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Nothing's Ever Broken (They're Just Pieces on the Ground, New Hands Need to Build Them)

Summary:

Pia Heinrich beobachtet ihren neuen Kollegen Adam Schürk und sein Verhältnis zu menschlichen Berührungen. Oder: Adam doesnt like people touching him -- except Leo coz somehow he's always the exception
(kinda 3+1 but not really)

Notes:

für dynamiskaidoxa,, happy birthday love!

Setting ist so irgendwie direkt nach DfL und weit vor HdW und es ist so Sommer-ish!
Titel aus Troye Sivan's "Touch" aus offensichtlichen Gründen und für die Nostalgie whoop
disclaimer: mir gehören weder die Figuren noch Tatort, dies ist reine Fiktion und ich mache damit kein Geld! Enjoy

Work Text:

Adam Schürk Doesn’t Touch People

Pia Heinrich wurde aus ihrem neuen Kollegen Adam nicht wirklich schlau, und sie hielt sich eigentlich für ziemlich fähig, andere Menschen gut lesen zu können – das kam ihrem Beruf zugute. Doch Adam Schürk war sowohl emotional als auch körperlich unglaublich verschlossen, ein passenderes Wort fiel ihr da nicht ein. Sie konnte verstehen, dass nicht jeder sofort seine ganze Lebensgeschichte mit seinen neuen Kollegen teilen wollte, aber sie musste ihn immer so gezwungen in Unterhaltungen mit einbinden, dass sie es schnell aufgegeben hatte. Wieso war selbst eine Frage danach, ob er vielleicht Blumenläden für Muttertagsgeschenke empfehlen könnte, zu persönlich? Klar, Pia hatte Kollegen, von denen sie wusste, dass ihre Mütter ein trauriges Thema waren und sie das deshalb vermied, aber sie wusste auch, dass Adams Mutter definitiv am Leben war, also wo war das Problem? Laut Leo müsste Adam die Stadt besser kennen als sie selbst, die ja erst vor etwa einem Jahr dazugezogen war im Vergleich zu Adam, der ja schon länger hier wohnte? Gewohnt hat? Nicht mal das konnte sie genau sagen!

Doch sie ließ sich nicht unterkriegen, das Mysterium rund um Adam weiter aufzudecken – sie wäre ja eine lachhafte Kommissarin wenn nicht. So traf sie Adam in der Woche nach dem Abschluss des Fall Hofer in der Küche an der Kaffeemaschine an und versuchte immerhin etwas Rapport aufzubauen. „Guten Morgen!“

Seine Augen fanden sie sofort und musterten sie kurz, bevor er ihr knapp zunickte. „Morgen. Kaffee?“ Er gestikulierte zu der laufenden Maschine neben sich und sie nickte und gesellte sich zu ihm. So lehnten sie nun beide mit der Hüfte gegen die Arbeitsplatte und warteten auf die langsamen Tropfen des Kaffees, Adam stur nach vorne schauend und Pia ihn vorsichtig aus dem Augenwinkel beobachtend. Er machte keine Versuche irgendwelchen Smalltalks und sie drehte sich zu dem hängenden Küchenschrank, um Tassen rauszuholen.

Adam machte noch immer keine Anstalten sich zu bewegen und Pia schob die frühe Stunde und den folglichen Kaffeeentzug auf ihre nächste Handlung. Ein „Rutsch mal rüber hier bitte,“ verbunden mit einem sanften Schubs von ihrer Hüfte und Arm gegen Adams. Doch wo sie eigentlich die Situation auflockern wollte, versteifte sich Adam sofort und trat einen großen Schritt von ihr weg. „Alles gut? Sorry, hab ich dir wehgetan?“ Pias versuchte seine Miene zu lesen doch bekam nur das gezwungenste Lächeln zurück, dass sie je gesehen hatte.

Adam wich ihrem Blick aus und wandte sich dem Kaffee zu. „Nee, schon gut.“  

Pia holte endlich die Tassen raus und Adam schien die beiden Tassen so schnell wie nur möglich zu befüllen und floh dann förmlich ohne ein weiteres Wort in sein Büro zurück. Pia blieb verwirrt zurück. Was hatte da grade so eine Reaktion in ihm ausgelöst?

