Chapter Text
All Our Troubles Will Be Out of Sight
Teil 1
Die Feiertage hatten für ihn keine besondere Bedeutung, nicht nur weil er ständig nur Volleyball im Kopf hatte, sondern auch weil sie das im Grunde niemals gehabt hatten. Tobio hatte das Konzept von Feiertagen niemals verstanden - warum waren sie anders als alle anderen Tage des Jahres? Was machte sie besonders? Wer hatte beschlossen, dass dieses ganz spezielle Datum der passende Termin für genau diese besondere Feier war und warum?
Geburtstage, die verstand er, jemand war geboren worden als wurde diese Tatsache gefeiert, aber alles andere? Das entzog sich seinem Verständnis, und ehrlich gesagt entzog es sich auch seinem Verständnis den Geburtstag von jemandem zu feiern, der schon lange tot war, denn immerhin hätte diese Person nichts mehr davon, nicht wahr?
Weihnachten fiel ihm also naturgemäß schwer. Vielleicht musste man Christ sein um zu verstehen, dass hier die Geburt eines Mannes gefeiert wurde, der vor fast 2000 Jahren gestorben war, aber doch irgendwie noch lebte, weil er ja ein Gott war oder zumindest der Sohn Gottes, aber für ihn ergab das alles keinen Sinn. In Wahrheit hatten die Christen dieses Datum gestohlen, wie es schien, sie wussten gar nicht wann Jesus wirklich geboren worden war und hatten einfach einen Festtag einer anderen Religionsgemeinschaft ausgewählt und überschrieben, aber das machte es nicht besser. Wintersonnenwende an diesem Datum zu feiern ergab für ihn auch keinen Sinn, immerhin ging der Winter danach noch lange weiter, und Jahreswechsel war auch erst eine Woche später. Und Japan hatte das Fest wie so viele andere einfach importiert um ein weiteres Fest zum Feiern zu haben, das sie kommerzialisieren konnten.
All die Werbungen, in denen man Paare gemeinsam Weihnachtskuchen essen sah, Tobio stieß es immer sauer auf, wenn er diese irgendwo sah.
Er war nicht bitter, das versuchte er sich zumindest einzureden, aber in Wahrheit war er nun mal doch bitter. Seit dem Tod seines Großvaters stand ihm seine Familie nicht mehr nahe, mit der konnte er Weihnachten also auf keinen Fall verbringen, und einen Partner zum Weihnachtskuchen-Essen, nun so etwas hatte er nicht zu bieten. Während seine Teamkameraden sich also darauf freuten Weihnachten mit ihren Lieben zu verbringen, da konnte er nur daran denken, dass er sinnlos alleine zu Hause sitzen würde und nichts zu tun hätte, während alle anderen etwas feiern würden, dessen Sinn er nicht nachvollziehen konnte.
Kageyama Tobio, der große Volleyball-Star, verbrachte die Feiertage einsam und alleine in seiner kleinen Wohnung und sah sich alte Volleyball-Matches im Internet an, weil er nichts Besseres zu tun hatte. Das war genau die nicht-sexy-Antwort auf Journalisten-Fragen, vor der ihn seine Publizistin immer gewarnt hatte.
Deswegen hatte er sie nicht gegeben, als man ihn danach gefragt hatte, sondern einfach gelogen. „Ich verbringe Weihnachten mit den Menschen, die ich liebe, im kleinen Rahmen.“ Ungefähr das Gleiche behaupteten seine Teamkameraden ja auch alle, also plapperte er es eben nach. Der Unterschied war, dass die anderen das durchaus ernst meinten, während er selbst log.
Aber was hätte er sagen sollen? Dass niemanden gab, den er liebte, oder der ihn liebte? So etwas konnte er doch wohl kaum einfach zugeben, oder?
Natürlich brachte ihn diese Antwort wieder in Teufels Küche, als die Folgefrage nach der besonderen Person in seinem Leben gestellt wurde, mit der er hätte rechnen sollen. „Ich spreche nicht über mein Privatleben“, wehrte Tobio die Frage ab, wie er es immer tat, und wurde dann in Ruhe gelassen.
Dankenswerter Weise stürzten sich die Journalisten lieber auf Nicolas Romero, da der Ausländer für sie immer ein gefundenes Fressen war, einfach nur weil er eben Ausländer und damit interessant war. Außerdem hatte er einen Sohn und eine Ehefrau zu bieten und zögerte niemals mit denen anzugeben, wann immer es sich einrichten ließ. Manchmal hasste Tobio Nicolas dafür, dass dieser so ein heteronormatives Bilderbuch-Leben führte, über das er offenbar niemals müde wurde zu reden.
Nicolas war nicht der Einzige der Schweiden Adlers, der verheiratet war. Captain Hirugami war das ebenfalls, er sprach zwar kaum über seine Frau, doch jeder wusste von ihrer Existenz. Und auch die meisten anderen Adlers hatten Partner. Und Sokolov war verlobt und zeigte allen ständig Fotos von seiner blonden langbeinigen Verlobten, auf die er besonders stolz zu sein schien, und schien in letzter Zeit mehr an die Planung seiner Hochzeit zu denken als an Volleyball.
