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Melancholie, Empathie

Summary:

Julian hat angst, Kai auf ihre verkümmernde Freundschaft anzusprechen. Er schiebt es auf und erst eine Niederlage bringt ihn dazu, die Zähne auseinander zu kriegen.

Notes:

Digga ich hab so crazy Bravertz brainrot vor allem nach dem Spiel heute (hihi die standen nebeneinander für 5 sekunden) und ES SCHREIBT JA EINFACH NIEMAND MEHR ÜBER DIE ich verhunger hier in diesem tag es wehen schon dornbüsche durch ich glaub ich seh ne fata morgana in der ferne ganz ehrlich

(See the end of the work for more notes.)

Work Text:

Julian hatte nicht den Mut gehabt, Kai vor dem Spiel anzusprechen. Klar, hin und wieder ein kurzer Austausch beim Training und vor dem Spiel war nicht zu vermeiden, aber aktiv hatte er bewusst kein Gespräch herausgefordert. Möglicherweise aus reiner Schüchternheit, vielleicht aber auch aus Angst, dass der Elefant im Raum über die Zeit seit dem letzten Länderspiel einfach zu groß gewachsen war, als dass nicht sogar Kai ihn ansprechen würde.
Die beiden verbrachten nicht mehr jede Minute miteinander, und Julian konnte immer wieder feststellen, dass er Kai nicht mehr so einschätzen konnte wie früher. In der Zeit getrennt voneinander hatten sie sich beide verändert, Kai war erwachsener und erfahrener geworden, während Julian ihm dabei durch Bildschirme und Zeitungsartikel zusah und hoffte, dass sie sich nicht komplett verlieren würden. Wer weiß, ob Kai nicht mittlerweile sogar über seine Kommunikationsschwäche hinweggekommen war?
Der Elefant im Raum war einer, dessen Tröten Julian mit der Zeit für immer lauter und störender empfand, er stampfte umher und stand im Weg herum. Er wollte sich schon länger drum kümmern, ehrlich, aber irgendwas kam immer dazwischen. Jedoch ist selbst ein angespannter Julian Brandt sich bewusst, dass es keine gute Idee ist, vor einem großen Spiel seinem Teamkameraden Monate lang köchelnde Emotionen zu servieren und dabei ein riesiges Fass aufzumachen. Also legte er sich auf nach dem Spiel fest, wo wenigstens hoffentlich gute Stimmung herrschen würde. Doch auch da hatte er sich geirrt. Deutschland hatte gegen die Türkei verloren und Kai schien fast noch betroffener als der Rest der Mannschaft. Definitiv war das nachvollziehbar, er hatte ein wenig verloren ausgesehen auf der Verteidigerposition. Julians Blick war während des Spiels ungewollt immer wieder bei Kai gelandet, und er konnte den gleichen unzufriedenen Blick in dessen Augen finden, den er früher in ihrer gemeinsamen Zeit bei Leverkusen immer im Gesicht hatte. Als seine Fähigkeiten zwar längst schon erkennbar waren, er sich aber noch nicht in seinem langen Körper zurechtfand. Dennoch entschied sich Julian, sich im Mannschaftsbus zurück zum Hotel neben Kai zu setzen. Auf dem Platz hatten sie heute das erste Mal seit langem wieder gut zusammen gespielt und auch in der Kabine hatte Kai sich, ob bewusst oder unbewusst war Julian relativ gleich, neben ihm platziert. Vielleicht suchte er einfach nach der Stabilität und Sicherheit, die er durch die ungewohnte Position auf dem Feld als verloren verspürte, unsicher war er wohl trotz Allem immer noch, und Julian war mit seinen mütterlichen Instinkten genau die perfekte Andockstelle für ihn. Die beiden waren in ein gemeinsames Hotelzimmer eingeteilt, was seit Jahren schon als eine Selbstverständlichkeit erschien und routinemäßig immer so festgelegt wurde. Eine Übernachtung nach dem Spiel war vorgesehen, die Spieler sollten so spät nicht mehr quer durch Deutschland fahren müssen und außerdem sollte am nächsten Tag das Spiel besprochen werden. Als Julian sich auf den freien Platz neben Kai niederließ und kurz seine Schulter mit einer Hand drückte, bekam er ein müdes Lächeln als Antwort und Kai löste seine verschränkten Arme, um seine rechte Schulter unter Julians Linke zu schieben.
Ihre Knie lehnten aneinander für den Rest der Fahrt, und vielleicht würde das doch kein so schlimmes Gespräch werden, dachte Julian.

