Work Text:
Am Ende würden beide behaupten, dass es nicht ihre Schuld war. Sowohl Jason als auch Dick waren gut trainierte und talentierte Vigilanten beziehungsweise Crimelords. Sie wussten genau, wie sie gegen Kleinkriminelle kämpfen mussten und wussten normalerweise auch, wie man sich nicht von einem komischen Strahl treffen ließ. Der Zufall wollte es jedoch, dass Red Hood an jenem Abend hungrig in Gotham kämpfte und Nightwing in Blüdhaven schon seit ein paar Stunden zu viel auf den Beinen war. Also ja, die beiden waren Professionelle, aber sie würden keine Sekunde zögern, um die Schuld nicht auf den jeweils anderen zu schieben.
Jason wusste, dass er ein Problem hatte, als er nicht in seinem Bett aufwachte, sondern auf einer steinharten Couch, die darüber hinaus noch absolut wiederwertig war. Sie hatte Blut- und Essensflecken und Jason musste sich erst die Hände waschen, bevor er sich damit beschäftigen konnte, wie er hier gelandet war. Generell schien der Besitzer dieser Wohnung nichts von Ordnung zu halten, denn quer über den Küchenboden lagen Klamotten zerstreut und leere Pizzakartons stapelten sich über den Abfalleimer. Jason war dieser Ort zuwider und er wäre lieber in einem Müllcontainer aufgewacht als in dieser fremden Wohnung. Zumindest hätte er sich dann nicht damit beschäftigen müssen, dass manche Leute freiwillig so lebten.
Seine richtigen Probleme begannen in dem Moment, in welchen er sich selbst in der Spiegelung des Wasserhahns sah. Er vergaß das Wasser abzustellen und stolperte stattdessen zur nächsten Schublade, um sich sein Gesicht in der Spieglung eines Küchenbessers anzusehen. Das … Das konnte nicht sein.
Wann … Wann hatte er Körper mit Dick Grayson getauscht?
Ein paar wertvolle Sekunden später wurde ihm bewusst, dass er sich beeilen musste, wenn ihm sein eigener Körper irgendwas bedeutete.
Ein lautes Ringen ertönte und Dick stöhnte. Wer klingelte denn so früh morgens? Wer weckte einen anderen Menschen um solch eine Uhrzeit?
Die Wahrheit war, dass Dick auch gut bis Mittag geschlafen haben konnte, immerhin hatte er heute frei. Aber das war nur ein schwacher Trost nach dem Schock des gestrigen Abends. Er war immer noch froh, dass der Strahl aus der komischen Waffe nichts schlimmes angerichtet hatte.
Grummelnd setzte er sich auf und verzog dabei den Mund. Seine Rippen fühlten sich so an, als hätte er sie verstaucht, aber das konnte gar nicht sein. Daran hätte er sich doch bestimmt erinnert. Was aber noch komischer war, war seine Sicht, welche plötzlich viel zu eingeschränkt war … als würde er einen Helm tragen.
Das Ringen verschwand nicht, aber dafür atmete Dick schneller, als er zu seinem Kopf griff und anstatt auf Haut und Haare auf eine harte Oberfläche fasste.
„Was zum…?“, fragte er laut und zuckte zusammen, als er sich selbst durch einen Stimmenverzerrer hörte. Diese Stimme kannte er. Red Hood. Aber warum zum Teufel hatte er Red Hoods Helm auf? Er war noch in Blüdhaven gewesen, als er eingeschlafen war, da war er sich sicher. Was war passiert?
Das Klingeln verstummte und setzte fast ohne Pause wieder ein. Dick stöhnte und erstarrte, als einer seiner Finger einen kleinen Knopf über dem rechten Ohr betätigte. Wie auf das Kommando hörte er eine Stimme, die man niemals hören wollte. Die eigene.
„Egal was du tust: Hände weg vom Helm. Es ist ein Glück, dass du den richtigen Knopf für den Anruf gefunden hast, aber das wars. Ab jetzt keine Knöpfe mehr drücken.“
Dick hatte schon viel in den letzten Jahren erlebt und er konnte stolz behaupten bei vielen Ereignissen mittlerweile ruhig zu bleiben, doch diese Situation war ihm zu viel.
„Was geht hier vor? Warum klingst du so wie ich?“
Ein Seufzen ertönte und Dick wurde bewusst, wie nervig er für andere dabei klang. Warum hatte nie jemand etwas gesagt? Kein Wunder, dass Tim manchmal so genervt von ihm war, wenn er ihn mal wieder seufzend auf den übermäßigen Kaffeekonsum hinwies. Obwohl… Es lag wohl eher hauptsächlich am Hinweis, aber sein Seufzen half bestimmt auch nicht.
„Ich … Ich bin auch gerade erst aufgewacht. Scheint so, als hätten wir irgendwie Körper getauscht.“
Dick erstarrte. Das … Das war nicht gut. Wenn Red Hood so aussah wie Dick Grayson… Dann hätte Dick ordentliche Probleme, sollte Red Hood beschließen, weiterhin Leute zu töten. Doch genauso ungut wäre es, wenn Red Hood beschließen würde Dicks Wohnung zu durchsuchen und dabei auf den Nightwing-Anzug stieß.
„Ist wohl meine Schuld“, redete Red Hood weiter, ganz normal, als würde er über das Wetter sprechen. „Wurde gestern Abend von einer unbekannten Waffe getroffen. Keine Sorge. Ich finde schon einen Weg, wie du wieder deinen Körper bekommst und ich meinen. Bis dahin musst du aber den Helm aufbehalten und darfst nicht meine Wohnung verlassen. Ich komme zu dir.“
Dick musste schnell denken. Zuerst einmal: Vielleicht war es nicht nur Red Hoods Schuld, immerhin war Nightwing auch getroffen worden (nicht, dass er dies Red Hood verraten dürfte) und zum anderen Mal, musste er diesem Plan zustimmen, damit Red Hood sich nicht die Zeit nahm seine Wohnung zu durchsuchen. Nicht, dass es ihm gefiel, dass er offensichtlich Gothams neusten Kriminellen vertrauen musste. Er hätte ja die Gelegenheit genutzt und Batman angerufen, aber dabei würde er nur riskieren, dass Red Hood erfuhr, dass Dick Grayson Kontakte zu Gothams Vigilanten hatte. Das wäre alles andere als gut. Also musste er erst einmal nach Hoods Pfeife tanzen, bis ihm eine bessere Möglichkeit einfiel. Das hieß aber noch lange nicht, dass er dies auch so formulieren musste.
„Du willst doch nur nicht, dass ich deine Identität erfahre.“
„Das willst du auch nicht, weil ich dich ansonsten töten müsste. Zudem hänge ich momentan an meinem Körper und wenn du den Helm mit den falschen Bewegungen abnimmst, sprengst du meinen wunderschönen Kopf weg. Also: Finger weg!“
Dick erschauderte. Das war ein Scherz, oder? Niemand konnte so verrückt sein.
„Du hast eine Bombe in deinem Helm?“, fragte er trotzdem geschockt nach.
„Ja“, antwortete Hood und dieser eiskalte Tonfall stand Dicks Stimme gar nicht.
„Okay, okay. Meine Finger sind schon weg.“
Dicks Magen grummelte und Dick wurde bewusst, dass er mit diesem Helm auch nichts essen könnte. An sich wäre dies wohl Hoods Problem, aber da Dick momentan in diesem Körper steckte, wurde es zu seinem. Er hatte nur das Gefühl, dass es jemanden wie Hood nicht interessieren würde.
