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Vom Flussufer heimwärts

Summary:

Nachdem Don Camillo seine gestohlenen KLeider wieder von Smilzo zurückbekommen hat und die beiden ohne Schäden das Minenfeld verlassen haben, bleibt Peppone eine ganze Weile vor der Pfarrei stehen - mit Smilzo unter dem Arm.
Deswegen ist Smilzo auch der einzige, der sieht, wie es seinem Anführer geht.

Notes:

Ich weiß, dass Peppone Smilzo im Original am Kragen hinter sich herschleift, aber ich finde die Vorstellung irgendwie lustiger, dass er ihn sich unter den Arm geklemmt hat. Deshalb diese kleine Abänderung vom Original.

Work Text:

Die andern gingen schweigend auseinander, und vor der Kirche blieb nur Peppone auf weit gespreizten Beinen, betrachtete starr das verschlossene Tor und hielt noch immer den bewußtlosen Smilzo am Kragen.

~ Don Camillo und Peppone, Giovanni Guareschi.

 

Nach einer Weile erwachte Smilzo aus seiner langen Bewusstlosigkeit und sah sich ein wenig erstaunt um, da er sich unter dem Arm seines Anführers wiederfand. Zunächst versuchte er sich aus dem Griff zu winden, doch als dies nichts half, vollführte er eine Drehung, um Peppone von unten ansehen zu können.

Der Bürgermeister war bleich wie die gekalkte Kirchenmauer und ein ganz leichtes Zittern rührte seinen mächtigen Körper. Es war so leicht, dass Smilzo es nicht bemerkt hätte, wenn er nicht von einem kräftigen Arm getragen worden wäre. Eigentlich hatte er seinen Anführer ansprechen wollen, aber als er ihn so sah, hielt er es für eine bessere Idee, es nicht zu tun. Stattdessen sah er ängstlich zu dem Versteinerten auf.

So hatte er ihn noch nie erlebt, so still und bleich und bewegungslos. Er wusste noch nicht einmal, ob durchgedrungen war, dass er wach war.

„Er…“, kam da Peppone’s Stimme leise. Also hatte er es doch bemerkt. „Er hätte draufgehen können.“

„Ja“, antwortete Smilzo langsam und vorsichtig „Ich auch.“

Peppone gab ein kurzes, bellendes Lachen von sich, dem jeglicher Humor fehlte.

„Er war es aber, der-“, bevor er seinen Satz mit dieser ungewöhnlich leisen und schwächlich klingenden Stimme beenden konnte, klang aus der Ferne, von der Furt her ein Knall. Peppone erbleichte noch mehr, schwankte einen Augenblick, dann kippte er langsam nach vorne. Im letzten Augenblick riss er seinen freien Arm hoch und fing sich gegen das Pfarreitor vor ihm auf. Smilzo krallte sich mit aller Kraft an dem dicken Arm fest, der ihn noch immer um die Mitte herum hielt als wiege er nichts, doch Peppone schien es nicht zu spüren. Er atmete heftig und unregelmäßig, stierte von sich hin ohne zu blinzeln und nahm die Welt um sich herum nicht mehr wahr.

Smilzo bekam es mit der Angst zu tun. Er rüttelte an dem Arm, der ihn umschlungen hielt und rief den Namen seines Anführers. Es dauerte lange, bis sich der Griff endlich lockerte und Smilzo unsanft zu Boden fiel. Doch das störte den dürren Kerl nicht. Behände rappelte er sich wieder auf und packte Peppone an den Schultern.

„Peppone, Mensch!“, sagte er eindringlich „Komm wieder zu dir!“

Er rüttelte ein wenig an den breiten Schultern und sprach auf ihn ein, erzählte ihm Belangloses, wie, dass es noch einen Zeitungsbericht zu schreiben gäbe, dass er morgen nicht vergessen dürfe, die Genossen in der Stadt anzurufen, genau Punkt zehn Uhr, das sei den Kollegen wichtig gewesen, und, dass morgen eine Hochzeit stattfinden würde. Über Don Camillo verlor er kein Wort mehr.

Endlich, nach minutenlangem Zureden kam Peppone zur Besinnung. Er packte Smilzo am Kragen und rüttelte ihn ebenfalls, nur, dass das bei dem armen, dürren Kerl den Effekt hatte, dass er von der Wucht der Pranken fast in die Knie ging und das Schütteln sein ganzes Gerippe schlackern ließ.

„Schweig!“, fauchte Peppone „Kein Wort mehr! Don Camillo saß wegen deinem verbrühten Gehirn in einem Minenfeld und hätte draufgehen können und das einzige, was dir einfällt, mir jetzt zu erzählen, ist, dass morgen eine Hochzeit stattfindet?!“

„P-pep-ppo-ne!“, keuchte Smilzo mit klapperndem Gebiss, während er weiter geschüttelt wurde wie ein schmächtiges Apfelbäumchen, das seine Äpfel nicht hergeben wollte. Erst da hörte Peppone auf ihn zu rütteln. „Das ist Don Camillo! Gottes Hand ruht auf ihm. Wenn er durch ein Minenfeld geht, dann wird er am anderen Ende unversehrt herauskommen!“

„So, glaubst du, ja?“, knurrte Peppone und packte mit seinen Pranken die schmalen Schultern fester an „Wirst du mir jetzt auch noch einer von diesen treudummen Gläubigen?“

„N-nein!“, stotterte Smilzo „Aber du kannst nicht leugnen, dass Gott da eine Rolle gespielt haben muss. Sonst wären wir nie…“

Peppone seufzte schwer und ließ Smilzo endlich los, der sich nun wieder zu seiner vollen Größe aufrichten konnte, jetzt, da ihn nicht mehr die schweren Pranken in die Knie zwangen. Der Bürgermeister sah hinauf zu dem Fenster, in welchem Licht brannte und wo sich, wie Peppone wusste, Don Camillos Schlafzimmer befand. Der Priester war wohl auf gutem Wege ins Bett zu gehen.

„Anders als die Hasen, die sich da manchmal hineinverirren, lebt ihr beiden ja noch“, murmelte Peppone schließlich.

„Ja“, hauchte Smilzo. Der Bürgermeister stierte noch eine Weile zu dem Fenster hinauf, in welchem noch Licht brannte, dann wandte er sich ab und ging schweren Ganges nach Hause.

Smilzo, der nicht wusste, was er mit dem Geschehenen anfangen sollte, aber immer noch bang war um seinen Anführer, folgte ihm still und heimlich bis zu seinem Haus. Dort verweilt er eine Weile nachdenklich.

Er bereute es, dachte er sich schließlich. Es sollte ein Streich sein, stattdessen hatte er Don Camillo und sich in Gefahr gebracht. Und was auch immer mit Peppone danach geschehen war, er wollte es nicht noch einmal erleben. Geschweige denn Schuld daran sein.