Chapter 1: Hello little one
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Müde und genervt rieb er sich den Nasenrücken. Eine Eigenart, die er sich wohl mit seinem Vater teilte, auch wenn der Vierteldämon es nicht zugeben würde, da das Eingeständnis sich etwas mit seinem lang verschollenen Vater zu teilen ihm nicht gefiel. In diesem Moment hatte er jedoch andere Sorgen als sich damit zu beschäftigen. Nicht wenn so etwas derart beschissenes vor sich ging und sein Kopf fast explodierte. Diese Kopfschmerzen! Ja, heftige Kopfschmerzen! Vielleicht reichte es sogar bis zu einem Aneurysma, wer wusste es schon? Konnten Vierteldämonen so etwas bekommen? Jedenfalls ging Nero davon aus das bald irgendwas platzen würde, wenn dieser Lärm nicht bald aufhörte!
Nico, die nach seinem Anruf so schnell wie Möglich gekommen war, stand im Wohnzimmereingang und beobachtete das Dilemma. Sie lachte nur, nachdem Nero ihr die Situation erklärt hatte. „Ich dachte du würdest mich verarschen, Alter! Das ist das abgedrehteteste was ich je gesehen habe. Ein ganz neuer Arm zu wachsen hat dir wohl nicht gereicht, jetzt gehst du richtig in die Vollen oder was?“ Unter ihrem Lachen stieß er ein genervtes Knurren aus. Kyrie saß ruhig auf dem Sofa und versuchte gedanklich eine zufriedenstellende Lösung für alle zu finden. „Nero..., das geht so nicht.“, gab sie zu bedenken und sah ihn mit mitfühlenden Augen an. Ihre Stimme ging bei dem ganzen Lärm fast unter und nur dank seines verbesserten Gehörs konnte er sie gerade noch so verstehen. Es war ein Fluch und Segen zugleich. Nico lachte erneut. „Dein Mädchen hat recht. Du solltest bei dieser Sache Daddy und Onkel um Rat fragen. Die kennen sich mit so einem Scheiß aus.“ „Vergiss es! Eher verreck' ich als das ich die frage! Ich werde schon selber eine Lösung finden!“ Nie im Leben würde er vor einem der beiden Zwillinge zugeben was passiert war! Dante würde sich über ihn lustig machen und Vergil? Er würde ihn mit seinem üblichen, stoischen Gesichtsausdruck ansehen, als wäre er eine Enttäuschung! Zwar hatte Nero herausgefunden das dieser Blick zur Standardeinstellung dieses Mannes gehörte und sich nicht per se gegen ihn richtete, aber trotzdem! Sein Vater sah die ganze Welt als eine Enttäuschung! Da wollte Nero ihm nicht noch einen weiteren Punkt zur Bestätigung geben, auch wenn er ihm in einigen Momenten zustimmen wollte! Tief seufzte er und schaute auf die Quelle seines Unbehagens, das die ganze Zeit unbändig schrie, als würde man ihn zur Schlachtbank tragen wollen. Er hatte 3 junge Waisenkinder, um die er sich mit Kyrie kümmerte. Alles Jungen, die ziemlich wild sein konnten. Davon war einer gerade im Kleinkindalter und nicht einmal er schien so vertieft in einen Trotzanfall zu sein wie sein neuer Ankömmling. Aber im Gegensatz zu dem jetzigen Kind, war Carlo auch ein Mensch, auch wenn einige Eltern bestätigen konnten das alle Kinder bis zu einem gewissen Alter Dämonen waren.
