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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-05-06
Words:
1,915
Chapters:
1/1
Comments:
12
Kudos:
90
Bookmarks:
1
Hits:
581

Ace of Spades

Summary:

Adam und Leo nähern sich an, und Adam muss sich darüber klar werden, wie er seine Sexualität mit seinen Gefühlen für Leo vereinbaren kann und wie dieser reagieren wird.

Read the Tags!

Notes:

Asexualität ist ein Spektrum und ich will in keinem Fall irgendetwas hier als grundlegende Wahrheit ausgeben. Genauso will ich nicht behaupten, dass die Figur(en) asexuell sind oder so angelegt sind, es handelt sich lediglich um mein kleines Headcanon, ermöglicht durch die völlige Abwesenheit von erwähnten (Ex-)Partner*innen und Aussagen zu Beziehungsstatus in den bisherigen Tatortfolgen.
Also bitte nehmt das hier nicht zu ernst, aber gebt mir gerne Tipps und Verbesserungsvorschläge!
Ansonsten: Enjoy

Work Text:

Adam stand in Leos Küche und sah ihm beim Kochen zu. Er bewunderte immer wieder, wie selbstverständlich Leo sich in seiner Küche bewegte, während er mit routinierten Griffen die beeindruckendsten Gerichte zauberte. Zugegeben waren alle selbst gekochten Gerichte beeindruckend für Adam, der gerade so die Geduld aufbringen konnte, Nudeln mit Tomatensoße zuzubereiten, aber das tat nichts zur Sache. Leo könnte er stundenlang zusehen.
Seit Adam aus dem Gefängnis gekommen war, hatte sich vieles verbessert. Die Stimmung im Team, denn Adam hatte nach kurzen Reibereien mit Esther eingesehen, dass sie richtig gehandelt hatte, als Ermittlerin, und die Stimmung zwischen Adam und Leo. Nach einigen Wochen, in denen sie die Erlebnisse mit seinem Vater etwas verarbeiten konnte, Adams Hand heilen und ein paar lang überfällige Gespräche geführt wurden, war alles langsam leichter geworden.
Adam konnte seine Finger wieder voll nutzen und die angespannten Falten auf Leos Stirn hatten sich langsam geglättet. Die Haut um ihre Augen hatte langsam wieder eine fast gesunde Farbe angenommen. In ihrer Freizeit trafen sie sich und verbrachten einfach Zeit miteinander, gerade so wie früher. Ohne Konflikte, ohne Stress, einfach gemeinsame Tage am See, in einem Park, oder auf Leos Sofa, während sie belanglose Filme schauten. Dabei rückten Adam und Leo langsam immer näher zueinander, geistig, aber auch körperlich. Die letzte Distanz war überwunden und es war keine Seltenheit, dass ihre Schultern, ihre Knie beim entspannten Sitzen auf den Sofapolstern aneinander gelehnt waren.
Adam genoss es, dass sich alles wieder ein wenig anfühlte wie früher, ein bisschen leicht und hell. Doch in seinem Hinterkopf war immer ein kleiner Gedanke, der seine Entspannung trübte, ihn zur Vorsicht mahnte, ihm seine Grenzen aufwies. Er musste vorsichtig sein, durfte es nicht weiter kommen lassen, als es jetzt war. Er musste das hier und jetzt beschützen, denn jede weitere Entwicklung wäre zu viel gewesen, würde alles wieder zunichte machen. Denn er war nun einmal Adam, und Adam hatte früh gelernt, nicht auf sein Glück zu hoffen.

Doch all diese Vorsicht half Adam nicht, das unvermeidliche zu verhindern.

Das Essen, was Leo gekocht hatte, war köstlich gewesen. Ein Thai Curry mit Unmengen an Gemüse darin, das Adam überraschenderweise an seine Reisen nach Thailand und das Essen dort erinnerte. Er hatte Leo verwundert gefragt, ob er einmal dort gewesen war und tatsächlich hatte Leo entspannt von einer Urlaubsreise mit seiner Schwestern Caro erzählt. Adam war immer wieder erleichtert, wenn Leo so etwas erzählte, denn es machte seinen Weggang aus Saarbücken zumindest ein kleines bisschen weniger schlimm, wenn er daran dachte, dass Leo eben doch weiter gelebt hatte.
Nach dem Essen saßen sie wieder entspannt auf dem Sofa und diskutierten, welchen Film sie heute schauen wollten, oder ob sie doch eine Serie anfangen sollten. Adam plädierte für die Serie, mit dem leisen Gedanken, dass sie dann regelmäßig einen guten Grund zum Treffen hatten.
Als Leo ihn ansah, während er für die Serie argumentierte, lachte er plötzlich leise auf. „Du hast dir da ja noch ein bisschen Curry aufgehoben im Gesicht!“, schmunzelte Leo, und zeigte in Adams Gesicht. Schnell fuhr sich Adam mit der Hand über das Kinn, wo er das Problem vermutete. Doch Leo bedeutete ihm, dass er keinen Erfolg mit seiner Geste hatte. Nachdem auch der zweite Wisch durch das Gesicht nicht das gewünschte Ergebnis gebracht hatte, griff ihm Leo unvermittelt mit einer Serviette, die er vom Couchtisch gefischt hatte, ins Gesicht. Bei jeder anderen Person wäre Adam wohl zurück geschreckt, aber bei Leo fühlte sich selbst das irgendwie normal und vertraut an. Auch, als Leo nach der Serviette noch einmal mit der Hand über Adams Wange strich. Leos Finger hinterließen eine warme Spur auf Adams Haut, und er musste plötzlich schlucken.
Leo blickte ihm wieder prüfend ins Gesicht und nickte zufrieden. Offensichtlich war er erfolgreich gewesen und Adams Gesicht endlich frei von Missgeschicken.
Als Leos Blick an Adams Lippen hängen blieb wusste Adam, was als nächstes passieren würde und ein wildes Pochen begann in seiner Brust zu toben, während er sich langsam, Leos Bewegung spiegelnd, nach vorne lehnte. Sein Herz schlug, vor Aufregung und Verlangen, doch in gleichem Maße aus Angst, da er gerade im Begriff war, alles zu ruinieren. Leos Lippen waren weich, als sie auf seine trafen, und so perfekt. Und für den Bruchteil einer Sekunde vergaß Adam, was das Problem an der ganzen Situation war, und gab sich dem sanften Kuss hin.