„Du kannst mein Motorrad verwenden“, sagte Dick also stattdessen, „Die Schlüssel sind neben der Tür. Es steht in der Tiefgarage eine Straße weiter. Solltest du Geld fürs Tanken brauche, benutz einfach meine Kreditkarte.“
Kurz war es still und Dick überlegte tatsächlich, ob Hood nicht schon längst aufgelegt hatte. Doch, dann meldete sich die Stimme schon wieder. „Alles klar und du bleibst im Bett. Je weniger du von mir weißt, desto besser. Schau dich nicht in meiner Wohnung um. Die Tür rechts führt zum Bad. Das ist auch der einzige Raum, den du betreten darfst.“
Damit ertönte ein Piepen, als Hood auflegte.
„Bossy“, murmelte Dick noch und konnte wohl froh sein, dass Hood es nicht gehört hatte.
Von Blüdhaven nach Gotham brauchte man ungefähr eine halbe Stunde, wenn man nichts auf Tempolimits gab. Das hieß also, dass Dick bestimmt nicht auf Red Hood hören würde und die Zeit nutzen würde, um sich ausgiebig umzusehen. Wenn er vorsichtig war, würde es Hood noch nicht einmal bemerken.
Jason atmete erleichtert aus, sobald er das Telefonat beendet hatte. Zum Glück schien es nicht so, als hätte Dick bisher irgendjemanden von der Batfamily eingeweiht und nach dieser deutlichen Drohung würde er es hoffentlich auch nicht mehr machen. Jason konnte darauf verzichten, dass sich Batman in diese Angelegenheit einmischte, Jasons Identität herausfand und damit alles ruinieren würde, woran Jason die letzten Jahre gearbeitet hatte. Sein Plan war bereits am Laufen und diese kleine Störung passte ihm gar nicht.
Erst, als er sich nochmal dazu zwang tief einzuatmen, wurde Jason auch bewusst, dass er seine Hände zu Fäusten geballt hätte. Noch ein wenig mehr Kraft und er hätte vermutlich mit Dicks – manikürten? Wirklich dafür gab er Geld aus aber für einen vollen Kühlschrank reichte es nicht? – Fingernägeln in die Handfläche geschnitten. An sich könnte dies Jason egal sein, aber es war etwas anderes jemanden während eines Kampfes zu treten oder diesen jemand durch einen Körpertausch persönlich selbst zu verletzen. Das wirkte auf einer ganz anderen Ebene abgefuckt, welche Jason lieber nicht erforschen wollte. Stattdessen blickte er an sich herunter und musste leider feststellen, dass er nur in Boxer gekleidet in der Küche stand. In Nightwing-Boxer. Warum machte sein Bruder ihm alles so schwer? Zum Glück hatte er aus unerfindlichen Gründen eine blaue Lederjacke im Kleiderschrank, welche sich gut mit einem schwarzen Tanktop und einer schwarzen Jeans kombinieren ließen. Jason würde es vielleicht noch bereuen, sich nicht so zu kleiden, wie es Dick normalerweise tat … aber wenn er nicht zumindest eine Sache hatte, die ihn das Gefühl gab, dass er immer noch er selbst war, dann würde er den Verstand verlieren.
Dick entschloss sich zuerst dort hinzugehen, wo er nicht gesehen werden sollte. Wenn er am Ende noch Zeit hatte, konnte er das Bad unter die Lupe nehmen, ohne, dass Red Hood ihn groß dabei ertappen konnte, immerhin hatte er es Dick erlaubt.
Wie es wohl von einem Crimelord nicht anderes zu erwarten war, fand Dick die erste Waffe, als er aufstand. Unter dem Kissen auf welchen er gelegen hatte, ragte eine Pistole hervor, welche zum Glück gesichert war. Aber ehrlich gesagt, fragte sich Dick schon, ob man sie nicht einfach auf dem Nachttisch hätte legen können … wo die zweite Waffe, ein Messer, war. Dick war nicht dumm: Er würde wohl noch viele weitere Waffen finden.
In der Küche, welche einen kurzen Gang entfernt bereits erreicht war, befanden sich natürlich Küchenmesser, aber darüber hinaus, war die Küche bestens ausgestattet. Der Kühlschrank war besser gefüllt, als bei Dick zuhause und der Herd war viel zu hochwertig, wenn man sich den Rest der Wohnung ansah. Man sollte ihn nicht missverstehen, die Wohnung war schön, aber man sah an den Wänden, dass sie eben schon bessere Tage gesehen hatte. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte, dass er sich in Crime Alley befand und egal, wie viel Bruce versuchte hier etwas mit seinem Geld zu verändern, die meisten Wohnungen hatten noch viel schlimmere Tage gesehen.
Im offenen Wohnzimmer befand ich eine Couch, welche sehr bequem aussah. Ansonsten fehlte aber ein Fernseher und stattdessen waren Bücherregale an der Wand angebracht. Dick ging in die Hocke und betrachtete das Buch, welches auf dem Wohnzimmertisch lag. Es war eine ältere und bereits sehr gut durchblätterte Ausgabe von „Stolz und Vorurteil“ und auch, wenn es wohl ein sehr beliebtes Buch, war konnte Dick nicht anders, als so schnell wie möglich wegzuschauen. Er wollte momentan nicht darüber nachdenken, dass der neue Schurke in Bruce‘ Stadt denselben Buchgeschmack, wie sein Bruder hatte. Sein neuer Blickwinkel hatte aber auch etwas Gutes, denn wie vermutet, befand sich unter dem Tisch Waffe Nummer drei. Eine weitere Pistole, welche spärlich an der Unterseite festgeklebt wurde. Wenn Dick schätzen durfte, hatte Hood noch mehr Waffen, aber diese würden sich wohl in anderen Safehäusern oder spezielle Lager befinden. Ob alle von Hoods Wohnungen so gut eingerichtet waren? Oder war dies vielleicht doch eines seiner liebsten Apartments? Dick konnte es sich gut vorstellen, zumindest er hätte keine Probleme damit hier einzuziehen.
Jason hätte zu gerne das Tempolimit ignoriert (Bruce könnte schon den ein oder anderen Strafzettel zahlen), aber was er momentan nicht wollte, waren weitere Schwierigkeiten. Demensprechend fuhr er auch an den Straßenrand, als er Gotham erreichte und Dicks Telefon in seiner Jackentasche vibrierte. Wenn es Dick war, der anrief, dann wäre es ein Fehler es zu ignorieren. Zu seinem Missfallen war es jedoch „Baby bird“, welcher anrief. Ob Bruce wusste, dass Dick seinen Ersatz so eingespeichert hatte? Soweit Jason wusste, hatte Dick noch nicht einmal seine Handynummer gehabt. Er hatte seine nur Jason gegeben und dieser hatte ihn nur einmal angerufen, danach hatte er nicht mehr die Gelegenheit dafür bekommen, weil … nun ja, weil er eben tot war.
Stöhnend ging Jason ans Telefon. Er kannte die Paranoia der Fledermäuse nur zu gut und brauchte es nicht, dass man Dicks Handy ordnen würde, weil man sich Sorgen machte.
„Was gibt’s?“, knurrte Jason fast schon und grinste kurz darauf, als er glaubte den Ersatz zusammenzucken zu hören. Okay, vielleicht gab es auch einen anderen Grund, wieso sein Handy auf den Boden aufkam, aber Jason war sich fast sicher, dass es an ihm gelegen hatte.
