Work Text:
Peter ließ sich mit dem Gesicht voran auf sein Bett fallen. Es war ein weiterer anstrengender Tag gewesen, an dem er versucht hatte, seinen Job, sein zeitintensives Training, als auch all seine College-Aufgaben unter einen Hut zu bringen, die zwar bis zum Ende des Monats eingereicht werden mussten, aber noch nicht einmal annähernd fertiggestellt waren. Nach seiner heutigen Schicht hatte er es gerdade mal geschafft fünf lausige Sätze zu seinem Aufsatz über die gesundheitsfördernden Wirkungen von Ausdauertraining hinzuzufügen, bevor er sich wieder auf den Weg zum Training machen musste.
Es war ein besonders heißer Tag gewesen und selbst jetzt, am späten Abend, spürte Peter immer noch, wie ihm der Schweiß den Körper hinablief, obwohl er eben erst geduscht hatte. Er seufzte und brachte sich dann dazu, seine schweren Gliedmaßen vom Bett zu heben, um den Ventilator einzuschalten. Sofort traf ihn ein kühler Luftstrom und Peter fiel zurück aufs Bett, die Gliedmaßen von sich gestreckt wie ein Seestern.
Er wollte einfach nur schlafen, aber egal wie erschöpft er sich fühlte, sein Gehirn lief immer noch auf hoch touren wie ein Hamster im Rad. Erneut seufzte er, inzwischen leicht frustriert, und tastete nach seinem Handy. Einige Sekunden später traf ihn helles Licht und er blinzelte seinem grellen Bildschirm entgegen, während sich seine Augen langsam an das Licht gewöhnten. Peters Mutter ermahnte ihn immer, dass er vor dem Schlafengehen nicht auf sein Handy schauen solle, aber es war nun einmal tausendmal einfacher, in digitalen Inhalten zu ertrinken, als seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Denn Peter wusste, wohin sie ihn letztendlich führen würden und er war sich nicht sicher, ob er heute damit fertigwerden würde.
YouTube, Tiktok, Twitter … Ziellos scrollte Peter durch seine Feeds und zögerte nur, als er seinen Finger schwebend über dem Instagram-Symbol wiederfand. Er hatte dort schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf seinem Feed vorbeigeschaut. In Peter war zu viel Angst davor, was er dort vorfinden könnte, aber gleichzeitig war er auch neugierig. Wie ging es allen anderen? War es für sie einfacher gewesen, sich an ihre neuen Leben zu gewöhnen, als für ihn?
Peter wusste, dass es eine unglaublich dumme Idee war, doch schlussendlich siegte die Neugierde und ein paar Sekunden später scrollte er bereits von einem Bild zum nächsten. So viele verschiedene Bilder von alten Klassenkameraden, die glücklich in die Kamera grinsten und entweder Alkohol in den Händen oder ihre Partner und neuen Freunde in den Armen hielten. Peter wusste, dass die sozialen Medien immer nur einen kleinen Einblick in das Leben anderer Menschen gaben, aber er konnte nicht anders, als einen Stich in seinem Herzen zu verspüren.
Er war so mit seinem Training, der Einfindung ins College und seinem neuen Job beschäftigt gewesen, dass er nicht einmal daran gedacht hatte, in Clubs zu gehen oder zu verreisen. Meine Güte, er hatte nicht einmal wirklich neue Freunde gefunden, abgesehen von ein paar oberflächlichen Bekanntschaften vom Sport und einem Typen aus einem seiner Kurse, mit dem er sich gleich in ihrem ersten gemeinsamen Seminar für eine Partnerarbeit zusammengefunden hatte. Jeffrey war ein äußerst aufgeschlossener und netter Kerl und es war cool mit ihm Zeit zu verbringen, doch genau wie die meisten anderen Paare, war auch Jeffrey meist mit seinem gutaussehenden Freund beschäftigt. Dieses Wochenende hatten die beiden gemeinsam einen Ausflug an die Küste unternommen und ihre glücklichen Gesichter strahlten Peter nun vor einem wunderschönen Sonnenuntergang an. Es gab keine Zweifel daran, dass das Pärchen ausgeschlossen gut zueinander passte.
Peter stöhnte. Er bereute es bereits, Instagram überhaupt geöffnet zu haben, und überlegte gerade, sein Handy endlich wegzulegen, als sein Blick auf ein weiteres Bild in seinem Feed fiel. Er spürte, wie ihm das Herz stehen blieb. Da war er – der Junge, der auch fast ein ganzes Jahr später immer noch die Schuld an seinen vielen schlaflosen Nächten trug. Der Junge, wegen dem er sich nicht mal traute, Instagram zu öffnen.
