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Primitivo und Espresso

Summary:

Leo sah Adam mit hochgezogener Augenbraue an.
„Du trinkst was?“
Adam, der nicht ganz verstand, warum Leos Stimme sich plötzlich anhörte, als habe er einen erneuten Stimmbruch erlitten, zuckte nur mit den Schultern.
Baumann und Heinrich sahen ihn mitleidig an und irgendwie dämmerte es Adam, dass ihm wenigstens ein kleines Detail über Leo noch nicht geläufig war.
„Du trinkst keinen lieblichen Dornfelder, Schürk“, Baumann, der Liebreiz auf zwei Beinen.

Notes:

Leo mag Rotwein und liebt es, darüber klugzuscheißen.
Adam mag Leo trotzdem.

Work Text:

  1. Primitivo

 

Leo sah Adam mit hochgezogener Augenbraue an.

„Du trinkst was?

Adam, der nicht ganz verstand, warum Leos Stimme sich plötzlich anhörte, als habe er einen erneuten Stimmbruch erlitten, zuckte nur mit den Schultern.

Baumann und Heinrich sahen ihn mitleidig an und irgendwie dämmerte es Adam, dass ihm wenigstens ein kleines Detail über Leo noch nicht geläufig war.

„Du trinkst keinen lieblichen Dornfelder, Schürk“, Baumann, der Liebreiz auf zwei Beinen.

„Warum nicht? Das ist wie Limo mit Umdrehungen.“

Leo, der ihn noch immer mit Argusaugen betrachtete, nickte.

„Richtig. Das ist Limo mit Umdrehungen, Adam. Wir sind hier, um zivilisiert zu essen und zu trinken, also trinkst du entweder alkoholfrei oder richtigen Wein.“

Leo hatte sich offenbar in den letzten sechzehn Jahren zu einem Sommelier ausbilden lassen und im letzten (zugegeben chaotischen) Jahr kein Wort darüber verloren.

Jedenfalls ihm gegenüber nicht, denn wenn er die Blicke ihrer beider Kolleginnen richtig deutete, dann war es ihnen zu verdanken, dass er noch nie von Leos geheimer Passion für Rotwein gehört hatte.

Pia hatte derweil das halbe Körbchen mit Knoblauchbrot geleert und wandte sich kauend Adam zu.

„Wir sind hier, um uns zivilisiert“, sie wackelte mit den Augenbrauen, „zu betrinken und nebenbei auch noch eine hervorragende Pasta zur Unterlage in uns hineinzustopfen. Du hast jetzt zwei Optionen. Entweder lässt du Hölzerchen den Wein aussuchen, oder du trinkst Cola.“

Okay, das war seltsam.
Zum einen hatte er nicht gewusst, dass Heinrichs Liebe zu Essen nur von der Liebe zu einem zivilisierten Kampftrinken in einem guten italienischen Restaurant überboten wurde, zum Anderen hätte er Leos Dominanz in Sachen Wein niemas angenommen.

„Sie hat Recht, Schürk. Und wenn du auf mich hörst, nimmst du das, was Hölzerchen dir vorsetzt. Es ist normalerweise trinkbar.“

Leo, vollkommen entrüstet, schnaubte.

„Es ist immer trinkbar, du Banausin.“

„Stimmt nicht“, hielt Esther dagegen, „Was auch immer das war, was du uns an Weihnachten vorgesetzt hast, es hat mir Sodbrennen beschert, als sei ich schwanger.“

Pia gluckste und verschluckte sich fast am letzten Krümel Knoblauchbrot.

„Kannst du doch gar nicht sein“

Hatte sie vorgeglüht?

Adam würde es annehmen, wenn er Heinrich und ihre vollkommen unpassenden Kommentare in jeder Lebenslage nicht mittlerweile kennen würde. 

Zurück jedoch zum Thema, denn Leo gab dem Kellner gerade die Bestellung über eine Flasche Primitivo mit vier Gläsern (‚Ich möchte aber vorher probieren!‘) und einer Flasche Mineralwasser, ebenfalls mit vier Gläsern, aufgab.

Essen würden sie gleich bestellen, wenn Leo den Wein vorgekostet hatte.
Der Kellner, der offenbar noch nicht ein Einziges Mal in seinem Leben mit einer ‚Weinprobe‘ vor dem Essen konfrontiert worden war, nickte etwas konsterniert und entfernte sich.

