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Language:
Deutsch
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Tatort Saarbrücken Spooktober 2023
Stats:
Published:
2023-10-28
Words:
3,155
Chapters:
1/1
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49
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179
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1,090

Knackarsch und Arschloch

Summary:

Kevin weiß drei Dinge.

Erstens: Er ist tot.

Zweitens: Er wurde ermordet.

Drittens: Die Kommissare Knackarsch und Arschloch, die in seinem Fall ermitteln - die Namen hat er noch nicht mitbekommen - sind völlig unfähig.

Notes:

Es ist Spooktober, hieß es. Schreib doch eine Geistergeschichte, hieß es. Mach es gruselig, hieß es.

Und dann kam Kevin.

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Kevin weiß drei Dinge.

Erstens: Er ist tot.

Zweitens: Er wurde ermordet.

Drittens: Er hätte nie die langjährige Haushälterin der Familie feuern sollen. Besonders nicht so, wie er es gemacht hat. Aber Beate hat ihn so zur Weißglut getrieben in den letzten Jahren, dass es irgendwann einfach zu viel war und er nicht mehr anders konnte. Der Gurkensalat war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Kevin mag keinen Gurkensalat mit Joghurtdressing. Beate weiß das, und trotzdem hat sie das verdammte Zeug so serviert. Und jetzt ist er tot. Nicht aufgrund des Gurkensalates - zumindest war das nicht das unmittelbare Tatwerkzeug - sondern weil er Beate hochkant rausgeschmissen hat und die ihn jetzt eiskalt um die Ecke gebracht hat.

Noch eine Sache weiß er: Irgendwas ist hier schiefgelaufen, sonst würde er nicht neben seiner Leiche sitzen. Das ist definitiv er selbst, da auf dem Terrassenboden, und normalerweise hat er weniger Schaum vor dem Mund und mehr Puls. Scheiße ist das, und absolut kundenunfreundlich von den Zuständigen im Leben nach dem Tode.

Und noch etwas weiß er. Die Kommissare Knackarsch und Arschloch, die in seinem Fall ermitteln - die Namen hat er noch nicht mitbekommen - sind völlig unfähig.

Es ist zum Haareraufen, dass Kevin sich diese Idioten ansehen muss und ihre Aufmerksamkeit nicht auf die offensichtlichen Probleme lenken kann. Da wuselt die KTU gerade durch seine gesamte Wohnung und stellt kleine Zahlentäfelchen rund um seine Leiche auf, als wäre hier irgendwo etwas Interessantes zu sehen. Als wäre nicht der Eisbecher in der Küche die Tatwaffe, mit diesem verdammten Amarena-Sahne-Zeug, aus dem man absolut nichts herausschmeckt, was botanisch interessierte Haushälterinnen so hineinraspeln können an Giftkram.

Ohnehin ein Verbrechen, diese Geschmacksrichtung, selbst ohne Gift. Hätte er wirklich nie essen dürfen, das verflixte Zeug, aber Beate hatte ihn so nett und traurig angelächelt, dass er drauf reingefallen war. Diese Hexe. Eiskalt abserviert hatte sie ihn mit diesem Fruchteis-Kunstaromakonstrukt.

Und jetzt kapieren die Kommissare das nichtmal! Das Arschloch stöbert durch all seine Schränke, und Kevin muss mit wachsendem Ärger mitansehen, wie sich der Mistkerl an den Macadamianüssen in der kleinen Schale am Schreibtisch bedient. Diebstahl ist das! Die waren teuer! Aber natürlich, bei der Polizei gibt es vermutlich nur schnöde Erdnüsse, da begehen die Kommissare dann bei jeder sich bietenden Gelegenheit Mundraub.

Inzwischen hockt der Knackarsch neben Kevins… neben Kevin und kritzelt irgendwas in seinem kleinen schwarzen Büchlein herum.

“Hast du die Schuhe gesehen?” ruft er seinem Kollegen zu, der dann laut die letzten Nüsse schnurpselnd zu ihm kommt.

“Assi-Marke. Wundert mich nicht. Das tragen doch nur Möchtegern-Gangster.”

“Hey!” beschwert Kevin sich. “Die waren teuer! Und die trägt doch kein Kleinkrimineller! Als ob die Geschmack hätten!”

Banausen, wirklich.