Peter konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie sich in der High School zum ersten Mal begegnet waren. Bob war derjenige gewesen, der Peter gefragt hatte, ob er mit ihm und seinen Freunden beim Mittagessen zusammensitzen wollte, nachdem er gerade die Schule gewechselt hatte. Er hatte ihn mit diesen freundlichen, blauen Augen angelächelt und das war wahrscheinlich genau der Moment gewesen, in dem Peter sich in ihn verliebt hatte. Dennoch, seine wahren Gefühle für seinen Freund hatte er erst viel später erkannt. Erst, als es anscheinend bereits zu spät gewesen war ...
Wie hypnotisiert starrte Peter auf Bobs lächelndes Gesicht, das so vertraut und gleichzeitig doch so fremd wirkte. Er löste seinen Blick nur von ihm, um ihn auf den Typen neben Bob zu richten, der ebenfalls lächelte, während beide ihre Arme umeinander geschlungen hatten. Der Junge hielt ein merkwürdig aussehendes Amulett in die Höhe. Hatte Bob ihn damals irgendwann mal erwähnt? War es derjenige, mit dem fotografischen Gedächtnis? Der Junge, der genauso viele interessante Fakten über die verschiedensten Themen wusste wie Bob?
Augenblicklich flammte Eifersucht in Peter auf und er warf wütend sein Handy auf die andere Seite des Bettes. Dann stiegen ihm Tränen in die Augen. Er hatte erwartet, dass Bob schnell über ihn hinweg kommen würde, aber so schnell? Es fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht. Monatelang hatte er wachgelegen, darüber nachgedacht, was Bob gerade tat, und sich nach seiner Anwesenheit gesehnt, während Bob wahrscheinlich wie alle anderen in Clubs unterwegs gewesen war, um irgendwelche braunhaarigen Typen aufzureißen. Und Peter hatte es sich tatsächlich erlaubt, Bob zu glauben, als er gesagt hatte, dass er ihn nicht vergessen würde... Dass er ihn auch vermissen würde...
Peter drehte sich um und vergrub sein Gesicht in seinem Kissen, obwohl es dafür eigentlich viel zu heiß war. Bald schon liefen ihm die Tränen die Wangen hinunter, bevor sie schließlich vom weichen Stoff des Kissens aufgesogen wurden, und ein gedämpftes Schluchzen befreite sich aus seinem Mund. Weitere Schluchzer folgten, doch sie wurden von den Geräuschen des Ventilators übertönt, der immer noch versuchte, gegen die Sommerhitze anzukämpfen.
Zwei ganze Jahre hatte Peter gebraucht, um zu erkennen, dass er Bob mehr mochte, als nur als einen Freund. Zwei Jahre lang hatte Peter manchmal seine Hand gehalten, neben ihm geschlafen und in seine blauen Augen geblickt und jedes Mal gedacht, dass die Schmetterlinge in seinem Bauch nur rein platonisch wären.
Bis zu dem Abend, an dem sie gemeinsam in letzter Minute eine Study Session für ihre Abschlussprüfungen abgehalten hatten.
Zuvor hatte Peter Bob weinend angerufen, um ihm mitzuteilen, dass er die Biologieprüfung am nächsten Tag definitiv nicht bestehen würde, und es hatte nicht länger als 20 Minuten gedauert, bis Bob seine Sachen gepackt und vor Peters Haustür aufgetaucht war.
„Was… Was machst du denn hier?“ hatte Peter verdattert gefragt und sein Freund hatte ihm ein Lächeln geschenkt.
„Glaubst du wirklich, ich lasse dich einfach so aufgeben?“
Peter hatte gewusst, dass jeglicher Widerstand zwecklos war, wenn es zu Bob kam, aber er war ohnehin zu dankbar für seine Hilfe gewesen, als dass er ihn wieder nach Hause hätte schicken können.
Sie lernten und übten gemeinsam und nach mehreren Stunden schlief Bob schließlich erschöpft neben ihm ein, seine Hände und Notizen unter seinem Kopf begraben.
In diesem Moment war es Peter nicht gelungen, die Sehnsucht in seinem Inneren zu bekämpfen. Und so legte er zögerlich seinen Kopf neben den von Bob und sah ihn einfach nur still an. Wäre es eine andere Person gewesen, wäre Peter beim bloßen Gedanken an solch eine Idee wahrscheinlich vor Verlegenheit zusammengezuckt. Aber bei Bob war es anders. Ihm dabei zuzusehen, wie er so friedlich schlief, schien alle Ängste aus Peters Körper zu vertreiben. Er sah so wunderschön aus, dass Peter nicht einmal widerstehen konnte, langsam eine Hand auszustrecken, um ihm sanft eine blonde Locke aus dem Gesicht zu streichen.
