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Rating:
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Category:
Fandoms:
Relationships:
Characters:
Additional Tags:
Language:
Deutsch
Series:
Part 1 of Alles ist bunt
Stats:
Published:
2022-07-04
Words:
1,921
Chapters:
1/1
Comments:
19
Kudos:
99
Bookmarks:
2
Hits:
624

Alles ist Bunt

Summary:

Vincent fragt Adam, eher im Scherz, ob er ihn zur Pride in Berlin begleitet. Überraschender Weise sagt Adam zu.

Notes:

Ich war noch nie beim CSD in Berlin, ich hab nur gegoogelt, wo die Demo lang geht und hab das dann verbunden mit der Düsseldorf Pride, wo ich dieses Jahr zum ersten Mal war, denn irgendwie war ich vorher noch auf keiner eizigen.
Eventuell sind ein paar Kleinigkeiten auch sehr inspiriert von meinem Besuch in Düsseldorf mit 21PilotsWithGuns

Und ansonsten, Grüße gehen raus an die Crabbies. ❤

Work Text:

„Was machst du eigentlich am Wochenende?“ fragte Adam während sie im Auto saßen und vom Tatort zurück nach Świecko fuhren. Adam hatte seinen Blick konzentriert auf die leere Landstraße vor ihnen gerichtet.

„Ich fahr nach Berlin, zur Pride“, antwortete Vincent. Vor einem halben Jahr hätte er das wohl nicht gesagt, damals schien Adam noch eher abweisend gegenüber allem, was irgendwie queer war, aber je mehr Zeit, auch privat, sie zusammen verbracht hatten, desto offener war Adam geworden.

„Cool“, antwortete Adam, aber er klang irgendwie traurig? Enttäuscht?

„Sicher?“ fragte Vincent. Du klingst nicht als ob das cool ist. Adam zuckte mit den Schultern.

„Wollte dich fragen, ob wir was zusammen machen, aber können wir ja später mal machen.“ Er klang immer noch enttäuscht.

„Kannst ja mitkommen“, schlug Vincent vor. Er meinte es schon eher als Scherz, er konnte sich nicht vorstellen, dass Adam wirklich Interesse an sowas hatte.

„Weiß nicht, pass ich denn da hin?“ Adam klang plötzlich eher unsicher.

„Klar,“ antwortete Vincent. Er freute sich, dass Adam nicht direkt nein gesagt hatte, zumal er sonst alleine gegangen wäre, da der Freund, mit dem er eigentlich gehen wollte spontan keine Zeit hatte, aber er würde sich das auch nicht entgehen lassen.

„Auch wenn du cis straight bist, jeder ist willkommen. Bist du doch, oder?“ Vincent stellte fest, dass er das immer nur irgendwie angenommen hatte, Adam wirkte nicht wirklich queer, aber er wusste auch, dass man das nie sicher wissen konnte, wenn die Person nichts sagte.

„Wahrscheinlich?“ antwortete Adam und vermied es Vincent in die Augen zu schauen. Das überraschte Vincent jetzt doch, aber Adam war ganz klar nicht in der Stimmung, mehr darüber zu reden und Vincent würde nicht drängen. Vielleicht würde er irgendwann mal nachfragen, wenn sie abends mal wieder zusammensaßen, aber nicht in der Arbeitszeit.

 

---

 

Adam war immer noch unsicher, ob es die richtige Entscheidung gewesen war, mit Vincent zur Pride zu fahren, aber jetzt saßen sie eben schon beide im Zug nach Berlin. Adam trug eine Jeans und ein dunkelblaues T-Shirt. Vincent trug Regenbogenfarbene Stiefel, einen schwarzen Rock, der etwas über seine Knie ging und locker um seine Beine fiel und dazu ein Tanktop, wodurch Adams Blick irgendwie immer wieder zu Vincents Oberarmen wanderte, wenn er nicht genug aufpasste, um ihm ins Gesicht zu sehen. Er hatte zwei Flaggen an seinem Gürtel hängen. Die eine stand für Pansexualität und die andere für nicht binär, wie Vincent ihm erklärt hatte, als Adam kurz nachdem sie eingestiegen waren, nachgefragt hatte. Er trug auch bunten Lidschatten in den pan Farben. Seine Nägel waren in Regenbogenfarben lackiert.

Er wusste nicht, was er erwarten sollte und seine Gedanken wanderten immer wieder zurück zu dem Moment, in dem er mehr oder weniger angedeutet hatte, dass er nicht hetero war. Er hatte das immer wieder verdrängt, dabei wusste er es irgendwie schon seit er 20 war. Er wusste nicht genau was es war und er hatte ein bisschen Angst davor, es herauszufinden. Was er wusste war, dass Vincent keine Frau war, aber Adam durchaus Interesse an ihm hatte und sowas war ihm auch schon früher passiert. Nur Beziehungen hatte er immer nur mit Frauen gehabt. Da war nur der eine One Night stand mit einem Mann, den er mal vollkommen besoffen vor über 20 Jahren gehabt hatte. Er hatte es nicht bereut, es war nicht schlecht gewesen, aber es war nie wieder passiert.