Adam musste zugeben, dass ihm dieser Leo… gefiel.

Nein, das war untertrieben: Dieser etwas dominante Leo, der sein Klugscheißertum gerade zelebrierte wie einen guten Wein, der ihnen allen etwas arrogante Blicke zuwarf und der in seinem weißen Henley einfach immer gut aussah, selbst wenn er sich benahm wie Graf Koks von der Gasanstalt, dieser Leo machte Adam ungewöhnlich an.

Nicht, dass Leo nicht sonst auch ungewöhnlich attraktiv, ungewöhnlich liebenswürdig und ungewöhnlich Leo war, doch Adam genoss das, was sich ihm hier bot, wahrscheinlich etwas zu sehr. 

Der Primitivo wurde vor ihrer aller Augen entkorkt und fast hätte Adam damit gerechnet, dass Leo auf ein gottverdammtes Kellnermesser bestehen würde, doch er hielt die Klappe und so konnte Adam sich auf den Blick in Leos Augen konzentrieren.

Der Primitivo wurde in ein kleines Probierglas ausgeschenkt, Leo überreicht und der nahm ihn unter die Lupe.

Adam hätte wahrscheinlich sagen können, dass er aussah wie Traubensaft und ein bisschen nach Pferdedecke und eben Wein schmeckte, Leo hingegen…

Bot einen absolut hinreißenden Anblick, wie er zuerst das kleine Glas schwenkte, die Schlieren betrachtete, die der Wein im Glas zog, seine Nase tief in das Glas hielt und mit geschlossenen Augen daran roch.

„Holzig, ein bisschen was von dunkler Waldbeere… vielleicht…“, er nahm einen winzigen Schluck, bewegte ihn im Mund, „Gewürze, Bouquetartig“

Die Worte waren lediglich gehaucht und Adam hätte sie wahrscheinlich nicht einmal verstanden, säße er nicht direkt neben Leo.

Wahrscheinlich verdrehten Baumann und Heinrich gerade die Augen auf die Innenseite, wie er (wie immer) an Leo hing, doch es kümmerte ihn ausnahmsweise nicht.

„Hat im Abgang etwas von Rosinen…“

Adam konnte Rosinen nicht ausstehen, aber so, wie Leo jetzt lächelte, würde er wahrscheinlich eine ganze Packung davon essen können, nur um dieses Lächeln genau an diesem Platz zu halten.

„Der ist gut. Schenken Sie aus?“, bestätigend reichte Leo dem Kellner das Glas zurück, der die Flasche, mit weißer Serviette vom Tropfen abhaltend, wieder in eine Hand nahm und ein Glas nach dem anderen füllte und den kläglichen Rest der Flasche auf den Tisch stellte.

„Sind Sie so gut, uns noch einen Dekanter zu bringen?“

Natürlich.

Ein Dekanter.

Es war nur Adams gelangweilten Ausflügen in die Saarlouiser Ikea-Filiale zu verdanken, dass er überhaupt wusste, was das war.

Der Kellner bestätitgte Leos Bitte und entfernte sich.

Leo hob sein Glas an.

„Auf einen gelösten Fall und einen wundervollen Abend“, toastete er ihnen allen zu.

Es hätte um ein Haar schön werden können.

-Wären Leo und Adam allein gewesen.

So allerdings schnaubte Esther amüsiert, um keinen Augenblick später den Trinkspruch zu erweitern.

„Und darauf, dass Schürk dir eben fast in den Nacken gesabbert hätte.“

 

-Die beiden hatten vorgeglüht, zusammen, Adam war sich sicher.

Auch Leos Gedanken schienen in eine ähnliche Richtung zu gehen, konsterniert genug war sein Blick jedenfalls.

„Auf uns“, lenkte Pia den Trinkspruch in ruhigere Gewässer.

„Und darauf, dass ihr zwei ganz sicher nicht vorgeglüht habt.“

Sie stießen an.

Leo nahm einen größeren Schluck als notwendig und Adam, ganz der gelehrige Schüler in Sachen Rotwein, tat es ihm gleich.

Wo genau Leo Waldbeeren geschmeckt hatte, war Adam schleierhaft.

Für ihn schmeckte er nach Rotwein.

Trocken, Pferdedeckentrocken.

Tannine, erinnerte er sich an ein Gespräch mit Leo, das länger zurücklag, als er gerade einordnen konnte.