Das ganze Team war eingeladen, und die Hochzeit würde im Neuen Jahr Anfang Februar stattfinden, es würde nur ein vegetarisches Menü geben, die Hochzeitstorte war dreistöckig, die Musik wäre rumänische Volksmusik zu Ehren von Sokolovs Verlobten, Sokolovs bester Freund aus Kindheitstagen war sein Trauzeuge und würde extra für die Hochzeit eingeflogen werden, eine Menge weißer Tauben sollte losgelassen werden um das frisch angetraute Ehepaar zu feiern, und Sokolov würde einen weißen Anzug tragen, den er gerade umschneidern ließ, weil er wegen all seiner Muskeln nicht mehr hineinpasste. Und ja, Tobio wusste all diese Details und hasste Sokolov dafür fast so sehr wie für die Frage, ob er in Begleitung zu der Hochzeit kommen würde.
Offenbar kamen alle anderen in Begleitung, und das obwohl Hoshiumi gerade erst eine Trennung hinter sich hatte, und Ushijimas Privatleben eigentlich mindestens so deprimierend sein müsste wie Tobios, aber aus irgendwelchen Gründen hatten die beiden Männer offenbar trotzdem Begleitung für die Hochzeit gefunden, entweder das oder sie logen darüber - auf jeden Fall schien Tobio der Einzige aus dem Team zu sein, der alleine auf dieser Hochzeit auftauchen würde, und das hatte Sokolov dazu veranlasst ihm zu erklären, dass er ihn mit einer der Brautjungfrauen verkuppeln könnte, was Tobio natürlich rund heraus abgelehnt hatte, und das ohne den Grund dafür anzugeben, was alles nur noch schlimmer gemacht hatte.
Also ja, momentan war das alles ein heikles Thema für ihn, und Weihnachten mit seinen verdammten romantischen Werbungen überall machte alles schlimmer anstatt besser.
Es war nicht so, dass Tobio das Leben eines Mönchs führen würde, aber für Beziehungen hatte er nun mal keine Zeit, dazu war ihm der Sport zu wichtig, immer zu wichtig gewesen und alles andere … nun dieses Jahr hatte alles nur schlimmer anstatt besser gemacht. Im Grunde hatte er gar kein Interesse mehr an flüchtigen Bekanntschaften und One-Night-Stands, aber es nervte ihn trotzdem das alle anderem außer ihm jemanden in ihren Leben hatten und damit glücklich zu sein schienen., während Tobio … nun als glücklich würde er sich definitiv nicht bezeichnen und zufrieden … nun zufrieden war so ein Zustand, der nur dann vorhanden war, wenn man sich nicht darüber im Klaren war, dass man mehr haben könnte, oder nicht?
Wen wunderte es also, dass seine Laune immer mehr in Richtung Nullpunkt sank je näher das Jahresende rückte?
„Schont euch über die Feiertage hinweg“, befahl Higrugami ihnen, als sie sich alle fertig angezogen haben und bereit zum Gehen waren, „Wir wollen im Neuen Jahr mit voller Kraft zurückkommen. Eine Niederlage dieser Art reicht uns.“
Sie hatte das heutige Match verloren, was aber den meisten ziemlich egal zu sein schien, da sie alle nur Weihnachten im Kopf hatten, selbst Hirugamis Tadel wirkte nicht besonders ernst gemeint. Tobio allerdings war es nicht egal, die Adlers waren das beste Team Japans, oder sollten es zumindest sein; Leistungen wie diese heute waren nicht in Ordnung und sollten auf keinen Fall zur Regel werden.
„Ich entschuldige mich für meine unzureichende Leistung heute!“, erklärte Tobio deswegen noch schnell mit einer tiefen Verbeugung, bevor die anderen gehen konnten.
Alle starrten ihn an.
„Ehm, ach, Kageyama, nimm das nicht so ernst“, meinte Hirugami dann etwas peinlich berührt, „Du warst nicht der Einzige, der heute schlecht gespielt hat.“
„Das ist wahr. Sokolov hat viel schlechter als du gespielt“, warf Hoshiumi ein.
„Hey!“, erwiderte Sokolov nur empört.
„Wir alle brauchen wohl eine Pause und müssen auf andere Gedanken kommen“, fuhr Higrugami unbeeindruckt fort, „Vielleicht sollten wir die Feiertage nutzen um uns zu regenerieren und im Neuen Jahr mit klaren Kopf wieder an die Arbeit gehen.“ Er warf einen bedeutungsschwangeren Blick in Sokolovs Richtung. Der zuckte nur mit den Schultern.
„Also, dann Jungs, wir sehen uns“, schloss er schließlich und verließ als Erster die Umkleidekabine.
Tobio blickte ihn mit brennenden Augen hinterher.
„Ich muss dann los! Anda erwartet mich“, erklärte Sokolov und war dann auch schon verschwunden.
„Wer ist Anda?“, wunderte sich Tobio.
Alle anderen warfen ihm ungläubige Blicke zu.
