Adams Haut und ein kleines Rinnsal Blut bahnte sich den Weg seinen Hals hinunter und befleckte sein weißes Hemd. Vincent hatte kein freies Schussfeld um den Mann zu entwaffnen, nicht ohne, dass er auch Adam treffen könnte. Der einzige Teil seines Körpers, den er nicht mit Adam abschirmen konnte, war sein Kopf.
Vincent nahm noch einmal tief Luft “Herr Baumann, machen Sie jetzt nichts Dummes, noch gibt es für Sie die Chance auf…”
“Die Chance auf was hä?! Ne ne, ich geh keine Sekunde in den Knast…nimm jetzt deine scheiß Waffe runter und geh mir aus dem Weg…glaubst du, ich hab noch irgendetwas zu verlieren?!...Ihr Drecksbullen habt doch keine Ahnung!” Eine unsagbare Wut blitzte in seinen Augen auf. Dann ging alles sehr schnell...oder vielleicht eher kriechend langsam. Wie in Zeitlupe bemerkte Vincent wie im Unterarm des Mannes ein Muskel zuckte, sich die Sehnen spannten und plötzlich wusste er genau was gleich passieren würde. Er war schlagartig komplett ruhig, kein Zittern, keine rasenden Gedanken mehr. Nur noch der eine. Er drückte den Abzug.
Endlos lange schien die Zeit stehenzubleiben. Dann sackte Baumann mit einem erstickten Laut in sich zusammen. Adam warf sich zur Seite, von seinem Angreifer weg und kickte das Jagdmesser, das zu Boden gefallen war, außer Reichweite. Doch das war gar nicht nötig, denn soweit Vincent sehen konnte rührte sich der Mann kaum mehr. Er lag nur da, seine Hand war an seinen Hals gewandert und dann auf seine Brust gefallen. Vincent ließ seine Waffe ruhig an die Seite sinken und schob sie zurück in den Halfter. Der Schuss hallte in seinen ansonsten völlig leeren Gedanken nach. Auch Adams Stimme war jetzt nichts als Rauschen, als er, über den Körper des Mannes gebeugt, zu ihm hochsah und ihm etwas zurief, was er nicht wahrnahm.
“Vincent”, sagte Adam noch einmal, “wir brauchen einen verdammten Notarzt!”
Wie von selber zog Vincent jetzt sein Handy aus der Tasche und starrte für ein paar Sekunden auf das Display. Merkte, wie es ihm Adam hastig aus der Hand riss. Adam sprach in den Hörer und in Vincents Kopf war immer noch nur statisches Rauschen. Schnell kniete sich Adam wieder neben den Mann am Boden und zog sein Jackett aus, um es auf die stark blutende Wunde an dessen Hals zu drücken. Er ist nicht tot? War der erste klare Gedanke, den Vincent seit Minuten zu fassen bekam. Dann: Ich hab verfehlt?
“Vincent, komm her!”, drangen nun endlich Adams beschwörende Worte klar zu ihm durch.
Er schaffte es, seine Beine in Bewegung zu setzen und kam an Adams Seite zu stehen... Sah auf das totenbleiche Gesicht von Herrn Baumann hinab. Er atmete, flach und röchelnd, aber irgendwie atmete er noch.
Adam drückte immer noch mit aller Kraft sein mittlerweile blutgetränktes Jackett auf die Schusswunde.
“Ich muss sie reinwinken, die finden uns sonst nicht... ", erklärte er hastig, "drück das hier drauf! Schaffst du das?”
Vincent hockte sich wortlos hin, legte seine Hände auf das Jackett und übte etwas Druck aus. Unter seinen fast tauben Fingern fühlte sich der Stoff samtig weich an. Adam legte seine blutverschmierte Hand kurz auf Vincents, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, “Schaffst du das?”, fragte er noch einmal und sah ihn prüfend an.
Vincent nickte mechanisch zurück, drückte instinktiv noch stärker auf die Wunde. Seine Arme begannen schon leicht vor Anstrengung zu zittern. Damit verschwand Adam aus seinem Blickfeld. Vincent machte, was ihm geheißen wurde, drückte weiter auf die Wunde, sah nicht nach unten, konzentrierte sich nicht auf das warme, klebrige Blut, sondern nur auf den weichen Stoff in seinen Fingern.
Danach war alles wieder verschwommen. Lautes Sirenengeheul. Menschen. Jemand kam, führte ihn nach draußen und nahm ihm das mittlerweile völlig durchweichte Jackett ab.
Dann saß er erstmal da, eine Decke über den Schultern, und starrte vor sich hin. Beobachtete, wie das Blaulicht der umstehenden Wagen auf dem Boden rhythmisch blinkte.
Erst als Adam sich vor ihm hinhockte und leise begann, mit ihm zu sprechen, wurde die Watte in seinem Kopf von seiner Stimme durchdrungen. “Sie konnten ihn stabilisieren und haben ihn jetzt mitgenommen!”, sagte Adam knapp.
Vincent nahm die Information auf, aber konnte sie nirgends einordnen. War das gut oder schlecht? Was bedeutete das jetzt? Weil er nichts Besseres wusste, nickte er nur wieder.
Adam ließ seinen Blick über Vincent schweifen und seufzte. "Bist du okay?”, fragte er vorsichtig. Vincent war überhaupt nichts, was sollte er darauf antworten?
“Ja”, hörte er sich selber sagen. Adam atmete auf. War wahrscheinlich schon mal erleichtert zu wissen, dass er überhaupt noch sprechen konnte.
“Wir würden Sie dann jetzt nach Hause bringen, wenn das okay ist?”, wandte sich eine Sanitäterin an ihn. Vincent wollte nicht nach Hause.
“Willst du erstmal zu mir?”, fragte Adam als er keine Reaktion zeigte. Vincent sah zu ihm hoch und nickte leicht. In all seiner Verwirrung, in diesem undurchdringlichen Nebel in seinem Hirn, war das einzige, was er wusste, dass er nicht alleine sein wollte, dass er Adam nicht wieder aus den Augen verlieren wollte, er schien das einzige zu sein, das ihn irgendwie am Boden hielt.
“Er kann mit mir mitfahren!”, informierte Adam die Fahrerin. Sie ließ einen kurzen prüfenden Blick über Adam wandern. “Sicher?”, fragte sie, mit Blick auf seine verarztete Wunde am Hals.
“Ihre Kollegen haben mich komplett durchgecheckt”, erwiderte er selbstsicher. "Okay", nickte sie absegnend. “Er braucht Ruhe”, sagte sie dann noch, zu Adam gewandt, als ob Vincent gar nicht hier sitzen würde. Vielleicht tat er das auch gar nicht, es fühlte sich alles so surreal an.