Mit den Händen an die Ohren gedrückt, hatte er sich vor einen Laufstall gestellt. Dem Erlöser sei Dank, das Kyrie diesen noch vom letzten Babysitting-Job hatte und noch keine Chance hatte es dem Waisenhaus zu spenden. So konnte Nero sein derzeitiges Problem darin festsetzen, das von dieser Idee so gar nicht begeistert war und das auch durch permanentes Schreien, um sich schlagen und weinen deutlich machte. „Heißt es nicht, man soll zu sich selbst nett sein?“, meinte Nico, was Nero nur mit einer erhobenen Augenbraue quittierte. Er wandte sich von der Erfinderin ab und sah wieder zu der Quelle des Lärms. In einem Kinderlaufstall stand ein Junge. Von der Größe her würde Nero auf 5 oder 6 Jahre tippen. Die Gitterhöhe des Laufstalls ging ihm bis zu den Schultern, sodass er von der Körpergröße nicht mehr wirklich in die Zielgruppe gehörte, aber dennoch zu klein war um ohne Probleme über die Gitter zu steigen, was zu dem Unmut führte. Seine hüftlangen weißen Haare waren von seinem Wutanfall verwuschelt, wobei ein paar Strähnen in seinem Gesicht klebten. Zwei nach vorn gekrümmte, weiße Hörner standen aus der Haarpracht hervor. Das Gesicht wäre nach dem ganzen Geschrei errötet gewesen, wenn er die üblich helle Haut eines Menschen aus Fortuna hätte. Durch die grau-blaue Hautfarbe des Jungen, war davon jedoch nichts zu sehen. Ein paar blaue Astralschwingen, an dessen Krümmung sich Klauenhände befanden, zeigten den Unmut ihres Besitzers, indem diese immer wieder flatterten und gegen die Stangen schlugen. Das Dämonenkind verzog seine Lippen zu einem Schmollmund, wobei kurz ein spitzer Reißzahn aufblitze. Mit einem tödlich beleidigtem Blick in seinen katzenartigen, gelbgoldenen Augen sah er zu dem jungen Dämonenjäger hoch. Als dieser sich nicht erweichen ließ, warf das Dämonenkind seinen Kopf nach hinten und begann erneut seinen Unmut in die Welt zu schreien. Nero konnte gerade noch so einen Fluch unterdrücken. „Sieh es ein Demon Boy, deine Dämonenhälfte scheint ein genauso stures Arschloch zu sein wie du.“ „Sprache!“, zischte bevor er wieder seine Aufmerksamkeit dem Dämon vor sich zuwandte. Seinem verdammten dämonischem Ich.
Nero schüttelte den Kopf und fragte sich wie sein Leben nur zu so einer beschissenen Show werden konnte. Sein Blick ging von dem wütenden Kind zur gegenüberliegenden Wand, die vom vorherigen Kampf noch ein riesiges Loch hatte. Das war alles die Schuld von diesem verdammten Dämon, fluchte Nero in Gedanken.
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Ohne etwas Böses zu erwarten, hatte er sich mit Kyrie einen schönen Abend machen wollen, bis ein Dämon direkt in sein Haus platzte mit den üblichen Plattitüden wie: „Stirb Spardas Nachkomme!“ und „Die Sippe des Verräters muss sterben!“ Er hatte Glück im Unglück. Ihre drei Jungs, waren zu diesem Zeitpunkt gerade mit Nico unterwegs gewesen, weswegen sie nicht in Gefahr waren. Anstatt diesen seltenen Moment der Zweisamkeit nutzen zu können, wurden sie angegriffen. Beinahe erreichte die Attacke des Monsters Kyrie, weshalb Nero nicht zweimal nachdachte und sich zwischen seiner Angebeteten und der Attacke des Dämons warf. Zwar konnte er diesen mit einem Hieb töten, wurde aber von einem Energiestrahl durch die nächste Wand geschleudert. Dank seiner dämonischen Abstammung hatte er diesen Angriff überlebt, fühlte trotzdem einen ungewohnten Schwindel, schon beinahe Übelkeit, als hätte man seine Eingeweide gepackt und einmal in den Schleudergang geworfen. Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, in dem Glauben das es eh bald besser werden würde, versuchte Nero aufzustehen, landete jedoch wegen Gleichgewichtsproblemen wieder auf seinen Hintern. Kyrie rannte mit besorgtem Gesichtsausdruck zu ihm, als sie jedoch stehen blieb und mit geschocktem Blick scharf einatmete, ahnte Nero das diesmal die Angelegenheit doch nicht so einfach sein würde wie gedacht. Ihrem Blick folgend entdeckte er in den Trümmern der Wand einen kleinen Körper. Besorgt doch noch ein Kind in Mitleidenschaft gezogen zu haben, kroch er zu der Stelle, nur um ebenfalls scharf einzuatmen. Anstatt ein fremdes, menschliches Kind lag dort ein nackter, kleiner Dämon. Nicht nur irgendein Dämon, sondern sein Dämon! Verwirrt davon, versuchte er sich in seine Dämonenform zu verwandeln, scheiterte aber. Er konnte seinen Devil-Trigger nicht aktivieren. Selbst das Ausstrecken seines Mittelfingers dabei hatte nicht geholfen!