„Oh, ach so, die Verlobte...“ Hey, immerhin wusste Tobio all das andere Zeug über die Hochzeit, und sein Namengedächtnis war eben noch nie das Beste gewesen! War es seine Schuld, dass Sokolov immerzu von „seiner Süßen“, „seinem Mädchen“, „seiner Seelenverwandten“ und „seiner Liebsten“ sprach und so gut wie nie den Namen der jungen Frau erwähnte? Nein, doch wohl eher nicht!
„Habt ein schönes Fest!“, meinte Nicolas Romero dann schließlich fröhlich in die Runde um die entstandene angespannte Atmosphäre aufzulockern. „Viel Spaß um Baumschmücken und trinkt nicht zu viel Eierpunsch!“ Nun, er war nun mal Ausländer, der Weihnachten wohl auch hier in Japan so feierte wie er es zu Hause getan hätte.
Zumindest war es ihm mit dieser Ansage gelungen den Bann zu brechen, und der Rest des Teams löste sich langsam auf. Beinahe zumindest. Ushijimas riesige Hand fiel auf Tobios Schulter. „Lass uns was trinken gehen, Kageyama“, meinte er bestimmt.
Hoshiumi warf schnell ein: „Ich weiß auch schon den richtigen Laden dafür! Gleich um die Ecke sozusagen!“
Tobio hatte überhaupt keine Lust darauf ausgerechnet jetzt gesellig zu sein, aber er wusste, dass ihm keine Wahl blieb. Ushijima war nicht gerade ein sozialer Schmetterling, wenn er mit jemanden etwas trinken gehen wollte, dann gab es dafür einen guten Grund, und dieser Grund hing vermutlich mit seiner heutigen Leistung im Turnier zusammen. Und da Tobio das Junior-Mitglied der Adlers war und immer noch Respekt vor seinen älteren Teamkameraden hatte, blieb ihm keine andere Wahl als mit seinen Senpais zu gehen und sich von ihnen die Standpauke anzuhören, die Hirugami ihm nicht zukommen hatte lassen.
Sie landeten in einer Saftbar, denn, wenn Ushijima Wakatoshi ankündigte, dass er mit einem etwas trinken gehen wollte, dann musste man wohl erwarten an so einen Ort zu landen. Hoshiumi schien vorausgeahnt zu haben, dass sein Teamkollege bei allen anderen Örtlichkeiten Protest einlegen würde, und so kam es, dass Tobio auf einen grünen Smoothie starrte, der vor seiner Nase stand, während er seinerseits von seinen beiden Teamkollegen wortlos angestarrt wurde. Und das minutenlang.
Schließlich meinte Ushijima: „Du bist in letzter Zeit immer wieder abgelenkt, Kageyama-kun. Der eine Pass heute, der war meilenweit unter deinem Niveau. Und das war nicht der einzige Zwischenfall dieser Art. Du gibst dir im Training weniger Mühe als früher und hörst bei den Taktikbesprechungen oft gar nicht mehr zu.“
Tobio war das alles nicht neu. Er nickte also und gab sich zerknirscht. Und in Wahrheit fühlte er sich auch niedergeschlagen wegen seines Versagens. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich zunehmend unzuverlässig werde. Und ich schwöre, dass sich das ändern wird. Ich werde mich bemühen in Zukunft wieder zu dem Zuspieler zu werden, den ihr verdient habt.“
Hoshiumi nuckelte an dem Strohhalm seines Karottensafts und meinte dann: „Das ist schön zu hören. Aber eigentlich wollten wir eher wissen, ob wir was tun können um dir zu helfen… Damit du nicht die ganze Arbeit alleine machen musst. Wenn dich was beschäftigt, dann kannst uns das gerne sagen.“
Ushijima nickte zustimmend. „Man hat mir gesagt, dass ich ein guter Zuhörer bin“, behauptete er.
Tobio schwieg anstatt darauf zu antworten.
Hoshiumi nuckelte wieder an seinem Strohhalm. Dann merkte er an: „Uns ist aufgefallen, dass dieses … Verhalten von dir angefangen hat, nachdem wir gegen die Jackals gespielt haben. Nach der After-Party, und nachdem du….“
„Nein“, unterbrach ihn Tobio, „Es ist sehr nett, dass ihr es mir anbietet, aber ich will nicht darüber reden.“
Ushijima und Hoshiumi wechselten einen Blick. „Ich kann verstehen, dass man seine Gefühle für sich behalten möchte“, meinte Ushijima dann, „Aber deine beginnen dein Spiel negativ zu beeinflussen, und ….“
„Ich brauche nur … etwas Zeit. Um alles zu verarbeiten. Oder um es nicht zu verarbeiten und nicht daran denken zu müssen“, erklärte Tobio schnell, „Die Hochzeit, die Feiertage … sobald das alles vorbei ist, wird alles wieder besser werden.“
„Es ist nur, dass uns aufgefallen ist, dass du nichts dazu gesagt hast, als Sokolov dich mit einer Brautjungfer verkuppeln wollte“, meinte Hoshiumi, „Und, wir wollen dir keine Vorschriften machen, weil das natürlich deine Sache ist, und ich persönlich darf zu dem Thema vermutlich gar nichts sagen, aber…..“ Der kleingewachsene Angreifer warf einen hilfesuchenden Blick in Richtung Ushijima, der ihm beisprang und meinte: „Wir denken, dass es vielleicht gut wäre, wenn das Team zumindest über gewisse Aspekte deines Privatlebens Bescheid weiß. Nur um Missverständnisse zu vermeiden.“
„Ist das bei dir denn der Fall?“, gab Tobio hitziger als geplant zurück, „Und habt ihr beide nicht auf den Antwortschreiben für die Hochzeit angegeben, dass ihr mit einer Begleitperson kommt, obwohl du“ Er deutete auf Hoshiumi. „frisch getrennt bist…“
„Ich kann leicht ein Date für eine Hochzeit finden, ich bin sehr beliebt in der Damenwelt“, meinte der kleinere Mann unbeeindruckt.
