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I Love You So (Please, Let Me Go.)

Summary:

Bob hat sich in seinen besten Freund verliebt. Und als dieser auf einer Hausparty ihm weismachte, dass die Gefühle nicht unerwidert waren, konnte er sein Glück nicht fassen. Doch das Glück blieb nicht lange, als Peter sich wie üblich eines Tages zum Training verabschiedete.

Oder: Eine Shandrews Fic in 7 Abschnitten, beginnend beim Realisieren der Gefühle bishin zu dem gemeinsamen Ende.

Notes:

Song: I Love You So - The Walters

Dies ist tatsächlich meine erste richtige ??? Fanfiction, die sehr spontan durch spezielle Umstände innerhalb einer Nacht entstanden ist und mithilfe von ein paar Beta Lesern verfeinert wurde..

Work Text:

I love you so

 

Bob saß auf der Tribüne am Sportplatz der Schule und sah wie gebannt auf das Spielfeld. Peter hatte heute ein wichtiges Fußballspiel und wenn es so weiterlief wie bisher, würde sein Schulteam siegen und der Zweite Detektiv seinen Platz als Teamcaptain sichern. Bob musste lächeln bei der Erinnerung, wie Peter mit größter Euphorie von diesem Traum zum wiederholten Male erzählte. Es hatte aber den blonden Jungen nie genervt, denn Peters Begeisterung hatte den Dritten selbst angesteckt.

 

Gerade hatte das Gegnerteam von einer anderen Highschool den Ball und Bobs Aufmerksamkeit ging abhanden, als er merkte, wie sich jemand neben ihm hinsetzte. “Und, hab ich was verpasst?” fragte Justus während er eine kühle Cola im Bobs Hand drückte, die dieser dankend annahm.

 

“Nein, nicht wirklich. Nur das typische Hin und Her.”

 

Sein Blick ging zurück auf das Feld und seine Augen suchten nach Peter. Er brauchte einen Moment, bis er endlich den in Schweiß gebadeten Zweiten ausfindig machen konnte. Ein Lächeln schlich sich auf Bobs Lippen, als der Rotschopf irgendetwas zu rufen schien und mit vollen Engagement weiterkämpfte, auch wenn ihm offensichtlich die Anstrengung im Gesicht geschrieben stand.

 

Bob beobachtete jede seiner Bewegungen und er musste zugeben, dass sein bester Freund verdammt gut mit diesem konzentrierten Blick aussah. Die Abendsonne gab seinen Haaren einen schimmernden Rotstich und die angespannten Muskeln, für die Peter stolz jahrelang trainiert hatte, machten sich durch den Schweiß noch erkennbarer.

 

Bob merkte, wie ihm wärmer wurde, je länger er starrte, aber er konnte nicht anders. Dieses Lächeln auf Peters Lippen, als sein Team wieder die Oberhand gewann, verursachte ein Kribbeln in seinem Bauch und er wusste nicht recht, wie er dieses Gefühl zuordnen sollte.

 

“Hallo? Erde an Bob?” meldete Justus’ Stimme sich plötzlich und Bob schreckte auf. “J-Ja? Was ist?”

 

“Ich wollte fragen, ob du nach dem Spiel noch Zeit hast, mit ins Dinner zu gehen.. Ist alles in Ordnung?” erwiderte der Erste mit einer gehobenen Augenbraue, musterte den Dritten besorgt.

 

Bob hoffte innerlich, dass seine Wangen nicht rot wurden als er schnell nickte und wieder aufs Feld sag. “Ja, klar!! Alles in Ordnung. Und natürlich hab ich Zeit. Ich hab ja nicht vergessen, dass unser Zweiter Pizza bestellen wollte”. Er spürte Justus’ Blick auf sich, bevor dieser sich wieder auf das Spiel konzentrierte, als ein plötzlicher Jubel dafür sorgte, dass Bob nicht mehr mit Fragen in die Mangel genommen wurde.

 

Peters Team hatte noch ein Tor erzielt. Bob sprang auf und jubelte, die Euphorie übernahm seinen Körper wieder und als er sah, wie Peter ihm entgegen blickte und strahlend zuwinkte, spürte er wieder dieses Kribbeln.

 

Verdammt, was war nur los?

 

Das Spiel schien vorbei zu sein und Peters Team hatte haushoch gewonnen.

 

Erst dieses Starren und dann das Kribbeln, wenn er ihn anlächelte…

 

Justus stand auf und zog Bob mit aufs Feld, damit sie gemeinsam ihren Freund zum finalen Sieg des Schuljahres gratulieren konnten.

 

Bob war klar, dass er bi war, aber das hieß doch noch lange nicht…

 

Er merkte nicht, wie der Zweite auf sie zukam und Bob in eine enge Umarmung zog.

 

Überrumpelt von der plötzlichen Nähe und der Mischung von Körperwärme, Peters durch Anstrengung noch schnellem Atem auf seiner Haut und seinem vertrauten Geruch war dem Dritten Detektiv plötzlich alles klar.

 

Fuck.

 

Er hatte sich verliebt.





I love you so..





Es war einige Tage her, seitdem Bob seine Gefühle realisiert hatte. Und wenn er ehrlich war, war der Dritte überforderter als er erwartet hatte.

 

Die kleinen Gesten und Witze zwischen ihm und Peter, die vorher noch unbedeutend waren, ließen ihn kurz erstarren und Bob musste sich manchmal anstrengen, nicht auffällig zu werden.

 

Bob war aber sicher, dass diese Verliebtheit unerwidert war und er musste sich zusammenreißen, bei diesem Gedanken nicht von einer Trauerwelle überschüttet zu werden.

 

Was ihm heute sehr schwer fiel, als Peter ihn und Justus auf eine Hausparty eines Klassenkameraden mitschleppte. Zuerst wollte er nicht mit und lieber still und heimlich in seinem Zimmer im Bett liegen und grübeln, aber nachdem Peter ihn mit den typischen Hundeaugen ansah, gab der Dritte schließlich doch nach.

 

Zu seinem eigenen Leidwesen, wie es sich herausstellte.

 

Das Haus war voll und der Bass der Musik vibrierte durch seinen Körper, aber Peter zog Bob mit sich zu den Getränken. Der Blonde sah hilfesuchend hinter sich, aber Justus war mittlerweile in den Garten verschwunden.

 

Na toll. Nun war er mit einem rasenden Herz und Peter in voller Partystimmung allein.

 

“Was machst du so ein Gesicht, Dritter? Komm, trink was!” rief Peter durch die laute Musik und die gröllenden Stimmen der Jugendlichen, die mitsangen, und drückte Bob den roten Plastikbecher in die Hand.