„Äh, Dick. Ich … Also, alles gut. Falls du heute was Besseres zu tun hast, ist es nicht schlimm, wirklich nicht. Ich wollte nur sichergehen, dass es dir gut geht, weil du mich heute von der Schule abholen wolltest und der Schulschluss schon vor einer halben Stunde war … und wie gesagt: Es ist nicht schlimm. Ich weiß ja, dass du viel zu tun hast. Du meintest nur, dass du heute nach Gotham schaust und es sehr gerne für Alfred übernimmst und…“
Jason konnte diesem Gerede nicht mehr zuhören. Zu Beginn hatte es ihn noch leicht wütend gemacht, dass Dick natürlich den Ersatz abholte, dies aber nie für Jason auf sich genommen hatte. Doch mit jedem weiteren Wort, fühlte es sich nicht mehr so gut an. Jason wusste, wie es klang, wenn man sich für etwas entschuldigte, weil man es so gewohnt war. Er hatte es oft genug gemacht und wenn er schätzen müsste, wer es seinem Ersatz beigebracht hatte, würde er wohl auf dessen Rabeneltern tippen.
„Ich bin gerade an Gotham angekommen und ein paar Straßen von Gotham High entfernt. Bin gleich da.“
Jason hatte keine Lust seinen Ersatz nach Hause zu fahren. Das wäre ein viel zu großer Umweg und wer wusste, ob er danach so schnell wegkam. Das Problem war nur, dass er Bruce kannte. Wenn Tim ihm erzählte, dass Dick ein Versprechen nicht eingehalten hatte, dann würde er misstrauisch werden. Wenn Bruce dann noch erfuhr, dass Dicks Körper momentan in Gotham war und er trotzdem nicht Tim abgeholt hatte, war Jason in Schwierigkeiten. Er hatte da wirklich keine Wahl.
„Oh… Okay. Dann bis gleich, Dick.“
„Bis gleich Ersatz.“
Tim erstarrte und konnte sein Blick länger nicht von seinem Handy losreißen, welches mittlerweile einen schwarzen Bildschirm zeigte. Dick … hatte ihn schon länger nicht mehr so genannt. Tatsächlich hatte Dick nur einmal das Wort verwendet und war ganz zu Beginn gewesen, als er in Tim nur einen Ersatz für Jason, als einen wirklichen Bruder gesehen hatte. Tim hatte immer gedacht, dass sie seit damals einen weiten Weg hinter sich gelegt hatten, aber anscheinend war Dick heute mit dem falschen Fuß aufgestanden, denn er zeigte sich von seiner schlechtesten Seite. Er hatte manchmal von Bruce gehört, dass Dick schon mal zu spät kommen konnte, aber bisher hatte er es nie selbst erlebt. Es passte auch nicht ganz zu dem Bild, welches Tim von seinem Bruder hatte.
Es wurde nicht besser, als Dick neben ihm an den Bordstein heranfuhr. Er hatte sich heute für sein Motorrad und nicht für sein Auto entschieden, was komisch war, immerhin wussten sie beide, dass er keinen zweiten Helm besaß. Doch noch komischer war seine Kleidung. Dick trug die Lederjacke, welche Barbara von einer Freundin geschenkt bekommen hatte, ihr aber viel zu groß gewesen war. Tim hatte sie noch nie an ihm gesehen.
„Sorry, dass ich spät bin“, meinte Dick, als er vom Motorrad abstieg und es dauerte etwas, bis Tim begriff, warum ihn das komisch vorkam. Dicks gesamte Haltung war angespannt und hatte nichts Elegantes an sich. Normalerweise schien jeder seiner Bewegungen kontrolliert lässig, aber momentan schrie alles an ihm nach Kampf.
„Bist du verletzt?“, fragte Tim nach und trat einen Schritt näher. Dick schüttelte den Kopf und sein Lächeln war aufgesetzt. Doch kein typisches Grayson-Lächeln, welches er Personen auf Galas schenkte, sondern ein komplett falsches.
„Nein, keine Sorge.“ In Dicks Augen funkelte etwas und Tim konnte es nicht einordnen, aber plötzlich war er zumindest genauso kommunikativ wie immer. „Ich bin nur gestern Abend auf diese Typen getroffen und sie hatten ganz komische Waffen. Irgendein Strahl hat mich getroffen, aber bisher hat er keine Wirkung gezeigt. Leider konnten sie entkommen, weswegen ich sie nicht dazu ausfragen konnte. Denkst du, du kannst mir helfen sie zu finden?“
Und bevor Tim es verhindern konnte, war sein Misstrauen für einen Moment verschwunden und er nickte begeistert. „Aber natürlich!“
Es kam nicht oft vor, dass Dick um Hilfe bat und wenn, dann sprach er normalerweise zuerst mit Bruce und nicht mit Tim. Tim würde diese Gelegenheit also auf jeden Fall nutzen.
„Perfekt. Dann steig mal auf Ersa- Tim.“
Tim nahm den Helm an und setzte ihn schnell auf, damit Dick seine Miene nicht lesen konnte. Für einen Moment hatte er alle Hinweise ignoriert, aber da war dieses kleine Wörtchen erneut und dieses Mal hatte Dick sogar versucht sich zu retten. Egal, was dieser Strahl mit ihm gemacht hatte, etwas stimmt nicht mit Dick. Tim würde mit Bruce reden müssen, denn Dick war momentan auf jeden Fall nicht zurechnungsfähig.
Dick hatte nur noch das Bad vor sich und wenn er die Zeit richtig im Kopf hatte, würde Red Hood frühestens erst in zehn Minuten auftauchen. Mehr als genug Zeit, denn wenn er die Wohnung richtig einschätze, war das Bad bestimmt nicht groß.
Das erste, was ihm jedoch auffiel, als er die Tür öffnete, war nicht die Größe des Raums, sondern die Tatsache, dass vor ihm nur eine einzelne Scherbe hing, wo bestimmt früher einer Spiegel gewesen war. Dick war sich fast sicher, dass Hood diesen zerstört haben musste, aber seine Hände fühlten sich nicht verletzt an, weswegen es bestimmt schon länger her war. Auf den Boden waren auch keine Scherben mehr verteilt.
Neben dem Waschbecken war noch eine Toilette und eine Dusche, die schon bessere Tage gesehen hatte. Alles nicht sehr interessant. Dafür aber, war unter dem Waschbecken noch ein kleiner Schrank, welchen Dick öffnete. Viel stand dort nicht, aber zumindest hatte Hood einen erste Hilfe Kasten in dieser Wohnung. Seufzend zog Dick ihn hervor, nur um ihn im nächsten Moment wieder in den Schrank zu stoßen. Wenn Alfred diese Ausstattung gesehen hätte, hätte er erst einmal eine sehr lange Rede gehalten. Anstatt von richtigen Nähzeug für Wunden, hatte Dick nur Zahnseide gefunden und die Auswahl von Verbänden war gar nicht möglich gewesen. Wollte Hood ihm wirklich weiß machen, dass er kleine Schmetterlingspflaster auf Schusswunden klebte und hoffte, dass das etwas brachte? Bei der Ausstattung befürchtete es Dick fast.