“Vielleicht ist er da in was reingeraten? Pia soll nachher die OK-Seite klären. Da gab es doch die neue Connection nach Frankreich, von der der Qualtinger im Vortrag vorige Woche geredet hat.” Knackarsch kritzelt wieder etwas in sein Notizbuch. Kevin fragt sich, ob der Kerl wirklich schreiben kann oder ob er hier nur für die Muskeln zuständig ist und nicht fürs Denken. Andererseits wirkt das Arschloch auch nicht gerade wie eine geistige Leuchte. Der kriegt ja nichtmal die Haare vernünftig gefärbt.

“Und die Franzosen haben ihn dann aus dem Weg geräumt, weil er ihnen in dem Outfit zu peinlich war?” Das Arschloch besieht sich die Wohnung nochmal, holt sich eine weitere Handvoll Nüsse und macht sich dann auf zur Tür. “Könnte sein. Mal sehen, was Henny rausfindet zur Todesursache. Sind wir fertig hier?”

Der Knackarsch nickt, klappt sein Büchlein zu und lässt es irgendwo in seiner Hosentasche verschwinden. Kevin hat keine Ahnung, wie genau das funktioniert, nachdem diese Jeans wirklich hauteng sitzt und da absolut kein Platz sein sollte. Das ganze Ensemble ist ohnehin fragwürdig, aber immerhin zieht der Kerl sich jetzt seine Jacke über dieses skandalös enge Shirt und diese Lederstrapse, die ihn aussehen lassen, als wäre er aus einem Swingerclub direkt an den Tatort beordert worden.

“Fahren wir. Die KTU tütet ohnehin alles ein, und offensichtliche Spuren sehe ich hier nicht. Warten wir mal ab, was die Ergebnisse sagen. Vielleicht war es ja einfach nur eine allergische Reaktion.”

Kevin kann es nicht fassen, dass die zwei sich jetzt einfach so entspannt auf den Weg machen. Eine Frechheit ist das! Wozu zahlt er hier Steuern?

Meistens zahlt er die zumindest.

“Ja was ist denn wohl die Todesursache? Ich bin doch eindeutig nicht ersoffen hier, ihr Vollidioten! Hat wenigstens irgendwer von euren Schlümpfen in den weißen Ganzkörperkondomen so viel Hirn gehabt, diesen verdammten Eisbecher mitzunehmen? Hallo?”

Die Kommissare beachten ihn nicht und gehen einfach, und Kevin bleibt nichts übrig, als ihnen zu folgen. Geht doch nicht, dass die hier seinen Fall behandeln, als wär er ein kaputter Stoßfänger an einem Leihwagen.


***


Im Büro von Knackarsch und Arschloch wird es nicht besser.

LKA 1 - Tötungsdelikte steht auf dem Türschild, darunter eine ganze Liste an Namen, die ihm aber nicht weiterhelfen. Immerhin die Mordkommission und nicht irgendwelche unfähigen, unqualifizierten und unzuständigen Dummköpfe von der Polizeikapelle. Auch wenn Kevin sich nicht sicher ist, dass er die beiden als fähig und qualifiziert einstufen würde, so wie sie da gerade diverse Fotos an ihre Pinnwand heften. Knackarsch schafft es dabei auch noch, seinen Finger festzupinnen, und muss nach einem schmerzerfüllten Quietschen vom Arschloch verarztet werden.

Zum Verzweifeln ist das hier.

Eine weitere Ermittlerin kommt dazu, die eigentlich ganz hübsch sein könnte, wenn sie diese entsetzliche Sportjacke ausziehen würde. Da ist ein ganz anständiger Arsch in ihrer Jeans und ein besserer BH würde da auch die Oberweite mehr zur Geltung bringen, aber damit ließe sich arbeiten.

“Handyauswertung”, sagt sie und wedelt mit seinem iPhone herum. Fast lässt sie es fallen. Kevin ist entsetzt. “Ich hab einen kleinen Ausflug in die Pathologie gemacht für die Gesichtserkennung.”

Darf sie das überhaupt? Das geht doch nicht, dass sie da einfach seine Leiche verwendet- Das muss doch gegen den Datenschutz verstoßen! Oder die Totenruhe, oder den allgemeinen Anstand! Sittenwidrig ist das, wenn sie sich einfach so mit seinem Handy genähert und ihn überrumpelt hat!

