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Language:
Deutsch
Stats:
Published:
2023-06-11
Words:
2,856
Chapters:
1/1
Comments:
10
Kudos:
80
Hits:
513

Beautiful

Summary:

«Du musst mir keine Antwort geben,» fing er an. Adams Herz machte einen Satz. Er konnte seinen Puls im Hals spüren. Was kam jetzt? Könnte es sein, dass sich sein bester Freund gleich fühlte? Sich vielleicht auch verliebt hatte, wie Adam in ihn? «Das an deiner Seite-« wieder stockte Leo und schaute auf seine Hände, die sich nervös gegenseitig zermatschten, «war das dein Vater?»
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An diesem verhängnisvollen Abend sprach Leo die Worte, die Adam niemals vergessen würde. Nun, Jahre später versuchte er mit den genau gleichen Worten, Leo etwas Trost zu spenden und ihm vielleicht auch etwas mehr zu sagen.

Notes:

(See the end of the work for notes.)

Work Text:

Schon als sie in das Baumhaus hochgestiegen waren, hatte es in Leos Pullitasche verdächtig geklackert und jetzt, wo er den Inhalt auf dem Bretterboden präsentiert bekam, wusste Adam auch, was da geklappert hatte. Vier kleine Glasfläschchen, von deren schwarzen Label ihn je ein Paar grosse Augen anschauten. Feiglinge - Alkohol. Er schaute skeptisch zu seinem besten Freund auf, dessen Augen seinen unsicher begegneten.

«Die hab ich von Caro geklaut,» erklärte Leo leise. «Ich dachte vielleicht, dass das ein bisschen ablenken könnte? Es ist auf jeden Fall nicht genug, um uns komplett auszuknocken, das weiss ich.» Etwas in Adam kribbelte warm bei dem Gedanken, dass der sonst so korrekte Leo für ihn eine Regel brach. Mal wieder. «Wir können es aber auch lassen,» hing er sofort an, als Adam ihm keine Antwort gab. «War nur so ne Idee.»

Adam nahm eines der kleinen Fläschchen in die Hand und begutachtete es. Er müsste sich, bevor er morgen wieder beim Bunker aufkreuzte, gründlich den Mund ausspülen, oder genügend anderes Zeug gegessen haben, dass man den Alkohol nicht mehr roch. Der Deckel knackste, als er den Shot öffnete. Seinen Ellenbogen auf das in einen Schneidersitz gefaltete Bein gestützt, blickte er mit zu Leo auf. Dieser nahm sich ebenfalls eine der Fläschchen und öffnete sie.

«Kennst du irgendeinen Trinkspruch?» fragte Adam und schaute zu seinem besten Freund. Dieser Schüttelte nur den Kopf. «Na dann,» er führte seine Hand unsicher zum Mund, «prost.» Das Fläschchen an die Lippen gepresst, warf er seinen Kopf in den Nacken.

Im nächsten Moment rann ihm die Flüssigkeit stechend den Hals hinunter. Fast zeitgleich zu Leo lehnte er sich nach vorne und hustete unbeholfen. Schnell tauchte aus Leos Jackentasche eine Packung Gummibärchen auf. Röchelnd riss er die Tüte auf und hielt sie zuerst Adam hin, dass er mit der Süssigkeit den scharfen Geschmack des Alkohols loswerden könnte.

«Danke,» keuchte Adam und steckte sich gleich mehrere auf einmal in den Mund.

«Kein Ding.» Leos Antwort kam erst, als er selbst eine erste Fuhre Gummibärchen runtergeschluckt hatte. «Noch einen?» Er deutete auf die übriggebliebenen Feiglinge.

«Warum eigentlich nicht?» Adam streifte sich seine Jacke ab und legte sie auf seine Seite, bevor er nach seinem zweiten Shot griff.

Auch dieses Mal stach es wieder, als der Alkohol heiss seine Kehle hinunterlief. Genau wie vorher mussten sie beide wieder husten. Als sie gleichzeitig nach den Gummibärchen griffen, schaute Adam perplex hoch und fand einen Leo, der ihn zufrieden angrinste.

«Nimm du zuerst.» Adam nahm seine Hand aus der Bärchentüte. Leo bedankte sich, zupfte einige Grüne aus dem Mix und schob ihm die Tüte zu, als er fertig war.

