Work Text:
„Saarbrücken?” Bente ist sich nicht sicher, ob sie richtig gehört hat. „Du hast dich nicht zufälligerweise versprochen und meintest unsere schöne Hansestadt Stralsund, Max?”
„Ich meine tatsächlich Saarbrücken. Also, willst du ihn?” Max tippt noch einmal auf die aufgeschlagene Akte und zieht ungeduldig die Augenbraue hoch. Bente schaut auf den kurzen Abriss der Karriere. Drogenfahndung, dann Mord, dann Teamleiter. Keine Verwarnungen, keine Disziplinarstrafen. Es gibt keinen offenkundigen Grund, warum dieser Mann die Stelle wechseln sollte.
„Was will der hier?” hakt sie ungläubig nach. „Hat der bei der Bewerbung die falsche Stadt mit S angeklickt?”
„Frische Meeresluft schnuppern?”, offeriert ihr Abteilungsleiter und Bente schnaubt. Sicher, deswegen lässt man sich Hunderte von Kilometern versetzen.
„Weiter entfernt geht es ja praktisch gar nicht mehr.”
„Also? Nimmst du ihn? Mit Alex’ Pensionierung ist eine Stelle in deinem Team frei geworden”, erinnert Max sie.
„Genau, eine Stelle im Team. Nicht die Stelle des Teamleiters.” Sie schiebt die Akte wieder zu Max. „Da ist doch was faul. Niemand beantragt eine Versetzung ans andere Ende der Republik und will dann weniger Verantwortung als vorher.”
„Er schon.”
---
Das erste Mal begegnet sie ihrem neuen Teammitglied, als er einen Taschendieb auf dem Präsidium abliefert, da hat sein Dienst offiziell noch gar nicht angefangen. Es sind Herbstferien in Berlin und Brandenburg, die Inseln sind voll, das Wetter schlecht, da kommen die Menschen in Scharen in die Stadt -- ein gefundenes Fressen für Taschendiebe.
„Bente Weiden”, stellt sie sich vor und sie tauschen einen festen Händedruck aus. Müde schaut er aus, denkt sie. Irgendwie fertig mit sich und der Welt. Vielleicht wegen des Umzugs, aber ihr Instinkt sagt ihr, dass es einen anderen Grund hat.
„Leo Hölzer”, erwidert er und dann -- nichts. Als ob er vergessen hätte, wie Smalltalk geht. Innerlich seufzt sie. So einer also. Einer, der den Mund nicht aufkriegt. Aber immerhin scheint er ein fähiger Polizist zu sein, wenn er schon vor Dienstbeginn die erste Straftat aufklärt.
„Wenn Sie so weiter machen mit der Strafverfolgung in der Innenstadt werden unsere Kollegen von der Streife noch ganz neidisch”, scherzt sie und hofft, dass er den Schalk in ihrer Stimme erkennt. Muss er, denn seine Mundwinkel verziehen sich zu einem kleinen Lächeln. Immerhin. „Wollen Sie kurz hochkommen in unser Büro? Dann kann ich Sie mit schlechtem Kaffee versorgen und Ihnen schon einmal das Team vorstellen.” Sie formuliert es als Einladung und sieht geradezu, wie er mit sich ringt. Er hat noch zwei Tage in denen er so tun könnte, als ob er nicht gerade sein gesamtes Leben umgekrempelt hat und sich jetzt an ein neues Team gewöhnen muss und daran, dass es nicht mehr sein Team ist.
Die Geschichte dahinter möchte sie immer noch gerne hören, aber im Moment begnügt sie sich damit, dass er ihre Einladung zum Kaffee annimmt.
Es sind die kleinen Schritte, erinnert sie sich.
---
Zu seinem Dienstbeginn erfährt Bente, wo Leo wohnt. Und das auch nur, weil er den guten Kaffee vom Café an der Ecke zum Alten Markt für alle mitbringt und sie das Logo erkennen. Die Geste erntet viel Zustimmung und Dankbarkeit von Anna und Thorben und Bente nimmt sich vor, das nächste Mal zum Dank den guten Kuchen vom Hafen mitzubringen. Sie muss nur vorher herausfinden, was Leo gerne isst. Aber vielleicht ist das auch mehr eine Aufgabe für Anna. Sie ist jünger als Leo und hat nicht den Malus der Chefin, die ihn auf mögliche Schwachstellen abklopfen will. Außerdem hat Bente bis jetzt noch niemanden getroffen, der sich nicht mit Anna versteht.
„Sind die Glocken von St Nikolai nicht tierisch laut?” fragt Anna zwischen zwei Schlucken nachdem sie festgestellt haben, dass Leo das Café kennt weil er direkt daneben wohnt. Gegenüber der riesigen Kirche.
„Ich schlaf eh nicht so lange und ich mag irgendwie die Aussicht auf den Backstein und die Kirchenfenster”, erklärt Leo. Bente grinst innerlich, denn die Kirchenglocken sind nichts im Vergleich zu dem Trubel, der Leo zu den Wallensteintagen erwarten wird. Sie sollte ihm vermutlich empfehlen, im Juli Urlaub zu nehmen und vielleicht mal in die Heimat zu fahren. Außer natürlich, er möchte sämtliche Schlager der letzten Jahrzehnte auswendig können. Aber irgendwie wirkt er nicht wie ein Schlagerfan auf sie.