Außerdem wird sie dort sowieso nichts finden. Er hat Beates Nummer eingespeichert, aber außer einer gelegentlichen Whatsapp zu seinen gewünschten Mahlzeiten findet sich dort nichts. Sinnlos ist das.

Die Kommissarin mit sexy Potenzial lässt sich nicht aufhalten. “Richtig viele Nummern unter weiblichen Vornamen hat er eingespeichert. Mit Fotos und einer Herzchenskala.”

Ja wie soll er denn sonst wissen, welche er nochmal sehen will?

Knackarsch und Arschloch schauen interessiert zu, wie sie beginnt, Schildchen mit Namen auf die Pinnwand zu heften. Immerhin stellt sie sich dabei geschickter an als ihr Kollege.

“Da gab es Manuela, Monika, Chantalle, Angelika und Jenny. Dann noch Rita, Anna, Zeynep, Inga, Inga zwo, Charlotte, Lau-Lau und Birgit. Und Bunny, wobei ich annehme, dass das nicht ihr richtiger Name ist.”

Kevin lächelt genießerisch. Ah, Bunny.

“Und in welchem Zeitraum hatte er seine Mambo Nr. 5-Riege?”

Möglicherweise-Sexy schaut auf ihre Notizen. “Seit September.”

“Acht Wochen?” Das Arschloch pfeift, und Kevin vermeint so etwas wie Anerkennung zu hören. “Sicher, dass das alles seine Dates sind? So notgeil kann doch niemand sein.”

Ein Arschloch ist der Kerl. Und versteht eindeutig nichts davon, wie ein Mann von Welt lebt. Aber auch kein Wunder; in dieser abgefuckten Denimjacke, den entsetzlich schlecht sitzenden Jeans und den schmutzigen Sneakers nimmt den Kerl doch keine Frau ernst, die nicht gerade aus dem Knast entlassen wurde. Vor allem nicht neben seinem Kollegen, der, wie Kevin zugeben muss, schon was hermacht, wenn er sich nicht gerade dumm-dämlich ein Pinnwand-Fähnchen durch den Finger jagt.

“Sind sicher ausreichend Motive, falls es dazu kommen sollte. Oh, und das soll ich euch von Henny ausrichten. Sie geht von Gift aus, nachdem es kein anaphylaktischer Schock war. Genaueres nach der Autopsie.” Möglicherweise-Sexy pinnt noch die letzten Namen an den dunkelgrauen Filz und zuckt mit den Schultern. “Wird sicher interessant, wenn wir die Hälfte der Saarbrücker Tinder-User befragen müssen.”


***


In den nächsten Tagen überlegt Kevin immer intensiver, wie er wohl aus seinem aktuellen Geisterzustand heraus eine Beschwerde über seine zuständigen Ermittler einreichen kann. Weil das, was die hier abziehen, geht einfach gar nicht.

Zuerst verbringen sie Tage damit, seine diversen Bekanntschaften auszufragen. Das ist anfangs schmeichelhaft, wird aber irgendwann auch mühsam, als diese undankbaren Weibsbilder alle nicht gerade enttäuscht darüber sind, dass er tot ist, oder zumindest ein bisschen traurig.

“Klingt jetzt nicht, als wäre er Gottes Geschenk an die Damenwelt gewesen.” Die vierte Kommissarin des Teams trifft diese Feststellung. Kevin würde ihr diese Beleidigung fast verzeihen, wenn sie ihn auch mal so streng ansehen würde wie sie es bei ihren zwei Kollegen tut. Noch mehr würde er es verzeihen, wenn sie dabei Leder-Reitstiefel tragen und eine Gerte schwingen würde.

Die Kollegen sind ohnehin das Letzte. Kevin erwartet, dass sie sich um seinen Fall kümmern, immerhin ist er hier das Opfer. Aber nein, die zwei Idioten sind damit beschäftigt, sich gegenseitig anzuschmachten, wann immer der jeweils andere nicht hinsieht. Der Knackarsch kippt fast vom Stuhl, nur weil sich das Arschloch mal über seinen Schreibtisch drapiert - und wer macht sowas überhaupt? Soll die Polizei nicht respektables Verhalten an den Tag legen und sich nicht auf Möbelstücken herumwälzen wie ein Kate-Winslet-Titanic-Verschnitt? Und das Arschloch läuft tatsächlich in den Türpfosten, als sich der Knackarsch in sein Ledergeschirr schnallt.