Er fragte sich jetzt nur, ob er da nicht gerade ein Fass aufmachte, dass er lieber geschlossen halten sollte. Aber er hatte es Vincent versprochen und der hatte sich so gefreut, dass Adam mitkommen wollte, da hatte Adam nicht nein sagen können.

Vincent wühlte in seiner Tasche und holte ein paar bunte Schminkstifte hervor.

„Willst du auch eine Flagge ins Gesicht?“ fragte er. Adam sah kurz zwischen Vincent und der Schminke hin und her. Er überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. Er war dafür nicht bereit. Vielleicht irgendwann, vielleicht auch nicht. Vincent versuchte nicht ihn zu überreden, stattdessen steckte er die Schminkstifte wieder ein und lehnte sich zurück.

 


 

Adam fand sich wieder in einer Masse aus Farben und Menschen. Vincent trug nun seine pan Flagge als cape, während sie durch die Straßen von Berlin liefen, umgeben von tausenden Menschen. Die Stimmung war ausgelassen und mitreißend. Adam sah immer wieder zu Vincent herüber, der unglaublich glücklich aussah, er passte perfekt zwischen all die Menschen, mit ihren Flaggen und teilweise wilden Outfits. Adam hatte schon das Gefühl, dass er nicht wirklich hier her passte, aber niemand sah ihn seltsam an. Und irgendwann legte Vincent seinen Arm um Adam, erst vorsichtig und unsicher, aber als Adam automatisch seinen Arm um Vincents Hüfte schlang, grinste Vincent ihn an und zog ihn etwas näher.

Jetzt brachte Adam sich doch dazu, sich etwas mehr umzusehen, er stellte fest, wie wenig er über die Flaggen wusste. Klar die Regenbogenflagge kannte er, aber da hörte es auch schon wieder auf, mal abgesehen von den beiden, die Vincent dabeihatte. Er fing vorsichtig an, Vincent nach verschiedenen Flaggen zu fragen, der ihm mit viel Enthusiasmus erklärte, welche Flaggen was bedeuteten und was dahintersteckte. Je mehr Vincent redete, desto sicher wurde Adam mit seinen Fragen, merkte, dass Vincent ihn nicht für sein Unwissen verurteilte und stattdessen mit Freude sein Wissen teilte.

Irgendwie fühlte es sich befreiend an, zwischen so vielen Leuten zu sein, die einfach nur sie selbst waren, wie sehr das auch von der Norm abwich. Mit dem was er sonst trug, stach er eigentlich nie irgendwo hervor, aber hier schon ein wenig, doch je länger er sich zwischen den Menschen bewegte, desto weniger fehl am Platz fühlte er sich und vielleicht war er doch ein Teil von ihnen. Eigentlich wusste er es, aber irgendwie hatte er es nie wirklich gesehen. Im Kopf ging er alles durch, was Vincent ihm erzählt hatte. Es gab so viele Identitäten, das war irgendwie faszinierend. Adam wusste mit Sicherheit, dass er cis war. Aber über den Rest war er sich nicht so sicher.

Am Straßenrand stand jemand mit einer Rolle Regenbogenfarbener, herzförmiger Sticker in der Hand, die er Leuten anbat. Vincent zog einen ab und drehte sich Adam zu, er drückte ihm den Sticker auf die Wange. Seinen Kopf hatte er etwas zur Seite geneigt, als ob er sich nicht sicher war, ob er das durfte, aber Adam lächelte ihn an und Vincent lächelte zurück. Er legte seinen Arm wieder um Adams Schulter und zog ihn an sich. Adam genoss es viel zu sehr, Vincent so nah zu sein.

 

„Vincent!“ rief plötzlich jemand hinter ihnen und Vincent ließ ihn los. Es war warm genug, aber trotzdem vermisste Adam die Körperwärme. Vincent drehte sich um.

„Adam! Was machst du denn hier?“ rief er und lief auf einen groß gewachsenen blonden Mann zu, der die Hand von einem etwas kleineren, aber sehr durchtrainierten, dunkelhaarigen Mann hielt.

Kurz war Adam verwirrt, das Vincent seinen Namen gerufen hatte, aber dann hatte er sich erinnert, dass Vincents ehemaliger Mitbewohner auch Adam hieß. Vincent war dem anderen Adam schon in die Arme gesprungen. Der dunkelhaarige Mann lachte und zog die beiden, die einander immer noch in den Armen lagen zur Seite, so dass sie nicht mehr allen im Weg standen.

„Hi, ich bin Leo“, stellte er sich vor und hielt Adam die Hand hin. Adam schüttelte sie.

„Adam“, sagte er.