Sie schiebt den Gedanken nach hinten, als sie einen Anruf bekommt. „Toter auf dem kleinen Dänholm”, sagt sie, nachdem sie aufgelegt hat und schüttelt den Kopf. „Wer ist denn so dämlich und ermordet jemanden auf einer Insel voller Polizisten?”
Anna reagiert als Erste auf Leos fragenden Blick. „Der Dänholm ist zwischen Stralsund und Rügen. Die Bundespolizei und das Hauptzollamt sind da drauf.”
Wie sich ein paar Tage später herrausstellt, sind auch Bundespolizisten nicht vor Mord aus Eifersucht gefeit. Und sie sind auch nicht unbedingt besser darin, so einen Mord zu vertuschen. Nur bei Verhören stellen sie sich geschickter an als der Durchschnittskriminelle. Nicht, dass ihr bisheriges Team schlecht in Verhören war, aber Leo Hölzer dabei zuzuschauen hat teilweise schon etwas Magisches. Und Bente muss zugeben, das sie auch auf ihn und seine zurückhaltende Art herein gefallen wäre, nur um dann von ihm nach allen Regeln der Kunst in die Ecke und zum Geständnis gedrängt zu werden.
„Hast du gut gemacht, Leo”, sagt sie ihm, als er ihr das unterschriebene Geständnis auf den Tisch legt. Er zögert einen Moment, aber dann stiehlt sich ein ehrliches Lachen auf sein Gesicht.
„Danke, Bente.”
---
„An die Küste ziehen und keinen Fisch zu mögen ist jetzt aber nicht die beste Idee”, sagt sie schnaubend als sie dabei zusieht, wie sich Leo an einem Fischbrötchen versucht. Sie stehen am Fährkanal hinterm Ozeaneum und vor fünf Minuten hat sie Leo einen Backfisch vom Fischkutter in die Hand gedrückt. Er hatte ihr natürlich vorher nicht gesagt, dass er keinen Fisch isst. Irgendwie wundert sie das aber auch nicht mehr. Leo macht seinen Job, sogar sehr gut. Er macht keine Formfehler bei Anträgen, seine Schlussfolgerungen sind logisch und haben schon mehrmals die Ermittlungen verkürzt. Er diskutiert auch nie groß mit ihr wenn sie ihm Aufgaben überträgt. Kurzum, er ist das perfekte Teammitglied.
Und trotzdem.
Sie weiß fast nichts über ihn. Sie weiß, dass er aus Saarbrücken kommt, dass er praktisch eine Herabstufung in Kauf genommen hat um hierher zu kommen. Sie weiß, dass er gerne schwarzen Kaffee trinkt und in einem Nebensatz hat er mal gegenüber Anna fallen lassen, dass er Birnenkuchen mag. Aber da hört es auch schon auf. Sie erwartet ja nicht, dass er ihr wie Anna seine gesamte Lebensgeschichte in der ersten Woche offenbar, aber er ist inzwischen seit einem halben Jahr hier und sie kennt den Menschen Leo Hölzer abseits der Arbeit nicht. Nicht einmal was er zu Weihnachten getrieben hat, kann sie mit Sicherheit sagen. War er in der Stadt geblieben oder hatte Saarbrücken besucht? Keine Ahnung.
Der kalte Frühjahrswind zieht vom Hafenbecken über sie hinweg und sticht wie tausend kleine Nadeln in ihre Wangen. Das ist aber nichts im Vergleich zu Leos Gesicht als sie seinen Umzug erwähnt.
„Tut mir leid, blöde Anspielung”, sagt sie leise. Er nickt und schaut an ihr vorbei auf die sich im Wind bewegenden Boote im Kanal. Schließlich hat sie Erbarmen. Ihre Kinder zwingt sie schließlich auch nicht dazu Dinge zu essen, die sie nicht mögen. „Gib her, ich ess das”, sagt sie und er gibt ihr widerstandslos sein kaum angeknabbertes Brötchen.
„Ich bin nicht wegen des Fisches hier.”
„Ach”, kann sie sich nicht verkneifen und er schnaubt belustigt.
„Ich musste einfach ... weg.” Seine Stimme wird fast weggetragen vom Wind, so leise ist sie. „Dort ... das hat mir nicht gut getan.”
Bente wartet noch eine Weile, aber Leo scheint für heute alle privaten Worte verbraucht zu haben, also nickt sie. „Okay. Ich bin jedenfalls froh, dass du hier bist.”