Bob war anders. Das war ihm in dieser Nacht klar geworden.
Am nächsten Tag hatte Peter sich geschworen, Bob niemals von der Entdeckung seiner Gefühle zu ihm zu erzählen. Sie waren nicht nur beste Freunde, sondern würden auch bald ihren Abschluss machen und aufs College gehen, was bedeutete, dass sie wahrscheinlich Hunderte von Kilometern trennen würden. Welchen Sinn hatte es also, ihre gute Freundschaft zu ruinieren?
Und es wäre auch alles nach Plan verlaufen, hätte Bob nicht ein paar Wochen später beschlossen, an seiner Stelle alle Vorsätze von Peter über den Haufen zu werfen.
Der Vorfall ereignete sich auf der verspäteten Abschluss- und Abschiedsparty, die ihre Eltern gemeinsam für sie in Peters Garten veranstaltet hatten. Es war eine große Party mit einer riesigen Torte, viel zu vielen Luftballons, Gästen (hauptsächlich entfernte Verwandte) und Alkohol (wenn auch nur für die Erwachsenen) gewesen. Die meiste Zeit der Party war Peter so damit beschäftigt, mit fremden Verwandten zu reden, dass er nicht einmal Zeit hatte, darüber nachzudenken, dass er in weniger als einer Woche von Bob getrennt werden würde. Doch irgendwann waren die meisten Gäste schließlich gegangen und sein Freund plötzlich neben ihm aufgetaucht. Bob ergriff wortlos seine Hand, ein breites Grinsen auf dem Gesicht und zog Peter zu der Bank ganz hinten in seinem Garten, die im Dunkeln hinter ein paar Himbeersträuchern versteckt war.
"Was wird das?" wollte Peter wissen, so beschäftigt mit dem Versuch, das warme Kribbeln auf der Haut seiner Hand zu ignorieren, dass er die Flasche Champagner erst bemerkte, als Bob sie stolz hochhielt.
„Dich entführen, damit auch wir beide unsere eigenen Abschlüsse feiern können. Solche Partys sind sowieso immer nur für die Eltern, um anzugeben.“
Peter schnaubte und zeigte auf die Flasche. „Du glaubst also, eine Flasche Champagner macht uns betrunken?“ Er erntete ein Schulterzucken.
"Ich weiß nicht. Es ist zumindest einen Versuch wert.“ Bob lächelte ihn an, bevor er ihn hinunter auf die Bank zog. Peter spürte, wie die Schmetterlinge in seinem Bauch begannen zu tanzen. Sie waren dieser Tage eine ständige Präsenz geworden und er machte sie auch für das Kichern verantwortlich, das nun aus seinem Mund entkam.
"Du bist so blöd!" entfuhr es ihm, aber er nahm den Champagner von Bob trotzdem entgegen, um einen großen Schluck davon zu trinken. „Schmeckt wie saure Limonade…“, stellte er wenig begeistert fest.
“Finde ich auch“, sagte Bob, trank aber dennoch beinahe die halbe Flasche in wenigen Schlucken aus. Dann ließ er seinen Blick nachdenklich über den dunklen Garten um sie herum wandern, während sie in der Ferne das Geschwätz ihrer Eltern hören konnten. Peter hatte größere Schwierigkeiten, seinen Blick von Bobs Gesicht zu lösen. Sein Freund war so schön und es kam ihm so vor, als würde ihn sein Anblick deutlich betrunkener machen als der Champagner.
„Glaubst du, dass du das vermissen wirst? Unser zu Hause?" wollte Bob nach einiger Zeit wissen. Peter zuckte mit den Schultern und er beobachtete ein paar Glühwürmchen, die um sie herum tanzten, anstatt Bob in die Augen zu sehen. Er war sich nicht sicher wieso, aber die Frage ließ die Schmetterlinge in seinem Bauch nervös mit ihren Flügeln schlagen und er begann, mit dem Saum seines Hemdes zu spielen.
„Ich weiß nicht … Ich meine, ich werde zu Besuch kommen, schätze ich?“ Er sollte Bob lieber nicht sagen, dass es nicht der Garten war, den er vermissen würde. "Was ist mit dir?"
"Ja, werde ich definitiv."
