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Fandom:
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Characters:
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Language:
Deutsch
Series:
Part 12 of Schwarzes Glas (eine Oneshot-Sammlung)
Stats:
Published:
2014-11-15
Words:
2,816
Chapters:
1/1
Kudos:
2
Hits:
30

Feuer und Wasser

Summary:

Chester konnte sich zwar nicht wirklich vorstellen, mit Analplug in seinem Allerwertesten seinen wöchentlichen Großeinkauf zu erledigen (oder überhaupt das Haus zu verlassen), aber wenn Wikipedia behauptete, dass sich so was gut anfühlte, dann war er ganz sicher der letzte, der sich gegen diese kleine Erweiterung seines bisherigen, in erster Linie von vanilla Hetero-Sex geprägten Horizonts versperrte.

 

(crossposted von fanfiktion.de; angefangen 2009 oder 2010, fertig geschrieben und hochgeladen 2014)

Work Text:

Chesters Blick fiel verstört auf die vor ihnen auf der Bettdecke liegenden Utensilien.

Eine Tube Gleitgel - noch ungeöffnet. Grundausstattung.

Eine Großpackung Kondome. Ebenfalls noch ungeöffnet.

Nicht dass davon auszugehen war, dass irgendeiner von ihnen eine Geschlechtskrankheit mit sich herumschleppte und schwanger werden konnten sie auch kaum.
Aber laut Wikipedia kam es Jahr für Jahr auch noch zu einer Reihe weiterer, recht bedenklicher Infektionen, die auf ungeschützten Analsex (beziehungsweise die Keime im menschlichen Enddarm) zurückzuführen waren. Mal ganz abgesehen davon, dass Chester auf keinen Fall jemandem den Schwanz lutschen wollte, der das Ding zu irgendeinem Zeitpunkt ohne Gummi in irgendjemandes Arsch stecken gehabt hatte.
Selbst wenn es sein eigener war.
(Zwar sagte Wikipedia außerdem, dass nur etwa die Hälfte aller männlichen, gleichgeschlechtlichen Paare überhaupt regelmäßig Analsex betrieb, aber für den Fall, dass er und Mike bei ihrem von ihm geplanten Probedurchgang Gefallen an der Nummer fanden, konnten sie gar nicht gut genug vorbereitet sein. Wenn keiner von ihnen Spaß daran hatte, würden sie die überzähligen Kondome eben beim nächsten Konzert in die Menge werfen oder anderweitig unter die Leute bringen. Letztendlich taten sie damit ja sogar etwas Gutes.)

Verschieden große Analplugs.
Zum Weiten des Aus-, uhm, Eingangs kurz vor dem Sex, oder, je nachdem wie sehr es einem gefiel, Dinge in seinem Arsch stecken zu haben, auch für den Alltag geeignet.

Chester konnte sich zwar nicht wirklich vorstellen, mit so einem Teil in seinem Allerwertesten seinen wöchentlichen Großeinkauf zu erledigen (oder überhaupt das Haus zu verlassen), aber wenn Wikipedia behauptete, dass sich so was gut anfühlte, dann war er ganz sicher der letzte, der sich gegen diese kleine Erweiterung seines bisherigen, in erster Linie von Hetero-Sex geprägten Horizonts versperrte.

Chester mochte Wikipedia.

Er hatte sich immer schon gern zur songschreibtechnischen Recherche auf dieser Seite herumgetrieben, aber ihm war nie zuvor aufgefallen, wie umfangreich die Bandbreite der dort für alle Welt zugänglichen Informationen über nahezu sämtliche existente Sexualpraktiken war, bevor er zum ersten Mal das Wort Analsex in die Suchleiste eingegeben hatte.
Er hatte einige Stunden damit zugebracht, sich nahezu jede Seite, auf die er sich auf gut Glück weiterleiten ließ, aufmerksam durchzulesen. Er hatte das Für und Wider so ziemlich jedes Spielzeugs und jeder Praktik, über die er stolperte, in aller Ruhe abgewogen und war am Ende zu dem Schluss gekommen, dass er und Mike es am besten langsam angingen und alles Weitere gemeinsam besprachen und entschieden. Immerhin hatte keiner von ihnen irgendwelche Erfahrung auf diesem Gebiet. Vermutlich. Also, davon war auszugehen. Das, was er als Kind erlebt hatte, wollte er beim besten Willen nicht als "Erfahrung" werten und Mike...