Eine schweigsame Autofahrt später standen sie in Adams Wohnung und er nahm Vincent seine Sachen ab.
Willst du dich hinlegen?, fragte er in einer sanften Tonlage, die Vincent noch nie zuvor von ihm gehört hatte. Er wollte sich in seine behutsame Stimme fallen lassen, sich in seine Arme fallen lassen und dort bleiben, dort wo er sich geborgen fühlen konnte. Dennoch verneinte er mit einem Kopfschütteln. Er war zwar völlig erschöpft, aber er konnte sich weder in Adams Arme verkriechen, noch sich hinlegen, nicht so! Er musste diesen ganzen Tag zuerst von sich waschen, dieses ganze Blut...
Ich würde mich gerne duschen, bekam er heraus. Die längste zusammenhängende Abfolge an Worten, die er bis jetzt zusammen gebracht hatte.
Okay, klar, ich bring dir schnell Handtücher!
Als Adam mit den Handtüchern zurückkam, merkte Vincent, wie langsam mehr Gefühl in seinen Fingerspitzen zurückkehre, denn er spürte das etwas raue, ausgewaschene Material. Aber es war nicht genug, um das anhaltende Gefühl des Metalls seiner Waffe oder des Blutes zu verdrängen.

Adam

Adam saß auf der Couch und wippte unruhig mit dem Fuß. Kratzte an dem eingetrockneten Blut, das sich auf seinem Schlüsselbein gesammelt hatte. Musste sich davon abhalten, an dem Pflaster zu pulen, das sie auf seinen Hals geklebt hatten. Nur ein Kratzer! Es hätte viel... viel schlimmer kommen können.
In der ganzen Wohnung war es still. Aber Adam hatte gerade wenig Lust auf Nachmittagsfernsehen, also saß er einfach da und hörte dem Plätschern des Wassers in der Dusche zu. Vincent war da jetzt schon eine ganze Weile drinnen. Adam fragte sich, wie ihm das Warmwasser nicht schon ausgegangen war. Irgendwas stimmte da nicht!

