Actions

Work Header

Rating:
Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2022-05-26
Words:
1,443
Chapters:
1/1
Comments:
4
Kudos:
13
Bookmarks:
1
Hits:
59

Einbrecher in der Spotify-Hauptzentrale

Summary:

Endlich ist es soweit: Die tighten Boys brechen in die Spotify-Hauptzentrale ein, um ihre Musik ein für alle Mal in den Äther zu verbannen (Oder etwa doch nicht, wer weiß das schon).

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

„Bist du dir sicher, dass das die Spotify-Hauptzentrale ist?”, fragte der alte Mann im Rollstuhl.

„Was? Natürlich ist das die Spotify-Hauptzentrale. Wo sollte die denn sonst sein?”, antwortete der etwas jüngere, jedoch trotzdem alte Mann, der den Rollstuhl schob. Beide trugen verblichene T-Shirts mit großen Wolfsköpfen drauf, dazu Hosen, auf denen das Gesicht von Nicholas Cage aufgedruckt war, sowie orthopädische Rentnerhausschuhe.

„Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, wie man die Spotify-Hauptzentrale erkennt. Oder wo wir sind. Oder wie wir hierher gekommen sind. Timon, wie sind wir hierher gekommen?”, Flo versuchte über die Schulter zu Timon zu schauen, was ihm auch fast gelang.

Timon überlegte angestrengt: „So genau weiß ich das auch nicht mehr. Jedenfalls ist das die Spotify-Hauptzentrale. Schau dir doch all die Regale an. Das sind doch eindeutig Server. Mit allem, was jemals auf Spotify hochgeladen wurde. Siehst du das denn nicht?“ Timon zeigte schwungvoll auf das Regal neben ihm und warf dabei etwas herunter. Krachend fiel der Gegenstand zu Boden.

„Naja, wenn du das sagst… Sag mal Timon, hast du auch deine Brille vergessen?”

Timon schwieg und versuchte krampfhaft, die Beschriftungen an den Regalen zu entziffern. Ohne Brille war das gar nicht so einfach.
Als sie langsam durch die Gänge rollten, lief ein Mann an ihnen vorbei. (Zumindest glaubten sie es sei ein Mann. Keine Brille und so.)

„Entschuldigen Sie”, fragte Flo laut. Auch seine Ohren waren nicht mehr die besten. Der Mann schaute ihn irritiert an. “Wo steht denn der Buchstabe D?”
Der Mann schaute immernoch recht dumm aus der Wäsche und zeigte schweigend mit dem Finger nach oben.

„Und wie kommen wir dahin?”, fragte Timon. Immernoch schweigend zeigte der Mann nach rechts, zum Fahrstuhl.

„Vielen Dank, der Herr, vielen Dank. Sie erinnern mich an den jungen Studenten mit dem ich damals auf Tour war.” Der Mann ging schnellen Schrittes davon.

„Ich war der junge Student mit dem du auf Tour warst. Immer vergisst du alles.” sagte Timon, leicht gekränkt.

„Ach ja”, sagte Flo, “Da war ja was.” Sie liefen in die Richtung, die ihnen der Mann gezeigt hatte und kamen vor einem Fahrstuhl an.

Timon humpelte zum Schalter, drückte diesen mit zittrigen Fingern und die beiden warteten. „Warum ist es dir überhaupt so wichtig, dass wir dieses Album löschen, Flo? Ich weiß gar nicht mehr, was wir da gesungen haben.”

„Du verstehst nicht, Timon. Jetzt, wo ich endlich Opa geworden bin, habe ich eine Verantwortung. Und Heinz junior junior wird niemals die erbärmlichen Anfänge von Duo Romantico hören. Dafür wird er in der Schule noch gemobbt.”

„Und du meinst der Skandal mit den Minderjährigen, die Fotos unserer ersten Tour und Pocking sind nichts wofür er gemobbt wird?”