 

“Was ist das?” fragte dieser laut, aber anscheinend nicht laut genug, denn Peter beugte sich plötzlich nach vorne und war nurnoch wenige Zentimeter von Bobs Gesicht entfernt.

 

Oh Fuck.

 

“Was?” schrie er zurück. Bob atmete tief ein. Ruhig bleiben . “Was hast du mir da gegeben?” wiederholte er, laut genug damit auch Peter endlich verstand.

 

“Ach so. Nur ‘n Bier! Oder willst du lieber mit Tequila anfangen?” antwortete er und grinste belustigt. Bob rollte nur gespielt genervt mit den Augen.

 

Eigentlich war er nicht in Stimmung für Alkohol, aber eine Stimme in seinem Kopf überzeugte ihn, dass er seinen ganzen Gefühlsstress für diesen Moment einfach mal ertränken sollte.

 

Er kannte ja sein Limit und konnte aufpassen, dass er nicht übertrieb und sich verplapperte.

 

Also hob er den Becher für einen stillen Prost und kippte alles runter.

 

Dann folgte ein zweiter Becher. Und ein dritter.

 

Irgendwann hatte Peter in der Menge ein paar von seinen Surferkumpels entdeckt und sich schnell von ihm verabschiedet, um ihnen Hi zu sagen.

 

Bob sollte das nur recht sein, er brauchte diesen Augenblick von Abstand. Und Luft. Er überlegte, ob er im Garten nach Justus schauen sollte, aber ein kurzer Blick durchs Fenster verriet ihm, dass sein dunkelhaariger Freund mit jemanden in ein Gespräch vertieft war.

 

Worum auch immer es ging, Bob fühlte sich nicht danach, im leicht angetrunkenen Zustand einen Vortrag anhören zu müssen.

 

Und zum Glück musste er das auch nicht, denn neben ihm erschien ein Mädchen und hielt ihn ein Shotglas und ein Stückchen Zitrone hin. „Hey! Ich bin Tessa.“ stellte sie sich lächelnd vor. „Bob.“, antwortete der Dritte und erwiderte das Lächeln während er das Shotglas entgegen nahm. „Ist das etwa ne Wette und du musst mit irgendeinem Typen etwas trinken?“

 

Tessa lachte. „So in etwa. Wahrheit oder Pflicht“., Sie deutete mit einem Nicken zu dem kleinen Kreis von Jugendlichen, die sich in einer Ecke auf den Boden gesetzt hatten. Bob verstand sofort. „Aber ich konnte mir aussuchen mit wem. Und du sahst sympathisch aus“.

 

Bob lächelte und merkte gar nicht, wie er Peter für den Augenblick vergessen hatte. Er musste zugeben, dass Tessa dieser Goth-Look extrem gut stand und ihre langen, schwarzen Haare im Wolfcut machten sie echt attraktiv.

 

Und so durchzogen sie das Tequila-Ritual, lachten, als Bob sich fast verschluckte, und gingen dann gemeinsam zum Spielkreis zurück. Es war Bob noch nie schwergefallen, neue Freunde zu finden.

 

Zunächst hatte er sich nur mit ein paar Wahrheitsfragen aufgewärmt, denn für eine Pflichtaufgabe war er definitiv zu nüchtern.

 

Außerdem wollte er nicht mit irgendeiner Person rumknutschen, das würde nur in noch mehr Verwirrung und Beziehungsdrama enden. Davon hatte er genug Erfahrung.



Einige Stunden später merkte Bob, trotz betrunkenen Zustands, dass es nach Mitternacht war und er verabschiedete sich von der Gruppe, gab Tessa seine Nummer damit sie ihm ihre Playlist schicken konnte — denn sie hat einen echt verdammt guten Geschmack hat er gemerkt — und begab sich auf die Suche nach seinen Freunden.

 

Ein Blick in seine Nachrichten verriet ihm, dass Justus schon gegangen war. Es war zwar nicht typisch für den Ersten, dass er alleine ging, aber Bob vermutete, dass er ein Mädchen kennengelernt hatte.

 

Was solls , dachte er sich und suchte nach Peter.

 

Er verließ das volle Wohnzimmer und quetschte sich zur nebenliegenden Küche durch, wo er seinen Freund fand.

 

Der offensichtlich sturzbesoffen war und Arm in Arm mit Jeffrey zu irgendeinem Rap Song tanzte. Bob unterdrückte sein Lachen, schüttelte leicht den Kopf. Der Junge ist manchmal unmöglich..

 

Peter schien den Dritten bemerkt zu haben, denn er hielt plötzlich inne, ließ von Jeffrey ab und rief mit übertriebenem Enthusiasmus: „Booob!! Da biste ja!“

 

Als wäre seine Tonlage nicht auffällig genug, torkelte er zu seinem Freund rüber, der ihn tollpatschig auffing und anlächelte. „Peter, es ist spät. Lass nach Hause gehen.“ murmelte er, versuchte, Peter festzuhalten, denn dieser schien sich sehr an ihn zu lehnen.

 

Aber dieser war nicht so sehr von der Idee begeistert. „Ach kommmmm..“ nuschelte er und lehnte seinen Kopf an Bobs Schulter. „Noch paar Minuten, es hat so gut angefang‘!“ - „Zweiter, du bist stockbesoffen! Komm jetzt, es ist spät. Du kannst auch bei mir übernachten“.

 

Man konnte die Zahnräder in Peters Kopf rattern hören und tatsächlich knickte er ein. Der Sportler verabschiedete sich von seinen Kumpels und griff nach Bobs Hand und sie liefen zu ihm nach Hause.

 

Die kühle Nachtluft ließ Bob plötzlich ernüchtern und er realisierte, auf was er sich eingelassen hatte. Verdammt, das war so dumm von ihm Peter zu sich nach Hause zu schleppen. Aber er konnte ihn auch nicht einfach alleine da lassen.

 

„Bob“, murmelte Peter, er taumelte noch etwas, aber er schien sich noch kontrollieren zu können. „Wer war dieses Mädchen?“

 

„Hm? Ach so. Das war Tessa.“ erwiderte Bob.

 

„Die Goth aus dem Musikkurs?“

„Ja, die.“

 

„Habt ihr was am laufen?“ Bob zuckte bei der Frage zusammen. „N-Nein. Wir haben uns ja heute erst richtig kennengelernt.“ Verunsichert sah er zu seinem Freund auf.

 

„Aso… Dachte schon.“ nuschelte Peter, sein Blick wanderte verloren durch die Umgebung. Er hatte keine Ahnung, wo er sich befand. Bob leitete ihn zum Glück geduldig durch die Straßen.

 

Plötzlich blieb Peter stehen. Sein Freund drehte sich besorgt zu ihm um. „Alles gut Peter? Ist dir schlecht?“ fragte er, der Zweite schüttelte den Kopf. Nein, ihm ging es gesundheitlich gut.