Seufzend fasste sich Dick wieder automatisch an den Helm und zog sie sofort wieder weg, als hätte er sich verbrannt. Er musste wirklich vorsichtiger sein. Aber es war manchmal so leicht zu vergessen, auch, wenn er sich momentan in der einen Scherbe etwas betrachten konnte. Das rot wirkte im spärlichen Licht des Bades so bedrohlich wie eh und je. Dick konnte sich schon denken, warum Red Hood sich dafür und nicht für einen schwarzen Helm entschieden hatte. Okay … und vielleicht hatte der Mann den Namen behalten wollen, auch, wenn ihm das nur so halb gelungen war, wenn man Dick fragte.
Vermutlich war sein nächster Gedanke alles andere als ehrenhaft und er würde sich dafür noch früh genug Vorwürfe machen, aber die Wahrheit war, dass Red Hood mittlerweile irgendwie herausgefunden haben konnte, dass Dick Nightwing war, während Dick selbst kaum Informationen über Hood erhalten hatte. Er wusste zwar nicht, wie ihm der Rest vom Körper, den er durchaus sehen konnte, helfen sollte, aber es war besser als nichts. Keine Sorge, er würde auf keinen Fall so weit sinken und die Unterwäsche von Hood ausziehen, aber er betrachtete zumindest eine Hände näher. Diese waren an den Fingerspitzen mit Narben übersäht und Dick wollte gar nicht wissen, woher sie kamen. Die Nerven schienen aber nicht beschädigt worden zu sein, denn er spürte genau den Stoff von Hoods T-Shirt, als er es nach oben zog. Im nächsten Moment wurde ihm schlecht.
„Was?“, fragte er laut und ließ den Stoff wieder fallen.
Er konnte es sich eingebildet haben, aber wieso zum Teufel, hatte er gerade eine Y-förmige Narbe über Hoods gesamte Brustkorb gesehen?
Jason hatte zu Beginn befürchtet, dass sein Ersatz irgendwas vermutete, aber vermutlich war er einfach nur wütend gewesen, dass Dick so lange gebraucht hatte, um ihn abzuholen. Jetzt klammerte er sich auf jeden Fall an Jason fest und Jason lehnte sich vielleicht etwas fester in eine Kurve, nur um ihn zu ärgern. Ob Dick dies auch öfters machte? Jason wollte ehrlich gesagt nicht darüber nachdenken, sondern nur seinen Körper zurück. Danach könnte er weiter daran arbeiten den Drogenhandel in Gotham zu übernehmen. Diese kleine Unterbrechung war ja ganz nett gewesen, aber es hatte Jason nur verdeutlicht, wie leicht er ersetzt worden war. Doch, wo früher bei diesen Gedanken grün gewesen war, war alles klar. Er hatte nicht das Verlangen seinen Ersatz bei der nächsten Gelegenheit das Genick zu brechen und wusste ehrlich gesagt nicht, warum er jemals so gefühlt hatte. Klar, tat es weh, dass Bruce sich einfach ein neueres Modell geholt hatte, aber Jason konnte momentan keinen Grund finden, wieso das die Schuld des Jungen sein sollte.
Er vergaß seine Gedanken, sobald er die Umrisse des Manors sah. Wie lange war er schon nicht mehr hier gewesen? Ein paar Jahre. Und trotzdem schrie etwas in ihm, dass es sein Zuhause war. Er wollte diese Stimme packen und verstummen lassen. Hoffnung tat nur weh, sobald sie zerstört wurde.
Er stellte den Motor ab und stieg nach Tim vom Motorrad. Tim reichte ihm den Helm und Jason legte ihn einfach auf den Sitz. Er würde schon nicht verschwinden.
„Wir können sofort runter gehen“, meinte Tim mit einem Lächeln und Dick zeigte einen Daumen nach oben. Die Eingangshalle des Manors war genauso sauber, wie eh und je. Fast hätte Jason seine Schuhe ausgezogen, aber dann wurde ihm bewusst, dass nicht er es war, der Ärger kriegen würde und behielt sie an. Tim sagte nichts dazu, sondern machte einfach nur eine Handbewegung, dass Jason vorausgehen sollte, während er noch aus seiner Jacke schlüpfte.
Jason zuckte mit den Schultern und ging in Richtung Arbeitszimmer. Er versuchte nicht zu sehr drauf zu achten, aber auf dem Weg fielen ihm Kleinigkeiten auf, auf die er gut hätte verzichten können. Dort, wo früher einmal Fotos von ihm gehangen hatte, waren jetzt kahle Stellen. Doch anstatt nun Fotos von seinem Ersatz zu sehen, waren hier und da nur alte Fotos von Dick aufzufinden. Besonders fair war das nicht, aber schien so, als würde der goldene Junge immer Bruce‘ Liebling bleiben. Um nicht laut zu knurren, biss er seinen Kiefer aufeinander und trat lieber so schnell, wie möglich ins Arbeitszimmer. Leider war Bruce anwesend.
„Oh, Dick. Kann ich dir helfen?“, fragte Bruce sofort und legte die Blätter zur Seite, welcher er bis eben noch gelesen hatte.
Jason versuchte sich an seinem besten Dick Grayson Lächeln, wusste aber ehrlich gesagt nicht, wie Dick dieses schaffte. Jason konnte sich aber auch nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal gelächelt hatte. „Nein, alles gut. Ich brauch nur etwas von unten.“
Tim trat hinter ihm ein und Jason sah genau, wie es in Bruce‘ Gehirn ratterte. Der alte Mann versuchte Hinweise zusammenzusetzen und einen Fall zu lösen, anstatt einfach nachzufragen.
„Ihr arbeitet an einem Fall“, kam Bruce schließlich zu einer Schlussfolgerung.
Jason ließ sein Lächeln nicht fallen. „Jap“, antwortete er und ploppte dabei das ‚p‘, was ihn einen schiefen Blick erntete. Verdammt. Dick tat sowas anscheinend nicht mehr. Wann hatte sein Bruder entschlossen, dass dies nicht mehr angebracht war?
„Kann ich euch helfen?“
Bevor Dick ablehnen konnte, trat Tim mit einem Lächeln nach vorne und nickte eifrig. „Ja, bitte!“
Jason musste sich zusammenreißen, damit sich seine Hände nicht zu Fäuste ballten, stattdessen lächelte er weiterhin, während er zur Standuhr ging und die Zeiger verdrehte. Manche Sachen würden sich nie ändern und das war auch gut so. Jason hätte nicht gewusst, wie er hätte erklären sollen, dass er ein Passwort vergessen hat.
Bruce wusste nicht, was es genau war, dass ihn störte, aber seit Dick in sein Büro getreten war, führte sich sein Körper so auf, als wäre er in Gefahr. Er versuchte ruhig zu bleiben und nicht auf diese Signale zu reagieren, aber es war schwer. War Dick wütend ohne, dass es Bruce bewusst wahrgenommen hatte? Bereitete sich sein Körper deswegen auf einen Kampf vor? Bruce hätte wohl noch ewig darüber nachgegrübelt, doch, als er seinen Söhnen nach unten folgte, bemerkte er Tims Handbewegungen. Er hatte seine Hände hinter seinem Rücken versteckt, sodass nur Bruce die Gebärden lesen konnte. Es war schwer ruhig zu bleiben.