„Und du niemanden hast“, fuhr Tobio fort und deutete jetzt auf Ushijima.
„Tatsächlich ist das so nicht ganz richtig“, erwiderte dieser, „Es hat sich da etwas ergeben, mit jemandem, der mit auf die Hochzeit kommen kann.“
„Oh? Das wusste ich nicht“, räumte Tobio ein.
Ushijima schien beinahe zu erröten, was uncharakteristisch für ihn war. „Es ist noch neu und nicht einfach, so eine Art Fernbeziehung, aber ja es ist gut so wie es ist…“, meinte er langsam.
„Das freut mich für dich“, erwiderte Tobio.
„Aber du hast recht, ich rede normalerweise nicht über diese Dinge, aber das war vielleicht ein Fehler“, meinte Ushijima, „Ich meine, wenn ich zu jemand offen sein kann, dann doch wohl zu meinen Freunden. Zumindest hoffe ich, dass wir Freunde sind.“
Tobio fühlte sich mit einem Schlag ein wenig überfordert. „Das ist … Natürlich sind wir Freunde“, meinte er dann stotternd, „Aber ich will nicht … ich will nicht über Hinata reden. Oder über Miya Atsumu.“
Und kaum sagte er diese Namen musste er wieder an sie denken, und schon verschlechterte sich seine Laune erneut.
„Manchmal ist es aber gut über seine Gefühle zu reden“, wandte Hoshiumi ein, „Und sei es nur damit man sie zumindest einmal ausspricht.“
Tobio seufzte. Er wusste, dass die beiden nicht locker lassen würden, egal was er sagen würde. „Also schön, was genau wollt ihr von mir hören?“, wollte er dann wissen, „Dass ich genau einmal in meinem Leben verliebt war? Richtig verliebt, meine ich, und nicht nur verknallt oder scharf auf jemanden oder dergleichen. Und dass ich immer gedacht habe, dass es für immer sein wird, dass wir, sobald er wieder im Land ist, da weiter machen werden wo wir aufgehört haben, und ich niemals damit gerechnet hätte, dass er sich einfach für jemand anderen entscheiden könnte? Noch dazu für einen anderen Zuspieler, für seinen anderen Zuspieler?“
„Dass ich immer schon Angst davor hatte, dass er eines Tages realisieren könnte, dass er mich nicht braucht und dass er einen anderen Zuspieler finden könnte, der ihn dazu bringen könnte noch höher zu fliegen? Und dass genau das passiert ist und er natürlich nicht anders konnte als sich in diesen Mann zu verlieben? Und es musste ja ausgerechnet Miya Atsumu sein, dieser … Jahre lang hat er mit jedem geschlafen, der nicht bei Drei auf dem Baum war, aber dann kann er endlich Hinata haben und beschließt, dass er es jetzt auf einmal ernst meint, dass er jetzt eine Beziehung haben will. Soll ich sagen, dass mir das zusetzt? Schön: Es setzt mir zu, es setzt mir verdammt noch mal zu. Aber es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt. Niemand kann irgendetwas dagegen tun. Das ist ja das Problem.“
Er starrte düster in seinen Smoothie. „Und ich will nicht darüber hinwegkommen oder jemand anderen finden oder mich davon ablenken oder sonst etwas in der Art. Ich werde alleine sterben, nur weil ich dachte … ich weiß nicht, was ich dachte… Aber wer braucht schon Liebe? Ich komme auch alleine klar. Die Wunde ist nur noch frisch, und Solokov macht es nicht besser. Das ist alles“, schloss er.
Hoshiumi wippte nervös in seinen Stuhl nach vor und hinten. „Und fühlst du dich jetzt nicht besser?“, wollte er wissen, „Jetzt, wo du das alles ausgesprochen hast?“
„Nein“, meinte Tobio nur knapp.