---
Da ist ein großer, schlaksiger Blonder im Foyer und erkundigt sich bei Andreas nach Leo, als Bente gerade mit vier Stück Kuchen am Empfangstresen vorbei geht. Sie verlangsamt ihre Schritte und schüttelt kaum merklich den Kopf in Richtung Andreas, der daraufhin dem Blonden mitteilt, dass er erst einmal warten müsste. Zufrieden nickt sie Andreas zu und nimmt den Fahrstuhl nach oben. Leo ist alleine im Büro, die beiden Anderen noch bei einer Befragung. Sie packt den Kuchen auf den Besprechungstisch und räuspert sich.
„Da unten steht ein blonder Mann und will zu dir”, sagt sie ohne Vorspiel. Sie will Leos ungefilterte Reaktion und sich nicht schon vorher möglicherweise durch ihre Tonlage verraten. Er hat da ein sehr feines Gespür für.
Für einen Moment erstarrt Leo einfach, als ob er plötzlich nicht mehr da wäre. An einen anderen Ort und eine andere Zeit versetzt und Bente beißt sich kurz auf die Lippen. Das ist nicht gut. Leo hat sich normalerweise immer unter Kontrolle, klammert sich daran als ob es ein Rettungsring wäre. Nur dass sie nicht weiß, wovor er sich retten will.
„Ich kann ihn wegschicken lassen, kein Problem”, sagt sie. „Oder wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses für ein paar Stunden festhalten, wenn dir das lieber ist. Uns fällt da schon was ein.”
„Nein.” Leo schüttelt den Kopf. „Nein, ist schon gut, aber ... ” Er schaut resigniert zur Tür ihres Büros, als erwarte er jeden Moment den anderen Mann. Schicksalsergeben , geht es ihr durch den Kopf und jedem anderen aus ihrem Team würde sie tröstend die Hand tätscheln, aber mit Leo ist sie noch nicht so weit. Sie weiß auch nicht, ob sie da jemals hinkommen werden, ob er überhaupt der Typ für beiläufigen Körperkontakt ist. Manchmal fragt sie sich, wieso er so hohe Mauern um sich gezogen hat und wie anstrengend es sein muss, sie aufrecht zu halten.
„Du musst nicht mit ihm reden, wenn du nicht willst, Leo”, erinnert sie ihn schließlich und überrascht schaut er zu ihr. Als ob ihm diese Option gar nicht in den Sinn gekommen wäre. Etwas zieht sich ungut in ihrem Magen zusammen und sagt ihr, dass der Blonde der Grund ist, warum Leo hier bei ihr gelandet ist. Vielleicht ein gewalttätiger Ex? Aber auch diese Frage kann sie Leo nicht stellen. Stattdessen packt sie den Kuchen aus und schiebt Leo einen Teller über den Tisch zu -- Birne-Helene-Kuchen von dem Café am Hafen. „Ich sag Andreas, dass er ihn erstmal wegschicken soll. Dann kannst du dir überlegen, was du machen willst, okay?”
Leo sticht mit der Gabel in seinen Kuchen und nickt.
---
Die nächsten Tage regnet es und der Blonde steht wie ein begossener Pudel immer wieder im Foyer. Und immer wieder schickt Andreas ihn weg. Leo ist dazu übergegangen, den Hintereingang zu nehmen, aber ansonsten schweigt er zu den Vorgängen.
„Leo ist an der Reihe, Mittagessen zu holen. Ich bin für Döner”, sagt Thorben und schaut dabei zu Leo. Die Beiden verstehen sich eigentlich, ab und an bringen sie sich sogar gegenseitig zum Lachen, aber viel miteinander quatschen tun sie nicht. Zum einen weil der Altersunterschied zwischen ihnen wohl kaum gemeinsame Themen hervorbringt und zum anderen, weil Leo einfach immer noch nicht viel redet.
Jetzt aber bohrt Thorben in Leos Schweigen und sie alle wissen es. Zum Dönerladen kommt man nicht, ohne vorne raus zu gehen. Dort, wo der Blonde steht wie ein festgeketteter Wachhund.
„Thorben, ich kann das machen”, bietet Anna auch gleich an. Anna, die Leo sofort in ihr Herz geschlossen hat und sich nicht davon abbringen lässt, ihm Geschichten aus ihrer noch nicht weit zurückliegenden Studienzeit und von ihren verschrobenen Professoren zu erzählen. Leo hört sie sich immer so geduldig an, als wären sie das interessanteste auf der Welt.
„Ne, Leo ist dran”, beharrt Thorben und Bente verengt die Augen. Sie alle wissen, was hier gerade passiert. Auch Leo, der den Kuli mit dem er gerade seine Notizen vervollständigt so stark umgreift, dass seine Knöchel weiß hervortreten.
„Thorben”, schaltet sich Bente in einem Tonfall ein, der keinen Widerspruch gelten lässt. „Heute bist du dran und ich hätte gerne Chinesisch. Jetzt.”
Thorben lässt sich tatsächlich auf ein Wettstarren mit ihr ein, aber verliert schlussendlich und schnappt sich grummelnd den Regenschirm.
„Leo? Auf einen Kaffee”, sagt Bente als Thorben gegangen ist und nickt Richtung Teeküche. Dort angekommen schließt sie die Tür hinter ihnen.