„Das zeigt ja nur, dass ich ein ernstzunehmender Rockstar war. Und wir haben doch gesagt, dass das mit Pocking unter uns bleibt.”

„Sorry, hab ich vergessen.”

Die beiden warteten immer noch vergeblich auf den Fahrstuhl. “Das dauert aber ganz schön lange.”, sagte Timon, ging zum Fahrstuhl, pochte mit der Faust dagegen und rief: “Der alte Mann hier hat nicht mehr ewig zu leben, geht das nicht schneller, hallo!”

„Du, Timon, ich glaube, dass bringt nichts”, sagte Flo, aber so leise, dass man es über Timons Gebrüll nicht hören konnte.

„Entschuldigen Sie.”, meldete sich eine Stimme hinter ihnen, “Das hier ist eine Bibliothek.”
Die Stimme gehörte einer streng dreinblickenden Frau mit einem blonden Dutt. Beide drehten sich, so gut sie konnten, zu ihr um und blickten sie verwirrt an.

„Und warum, bei Gott, haben sie einen brennenden Wollknäuel in der Hand. Security.” Das letzte Wort sprach sie in das Headset in ihrem Ohr.

Flo schaute in die Richtung, in der er das Gesicht von Timon vermutete. „Ich hab dir doch gesagt, dass das nicht die Spotify-Hauptzentrale ist.”

„Und du hast gesagt du bringst eine Bombe mit. Das ist ja aber wohl keine.” Timon deutete auf den traurig vor sich hin schwelenden, rosa Wollknäuel.

„Ich hab halt nichts gesehen, meine Brille ist weg”

In diesem Moment kam ein Security-Mann auf sie zu und stellte sich vor die beiden. „Was ist denn hier los?”, fragte er ernst.

„Diese beiden Verrückten wollen meine Bibliothek niederbrennen”, antwortete die Frau ihm. Der Sicherheitsbeauftragte blickte auf die zwei alten Männer in Hausschuhen, einer davon im Rollstuhl, mit einem inzwischen erloschenen Stück Wolle in der Hand. Er sah die Bibliothekarin skeptisch an.
„Naja, zumindest waren sie viel zu laut.”, antwortete sie.

„Es kann ja wohl nicht sein, dass der Fahrstuhl hier nicht funktioniert”, sagte Flo, dabei schwang er die Faust in Richtung des Security-Mannes, “Denkt denn hier auch mal jemand an die bewegungseingeschränkten Bürger? Das kann ja wohl nicht wahr sein. Das erzähle ich alles auf Twitter und dann werdet ihr schon sehen was ihr davon habt”

“Wer benutzt denn heute noch Twitter?” flüsterte die Bibliothekarin dem Security-Officer zu. Er versuchte nicht zu lachen.

„Meine Herren, wir machen das jetzt folgendermaßen“, sagte er an Timon und Flo gerichtet, „Ich bringe Sie beide nach draußen, Sie kommen nie wieder und wir vergessen das Ganze, kapiert?”
Flo wollte erneut zu einer Antwort ausholen, aber Timon legte ihm eine Hand auf die Schulter und sagte: „Lass gut sein.”

Nachdem der Sicherheitsmann sie langsam nach draußen begleitet hatte, machten sie sich auf den Weg zu einem Park mit Teich, der gleich um die Ecke lag, und setzten sich auf einer Bank ans Wasser. Timon konnte inzwischen auch wieder sehen, der Sicherheitsmann hatte ihn darauf hingewiesen, dass er seine Brille um den Hals trug.

„Das war wohl nichts, was?”, fragte Timon.

„Ist schon ok. Jetzt, wo ich es mir recht überlege… Haben wir dieses Album überhaupt aufgenommen oder war das nur eine Idee, die wir mal betrunken hatten?”

Timon dachte angestrengt nach. „Zumindest waren wir irgendwann mal auf Tour.”