„Dick. Kompromittiert.“
Die Signale waren missverständlich, aber Tim wiederholte sie trotzdem einige Male, was Bruce darin bestärkte, dass Tims seine Grüne hatte, dies anzunehmen. Jetzt, wo es Tim ihm auch signalisierte, merkte Bruce, was genau ihm bei Dick gestört hatte. Es war nicht das Outfit gewesen, sondern die gesamte Haltung. Dick war ein Akrobat durch und durch und es hatte nie einen Moment in seinem Leben gegeben, in welchem Bruce dies nicht an seiner gesamten Körperhaltung gemerkt hätte. Dick ging so, als könnte sich jederzeit die Möglichkeit für einen Handstand oder eine andere geschickte Bewegung ergeben. Er tat dies nicht bewusst und genau deswegen fiel es auf, wenn sie nicht vorhanden waren. Viel eher schien Dick momentan mit seinem Körper zu kämpfen, sich so zubewegen, dass er vorankam.
„Wollt ihr mir sagen, worum es geht?“, fragte Bruce so unauffällig wie möglich nach und positionierte sich leicht vor Tim. Einerseits, um ihn zu schützen und andererseits, um ihm zu symbolisieren, dass er verstanden hatte.
Dick drehte sich seufzend um und tat dann etwas, was komplett unüblich für ihn war. Er verdrehte die Augen, ohne seinen Sinn für Humor zu nutzen. Normalerweise gab es kaum Mimiken oder Gestiken, welche nicht auch Worten unterstützt wurden. Jedoch fehlte das komplett.
„Ehrlich gesagt wäre es mir lieber, wenn du dich da raushalten würdest. Es handelt sich um Schurken aus Blüdhaven und sind damit mein Problem.“
Bruce konnte nicht verhindern, dass er die Stirn runzelte. Dick war nie begeistert, wenn sich Bruce in seine Angelegenheiten einmischte, jedoch war er mittlerweile erwachsen genug, dass er Bruce‘ Hilfe zuließ, wenn er auch den Batcomputer nutzen wollte. Früher war es anders gewesen. Als Jason … damals hatten sie öfters gestritten und nicht so gut zusammengearbeitet, aber seit damals hatten sie einen weiten Weg hinter sich gelegt. Dick hate erkannt, dass Bruce die Fälle nicht an sich reißen, sondern nur helfen wollte und Bruce hatte es akzeptiert, dass er sich manchmal etwas zurückhalten musste, damit es nicht allzu übergriffig wirkte.
„Dick wurde auf Patrouille von einer unidentifizierten Waffe getroffen, mit unbekannter Wirkung“, hielt sich Tim nicht mit Informationen zurück. Doch anstatt in dem Raum zu bleiben, in welcher er eine Bombe geworfen hatte, ging er an Dick vorbei in Richtung Ausrüstung. Wenn Bruce die Situation richtig einschätze, wollte Tim ein Betäubungsmittel holen. Demensprechend musste Bruce die Ablenkung übernehmen.
„Vielen Dank, Petze“, grummelte Dick und die Situation wurde immer abstruser. In all seiner Zeit hatte Bruce ihn noch niemals das Wort „Petze“ verwenden hören.
„Dick, ich verstehe, dass du meine Hilfe nicht willst“, fing Bruce an, aber Dick schien genauso wie er zu erkennen, dass es nicht stimmte. Bruce verstand es nicht. Er verstand die gesamte Situation nicht. Noch nicht.
„Nein, tust du nicht. Du weißt, dass ich viel schneller wieder aus deiner Stadt verschwinden würde, wenn wir diese Diskussion nicht führen müssten, oder alter Mann?“
Alles in Bruce verspannte sich. Dick hatte ihn nicht so genannt, aber dafür Jason. Wenn er jemals einen Beweis dafür gebraucht hatte, dass momentan etwas mächtig schieflief, dann war er jetzt vorhanden. Dick würde niemals, egal, wie verletzt er war, diesen Spitznamen benutzen, nur um Bruce zu verletzen.
Zum Glück war das auch der Moment, in welchem sich Tim hinter Dick stellte und diesem ganz gewöhnlich auf die Schulter klopfen wollte. Doch Dick schien die Falle zu riechen, denn mit einer Schnelligkeit, die Bruce von ihm kannte, drehte er sich um und packte Tims Handgelenk. Tim ließ dabei die Spritze fallen, während Bruce nach vorne stürzte. Doch anscheinend hatte Dick auch einige Probleme, denn während er schnell genug gewesen war, schien er sich in seinen Füßen verheddert zu haben und zu schwanken. Das Problem war nur, dass er Tim damit mit zu Boden riss. Bruce wusste nicht, wie er es schaffte, aber während Tim auf Dick landete, schnappte sich Bruce die Spritze, wartete, bis Dick sich und Tim zur Seite drehte, und steckte die Spritze in Dicks Hals.
„Fuck“, fluchte dieser und Tim stütze Dick, bevor sich dieser verletzen konnte. Ein Blick auf die Spritze bestätigte Bruce, dass sich Tim für ein Mittel entschieden hatte, welches nur den Körper unterhalb des Kopfes lähmte. Dick würde also gut in der Lage sein, noch ein paar Fragen zu beantworten. Und das war dringend notwendig.
„Wann habt ihr es bemerkt?“, fragte Dick und alle Theorien von Bruce wurden damit auf dem Kopf gestellt. Es ergab sich ein neues, unschönes Bild. Das würde ein langer Abend werden.
Dick hatte es nicht für möglich gehalten, dass dies mit einer Bombe auf dem Kopf funktionieren konnte, aber ihm war tatsächlich langweilig geworden. Um sich abzulenken und nicht nochmal die Narben zu betrachten, hatte er sich an einem Handstand probiert, aber während Hood tatsächlich beweglicher, als gedacht war, waren seine Bewegungen langsamer und nicht so geschmeidig, wie es Dick gewöhnt war. Bei der Form und Größe von Hood wohl nicht weiter wunderlich. Trotzdem war Dick danach vorsichtig, denn es war keine gute Idee auf seinen Kopf zu fallen, wenn dort Sprengstoff gelagert war. Wie Red Hood über Gothams Dächer springen konnte, ohne daran zu denken, war Dick ein Rätsel.
Dick hätte nur zu gerne sein eigenes Handy angerufen und gefragt, wo Hood blieb, aber dafür hätte er das Telefon in der Küche benutzen müssen und das war das Risiko nicht wert. Warum hatte Hood auch kein Handy?
Dick erstarrte.
Sein Handy. Heute war ein Schultag. Er hätte Tim abholen müssen und er hatte Hood nichts davon weitergegeben. Aber Tim hatte bestimmt Dicks Handy angerufen. Das Bild, welches sich langsam in Dicks Kopf abbildete, gefiel ihm gar nicht. Im besten Fall würden Tim und Bruce herausfinden, dass etwas nicht stimmte. Im schlimmsten Fall würde Hood ihnen wehtun. Dick war es mittlerweile wirklich egal, ob er Hoods Regeln brach, er stand vom Boden auf und stieß die Tür zur Küche auf. Das war auch der Moment, in welchem der Helm erneut einen Anruf erhielt.
Normalerweise war Jason nicht dumm. Wenn man überleben wollte, war Dummheit etwas, das man sich nicht leisten konnte. Trotzdem musste er zugeben, dass man seine Handlungen momentan auch nicht als schlau bezeichnen konnte. Wieder im Manor zu sein, hatte ihn verunsichert und mit Bruce zu reden, war so komisch. Er wollte nichts anderes, als das Bruce ihn in Ruhe ließ und nicht so tat, als würde er sich um seine Söhne kümmern. Doch leider hatte er bei Tims Angriff die Situation überschätzt. Die Beiden hatten bisher nicht an einen Körpertausch gedacht, dass konnte er an ihren überraschten Blicken erkennen. Er hatte sich selbst verraten … und vielleicht war das auch besser so. Jede Sekunde länger in diesem Körper erschien ihm wie eine Qual.