 

„Dann komm.“ forderte Bob auf, wollte wieder seine Hand nehmen und ihn mitziehen, aber Peter dachte nicht dran. „Hast du schonmal n Jungen geküsst?“

 

Bob erstarrte. „Was?“ flüsterte er. Er traute sich nicht, Peter anzusehen.

 

„Ich hab geseh‘n wie du n‘ die andern da Wahrheit oder Pflicht gespielt hab‘n und…“ Er sprach nicht sofort weiter. Bob spürte, wie sein Gesicht sich wieder erhitzte. „Du sahst irgendwie süß aus.“

 

„Peter, hör auf.“ flüsterte Bob, aber sein Freund schien es nicht zu hören.

 

„Ich hab mich echt gefragt, wie es ist, dich zu küssen!“

 

Bob schluckte schwer. Er war wieder vollkommen nüchtern und es gefiel ihm garnicht.

 

„Peter-“ Tu mir das nicht an , wollte er sagen, aber sein Freund war nähergetreten. Er hielt Bobs Gesicht in seinen Händen und sah ihn lächelnd an. „Deine Augen erinnern mich wie das Meer an einem Sommertag. So schön blau, da kann man sich nur verlieren... frei fühlen…“ flüsterte er. Bob erschauderte als er seinen Atem auf seinen Lippen spürte. Peter wirkte nicht mehr so alkoholisiert und seine Stimme klang plötzlich so klar.

 

Seine Gedanken kreisten und seine Gefühle sorgten für ein Chaos je länger Peter ihn hielt. Ihm wurde schwindelig und am liebsten wollte er sich losreißen und schnell nach Hause gehen.

 

Aber als er Peters Lippen auf seinen spürte, war der Gedanke verflogen. Es war ein sanfter schüchterner Kuss, aber Bob fühlte sich zu schlecht um ihn zu erwidern. „Peter, du bist betrunken.“ flüsterte er mit zittriger Stimme, traute sich nicht die Augen zu öffnen und seinen Freund anzusehen.

Der machte aber keine Anstalten und küsste ihn nochmal. Bob überwand sich den Kuss ganz kurz zu erwidern, bevor er sich von Peter löste und dessen Hände von seinem Gesicht entfernte. „Wir reden darüber, wenn du wieder nüchtern bist, okay?“ flüsterte er und Peter nickte langsam. „Sorry..“ erwiderte er nur. Er schien in seinem Zustand nicht zu bemerken, was er in Bob auslöste oder gar was er überhaupt da tat.

 

„Los, es wird kalt. Gehen wir heim.“ Bob nahm zögerlich seine Hand und lächelte. Peter erwiderte das Lächeln und folgte ihm stumm.

 

Der Spaziergang nach Hause schien für Bob elend lang zu gehen, aber innerhalb weniger Minuten waren sie angekommen und in sein Zimmer geschlichen.

 

Der Dritte Detektiv half seinem Freund sich bettfertig zu machen, stellte ihn zur Sicherheit einen Mülleimer hin und legte sich neben ihm ins Bett. Es war durch die vielen Fälle mittlerweile normal geworden in einem Bett gemeinsam zu schlafen, aber diesmal pochte Bobs Herz besonders laut.

 

Er konnte einfach nicht fassen, was passiert war.

 

„Hör auf so viel nachzudenken…“ nuschelte ein müder und noch immer leicht angetrunkener Peter neben ihn. Anscheindend hatte er ihn von der Seite beobachtet. Bob wollte ihn auffordern, einfach schlafen zu gehen, aber Peter richtete sich auf und beugte sich über ihn.

 

„Ich kann deine Gedanken bis hierhin hören.“, er beugte sich zu seinem Freund runter bis sich ihre Nasenspitzen berührten. „Und mittlerweile bin ich nüchtern genug um dir zu sagen, dass ich das eben ernst meinte. Also, gib mit diesen einen Moment, okay?“

 

Er sah in Bobs Augen als würde er in ihnen nach einem Hinweis für etwas suchen, dann verringerte er den Abstand zwischen ihnen und küsste Bob erneut. 

 

Es brauchte ein paar Sekunden, bis dieser sich endlich beruhigte und seine Arme um Peters Hals legte und ihn näher zogen. Ihr Kuss war anfangs etwas tollpatschig und hastig, aber sie fanden schnell ihren Rhythmus.

 

Bob wusste, dass dieser Moment eine Menge Konsequenzen in naher Zukunft mit sich bringen würde, aber jetzt wollte er nur diese eine Chance genießen. Und Peter schien ihn das andere nicht mal in Erwägung ziehen zu lassen als er mit einer Hand sanft Bob‘s Shirt anhob und über deine Taille strich.






I love you so..





Eine Woche war vergangen, seit sie sich nach der Party auf Bobs Bett geküsst hatten. Und Bob stand seit dem Tag komplett unter Spannung.

 

Sie hatten seitdem kein richtiges Gespräch darüber gehabt, jedes mal funkte etwas oder jemand dazwischen und sie verschoben es auf einen anderen Tag. Aber mit der Zeit wurde Bob irrer.

 

Er tauchte seltener in der Zentrale auf, aus Angst, er würde Peter treffen und für eine unangenehme Stimmung sorgen. Justus hatte natürlich sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmte, aber so schnell wollte Bob nicht mit der Sprache rausrücken. Nicht ohne Peters Einverständnis.

 

Und so lag er wieder in seinem Bett und starrte Löcher in die Decke und musste erneut über den Kuss nachdenken. Er meinte ihn immernoch ein wenig zu spüren, wenn er seine Augen schloss und intensiver drüber nachdachte und das Kribbeln in seiner Brust machte sich wieder breit.

 

„Verdammt!“ rief er plötzlich fristriert und drückte sein Kissen gegen sein Gesicht. Er schrie alles an aufgestauten Emotionen in das Kissen und schmiss es daraufhin ins andere Eck seines Zimmers.

 

Er musste raus. Er musste mit Peter reden.

 

Ein Blick auf sein Handy verriet ihm, dass bald Abend war und so machte er sich schnell fertig, rannte die Treppen runter und verabschiedete sich flüchtig von seinen Eltern bevor er dein Fahrrad schnappte und losfuhr.

 

Sein erstes Ziel war der Schrottplatz.

 

Hastig schlüpfte er durch das Grüne Tor und bahnte sich durch den ganzen Schrott zur Zentrale. Er hielt kurz inne bevor er hineinging. Von innen war keine Stimme zu hören, also war die Zentrale leer, oder jemand hielt sich alleine auf. Bob überlegte, ob er doch lieber umkehren sollte, gab sich aber doch einen letzten Ruck und stieg ein.