„Thorbens Verhalten war inakzeptabel, nur damit das klar ist, und ich werde mit ihm darüber reden”, beginnt sie das Gespräch und sieht im nächsten Moment Überraschung über Leos Gesicht huschen, bevor er sich wieder unter Kontrolle hat. Nicht zum ersten Mal fragt sie sich, was da mit Leos Vorgesetzten in Saarbrücken gelaufen ist. Wieso er nie erwartet, dass sie auf ihn aufpasst. Es macht sie wütend und zehrt an ihrem Herzen.
„Und nun zu dem blonden Typen da unten, Leo”, sagt sie leise, aber bestimmt. „Willst du ihn anzeigen?”
Leos Blick, der bis eben noch geflissentlich an ihr vorbei aus dem Fenster ging, schnellt zu ihr. „Wieso sollte ich Adam anzeigen?” So heißt also der große Unbekannte da unten. Adam .
„Belästigung”, bietet Bente Leo eine Option und als er nur sie nur mit Unverständnis anschaut, beißt sie in den sauren Apfel. „Oder häusliche Gewalt?”
„Was? Wieso? Adam hat mich nie -- ” Leo zieht die Augenbrauen zusammen, als ob das was sie hier von sich gibt komplett absurd wäre.
„Leo, komm schon. Du musst doch wissen, wie das für mich hier aussieht. Da taucht jemand aus dem Nichts auf, weigert sich zu gehen und weder redest du über ihn, noch willst du ihn treffen”, sagt sie behutsam. Leo ist doch nicht dumm. Im Gegenteil, bei jedem anderen hätte er selbst nachgefragt.
„So war das nicht”, sagt Leo und schüttelt energisch den Kopf. „Adam würde mich nie schlagen. Er war mein Par -- mein Kollege in Saarbrücken. Aber ... ” Er zuckt mit den Schultern. „Wir haben uns nicht gut getan.”
Bente ahnt, dass das sehr euphemistisch für ne Menge anderer Scheiß steht, aber sie glaubt auch nicht, dass Leo hier lügt. Also war keine Gewalt im Spiel und sie sackt erleichtert gegen die Arbeitsplatte. „Bleibt immer noch die Frage, was du jetzt machen willst?”
Leo fährt sich mit den Händen übers Gesicht und verschränkt sie dann im Nacken. Das macht er immer, wenn die Tage lang und die Fälle kompliziert sind, hat Bente bemerkt. „Ehrlich gesagt? Keine Ahnung.” Er lacht, aber es klingt nicht nach Freude, eher nach Verzweiflung. „Ich bin einmal quer durchs Land gezogen um genau diese Frage nicht beantworten zu müssen.”
Bente kann das Gefühl durchaus nachvollziehen, aber das Problem steht nun mal unten in ihrem Foyer und tropft die Fliesen voll. „Ich kann ihm sagen, dass er zurück fahren soll?” bietet sie an, aber sieht das Zögern in Leos Augen. Abgeschlossen ist die Sache noch nicht für ihn. „Zumindest fürs erste”, relativiert sie und es dauert eine Weile, aber dann nickt Leo.
---
Im trockenen Zustand muss Adam wohl durchaus respekteinflößend sein, denkt sich Bente, als sie im Foyer auf ihn zugeht. Er überragt sie um fast zwei Köpfe und sein Gesicht hat Furchen, die eher Richtung Missmut als Freude gehen. Aber hier, in ihrem Präsidium, durchnässt bis auf die Knochen weil er anscheinend keines der Geschäfte in der Innenstadt mit Schirmen im Verkauf wahr genommen hat, da wirkt er eher wie ein deplatziertes Häufchen Elend. Ihr Mitleid hält sich trotzdem in Grenzen. Leo und sein Wohlergehen sind ihre Prioritäten, nicht der Typ, der ihn durch sein Verhalten überhaupt erst nach Stralsund getrieben hat.
„Adam”, sagt sie, als sie vor ihm steht. Er stößt sich von der Wand ab und starrt sie so durchdringend an, als ob er allein dadurch Leo erscheinen lassen könnte. „Bente Weiden mein Name. Leos Teamleiterin.”
„Teamleiterin?” wiederholt er und runzelt die Stirn. Vielleicht wird ihm gerade klar, was Leo aufgegeben hat um von ihm loszukommen.
„Ja, genau.”
„Ich will mit ihm reden”, verlangt er in einem Tonfall, der sagt, dass er gewohnt ist, zu bekommen was er will.
„Er aber nicht mit Ihnen. Und auch nicht in den nächsten Tagen oder Wochen, also bitte ich Sie höflich darum, die Stadt zu verlassen und Leo in Ruhe zu lassen.”
„Sonst was?” fragt er naserümpfend, beinahe trotzig.
