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Der Schuss hallte lautstark durch die Lagerhalle. Die Lautstärke war immer wieder ein Schock. Vincent war sicher, dass er sich da nie dran gewöhnen würde, er hoffte auch, dass er nicht oft genug ohne Gehörschutz Schüsse hören würde, um sich daran zu gewöhnen. Ein zweiter Schuss fiel nicht mal eine Sekunde später und sofort rannte Vincent hinüber, Adam an seiner Seite. Der Verdächtige sowie die Geisel die er festgehalten hatte waren zusammengebrochen.
Sie hatten sicher eine halbe Stunde hier gestanden und mit dem Mann verhandelt, versucht ihn dazu zu bringen, das Mädchen freizulassen, sich zu stellen, aber am Ende hatten sie es nicht geschafft. Er hatte sie erschossen und Adam hatte ohne zu zögern auf den Täter geschossen.
Adam war neben Vincent auf die Knie gefallen, zog sie zur Seite, überprüfte ob sie noch lebte, Vincent tat dasselbe mit dem Täter.
Er hörte Schritte hinter ihnen und drehte seinen Kopf, Wiktor und ein paar Uniformierte Kollegen kamen hereingerannt.
„Krankenwagen!“ rief Vincent. Er merkte schon nicht mehr, was Wiktor dann tat. Er konnte keine Lebenszeichen feststellen, aber solange der Notarzt nicht den Tod festgestellt hatte, würde er es zumindest probieren, egal was der Mann getan hatte, es war seine Pflicht, erste Hilfe zu leisten. Adam neben ihm war dabei, bei dem Mädchen eine Herzdruckmassage durchzuführen. Das Blut hatte sich überall verteilt, Vincents Hände waren voller Blut, seine Kleidung ebenfalls, im Augenblick ignorierte er es.
Vincent hatte keine Ahnung, wieviel Zeit vergangen war, als endlich die Notärzte kamen und ihm von dem Körper wegschoben, er fiel einfach nach hinten über und blieb am Boden sitzen, bekam nur am Rande mit, was um ihn herum passierte. Irgendwann schaffte er es zur Seite zu sehen, Adam saß ebenfalls auf dem Boden, starrte mit leerem Blick ins Nichts.
„Vincent, komm“, sagte eine bekannte Stimme neben ihm. Wie in Trance ließ Vincent sich von Wiktor aufhelfen. Er saß schließlich neben Adam auf der Stufe eines zweiten Krankenwagens. Adam war da, Adam ging es gut, keiner von ihnen war verletzt. Vincent hatte nicht den Kopf frei gehabt, um darüber nachzudenken und jetzt prasselte alles auf ihn ein. Adam war bei ihm.
Seine Hand schnellte zur Seite und er griff nach Adams Arm, vermutlich etwas zu fest, aber er musste gerade fühlen, dass sein Partner noch da war. Adam sagte nichts, griff nur nach Vincents Hand und rutschte näher an ihn heran.
„Bist du ok?“ fragte Adam schließlich mit sehr leiser Stimme.
„Nicht wirklich“, gab Vincent ehrlich zu. Er spürte wie Adam gegen ihn sank.
„Ich auch nicht. Das Mädchen wird vermutlich überleben, der Typ ist tot“, erklärte Adam. Vermutlich, das konnte auch wieder alles heißen. So oder so hatte Adam heute einen Menschen getötet. Vincent griff noch etwas fester zu, er musste sich einfach vergewissern, dass Adam da war.
Vincent sah auf und zu Adam, er hob seine Hand, konnte gar nichts dagegen machen als er sie auf Adams Wange legte, nur am Rande bekam er mit, dass er dabei Blut in Adams Gesicht verteilte. Adam griff nach Vincents Schultern und lehnte seine Stirn gegen Vincents.
„Ich bin da“, flüsterte er.
„Ich auch“, flüsterte Vincent zurück.
Sie mussten noch eine Untersuchung der Notärzte über sich ergehen lassen, bevor sie entlassen waren. Wiktor fuhr sie zu Adam, er fragte gar nicht erst, ob er Vincent nach Hause fahren sollte, er hatte gesehen, wie sie sich aneinanderklammerten und beschlossen, sie nicht zu trennen.
Sie stolperten zusammen in Adams Wohnung. Hielten sich immer noch an den Armen fest.
„Wir sollten duschen“, sagte Adam. Vincent nickte, machte aber keine Anstalten, Adam loszulassen. Adam sah ihn kurz nachdenklich an, dann zog er ihn ins Bad.
„Komm ausziehen“, sagte Adam. Und jetzt ließ er Vincent doch los, um seinen blutigen Pullover auszuziehen. Widerwillig nahm Vincent seine Hand von Adams Arm. Er dachte nicht daran, dass er sich gerade vor seinem Kollegen auszog, das spielte im Moment keine Rolle. Als sie nackt waren griff Adam nach Vincents Arm und zog ihn hinter sich her in die Dusche. Sie standen dicht voreinander und das Wasser prasselte auf sie herab. Vincent nahm Adams Gesicht zwischen seine Hände. Vorsichtig wischte er das Blut aus Adams Gesicht und wusch es gleichzeitig von seinen Händen ab. Adams Hände glitten immer wieder über seine Brust, es fühlte sich verzweifelt an, wie seine Finger in die Haut drückten, ebenso verzweifelt, wie Vincent sich fühlte.
„Ich hatte so schiss, dass er auf dich schießt“, gab Vincent schließlich zu. Sie standen nackt, gemeinsam in der Dusche, förmlich aneinandergepresst, da konnte er auch dazu offen sein. Adam schlang seine Arme um Vincents Schultern und zog ihn an sich.
„Ich hatte schiss, dass er auf dich schießt“, antwortete er. Vincent legte seine Arme um Adams Hüften und sie pressten sich aneinander, stumm standen sie unter dem heißen Wasser. Vincent spürte Adams Schultern etwas beben und er merkte das Brennen seiner eigenen Tränen in den Augen, die jedoch sofort weggewaschen wurden.
Er brauchte das gerade sehr, musste einfach wissen, dass Adam da war, der Tag war so emotional gewesen. Adam schien dasselbe zu brauchen. Sie standen viel zu lange unter der Dusche, bis Adam sie schließlich abdrehte und sie die Dusche verließen. Adam reichte ihm ein Handtuch, das Vincent sich um die Schultern legte. Sie trockneten sich teilweise selber, teilweise gegenseitig ab. Irgendwann nahm Adam sein eigenes Handtuch und rubbelte damit Vincents Locken trocken.
Schließlich nahm Adam Vincents Hand und zog ihn aus dem Bad. Nackt wie sie waren liefen sie ins Schlafzimmer, wo Adam Vincent ein T-Shirt und eine Jogginghose gab, die Vincent sich anzog, bevor sie beide zusammen aufs Bett sanken. Wieder dicht beieinander, Arme umeinandergeschlungen. Vincent glaubte nicht, dass einer von ihnen schlafen konnte, aber alles war so anstrengend gewesen, er wollte einfach nur liegen. Adam halten, von Adam gehalten werden. Wissen, dass sie füreinander da waren. Aufeinander aufpassten.