 

Als er die Klappe schloss, sah er Peter bei der Küchenzeile, der grade einen Tee kochte. „Hey.“ begrüßte er ihn mit einem ruhigen Lächeln. Als hätte er ihn erwartet.

 

„Hey. Wo ist Just?“ fragte Bob und sah sich suchend um. Er fühlte sich, als wäre er in eine Falle getappt.

 

„Oh, der ist mit Titus Tante Mathilda ins Krankenhaus gefahren. Die arme ist beim Wäsche aufhängen unglücklich gestürzt und muss nun untersucht werden.“ erwiderte Peter. Er schien besorgt. Bob schluckte. „Au weia. Ist es schlimm?“

 

Peter schüttelte den Kopf. „Glaub nicht. Vermutlich wird sie sich für ein paar Tage ausruhen müssen… Wo warst du eigentlich in letzter Zeit?“

 

Bob spürte einen Kloß in seinem Hals. Fuck, so schnell wollte er doch garnicht zum Thema kommen. „Ich.. Ich brauchte etwas Auszeit… Freie Luft, du weißt schon, nach der Party..“ Er klang plötzlich nicht mehr so selbstsicher und am liebsten würde er sich vor Scham einfach in Luft auflösen.

 

Peter nickte stumm. Er schien selber über etwas nachzudenken. Bob wollte die Stimmung nicht noch mehr kippen lassen, also schwieg er und sah seinen Freund verunsichert an.

 

„Tut mir leid, falls du dich wegen mir unter Druck gefühlt haben musst.“ meinte Peter plötzlich und seufzte. Bob lächelte leicht. „Das habe ich nie. Ich war nur überfordert. Ich hab nur nicht erwartet, dass du.. naja.“, ihm würde plötzlich wieder warm. „ mich küssen würdest .“

 

Peter antwortete nur mit einem leisen Lachen. „Ja, verständlich.. Trotzdem hat diese Aktion hat so einiges verursacht. Selbst Justus beginnt langsam 1 und 1 zusammenzuzählen!“

 

Bob musste bei der Vorstellung schmunzeln. „Wie lang wusstest du das eigentlich?“ fragte er. Peter sah auf.

 

„Was denn?“

„Naja, das mit deiner Sexualität.. und deinen Gefühlen. Du hast mir nie ein bisschen was davon erzählt.“

 

Peter legte vor Lachen den Kopf in den Nacken. „Ach das! Naja, eigentlich wusste ich schon ziemlich lange, dass ich nicht unbedingt hetero bin, auch schon in meiner Beziehung mit Kelly. Natürlich war es mir damals nur noch nicht ganz bewusst, aber..“, er sah zur Seite und unterdrückte ein weiteres Lachen. „…als ich mich mit ihr getrennt habe, hatte ich ein echt hilfreiches Gespräch mit Jeffrey gehabt. Über mein ganzes Gefühlschaos und meine Verwirrung. Irgendwie hat sich dann meine Erkenntnis ergeben!“

 

Bob staunte nicht schlecht. Die Trennung mit Kelly lag eine ganze Weile zurück und er hatte nichts von Peters innerem Kampf bemerkt. „Und das mit den Gefühlen…“, fuhr Peter fort während er langsam auf Bob zuging und die Hände auf dessen Hüften legte.

 

„Das habe ich etwa einen Monat vor meinem großen Spiel realisiert, als ich gemerkt habe, wie süß du beim Lernen aussahst.“ Und mit einem leichten Grinsen näherte er sich Bobs Gesicht und küsste ihn sanft. Bob erwiderte schüchtern, er war zu überfordert um mehr Leidenschaft reinzubringen, aber er mochte das hier.

 

Peter löste sich von ihn und lehnte seine Stirn gegen Bobs und flüsterte: „Was hälst du davon, wenn ich dich morgen Abend auf ein Date entführe, hm? Nur wir beide“.

 

Bob legte die Hände auf Peters Schultern und lächelte. „Sehr gerne. Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen.“ flüsterte er und zog Peter wieder zu sich runter, küsste ohn erneut. Diesmal störte ihn ihr Größenunterschied nicht. Im Gegenteil, er fühlte sich wohl und beschützt.





I love you so. (Please let me go)





Monate war es her, seit Bob und Peter ihr erstes Date hatten und ohne es zu übertreiben - es lief gut bei ihnen. Justus wusste auch sehr früh Bescheid und auch wenn er anfangs seine Bedenken hatte, freute er sich für seine Freunde umso mehr. Auch wenn es bei Fällen durch ihre Beziehung einige Schwierigkeiten gab, hatten sie immer eine Lösung gefunden. Dieses Glück hatten die drei schon immer.

 

Die Ferien waren schon längst vorüber und Bob lang entspannt in Peters Bett während dieser seine Sporttasche für das Training packte. Morgen war wieder ein großes Spiel und der Zweite strahlte nur vor Aufregung.

 

„Kommst du morgen zum Spiel?“ fragte Peter, obwohl er die Antwort eigentlich schon längst wusste. Er setzte sich zu seinem Freund auf die Bettkante und sah lächelnd auf ihn herab.

 

Dieser nahm nur grinsend seine Hand und zog ihn zu sich. „Natürlich komme ich. Ich bin doch den Nummer 1 Fan.“ raunte er liebevoll und gab zur Bestätigung ein leichtes Drücken in Peters Hand. Der konnte nicht mehr aufhören zu grinsen. „Ich liebe dich.“ flüsterte er und zog Bob näher zu sich, vergrub ihn unter seinen Küssen auf dem ganzen Gesicht.

 

Bob lachte auf. „Peter hör auf! Das kitzelt!“ keuchte er und versuchte vergeblich den Sportler von sich wegzuschieben. Peter machte keine Anstalten, über das Aufhören nachzudenken. Stattdessen bewegten sich seine Küsse weiter runter auf Bobs Hals und Schulter und bevor der Dritte sich versah, spürte er, wie Peter ihm einen Knutschfleck verpasste.

 

Bob schaffte es noch, ein Keuchen zu unterdrücken, aber als er nun Peters Hände auf seiner Taille und seine Zähne auf seiner Haut spürte, musste er eingreifen.

 

„Nicht jetzt.“, hauchte er und drückte Peter von sich weg, der ihn anschmollte. Bob legte die Arme um seinen Hals. „Dafür haben wir nach dem Training den ganzen Abend Zeit, versprochen.“

 

Das überzeugte Peter, denn er grinste seinen Freund an, gab ihn einen intensiven Kuss auf die Lippen bevor er sich von ihm löste und aufstand. „Na dann möchte ich dich nicht weiter aufhalten. Training beginnt sowieso bald und ich muss mein Auto noch tanken.“ sagte er und schwang seine Sporttasche über seine Schulter. Bob folgte ihm zur Tür, er müsste schließlich auch bald los.

