Chapter Text
Jeffrey schien Peter nicht zu bemerken. Sein Blick war auf den Horizont fixiert und der Wind wehte durch seine nassen Haare. In der einen Hand trug er sein Surfbrett, hielt es jedoch so locker, dass es so aussah, als würde es ihm jeden Moment aus dem Griff gleiten. Seine andere Hand hing schlaff an der Seite herunter. Er sah beinahe unschlüssig aus, als wüsste er nicht so richtig, wohin er sollte.
Peter legte eine Hand auf seine Schulter. Das Surfshirt seines Freundes war, wie seine Haare, noch feucht. Er konnte also noch nicht lange aus dem Wasser sein. Auf die Berührung hin zuckte er stark zusammen und wirbelte mit solch einem Ruck herum, dass Peter nur aufgrund seiner guten Reflexe vermeiden konnte, dass das Surfbrett ihm gegen die Seite knallte. “Hey!” er lachte.
Sein Freund sah ihn entgeistert an. Es schien einen Moment zu dauern, bis er registrierte, wer vor ihm stand. “Peter? Was machst du hier?”
“Sehr witzig. Wir waren verabredet, du Scherzkeks.” Peter verschränkte die Arme vor der Brust. Jeffrey sah weiter etwas verloren aus, doch dann schien es ihm wieder einzufallen. Seine Augen weiteten sich und seine Ohren wurden rot.
“Oh, scheiße. Stimmt. Sorry, das habe ich total vergessen.” Er kratzte sich am Hinterkopf. “Naja, ich war sowieso gerade fertig. Ich geh’ mich noch eben abduschen, dann können wir los.”
Peter schürzte die Lippen und legte den Kopf schief. “Alles okay bei dir?” fragte er vorsichtig. “Du scheinst total durch den Wind zu sein.”
Jeffrey verharrte einen Augenblick. Dann schüttelte er den Kopf und atmete tief ein. “Nein, sorry. Alles in Ordnung. Ich war gerade nur total in Gedanken. Würdest du schon mal mein Brett in mein Auto packen?” Er fischte seinen Autoschlüssel aus seiner kleinen, wasserdichten Hosentasche. Peter zögerte, nahm ihn dann jedoch.
“Okay. Bis gleich dann.” Er nahm ebenfalls das Surfbrett entgegen und während Jeffrey sich in Richtung der Duschen begab, ging Peter zu dem kleinen Parkplatz, auf dem sein MG neben Jeffreys Camaro geparkt war. Er schob das Brett in das Auto, in dem die Rückbank bereits heruntergeklappt war. Danach trottete er langsam zurück zu dem kleinen Bungalow, der die Duschen und Toiletten sowie die Schließfächer beherbergte. Jeffrey kam bereits fünf Minuten später heraus. Seine durchnässten Surfklamotten hatte er gegen Bermudashorts und ein Tanktop getauscht.
Peter versuchte, seinen Blick nicht zu lange auf den muskulösen Oberarmen seines Freundes hängen zu lassen. Er hatte Jeffrey schon hunderte Male gesehen und wusste, dass er auch physisch das absolute Klischee von Surfertyp war. Aber trotzdem war es schwer, ihn nicht zu bewundern. Er sah wirklich gut aus. Rein objektiv, natürlich.
Stattdessen kramte er in seiner Hosentasche und fischte den Autoschlüssel wieder heraus. “Hier. Bevor ich es vergesse.”
Jeffrey nahm den Schlüssel und lächelte schwach. “Danke. Wollen wir los? Ich lade dich heute ein.”
Peter nickte einwilligend. Es störte ihn immer noch, dass etwas nicht ganz richtig zu sein schien. Aber er wusste, dass es bei seinem Freund nicht viel nützte, großartig nachzuhaken. Jeffrey war recht erzählfreudig und bis jetzt hatte er es nie viel länger als ein paar Tage ausgehalten, sich nicht über seine Probleme zu beschweren. Doch bei Zwang hielt er in der Regel völlig dicht. Peter entschied sich also, die Sache vorerst ruhen zu lassen.