Chester blinzelte ein paar Mal, um aus seinen immer weiter abdriftenden Gedanken wieder in die Realität zurückzufinden. Sein (nach wie vor in erster Linie verstörter) Blick löste sich von dem pastellblauen, 5cm breiten und mindestens 6cm langen Analplug und richtete sich wieder auf Mike, der inzwischen seelenruhig dazu übergegangen war, die Inhaltsangabe der Gleitgeltube zu studieren.


"Bist du dir sicher?"

Der Jüngere schaute auf. "Bin ich."

"Ganz sicher?"

"Uhum."

Chester runzelte die Stirn. "Also... hab ich das alles hier umsonst gekauft...?"

"Nicht unbedingt. Das Gleitgel ist vielleicht ganz nützlich. Handjobs und so sind sicher ab und an mal drin. Aber der Rest..." Schulterzucken.

"Wieso hast du mir das nie eher erzählt?"

"Warum hätte ich das tun sollen?"

Der fast schon defensive Unterton in der Stimme seines Lebens(abschnitts)gefährten ließ die Falten auf Chesters Stirn nur noch tiefer werden. "Man lügt seine Freunde nicht an."

Mike wandte sich murrend wieder der Gleitgeltube zu. "Ich hab nicht gelogen. Hättest du gefragt, hätte ich es dir ohne zu zögern erzählt. Du läufst ja auch nicht herum und erzählst jedem einfach so von dir aus, dass du bi bist... Nun ja, nicht mehr."

"Weiß Anna Bescheid?"

"Natürlich."

"Natürlich..." Chester verdrehte die Augen und entschloss sich, die Sache etwas direkter anzugehen. "Wie habt ihr dann Otis zustande gekriegt?"

Mike runzelte die Stirn. "Wir... haben drüber gesprochen, dass wir gerne n Kind hätten und dann, wenn sie halt grad ihren Eisprung hatte, miteinander geschlafen. Das so drei, vier Monate, dann hat's geklappt und wir haben's wieder sein lassen."

"Also keine, uh, professionelle künstliche Befruchtung?"

"Ich bin nicht impotent."

Der Ältere hob beschwichtigend die Hände. "Hab ich nie behauptet." Er ließ die Hände wieder sinken und seine Finger abwesend mit dem schwarzen, 3cm breiten und etwa 7cm langen Analplug, der zufällig vor ihm lag, spielen. "Also habt ihr schon ab und zu miteinander geschlafen? ... also, auch, wenn ihr grad nicht versucht habt, Nachwuchs zu produzieren?"

Mike zuckte mit den Schultern. "Uhum. Ein paar Mal sogar. War aber halt nicht so das Wahre. In erster Linie fand ich's einfach nur anstrengend."

"Vielleicht lag es ja an ihr und an sich bist du doch nicht-"

"Gib auf, Chaz."

"Aber-"

"Nichts 'aber'. Denkst du etwa, sie wär die einzige Person gewesen, mit der ich je was gehabt hab? Und dass wir's nur in der Missionarsstellung bei ausgeschaltetem Licht getan haben?"

"Und wenn-"

"Nein."

"Woher-"

"Ich mein's ehrlich, Chaz: Gib auf."


Chester ließ die Schultern hängen und den Blick wieder auf den Analplug vor sich fallen.

Er hatte sich in Mike verliebt.
Und Mike war, nach eigener Aussage, auch in ihn verliebt.

Sie hatten sich von ihren Frauen scheiden lassen.
Sich vor dem Rest der Band geoutet. Mikes Familie. Chesters Familie (sprich: der halben U.S.-Westküste). Und ihren engsten Freundeskreisen.
Planten, im Laufe der nächsten paar Wochen zusammen zu ziehen, sobald die Renovierungsarbeiten in Mikes Haus abgeschlossen waren und aus seinem und Annas ehemaligem Schlafzimmer Otis neues Kinderzimmer geworden war - so ziemlich das respektvollste "Recycling" des großen, lichtdurchfluteten Dachgeschosszimmers, das ihnen auf Anhieb eingefallen war.

Bis zu diesem Tag hatte Chester der Vorstellung, dass ihr neues, gemeinsames Schlafzimmer (sobald dieses fertig war) somit direkt neben dem des Kleinen lag, skeptisch gegenüber gestanden.
Aber wie es nun aussah, hatte er sich da völlig umsonst gesorgt.

Sex, bei dem sie erwischt werden konnten, würde es scheinbar nie geben.


Rückblickend betrachtet gelang es keinem von ihnen, genau zu bestimmen wann sie sich ineinander verliebt hatten.

Sie lernten sich kennen, arbeiteten miteinander, freundeten sich im Verlaufe dessen an, bekamen ihren Plattenvertrag, arbeiteten weiter... und weiter... gingen irgendwann auf Tour. Dann wieder ins Studio. Und wieder auf Tour...