Während sie sich über alles mögliche unterhielten – die blöde Deutschlehrerin, den misslungenen Haarschnitt eines Mitschülers oder den neuen Film, den sie im Kino anschauen könnten – fing Adam langsam an die Wirkung zu spüren. Er hatte noch immer etwas Nachgeschmack in seinem Mund und merkte wie ihm langsam wärmer wurde. Das sowieso schon vorhandene Kribbeln wurde etwas stärker, und ihm war danach breit zu Grinsen, auch wenn sein Gegenüber sich gerade über eine Klassenkameradin aufregte und etwas wüstere Beschimpfungen aussprach als gewöhnlich.

Nach einiger Zeit wurde es ihm so warm, das Adam sich kurzerhand den Kapuzenpulli über den Kopf zog. Während die dunklen Massen des Stoffes ihm die Sicht nahmen, bemerkte er nicht, wie Leos Blick auf den Teil seiner Seite fiel, an der das T-Shirt vom Pulli mithochgezogen wurde. Was er aber merkte war, dass Leo aufgehört hatte zu reden.

«Was machst du mit Frederike wenn sie bei der nächsten Gruppenarbeit wieder trödelt?» fragte er, um das Gespräch wieder ins Rollen zu bringen. «Ich konnte das letzte nicht verstehen, tut mir leid.»

«Ach nichts,» winkte Leo nur ab, und streifte sich im nächsten Moment ebenfalls sein Sweatshirt ab. «Es ist wirklich warm,» stellte er fest, als er Adams Blick auf sich bemerkte. Einige Momente, die sich schon fast ächzend in die Länge zu ziehen schienen, blieb es still, bis Leo mit einem Ruck die Gummibärchen in die Hand nahm und neben Adam rutschte.

So, Schulter an Schulter, konnte Adam die wärme Spüren, die durch Leos weites T-Shirt zu ihm durch drang. Er lächelte noch immer Breit, und hoffte inständig, das Leo nicht hören konnte, wie schnell sein Herz gerade schlug. Leo stellte die Gummibärchentüte wieder auf die Seite und begann seine Hände zu kneten.

«Du musst mir keine Antwort geben,» fing er an. Adams Herz machte einen Satz. Er konnte seinen Puls im Hals spüren. Was kam jetzt? Könnte es sein, dass sich sein bester Freund gleich fühlte? Sich vielleicht auch verliebt hatte, wie Adam in ihn? «Das an deiner Seite-« wieder stockte Leo und schaute auf seine Hände, die sich nervös gegenseitig zermatschten, «war das dein Vater?»

Oh. Ohne viel darüber nachzudenken lehnte sich Adam etwas weg und zog das Shirt auf der Seite hoch, die Leo zugewandt war. Zusammen schauten sie auf die, vor der Sonne versteckte, blasse Haut, über die sich in rückennähe weisse Striemen zogen. Der Puls in Adams Hals verwandelte sich in einen Kloss. Leo schaute ihn fragend an, besorgt, so wie es kein anderer tat. Er konnte nichts anderes, als stumm zu bleiben. Die Worte schwirrten in seinem Kopf nur so und bildeten einen überwältigenden Tornado, der durch seine blockierte Kehle keinen Ton fand. Leos Augen lösten sich von seinen – anscheinend hatte er auch ohne Worte seine Antwort bekommen. Er beobachtete, wie der Blick seines Freundes wieder nach unten wanderte, auf die schneeweissen Hautstellen, die er sonst immer so gut es ging vor allem und jedem zu verstecken wusste.

Auf einmal war da eine Berührung. Warme Fingerspitzen strichen sanft über die Hügel und Täler die seine Haut waren. Adam schloss die Augen und atmete Tief. Er konnte sich selbst nicht erklären, ob es war, weil er diese Berührung so genoss und wollte, dass diese warmen Fingerspitzen für immer über seinen Rücken fahren würden, oder ob er sich damit beruhigen wollte, um zu verhindern, dass Tränen in seine Augen stiegen und dem Schmerz den diese Male hielten eine Stimme zu verleihen.

«Jedes Mal, wenn ich die aus dem Augenwinkel im Spiegel bemerke,» fing er an einen ersten Teil des Wörtersturms in seinem Kopf durch den Kloss in seinem Hals zu schieben, «habe ich das Gefühl, dass ich der grösste Schandfleck auf Erden bin.» Die Fingerspitzen hielten an und er hätte seinen Rücken am liebsten auffordernd näher an sie geschoben.