 

Doch bevor Peter ihm entfliehen konnte, hatte Bob plötzlich das Bedürfnis, ihn ein letztes Mal zu umarmen. Er wusste nicht warum, sie taten das schließlich täglich, aber diesmal war das Bedürfnis wieder stärker.

 

Und so schlang er seine Arme um Peters Körper von hinten und kuschelte sich an seinen Rücken, als dieser in der Türschwelle stand. „Huh?“ entgegnete dem Zweiten Detektiven und kicherte leise. „Bob, komm, lass mich.“ forderte er gespielt genervt auf, aber sie beide wussten, dass da eine Menge Liebe sich dahinter verbarg. „Aber ich liebe dich so….“ murmelte der Kleinere von ihnen in den Stoff von Peters Jacke.

 

Er wollte noch nicht loslassen, er wollte diese Berührung noch ein wenig genießen.

 

Peter grinste und drehte sich in der Umarmung zu Bob, hob dessen Kopf und gab ihn einen Kuss auf die Stirn. „Komm schon, Dritter. Lass mich los, du hast ja selbst gesagt, wir haben später genug Zeit.“ Seine Stimme klang so anders, wenn er sanft sprach und Bob ließ ihn endlich los. „Na gut.. Ruf mich an, wenn du fertig bist, ja?“ erwiderte er und Peter beantwortete dies mit einem Nicken.

 

Dann verabschiedete er sich und lief zu seinem MG.





I love you so. (Please let me go)







Bob wusste nicht, wie und wann er eingeschlafen war, aber er wachte mit stechenden Kopfschmerzen auf. Die Welt um ihn drehte sich und er brauchte ein wenig, bis er sich in seinem Zimmer wiederfand. Obwohl der Raum seit Kindheit an ein vertrauter Ort war, fühlte er sich fremd.

 

Er schob die Schuld auf die Tage, die er in letzter Zeit so oft bei Peter verbracht hatte. Natürlich war er auch bei ihm, aber seit die beiden zusammen waren, gingen sie gerne öfters aus oder übernachteten spontan bei Peter oder in der Zentrale.

 

Und trotzdem hatte Bob das Gefühl, er hatte was verpasst. Mit einem schneller Blick auf die Uhr merkte er, dass Peter mit dem Training schon fertig sein musste und nahm sein Handy vom Nachttisch. Aber es ging nicht an. „Nanu… Wahrscheinlich leer…“ murmelte er verwundert und schloss es an das Ladekabel an. Während er drauf wartete, dass sein Handy wieder ansprang, schaltete er den Fernseher auf seiner Kommode an. Um diese Uhrzeit fingen üblich die Rocky Beach News an.

 

Normalerweise passierte nicht viel in diesem verschlafenen Städtchen, wenn die drei Fragezeichen keinen Fall lösten, aber es schadete nie, auf dem neuesten Stand zu sein.

 

Die Moderatorin auf dem Bildschirm begrüßte die Zuschauer mit einem Lächeln und fing mit den typischen Vorprogramm an, bevor es zu den ernsteren Themen kam. Bob bekam aber davon kaum was mit, seine Gedanken schweiften zu Peter und dem morgigen Date ab. Was er wohl anziehen sollte?

 

Doch die Aufmerksamkeit des Dritten wurde schnell in die Realität zurückgeholt und er starrte gebannt auf den Fernseher, als die Moderatorin weitersprach:

 

„Und nun zu den ernsteren Themen des Tages. Auf der Hauptstraße in der Nähe der Rocky Beach Highschool ereignete sich am späten Nachmittag ein schwerer Unfall mit Todesfolge. Ein schwarzer Mercedes war anscheinend mit zu hohen Tempo in einen roten MG reingerast und verursachte den Unfall. Beide Autofahrer starben vor Ort, es wurden keine weiteren Personen verletzt. Zeugen sagten aus, dass der Mercedesfahrer betrunken an Steuer gesessen hatte und die Geschwindigkeit unterschätzt haben sollte. Die Identität des Opfers sowohl Ermittlungsergebnisse werden folgen. Kommen wir nun zum nächsten Thema…“.

 

Doch Bob hörte schon gar nicht mehr zu. Sein Herz war bei der Erwähnung des MGs in die Hose gerutscht und er fühlte sich schlecht. Es war doch nicht Peter, oder? Er war ja nicht der Einzige, der einen roten MG fuhr, es war ja ein gewöhnlicher Wagen.

 

Bob merkte, wie übel ihm wurde und er zu hyperventilieren anfing. Er wollte es nicht glauben. Er merkte, wie mittlerweile sein Handy angeschaltet war und stürzte sich panisch auf das kleine Gerät, versuchte es mit zittrigen Händen zu entsperren.

 

Er hoffte auf einen verpassten Anruf von Peter nach dem Training. Er hoffte auf eine Nachricht, ein Lebenszeichen, irgendetwas, das bewies, dass es ihm gut ging. Dass er nicht der verunglückte Autofahrer des MGs war.

 

Stattdessen fand er nur eine Menge verpasste Anrufe von Justus und seinen Klassenkameraden. Und eine verdammte Explosion an Whatsapp-Benachrichtigungen. „Nein..“ flüsterte er. Panik brach in ihm auf.

 

Er ließ das angeschlossene Handy fallen und stürzte aus seinem Zimmer Richtung Bad. Zum Glück erreichte er rechtzeitig die Toilette und übergab sich. Es dauerte auch nicht lange, dann war die Panik-Übelkeit auch wieder fort.

 

Bob richtete sich quälend langsam auf, zog sich zum Waschbecken und frischte sein Gesicht mit Wasser auf. Er wagte es nicht einmal sich im Spiegel zu betrachten.

 

Unsicher sah er vom Badezimmer zu seiner Zimmertür zurück. Vielleicht war alles auch nur ein Irrtum und er schub unnötig Panik. Ein einfacher Anruf würde alles bestätigen.

 

Zögernd verließ Bob das Bad und schlurfte zu seinem Zimmer, hielt an der Tür inne. Er hörte im Erdgeschoss die Stimmen seiner Eltern, sie waren in einer Diskussion verwickelt und schienen aufgebracht zu sein. Fuck, das konnte er sich nicht geben. Nicht jetzt.

 

Hastig verschwand Bob in seinem Zimmer und schloss die Tür. Sein Kopf brummte noch immer und er nahm eine Schmerztablette, bevor er wieder an sein Handy ging und nervös Peters Nummer wählte. Er wartete. Und Peter ging nicht ran.