Es gab keinen bestimmten Zwischenfall, der sie dazu brachte, ihre Gefühle füreinander zu hinterfragen oder der überhaupt erst irgendwelche neuen (oder immer schon unterschwellig vorhandenen) Gefühle aufwirbelte. Sie genossen die Gesellschaft des jeweils anderen, kannten einander in- und auswendig, beobachteten sich dennoch oft neugierig aus den Augenwinkeln, sorgten sich umeinander... Hin und wieder ertappten sie sich oder den anderen vielleicht mal bei einem unschuldigen Flirtversuch, der jedoch meist schnell wieder mit roten Wangen weggelacht wurde.
Alles fühlte sich einfach nur... normal an.
Normal, selbstverständlich, vertraut.

Chesters Blick, der abwesend an Mikes Lippen hing, während dieser irgendwelche Belanglosigkeiten vor sich hinbrabbelte.

Mikes spontane Küsse auf die Schläfe des Älteren, wenn das Adrenalin der zurückliegenden Show noch viel zu laut durch seine Adern rauschte und die Gesänge der Fans, der Bass, die Drums in seinen Ohren nachhallten.

Chesters nächtliche Anrufe, wenn sie von der Tour zurück waren und er sich betrunken in der Stadt verlaufen oder mit seiner Frau gestritten hatte, seine zitternde Stimme, die Mike anflehte, zu ihm zu kommen, ihn kurz festzuhalten, nur einen kleinen Moment... und die zahllosen Versprechen, dass das wirklich der letzte Anruf dieser Art war... Gespräche, an die Chester sich heute nicht mehr erinnerte, die für Mike damals jedoch fast zum Alltag gehört hatten.

Mikes Anrufe um fünf Uhr morgens, die meist nur aus unzusammenhängendem Gestammel bestanden und sich um Ideen für das nächste Album, die nächste Tour, das übernächste Album, durchgeschmorte externe Festplatten und kaputte Kaffeemaschinen drehten... und wie er sofort verstummte, sobald Chester das erste Mal den Mund aufmachte und ihm leise und sanft riet, die Sache (welche auch immer) doch erst noch mal zu überschlafen, bevor er sich da noch weiter hineinsteigerte.

Ihre stummen Konversationen über die Köpfe der anderen hinweg, die oft nur aus einer hochgezogenen Augenbraue oder einem dümmlichen Grinsen bestanden.

Die Unruhe, wenn man dann doch einmal über mehrere Tage hinweg nichts voneinander gehört hatte. Mikes Angst, wenn Chester, der irgendwann jede einzelne Nacht anrief, sich plötzlich eine ganze Woche gar nicht mehr meldete. Diese erdrückende Leere in Chesters Innerem, als Mike mit Fort Minor auf Tour war und aufgrund der Zeitverschiebung seine Anrufe entweder verpasste oder ihm, wenn sie einander dann doch mal erwischten, nur leise sagte, dass er nicht in der Stadt war und ihn gerade, so sehr er es sich auch wünschte, nicht in den Arm nehmen konnte.

Das erste "Ich liebe dich".
Chesters Verabschiedung, nachdem Mike ihn das erste Mal in der Entzugsklinik besucht hatte.
Mikes leise Erwiderung und die darauf folgende, mehrere Minuten andauernde Umarmung.

Es folgte ein erneuter Aufenthalt im Studio, ein neues Album, weitere Touren, und wieder das Studio. Unzählige weitere Umarmungen, Küsse auf Schläfe, Stirn, Wange, abwesende Blicke, sanftes Lächeln. Gemeinsame Übernachtungen auf der Couch neben dem Mischpult oder umgeben von den zahllosen Luftballons und farbigen Lichterketten, die sie im Aufnahmeraum verteilt hatten.

Und irgendwann ein erster Kuss auf die Lippen. Ohne bestimmten Grund, einfach nur, weil sie gerade nah genug dafür beieinander lagen und Chester keine bessere Antwort auf Mikes Frage einfiel, was er tun würde, wenn er wüsste, dass am nächsten Tag die Welt untergehen würde.

Weitere Übernachtungen schlossen sich an, ebenso weitere Küsse, Gespräche über die Apokalypse, fremdes Leben auf anderen Planeten, Pizza, Brads neue Gitarre, Joes neuen Computer und zu guter Letzt Mikes recht trockene Feststellung, dass er lieber neben Chester als seiner Frau einschlief und wieder aufwachte, lieber Chester als Anna küsste und von der Couch und dem harten Parkettboden so langsam aber sicher einen steifen Rücken bekam.