„Was hast du mit Dick gemacht und wer bist du?“, fragte Bruce sofort und Jason versuchte wirklich mit seinen Fingern zu wackeln, aber egal was das für ein Zeug gewesen war, es wirkte wirklich gut und ließ ihn schutzlos zurück. Er hasste es sich so zu fühlen.
„Ich habe gar nichts gemacht“, knurrte Jason, einfach, weil es nun wirklich nicht seine Schuld war, dass Leute so eine dumme Technik entwickelten.
Tim seufzte, „Das mit der Technik war keine Lüge gewesen, oder?“
Jason schüttelte den Kopf. „Hätte hier nicht auftauchen müssen, wenn ich ohne eure Hilfe diese Typen schneller finden würde.“
Bruce blickte ihn weiterhin finster an und schien sich durch seine Ehrlichkeit nicht erweichen zu lassen. „Das beantwortet trotzdem nicht meine Fragen. Wo befindet sich Dick momentan und wer bist du?“
Jason war wirklich froh, dass er momentan noch mit den Augen rollen konnte. Zumindest eine Kleinigkeit, auch, wenn es nur ein schwacher Trost war. „Dick ist momentan in meiner Wohnung und wartet hoffentlich geduldig darauf, dass ich auftauche und ihm helfe den Helm zu entfernen.“
„Den Helm…“, murmelte Tim, war aber nicht ganz so schnell, wie Bruce.
„Du bist Red Hood“, erkannte dieser. Normalerweise hätte Jason zwei Daumen nach oben gezeigt, aber irgendwie ging das schlecht.
„Entschuldigt, dass ich nicht klatsche“, kommentierte er stattdessen seine Gedanken. Irgendwas musste man ja tun.
„Kann Dick den Helm nicht selbst entfernen?“, fragte Tim nun nach und Jason war wirklich froh, dass ihn bisher niemand gefragt hatte, warum er mit diesem Ding schlafen gegangen war. Die Wahrheit war, dass er eigentlich nur für zwei Sekunden seine Augen hatte schließen wollen, bevor er unter die Dusche sprang. Tja, daraus war wohl nichts geworden.
„Wenn er meinen Körper in die Luft jagen will: Sicher. Ich hoffe aber, dass er es sein lässt.“
Die beiden zuckten zusammen und Jason verdrehte nochmals die Augen. Warum reagierte jeder auf diese Nachricht so schockiert. Er war sich sicher, dass Batman in seinen ganz frühen Anzügen eine Säure eingebaut hatte, die sein Gesicht verätzen würde, wenn jemand anderes als er die Kapuze heruntergezogen hätte. Dann kam Dick und mit einem Kind überlegte man es sich dreimal, ob man wirklich so eine Sicherheitsvorkehrung haben wollte. Doch Jason hatte keine Kinder.
„Weiß Dick von der Gefahr?“, fragte Bruce sofort und Jason könnte ihn jetzt wohl quälen und eine Antwort herauszögern, stattdessen nickte er.
„Es ist mein Körper. Ich habe ihn sofort angerufen, als ich unsere Situation bemerkt habe.“
„Du hast ihn angerufen?“, fragte Tim nach und Jason wusste nicht, warum das so komisch war.
„Glaub es oder glaub es nicht: Ich kann ein Handy bedienen.“
Nun runzelte auch Bruce die Stirn und Jason wusste wirklich nicht, was die beiden hatten. Es war fast so, als hätte er ihnen erklärt, dass er fliegen konnte.
„Dick hat sein Handy durch einen PIN und nicht durch einen Fingerabdruck geschützt“, erklärte Bruce und das war doch mal das Höchste. Jason wusste das. Er hatte doch gerade erklärt, dass er es verwendet hatte.
„Der PIN ist mein Geburtstag. Den werde ich mir doch gerade noch so merken können.“
Einen Moment später, bereute es Jason, dass er so sehr in dieser Debatte gefangen gewesen war, dass er nicht für eine Sekunde darüber nachgedacht hatte, dass er kompletten Mist redete. Bye Bye geheime Identität.
Tim schien alles andere als glücklich zu sein, als er das Handy aus Jasons Jackentasche zog und „1608“ eingab. Es war nie so gewesen, dass Dick und Jason eine besonders enge Beziehung gehabt hatten, aber Dick hatte ein neues Handy eingerichtet und sich dafür entschieden diesen PIN zu nehmen, damit er niemals Jasons Geburtstag vergessen würde. Jason hatte ihn damals als Idioten bezeichnet und bis vor wenigen Sekunden hatte er nicht darüber nachgedacht, was es bedeutete, dass Dick immer noch diesen PIN benutzt. Vielleicht war es eine Gewohnheitssache gewesen, aber vielleicht hatte Dick Jason auch einfach nicht vergessen wollen?
„Woher weißt du, dass Dick deinen Geburtstag nimmt?“, fragte Bruce nach und Jason blieb der Mund offen stehen. War das sein Ernst? Nein. Jason hatte wirklich nicht vor darauf zu antworten. Stattdessen schloss er erneut seinen Mund und blickte einfach zur Seite. Er bekamt trotzdem aus dem Augenwinkel mit, wie Tim die Anrufliste durchging und dann die letzte Nummer erneut anrief. Es piepte zweimal, dann ging Jasons verzerrte Stimme ans Telefon.
„Schön, dass du mich nicht vergessen hast. Nicht, dass ich hetzen will, aber dieses Ding wird langsam wirklich unangenehm und ich hätte es gerne so weit von mir entfernt, wie nur möglich.“
Jason blies genervt Luft aus. Er selbst konnte achtzig Prozent seines Körpers nicht spüren, aber Dickie hatte nichts Besseres zu tun, als sich über seine Luxusprobleme zu beschweren.
„Dick?“, fragte Tim nach und Jason würde niemals vergessen, wie seine eigene Stimme um so vieles weicher und höher wurde.
„Tim! Geht es dir gut? Was ist passiert? Ist Hood bei dir?“
Jason hoffte wirklich, dass er nicht auch so klang, wenn er mit Leuten mal ein nettes Wort wechselte. Das war ja furchtbar!
Dick wartete fünf Minuten in der Wohnung, bevor es ihm zu blöd wurde und er sich endlich bewegen wollte. Danach wartete er fünfzehn Minuten in der Gasse neben dem Gebäude, bevor das Batmobil ihn endlich erreichte. Es fuhr zwar momentan durch Fernsteuerung, da Bruce Red Hood nicht in der Höhle hatte allein lassen wollen und man Tim nicht vertrauen konnte, dass er die Steuerung nicht an sich riss. Ganz ehrlich: Es war nicht so, dass Tim oft Mist baute (das tat er nicht), aber Dick war auch einmal jung und wusste, wie verlockend es sein konnte, dieses Auto zu fahren.
Dick achtete beim Einsteigen darauf, sich nicht den Helm anzustoßen und war froh, als das Batmobil von allein endlich in Richtung Höhle fuhr. Die Scheiben wurden zwar geschwärzt und Dick konnte gar nichts mehr erkennen, aber es störte ihn nicht. Wenn Bruce auf Nummer sicher gehen wollte, dass er keinen Fremden den Weg zum Unterschlupf zeigte, dann sollte ihm das recht sein. Er war es nicht anders gewöhnt.