 

Bob merkte das, als er das Handy in der Tasche der Collegejacke klingeln hörte, die er von Peter am Nachmittag zum Spaß geklaut hatte, als er selber nach Hause gelaufen ist. Der Idiot hatte tatsächlich sein Handy vergessen.

 

„Okay, Bob. Ruhig bleiben.“ flüsterte er sich selbst zu und wählte als nächstes Justus‘ Nummer. Dieser ging zum Glück sofort ran. „Bob?“

 

Der Dritte Detektiv seufzte erleichtert auf. „Gott, Justus, Himmel sei Dank, dass du wenigstens rangehst! Wo bist du?“ fragte er, seine Stimme noch zittrig von der Panikattacke. Er merkte schnell, wie aufgeregt Justus‘ Stimme eigentlich klang, als er sprach. „Ich war grade auf dem Weg zu dir. Du hast es schon gehört, nehme ich an?“

 

Bob schluckte. Er wollte nicht antworten, seine Kehle war wie zugeschnürt. Er spürte, wie Tränen sich in seinen Augen bildeten und seine Wangen runter rollten. „Du hast Peter also nicht gesehen?“ flüsterte er. Justus verneinte. „Bleib in deinem Zimmer, ich bin gleich bei dir.“ sagte er stattdessen und legte auf.

 

Bob wusste nicht recht, ob er Justus grade bei sich haben wollte. Er war zu überfordert. Aufgewühlt. Er entschied sich dagegen, die Nachrichten zu lesen oder zu beantworten, stattdessen schaltete er es komplett aus und wie in Trance verließ er sein Zimmer, die Treppe hinab auf dem Weg in die Küche.

 

Wo seine Eltern am Küchentisch mit den Shaws und Inspektor Cotta saßen.

 

Ohne Peter.

 

Bob spürte erneut, wie sein Herz sank und er meinte fast, es wäre für eine Sekunde stehengeblieben. Sein Blick war zuerst auf die Shaws gerichtet. Mrs Shaw heulte leise, seine eigene Mutter streichelte ihr sanft den Rücken. Auch Mr Shaw kämpte mit den Tränen. Dann glitt sein Blick zu seinen eigenen Eltern. Seine Mutter hatte ebenfalls Tränen in den Augen. Er merkte nicht, wie sie plötzlich aufstand und zu Bob rannte und ihn fest in den Arm nahm. Die Mimik seines Vaters konnte Bob nicht zuordnen.

 

Als Bob schlussendlich zu dem Inspektor sah und die kleine versteckte Träne in dessen Auge entdeckte, wusste er sofort was Sache war.

 

„Nein. Nein..!“ flüsterte er kopfschüttelnd. Einen lauteren Ton konnte er nicht von sich geben, obwohl er am liebsten schreien würde.

Cotta stand nur mühevoll auf und trat auf Bob zu, zog in seine warme und schützende Umarmung. „Es tut mir leid, Bob. Aber Peter war nicht mehr zu retten.. Der Mercedes ist in die Fahrerseite des MGs gekracht“.

 

Und diese Worte vom Inspektor zu hören, die Gesichter seiner und Peters Eltern zu sehen fühlte sich an, als hätte man Bob mehrfach in den Bauch gestochen.

 

Als der Inspektor im aber eine Visitenkarte einer Therapeutin reichte, brach er zusammen.

 

Er bemerkte sein eigenes Umfeld nicht mehr. Merkte nicht, wie seine Mutter schützend ihre Arme um ihn legte. Merkte nicht, die der Inspektor ihn ermutigend auf die Schulter klopfte und etwas zumurmeln zu versuchte, ohne selbst die Kontrolle zu verlieren. Merkte nicht, wie die Shaws das Haus verließen.

 

Und er merkte nicht, wie die Haustür geklingelt hatte und Justus eingetreten war. Erst, als der Erste Detektiv in der Küche eintrat und sich zu ihm hinkniete, schien Bob ihn etwas wahrzunehmen. Mit verheulten Augen und bebender Stimme brachte er nur mühevoll ein verzweifeltes „Justus..“ heraus, bevor die Welt um ihn sich drehte und er das Bewusstsein verlor.






I love you so. (Please, let me go.)






Anderthalb Wochen war es nun her. Bob war seit dem Tag nicht mehr zur Schule gegangen und er hatte es auch in nächster Zeit nicht mehr vor. Er lag wie auch die restlichen Tage zuvor im Bett und starrte ins Nichts.

 

Er wusste nicht wirklich, ob er Peter‘s Tod mittlerweile realisiert hat oder noch in der Ablehnungsphase war. Insgeheim wünschte er sich natürlich, Peter wurde durch die Tür oder das Fenster in sein Zimmer kommen und den ganzen Trubel als Missverständnis aufklären.

 

Aber ihm war klar, dass das nicht geschehen würde. Und diese Erkenntnis tat ihm so verdammt weh.

 

Bob kämpfte erneut mit den Tränen und vergrub sein Gesicht ins Kissen. Er trug Peters Collegejacke, seine Eltern hatten ihm erlaubt, diese zu behalten. Sie roch noch ein wenig nach dem Deo, dass er immer nach dem Sport benutzte und auch Peters eigener Geruch war ein wenig herauszuerkennen.

 

Bob bekam ab und zu Besuch, von seinen Eltern, die ihn aber den Abstand gewährleisteten. Von gemeinsamen Freunden von Peter, besonders Jeffrey. Auch wenn Bob ihn anfangs nicht wirklich leiden konnte, war Jeffrey ein lieber Kerl der Surfen genauso sehr liebte wie ihr Freund. „Tut mir leid, dass ich früher so ein Arsch zu dir war.“ Hatte Bob ihm gesagt, als sie ein kurzes, aber aufklärendes Gespräch miteinander hatten.

 

Jeffrey hatte ihm Geschichten mit Peter erzählt, die Bob noch gar nicht kannte. Und auch von der Identitätskrise, die er nach der Trennung von Kelly durchlitt und seine Ängste, Bob würde seine Gefühle nicht erwidern. Aber Jeffrey hatte ihn damals ermutigt, auf ihn zuzugehen. Hinweise zu geben oder direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Und irgendwie war Bob doch froh, dass Jeffrey für Peter da gewesen sein konnte. Als dieser dann aufstand, um zu gehen, fischte er eine kleine Kette aus der Hosentasche und drückte sie Bob in die Hand. „Peter hatte die mal bei mir vergessen“ hatte er gemurmelt bevor er ihn müde angelächelt und das Zimmer verlassen hatte.

 

Bob hatte verwundert die Kette angesehen. Es war eine typische Surferkette aus einem Lederband mit einem kleinen, aber dicken Haifischzahn, dekoriert mit wenigen Holzperlen. Der Dritte musste schmunzeln und verdrehte die Augen. Natürlich kaufte Peter sich sowas, was auch sonst. Surfen war nun mal sein Leben gewesen.