Er klopfte sachte an die Tür, aber bekam nach ein paar Sekunden noch keine Antwort. Noch einmal klopfte er, diesmal energischer. Alles okay?, rief er nach drinnen und Sorge mischte sich in seine Stimme. Schon wieder keine Antwort.
Er drückte die Türklinke nach unten und zu seiner Überraschung ließ sich die Tür öffnen.
Das Bad war dicht mit Dampf gefüllt, der jetzt schnell durch die Tür abzog. Die Duschkabine war komplett beschlagen, sodass er Vincent zuerst nicht klar sehen konnte, doch er konnte erkennen, dass er am Boden saß. Mit einem wachsenden Gefühl von Unbehagen schob er die Glastür ruckartig auf. Er fand Vincent am Boden der Dusche kauernd vor, immer noch völlig bekleidet. Wie er sich vom stetigen Wasser berieseln ließ, das mittlerweile kalt geworden sein musste. Seine Lippen hatten schon einen leichten Hauch von violett. Adams Herz verkrampfte sich schmerzhaft als Vincent jetzt zu ihm aufsah und sofort wieder seinen Blick senkte. Vincent war so völlig verloren, so völlig alleine in seiner Verzweiflung. Ohne wirklich den Entschluss dazu zu fassen, trat Adam mit nackten Füßen zu Vincent in die Dusche und ließ sich neben ihn sinken. Das kühle Wasser rann ihm den Rücken hinunter und fing an sein Hemd zu durchtränken, sodass das rostrote Blut den Stoff jetzt pink färbte. Es dauerte nicht lange und er war genauso durchnässt wie Vincent.
Der fing jetzt an zu zittern und Adam zog ihn instinktiv an sich, als ob er ihn damit wärmen könnte. Vincent wirkte immer noch wie versteinert, aber ließ es zu. Ich musste schießen, flüsterte er tonlos.
Ich weiß!
Wenn er stirbtich wollte das nichtich mussteich musste schießen!, wiederholte er und ein Schluchzen brach aus ihm heraus.
Seine Hände waren auf seinem Schoß ineinander verkrampft, als ob er immer noch die Waffe in Händen hielte. Vielleicht wollte er nichtich wusste nichtich hab einfach, stammelte Vincent weiter.
Du hast deinen Instinkten vertrautdu hast alles richtig gemacht!, beschwichtigte ihn Adam. Doch er sah die Zweifel in Vincents Augen. Wusste genau, was in seinem Kopf vorging. Er stellte sich die ewigen was wenn? Fragen. Was, wenn der Mann gar nicht zugestochen hätte? Was, wenn er dabei war, sein Messer wegzulegen? Was, wenn man umsonst geschossen hat?
Aber Vincent hatte nicht umsonst geschossen. Er hatte die Situation völlig klar im Blick gehabt. Baumann war zu unberechenbar gewesen. Ein Mann, der seine eigene Frau mit 20 Messerstichen getötet hatte. Vincent war völlig gefasst gewesen, das hatte ihm Adam angesehen, er erinnerte sich an den Ausdruck in seinen Augen, die konstante Auswertung der Situation, die Entschlossenheit zu schießen, als es nötig war. Im Endeffekt hatte er Adam damit das Leben gerettet. Aber dieser Vincent war jetzt wie weggewischt und es hätte nichts gebracht an seine Logik zu appellieren. Er war zu tief in dieser Gedankenspirale gefangen.
Adam nahm stattdessen Vincents kalte Hände in seine und löste die Finger aus ihrer verkrampften Haltung. Behutsam führte er sie dann an seine eigenen Wangen. Zögerlich hob Vincent den Kopf.
Adam suchte seinen Blick, Hey, schau mich an!
Vincents Blick traf nun verunsichert auf seinen und Adam sah ihn durchdringend an.
Du hast nicht umsonst geschossen!", sagte er fest, "Ich bin daverstehst du, deinetwegen bin ich noch da!
Vincent setzte sich auf seine Knie auf und umfasste jetzt aus eigener Kraft mit seinen zitternden Händen Adams Gesicht. Sein staunender Blick wanderte über Adams Züge und seine Finger strichen über seine Haut. Über seine warmen Wangen, über die Lachfältchen an seinen Augen, über sein stoppeliges Kinn. Ein winziges Lächeln breitete sich langsam auf Vincents Gesicht aus, als realisiere er erst nach und nach, während die Wärme von Adams Haut in seine Fingerspitzen sickerte, dass seine Hände heute nicht nur etwas Schlimmes angerichtet hatten.
Adam ließ ihn geduldig all das erkunden, und nahm dann wieder behutsam eine von Vincents Händen in seine und presste sie an seine Brust.
Ich bin noch da!, sagte er noch einmal.
Vincent lehnte sich zu ihm und legte sein Ohr an seine Brust, als müsse er sich selber vergewissern, dass das stimmte, was Adam sagte, dass er wirklich noch einen Herzschlag hatte. Sanft strich ihm Adam durchs Haar und hielt behutsam seinen Kopf, als er sich schwer an ihn lehnte und weiter seinem Herzschlag lauschte. Vincents Glieder schienen sich langsam zu entspannen, auch wenn das kühle Wasser immer noch auf sie beide herab prasste. Adam lehnte seine Wange an Vincents Haar und seufzte erleichtert. Danke, flüsterte er. Und es tut mir leid, wollte er noch hinzufügen, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Danke, hauchte er stattdessen noch einmal und zog Vincent näher an sich. Der blieb stumm, zu sehr vertieft in Adams regelmäßigen Herzschlag.
Mit Vincent in seinen Armen merkte Adam wie langsam alles leichter wurde. Das Wasser wusch alles weg. Den Schweiß des nervenaufreibenden Tages, das verkrustete Blut an seiner Haut, die Erinnerung an das warme Rinnsal, das ihm den Nacken hinuntergetropft war. Die Gedanken ans Sterben. Es wusch das Blut fort, das an ihren beiden Händen klebte. Es spülte alles weg, bis nur noch sie übrig waren. Vincents zitternder Körper an Adams. Ja, als all das in den Abfluss geronnen war, waren sie noch da.

Notes:

Casino Royale shower scene my beloved <3 <3 <3