 

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Als Adam noch in Berlin gelebt hatte, hatte er versucht herauszufinden, wer er ist. In seiner Jugend hatte keine Sexualität stattgefunden, er hatte nie darüber nachgedacht. Zu beschäftigt war er gewesen mit seinem Vater, der Schule und schließlich seiner Flucht aus Saarbrücken. Die Jahre danach waren geprägt vom schlechten Gewissen, Leo verlassen zu haben, ihn verletzt zu haben. Der Schmerz der ihn ausfüllte, wenn er an Leo dachte, der Schmerz, der ihm fast die Luft abschnürte, auch jetzt Jahre später noch, das musste das schlechte Gewissen sein. Doch es gab viel Ablenkung in Berlin, und Adam war ein Meister darin geworden, jeden Gedanken an Leo und Saarbrücken sofort weg zu drücken.
Stattdessen hatte er sich damit beschäftigt, sich auszuprobieren. Doch nicht mit dem erwarteten Effekt, denn irgendwie fühlte sich alles immer falsch an. Am Anfang dachte Adam, er müsste nur die richtige finden, dann würde er es schon wollen. Irgendwann begann er, sich dem anderen Geschlecht zuzuwenden. Adam realisierte, dass er sich bei Männern definitiv wohler fühlte, es besser passte, er weiter gehen wollte. Doch es blieb immer bei oberflächlichen Begegnungen, denn Adam bemerkte schnell, dass er auch hier nicht weiter gehen wollte, als Küssen, eventuell einmal kuscheln. Der bloße Gedanke von nackten Körpern, die sich aneinander rieben, erfüllte ihn lediglich mit Unbehagen. Und Adam fragte sich unentwegt, was mit ihm nicht stimmte.
Am Ende war es Vincent, sein Mitbewohner, gewesen, der Adam ein Wort dafür gegeben hatte, als er ihm in einer späten Nacht einen winzigen Blick in sein seltsames Gefühlsleben gegeben hatte, wie er selbst für eine Beziehung offensichtlich nicht fähig war, so sehr er es auch versuchte.
„Adam, du bist asexuell.“
Adam hatte nicht darauf reagiert, einfach nur gewartet, bis Vincent mit den Schultern zuckte und aus dem Raum ging. Er wollte sich von Vincent keinen Stempel aufdrücken lassen, nicht von Vincent, der für jede Nischenidentität einen Begriff zu haben schien und mit diesen Worten selbstverständlich um sich warf, bis Adam der Kopf schwirrte.
Er war nicht irgendein Label, er war einfach Adam.
Erst Tage später, als er nach einer weiteren unerfüllenden Begegnung nachts wach lag und sich fragte, warum er so falsch war, erinnerte er sich an Vincents Worte. Jetzt, mit etwas Abstand hatte ihn dann doch die Neugierde gepackt und er blickte angestrengt auf den Bildschirm seines Handys, der im dunklen Raum viel zu hell leuchtete.
Was Adam las, nachdem er in der Suchmaske „asexuell“ eingegeben hatte, schnürte ihm beinahe die Luft ab. Er scrollte durch ein Forum, in dem Leute ihre Erfahrungen beschrieben und versuchte zu verstehen, wie da völlig fremde Leute seine Gefühle beschreiben konnten, für die er selbst nie Worte fand.
Doch was Adam beinahe die Tränen in die Augen trieb waren die Berichte von einigen Leuten über ihre Beziehungen, die ohne Sex auskamen. Schon eine Weile hatte Adam damit abgeschlossen, dass er wohl nie in einer Beziehung sein konnte, zu verkorkst und kaputt, wie er nun einmal war. Wer konnte schon einen Menschen lieben, der sich kaum anfassen lassen wollte, keinen Sex wollte, den Grundpfeiler einer Beziehung?
Aber hier erzählten Leute von ihren Partnern und Partnerinnen, und wie sie ein Leben führten voller Liebe, Vertrautheit und Zuneigung, obwohl Sex keine Rolle spielte, oder nur eine Nebenrolle.
Adam konnte kaum aufhören zu lesen, verbrachte die Nacht bis zum Morgengrauen damit, seine eigene Vorstellung von Beziehungen und was er eigentlich wollte, zu hinterfragen und anzupassen.
Schließlich schlief er ein, ausgefüllt von einem wagen Gefühl der Hoffnung, dass er vielleicht doch kein Mutant war, zumindest in diesem Aspekt nicht ganz so unnormal, wie er gedacht hatte.
Und dass vielleicht eines Tages auch er einen Mensch finden konnte, der ihn liebte, als Adam, auch ohne den körperlichen Aspekt.