Ushijima gab ein summendes Geräusch von sich. „Ich dachte auch lange, dass ich niemals jemanden finden werde. Dass ich alleine sterben werde, und streite nicht ab, dass du genau das momentan denkst, dass ist es was man denkt, wenn die Feiertage heran nahen und man niemanden hat, mit dem man sie teilen kann“, erklärte er, „Aber dann hat sich unverhofft alles geändert. Und ich weiß, dass sich der Verlust der ersten Liebe anfühlt als ob das Herz entzwei splittern und nie wieder geheilt werden würde, aber auch wenn du das jetzt nicht glauben magst, dass ist nicht das Ende der Welt. Du bist noch keine Dreißig, Kageyama-kun. Hinata ist nicht das Ende, er ist nur der Anfang.“
Tobio schüttelte den Kopf. „Ich habe nie … ich habe nie gelernt wie man Verbindungen knüpft. Ich habe Jahre verschwendet, in denen ich mich einfach darauf verlassen habe, dass ich meine Person bereits gefunden habe, und dass wir am Ende zusammen sein werden. Und ich bin nicht … ich bin nicht einfach. Ich glaube nicht, dass es jemals jemand anderen geben wird, der mich wollen könnte“, gab er zu. Immerhin hatte ihn nicht einmal seine eigene Familie jemals genug gemocht um ihn auf Dauer zu ertragen. Und Hinata zu verlieren, das kam ihm vor als hätte sich seine letzte Chance auf Glück verflüchtigt.
„Ach, komm schon, ich bin sicher, du bist ein guter Fang!“, behauptete Hoshiumi, „Er ist doch ein guter Fang, oder nicht? Wakatoshi?“ Hoshiumi rammte den größeren Mann seinen Ellenbogen in die Seite.
„Oh ja, Kageyama-kun ist äußerst … ästhetisch anzusehen. Er ist sehr attraktiv, hat sehr hübsche Augen und eine überaus wohlgeformter Körper“, meinte Ushijima verspätet. Hoshiumi warf ihm einen ungläubigen Blick zu. „Wie konntest du jemals einen abkriegen?“, wunderte er sich, dann wandte er sich an Tobio, „Aber das ist die gute Nachricht: Dieser hier konnte einen in eine Beziehung locken, also sollte das für dich kein Problem sein.“
Tobio schüttelte nur den Kopf.
Hoshiumi seufzte. „Ja, Trennungen können hart sein, ich mache ja selbst gerade eine durch, aber es ist wirklich nicht das Ende der Welt, Kags“, behauptete er dann, „Ich meine, du hattest doch in der Vergangenheit auch nie Probleme damit einen Bettwärmer für Zwischendurch zu finden. Das nächste Mal solltest du eben einfach … mehr Zeit und Interesse in solche Personen investieren. Vielleicht wird dann mehr daraus. Und bis du soweit bist, dass du dich neu umsiehst, nun bis dahin musst du eben nach vorne blicken. Wenn Hinata nicht weiß, was er an dir hat, dann ist er der Verlierer, nicht du. Vergiss ihn einfach. Mach was der Boss gesagt hat, entspann dich während der Feiertage und klär deinen Kopf. Denk nicht mehr an Hinata. Die Feiertage werden dich ablenken. Etwas Zeit mit der Familie zu verbringen hilft immer.“
Tobio versuchte nicht sichtlich zu verfallen.
Ushijima bemerkte aber offenbar trotzdem irgendetwas. „Fährst du über die Feiertage nach Miyagi, Kageyama-kun?“, wollte er wissen.
„Ich hatte das eigentlich nicht vor, nein“, gab Tobio wahrheitsgetreu zu.
„Arbeitet deine Schwester nicht in Tokyo? Feierst du mit ihr?“, wollte Hoshiumi wissen.
Tobio schüttelte nur den Kopf.
Wieder wurde er von zwei Augenpaaren angestarrt.
„Wie – ehm – verbringst du denn die Zeit bis zum nächsten Training?“, wollte Hoshiumi dann wissen.
„Ich dachte, dass ich alte Spiele ansehe. Bei mir zu Hause“, erklärte Tobio.
„Mit Freunden?“, hackte Hoshiumi nach.
„Alleine.“
Hoshiumi ließ den Kopf sinken und sah dann Ushijima an als wäre dieser eine Art Magier, der das alles noch zum Guten würde wenden können. Der erwiderte den Blick des kleineren Mannes und meinte dann nach einer längeren Pause: „Willst du nicht mit mir nach Miyagi kommen und die Feiertage mit mir und meiner Familie verbringen, Kageyama-kun?“
Tobio blinzelte überrascht. Mit so einer Einladung hatte er wirklich nicht gerechnet. Aber ihm war bis eben auch nicht klar gewesen, dass Ushijima und Hoshiumi ihn als einen Freund betrachteten, also war er möglicherweise nicht so aufmerksam wie er eigentlich sein sollte.
„Ich – ich will stören“, stotterte er schnell eine Antwort.
„Du würdest nicht stören“, behauptete Ushijima, „Ich wollte bereits einen Gast mitbringen, ich kann stattdessen einfach zwei Gäste mitbringen. Es würde keine Umstände machen.“
Oh, dieser andere Gast war wohl die geheimnisvolle Person, mit der Ushijima zusammen war. Wenn Tobio also zusagte, dann könnte er so herausfinden um wen es sich handelte. Andere Gründe diese Einladung anzunehmen sah er nicht, wenn man davon absah, dass er nicht alleine und einsam in seiner Wohnung sitzen würde, stattdessen würde er verwirrt und einsam in der Wohnung der Ushijima-Familie sitzen. Wäre es so viel besser das dritte Rad am Wagen von Ushiwaka und seinem neuen Liebsten zu sein?