„Sonst kann ich Sie natürlich wegen Belästigung festnehmen lassen, aber vielleicht respektieren Sie auch einfach mal Leos Wünsche und lassen ihn in Ruhe? Er versucht gerade sich hier etwas aufzubauen und sie hindern ihn daran”, sagt sie so ruhig wie möglich. Und der letzte Satz scheint zu sitzen. Zumindest sieht Adam so aus, als hätte sie ihm mit voller Wucht in die Magengrube getroffen. Faszinierend, wie jemand so schnell in sich zusammen fallen kann. Er schaut an ihr vorbei durch die Glasfront, auf die renovierten Hansehäuser auf der anderen Straßenseite. Er macht den Mund auf, wieder zu, schluckt. Er erinnert sie an ein in die Enge getriebenes Tier und beinahe hätte sie Mitleid mit ihm. Aber dann denkt sie an Leo, der da oben in ihrem Büro sitzt und als einzigen Ausweg die Flucht aus Saarbrücken gesehen hat. Schließlich holt Adam Luft und schaut sie durchdringend an.
„Sagen Sie ihm, dass es mir ... dass es mir leid tut, ja? Und ... und dass er auf sich aufpassen soll.”
„Werde ich”, verspricht sie ihm und wartet im Foyer, bis sie sich sicher ist, dass er auch wirklich gegangen ist und nicht wieder kommt.
---
Leo hat eine Platzwunde und Gehirnerschütterung. Er hatte sich zwischen einen schlagenden Mörder und dessen Ex-Partnerin gestellt und so noch Schlimmeres verhindert. Nur hatte deswegen sein Kopf auch Bekanntschaft mit dem Stralsunder Kopfsteinpflaster gemacht und Bente einen gehörigen Schrecken eingejagt. Sie weiß, dass Kopfwunden viel bluten, aber das hat im ersten Moment auch nicht geholfen. Vor allem als Leo sie auch noch verwirrt angeschaut und leise „Adam?” gefragt hat, bevor die Sanitäter hatten übernehmen können.
„Er darf gehen, wenn jemand die nächsten 24h auf ihn aufpasst”, erklärt der Arzt ihnen gerade in dem kleinen Behandlungsraum, dessen eierschalfarbenen Wände weder beruhigend noch ästhetisch sind. Bente fragt sich, ob alle Krankenhäuser die Wandfarben vom gleichen Händler beziehen. Und ob der ‘Hauptsache hässlich’ heißt.
„Ich kann alleine auf mich -- ”
„Ich nehm ihn mit nach Hause”, fällt sie Leo direkt ins Wort
„Was?”
„Im Arbeitszimmer steht eine Schlafcouch, die kannst du haben. Und die Kinder benehmen sich wenigstens mal, wenn jemand, der nicht zur Familie gehört, anwesend ist.” Und leise müssen sie auch sein, denkt sie noch, aber spricht das nicht laut aus. Sie weiß, dass Leo dann noch mehr mit ihr diskutieren würde. Er ist niemand, der Umstände machen will. Vor allem Vollzeitarbeitenden Müttern in Führungspositionen. Wär sie nicht hier, hätte er vermutlich irgendeine Person erfunden, die auf ihn aufpasst, und wäre alleine mit dem Bus nach Hause gefahren.
„Ich kann -- ”
„Dienstanweisung, Leo”, unterbricht sie ihn wieder und er klappt den Mund zu. „Sonst noch etwas, was wir beachten sollten?”
„Sollten die Kopfschmerzen oder die Übelkeit schlimmer werden, dann kommen sie bitte wieder her.”
„Machen wir”, versichert Bente und führt Leo mit einer Hand am unteren Rücken sanft nach draußen zum Parkplatz.
„Du musst wirklich nicht ... ich hätte auch einfach noch 24 Stunden im Krankenhaus bleiben können.”
„Und auf diese hässliche Ei-Wand starren und von dem Fraß da drinnen Hunger bekommen? Was wäre ich für eine Freundin, wenn ich das zuließe?”
Neben ihr bleibt Leo plötzlich stehen und es dauert einen Moment bevor sie realisiert, wieso. Nur ist jetzt nicht gerade der Zeitpunkt, über ihre Beziehung zu reden oder warum Leo so Probleme damit hat, jemanden an sich ranzulassen. Der Mann kann sich ja kaum auf den Beinen halten, so blass sieht er um die Nase aus. Also macht sie die Beifahrertür auf, drückt ihn sanft aber bestimmt auf den Sitz und übernimmt auch das Anschnallen, als seine Finger ihm nicht gehorchen wollen.
---
Leo hält es genau 24 Stunden auf ihrer Schlafcouch aus, dann zieht er die Bettwäsche ab, faltet die Decke ordentlich zusammen und entschuldigt sich für die Unannehmlichkeiten. Bente möchte am liebsten schreien. Sie weiß so gut wie nichts über ihren Kollegen und es fuchst sie. Normalerweise hilft allein schon ihre Ausbildung, bei Menschen hinter die Fassade zu sehen, aber Leo ist jetzt mehr als ein halbes Jahr hier und hat sie immer nur so weit schauen lassen, wie er es entschieden hat. Sie weiß nicht, wieso er denkt, sich ständig zurücknehmen zu müssen. Wieso er glaubt, sie würde sich nicht weiter um ihn kümmern, wieso er zu viel sein sollte.
