Chapter Text
-
Es gibt wirklich nicht viel über den Anfang zu berichten - In all der Asche und den großen geschichtlichen Verwerfungen des ersten Zeitalters sind die jungen Jahre eines kleinen Elflings ohne Adel und ohne Familie schnell erzählt. Er lebte unter den wilden Tieren in den Wäldern. Nur einen Namen hatte er - Erestor. Er wusste es noch nicht, aber er war geboren, um ein Sonderling zu sein.
Eine gelbäugige Pantherin säugte ihn mit ihrem Welpen gemeinsam, ein mächtiger Fluss zog durch seine Traumwelt und bewachte seinen Schlaf. Er kannte die Stimme des Waldes und die Musik der Sterne. Er konnte Blumen inmitten des tiefsten Winters zum Blühen bringen, und stolze Hirsche legten ihre Kehle in Verneigung auf sein blankes Messer. Als Kind war er ein großer Magier. Im Laufe der Jahre legte sich das, zurück blieb ein Jäger des Waldes, ein heimatloser Nomade, eine Kriegswaise, ein unzivilisierter Wilder aus dem Osten, wenn man es so nennen will.
Er fand einen Schmied in den Tiefen des Waldes, der ein Jahr und einen Tag seinen Hammer gegen einen Stern schlug, ohne zu schlafen oder zu essen. Er war so beschäftigt, dass Erestor nicht Reisaus nahm, wie er es sonst tat, wann immer er die Nähe von Elben bemerkte. Stattdessen kreiste er um die rotglühende Werkstatt unter dem dichtesten Blattwerk der Welt wie ein junger Wolf, voll vorsichtiger Neugierde. Als die Zeit vergangen war, hatte Eol aus dem Stern ein Schwert gemacht und es Erestor auf die Brust gesetzt.
„Es ist noch nicht geschliffen, Winzling, aber erschlagen kann ich dich damit allemal.“
Erestor verstand seine Sprache nicht. Aber er verstand in diesem Moment, dass dieses Schwert für ihn bestimmt sein würde. Er berührte die rußige Klinge, und das Schwert sprach mit einer Stimme jenseits von allem, was vorstellbar ist, und Eol erblasste. Er jagte ihn mit Tritten und wüsten Beschimpfungen von seinem Hof. Er aß, trank, schlief und haderte mit seinem Schicksal, viele Monate lang. Und dann trat er einen Stein gegen die Wand, schrie „Scheiße!!“ und schmiedete sich ein zweites Schwert.
Seine erste Liebe war ein Mensch. Er hieß Thenak. Thenak gab ihm den Kontext, um den er nie gebeten hatte: Danach war er Elb, vom Stamm der Nandor wahrscheinlich, Waise, Flüchtling, Überlebenskünstler, einer, dessen Sprache in Beleriand nicht gesprochen wurde, es war irrelevant, wirklich, in seiner Welt aus Flüssen und Erde und rauschendem Wind.
Doch Thenak gab ihm auch gute Dinge: Er lehrte ihn das Lachen, die Sprache der Elben und der Menschen, Marmelade und Pfannkuchen kochen und die Schönheit der Liebe. Sie lebten viele Jahre miteinander, ohne dass Erestor wirklich verstand, weshalb.
Thenak vermisste immer sein Dorf in der Himlad, aber er konnte nicht zurückkehren, weil er ein Brandmal auf der Hand trug. Er sagte die Worte ‚Deserteur‘ und ‚Leibeigenschaft‘ so als wäre der Fall klar, und Erestor nickte dann, um ihn nicht traurig zu machen. Aber er verstand nicht.
Er verstand erst, als sie auf feanorische Reiter stießen, die Thenak auf ihr großes, schnaubendes Ross hoben, als sie sein Brandmal entdeckten. Er verstand es erst wirklich, als er seinen Leichnam über dem Torbogen der Stadt aufgehängt sah, blaugesichtig und starr. Da begriff er, dass er das einzige wirklich freie Wesen weit und breit war, als Einziger weder durch Eid oder Schuld gebunden. Dies war also der Grund, warum Thenak sein Leben als Ausgestoßener in der Wildnis verbracht hatte, anstatt zu seiner Familie zurückzukehren.
Schuld, ein gebrochener Eid, Schande. Gesetze, Abgaben, Wehrdienst, Brandmal, Drill und schließlich der Marschbefehl in den sicheren Tod. Das in etwa war die Zusammenfassung seines ganzen Lebens.
Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag - und Erestor rannte. Er rannte über die kargen, langgestreckten Hügel nach Norden und Osten, er rannte mit den Krähenschwärmen über die Ebene davon, um alles wieder zu vergessen. Doch seine Geschichte war schon ins Rollen gekommen.
-