 

Auch mit Kelly hatte er ein inniges Gespräch. Es war etwas holprig am Anfang, aber da sie gemeinsam über Peter sprachen, konnten sie das Kriegsbeil begraben und miteinander reden. Bob hatte ihr sogar Tee eingeschenkt und Kelly war sanfter, als er je erwartet hätte. Und auch wenn die Trennung schon lange zurücklag, sah Bob in ihren Augen, wie viel der Verlust ihr zu schaffen machte. Auch sie hatte die letzten Tage die Schule geschwänzt und sich für ihr Bett entschieden. Peter und sie waren schon vor und nach ihrer Beziehung gute Freunde geblieben. Wahrscheinlich hatte er auch bei ihr immer wieder Rat gesucht. 

 

Justus kam immer wieder zu Besuch vorbei und obwohl Bob an manchen Tagen lieber allein war, war ihm auch bewusst, dass er Justus unmöglich alleine lassen konnte. Er hatte einen seiner beiden besten Freunde verloren, und Just hatte nun mal nicht viele enge Kontakte oder Freundschaften.

 

Und insgeheim war Bob auch froh, dass ihr Erster ihn den Abstand nicht gewährte, den er gerne schnell aufforderte. Er war froh darüber, dass Justus und er stundenlang Arm in Arm im Bett liegen und nichts sagen konnten. Die Koexistenz des Anderen reichte ihnen vollkommen aus. Kurze Gespräche und auch Zusammenbrüche waren Normalität in dem kleinen Raum geworden.

 

Er hatte auch nichts dagegen, wenn Justus bei ihn spontan übernachtete. So konnten sie sich bei plötzlichen Panikattacken oder sonstigen Problemen helfen.

 

Und trotzdem war Bob an dem Tag wieder komplett allein. Er hatte sich wieder dazu bewegt, etwas von den Pfannkuchen, die seine Mutter ihm ins Zimmer gebracht hatte, zu essen. Damit konnte er zumindest seinem Magen und dem Blutzucker was gutes tun.

 

Bobs Blick wanderte beim Essen über die vielen Fotos an seiner Wand, die er über die Jahre hinweg aufgehangen hatte. Das hatte er die letzten Tage oft gemacht. Viele Bilder waren aus ästhetischen Gründen aufgehängt worden - Bilder von den Rosen in ihrem Garten, Sonnenuntergänge, Landschaftsfotographien. Und dann gab es Fotos mit seinen Freunden.

 

Fotos mit Justus, Peter und ihm am Strand, Fotos von ihnen auf dem Schrottplatz, als sie klein waren und das Detektivbusiness noch nicht so ernst genommen hatten wie heute. Fotos von Hausparties, die sie geschossen hatten. Fotos von ihrem Ausflug nach Indien, als sie in den Bergen nach dem Tempel der Gerechtigkeit gesucht hatten. Fotos von ihrer Europareise, wie in Italien im Fall „Schattenmänner“, als in Rom vor ihnen ein Überfall stattgefunden hatte, oder in London, wo sie einen Diamantenschmuggel aufgedeckt hatten.

 

Bob seufzte. Sie hatten so viele Fälle gemeinsam gelöst und trotzdem fühlte es sich an, als hätte man zu früh den Schlussstrich gezogen. Es war alles andere als fair, Peter hatte eine Menge vor sich gehabt. Er war Schüler, bereit für ein Stipendium in einem College mit dem Schwerpunkt Sport, er war Teamcaptain geworden, er war der Zweite Detektiv der drei Fragezeichen. Aber er war auch nicht nur sein fester, sondern auf sein und Justus‘ bester Freund gewesen.

 

Sein Blick wich von den Fotos auf den Anzug, der an seiner Schranktür hing. Morgen war die Beerdigung und er wusste nicht, ob er sich bereit fühlte. Natürlich war er das nicht, keiner von ihnen war es, aber er musste es durchstehen. Für sich, für die Shaws und auch vorallem für Justus.




Bob dachte, er fühlte sich am schrecklichsten, als er die Nachricht überliefert bekommen hatte. Aber er hatte sich irre getäuscht. Die Beerdigung setzte einiges drauf. Er war kaum in der Lage, die anderen Trauernden zu begrüßen, selbst Justus registrierte er nur mit einem flüchtigen Blick.

 

In seiner rechten Hand hielt er eine Rose, für Peter, seine linke Hand wurde von Justus zur Ermutigung gehalten. „Ist es okay, wenn du mit mir da vorgehst?“, flüsterte Bob das erste mal seit Stunden. „Ich glaub ich schaff es nicht alleine.“ Und obwohl Justus erstmal zögerte, nickte er und sie liefen gemeinsam zum geöffneten Sarg. Er wusste, er würde es bereuen, wenn der Peters friedliches Gesicht sah, aber er wusste auch, dass er es bereuen würde, wenn er nicht vortrat. 

 

Und trotzdem fühlte sich der Anblick wie ein Schlag in die Magengrube an.

 

Das war das zweite Mal, dass Bob einfach zusammenbrach und heftig weinte, bis er drohte umzukippen.






I love you so. (Please, let me go..)






Monate waren seit der Beerdigung vergangen. Bob hatte sich endlich wieder in die Schule getraut. Er hatte sich fremd gefühlt und die mitleidigen Blicke seiner Mitschüler halfen nicht im Geringsten. Aber er konnte zumindest ein paar Kontakte wieder aufbauen, nachdem er sich ewig lange nicht mehr blicken lassen hatte.

 

Auch wenn seine schulische Leistung den Bach herunterging, war Bob nicht sehr daran interessiert, besser aufzupassen oder zu lernen. Es fiel ihm einfach zu schwer. Natürlich hatte seine Therapeutin ihm Tipps gegeben, wie er seine Depressionen mit der Schule und dem Alltag kompensieren konnte, aber er fürchtete, er sei zu tief gefallen, um komplett rauskommen zu können.

 

Und so war Bob vom Schreibtisch aufgestanden, klappte sein Matheheft zu und setzte sich Kopfhörer auf. Er musste weg. Egal was er tat, es gab keinen Sinn mehr. Ohne weiter drüber nachzudenken streifte er sich einen von Peters Hoodies, die er vergessen hatte, zurückzugeben, über und nahm seine wichtigsten Sachen in die Hand, ehe er das Haus verließ.

 

Seine Eltern waren bei der Arbeit, also musste er ihnen nichts erklären.

 

Die Abendsonne färbte den Strand in einem tiefen Rot als Bob die Küste erreichte und endlich stehen blieb. Seine Beine hatten ihn von selbst dahin getragen und ehe er merkte, hatte er sich auf einen der Felsen gesetzt und in den Horizont gestarrt.