„Leo, du bist keine Bürde”, sagt sie als sie im Türrahmen des Arbeitszimmers steht und er hat wieder diesen Ausdruck in den Augen, der ihr das Herz schwer macht. Der, der sagt, dass er ihr nicht glaubt. „Und wenn du noch eine Weile brauchst um dich zu erholen und lieber nicht alleine sein willst, kannst du gerne bleiben. Wirklich. Ich schick dich nicht weg.”
Sie muss doch noch die richtigen Worte gefunden haben, denn nach kurzem Zögern lässt er sich wieder auf die Couch sinken. Seine Muskeln entspannen sich und sie sieht, wie erschöpft er eigentlich noch ist.
„Danke”, sagt er.
---
Von da an ändern sich die Dinge. Leise, aber beharrlich. Bente erfährt, dass Leo eine Schwester und einen Schwager hat. Sie kommen ihn besuchen und er zeigt ihnen die Stadt und Rügen. Er führt sie sogar am Präsidium vorbei und Bente lernt, dass Leo der kleine Bruder ist und dementsprechend getriezt wird. Sie sieht ihn an dem Nachmittag das erste Mal wirklich entspannt und zufrieden seitdem sie ihn kennt. Es steht ihm. Leo hat auch Eltern, aber die schaffen den weiten Weg nicht mehr. Also baut er extra Überstunden auf, um alle zwei Monate zu ihnen zu fahren. Bente hat den Rhythmus inzwischen in ihrem Kalender stehen und legt Leo den unterschriebenen Antrag auf Überstundenabbau schon auf seinen Schreibtisch bevor er fragen kann.
Der Sommer kommt. Mit ihm die Touristen und all die kleinen und großen Dramen, die sich in der angeblich schönsten Zeit des Jahres gerne mal potenzieren. Sie finden eine Leiche, die im riesigen Atlantikbecken des Ozeaneums treibt. Vier Tage später weiß das Team alles was sie nie wissen wollten über den Aufbau und die Instandhaltung von so großen Aquarien und haben die Pflegerin festgenommen, die ihren Freund ertränkt hat, weil er einer Touristin schöne Augen gemacht hat. Bente mag keinen Fisch mehr sehen, also lädt sie das Team zum Italiener am Neuen Markt ein. Bevor sie aufessen können, wird eine neue Leiche gefunden, angeschwemmt an den Pfeilern der weißen Brücken am Knieperteich. Ihr Toter heißt Paul Adam und als Leo den Namen hört, sieht Bente selbst im Halbdunkeln der Straßenlaternen, dass er schlagartig blass wird. Es ist nur ein Name und doch -- sie sieht den alten Schmerz kurz über Leos Gesicht huschen, bevor er sich wieder unter Kontrolle hat.
Die Ermittlungen ziehen sich. Adam hatte keinen Streit, keine Feinde, alle mochten ihn. Und doch liegt er ermordet in ihrer Pathologie und Leo sieht von Tag zu Tag übermüdeter aus. An Tag sechs ihrer Ermittlungen schnappt Bente sich ihn und verfrachtet ihn in ihren Garten. Der ist winzig und im Grunde schaut man nur auf ein paar Büsche und eine Mauer, aber sie und ihr Mann haben es nicht über sich gebracht, aus der Altstadt wegzuziehen.
Sie hält Leo ein Glas Wasser hin und lässt sich ihm gegenüber in den Gartensessel fallen. Ihre Kinder sind übers Wochende bei den Großeltern auf Usedom und ihr Mann fischt an der Nordmole, also kann sich niemand an den Mordakten zwischen ihnen auf dem Gartentisch stören.
„Du hast das Opfer kein einziges Mal bei seinem Nachnamen genannt, immer nur er oder Paul”, sagt sie und nickt Richtung Akten. Leo nimmt das Glas und schaut ertappt zur Seite. Sie lässt ihm Zeit, hört dem Treiben einer überfüllten Kleinstadt hinter den Gartenmauern zu. Sie liebt diese Geräusche, das Leben, was da pulsiert. Es ist ein guter Kontrast zu ihrer täglichen Arbeit. Eine Erinnerung, dass es mehr gibt als das, was sie täglich in ihrem Job sieht.
„Vermisst du ihn?” fragt sie schließlich. Sie muss nicht sagen, welchen Adam sie meint. Das wissen sie Beide.
Er zuckt mit den Schultern und kann ihr nicht in die Augen sehen. Seine Worte sind leise, kaum hörbar über das Pfeifen der Vögel auf dem Baum hinter der Mauer. „Er war mein bester Freund, zumindest habe ich das gedacht. Aber er hat mir nicht vertraut, nach allem -- ” Er bricht ab, sammelt sich, trinkt einen Schluck Wasser. „Wir haben viel zusammen erlebt und er hat mir trotzdem nicht vertraut.”
„Das tut mir leid”, sagt Bente und meint es auch so. Leo brummt nur zustimmend und schweigend trinken sie ihr Wasser aus.
Paul Adams Mörder überführen sie zwei Tage später.