„Ich mag ja ganz gern tanninhaltige Weine- ähm, das sind die, nach denen sich dein Mund fast ein bisschen trocken anfühlt.“

Leo wusste natürlich, dass Adam nicht wusste, was Tannine in einem Wein anstellte.

Von den angekündigten Rosinen blieb Adam gottlob auch verschont.

„Hast du gut ausgesucht, Hölzerchen.“

Esther versuchte nicht einmal zu verbergen, dass sie diesen Satz exakt so auch zu ihrem Bernhardiner Trulla gesagt hätte.

„Also… ein Bier wär mir ja lieber“, frotzelte Pia, ihr Gesicht halb im Weinglas verbergend.

Adam war sich sicher, dass sie gerade in den Glasrand biss.

„Ich find ihn lecker“, sagte Adam schlicht und nahm demonstrativ noch einen weiteren Schluck.

 

Leo empfahl ihnen auch noch das passende Essen. 

Natürlich.

Eigentlich hatte er Pia immer für den größten Foodie in ihrer Mitte gehalten, doch Leo toppte sie mit Leichtigkeit.

Als Adam also seine Spaghetti Aglio e Olio auf den Löffel drehte, aß Leo seine Pasta mit einer derartigen Grazie, dass Adam die Nudeln natürlich wieder vom Löffel rutschte.

„Schürk, brauchst du ein Lätzchen? Selbst Trulla kann ordentlicher essen.“

„Fresse, Baumann.“

 

Vielleicht schmeckte er doch die Rosinen im Abgang, zumindest versuchte Adam sich vorzustellen, dass Rosinen (die er niemals auch nur anfassen würde) so schmeckten. 

Aber er brauchte eine bessere Ausrede dafür, sein übliches Gesicht zu ziehen, als Leo schließlich nach zwei weiteren Flaschen des Primitivo die Runde aufhob.

Es war das unmissverständliche Zeichen, dass sich ihre Wege jetzt trennen würden.

Baumann und Heinrich verabschiedeten sich einigermaßen zügig in Richtung Innenstadt und Adam hätte schwören können, dass Heinrich eine Hand um Baumanns Hüfte geschlungen hatte, als sie zur Tür hinaus eilten.

„Die vögeln, oder?“, fragte er Leo.

Die Antwort bestand in einem Schulterzucken, das beinahe davon geschluckt wurde, dass Leo sich in seinen kurzen Mantel warf.

„Kann sein. Kann aber auch sein, dass sie es uns glauben machen wollen.“

Gemeinsam verließen sie das Lokal und Adam war fast ein bisschen dankbar darum, dass ihnen der kalte Novemberwind um die Nasen wehte. 

Er trank selten Alkohol, und wenn, dann selten mehr als ein Glas und noch seltener Wein.

Leo hingegen war nichts anzumerken, als er federnden Schrittes die Straße überquerte.

„Wolltest du noch wohin?“

Leo wandte sich um, die Augenbrauen fast verwundert gehoben.

„Nein. Nein, eigentlich nicht. Aber ich laufe ganz gern nach Hause.“

Natürlich lief Leo gern nach Hause, statt sich in einen der überfüllten, überheizten, überlauten Busse zu stellen.

Adam könnte ihn begleiten, sicher.

Es wäre die komplett falsche Richtung, es wäre eindeutig zu weit, um es wirklich freiwillig zu tun, es wäre natürlich auch komplett bescheuert, weil er außer seiner hochheiligen Jeansjacke (die gefütterte, was man von außen allerdings nicht sah) nur einen dünnen Rollkragenpullover zum Schutz vor der Kälte trug, aber, und dieses aber machte es fast schon spielend wett, er könnte noch ein bisschen Zeit mit Leo verbringen.

Mit einem Leo, dessen Nase in der Kälte ein bisschen rot war, genauso wie seine Wangen.

Mit einem Leo, der ihm vielleicht ein paar verbale Dummheiten durchgehen ließ, weil sein Kopf vom Primitivo so herrlich leicht war.

„Sag bloß, du willst auch laufen?“, um Leos Mund spielte ein kleines, gemeines Lächeln.

Lange nicht so gemein, wie Baumanns, aber immer noch gemein genug, dass Adam sich entrüstet aufplusterte.

-Half auch ein winziges Bisschen gegen die Kälte.