Überrascht blickte Peter auf und direkt in Bobs Gesicht, der ihn mit einem Ausdruck ansah, den er nicht deuten konnte. Das war seltsam. Er kannte Bob gut genug, um ihn normalerweise wie ein offenes Buch zu lesen, aber im Moment war das überhaupt nicht der Fall. Dennoch schien es offensichtlich, dass sich soeben etwas in der Luft zwischen ihnen verändert hatte und er spürte, wie sein Herz begann schneller zu schlagen, als ihm Bob plötzlich näher kam.
„Gibt es wirklich niemanden, den du vermissen wirst?“ fragte er mit heiserer Stimme. „Überhaupt niemanden?“
Peter runzelte die Stirn. Das Atmen fiel ihm plötzlich zu schwer, während er fieberhaft versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen, der ihm verraten würde, wie er reagieren sollte. Er konnte es Bob nicht sagen. Die Wahrheit... Nicht wenn er so kurz davor war, ihn zu verlieren.
„Bob…“
Plötzlich legte sich eine Hand zärtlich auf seine Wange und Peter konnte nicht anders, als sich in die Berührung hinein zu lehnen. Das war es, wonach er sich so lange gesehnt hatte und es war zu viel für sein Gehirn, um es zu verarbeiten. Wie konnten seine geheimen Träume so plötzlich zur Wirklichkeit werden?
„Ich werde dich vermissen, Peter Shaw…“, flüsterte Bob. „Ich werde dich so sehr vermissen … Du hast keine Ahnung, wie sehr …“ In seinen Augen leuchtete die gleiche Sehnsucht, die auch Peter in seiner Brust verspürte. Dann beugte Bob sich zaghaft vor, neigte seinen Kopf und legte seine andere Hand in Peters Nacken, bevor er ihn endlich küsste.
Peter war sich sicher, dass er sich noch nie so glücklich gefühlt hatte wie in diesem Moment. Bob in einer dunklen Ecke seines Gartens zu küssen, vor ihren Eltern durch die Dunkelheit und den Himbeersträuchern verborgen, einzig beleuchtet von den Sternen, dem Mond und dem Schein einiger verstreuter Glühwürmchen.
Es war absolut perfekt gewesen.
Doch nicht viel später riefen Bobs Eltern ihn zum nach Hause gehen, und nachdem sie sich noch einen letzten Kuss auf die Lippen gedrückt hatten, mussten sie sich trennen und sprachen danach nicht mehr über das Geschehene. Sie waren beide zu sehr mit Packen beschäftigt gewesen und es war einfacher, das Offensichtliche zu ignorieren, als sich mit all den Konsequenzen auseinanderzusetzen, die ihnen bevorstanden.
Peter hatte sein Bestes gegeben, mit der Situation Frieden zu schließen. So war es besser. Bob war ziemlich betrunken gewesen und viele Leute begannen in einem solchen Zustand zu knutschen, ohne es wirklich zu meinen. Es war ok. Es würde ihnen so besser gehen.
Doch am Abend vor Bobs Abreise war er überraschend mit einem Rucksack in der Hand vor Peters Haustür aufgetaucht.
„Hey“, hatte er gesagt und nervös gelächelt. „Kann ich heute Nacht hier schlafen? Ich möchte nicht gehen, ohne mich richtig verabschiedet zu haben.“
Mittlerweile wusste Peter, dass er damals nein hätte sagen sollen. Dass es ihm viele Tränen und Schmerzen erspart hätte, wenn er Bob gesagt hätte, er solle kein Idiot sein und sich am nächsten Tag einfach am Auto von ihm verabschieden. Aber er hatte sich nichts sehnlicher gewünscht, als eine letzte Nacht so nah bei Bob zu verbringen, und so hatte er zugestimmt und somit sein eigenes Schicksal besiegelt.
Es war nicht das erste Mal, dass sie zusammen im selben Bett schliefen. Sie hatten es schon tausende Mal getan und dennoch war es in dieser Nacht anders.
Bob hatte ihn mit dem gleichen unleserlichen Gesichtsausdruck angeschaut wie auf der Party und Peter spürte, wie ihm eine Gänsehaut dort über die Haut lief, wo auch immer die Fingerspitzen seines Freundes sanft seine nackten Arme streichelten.
„Peter…“, hatte er geflüstert, obwohl er offensichtlich keine Antwort erwartet, und noch einmal: „Peter…“
Peter hatte nur gebrummt und war näher gerutscht, damit er Bob die Haare aus dem Gesicht streichen konnte, so wie er es getan hatte, als er auf seinen Notizen neben ihm eingeschlafen war.