 

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Leo hatte sich aus dem Kuss gelöst, blickte Adam in die Augen und Adam begriff, dass er ihn etwas gefragt hatte.
„Adam, willst du mehr?“, wiederholte Leo die Frage, seine Stimme schien leicht zu zittern, als wäre er aufgeregt oder nervös.
Adam schloss kurz die Augen, realisierte, dass er keine Wahl hatte, als Leo jetzt wieder zu verletzen. Er hätte es niemals so weit kommen lassen dürfen, hätte Leo durch einen Kuss keine falschen Hoffnungen machen dürfen. Aber er hatte sich so sehr noch einmal fühlen wollen wie früher, damals im Baumhaus, wenn auch nur für ein paar wenige Sekunden. So warm, vertraut, geborgen.
Er könnte Leo anlügen, könnte es ertragen, Leo zuliebe. Doch er hatte sich geschworen, Leo niemals wieder etwas zu verschweigen und wusste, dass er die Fassade nicht ewig aufhalten können würde. Der Gedanke, dass er Adams Grenzen überschritten hatte, würde Leo zerstören.
Also atmete Adam einmal tief durch, in dem Wissen, dass er jetzt alles wieder kaputt machen musste.
„Leo, ich… ich mag das ganze Körperliche eigentlich nicht wirklich. Es liegt nicht an dir. Also ich hab noch nie… also Küssen ist okay, aber ich mag nicht … nackte Haut und so, also... Nie…“, er stockte, wusste nicht, wie er es Leo besser erklären könnte, dass es nicht an Leo lag, sondern an Adam. Wie er es weniger verletzend formulieren konnte. Wie er Leo klar machen konnte, dass er ihn liebte, wie keinen anderen Menschen auf der Welt und er ihn eigentlich nie wieder los lassen wollte, aber auf keinen Fall mehr. Weil Adam einfach so war. Als er keine Reaktion von Leo hören konnte, öffnete er langsam die Augen, gefasst darauf, Wut, oder Abneigung in Leos grünen Augen sehen zu können. Doch stattdessen blickte er in Leos weiches Gesicht und verstand nicht, was er dort las. Leo wirkte entspannt, fast erleichtert.
Als er den Mund öffnete, kam keine Hasstirade heraus, sondern ein „Gut. Ja, gut.“ Leos Mundwinkel schoben sich leicht nach oben und Adam registrierte verwirrt, dass das ein Lächeln war.
„Darf ich dich noch einmal küssen? Nur küssen?“
Adam nickte, immer noch leicht verwirrt, aber er wollte diesen Moment noch nicht beenden, solange Leo ihn noch nicht abwies.

Als Adam am nächsten Morgen erwachte, brauchte er einen Moment um zu verstehen, dass das Leo war, der da an ihn gekuschelt lag. Sein Leo, der den ganzen Abend über nicht eine Sache getan hatte, die Adam nicht wollte, nur Dinge, die Adam gut fand, bis sie schließlich eng verschlungen eingeschlafen waren, nur ihre Klamotten passten noch zwischen sie. Er dachte nach, über Leo und sich. Als Jugendliche, damals im Baumhaus, waren sie sich immer nah gewesen. Sie hatten sich gegenseitig berührt, am Arm, an der Schulter, am Rücke. Im Gesicht. Ganz selbstverständlich. In all dieser Vertrautheit hatte nie einer von beiden auch nur Anstalten gemacht, weiteres zu tun, nicht einmal darüber nachgedacht. Und Adam fragte sich, ob es sein konnte, dass er in Leo tatsächlich den perfekten Gegenpart gefunden hatte. Dass sie schon in ihrer Jugend von ihrer Gleichheit angezogen gewesen waren und in ihrer Beziehung zueinander damals schon nichts gefehlt hatte, außer ein wenig Sicherheit vor äußeren Einflüssen.
Sie würden darüber reden müssen, das nahm sich Adam fest vor, miteinander herausfinden, was sie wollten, was ihre Grenzen waren und ob es funktionieren könnte. Aber gerade jetzt entspannte sich Adam wieder in Leos Armen und Glück durchströmte ihn bei dem leisen Gedanken, dass Leo ihn vielleicht lieben könnte, genau so, wie er war. Adam und Leo.