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Archive Warning:
Category:
Fandom:
Relationship:
Characters:
Language:
Deutsch
Series:
Part 13 of Schwarzes Glas (eine Oneshot-Sammlung)
Stats:
Published:
2015-06-22
Words:
751
Chapters:
1/1
Kudos:
2
Hits:
28

Amour

Summary:

Noch immer lagen Chesters Hände an seinen Wangen, noch immer streiften die Finger des Älteren sanft über die warme, gerötete Haut, noch immer lehnte seine Stirn an Mikes.

Wäre "einfach nur Freunde bleiben" eine Sportart, wären sie beide schon längst disqualifiziert worden.

 

(crossposted von fanfiktion.de; hochgeladen ~2015)

Work Text:

Eigentlich hatten sie sich zum Arbeiten zurückgezogen.
Und ebenso eigentlich hatten sie erst vor wenigen Tagen zum wohl dutzendsten Mal beschlossen, in Zukunft "nur noch" Freunde zu sein.

Aber ziemlich uneigentlich war Mike das gerade eher egal.

Er lehnte seine Stirn an Chesters und schloss für einen Moment die Augen, um seinen viel zu schnellen Herzschlag wieder ein wenig unter Kontrolle zu kriegen. Sein Erfolg damit hielt sich jedoch in Grenzen. Chesters Nase, die die seine streifte... Chesters warmer, kitzelnder Atem auf seinen Lippen... der vertraute Geruch des anderen... Das heftige Klopfen in Mikes Brust nahm nur noch mehr zu, während ihm langsam aber sicher schwindelig zu werden drohte.
Ihm rutschte unwillkürlich ein leises Seufzen, das er gar nicht auf seiner Zunge liegen gespürt hatte, heraus, als Chesters Fingerspitzen sich plötzlich zaghaft an seine Wange legten.

Sein Herzschlag wurde nur noch lauter.

Erneutes Seufzen, diesmal von Chesters Seite aus, gefolgt von einem nervösen Schlucken.
Ihre Nasenspitzen streiften sich ein weiteres Mal.

Ein unsicheres Schmunzeln huschte über Mikes Lippen. Vorsichtig öffnete er die Augen einen kleinen Spalt, schloss sie jedoch sofort wieder, als ihn der Anblick des anderen, auf dessen Miene ein seliges Lächeln lag, während seine Wangen in einem sanften Rot-Ton glühten, nur noch mehr überforderte. Stattdessen legte er nun seinerseits die Hand erst auf Chesters Schulter, dann in seinen Nacken und ließ seine Nasenspitze von der des anderen zu dessen Wange gleiten. Stupste ihn einmal zaghaft an. Verharrte einen Sekundenbruchteil. Stupste noch einmal.

Das Lächeln auf Chester Lippen weitete sich vergnügt. Kurz darauf erwiderte der Ältere das vorsichtige Stupsen. Ein mal. Zwei mal. Drei mal.

Mike ließ sich nach hinten gegen die Sofalehne sinken, was Chester, der bis dahin noch neben ihm auf der Studiocouch gesessen hatte, dazu veranlasste, sich erst breitbeinig über ihn zu knien und dann langsam auf seinen Schoß sinken zu lassen. Zahllose Schauer jagten unter der Haut des Schwarzhaarigen entlang, als er plötzlich das Gewicht des anderen auf sich spürte, die Wärme, die von seinem Körper ausging...

Chesters Schritt, der sich, als der andere sich etwas weiter gegen ihn sinken ließ, leicht an seinen eigenen presste.

Erneut wagte Mike einen Versuch, seine Augen zu öffnen, lenkte seinen Blick aber diesmal vorsichtshalber auf seine Hand, die Chesters Nacken bereits wieder verließ und, nach einem kurzen Abstecher über die Schulter des Älteren, nun über seine Brust fuhr. Erst dort entlang, wo unter dem grauen Stoff von Chesters Shirt die Tätowierung ruhte, die er seiner Familie gewidmet hatte... wobei Mikes Gedanken gerade um so ziemlich alles außer eben jene Familie kreisten... Unter seinen Fingern existierte nichts als Wärme, Muskeln, Knochen, die eine kräftige, an Anstrengungen gewöhnte Lunge schützten, die sich trotzdem so viel schneller als sonst mit Luft vollsog und diese wieder ausstieß... und eines der stärksten, schönsten Herzen, das Mike je in einem anderen Menschen gesehen hatte.

Seine eigenen Gedanken ließen ihn schwer schlucken und sorgten dafür, dass sich erneut viel zu viel Blut in seine Wangen verirrte.
Er ließ seine Hand weiterwandern, über eine von Chesters Brustwarzen, die sich unter dem enganliegenden Shirt abzeichneten, hinab an die Taille des anderen.

Noch immer lagen Chesters Hände an seinen Wangen, noch immer streiften die Finger des Älteren sanft über die warme, gerötete Haut, noch immer lehnte seine Stirn an Mikes.

Mike schluckte ein weiteres Mal und legte zögerlich auch noch die zweite Hand an Chesters Taille.
Die feinen Härchen auf dessen Armen stellten sich unwillkürlich auf und ein tonloses Seufzen schlüpfte über seine Lippen.
Bestärkt durch diese Reaktion ließ Mike spontan seine Zeigefinger und Daumen unter sein Shirt wandern und schob es ein paar Zentimeter nach oben.

"Zieh es aus." Von Chesters sonst so kräftiger Stimme war kaum mehr ein als ein heiseres Wispern übrig.

"Was?"

"Mein Shirt. Ich brauch's nicht. Mir ist warm genug."

Und wieder blieb Mike nur ein schweres, nervöses Schlucken übrig. Er nickte und tat, worum der andere ihn gebeten hatte. Kaum, dass er Chester von dem überflüssigen Stoff befreit hatte, war auch schon alles um ihn herum von dem Duft des anderen - dieser feinen Mischung aus Deodorant, einem Hauch frischen Schweißes und diesem ganz speziellen, nicht in Worte zu fassenden Geruch, der nur Chester und niemandem sonst zu eigen war - erfüllt.

Chesters Körperwärme.
Chesters Duft.
Chesters zufriedenes Aufseufzen.
Chesters seliges Lächeln.

Mehr existierte in diesem Moment in Mikes Welt nicht.

Dann beschlossen sie morgen eben noch einmal, in Zukunft "nur noch" Freunde zu sein.
Und wenn es nur war, um sich ein paar Tage reines Gewissen zu gönnen, bevor alles wieder von vorn losging...