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Für Bob sahen Sommerferien immer gleich aus. Es war dieses eine Bild einer Erinnerung, die aus irgendeinem Grund stecken geblieben war. Sie schmeckte nach Schweiß und Sonnencreme, Sand und der sanften Brise eines Meeres.
Es waren Peters kurze Shorts und Justus' nasses Haar, wenn er aus den Wellen des Wassers auftauchte. Es war das Lachen und das Rennen und das Fahrradfahren in unglaublicher Hitze. Es war die Sonne, die deine Haut verbrannte und dich mit einer brutalen Gleichgültigkeit erinnerte was für eine Zeit es war: So fühlten sich die Sommerferien für Bob Andrews an.
Fälle hatten sie zu viele und wenn sie nicht gerade einen miesen Verbrecher jagten, waren sie am Strand, aßen Wassermelonen und ließen den Saft der Frucht auf ihren Mündern und Hälsen trocknen.
Und das war der Moment in dem Bob Stocken würde- Sein Blick würde verharren, seine Augen würden…schweifen.
Sie würden schweifen und- Es hatte nicht direkt etwas mit den Sommerferien an sich zu tun, aber Bob würde es auf sie schieben. Denn wenn er das Schweifen in so einer Zeit bemerkte konnte er es auf nichts anderes schieben, als auf das was es war.
Bob weigerte sich es Liebe zu nennen, weil es so viel mehr war. Bob liebte gerne, er liebte Fotografie und Kunst. Er liebte Recherche und das Archiv seines Vaters. Er liebte Bücher, Wissen, er liebte seine Freunde.
Er liebte sie mit einer Selbstverständlichkeit, die sich nicht gehörte, die sich einem einfachen Wort wie Liebe nicht gehörte. Es war das Leben, das Zusammensein, das Existieren miteinander. Die geteilten Atemzüge, die drei Badetücher auf denen sie nebeneinander lagen, so nah das die Hitze sie hassen musste und so nah das sie sich ein Badetuch teilen könnten- Wenn sie es denn wollten.
Und Bob wollte es so sehr, dass es weh tat. Das sein Herz sich ineinander faltete vor Sehnsucht. Das Problem begann dort, mit den Badetüchern und den wunderbaren Gesichtern seiner Freunde. Das Problem begann dort oder vielleicht hatte es schon viel früher begonnen, noch bevor er mit seinen Augen geschweift war, noch bevor er überhaupt das Wort Liebe kennengelernt hatte.
Konnte man das Wort kennenlernen? Oder konnte man es nur fühlen, erfahren?
Bobs Augen wanderten weiter- Peter hatte seine geschlossen, genoss die Sonne in einer Stille, die ihm nicht gehörte. Er badete im Sonnenlicht, wie vorhin im Meer.
Bob konnte sich noch erinnern, als Peter seinen Körper noch nicht richtig ausgefüllt hatte. Seine Beine waren zu lang gewesen und er hatte sich mit einer charmanten Ungeschicklichkeit bewegt. Jetzt nicht mehr, jetzt lagen seine Beine ausgestreckt auf dem Handtuch, seine Füße berührten den Sand und er sah so erwachsen aus, dass es Bob mehr Angst machte, als er es je zugeben würde.
Als der dritte Detektiv seinen anderen Freund ansehen wollte, lagen Justus' Augen bereits auf seinen. Justus hatte wunderschöne Augen, dunkel und trotzdem klar auf eine wissende durchschauende Weise.
Das Problem, dachte Bob, als er die Gesichter seiner Freunde studierte, war das er gierig war.
Und wo Gier war, wusste er, dort war auch etwas was man begehren konnte.
Justus sah ihn weiter an, fast schon sanft unter dem gnadenlosen Schein der Sonne. Seine Haut war schön braungebrannt und es hatte etwas furchtbar charmantes ihn so aufblühen zu sehen. Einige dunkle Strähnen seines Haares hingen ihm noch nass ins Gesicht und Bob erinnerte sich erneut an sein Bild des Sommers.
Justus' Haare spielten immer eine große Rolle, genau wie Peters Beine und das Fahrradfahren. Es hatte einfach etwas an sich- das Leben. Das Leben mit Leuten, die du lieb hattest. Ein Tropfen Salzwasser floss Justus' Stirn hinab und Bob stoppte den zu langen Augenkontakt um der Bahn des Wassers zu folgen.
Die Gier rollte durch seinen Körper wie getarnter Hunger, vielleicht war es das. Vielleicht war es der Hunger nach Mehr. Nach mehr Nähe, nach mehr Kontakt. Sein Blick landete auf Peter, dann auf Just' und er realisierte: Das Problem, das Problem, wusste Bob, das Problem startete mit ihm.
Er würde es niemals wagen den Apfel zu essen, nicht wenn sich der Hunger so bittersüß anfühlte.