Seitdem waren gerade einmal zwei Monate vergangen.

Zwei Monate, in denen sie keine einzige Nacht mehr ohne einander verbracht hatten, in denen sie Hand in Hand von einem notwendigen Outing zum nächsten getrottet waren, und in denen außer sanften Küssen und engen Umarmungen ansonsten nichts weiter zwischen ihnen passiert war.

Zwei Monate, in denen Chester sich, wie es schien, als einziger von ihnen mit dem Thema Sex beschäftigt hatte - in der seiner Meinung nach nicht unberechtigten Annahme, dass zu einer gesunden Beziehung auch ein gesundes Liebesleben gehörte.


"Du hättest was sagen können."

Schulterzucken.

"Scheiße, wir sind zusammen, Mike. Wir haben 'ne Beziehung! Wie hast du dir das vorgestellt?"

Mike zuckte ein weiteres Mal mit den Schultern und las sich dabei das Kleingedruckte auf der Kondompackung durch. "Ich dachte, vielleicht willst du eh nicht... oder so..."

"Du dachtest, ich will eh keinen Sex?"

Und wieder: Schulterzucken.

Chester zog enttäuscht die Stirn in Falten. "Fuck, Mike, wie lange kennst du mich jetzt? Wie kommst du auf den Trichter, ich würde ohne Sex auskommen?"

"Weiß nicht... vielleicht... hätte ja sein können. Dass du nicht mit 'nem Kerl... ... wegen, uhm... damals und so... oder so..." Mike kratzte sich, den Blick weiter angestrengt abgewandt, an seinem Bärtchen. Schließlich legte er die Kondome mit einem schweren Seufzer beiseite und ließ sich nach hinten in sein Kissen sinken. "Keine Ahnung. Nenn's Wunschdenken oder so."

"..."

"Nicht, dass ich mir wünsche, dass du wegen dieser Sache da irgendwie... eingeschränkt oder so bist... sexuell jetzt... ich mein nur..."

"..."

"... Du weißt, was ich meine?"

Nun war es an Chester, zu seufzen und sich rücklings fallen zu lassen. "Schon klar."

"Sicher?"

"Uhum."


Für einige Minuten war es still.


Dann platzte es aber auch schon wieder aus Chester heraus, der inzwischen etwas näher an seinen Freund herangerutscht war und diesen nun aus großen, dunklen Augen ernst anblickte. "Wenn dir, uhm, so was in der Art passiert wäre... oder auch was ganz anderes, was vielleicht irgendwie... du würdest es mir erzählen, oder?"

"... Chaz?"

"Ja?"

"Ich bin bloß asexuell. Ich hab kein Trauma wegen irgendwas, ich hab nicht 'einfach noch nicht das Richtige ausprobiert' und ganz sicher hab ich keine psychische Störung oder so. Ich steh einfach nicht auf Sex. Das heißt nicht, dass ich keinen hochkriege bei entsprechender, uh, 'Behandlung', sondern einfach bloß, dass ich kein Interesse an solchen Sachen habe."

Der Ältere ließ sich seufzend nach hinten aufs Bett fallen, runzelte jedoch kurz darauf die Stirn, als er etwas unangenehm gegen seinen Rücken drücken spürte.
Er rutschte eine Weile hin und her, nur um schließlich die Tube Gleitgel unter sich hervorzuziehen und die darauf abgedruckte Liste der Inhaltsstoffe abwesend zu studieren.
"Fuck, Mann. Ist jetzt nicht so, als würde ich zum ersten Mal davon hören, dass es so was gibt, aber... Ich kann's mir nicht vorstellen. Wie kann man nicht auf Sex stehen? Und das einfach so? Das macht evolutionstechnisch gesehen absolut keinen Sinn. Wirkt Sex nicht wie Drogen und Essen und seinen Hobbies nachgehen auf das Gehirn? So, dass man es einfach nicht nicht toll finden kann, weil da automatisch Stoffe losgetreten werden, die dir zujubeln 'Ja, super, das ist toll, das musst du wieder machen!' und so?"
Er wandte den Blick zu Mike, der ihn nur mit hochgezogener rechter Augenbraue anstarrte.
"Was? So haben die uns das damals in der Entzugsklinik erklärt. Drogen reden deinem Gehirn ein, dass es toll ist, sie zu nehmen, genauso toll, wie essen, vögeln und - in meinem Fall - vor mehreren Tausend Leuten zu stehen und mit ihnen unsere Musik zu feiern."

