Chapter Text
Embry tigerte nervös auf und ab in seinem Zimmer. Das Radio lief im Hintergrund, doch er drehte es bald ab, weil seine belanglosen Lieder ihn nur noch konzentrierter machten, statt ihn abzulenken. Seit er heute morgen aufgewacht war, wälzte er unzählige Gedanken darüber, was alles passieren konnte. Lieber hätte er es noch einmal um Dutzende Jahre verschoben. Es ging hier immerhin um die Cullens. Sie waren ja eigentlich alle nett, bis auf Rosalie vielleicht und Jasper fand er auch ziemlich merkwürdig, aber trotzdem wusste er absolut nicht, was sie zu der Enthüllung, die er ihnen heute Nachmittag präsentieren würde, sagten. Es waren ja trotz allem Vampire. Vor gar nicht allzu langer Zeit noch die ärgsten Feinde seines Stammes, seiner Spezies. Die Ereignisse vor vier Jahren hatten diese Konstellation zwar von Grund auf verändert und sein bester Freund Jacob zählte nun ebenfalls zu deren Familie. Dennoch war er sich sehr unsicher darüber, wie sie auf die Neuigkeiten reagieren würden. Und wovor er sich noch mehr fürchtete, war Jakes Reaktion. Er war sein Alphatier und auch wenn er keinen besonders autoritären Kurs gegenüber seinen Rudelmitgliedern führte - sie waren ja Freunde, nicht seine Untergebenen – konnte die Meldung, die er ihm bald überbringen würde, wieder mal alles ändern. Warum musste es auch so kompliziert sein? Und warum musste es gerade ihn treffen? Wobei er inzwischen nicht mehr sagen konnte, wie er selbst ganz unvoreingenommen reagieren würde, wenn zum Beispiel Seth mit solch einer Kunde herausplatzte. Er würde ihn wahrscheinlich im ersten Moment auslachen. Aber er war nicht mehr unvoreingenommen, er kannte das alles nur zu gut, vielleicht sogar mehr als ihm lieb war. Dabei war die Prägung an sich schon eine wahnsinnig aufregende und heikle Sache, es musste einem nicht unbedingt noch schwerer gemacht werden. Wobei er es ja doch recht einfach hatte, zugegeben. Seine Auserwählte war kein sechsjähriges Mädchen, das einem eigentlich das Ausgehen mit Gleichaltrigen erlaubt hätte, obwohl das ja nicht ging, kreisten doch die Gedanken von einem immer um diese sechsjährige Schulanfängerin. Da beneidete er Quil beileibe nicht drum. Er konnte all das haben, was zu einer richtigen Beziehung dazugehörte, und sich auch noch sicher sein, dass das auf Ewigkeiten so bleiben würde. Er liebte sie über alles, obwohl sie so störrisch war und sich nicht so einfach lieben ließ. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht diese eine kleine, na eher riesige Außerordentlichkeit. Wie er es auch drehte und wendete, er landete immer wieder dort. Und jetzt stand das Treffen mit den Cullens und Jake an. Aber besser, sie erfuhren es direkt von ihm und nicht durch einen blöden Zufall. So konnte er vielleicht noch Schlimmeres abwenden. Er atmete tief durch und ging in die Küche. „Bist du soweit?“, fragte er sie und fühlte sich, als würde er gleich in Ohnmacht fallen. Sie dagegen strahlte und erwiderte: „Ich bin immer soweit. Kann's kaum erwarten, Jacob und die Vampire kennen zu lernen.“ Er seufzte. Er konnte ihren Enthusiasmus einfach nicht verstehen.