„Ich bin mir nicht sicher, ob das eine gute Idee wäre“, gab Tobio zu.
„Du könntest deine alten Freunde von der Karasuno treffen, wenn du schon dort bist“, schlug Ushijima vor, „Dazu hast du doch nicht oft Gelegenheit, oder? Ich sehe Tendou jedes Jahr zu Weihnachten, weil er für seine Familie bäckt. Ich bin sicher, dass deine alten Klassenkameraden auch zum Jahreswechsel hin nach Hause kommen.“
Manche waren nie weggegangen, wie Tobio wusste. Hinata und er waren in die Welt hinausgegangen, aber nicht alle seiner ehemaligen Klassenkameraden hatten dieses Bedürfnis verspürt. Und viele hatten immer noch Familie in Miyagi, also ja, es war anzunehmen, dass er einige dort vorfinden würde.
Aber wollte er sie überhaupt sehen? Was wenn sie ihn nach Hinata fragen würden? Was sollte er ihnen antworten? Hitoka und Tadashi hatten fast mehr in seine Beziehung zu Hinata investiert als er selbst. Wie könnte er ihnen sein vollkommenes Scheitern eingestehen? (Online und am Telefon war es leicht so zu tun als wäre alles in Ordnung und als wüsste er nichts von der Miya-Hinata-Fusion).
„Zumindest würde es dich auf andere Gedanken bringen“, behauptete Ushijima.
Oder auch nicht. Miyagi würde ihn nur an Hinata erinnern. Aber andererseits … vielleicht würde ein Besuch ihm dabei helfen mit dem ganzen Thema abzuschließen. Ein wenig Nostalgie um Lebwohl sagen zu können. Vielleicht wäre das genau das, was er jetzt brauchte.
„Also gut“, meinte er, „Ich komme mit, aber ich möchte deiner Familie wirklich nicht zur Last fallen.“
„Keine Sorge, das wirst du nicht“, versicherte ihm Ushijima noch einmal. Und er klang dabei so ernst, dass Tobio ihm das sogar beinahe geglaubt hätte.
Die Heimkehr nach Miyagi war seltsam für Tobio. Er war als Landei aufgewachsen, doch kaum, dass er seinen Schulabschluss in der Tasche gehabt hatte, war er in die städtische Umgebung umgezogen, und daher kam es ihm nun seltsam vor in eine ländlichere Umgebung zurückzukehren, die so viel weniger hektisch und so viel offener war. Weite Flächen, die nicht vollkommen verbaut waren, weniger Menschen auf den Straßen, und das trotz der Tatsache, dass Weihnachten kurz bevor stand, das alles erschien ihm wie ein Teil einer anderen Welt, einer Welt, zu der schon lange nicht mehr gehörte.
Tobio hatte eigentlich niemals wirklich über Ushijima Wakatoshi als Person über seine Volleyballkenntnisse hinaus nachgedacht. Er wusste, dass Ushijima auf die Shiratorizawa gegangen war, die eine hoch angesehene Eliteschule war, aber Tobio hatte ja selbst auch dort hin gewollt und wäre dort gelandet, wenn er nicht bei der Aufnahmeprüfung durchgefallen wäre, deswegen wäre er nie auf die Idee gekommen, dass alle Absolventen der Shiratorizawa aus steinreichen Familien stammen mussten, doch als er das Familienanwesen der Ushijimas betrat, stellte er fest, dass Ushijima Waktatoshi offenbar der Abkömmling einer steinreichen Familien sein musste.
Er hatte ein Haus erwartet, etwas, das von einer mehrköpfigen Familien aus der Mittelschicht bewohnt wurde, doch stattdessen fand er sich in einem wahrhaften kleinen Palast wieder.
In den Städten waren die Wohnungen rar, und die Leute stapelten sich beinahe aufeinander bei den Versuch so viele Bewohner wie möglich in einem Wohnhaus unterzubringen, das hier war das genaue Gegenteil davon – ein riesiger Garten und mehrere Häuser, die durch ihn verbunden wurden, erwarteten Tobio, und er wurde nicht nur von einem Hund begrüßt, sondern gleich von drei riesigen Akita Inus, die ihn erbost anbellten, und einer riesigen roten Katze, die ihn wütend anfunkelte.
Ushijima, der mit ihm zusammen den Zug hierher genommen hatte, ließ sich von den bellenden Hunden nicht beeindrucken, sondern brachte sie mit einem scharfen Befehl zum Schweigen und streichelte dann einen Hund nach dem anderen jeweils genau eine Minute lang über den Kopf, während er ihn lobte, bevor er den Hunden befahl sich zu zerstreuen, was sie dann auch taten.
Dann wandte er sich wieder an Tobio. „Du musst keine Angst haben, es sind sehr wohl erzogene Hunde. Ihr schlechter Ruf ist ungerechtfertigt, sie brauchen nur strenge Disziplin, das ist alles“, erklärte er.