Flo nickte: „Das stimmt. Den Abend im Club nach dem einen Auftritt werde ich nie vergessen. Du konntest drei Wochen lang nicht mehr aufrecht gehen und meine Mutter musste uns abholen.“

Timon dachte angestrengt nach. „Wir hatten doch diesen Podcast!”, rief er auf einmal aufgeregt.

„Ach ja, der Podcast.” Flo holte mit zittrigen Händen sein Handy aus der Tasche, entsperrte es und tippte darauf herum .Dabei hielt er es sehr nah vor sein Gesicht, um etwas zu erkennen. Derweil sah Timon aus, als ob er gleich einschlafe, erschöpft allein schon vom Gedanken an die drei Wochen damals.

„Ich hab es.”, sagte Flo und Timon erwachte aus seinem Dämmerzustand. Flo hielt ihm sein Handy vors Gesicht. Darauf zu sehen war die Spotify Seite ihres Podcasts.

„Tatsächlich. Und wir haben sogar letzten Mittwoch eine Folge hochgeladen, das weiß ich gar nicht mehr. Aber ich glaube, du hast recht. Mit dem Podcast waren wir damals auf Tour.” Timons Augen glänzten von den Erinnerungen.

„Das war eine schöne Zeit, die Podcast-Tour. Und ich habe wirklich total vergessen, dass wir den Podcast haben. Aber sag mal, Timon, hieß der nicht mal anders?”

„Irgendwann haben wir ihn in Die Halbseitenspastiker umbenannt. Keine Ahnung wie er vorher hieß. Oder warum wir das gemacht haben.”, sagte Timon.

„Lass uns heim fahren und eine neue Folge aufnehmen, sonst vergessen wir was uns gerade passiert ist”, sagte Flo, „Aus der Spotify-Hauptzentrale geworfen und fast verhaftet, weil die Zentrale nicht behindertengerecht eingerichtet ist. Das werden die Zuhörer lieben.”

„Ja,ja, lass uns das gleich machen. Aber erstmal muss ich mich ausruhen.” antwortete Timon und legte den Kopf in den Nacken, das Gesicht zur Sonne gerichtet. Flo holte zwei Saftpäckchen aus seiner Tasche, reichte eines weiter und beide schlürften zufrieden ihren Apfelsaft.
So saßen sie nebeneinander, in Gedanken an den Podcast, die Tour und Duo Romantico versunken.

„Also hatten wir nie eine Band?”, fragte Flo, Enttäuschung in der Stimme.

Timon schüttelte den Kopf: „Aber wir haben immer noch den Podcast. Und den nimmt mir auch keiner mehr.” Er bekam feuchte Augen, aber das lag natürlich nur am Wind.

Während Flo darüber sinnierte, ob Heinz junior junior jemals existiert hatte, sagte Timon: „Mir ist gerade eine Geschichte eingefallen, die ich auch in der nächsten Folge erzählen kann. Damals, als ich noch klein war, war ich mit meiner Oma und ihren Freunden Eis essen. Und da erzählte mir einer davon, dass mein Eis Meeresfruchteis ist. Jahre später fällt mir ein: Das war ja gar kein Meeresfruchteis. Weißt du was es tatsächlich war?”

„Ne, erzähl”

„Papaya”, antwortete Timon und lachte über seinen eigenen Witz.
Flo lachte mit, ihr Kichern leise untermalt vom Knacken ihrer alten Rücken.

„Ich fühle mich wie in der letzten Folge Werner und Werner. Als die beiden am Meer saßen, weil sie dachten Werner müsse sterben, er aber doch nur Bratenfett auf der Petrischale hatte”, sagte Flo.

„Aber das ist noch nicht das Ende, oder?”, fragte Timon, wieder etwas ernster.

Flo schüttelte den Kopf: „Niemals, Kumpel. Niemals.”

Notes:

Falls es tatsächlich jemand geschafft hat, dieses Meisterwerk hier zu finden, würde ich mich über Feedback sehr freuen.
Is' halt Wrestling. Cheerio, Freunde!