„Wie soll ich dich verlassen, nachdem ich gerade...“ Bob hatte seinen Satz nicht vollendet und aufgehört, Peters Arme zu streicheln, um stattdessen seine Hände um seine Taille zu legen und ihn noch näher an sich zu ziehen. Ihre Gesichter waren dadurch nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt gewesen und Peter war der Atem im Hals stecken geblieben.
„Ich werde dich auch vermissen…“, hatte er geflüsterte und seine Stirn an Bobs gelehnt, der zitternd ausatmete.
„Was machen wir jetzt?“
Peter zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht … ich schätze, das müssen wir jeder alleine herausfinden …“
Daraufhin drückte Bob einen weiteren Kuss auf seine Lippen und Peter konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, obwohl er bereits den Schmerz verspürte, ihn so schnell wieder gehen lassen zu müssen.
„Nun, ich weiß nur, dass ich dich nicht vergessen werde, Peter Shaw. Egal wie süß die Jungs und Mädchen auf meinem College sind, ich werde sie wissen lassen, dass sie keine Konkurrenz zu dir sind.“ Das brachte Peter zum Kichern und er schlug Bob leicht auf den Arm.
"Lass das! Was soll ich auf sowas denn erwidern?“ Sein Freund drückte sanft eine kühle Hand auf seine Wange, bevor sich ein zufriedenes Grinsen auf seinen Lippen formte.
„Du bist rot angelaufen, nicht wahr?“
“Nein, ich-- Ach sei doch leise!"
„Nein, es sieht süß aus, wenn du rot wirst“, gurrte Bob.
„Es ist zu dunkel, als dass du die Farbe meines Gesichts überhaupt richtig sehen könntest!“ jammerte Peter.
„Ich habe es oft genug gesehen, um es mir lebhaft vorstellen zu können.“ Diesmal küsste Bob seine Stirn und Peter konnte nicht anders, als sich trotz der sommerlichen Wärme näher an seine Brust zu kuscheln.
„Versprich mir, dass du mir schreibst.“
"Natürlich werde ich das! Ich werde dir jeden Tag schreiben! Und ich rufe dich auch an“, entfuhr es Bob und er klang beinahe beleidigt. Peter lachte nur.
Er hatte damals gedacht, dass alles gut werden würde. Dass sie es vielleicht doch hinkriegen würden den Kontakt aufrecht zu erhalten und ein richtiges Paar zu werden. Immerhin funktionierten einige Fernbeziehungen ganz gut, oder nicht? Sie wurden durch die Distanz oft sogar gestärkt!
Und zunächst hatte Bob sein Versprechen auch tatsächlich gehalten und ihm viel geschrieben. Teilweise telefonierten sie sogar stundenlang miteinander. Aber irgendwann wurden die Nachrichten immer seltener, bis sie schließlich fast ganz versiegten und Peter mit all seinen quälenden Fragen zurück ließen.
Was war bloß geschehen? Was hatte sich geändert? War Bob seiner überdrüssig geworden und hatte ihre Beziehung hinter sich gelassen? Wahrscheinlich. Wenn dem so war, dann warum konnte Peter nicht einfach dasselbe tun? Warum war es immer noch Bob, nach dessen Wärme er sich sehnte, egal wie warm es war? Warum lag er mitten in dieser zu heißen Sommernacht immer noch hellwach, dachte über all diese verpassten Gelegenheiten und Erinnerungen nach und war nicht in der Lage, dieses eine Lächeln aus seinem Kopf zu verbannen, das ihm immer noch mehr bedeutete, als er es jemals gewollt hatte? Und warum blieb sein Herz auch jetzt noch jedes Mal stehen, wenn er glaubte, Bob auf dem Campus oder bei der Arbeit zu erkennen, nur um dann zu realisieren, dass sein Gehirn ihm einen Streich gespielt hatte und er einen zufälligen Fremden mit einem völlig anderen Gesicht anstarrte?
Immer mehr Tränen strömten aus seinen Augen, während ein allzu vertrauter Schmerz Peter’s Inneres zerriss. All diese falschen Hoffnungen und Fragen, auf die er vielleicht nie Antworten bekommen würde. Er wusste, dass auch er das Ganze irgendwann hinter sich lassen musste, aber wie konnte er, wenn jede Nacht so viele unerwünschte Erinnerungen mit sich brachte?
Immerhin konnte Peter auch fast ein ganzes Jahr später einfach nicht aufhören, an Bob zu denken.