Das Strandcafé war jetzt um 16 Uhr gut besucht. Peter erkannte einige der Surfer, aber auch viele Teenager und junge Erwachsene, die wohl einfach einen Tag am Wasser verbrachten. Sie hatten Glück und fanden doch noch einen freien Tisch in der Ecke des Raumes. Sie setzten sich und kaum eine Minute später kam ihnen eine bekannte Gestalt entgegen.
Miles, ein zierlicher schwarzhaariger Junge, von dem Peter wusste, dass er einen Jahrgang unter ihnen auf ihre Schule ging, stand mit einem Notizblock vor ihnen und lächelte breit. “Hi, Jeffrey!” seine Wangen erröteten etwas. Dann wandte er sich Peter zu. “Hey, Peter.” Doch sein Blick schweifte wieder zurück zu Jeffrey. Peter hob die Augenbrauen, doch sein Freund schien nichts Ungewöhnliches zu bemerken.
“Hey Miles.” sagte er und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er lächelte, sah jedoch immer noch recht angespannt aus. “Sieht ziemlich voll aus.”
Der Junge nickte. “Ja, es ist echt die Hölle los. Scheint, als hätte der gesamte Großraum Los Angeles entschieden, heute hierher zu kommen. Wart ihr surfen?”
Peter räusperte sich. “Jeffrey war. Ich bin gerade erst gekommen.” Miles blickte kurz zu ihm und nickte anerkennend.
“Achso. Naja, ich freue mich, dass ihr da seid. Was kann ich euch bringen?” Er hob demonstrativ seinen Notizblock und den dazugehörigen Kugelschreiber in die Höhe. Peter bestellte einen Erdbeer-Milchshake, während Jeffrey um einen Iced Latte und eine Portion Vanilleeis bat. Miles notierte alles und hielt dann einen Moment inne. “Ich mag dein Outfit, Jeffrey. Du siehst gut aus.” verkündete er. Dann ging er schnell los, schaffte es aber nicht, seine rot angelaufenen Ohren vor Peter zu verbergen.
Jeffrey sah etwas irritiert aus und blickte dem Kellner hinterher. “Danke?” murmelte er.
“Der hat ja mal einen absolut gigantischen Crush auf dich.” erklärte Peter.
“Was?” Sein Freund zog die Augenbrauen zusammen. “So ein Quatsch.”
“Im Ernst? Sonst bist du doch immer der Aufmerksam. Der wollte dir am liebsten auf den Schoß klettern, so sah er aus. Süß.”
Jeffrey verzog die Miene. “Blödsinn, Peter.”
Peter grinste. “Gib’s schon zu! Du findest ihn auch niedlich.”
Sein Freund verdrehte die Augen. “Du nervst. Außerdem habe ich gerade andere Dinge im Kopf, als irgendwelche Dudes, die ganz vielleicht auf mich stehen könnten.” Er fuhr sich durch die immer noch feuchten Haare und stützte dann seinen Ellbogen auf dem Tisch ab. “Naja, egal. Sorry nochmal, dass ich dich vorhin fast mit dem Brett erschlagen hab.”
“Schon gut.” Peter zuckte mit den Schultern. “Ich habe dich ja voll aus den Gedanken gerissen. Ist ja auch nichts passiert.”
Jeffrey nickte nachdenklich. “Wie läuft es eigentlich mit eurem Detektivbüro?” fragte er schließlich nach einer unangenehm langen Pause. Peter presste die Lippen zusammen und dachte an Justus, der heute Vormittag erst den Vorschlag gemacht hatte, durch eine Telefonlawine nach einem neuen Fall zu fragen. Bob hatte gelacht und ihm versichert, dass sie sicherlich bald etwas finden würden. Doch die Realität war, dass Peter und er eigentlich ganz dankbar waren, in ihrem vorletzten Monat ihrer Schulzeit nicht nebenbei noch mit ihrer Detektivarbeit beschäftigt zu sein.
Die Frage war trotzdem ungewöhnlich. Jeffrey hatte nie Ablehnung, aber auch nie großes Interesse an der Tätigkeit der drei Fragezeichen gezeigt. Peter wollte gerade antworten, als Miles angelaufen kam. Auf seinem Arm balancierte er ein völlig überfülltes Tablett. “Hey! Hier sind eure Getränke. Das Eis kommt auch gleich, ich hatte keinen Platz mehr.” Etwas hastig stellte er die beiden großen Gläser auf dem Tisch ab. Er wollte gerade weiterlaufen, als Jeffrey sich räusperte. “Äh, danke übrigens. Für das Kompliment gerade.”