«Adam» Leos Stimme hörte sich schon fast brüchiger an als seine. Als Adam seine Augen öffnete, in Leos blickte und spürte, wie sich allmählich die gesamte Handfläche warm gegen seine Haut schmiegte, hätte er sein Geständnis am liebsten sofort zurückgerufen. Der Alkohol war schuld – er hatte ihn leichtsinnig gemacht. Adam wendete sich ab, nur um gleich darauf zu spüren, wie sich die Hand von seinem Rücken ruckartig entfernte. Lange blieb er Leos Berührung allerdings nicht entzogen, da dieser sein Gesicht mit beiden Händen umfasste und so seinen Blick zurück in seine Augen zwang. «Für mich bist du der schönste Mensch, den es gibt.»

Die Tränen, die seine Wangen hinunterflossen brannten – brannten so wie der Alkohol in seiner Kehle nur Momente zuvor. Bevor sie neben seiner Nase vorbeilaufen konnten, wurden sie weggestrichen. Leo hielt ihn noch immer sanft in seinen Händen und lächelte ihn genau so zärtlich an.

Er rutschte aus seinen Händen weiter auf seine Schulter und schlang seine Arme um den kleineren. Adam würde nie verstehen können, wie er jemanden wie Leo jemals verdiente.

 


 

Die Bilder der letzten Tage waren noch immer von einem drückenden Nebel verdeckt, wenn Leo versuchte, sich genauer daran zurück zu erinnern. Er griff sich die ganze Zeit an die Handgelenke, nur um sich versichern zu können, dass sie nicht mehr von Kabelbinder so stark an die Stuhllehne gebunden waren, dass sich in seinen Händen mit der Zeit ein taubes Stechen ausgebreitet hatte.

Die Liege, auf die der Arzt der Notaufnahme ihn verfrachtet hatte, war hart unter seinem Rücken, und er fühlte sich wie auf dem Präsentierteller, obwohl niemand im Raum war. Er hatte die Anweisung sich auszuruhen, doch vor seinem inneren Augen zuckten die letzten Momente vorbei, die er in diesem engen Keller hatte verbringen müssen. Angestrengt versuchte Leo sie zu verdrängen – an etwas anderes zu denken. Seine Mutter, seine Schwester. Er versuchte sich krampfhaft abzulenken. Seinen Neffen, Pia und Esther. Adam. Und schon flitzten die Bilder zurück.

Er hatte versucht seine Finger zu bewegen, als Barns, sein Entführer, mit Adam aufgetaucht war. Da war ein Funken Hoffnung gewesen, als er ihn gesehen hatte. Ein Funken, der so schnell wie er entstanden war, auch wieder verglühte, als Barns neben ihn trat und ein Messer unter seinem Kiefer platziert hatte. Dann hatte er angefangen zu reden. Wahrscheinlich über das Geld. Das Geld, das Adam direkt abgegeben hatte, nachdem Leo es ihm in der Sporttasche vor die Füsse geworfen hatte. Die Tränen des Entsetzens, mit denen Leo damals zu kämpfen hatte schienen nun Adam zu plagen, der durch zusammengepresste Zähne seinen Patenonkel anzischte.

Und dann war alles so schnell gegangen, dass die Bilder in Leos Kopf einen grau-rauschenden Wirbelsturm bildeten, der damit endete, dass Adam wilde Entschuldigungen murmelnd vor ihm kniete und die Kabelbinder wegschnitt. Das sich Leos verwirrte und zugleich erleichterte Tränen mit Blut mischten, bemerkte er erst, als ein Taschentuch auf seine Wange gepresst wurde.

«Ich hab dich,» hatte Adam gesagt und ihm mit dem Ärmel seines grauen Lieblingspullis das Gesicht trocken getupft, «endlich.» Und dann lag seine Stirn an Leos. Warm und verschwitzt, aber es hatte keinen der beiden gestört.

Leo hätte Adam dort gerne etwas gesagt, durch den Stress der letzten Tage komplett verpeilt, doch seine eingerosteten Stimmbänder hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und seit dem – seit dem Adam im Keller seine Stirn gegen seine gepresst hatte – hatte Leo Adam nicht wiedergesehen. Das Einzige, was er sich nach den Tagen in Boris Barns Gefangenschaft wollte – bei Adam zu sein – wurde ihm verwehrt. Ausruhen könnte er sich jetzt ganz sicher nicht, auch wenn der Arzt ihm vor seiner Anweisung Adams grauen Pullover gegeben hatte.

Langsam schwang sich Leo auf der unbequemen Liege in eine sitzende Position und schaute sich im Zimmer um. Es war ein stinknormaler Behandlungsraum. Ein Tisch, ein runder Hocker mit Rädern darunter platziert, Stühle ohne Räder für die Patienten, diese garstige Liege auf der er sich «entspannen» sollte und ein Spiegel. Ein Spiegel, der genau an der Wand aufgehängt wurde, die der Liege gegenüber stand.