Julian hätte fast erwartet, dass Kai sich einfach sofort aufs Bett fallen lassen würde, ihm kurz aus Manieren noch ein 'Gute Nacht' zuwerfen würde und er die Sache mit dem Gespräch, diesmal ungewollt, wieder umgangen hätte. Zu seiner Überraschung war es dann doch mehr oder weniger Kai, der die Initiative ergriff, als Julian sich nach dem Abstellen seiner Taschen umdrehte und auf einen nervös zu Boden schauenden jungen Mann blickte. Manchmal konnte er fast ein wenig Melancholie fühlen, wenn er seinen besten Freund so sah. Wenn ihm mal wieder auffiel, dass er ja doch ein wenig älter war. Auch jetzt fühlte er sich wieder so überwältigt von Empathie für seinen Mannschaftskollegen, der jünger war als er, der Deutschland alleine verlassen hatte um in einem besseren team zu spielen, um etwas aus seinem Talent und seinen Chancen zu machen, auf dem heute der Fokus eines vollen Stadions lag, und der Spieler, den er damals bei Leverkusen aufgenommen hatte. Julian hoffte, dass man es ihm nicht ansah, oder, dass Kai einfach nicht vom Boden hochschauen würde, er trat ein paar Schritte nach vorne und nahm den Jungen in seine Arme. Sonst war es immer andersrum gewesen, Kai war seit langem schon größer als Julian, aber heute war es der Druck, der am größten war. Wieder spürte Julian dieses Ziehen in sich,
"alles gut?"
Arme schlängelten sich um seine Mitte und er spürte Kai tief einatmen.
"Und bei uns? Ist bei und alles gut?"
Julian spürte den Atem auf seinem Hals.
"Wenn du das so willst? Wir können gerne drüber reden"
war seine Antwort nach einer kleinen Pause.
"Ich dachte, du willst nix mehr mit mir zu tun haben"
Kai bewegte sich ein Stück zurück, und sah mit unsicheren Augen hoch,
"du hast mich irgendwann kaum noch als Trainingspartner gewählt und mich nicht mehr zum Fifa zocken gefragt und wir hatten beide auf einmal so viel zu tun, ich dachte du findest neue Freunde und hab mir halt keine Mühe mehr gegeben, ich wollte mich dir nicht aufdrängen, sorry"
Julian bewegte seine Hände von Kais Schultern zu seinem Gesicht, um ihn davon abzuhalten, wieder die Flusen auf dem Teppichboden des Hotels anzustarren. Kais traurige Augen färbten auf ihn an, aber am allerwenigsten wollte er, dass Kai ihn missverstand.
Sobald er seinen Kopf wieder hoch gerichtet hatte, fielen Kais Augen kurz zu seinen Lippen, und Julian realisierte etwas. All diese Jahre hatten eine Verbindung zwischen den beiden Fußballern geschaffen, die unfassbar besonders war. Nichts, was durch schlechte Pässe, wenig Gespräche oder gar Entfernung über Meere erdrückt werden konnte, Julian hatte es nie vorher so gesehen, und er wusste nicht, ob es Kai genauso ging. Wie automatisiert zog er Kai wieder zu sich, ein plötzlicher Impuls tief aus seinem Magen der sich kaum zu unterdrücken ließ, dieser neigte langsam seinen Kopf und blickte ihn mit einem fast kitschigen Schimmer Hoffnung in seinen Augen an, Julian Schloss den letzten Abstand und konnte nahezu hören wie der Elefant in Luft verpuffte. Er atmete erleichtert in Kais Mund und bewegte seine Hände hoch in weiches Haar, was nach dem kleinen Reise Shampoo roch, das Thomas immer mit in die Kabinen Duschen nahm.
"Mir tut's mehr leid, glaub mir."
Er hatte die Augen geschlossen und war ein wenig außer Atem, aber er konnte Kai unter seine. Fingerspitzen spüren und das genügte.
"Ich dachte du willst einen neuen Abschnitt in deinem Leben anfangen, und unsere Freundschaft damit auch hinter dir, in Deutschland lassen"
"Wir hätten einfach miteinander reden sollen"
Julian konnte das Lächeln in Kais Stimme hören und musste selber grinsen, er öffnete die Augen und schaute direkt in Kai's, Stirn an Stirn und Brust an Brust hatte er das Gefühl, als würde Kais Blut durch seine eigenen Adern fließen, und als würde die Luft, die er atmete, Kai mit Sauerstoff versorgen.
"Wollte ich immer, aber ich hatte Schiss"
"Du Feigling, und jetzt küss mich nochmal"

Notes:

Meine erste fic auf deutsch woahhhh ich freu mich naturlich supi doll über kudos und kommentare :3