Er schien immer noch seine übernatürliche Körperkraft zu haben, was er bemerkt hatte, als er die schweren Gesteinsbrocken mit Leichtigkeit von dem bewusstlosen Kind schob. Das Gehör schien auch noch zu funktionieren, da Nero klar und deutlich den leisen Atem seiner Freundin wahrnehmen konnte, als würde diese direkt neben ihm stehen. Nur seine Devil-Trigger-Form schien davon betroffen zu sein. Das ging sogar so weit, dass er nicht einmal diesen einen funken Kraft in sich spürte, der bei der Verwandlung in einen Dämon gefühlt zu explodieren schien. Nun fühlte er nichts. Da dämmerte es dem jungen Dämonenjäger. Dieser Angriff war kein gewöhnlicher Angriff, sondern tat mit ihm das Gleiche, was mit Vergil und V geschehen war! Es hatte seine menschliche und dämonische Seite getrennt! Nur das Nero in wesentlich besserer Verfassung war als der dunkelhaarige Poet und seine übermenschliche Kraft behalten hatte. „Nero...“, flüsterte Kyrie besorgt, schenkte ihr nach einer gefühlten Ewigkeit endlich Aufmerksamkeit. „Mach dir keine Sorgen. Mir geht es gut. Anscheinend hat dieser Angriff meinen Dämon von mir getrennt.“, erklärte er mit einem versucht beruhigten Gesichtsausdruck, den Kyrie ihm aber nicht abnahm. „Erinnerst du dich an V?“ Ein zögerliches Nicken folgte. Sie erinnerte sich noch gut an den geheimnisvollen jungen Mann, der Nero im Krankenhaus besucht hatte und wohl ein Klient Dantes war. „Er war die menschliche Version von meinem Dad. Der Idiot hatte sich selbst getrennt. Scheint wohl jetzt irgendwie im Trend zu liegen.“, murmelte er sarkastisch, spürte den besorgten Blick seiner Freundin. „Mach dir keine Sorgen. Mir geht es besser als V! Ich fühle nicht das ich zu Staub werde oder so. Einen Drang ständig William Blake zu zitieren hab ich auch nicht! Aber egal, wie geht es dir?“ Kyrie lächelte und zog ihren Freund in eine tröstende Umarmung, was diesen erröten ließ. „Dank dir bin ich unverletzt. Viele Dank.“ Nero nickte und seufzte zufrieden. Kyrie ließ ihn los und wandte sich dem Kind auf dem Boden zu. „Pass auf! Es kann gefährlich sein!“, warnte er und erinnerte sich, dass es neben einem Pseudo-Goth auch noch eine weitere Version gab. Urizen! „Scheiße! Wenn er nur irgendeinen Hang zur Gartenarbeit hat, dann mache ich dem lieber gleich ein Ende!“ Schnell holte er seine Blue Rose hervor. Bevor sein Dämon eine Apokalypse starten konnte, würde er ihn selbst auslöschen! Kyrie legte eine Hand auf die Pistole und schüttelte den Kopf. „Wenn dieser Dämon wirklich zu dir gehört, wird er niemanden etwas tun. Immerhin bist du eine gute Person. Ob als Mensch oder Dämon.“ Nach dieser Ansprache ließ Nero die Waffe sinken und sah mit erröteten Ohrenspitzen nach unten. Kyrie war eine der wenigen Leute in Fortuna oder überhaupt, die ihn so nahm wie er war und ihm sogar noch einen guten Charakter zuschrieben.