„Ah ich erinnere mich, Vincent hat dich erwähnt, als er uns letztens besucht hat. Ihr arbeitet zusammen, oder?“ Adam spürte sein Gesicht heiß werden, als er versuchte, nicht darüber nachzudenken, was Vincent wohl über ihn gesagt hatte. Er konnte nicht mal erklären, warum er rot wurde. Im Zweifel konnte er aus auf die Hitze schieben, mit seinen langen Hosen, war er nicht optimal für das Wetter gekleidet. Er nickte bestätigend und sah zu Vincent, der sich wieder von dem anderen Adam gelöst hatte. Dann sah er zwischen den beiden Adams hin und her.

„Adam, das ist Adam… uhmm“, sagte er und lachte etwas.

„Hi“, sagte der blonde Adam und reichte ihm ebenfalls seine Hand. Leo und Adam hatten beide Flaggen auf ihren Wangen, Adam einen Regenbogen und Leo eine bi Flagge. Ansonsten waren sie tatsächlich auch relativ neutral gekleidet, trugen jedoch beide auch Flaggen als capes.

 

Sie liefen noch eine Weile zusammen, aber als sie am Brandenburger Tor ankamen, verabschiedeten sie sich voneinander, Adam hatte das Gefühl, dass sie eher unter sich sein wollten und er hatte nichts dagegen, mit Vincent alleine zu sein. So mehr oder weniger, schließlich waren sie unter einem Haufen Menschen.

Am Brandenburger Tor waren eine Menge Stände, Adam sah einige, die Pride Merchandise verkauften, zwischen den Essensständen, die natürlich total überteuert waren. Trotzdem holten sie sich beide einen Crêpe und suchten sich dann eine ruhige Ecke, wo sie sich hinsetzen konnten.

Nachdem Adam aufgegessen hatte, stand er auf und versprach, gleich wieder da zu sein. Er hatte schon die ganze Zeit immer wieder zu dem Stand mit dem Merchandise rüber geguckt und überlegt, ob er hin gehen sollte, schließlich hatte er beschlossen es einfach zu machen. Aber er wusste, wenn er darüber reden würde, würde er sich wieder nicht trauen.

So viele Menschen zu sehen, die einfach sie selbst waren, sich nicht verleugneten, sich nicht dafür schämten, wie sie waren, das hatte etwas in Adam wachgerüttelt. Er drängelte sich etwas durch die Menschen, die um den Stand herumstanden. Das war sicher nicht die feine Art, aber er war sicher, würde er warten, würde er einen Rückzieher machen.

Schließlich wurde er gefragt, was er wollte und fragte nach einer bi Flagge. Nach allem was Vincent ihm erklärt hatte, hatte er das Gefühl, dass es wohl am besten zu ihm passte. Er bezahlte die Flagge und trat aus der Menge hinaus, bevor er sie auspackte. Einen Moment sah er sie an. Nicht unbedingt die Farben, die er normalerweise wählen würde, aber vielleicht tat ihm etwas Farbe mal gut. Er legte sich die Flagge schließlich von hinten um den Hals und knotete sie zusammen, so dass er sie nun ebenfalls wie einen cape trug.

Irgendwie fühlte er sich nervös, als ob Leute nun etwas über ihn wussten, das er so lange geheim gehalten hatte. Aber niemanden hier interessierte es. Niemand hier kannte ihn, außer Vincent. Vincent würde ihn aber niemals verurteilen.

Mit zitternden Beinen kehrte er dahin zurück, wo er Vincent zurückgelassen hatte. Er traute sich nicht, ihn anzusehen, als er auf ihn zuging. Als er dicht bei ihm stand, stand Vincent auf und Adam sah vorsichtig auf. Vincent lächelte ihn breit an.

„Ich bin stolz auf dich“, sagte er nur. Keine Fragen, kein komischer Blick, einfach nur diese paar Worte, die ein Kribbeln durch Adams ganzen Körper sandte. Und vielleicht war er bereit, sich etwas anderes einzugestehen, jetzt wo Vincent so dicht vor ihm stand, seine blauen Augen etwas zusammengekniffen, durch sein ehrliches Lächeln.

Adam legte ihm sanft eine Hand auf die Wange und Vincents Lächeln wurde weniger breit, dafür aber unglaublich sanft und er legte seinen Kopf fragend schief. Adam strich mit seinem Daumen über Vincents Unterlippe, fragte sich, ob Vincent zurückziehen würde, aber stattdessen legte er seine Hände auf Adams Hüften und Adam lehnte sich nach vorne, ließ seine Lippen über Vincents streifen.

Vincents Finger krallten sich in Adams T-Shirt und er reckte sich Adam ein weiteres Mal entgegen, diesmal für einen intensiveren Kuss.

„Nicht ganz so straight, vielleicht“, gab Adam schließlich zu. Es war immer noch seltsam, aber er würde sich daran gewöhnen. Vincent zu küssen dagegen war gar nicht seltsam. Und als sie am Abend schließlich nach Hause fuhren, hatte Adam einen Regenbogen auf der einen Wange und die bi Flagge auf der anderen.

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