Später begegnete sie Leo am Kopierer, beide in ihre Arbeit vertieft, doch er gewann ihre Aufmerksamkeit als er seine Zettel durchging und auf Adam zusteuerte. Dieser saß mit einigen Akten auf dem Sofa, dass die beiden an irgendeinem Punkt zum Inventar in ihrem gemeinsamen Büro gemacht hatten und schaute nicht einmal auf, als Leo ihm näher kam. Leo ließ sich direkt neben Adam fallen und bekam ihn mit einem Knuff von Schulter an Schulter endlich dazu, sich Leo zuzuwenden. Weg war der Mindestabstand, der zwischen ihm und Pia geherrscht zu haben schien und Pias größte Frage war, was Adam gegen sie zu haben schien.

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Das nächste Mal, dass ihr ein ähnliches Verhalten bei Adam auffiel, war unterwegs bei einer Zeugenvernehmung. Mit ziemlicher Sicherheit war die Frau nicht die Täterin, aber sie hatte Verbindungen zu zwei der anderen Zeugen und wurde von einer dieser als Alibi genutzt und somit war ihre Aussage noch immer notwendig. Pia stand nun also mit Leo und Adam in einem kleinen Wohnzimmer und war bereit loszulegen, als die Frau sich an Leo wandte und nach seinen Händen griff. „Bitte, ich war doch gar nicht zuhause als es passiert ist, das müssen Sie mir glauben!“  Leo versuchte ihre Hände vorsichtig zu lösen und wollte grade etwas erwidern, doch Adam kam ihm zuvor.

„Lassen Sie bitte meinen Partner los.“ Seine Stimme war gefährlich ruhig, doch Pia konnte in der Anspannung seines Kiefers sehen, wie sehr er grade die Zähne zusammenbiss, um sich zu beherrschen.

Ihre Zeugin ließ sich jedoch nicht beirren und trat nun mit wilden Gesten auf Adam zu. „Ich bin unschuldig! Ich- ich könnte niemals…“ Sie blickte hinauf zu Adam, der noch immer gekonnt über wie hinwegsah. „Bitte, Sie müssen mir das glauben!“ Sie pausierte und griff nach seinen Unterarmen um ihren Punkt deutlich zu machen.

„Fassen Sie mich nicht an.“ Adam hatte ruckartig seine Arme befreit und er stand stockstill vor ihr; nicht zurückweichend, doch Pia konnte sehen, wie sich seine Brust hob und senkte in der Anstrengung, nicht weiter zu reagieren. Das schien auch bei ihrer Zeugin angekommen zu sein, die nun eilig einen Schritt zurück machte.

„Ich-ich- wollte doch nur-“, sie schaute hilflos zwischen Pia und Leo hin und her, wobei letzterer Adams eisigen Blick eingefangen hatte und die beiden eine stumme Unterhaltung zu führen schienen. Pia war somit ihr neues Ziel. „Es tut mir leid-ich wollte nicht- Darf ich nicht…“, Pia unterbrach ihre verzweifelten Fragen mit einem letzten Blick auf ihre Kollegen und geleitete die Frau sanft zu ihrem Sofa.

„Entschuldigen Sie meinen Kollegen, das ist Polizeiangewohnheit…“ Sie schaute wieder zu den anderen beiden hoch und fing Leos Blick ein und ein kaum ausmachbares, dankbares Nicken. „…Protokoll und all das. Wollen Sie uns dann noch einmal erzählen, was Sie vorgestern Nacht gemacht haben…“

Adam schien sich mittlerweile wieder gefangen zu haben und Leo sprang auch wieder in Aktion. „Und sobald wir Ihre Aussagen notiert und gesichert haben, lassen wir Sie auch wieder in Ruhe.“ Damit führte Leo Adam mit einer Hand an Adams Rücken auf das zweite Sofa im Raum und auch Adam sprang in den Befragungsmodus. Pias Gedanken hingen aber noch immer daran, dass Adam auf Leos Hand im Vergleich zu kurz davor so gar nicht reagiert hatte, bevor sie sich wieder ihrer Zeugin zuwandte.

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Die nächste Situation erlebte Pia nicht selbst, sondern hörte sie im Telefongepräch mit Esther, die ihr von der Undercoverarbeit am vorherigen Abend berichtete. Sie und Adam hatten in einem Club den verdächtigsten ihrer Zeugen beschattet (verdächtig hauptsächlich, weil er praktischerweise noch nie zuhause war, wenn sie ihn befragen wollten) und hatten somit beide diesen Morgen verdient frei, doch Pia wollte natürlich alle Details wissen. Sie war auch eigentlich aufmerksam am Zuhören, doch dann – spricht man vom Teufel – war Adam ins Präsidium gewandert, nicht müder aussehend als sonst (was Pia unterschwellig mental notierte und ihr doch irgendwo Sorgen bereitete) und war sofort zur Kaffeemaschine hin. Sie schüttelte den Kopf, um sich wieder auf Esthers Stimme zu konzentrieren.