Hoffnungslos. Kevin wird hier nie gerächt werden.

Es ist ja nicht so, als würde er es ihnen nicht vergönnen. Jeder soll eine Chance auf ein paar geile Stunden haben, ab und an. Aber können sie ihre Farce bitte während einer anderen Ermittlung abziehen? Kevin braucht hier sämtliche Aufmerksamkeit auf seinen Fall gerichtet und nicht auf diverse private Liebeleien fokussiert.

Außerdem ist das zum Schreien frustrierend, wie die zwei umeinander herumschleichen und nichts auf die Reihe kriegen hier. Die bringen sich ständig gegenseitig Kaffee, klopfen sich auf die Schulter und streicheln dabei ein bisschen, und kein normaler Mensch zieht sich doch so an, wie die beiden es tun, wenn man nicht davon ausgeht, dass das Objekt der Begierde es attraktiv finden könnte. Kevin ist sich in der Hinsicht allerdings nicht ganz sicher, wieso das Arschloch beschlossen hat, dass der Knackarsch diese seltsamen Outfits interessant finden könnte. Aber vielleicht versucht er es über die umgekehrte Psychologie und hofft, dass er irgendwann so schlimm aussieht, dass der Knackarsch ihm aus schierer Verzweiflung die abgeranzten Klamotten vom Leib reißen wird.

Die Jogginghose, in der er heute aufgekreuzt ist, könnte da vielleicht ausreichen. Dass der Kerl obendrein darunter keine Unterwäsche trägt, ist offensichtlich genug.

Unfassbar. Einfach unfassbar. Und diesen Typen gibt der Staat Waffen in die Hand.

“Wie kommt man hier eigentlich an Aconitin, oder Eisenhutpflanzen?” fragt die Kommissarin mit sexy Potenzial. Heinrich heißt sie, hat Kevin irgendwann rausgefunden, und laut Namensschild gehört da ein Pia dazu. Den Namen findet er nicht so toll; Pia klingt nach einem Namen für einen Golden Retriever oder eine prämierte Milchkuh. Würde er mit ihr ausgehen, er würde sich einen Spitznamen für sie einfallen lassen müssen.

“Gartencenter”, antwortet die Domina, vulgo Esther Baumann. Da passt der Name wenigstens und klingt schön streng. “Die Zuchtsorten sind nicht ganz so giftig wie die Wildform, aber ein kleines Stück der Pflanze genügt. Müsste allerdings oral aufgenommen worden sein.”

Kevin seufzt zufrieden in Gedanken und macht es sich auf dem abgeranzten Büro-Ledersofa gemütlich, Arme über die Rückenlehne gelegt und Beine breit auseinander. Oral aufgenommen würde er auch gerne wieder mal werden, aber ob das im Geisterleben so klappt, weiß er noch nicht. Mit der Domina hier wäre er allerdings bereit, es zu versuchen.

“Henny schreibt im Autopsiebericht, dass sie im Mageninhalt Spuren gefunden hat. Würde also passen, dass ihm jemand die Pflanze verabreicht hat.” Der Knackarsch liest ein paar Zeilen aus besagtem Bericht vor und sieht dann die anderen drei an. “Adam und ich befragen mal die Gartencenter in der Umgebung.”

Kevin macht sich nichtmal die Mühe, die Augen zu verdrehen. Als ob das etwas bringen wird. Wer kauft schon das Mordwerkzeug im Gartencenter, wenn das Kraut vermutlich in jedem zweiten Möchtegern-Garten wächst.

Die Domina denkt wie er und spricht ihm aus der Seele, als sie genau das ihren Kollegen hinterherruft. Die lassen sich davon allerdings nicht beirren, sondern schnappen sich Jacken und Schlüssel, schnallen sich in ihre Lederholster - das kann doch nicht normal sein, Kevin hat das noch bei keiner anderen Person hier im Präsidium gesehen - und machen sich auf den Weg.

Schweren Herzens folgt Kevin ihnen, weil das immer noch erfolgversprechender wirkt als die unendlichen Chatprotokolle, denen die anderen zwei auf der Spur sind. Als ob er jemals mit Beate gechattet hätte. Beate ist doch maximal eine Zwei, und Kevin macht sich für nichts unter einer Sieben die Mühe, auch nur ein “Hey” zu tippen.