Miles erstarrte einen Moment lang und lief erneut tief rot an. “Kein Problem.” murmelte er. “Sorry, ich muss weiter.” Eilig ging er weiter, um auch die restlichen Getränke von seinem Tablett loszuwerden. Jeffrey sah ihm hinterher und lächelte dann sanft. “Okay, du hast vielleicht recht.”
Peter grinste. “Klar habe ich recht. Naja, auf jeden Fall… es läuft gut, schätze ich? Aktuell ist tote Hose und das treibt Justus in den Wahnsinn, aber eigentlich finde ich es nicht so schlimm. Und unser letzter Fall ist jetzt auch noch nicht so lange her.”
Jeffrey nahm einen Schluck von seinem Kaffee. “Achso.”
“Warum fragst du?”
“Nur so.” murmelte Jeffrey. “Ansonsten fängst du ja immer direkt von selber an zu erzählen. Aber wenn nichts los ist, macht das natürlich Sinn.”
Peter schlürfte an seinem Milchshake. “Ist wirklich alles okay?” fragte er vorsichtig. Jeffreys Augen wurden groß, doch er nickte nur.
“Ja, wirklich. Sorry, ich bin heute einfach ein bisschen durch den Wind.” Er nahm noch einen Schluck von seinem Kaffee. “Wahrscheinlich die Hitze.”
“Hm.” Peter wusste, dass es sinnlos wäre, weiter auf ihm rumzuhacken. Doch er störte sich trotzdem daran. Normalerweise vertraute Jeffrey ihm alles an. Es musste also etwas wirklich ernstes sein, wenn er so geheimnisvoll war. Das letzte Mal hatte er sich so verhalten, bevor er sich bei Peter geoutet hatte. “Diese ganzen Klausuren machen mich auch total fertig. Ich bin so froh, wenn Ferien sind.”
Jeffrey lachte. “Ja, ich auch. Aber du willst ja im Herbst gleich weitermachen mit dem Spaß.”
Peter verzog das Gesicht. “Erinner mich gar nicht erst daran. Justus ist schon total fanatisch, aber ich hab’ echt Sorge. Und ich muss ja echt gut dabei bleiben, damit ich mein Stipendium behalten kann.” Er hatte die letzten Monate lang versucht, so wenig wie möglich an das kommende Studium zu denken. Zwar würde er mit Justus und Bob an die gleiche Universität gehen, aber er war trotzdem wahnsinnig nervös und fühlte sich unvorbereitet.
Sein Freund zuckte mit den Schultern. “Ich denke, du packst das schon.”
Miles erscheinte wieder und stellte eine Schüssel mit Eis vor Jeffrey. “Hier. Entschuldige, dass das einen Moment gedauert hat.”
Jeffrey schenkte ihm ein charmantes Grinsen. “Das macht nichts, Miles. Du hast ja genug zu tun. Danke.” Er schien beinahe wieder normal zu sein. Doch in seinem Blick lag immer noch etwas undefinierbares. Hätte Peter raten müssen, hätte er gesagt, es wäre Sorge. Doch er hielt sich zurück.
Miles strahlte und strich sich durch seine kurzen Haare. “Guten Appetit euch! Sagt Bescheid, falls ihr noch etwas braucht.” Dann ging er eilig weiter.
Peter grinste und nahm noch einen Schluck von seinem Getränk. Selbst in seiner seltsamen Stimmung schien Jeffrey seine Wirkung auf andere Typen zu haben, die seinem Charme wahnsinnig schnell erlagen. “Glaubst du mir jetzt?”
Sein Freund biss sich auf die Unterlippe. “Hm.”
“Du stehst doch auf schmächtige Typen.”
Jeffrey blickte auf und legte den Kopf schief. “Sicher, dass du nicht von dir selbst redest?”
Peter verschluckte sich beinahe an seinem Milchshake. “Was soll das denn heißen?” hustete er.
“Ich glaube, das weißt du ganz genau, Großer.” Jeffrey zwinkerte und wandte sich dann seinem Eis zu. Peter hatte eine leise Ahnung, worauf er anspielte, wollte aber auch nicht darauf eingehen.