„…und dann hat der Typ so zu uns rübergeschaut – wir sahen halt aber bestimmt auch echt komisch aus, mit unserem Bier was wir nicht getrunken haben und wie wir uns angeschwiegen haben obwohl wir zusammen da waren und Leute beobachtet haben anstatt betrunken zu tanzen… Das war wohl auf uns. Ich dachte mit den ganzen Rollkragenpullis, die der Schürk trägt, hat er irgendwie mehr schauspielerische Fähigkeiten, meinst du nicht?“

„Hm-hm.“ Pia schaute weg von ihrem Kollegen und runter auf ihren Notizblock, unter dem Vorwand, dass es aussah als würde sie grade wirklich Esthers Bericht vorarbeiten und nicht nur tratschen.

„Und dann hat uns halt unsere Kontaktperson so komisch angeschaut und auch wenn er ja nicht wusste, wer wir sind, wollte ich nicht, dass er verdacht schöpft. Also habe ich halt den ältesten Spionagetrick versucht und so getan als wären Schürk und ich als Paar da. Aber du hättest sehen müssen, wie der sich versteift hat, als ich meinen Arm um ihn gelegt habe?“ Pia konnte Esthers ungläubiges Kopfschütteln vor sich sehen und musste vor sich hinlächeln.

„Man könnte meinen, der wurde noch nie von einer Frau angefasst.“ Pia verkniff sich alle Sprüche, die da als Antwort auf ihrer Zunge lagen, als sie Adam in seinem Double-Denim-Look den Raum durchqueren sah.

„Das war ja alles nur gespielt, um den Fall voranzubringen, aber er schien so—so angewidert? Genervt? Ich hab nichtmal ein Wort dafür. Er hat sich danach zwar bemüht, aber auch irgendwie nicht wirklich… War schon ein merkwürdiger Abend. Ich kanns unserem Zeugen ja echt nicht übelnehmen, wenn er uns das nicht abgekauft hat, aber immerhin ist er nicht rausgerannt und wir konnten sein Handy verfolgen…“ Esther driftete ab und in dem Moment betrat Leo das Büro, gradewegs durch die Glastür zu Adam hinzu. Pia konnte durch die Jalousien klar sehen, dass Adam Leos Umarmung zur Begrüßung sofort erwiderte.

Sie schüttelte ungläubig den Kopf und hörte grad noch Esther an ihrem Ohr. „Vielleicht ist der Schürk einfach nicht der Typ für körperlichen Kontakt?“

 

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+1

Esther war es auch, die die anderen drei im Sinne des Teamspirits zu sich zum Grillen einlud, um den erfolgreich gelösten Fall zu feiern. Nun, genaugenommen war es Pias Idee gewesen, aber Esther war die, die den Garten besaß und sich bereitwillig anbot.

Pia kam als letzte dazu – dafür aber mit ihrem berühmt-berüchtigten Nudelsalat, dem ganzen Ausmaß ihrer Kochkünste – und richtete ihn auf dem Gartentisch an, während Esther den Grill bemannte und Adam das beste Stück des Gartens für sich beansprucht hatte: Esthers Hollywoodschaukel. Pia warf eine Begrüßung in die Runde und schaute sich grade um, ob sie noch helfen konnte, als Leo aus der Esthers Küchentür in den Garten trat, mehrere gekühlte Biere in der Hand. Er bot Pia eins zur Begrüßung an und ließ sich dann neben Adam nieder, während Pia Esther aus einem Gartenstuhl zuschaute. Doch sie konnte nicht umher zu bemerken, wie entspannt Adam dort neben Leo wirkte, zurückgelehnt in der Hollywoodschaukel und die goldene Abendsonne mit geschlossenen Augen genießend.

Leo fing ihren Blick ein. „Was?“

Pias Ton war fake-vorwurfsvoll. „Ihr habt euch den besten Platz geschnappt.“

Esther musste lachen. „Stimmt.“

Adam blinzelte ein Auge offen und ein Lächeln umspielte seine Lippen. „Tja.“

Leo schüttelte grinsend den Kopf und stupste Adam mit dem Finger in die Seite. „Sei nicht so fies.“ Er schaute zwischen der Hollywoodschaukel und Pia hin und her. „Hier passen wir auch zu dritt drauf.“ Das war für ihn leichter gesagt als getan, da Pia mittlerweile Adams Personal Space und seine Grenzen kannte und der einzig freie Platz zwischen ihm und der linken Armlehne der Schaukel war, weil Leo sich direkt an die rechte gesetzt hatte. Adam schien einen ähnlichen Gedankengang zu verfolgen und seine vorher so entspannte Haltung war sofort wieder verkrampfter; wie in Vorbereitung auf was da jetzt kommen mag. Pia machte jedoch genau deshalb keine Anstalten sich dazuzusetzen ohne Bestätigung von Adam.