 

Peter liebte den Sonnenuntergang. Er hatte Bob am Ende ihres ersten Dates hierher gebracht und die letzten Abendstunden mit ihm verbracht ehe sie nach Hause gefahren sind. Damals waren sie in der Öffentlichkeit noch nicht zu selbstverständlich mit ihrer Beziehung umgegangen. Damals waren sie noch etwas versteckter. Nichtmal Händchen hatten sie gehalten, sondern lediglich eine kleinen Finger überkreuzt. Diese kleine unscheinbare Geste war schon immer ein stummer Sicherheitsanker für sie gewesen, egal wie brenzlich die Situation war. Wenn Peter Angst bekommen hatte, hatten sie sich an den kleinen Fingern gehalten als Zeichen, dass er nicht mehr alleine war.

 

Bob sah auf seine Hände. Seine Fingerspitzen waren eiskalt von der kühlen Abendluft und dürrer von seinem Essverhalten geworden, aber er arbeitete an sich. Peter hätte das so gewollt, das sprach er sich zur Motivation zu.

 

Aber Peter war nicht hier und so lehnte Bob sich zurück und kämpfte erneut mit den Tränen. Er hatte gar nicht gemerkt, wie dunkel der Strand mittlerweile war und wie eine andere Person sich ihm genähert hatte.

 

„Andrews?“ hörte Bob hinter sich jemand sagen und dieser schreckte auf. Er kannte die Stimme zu gut. Genervt rollte er mit den Augen und sah auf das dunkle Wasser. „Verpiss dich, Skinny. Deine dummen Kommentare sind das Allerletzte, was ich gebrauchen könnte.“ fauchte er. Skinny hob nur abwehrend die Hände.

 

„Ich bin doch gar net deswegen hier, du Trottel.“ erwiderte der ältere Junge nur und lies sich trotz Bobs scharfer Abfuhr neben ihm auf den Boden nieder. Bob hatte auch keine weitere Energie, um ihn davon zu scheuchen.

 

Hier mit Skinny seelenruhig am Strand zu sitzen und ins Weite zu starren erinnerte ihn an die Zeit, die er bei den Campern verbracht hatte. Natürlich war die Manipulation von Skinny eine beschissene Aktion gewesen, aber er konnte nicht verneinen, dass sie auf irgendeine Art und Weise seitdem befreundet waren.

 

Skinny räusperte sich und zum ersten Mal seit langer Zeit sah Bob ihm ins Gesicht. Sein eigentlicher Erzfeind hatte nicht dieses höhnische Grinsen auf seinen Lippen, dass er sonst immer trug. Nein, im Gegenteil, er zündete sich mit finsterer Mimik eine Zigarette an und Bob meinte fast zu glauben, dass hinter den dunklen nüchternen Augen etwas Trauer zu sehen.

 

„Das mit Shaw tut mir leid. Echt jetzt. Ich weiss, ich war kein guter Kumpel von euch oder sonst was, aber seinen besten Freund zu verlieren ist hart.“ murmelte er, seine Finger spielten mit der Zigarette in seiner Hand. Dann sah er zu Bob und reichte sie ihm stumm rüber und obwohl dieser eigentlich nicht rauchte, nahm er sie an. Er fühlte sich zu taub, um sich von dem Ekel des Rauches stören zu lassen.

 

Und Bob war bewusst, dass jedes Wort, dass Skinny zu ihn sprach, voller Ernst war. Er kaufte es ihm ab. Er kannte Skinny zwar nicht gut genug, aber er wusste, dass der ältere Junge schon mit vielen Verlusten zu kämpfen hatte und deswegen wahrscheinlich auch auf die schiefe Bahn geraten war.

 

„Danke.“ murmelte er schließlich und lehnte den Kopf nach hinten. Er fühlte sich taub, fast nicht existent. Anscheinend hatten die verschriebenen Medikamente tatsächlich endlich angefangen, Wirkung zu zeigen.

 

„Bist du high?“ fragte Skinny als er Bob ein wenig verwirrt musterte. Bob musste lachen. Ihn durchlief ein Karussell an Emotionen und trotzdem war er leer. „Ja.. Hab glaub paar Tablettenzu viel geschluckt. Die sind härter als ich erwartet habe.“ flüsterte er und lachte. Eigentlich war ihm nicht zu lachen zumute, aber es musste raus.

 

Skinny sah ihn nur entgeistert an. „Du bringst dich aber jetzt echt net um, Andrews oder? Das kannst du doch nicht bringen!“ fuhr er ihn erschrocken an, hielt aber dann inne. So emotional aufbrausend war er eigentlich nicht.

 

Bob reagierte nicht. „Und Jonas? Was ist mit dem? Hast du darüber nachgedacht?“ hakte Skinny nach und beobachtete, die Bobs Miene von Sekunde zu Sekunde trüber wurde. Fuck. Der Junge hatte tatsächlich abgeschlossen.

 

„Hör mir zu du Idiot. Nur weil du mein nerviger Erzfeind bist und jemand wichtiges verloren hast, heisst es nicht, dass ich dich am Strand verrecken lasse, okay?“ Seine Stimme war rau und Bob fühlte sich, als hätte man mit einem Stein auf seinem Kopf geschlagen.

 

Ihn wurde übel. „Skinny..“, flüsterte er atemlos bevor er diesem seine Zigarette in die Hand drückte und langsam aufstand. Er musste weg. Die Medikamente zeigten endlich auch die Nebeneffekte. Skinny, komplett überfordert von der Entwicklung, beobachtete nur wie Bob zum nächsten Gebüsch rannte und sich übergab ehe er zusammensackte und ohnmächtig wurde. Der ältere Junge legte prüfend zwei Finger auf den Hals und schüttelte verständnislos den Kopf, als er einen schwachen Puls spürte.

 

„Du bist echt ein Idiot, Stan.“ murmelte er und trug ihn zurück zum Felsen, wo er ihn hinsetzte, sich neben ihn gesellte und eine letzte Zigarette rauchte.

 

Er bezweifelte, dass das gut enden würde. Einen Krankenwagen zu holen wäre sinnlos, darüber war er sich im Klaren. Die hohe Dosis war viel zu lange im Blut als dass man eingreifen konnte und auch so hatte Skinny kein Handy dabei. Bobs war anscheinend auch schon leer. 

 

„Was auch immer das Schicksal mit dir macht, ist jetzt dein Problem. Ich sag nur eins, wenn sie dir das Glück mit dem schnellen Tod nicht überlassen, wirst du dich auf ein paar miese Monate vorbereiten müssen“. Damit stand Skinny auf, drückte die Zigarette aus und verschwand.