„Wie ist die Lage?“, fragte Dick sofort, als er sah, dass Bruce ein Gespräch über die Freisprechanlage hergestellt hatte.
„Ich habe Hood fürs Erste in eine der Zellen gesperrt, solange die Betäubung noch wirkt, sollte er keine Probleme bereiten, aber danach müssen wir aufpassen, dass er deinem Körper nichts antut.“
„So verrückt ist er nicht“, meinte Dick, erinnerte sich aber dann wieder an die Bombe und wusste nicht, ob er Hood wirklich verteidigen sollte.
„Gibt es irgendjemanden in deinem Leben, welcher denselben Geburtstag hat, wie Jason?“
Dick runzelte die Stirn und merkte, wie sein restlicher Körper erstarrte. Warum… Warum fragte Bruce ihn ausgerechnet diese Frage? Bruce sprach Jasons Namen nie bewusst aus. Manchmal aus Versehen, aber Dick hatte es noch nie erlebt, dass er mit anderen über Jason redete. Das taten sie wohl alle nicht.
„Was? Nein. Nicht das ich wüsste“, antwortete Dick und wartete auf eine Erklärung, aber natürlich war Bruce mal wieder in Gedanken versunken und rückte nicht von allein mit der Sprache heraus. „B, warum fragst du? Muss ich mir Sorgen machen?“
„… Nein“, antwortete Bruce nach einer Pause. „Hood hat nur erwähnt, dass dein PIN sein Geburtstag ist, hat aber nicht verraten, woher er das weiß.“
Dick stockte er Atem … Das … Das konnte nicht sein. Niemand außerhalb der Familie, sollte seinen PIN kennen. Es konnte Zufall sein. Vielleicht hatte Hood den PIN durch Fingerabdruckrückstände erkannt und es war ausgerechnet sein Geburtstag … Aber warum sollte Hood es dann überhaupt ansprechen? Dick wurde schlecht, als er an die Narben auf seinem momentanen Oberkörper dachte. Es war ein verrückter und absurder Gedanke, aber nach all dem, was er in seinem Leben schon gesehen hatte, war jemand, der von den Toten zurückkam, leider nichts außergewöhnliches mehr. Was es außergewöhnlich machte, war, dass Jason (wenn es denn Jason war), nicht nach Hause gekommen war, sondern lieber eine neue Identität angenommen hatte.
„Dick?“, fragte Batman und Dick bildete sich ein, dass seine Stimme besorgt klang.
„Ich … habe eine Vermutung. Ich muss aber erst mit Hood darüber reden. Allein.“
Bruce knurrte, aber das war noch kein nein. Dick wartete und war kurz davor, sein Recht auf Privatsphäre einzufordern und irgendeine Rede zu schwingen, doch, anscheinend war es nicht notwendig.
„In Ordnung. Zehn Minuten.“
„Das ist mehr, als ich erwartet habe.“
Jason war froh, als er zumindest wieder mit den Zehen wackeln konnte. Worüber er nicht froh war, war, dass man ihn in eine Zelle gepackt hatte. Wenn es etwas gab, dass seinen Plan störte, dann war es definitiv bereits gefangen worden zu sein. Mal davon abgesehen, dass er dies noch nicht einmal in seinen Plan in Erwägung gezogen hatte. Nach der Sache mit dem Joker, hatte er durchaus seinen eigenen Tod für möglich gehalten, aber an das Gefängnis hatte er nie gedacht. Nicht, dass das jetzt wichtig war. Viel wichtiger war es wohl, dass er einen Weg fand, von hier zu verschwinden, sobald er und Dick wieder ihre eigenen Körper zurück hatten.
Überrascht hob Jason den Kopf, als er Schritte hörte, die er nicht ganz einordnen konnte. Erst, als er seinen eigenen Körper sah, verstand er warum. Dick war immer schon leichtfüßig unterwegs gewesen, aber, wenn man ein paar Kilo mehr auf den Rippen hatte und größer war, musste man sein Körpergewicht anders verteilen. Besonders mit diesen Stiefeln. Darin war Dick nicht geübt und das sorgte dafür, dass Jason sich nicht von dieser großen Gestalt bedroht fühlte, sondern am liebsten lachen wollte. Das tat er dann auch, denn er hatte sowieso nichts Besseres zu tun.
„Ach komm! Das ist echt nicht fair! Weißt du, wie unangenehm es ist mit so vielen Leder- und Kevlarschichten zu gehen? Wie schaffst du das damit zu kämpfen?“
Dick zeigte an sich herunter und Jason schüttelte den Kopf.
„Ich glaub’s einfach nicht. Du läufst in nichts mehr, als einen hautengen Anzug rum, aber mein Outfit ist das Problem?“
Dick blickte vielsagend auf die blaue Lederjacke, welche Jason immer noch trug und vermutlich so schnell auch nicht ausziehen könnte. Zumindest seine Hände konnte er ebenfalls wieder zu Fäusten ballen. Ein Fortschritt! Einen, den er vermutlich Dicks Resistenz gegen Gifte und sonstiges zu verdanken hatte.
„Ich habe Stil. War nicht leicht, dieses Schmuckstück in deinem Schrank zu finden.“
Dick lachte lautlos auf und zeigte dann auf seinen Helm. „Kannst du mir jetzt helfen?“
Jason schüttelte den Kopf. „Kannst du vergessen. Ich habe meine Geheimidentität gerne sicher verstaut.“
Wenn Jasons Dicks Handlung richtig deute, dann war dieser nicht überrascht. Doch mehr konnte Jason nicht sagen, weil es einen guten Grund gab, wieso er sich für einen Helm entschieden hatte. Man konnte wirklich keinerlei Mimik erkennen und das machte es schwer in diesem Gespräch die Überhand zu behalten.
„Hätte eigentlich gedacht, dass dich die Fledermaus begleiten würde.“
„Ich wollte mit dir allein reden.“
Hmm… Das war interessant. Jason legte den Kopf schief. Er konnte sich nicht entscheiden, ob es positiv oder negativ war. Aber irgendwas sagte ihm, dass er sich nicht auf dieses Gespräch freuen sollte.
„Bruce hat mir einiges verraten, hat aber ausgelassen, woher du unsere Identitäten kennst.“
„Hast du mal die Unordnung in deinem Apartment gesehen? Ich weiß nicht, wie du dort leben kannst, aber anscheinend bekommst du es hin, auch, wenn du dabei komprimierende Kleidung an ungünstigen Stellen lagerst.“ Jason bluffte nur, war sich aber sicher, dass es nicht zu weit hergeholt war. Dick hatte seinen Anzug bestimmt in der Wohnung gelagert und wenn Jason Glück hatte, würde er es nicht weiter hinterfragen.