“Ich mach noch schnell eine Kopie der Adressliste, falls wir uns aufteilen müssen”, sagt der Knackarsch und biegt in einen Gang ab, der sehr unbenutzt und unbewohnt aussieht. Überall leere Büros und vertrocknete Topfpflanzen, Schreibtische ohne dazugehörige Stühle oder Bildschirme, und kein Mensch mehr weit und breit.

Kevin runzelt die Stirn. Da ist doch ein Kopierer direkt in diesem Multifunktionsraum vor dem grässlichen Büro seiner Mordkommission, warum verwendet der Depp denn nicht den?

Das Arschloch scheint das nicht zu hinterfragen, aber Kevin hat in den letzten Tagen gelernt, dass der Typ nichts hinterfragt, wenn der Knackarsch es vorschlägt. Besonders, wenn das Lederholster umgeschnallt ist. Stattdessen folgt er brav in einen Raum mit einem ominös brummenden Kopierer darin und scheint sich auch nicht zu wundern, als die Tür hinter ihnen ins Schloss fällt.

Knackarsch tippt irgendeinen Code ein, legt die Blätter in den Kopierer, bückt sich, um Papier nachzulegen, und dann geht alles auf einmal ganz schnell und wird zu Kevins schlimmstem Albtraum.

Der Kerl bückt sich nach dem Papier. Das Arschloch macht dasselbe, sie stoßen zusammen. Erstarren.

Und dann gibt dieses verdammte Arschloch nur ein Knurren von sich, und einen Moment später fiept der Knackarsch überrascht, als er gegen die nächste Wand gedrängt wird und es aussieht, als würde er gerade von seinem Kollegen in den Hals gebissen werden.

Oder die Zunge in den Mund gesteckt bekommen.

Kevin kann es nicht fassen.

“Sagt mal, habt ihr sie noch alle?!”

Aber die beiden Vollidioten hören ihn natürlich nicht, weil sie viel zu beschäftigt damit sind, sich an die Wäsche zu gehen, und Kevin will wirklich wegschauen, ganz dringend, aber das ist wie eines dieser Videos von Katzen, die Dinge von Regalen schubsen. Man weiß, was kommt, aber man kann nicht wegklicken.

Scheiße aber auch, die gehen zur Sache. Kein Wunder bei dem ganzen aufgestauten Frust, den Kevin in den letzten Tagen schon miterlebt hat, aber das klingt hier ja fast, als hätten die seit Jahren hintereinander her gesabbert und es nicht mitgekriegt.

Kevin hat plötzlich ein ungutes Gefühl im Bauch, während das Arschloch “Leo”, japst, als dessen Hand in dieser viel zu schlecht sitzenden Jogginghose verschwindet. Die Typen sind doch bitte nicht wirklich hoffnungslos genug gewesen, um das seit Jahren nicht auf die Reihe zu kriegen?

Und wieso müssen sie das ausgerechnet heute auf die Reihe bekommen?

Kevin hatte recht. Das Arschloch - Adam, anscheinend - trägt keine Unterwäsche. Kevin hat sich selten so sehr gewünscht, falsch zu liegen, als er diesen blassen, flachen Arsch präsentiert bekommt, weil die Jogginghose plötzlich kniewärts gezogen wird. Nicht, dass es wirklich geholfen hätte angesichts der Tatsache, dass Knackarsch Leo brav eine Unterhose trägt, diese aber sehr schnell ebenfalls talwärts geschoben wird.

“Adam, bitte fass mich…ja, ja!”

Haben diese zwei Irren denn überhaupt kein Schamgefühl hier? Was ist das denn bitte für ein Bild, das die Polizei hier abgibt? Wieso tut denn hier keiner was? Hört das denn niemand? Denkt hier niemand an Kevin?!

Er muss wirklich rausfinden, wie er sich in seinem Zustand beschweren kann. Schlimm genug, dass sein Fall - sein schändlicher Meuchelmord! - hier ignoriert wird, aber auch noch während der vom Steuerzahler bezahlten Arbeitszeit! Wären das seine Angestellten, er hätte sie hochkant rausgeschmissen für diese Vögelei hier, aber jetzt kann er den beiden nur kopfschüttelnd beim Rummachen zuschauen.