„Ja, stell dir vor, Leo, ich benutze meine Beine auch hin und wieder zu etwas Anderem, als sie auf der Couch zu parken.“

Das Grinsen verlor jede Gemeinheit im Bruchteil einer Sekunde und, Adam war sich sicher, dass er wenigstens ein bisschen fantasierte, wurde warm.

„Alles gut, Adam.“

Sie liefen schweigend nebeneinander her, hielten kurz an, damit Adam sich mit eisig kalten Fingern eine Zigarette drehen konnte und nahmen ihren Trott durch die Stadt wieder auf.

Die Weihnachtsdekoration hing noch nicht, es war fast schon still, sah man von ein paar Feierwütigen Teenagern auf dem Weg in die Clubs ab, und der Nebel, der langsam um die Hauswände kroch, malte alles ein bisschen weicher.

Leo neben ihm, nur ein amüsiertes Schnauben ob der Zigarette statt eines Vortrages über Abhängigkeit und verschrumpelte Lungenflügel (die Heinrich und Baumann sicher gern getätigt hätten) auf den Lippen, er selbst noch mit den Resten eines kleinen Schwips im Blut und im Kopf.

Es hatte beileibe schon schlechtere Momente in seinem Leben gegeben, befand Adam lächelnd.

Sie mussten nicht reden, mussten sie nie (oder… na ja. Doch. Sie mussten reden, irgendwann, wenn der Moment nicht so stilleheischend wäre wie dieser hier), dass Adam sich wohl fühlte.

Zuhause.

-Er hatte wirklich einen im Tee.

„Noch einen Kaffee bei mir?“

Adam hatte, wenn er ehrlich war, kaum mitbekommen, dass sie so weit gelaufen waren.

Und er glaubte, sich definitiv verhört zu haben.

„Bitte?“

Leos Kichern ließ ihn glauben, dass er sich wirklich geirrt haben musste.

„Ob du noch einen Kaffee bei und mit mir trinken magst, Adam.“

Wahrscheinlich hatte er genickt, denn Leos Augen leuchteten im fahlen Straßenlaternenlicht auf, aber so genau hätte er es nicht rekapitulieren können.

 

Während Leo in seiner Küche mit dem Espressokocher herumwerkelte, entledigte Adam sich seiner Schuhe und seiner Jacke und machte es sich auf der riesigen, hellen Couch bequem.

Leos pragmatische Ordnung und der darinnenliegende Geschmack schüchterte Adam manchmal ein, genau wissend, dass er, wo immer er es konnte, Chaos hinterließ.

Doch Leo, der Adams kleine Wohnung natürlich kannte, natürlich wusste, dass das Sofa aussah wie vom Sperrmüll (was auch nicht falsch war) geklaut, natürlich wusste, dass seine Küche meist ein ziemliches Trauerspiel schmutzigen Geschirrs war, natürlich wusste, dass er den Handtuchhalter im Bad wohl niemals reparieren würde, kommentierte es nie.

Der Geruch von starkem Espresso wehte zu ihm und er lächelte.

Leo machte hervorragenden Espresso.

 

Irgendwo her hatte Leo auch noch Kekse aufgetrieben, als er, zwei Tassen samt Untertassen in seinen Händen haltend, wieder ins Wohnzimmer kam.

„Ich hab dich nicht verdient“, grinste Adam zu ihm hoch, während er ihm die Tasse schwarzen Goldes abnahm.

„Doch, doch. Du hast immerhin vorhin brav das getrunken, was ich ausgesucht habe und mir nicht noch einen Vortrag darüber gehalten, dass Alkohol zum Hobby zu haben, nicht gerade kleidsam für jemanden jenseits der Dreißig ist.“

Baumann und Heinrich, wenn er raten müsste.

„Die saufen doch mehr als wir.“

Leo nickte.

Es wurde still zwischen ihnen.

Immer.

 

Espresso hatte den entscheidenden Nachteil, dass die Tasse sich viel zu schnell leerte, wenn man sich nicht eisern zurückhielt.

Eiserne Zurückhaltung war nun nichts, mit dem Adam überbordend gesegnet gewesen wäre, weshalb er binnen zwei Minuten nur noch auf den traurigen Kaffeesatz in seiner Tasse starrte.

Höflich wäre es jetzt also gewesen, die Tasse in die perfekt aufgeräumte Küche zu bringen, sich lächelnd Schuhe und Jacke anzuziehen und sich freundlich und freundschaftlich zu verabschieden.