Vorsichtig kniete sie vor dem kleinen Kind und hatte es in die Arme gezogen. Sanft entfernte sie Staub und Putzreste aus der langen, weißen Mähne. Dabei strich sie über die gekrümmten Hörner, welche nicht nur weich aussahen, sondern die Oberfläche , zu ihrer freudigen Überraschung, sich auch plüschig anfühlten! Vorsichtig strich sie erneut über die Hörner, hatte dabei das Kind schützend an sich gedrückt. Überrascht nahm sie ein Geräusch wahr, was einem Schnurren ähnelte. Nero sah fragend zu ihr und als sie sich sicher war das es nicht von ihm kam, sah sie zu dem jungen Dämon, dessen Hörneransatz sie immer noch kraulte. Das Schnurren kam tatsächlich von ihm! „Wie niedlich.“, flüsterte sie. „Eh..., wir sollten uns lieber etwas überlegen! Am besten du legst ihn aufs Sofa oder so!“ Peinlich berührt räusperte sich Nero. Kyrie lachte leise, während der Andere das Gefühl hatte im Boden versinken zu wollen! Nicht nur das sein Dämonen-Ich ein kleines Kind war - warum auch immer - und nackt! Nein, es musste auch noch schnurren wie eine Katze!
Während Nero sich überlegte wie er am besten mit der Wand verschmelzen konnte, schien der junge Dämon zu Bewusstsein zu kommen. Langsam öffnete er die Augen und sein gelbgold traf den sanften Blick der Sängerin. „Hallo Kleiner. Hast du Schmerzen?“, fragte sie sanft und leise, um das Kind nicht zu erschrecken. Nero drehte sich wieder zu ihnen, beobachtete ihre Interaktion genau, um notfalls eingreifen zu können. Im Gegensatz zu Kyrie war er viel pessimistischer und vorsichtiger, zumal er Dämonen per se kaum vertraute! Kyrie wartete auf die Antwort, die nicht kam. Das Kind starrte sie nur weiter an und gab keinen Laut von sich. Langsam legte er seinen Kopf schief, als würde er über die Frage nachdenken wollen. „Es war ein ziemlicher Schlag. Es ist nicht schlimm, wenn du Schmerzen hast.“, versuchte sie es auf diesem Wege, da sie wusste wie stur Nero manchmal sein konnte und dazu neigte Verletzungen herunterzuspielen oder gar zu verheimlichen. „Vielleicht versteht es dich nicht?“, warf das menschliche Gegenstück fragend ein. Das Kind gab ein klickendes Geräusch von sich, runzelte leicht die Nase und streckte sich Kyrie entgegen. Mit seinen Krallenhänden packte er ihre Schultern und begann wie ein Hund an ihr zu schnüffeln. Sie verharrte in ihrer Position und ließ es geschehen. Nero bewunderte ihre Geduld, erinnerte sich daran als Kind oft unbewusst dasselbe getan zu haben. Immer wenn Besucher in das Waisenhaus kamen, hatte Nero versucht an ihnen zu schnüffeln. Dafür wurde er von den anderen Kindern oft gemobbt, während die Nonnen sein Verhalten als Inakzeptabel einstuften und ihn bestraften. Später hatte Nero immer diskret versucht den Geruch der Menschen in seiner Nähe aufzunehmen. Kyrie hatte dies einmal bemerkt, aber zu seiner Erleichterung nie etwas negatives darüber gesagt, worüber er sehr froh war. Sie hatte immer alle Eigenheiten von ihm akzeptiert, wofür er ihr immer dankbar sein würde. So beobachtete er nur und ließ das Kind die Nase in Kyries Halsbeuge stecken, um besser den Geruch wahrzunehmen. Diese kicherte kurz, da die Hörner leicht an der empfindlichen Haut kratzten.