Absolut inakzeptabel. Und peinlich schnell vorbei ist es, auch wenn die beiden sich dumm-dämlich verknallt anschauen danach und begeistert weiterknutschen.

Kevin seufzt und setzt sich auf einen Karton Druckerpapier. Die kriegen seinen Mord nie mehr aufgeklärt.


***


Am Ende ist es Domina Baumann, die die Sache regelt.

Leo und Adam sind am nächsten Tag beide höchst verdächtig krankgemeldet, nachdem sie schon nach ihrem peinlichen Kopierraum-Intermezzo gerade noch einen Abstecher in einen kleinen Blumenladen direkt neben einer Drogerie gemacht haben, um pro forma eine Adresse auf ihrer Liste abzuhaken. Kevin folgt ihnen in den Blumenladen, folgt ihnen dann definitiv nicht anschließend noch in den Drogeriemarkt, weil er gar nicht erst wissen will, auf was die zwei Chaoten etwa stehen. Schlimm genug, dass sie sich schon die ganze Fahrt über permanent befummeln und überhaupt keine Rücksicht auf Kevin nehmen, der vom Rücksitz aus gezwungen wird, sich das anzusehen.

Einfach so blaumachen und rummachen, während Kevin hier auf die Aufklärung seines Mordes warten muss. Ein wenig kann Kevin es ihnen ja nicht verdenken - Leos Knackarsch ist schon recht geil, wenn man drauf steht, und Adam scheint talentierte Finger zu haben - aber trotzdem. Hier geht es um Mord, verdammt nochmal! Und nicht irgendeinen Mord, sondern Kevins Mord! Das ist doch nicht die Zeit, um sich in den Bettlaken zu wälzen!

Hoffnungslos. Er hat es von Anfang an gewusst, dass das nichts wird hier, solang die zwei Deppen sich um seinen Fall kümmern. Aber auf die Baumann ist Verlass. Die macht sich mit einem müden Augenrollen auf den Weg und befragt Beate, weil deren Fingerabdrücke am Tatort sind. Sieht dann den üppig blühenden Eisenhut im Vorgarten, macht ein Foto, führt Beate in Handschellen ab - sexy ist das! - und hat zwei Stunden später ein unterschriebenes Geständnis aus ihr herausgekriegt.

So geht das. Sogar ohne Reitstiefel und Peitsche.

“Wusste ich doch, dass auf dich mehr Verlass ist als auf die zwei untervögelten Idioten. Gut gemacht, Schätzchen.” Kevin würde ihr gern auf den Rücken klopfen - oder den Hintern tätscheln, auch wenn er sich da ein wenig bücken müsste. Aber er spürt schon seit Beates Geständnis ein komisches Kribbeln an seiner Haut, irgendwie angenehm warm wie ein Schaumbad. Da macht er sich nun auch nicht mehr die Mühe, seine durchblickende Kommissarin anzuflirten, besonders weil Kevins Hand beginnt, mehr Durchblick zu gewähren als erwartet.

Scheint wohl weiterzugehen hier mit dem Weg ins Leben nach dem Tode, wenn er jetzt so transparent wird. Irgendwie ist es eine friedliche Aussicht, ganz besonders, wenn er von diesen Irren wegkommt und nicht mehr ihren Launen und Gelüsten ausgeliefert ist.

“Schon verständlich, dass sie den Mistkerl aus dem Weg geräumt hat”, hört er die Heinrich noch sagen, als gerade alles rund um ihn herum im Nebel zu versinken beginnt.

Kevin will protestieren gegen diese Ungeheuerlichkeit, die auf eine Liste gehört mit all den anderen Frechheiten, die er sich hier hat gefallen lassen müssen. Aber dann wird alles wattig-weich und gemütlich düster, und bevor er sich noch über diese Chaotentruppe von der Mordkommission weiter ärgern kann, ist es endlich vorbei und Kevin lässt Knackarsch, Arschloch und all die anderen Sorgen endlich hinter sich.

Schön ist das.

Notes:

Vielen Dank für's Lesen! ❤️ Über Kudos, Kommentare oder ein Hallo via Discord (@carmentalis) oder Tumblr (@carmentalis) freue ich mich immer.