„Ich habe keine Angst“, behauptete Tobio, was nicht ganz falsch war, mehr Sorge als die Hunde bereitete ihm definitiv die rote Katze, die ihn immer noch wütend mit hin und her peitschenden Schwanz anstarrte und nicht aus den Augen gelassen hatte, seit er das Grundstück betreten hatte.
„Das ist gut. Komm mit“, gab Ushijima zurück und führte Tobio in eines der Häuser. Sie kamen an dem Shinto-Schrein vorbei, der sich in der Mitte des Grundstücks zu befinden schien, und Tobio nahm zur Kenntnis, dass dieser sehr wohl so wirkte als wäre er in Betrieb, was den großen dekortierten Weihnachtsbaum, der sie im Genkan des Hauses, das sie betraten, erwartete nun doch etwas verwirrend machte. Aber vielleicht waren die Ushijimas eine dieser reichen Familien, die ausländische Gebräuche importierten und neben ihrer eigenen Kultur darstellten als wäre das nichts. Oder sie fanden dekortierte Bäume einfach nur schick, wie ein ziemlich großer Teil der japanischen Bevölkerung.
Tobio legte seinen Mantel und seine Schuhe ab und wurde dann mit Haussandalen versorgt und in eine Art Warteraum geführt, durch den ihn auch schon bald eine Frau Mitte Vierzig und eine ältere Frau entgegen kamen. „Wakatoshi!“
Ushijima verbeugte sich vor den beiden Frauen. „Mutter, Großmutter“, begrüßte er sie und deutete dann auf Tobio, „Das ist Kageyama Tobio, mein Teamkollege von den Adlers“.
Tobio verbeugte sich seinerseits. „Ushijima-san, Ushijima-san, vielen Dank dass ich hier sein darf“, meinte er und hoffte, dass er die Großmutter mit dem richtigen Namen ansprach.
Die beiden Frauen musterten ihn neugierig. Und dann hellte sich die Miene von Ushijimas Mutter mit einem Schlag auf. „Oh, ja, natürlich. Du hast ja gesagt, dass er ein berühmter Volleyballspieler ist“, stellte sie fest, „Ich bin sehr erfreut dich kennenzulernen, Kageyama-kun.“ Sie seufzte offensichtlich zufrieden. „Ich bin froh, dass er ist“, gab sie zu, „Ich hatte schon befürchtet… Nein, das hier ist viel besser als dieser schreckliche Junge, von dem du als Teenager besessen warst und dessen romantische Eskapaden übers ganze Internet verstreut zu finden sind! Es tut mir leid, dass ich so kalt deswegen zu dir war, Wakatoshi, aber ich habe mir nun mal Sorgen gemacht ... Aber das hier …“ Sie musterte Tobio noch einmal. „Das freut mich wirklich.“
Hier lag offensichtlich ein Missverständnis vor. Tobio warf einen prüfenden Blick auf Ushijima, der seltsam verstockt neben ihm stand, und keine Anstalten machte die Situation aufzuklären. Er öffnete also seinen Mund um etwas zu sagen, doch Ushijimas Großmutter kam ihm zuvor.
„Trotzdem schlaft ihr in getrennten Zimmern“, erklärte sie streng, „Das gilt auch für deinen Freund, der noch nachkommt. Immerhin ist das hier ein anständiger Haushalt. Unter meinem Dach macht niemand unserem Familiennamen Schande.“
„Natürlich, Großmutter“, sagte Ushijima nun, ohne darauf hinzuweisen, dass Tobio keinerlei Absicht hegte mit ihm irgendjemandem irgendeine Art von Schande zu machen, da er nicht sein spezieller Freund war, sondern nur sein regulärer Freund.
„Gut, dann kommt mit, ich zeige euch eure Zimmer“, meinte die Großmutter und schritt schon voraus.
Die anderen drei folgten ihr, während Ushijimas Mutter zwischen Tobio und ihrem Sohn herging. „Ich habe gehört, ihr habe euer letztes Match verloren“, sagte sie, „Das tut mir sehr leid für euch.“
„Wir werden bei unserem nächsten Match diese Schande wieder gut machen“, versicherte ihr Sohn ihr.
Tobio warf einen düsteren Blick in seine Richtung, doch der prallte ab, ohne irgendeine Wirkung zu erzielen.
„Das Team wird die Winterpause nutzen um sich zu regenerieren, und dann erfrischt ins Neue Jahr gehen“, fuhr Ushijima fort.
Seine Großmutter hielt unvermittelt inne. „Das hier ist Ihr Zimmer, Kageyama-san“, erklärte sie.
„Ich danke Ihnen, Ushijima-san“, meinte Tobio nach einem Moment der Überraschung.
„Das Zimmer daneben ist dein Zimmer, Wakatoshi“, fuhr die Großmutter fort, „Und das gegenüber kann dein Freund benutzen, wenn er ankommt. Ich erwarte tagsüber geöffnete und in der Nacht verschlossene Türen. Mittagessen ist um Eins. Wir sehen uns dann.“ Und dann schritt sie auch schon mit gemessenen Schritten davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Ushijimas Mutter blieb noch einem Moment bei ihnen stehen und schien nach passenden Worten zu suchen. „Nun, packt erst einmal aus und gewöhnt euch ein“, meinte sie dann, „Wir sehen uns nachher beim Essen. Können wir dieses Jahr mit Tendou-kun rechnen, Wakatoshi?“
„Ehm, ja, er sollte Morgen eintreffen“, erwiderte Ushijima.