Mike zuckte bloß mit den Schultern. "Was weiß ich, die Stoffe in meinem Gehirn reagieren auf Sex in etwa so, wie sie darauf reagieren, wenn ich den Müll rausbringe. Sie jubeln, wenn ich dich küsse, sie jubeln, wenn wir, uh, kuscheln und so und wenn ich dich irgendwie streichle oder du mich, da wird gejubelt ohne Ende." Er rutschte ein wenig näher an seinen Freund heran und ließ seine Fingerspitzen sanft durch dessen tiefbraune Locken streifen.

Chester schloss genießerisch die Augen und faltete die Hände auf dem Bauch. Seine Stimme verkam mehr und mehr zu einem leisen Murmeln. "Aber bei dem Gedanken an Sex bleibt alles still."

"So in etwa. Hin und wieder besorge ich's mir zwar, aber das ist eher so aus... hm, nennen wir es Langeweile. So nach dem Motto 'Ich könnte jetzt irgendwas machen, aber ich bin zu faul aufzustehen, oh, hey, ich hab schon lange nicht mehr masturbiert, das wär doch was'..."

"Oh Gott..."

"Was?"

Chester schlug die Augen wieder auf und blickte den anderen fassungslos an. "Ich kann nicht glauben, dass du tatsächlich 'masturbiert' gesagt hast. Das klingt so... klinisch. Wie aus einem Sexualkundeunterrichts-Lehrbuch. Warum nicht gleich 'oh, hey, ich könnte mich mal wieder an Selbstbefriedigung versuchen'?"

"Das war nur ein Beispiel..."

"Koitus."

"Was?"

"Mike, was ist deine Meinung zum Thema Koitus? Wie denkst du über penetrativen Geschlechtsverkehr? Bleiben wir doch mal beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr. Das Einführen eines erigierten Penises in eine dir wohlgesonnene Vagina. Deine Gedanken dazu. Wie sehen die aus?"

Mike schüttelte den Kopf, vergeblich darum bemüht, sich ein Schmunzeln zu verkneifen. "Du bist bescheuert." Er seufzte. "Schön, dann denk ich mir eben manchmal 'Yo, Mann, ich könnte mir mal wieder einen von der Palme wedeln, mal wieder kräftig abwichsen, geht zwar 'n bisschen auf's Handgelenk, aber immer noch weniger anstrengend, als meinen Arsch von der Couch zu rollen und mir 'ne Pizza in den Ofen zu schieben oder die Spülmaschine auszuräumen'" Er schenkte seinem Freund einen vielsagenden Blick. "Besser?"

Chester grinste zufrieden. "Viel besser."

Mike seufzte leise, nach wie vor mit einem breiten Schmunzeln auf den Lippen. "Und nun?"

"Huh?"

"Was machen wir mit dem ganzen Zeug hier?" Er deutete mit einem Nicken auf die um sie herum auf dem Bett verteilten Kondome und Spielzeuge.

Sein Freund runzelte nachdenklich die Stirn. "Hmmm... du könntest die Kondome bekritzeln, so mit Edding oder so, falls das die Hülle nicht kaputtmacht, und dann werfen wir sie bei der nächsten Show in die Menge...? Und die Analplugs bemalst du auch und wir packen sie in die nächsten LPU-Pakete und behaupten, es wären Tannenbäume oder Tentakel oder... was auch immer. Je nach Form." Er nickte zufrieden und grinste wieder, sichtlich stolz auf seine Idee.

Mike gab ein leises Grunzen, das wohl mal ein unterdrücktes Auflachen hatte werden sollte, von sich, schüttelte den Kopf und rutschte etwas näher, um einen Arm um Chesters Taille schlingen zu können. "Und mit uns?"

Chester blickte ihn verwirrt an.

"Was machen wir mit uns, mein ich. Also... wegen mir?" Es kostete Mike einiges an Mühe, sein Lächeln nicht allzu unsicher werden zu lassen.

Gefühlte Ewigkeiten fuhr Chester einfach darin fort, ihn schweigend zu mustern. Dann kehrte aber auch schon das weiche, liebevolle Grinsen, mit dem er den anderen seit jeher bedachte, wann immer er seinen Blick ein wenig zu lang an ihm haften lassen hatte, auf seine Lippen zurück und er zuckte mit den Schultern. "Uns fällt schon was ein. Irgendwas, was keinen zu was zwingt, worauf er keinen Bock hat." Er platzierte einen kleinen Kuss auf Mikes Haaransatz und schlang die Arme um seine Taille.

Mike reagierte darauf nur mit einem unverständlichen Brummeln über jubelnde Stoffe in seinem Kopf und wütende Eltern minderjähriger Fans, und einem seligen Aufseufzen.