„Mhm“, antwortete Dick nur und diese emotionslose Maske wurde langsam wirklich ätzend. Nicht, dass Jason daran was ändern konnte. „Ich glaube, dass du ziemlich viel Mist erzählst, wenn du lügst. Bruce hat mir mitgeteilt, wie du dich verhalten hast und zusammen mit anderen Daten, zeichnet es für mich ein unschönes Bild.“
Jason zog eine Augenbraue nach oben. „Dass ihr schlechter darin seid Geheimnisse zu hüten, als ihr dachtet? Keine Sorge, daran könnt ihr bestimmt noch arbeiten. Wir alle machen Fehler.“
„Das stimmt und deswegen reden wir allein. Wenn ich mit meiner Vermutung falsch liege, muss niemand sonst mehr verletzt werden, aber, wenn ich richtig liege, dann … dann muss ich diese Chance nutzen. Ich werde sie nicht nochmal erhalten.“
Alles in Jason erstarrte. Hatte es Dick herausgefunden? Das… Das konnte eigentlich nicht sein. Trotzdem war seine Stimme heißer, als er fragte: „Deine Vermutung?“
Jasons eigene Stimme durch den Helm klang aber so, als würde Dick momentan weinen und irgendwie sorgte es dafür, dass Jason aufspringen und seinen eigenen Körper in den Arm nehmen wollte, obwohl sie momentan eine temporäre Lähmung und Glasscheiben voneinander trennten. „Little Wing? Wenn … Wenn du es bist, dann sag es mir einfach. Ic- Ich muss es wissen. Bitte.“
Jason wollte seinen Plan nicht verlieren. Der Joker durfte nach all dem, was er getan hatte, nicht weiterleben. Aber Dick weinte und Jason wusste sowieso nicht, wie weit er überhaupt noch etwas von seinem Plan tun konnte, wenn er demnächst im Gefängnis landen würde. Er befand sich in einer Zwickmühle und er hasste dieses Gefühl. Er hasste all diese Gefühle, die er seit heute Morgen hatte. Am meisten hasste er es, dass er, wenn er an Bruce dachte, nicht grün sah, sondern sich an Gespräche erinnerte, die er für vergessen geglaubt hatte. Bruce war so oft für ihn da gewesen und egal, wie verletzt Jason war, hier war sein Zuhause und hier war seine Familie. Auch, wenn sie ihn nicht mehr haben wollten.
„Bitte“, flehte Dick erneut und legte eine Hand auf die Scheibe, „Ich muss es einfach wissen.“
Jason drehte seinen Körper zu Dick und war sich nicht sicher, wie lange ihm das schon wieder möglich war, aber es war wohl auch nicht wichtig. „Was würde es ändern, wenn ich bin, wer du denkst, dass ich bin?“
Ein Lachen ertönte. „Solche kryptischen Fragen können wirklich nur von dir stammen?“
„Beantworte sie einfach“, knurrte Jason und stand auf. Etwas schwankte er, aber er schaffte es nach vorne, um sich gegen das Glas zu stemmen. Seine Hand lag über Dicks. Na ja, eigentlich andersherum.
„Dann würde aus einem echt miesen Tag, der beste seit langem werden.“
Jason konnte jetzt einfach zustimmen und sich auf eine Umarmung einlassen. Es wäre so leicht.
Er nahm nie den leichten Weg.
„Welche Beweise hast du für deine Theorie?“
Dick schüttelte den Kopf. „Jason hat mich und Bruce in unserer schlimmsten Phase erlebt. Wir haben nur gestritten und uns verletzt. Genauso hast du mit Bruce gesprochen, obwohl wir uns mittlerweile besser verstehen und so gut wie möglich vertragen haben.“
Jason bis seine Zähne aufeinander. Er hätte eigentlich damit rechnen können, immerhin arbeiteten Nightwing öfters mit Batman zusammen, aber irgendwie hatte er es nicht getan. Seine Kopien von Dicks kalter Schulter, hatten sich nur natürlich angefühlt.
„Ich habe Jasons Geburtstag als PIN eingestellt und ihm gesagt. Niemand außerhalb der Familie, hat es jemals erfahren“, fuhr Dick fort und das war etwas, was Jason bereits als Fehler anerkannt hatte. „Du hast eine Autopsie-Narbe und dahinter kann nur eine schlimme Geschichte stecken, aber … Jason hätte auch eine.“
„Du hast meinen Körper angeschaut?“, knurrte Jason und ballte seine Hand zur Faust, „Ticks du noch ganz richtig? Wir tauschen Körper und das Erste, was du dir denkst, ist, dass du die nackte Haut betrachten willst?“
Jason sah, wie sein eigener Körper zusammenzuckte, aber er blickte nicht in den Spiegel, sondern er sah momentan seinen Bruder an. Sein Bruder, welcher wirklich einen Schritt zu weit gegangen war.
„So… So war das doch gar nicht. Okay… vielleicht wollte ich etwas mehr über die herausfinden, aber ich habe es bestimmt nicht als erstes gemacht und habe mich bestimmt nicht ausgezogen.“
„Ach, dann ist ja alles gut. Vergeben und vergessen“, spuckte Jason aus und blickte ihn weiterhin finster an. Zu seiner Überraschung entspannte sich Dick und ließ die Schultern hängen.
„Es tut mir leid. Ich hätte es nicht machen sollen.“
Jason ließ keine Wärme in seinem Blick zu. Dick hatte Mist gebaut und diese Entschuldigung bedeutete gar nichts. Trotzdem … trotzdem konnte Jason wohl nicht wütend bleiben. Er wusste selbst, wie neugierig einen Bruce‘ Detektivunterricht machen konnte.
„Sonst noch ein Beweis?“, knurrte Jason also.
„Es fühlt sich so an, als würde ich mit einem alten Bekannten reden, wenn ich mit dir spreche. Als würden wir uns kennen. Als könnte ich ewig mit dir scherzen und streiten und würde jede Sekunde davon genießen.“
Jason schluckte. Er hatte gehofft, dass Dick es nicht auch fühlen würde. Vermutlich sollte sich Jason darüber freuen. Er hatte befürchtet, dass ihn jeder vergessen und ersetzt hatte. Jetzt sagte ihm Dick, dass dies nicht der Fall war. Jason wusste nur nicht, ob er dem vertrauen konnte.
„Wenn du hier reinkommst, dann nehme ich dir den Helm ab.“
Dick überlegte nicht einmal eine Sekunde, ob es eine Falle war, sondern schritt sofort zur Tür. Irgendwas stimmt mit dem Typen bestimmt nicht und Jason würde ihm noch früh genug darüber belehren, dass er besser aufpassen musste. Für den Moment griff er einfach nur hinter Dicks Kopf und drückte drei Stellen ein. Mit einem Zischen wurde der Helm locker und Jason zog ihm vom Kopf, um in sein eigenes Gesicht zu sehen. Dick blickte zur Seite und sah sein und Jasons Gesicht in der Spiegelung des Glases. Tränen liefen ihn über die Wangen und Jasons wischte sie zur Seite.
„Überraschung“, flüsterte er und ließ sich eine Sekunde darauf in eine Umarmung ziehen. Seine Arme waren stark, aber Jason fühlte sich nicht eingeengt. Für diese paar Sekunden fühlte es sich einfach nur richtig an.
„Egal, wer diese Waffe gebaut hat, jetzt muss ich ihnen wohl doch einen Dankesbrief schreiben“, murmelte Dick.
Jason verdrehte die Augen, bevor er erstarrte. „Einen Moment: Du wurdest auch von einer Waffe getroffen? Ich dachte, das alles wäre meine Schuld! Dabei hast du das ganze verbockt.“
Dick drückte sich etwas von ihm weg, um ihn irritiert anzusehen. „Ist es auch. Hast du dir gerade nicht zugehört? Du wurdest auch von einer Waffe getroffen.“
Jason würde noch für eine lange Zeit mit Dick diskutieren, selbst, als Zatanna erschien, um zu helfen. Er hatte vielleicht Mist gebaut, aber es war bestimmt Dicks Schuld. Genauso, wie es Dicks Schuld war, dass er seit Jahren zum ersten Mal wieder im Manor war.