Es dauerte etwas, bis sich Leos Beine an sein Gewicht gewöhnt hatten. Mit wackeligen Schritten lief er auf den Spiegel zu – kam sich selbst immer näher, bis er stehen blieb. Ohne Frage – das auf der reflektierenden Oberfläche war noch immer er. Nur hatten sich dunkle Ringe um seine Augen gelegt und er hatte eine pulsierende Beule nahe der Schläfe. Was ihn aber am meisten Störte, war der schwarze Faden, der von der Ecke seines Kiefers sieben mal in seine Haut ein- und wieder austauchte und erst einen Zentimeter unter seinem Mundwinkel wieder aufhörte. Zwischen den Stichen schlängelte sich eine rote Linie, an der Stunden zuvor Boris Barns das Messer abgerutscht war.

Vorsichtig fuhr er mit seinem Zeigefinger um den genähten Schnitt herum. Er traute sich nicht, ihn anzufassen.

«Ich habe mein Bestes gegeben,» hallten die bittersüssen Worte des Arztes in seinem überfliessenden Kopf nach, «aber eine Narbe wird ihnen an dieser Stelle wohl immer bleiben.»

Leo hatte seine Worte kaum aufnehmen können, so sehr waren in seinen Gedanken andere Sachen umhergeschwirrt. Doch jetzt, alleine in der Stille, waren sie so viel lauter, als er sie hören wollte. Weiter starrte er auf den schwarzen Faden.

Er starrte und starrte, bis eine Tür klickte. Im Rahmen stand Adam – endlich – und hauchte seinen Namen, bevor er auf ihn zustürzte.

«Ich hab mir solche Sorgen gemacht» wurde gefolgt von einem «Ich lass dich nie wieder aus den Augen» in seine Schulter gemurmelt. Hätte Leo die Möglichkeit, dann würde er Adam nie wieder loslassen, ihn immer weiter in seinen Armen halten und im Gegenzug von ihm gehalten werden. So müsste er auch die Schnittwunde in seinem Gesicht nie wieder zu sehen bekommen, wenn er für den Rest der Ewigkeit in Adams Armen blieb.

Doch wie alles Schöne, was er bisher mit Adam hatte, endete auch die Umarmung. Entmutigt schaute er zu Adam, der ihn immer noch bei den Oberarmen hielt und nun vorsichtig musterte. Sein Blick blieb genau dort hängen, wo er Adam niemals freiwillig hätte hinschauen lassen wollen.

«Der Arzt hat gesagt, dass man wohl immer etwas sehen wird.» Der Faden zog bei seinem Geständnis seicht an seiner Haut.

Blaue Augen trafen auf seine und blickten ihn mit so viel Zuneigung an, dass Leo dazwischen schwankte, sich Adams Griff zu winden, und sich wieder auf ihn fallen zu lassen. Er blieb stehen, erwiderte den Blick, auch wenn es ihm unglaublich schwer fiel.

Die Hände verschwanden von seinen Oberarmen, nur um Leicht in seinen Nacken gelegt wieder aufzutauchen.

«Leo» Adams Stimme schlug unruhige Wellen, als er seinen Namen aussprach. Der Druck der Hände in seinem Nacken verstärkte sich Leicht. «Für mich bist du der schönste Mensch, den es gibt.»

Sie waren wieder dort. Im Baumhaus, all diese Jahre zuvor, mit verkehrten Rollen. Im Gegensatz zu den anderen Erinnerungen schien diese kristallklar wie ein Gebirgsbach durch Leos Gedächtnis zu plätschern. Er konnte sich erinnern, wie ernst er diese Worte gemeint hatte, als er sie Adam anvertraut hatte. Er hatte gehofft, dass er seinen besten Freund nicht nur aufmuntern könnte, sondern ihm so auch zu verstehen gab, wie viel er ihm bedeutete, wie sehr er ihn verdammt noch mal liebte.

Und jetzt standen diese Worte wieder im Raum. Jetzt waren sie an ihn gerichtet. Und Adam hatte sie ausgesprochen.

Leo liess sich vorwärts sacken und vergrub sein Gesicht so an Adams Hals, dass er nichts sah, den Faden nicht spürte und gleichzeitig den vertrauten Geruch in der Nase hatte, den er die letzten Tage, und davor ganze fünfzehn Jahre, nur vermissen konnte.