---
Genau ein Jahr nachdem sie ihn das letzte Mal gesehen hat, taucht Leos Adam wieder im Präsidium auf. Seine Haare haben einen anderen Blondton, aber das grummelige Gesicht würde Bente überall wieder erkennen. Ihr erster, verführerischer Gedanke ist, ihm den frisch gekauften Kuchen ins Gesicht zu drücken. Aber sie hat Leo seinen geliebten Birne-Helene-Kuchen dafür versprochen, dass er in der letzten Teamleitersitzung für sie eingesprungen ist, und sie möchte den Kuchen nicht an Adam verschwenden.
Er sieht den Unmut wohl in ihren Gesicht und hebt die Hand, bevor sie überhaupt etwas sagen kann. „Nur noch einmal. Um mich zu entschuldigen, persönlich. Wenn er dann -- ” Er schaut zu Boden und holt tief Luft. „Dann sehen Sie mich nie wieder.”
Sie sagt immer noch nichts. Denkt an Leos leises „Adam” damals auf dem Kopfsteinpflaster, an fehlendes Vertrauen und überlegt, ob sie die ebenfalls frisch gekaufte Eierschecke für ein bisschen Genugtuung opfern sollte. Thorben würde schon drüber hinweg kommen.
„Nur ein Gespräch. Bitte.”
Adam schafft es tatsächlich noch elender auszusehen als damals, als er vollkommen durchnässt vor ihr stand. Gut so, denkt sie. Hat also nicht nur Leo gelitten im letzten Jahr. „Ich werde ihn fragen”, antwortet sie schlussendlich. „Sie warten hier.”
Er ist so erleichtert, dass er beinahe in sich zusammen fällt. Gerade so schafft er es noch zu einem der hässlichen und unbequemen orangenen Plastikstühle im Wartebereich. Sie nickt ihm noch einmal zu, bevor sie nach oben geht.
---
Leo geht zu dem Gespräch. Beinahe möchte sie ihn davon abhalten, aber das steht ihr nicht zu. Leo ist erwachsen und muss seine eigenen Entscheidungen treffen.
„Wenn der Pisser Leo wieder weh tut, geleite ich ihm persönlich zum Bahnhof”, grummelt Thorben nachdem Leo aus der Tür hinaus ist und Bente wird es warm ums Herz. Thorben ist ein alter Meckerkopf, aber Leo gehört zum Team und das wird beschützt, da lässt Thorben nichts drauf kommen. Vor allem, nachdem er sich mit Leo einmal so in die Nesseln gesetzt hat.
Leo erscheint den ganzen Nachmittag nicht wieder im Büro, schickt aber eine Nachricht, ob das okay ist.„Nimm, solange du brauchst”, schreibt Bente zurück und ist überrascht, als Leo abends an ihrer Tür klingelt. Er sieht nervös aus. Nervös und hoffnungsvoll und voller unterdrückter Energie. Sie führt ihn in den Garten, aber statt sich zu setzen tigert Leo auf und ab -- was bei seiner Schrittlänge und der Gartengröße durchaus komödiantisch wirkt. Für einen Moment bleibt Bente unschlüssig stehen, dann setzt sie sich und greift nach der Weinschorle, die sie sich gerade eingegossen hatte. Die letzten Reste der angestauten Hitze des Tages werden gerade durch die aufkommende Brise aus den Gassen der Altstadt vertrieben und sie hört die Glocken von St. Nikolai den Abend einläuten.
„Er hat sich entschuldigt. Ich meine, Adam.” Leo fährt sich durch die Haare und bringt sie dazu, so durcheinander auszusehen, wie er sich wahrscheinlich fühlt.
„Glaubst du ihm denn?” hakt Bente nach. Sie will nicht, dass Leo alles Stehen und Liegen lässt nur weil so ein blonder Grummelkopf endlich mal den Mund aufbekommen hat. Leo hat was Besseres verdient.
„Ich denke schon?”, erwidert Leo unsicher. Bente nickt und nippt an ihrem Glas.
„Und jetzt?”
„Ich weiß nicht”, sagt er und zuckt beinahe hilflos mit den Schultern. Bente nimmt noch einen großen Schluck von ihrer Schorle und setzt sich gerade hin, den Rücken durchgestreckt. Das ist es jetzt, die Frage, die sie sich seit einem Jahr stellt und nie laut ausgesprochen hat. Bis jetzt. Aber wenn sie Recht hat, und da ist sie sich ziemlich sicher, dann ist das der Kern des Problems. Der Grund, warum Leo hier und nicht in Saarbrücken ist. Warum er Mauern so hoch wie Wolkenkratzer um sich gezogen hat.
„Du liebst ihn, oder?” fragt sie sanft.
Leo bleibt einfach stehen und für einen Moment befürchtet sie, dass sie falsch liegt. Dass er sie angelogen hat und Adam ihm doch auf ganz andere Weise weh getan hat. Aber dann wird Leos Gesicht ganz weich und ein sanfter Rotton breitet sich auf seinen Wangen aus, der nichts mit dem Sonnenschein der letzten Tage zu tun hat.