Er fing ihren Blick ein und sie schüttelte kaum merklich den Kopf und wusste er konnte sie lesen – sie würde nichts tun, wenn er es nicht damit okay war. Adam jedoch atmete tief durch, rutschte – wenn überhaupt möglich – noch näher zu Leo rüber und nickte mit dem Kopf auf die freie Ecke neben ihm. Pias antwortendes Grinsen fing ihr ein Augenrollen ein, doch sie folgte der stummen Aufforderung schnell und ließ sich in die Ecke fallen, Beine baumelnd, aber doch so in die Ecke gedreht, dass sie die anderen beiden anschauen konnte und nicht vollkommen gegen Adams gelehnt saß. Dafür bekam sie von Adam als auch von Leo einen Blick, den sie als Dankbarkeit einordnen konnte, doch bevor irgendwer die Situation kommentieren konnte, unterbrach Esthers sie mit einem „Los geht’s, das Fleisch ist fertig!“

Fürs Essen mussten sie sich alle an den Tisch bequemen, doch nach einem entspannten und ausgedehnten Abendbrot – mit stetigem Alkoholnachschub –endeten sie etwas heiterer wieder in derselben Konstellation in der Hollywoodschaukel und Esther auf einem ihrer Gartenstühle mit mehreren Decken und redeten freier über alles als Team, als sie es je zuvor wirklich getan hatten. Dabei hatten Adams weit gestikulierende Arme ihren Weg auf die Rückenlehne der Schaukel gefunden, kurz davor, sowohl Pias als auch Leos Schultern zu umschlingen. Pia war grade etwas zu beschäftigt damit, Esthers Hände zu betrachten, die in den Fransen ihrer Decke spielten, um der Unterhaltung ganz zu folgen und bekam nur noch Adams Schlusswort von was-auch-immer-sein-Rant-grade-war mit.

„… und genau aus dem Grund hatte sie sich das selbst eingebrockt, da war das halt definitiv nicht auf mich!“ Er nickte entschlossen und sammelte seine Hand von hinter Pia wieder ein, um einen Schluck aus seiner Bierflasche zu nehmen, während Leo über ihn den Kopf schüttelte.

„Hm-hm, ist schon klar…“ Seine tadelnden Worte verloren alle ihre Wirkung durch sein breites Grinsen und Adam drehte sich zu ihm und gab ihm nun seine ganze Aufmerksamkeit.

„Och halt doch die Fresse…“ Auch seine Worte hielten keine Schärfe und Leos Grinsen wurde unmöglich weiter, während auch er sich Adam direkt zuwandte und ihn über den Rand seiner Bierflasche anstarrte.

„Und wenn nicht?“

Adam starrte Leo für einen Moment stumm an bis er dann irgendwas zwischen Schnauben und Lachen ausstieß, seinen anderen Arm endlich um Leos Schulter rutschen ließ und sein Gesicht in Leos Hals vergrub und oh-

Pias Blick traf auf Esthers und beide schielten langsam rüber zu Leo, der sein Bier zur Seite gestellt hatte und Adam jetzt im Arm hielt. Sein liebevoller Blick sorgte fast sofort dafür, dass Pia sich fühlte, als würde sie grade einen intimen Moment stören. Dann jedoch schaute Leo zu ihr hoch und schenkte ihr ein so ehrliches Lächeln, dass sie nicht umher konnte, es zu erwidern. Sie hatte ihren Kollegen noch nie so glücklich und befreit gesehen, wenn sie so drüber nachdachte.

Das war wahrscheinlich auch der Grund, dass sie es sich ausreden ließ, Fotos-für-spätere-Erpressung-von-Adam zu machen, als dieser an Leo gekuschelt und halb auf ihm einschlief, weil ihn endlich die letzten hektischen, schlaflosen Nächte eingeholt hatten. Diese Vertrautheit zwischen den beiden war noch immer etwas, dass Pia faszinierte, doch sie würde jetzt ausnahmsweise mal geduldig warten, bis die beiden ihnen ihre Geschichte anvertrauen würden, aber für jetzt war das was sie hier hatte genug.