Irgendwann hob er seinen Kopf wieder. Er hatte Adam etwas sagen wollen, als er ihn aus dem Keller geholt hatte. Er wollte es ihm immer noch sagen und hoffte, dass Adam seine Worte so gemeint hatte, wie er sie damals im Baumhaus gemeint hatte.

Bevor er jedoch aussprechen konnte, was ihm schon seit Ewigkeiten im Kopf herumschwirrte, hielt Leo sich selbst auf. Wollte er wirklich riskieren, dass er Adams Arme vielleicht nie wieder um seine Schultern spüren könnte?

«Leo?» zog Adam seine Aufmerksamkeit zurück auf sich. «Es gibt, und hat noch nie jemanden gegeben, den ich auf dieser Welt schöner finden könnte als dich.» Eine Pause. Blick traf auf Blick und in Leos Kopf begann das klare Bergbächlein so zu rauschen, dass er beinahe Adams nächste Worte verpasste. «Was ich damit sagen will ist, dass ich dich liebe – seit einer Ewigkeit.»

Das Bächlein plätscherte nicht mehr, es war in einen genau so kristallklaren Quellsee geflossen, in dem sich alle Momente, in denen Leo wusste, dass er Adam liebt, vertraut aneinanderschmiegten. Er blickte zu Adam. Seine Augen – sie hatten die gleiche Farbe, die der See reflektierte.

«Ich weiss was das für unsere Freundschaft bedeutet,» setzte Adam wieder an, um die Stille zu überbrücken, die sich aufgrund Leos fehlender Antwort auftat. «aber ich kann wirklich nichts dran ändern. Und glaub mir, ich werde es mir nie verzeihen, dass dich dieses Schwein von Barns wegen mir-« Leos Finger, der sich über Adams Lippen gelegt hatte, schnitt den anschwellenden Wortfluss ab. Er machte einen Schritt nach vorne, auf Adam zu, auf den Finger, der auf seinem Mund lag.

«Darf ich?» fragte Leo, seine Worte kaum hörbar, doch Adam nickte trotzdem.

Der Finger verschwand und ihre Lippen fanden sich so, als hätten sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes gesucht.

Sie blieben sanft. Leos Hände legten sich auf Adams Rücken und zogen sie näher aneinander. Adams Finger strichen liebevoll durch Leos Haare. Erst als sich Leos linke Hand zu dem Ort unter Adams T-Shirt verirrte, um den sie damals schon gestrichen war, liess Adam langsam von ihm ab. Wortlos hob er das Shirt und entblösste seine Seite. Um die fast verblassten Narben schlang sich ein Schriftzug, dessen Worte Leo sofort wiedererkannte.

«Du hast dir das tätowieren lassen?» fragte Leo und liess seine Fingerspitzen nun erst recht über die warme Haut des anderen streichen.

«Niemand hat je etwas schöneres zu mir gesagt. Das wollte ich nicht vergessen.»

Adams Antwort trieb Leo zum letzten Mal an diesem Tag die Tränen in die Augen.

«Weisst du was ich dir eigentlich damals damit sagen wollte?» Adam schüttelte leicht den Kopf. «Ich hab irgendwie gehofft, dass du es als das Liebesgeständnis verstehst, das ich die ganze Zeit zu schüchtern war dir zu geben.» Leos rechte Hand, die nicht damit beschäftigt war, über das Zitat zu fahren, nahm Adams.

«Wirklich?» fragte Adam erstaunt. Leo antwortete nicht. Er lehnte sich nur erneut zu ihm.

«Ich liebe dich auch, Adam.» Die Worte waren kaum ein Hauch gegen seine Lippen.

 


 

Nur wenige Wochen später zierte ein neuer Schriftzug Adams linkes Handgelenk. Und auf die Frage, welche Bedeutung die eigentlich eindeutigen Worte hatten, antwortete er: «Das ist eines der zwei schönsten Dinge, die jemand zu mir gesagt hat» oder «Das geht dich einen Scheissdreck an» - je nach dem, wer es wissen wollte.

 

 

Notes:

Danke an alle, die sich das ganze bis hier durchgelesen haben. Es hat mir sehr viel Spass gemacht endlich mal wieder etwas fertig zu schreiben (und nebenbei zu ignorieren, dass sich neben mir ein Berg Schulkram auftürmt).
Über eine Rückmeldung würde ich mich unglaublich freuen (✿◡‿◡)

VG Tebsel

>momentan sind noch ein paar Fehler drin, ich versuche aber möglichst alle noch raus zu nehmen :)