Liebe, also, ist Bente sich sicher und überlegt, ob sie sich nach einem neuen Teammitglied umschauen muss.
---
Leo bleibt in Stralsund und Bente ist froh darum. Aber Adam sieht sie jetzt öfter. Mindestens einmal im Monat, manchmal auch zweimal. Dann steht er Freitag Nachmittag vor dem Foyer wenn sie sich in den Feierabend verabschiedet und raucht. Wenn es regnet hat er inzwischen sogar einen Schirm. Sie geht jede Wette ein, dass er den von Leo hat. Adam nickt ihr immer freundlich zu wenn er sie sieht, aber groß reden tun sie nicht. Warum auch. Er ist nicht wegen ihr hier und ihr reicht es, dass Leo manchmal mit ihr darüber redet -- in der Teeküche, in ihrem Garten oder wenn sie sich auf einen Kaffee am Alten Markt in die Herbstsonne setzen. Es sind nur Fragmente, die er ihr erzählt, das ist ihr klar, aber es vervollständigt doch das Bild von Leo Hölzer, das sie sich im letzten Jahr zusammen geklaubt hat.
Leo, der versucht, das Richtige zu tun. Der mehr gibt als das er bekommt und schließlich einsieht, dass er Grenzen überschreitet. Seine und andere und dass das auf Dauer nicht gut geht. Leo, der sich fast verliert und als letzten Ausweg die Flucht nach vorne sieht.
Zu Beginn des Winters wird Leo krank, eine schwere Erkältung legt ihn flach. Sie will ihm schon anbieten, ihm Hühnersuppe vorbeizubringen, aber als er sich am Telefon mit krächzender Stimme krank meldet, hört sie im Hintergrund Adams mürrische Stimme, der nach einem Suppentopf fragt und sich darüber beschwert, dass Leo schon wieder umgeräumt hat. Sie gluckst amüsiert, wünscht Leo gute Besserung und legt auf.
An Weihnachten bleibt Leo in der Stadt. Das weiß sie, weil er es ihr erzählt und sie sich außerdem zusammen mit Adam auf dem Weihnachtsmarkt treffen. Leo begrüßt die Frau am Süßigkeitenstand mit Namen und Adam verdreht die Augen bevor er sich verschwörerisch zu Bente hinüber beugt um ihr viel zu laut zu erzählen, dass Leo nicht genug von den Schokoweintrauben bekommen kann. Sie blinzelt. Zum einen, weil sie nicht erwartet hat, solche Dinge je über Leo zu erfahren und zum anderen, weil ausgerechnet Adam sich die Mühe damit macht. Leo beschwert sich im nächsten Moment, dass Adam Geheimnisse ausplaudert, aber als er und Adam dann dicht an dicht stehen und sich die Weintrauben teilen, wird Bente klar, dass sie sich im neuen Jahr jemand Neues für ihr Team suchen werden muss.
---
Es dauert dann doch bis zum Spätsommer -- sie hat Leo während der Wallensteintage Obdach in ihrem ruhigeren Arbeitszimmer gewährt und inzwischen auch Adam öfter zu sich nach Hause eingeladen, weil ihre Kinder ihn überraschenderweise abgöttisch lieben -- bis Leo in ihrem Büro steht und nervös die Hände wringt.
„Das LKA4 hat eine Stelle für mich. Als Teamleiter”, sagt er und Bente lehnt sich in ihrem Stuhl zurück. Sie hat sich schon gefragt, wann er es ihr sagt. Schließlich hat sie schon vor einer Woche ein Telefonat dazu geführt und ihn in den höchsten Tönen gelobt. Das hindert sie aber natürlich nicht daran, ihn jetzt ein bisschen zu triezen. Bald kann sie das ja nicht mehr machen.
„Leezen ist aber ganz schön weit weg”, erwidert sie und grinst, als Leo sie nur unverständlich anschaut. Natürlich kennt er nicht jedes Kleckerdorf in Mecklenburg-Vorpommern, auch wenn dort das LKA sitzt.
„Ich -- ich meine das im Saarland. In Saarbrücken.”
„Weiß ich doch, Leo”, erlöst sie ihn schließlich und steht lächelnd auf.
„Du bist nicht sauer?”
„Sauer? Weil du glücklich bist?” Bente schüttelt den Kopf. „Nein, Leo. Was für eine schlechte Chefin wäre ich denn dann? Wir alle wussten doch, dass dieses Team nur eine Zwischenstation für dich sein würde. Und wenn es nur auf dem Weg zu deinem eigenen Team hier gewesen wäre. Bin ich traurig, einen so fähigen Mitarbeiter zu verlieren? Aber sowas von. Aber vor allem freue ich mich für dich.” Sie schaut ihm fest in die Augen. „Dich und Adam.”
Und da ist es wieder, dieser sanfte Rotton auf seinen Wagen. Der, der ihr sagt, dass es ihm gut geht, dass die Mauern kleiner geworden sind, das Vertrauen größer. Es steht ihm gut, findet sie und nimmt ihn in den Arm.
-- fin