„Dann laden wir ihn Morgen um Abendessen ein, damit er den 24. bei seiner Familie verbringen kann“, beschloss die Mutter, „Und dein anderer Freund? Wann trifft der ein?“
„Sein Flug hat Verspätung, aber er sollte spätestens Morgen ankommen“, erklärte Ushijima.
Seine Mutter nickte. „Also dann, bis später, Jungs“, meinte sie und ging ebenfalls.
Tobio deutete Ushijima mit in das ihm zugewiesene Zimmer zu kommen. Drinnen angekommen stellte er seine Reisetasche ab und sah Ushijima dann herausfordernd an.
„Es tut mir leid, Kageyama-kun“, meinte Ushijima schließlich, „Es ist nur … Sie war so froh, dass du es bist, dass ich nicht … ich konnte ihr nicht die Wahrheit sagen.“
Tobio schüttelte den Kopf. „Und was wird dein so genannter anderer Freund sagen, wenn er kommt?“, wollte er wissen.
Ushijima wirkte beschämt. „Er wird nicht begeistert sein“, gab er zu, „Aber wenn sie ihn als Mensch kennenlernt und zu mögen beginnt, dann ist sie vielleicht eher bereit ihn als meinen Partner zu akzeptieren.“
Tobio nahm an, dass es sich bei besagter Person um den berühmten Volleyballspieler handelte, dessen romantische Eskapaden über das Internet verteilt waren, und von dem Ushijima als Teenager besessen gewesen war. Er schüttelte nur wieder den Kopf. „Du willst also, dass wir diese Farce durchziehen, selbst nachdem er angekommen ist?“, vergewisserte er sich.
Ushijima seufzte. „Ich habe das nicht geplant, wenn du das denkst“, behauptete er, und Tobio glaubte ihm das angesichts seiner unglücklichen Miene sogar, „Aber es ist nun mal passiert, und du hast doch gesehen wie sie aufgetaut ist. Großmutter akzeptiert meine Lebensentscheidungen kaum, aber Mutter … sie hat ihre Probleme damit, ja, aber offenbar mehr mit meiner spezifischen Partnerwahl als mit der allgemeinen Tatsache, dass ich Männer bevorzuge. Was mir bisher nicht klar war, und jetzt…“ Er rang sichtlich nach Worten. „Ich will nur ein paar friedliche Tage verbringen“, fügte er hinzu, „Ich werde das Missverständnis aufklären, das verspreche ich dir. Nur noch nicht jetzt sofort, wenn du keine Einwände hast….“
Eigentlich hatte Tobio sogar eine Menge Einwände. Doch andererseits konnte er sich gut vorstellen, dass es Ushijima mehr als nur ein wenig belasten musste, dass seine Familie seinen Lebensstil nicht gut hieß. Vielleicht hatte der andere Mann Tobio weniger aus Herzensgüte zu sich eingeladen als deswegen damit ein Puffer zwischen ihm und seinem neuen Partner und seiner Familie vorhanden wäre. Aber nun war aus dem Puffer etwas ganz anderes geworden…
Tobios eigene Familie stand ihm nicht nahe genug um ihrer Enttäuschung auf eine Art und Weise Ausdruck zu verleihen, die ihn verletzen würde, aber er nahm an, dass er, wenn er jemals dazu gekommen wäre Hinata seinem Großvater vorzustellen und dieser so wie Ushijimas Großmutter oder auch nur seine Mutter reagiert hätte, in diesem Fall todunglücklich gewesen wäre.
Also wenn es das Klima in der Ushijima-Familie irgendwie entspannen würde, wenn er vorgab Ushijimas Partner zu sein, dann wäre das sicherlich eine gute Tat, die man sich von einem Freund wünschen würde. Und es war ja nur für einen oder zwei Tage, danach würde Ushijimas tatsächlicher Partner hier auftauchen, und dann würde sich alles aufklären. Und bis dahin käme keiner durch diese Lüge zu Schaden.
„Also von mir aus“, gab Tobio schließlich nach, „Ich werde mitspielen.“
Auf Grund der Tatsache, dass durch die Regeln der Großmutter der Austausch von körperlicher Zuneigung hier in diesem Haus sowieso nicht erwünscht war, wäre das kein besonders großes Opfer - Tobio müsste nur der Tatsache, dass sie ein Paar waren nicht widersprechen, das sollte er hinbekommen.
„Ich danke dir.“ Ushijima verneigte sich sogar vor lauter Dankbarkeit. „Es ist wirklich nur bis ich Gelegenheit habe ihr die Wahrheit auseinander zu setzen“, behauptete er, „Es wird schneller vorbei sein als du blinzeln kannst.“
In Miyagi jedoch konnte es mitunter sehr lange dauern, bis man mit dem Blinzeln fertig war.