Nach Hause zu gehen (aber sicher nicht zu Fuß!) und dort, gesittet, in sein Kissen zu heulen, weil es ja doch nichts brächte.

Da Adam auch in Sachen Höflichkeit nicht unbedingt vorzeigbar war, saß er noch immer auf dem Sofa, dicht neben Leo, der sich den Espresso natürlich besser einteilen konnte als er selbst.

Immer wieder stieß sein Knie an Leos, weil er unruhig mit dem Fuß wippte.

Immer wieder setzte er sich danach ein wenig von Leo entfernt hin, nur um keine halbe Minute später erneut wegzurücken.

Wenn es so weiter ging, säße er in fünf Minuten auf der Gardinenstange.

Natürlich sprachen sie nicht darüber.

Wieso auch?
Egal, was aus seinem Mund käme, es wäre wohl derart lächerlich, dass Leo vor lauter Lachen der Espresso zur Nase heraus käme.

„Adam?“

Warum brach Leo mit der guten Tradition, einfach nebeneinander zu sitzen und die Klappe zu halten?

Das war so viel einfacher.

„Ja?“

Und warum stieg er auch noch darauf ein?

„Willst du gleich auf der Gardinenstange sitzen, oder warum rutscht du immer weiter weg?“

Bitte?

Adam hatte sich verhört, richtig?

„Hm?“

Leo stellte seine mittlerweile ebenfalls leere Tasse neben Adams auf den blitzblanken Couchtisch.

Die beiden Tassen nebeneinander ließen ihn für einen Moment lächeln.

Leos stand perfekt auf ihrer Untertasse, der Löffel artig daneben, kein Krümelchen zeugte von dem Keks, der zuvor an der Stelle gelegen hatte, während Adam, eben das Chaos auf zwei Beinen, sein Gedeck schier dekonstruiert hatte: Tasse, Untertasse und Löffel nicht mal sauber getrennt und auf dem Unterteller mehr Krümel, als es sich für einen derart winzigen Keks schickte.

Seine Beobachtungen wurden von Leos Hand auf seinem Oberschenkel ziemlich abrupt unterbrochen.

„Adam.“

Er träumte, richtig?

Und er interpretierte da gerade zu viel rein, ja?

Das war nur eine freundschaftliche Hand auf seinem Oberschenkel, weil er sich noch seltsamer verhielt als ohnehin schon. 

Ja, so musste es sein.

Der Daumen, der gerade Kreise auf seine Jeans malte, war Beruhigungstaktik, weil sein Atem schneller ging.

Und das Lächeln war nicht so warm, wie er glaubte.

Sie sollten hierüber wahrscheinlich reden, sehr sicher sogar, aber das müssten sie nicht zwingend.

Nicht, wenn es nach Adam ging.

„Leo?“

Er hoffte inständig, das seine Stimme nicht so hoch und fiepsig klang, wie sie sich in seinen Ohren anhörte.

Er träumte, er war sich sehr sicher, dass das hier nur ein ziemlich verrückter Traum war, der ihn gleich mit Kopfschmerzen in die Welt der Wachen zurückkatapultierte.

Doch die grünblauen Augen vor ihm waren so eigentümlich schwer, dass er es doch wieder abtat.

So einen Blick kannte er von Leo nicht.

Und er hätte nie auch nur gewagt zu träumen, dass Leo sich vorlehnen würde.

Hätte nie erahnt, wie gut ein von Rotwein und Pasta satter Leo riechen würde.

Hätte nie vermutet, dass eine Situation wie diese hier so enden könnte.

Denn das leise Lächeln auf Leos Lippen war neu.

Kroch in die kleinen Lachfältchen um seine Augen und glättete seine sonst so sorgenvolle Stirn.

Machte die Lippen, auf denen er noch den Rotwein sah, weit und weich.

„Ich glaube, wenn ich es jetzt nicht tue, passiert es nie.“

Die Stimme war nur ein Hauch, die in Adams Ohr kroch.

Sie war rauer, dunkler, schwerer als üblich.

Sie war weich und warm und weh vom Rotwein.

Sie war Leo, so allumfassend Leo.

So wie es allumfassend, echt und unumwunden Leo war, der jetzt seine Lippen auf seine senkte und Adam nicht aufwachte, sondern seine Augen schloss und Espresso, Kekse, Primitivo ohne Rosinen und Pasta auf ihnen schmeckte.

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