Von dem Geruch angetan leckte sich der kleine Dämon über die Lippen und begann an der Haut zu knabbern, was Kyrie erschrocken aufkeuchen ließ. Dies ließ Nero aufhorchen und er erkannte was passierte! Bevor das Dämonenkind seine Reißzähne komplett in ihren Hals versenken konnte und sie damit ernsthaft verletzen würde, packte der Dämonenjäger das Kind schnell unter den Achseln und zog es von ihr weg. Darüber wenig begeistert, begann er um sich zu treten und zu jammern. Fest hielt Nero das zappelnde Bündel von sich fern, damit er nicht von irgendwelchen Gliedmaßen getroffen wurde. „Nein!“, kam es streng von ihm, stieß jedoch dabei nur auf taube Ohren. Mit seinen Krallen versuchte er sein älteres Ich zu kratzen, doch dieser drehte das Kind wie eine tollwütige Katze von sich ab, sodass die Schläge ins Leere gingen. Knapp schaffte er es den Flügeln auszuweichen, die immer wieder ausschlugen, froh darüber das diese Dämonenform keine Augen am Hinterkopf hatte und somit blind um sich schlug. „Kyrie! Haben wir irgendwas Hilfreiches?“ Diese hatte sich ebenfalls erhoben und nickte nach kurzem Moment. „Ich bin gleich wieder da. Bitte sei nicht all zu grob. Ich glaube nicht das er mich ernsthaft verletzen wollte.“ Nero grunzte nur, als ihn ein Fuß in die Magengrube traf. „Uhuh..., voll.“, murrte er in Gedanken und streckte wieder die Arme aus, um das Kind möglichst weit weg von sich zu halten. Nach wenigen Minuten kam Kyrie mit einem Laufstall zurück, was Nero erleichtert aufatmen ließ. Es war nicht die beste Lösung, doch im Moment alles was sie hatten. So setzte er den Dämon in das Kindergefängnis, der das persönliche Beleidigung sah und begann lauter zu jammern. Als es das Herz des Dämonenjägers nicht erweichte, gesellte sich lautes, permanentes Schreien dazu...
„Ja, sorry das ich dich nicht meine Freundin fressen lasse.“, murmelte Nero sarkastisch und rollte mit den Augen.
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„Hey! Hey! Wie wäre es wenn wir ihn Dero nennen!“, schlug Nico vor. „Dero?“ „Ja denk doch mal nach! Dämon-Nero! Oder hast du einen besseren Namen dafür? Und du bist ab sofort Mero! Mensch-Nero!“ Mit fettem Grinsen sah Nico zu ihm. „Willst du mich verarschen?!“ „Ich mein ja nur. Irgendwie muss man ihn ja benennen!“ Nero knurrte nur als Antwort, was Kyrie, die sich vor den Laufstall gesetzt hatte, leise kichern ließ. „Na, na. Alles ist gut. Ich weiß das alles etwas überwältigend für dich ist und dann auch noch so viele Leute.“, gurrte sie das Kind sanft an, was durch ihre Aufmerksamkeit aufhörte zu schreien und nur noch leise jammerte und gelegentlich schniefte. Erleichtert seufzte Nero auf, als der ohrenbetäubende Lärm verschwunden war. „Das solltest du lieber nicht tun.“, warnte er seine Freundin, die den greifenden Händen des Kindes antwortete, indem sie es in die Arme hob. Beruhigend strich sie dem Dämon zwischen die Hörner, der darauf mit einem freudigen Quieken reagierte und seinen Kopf an Kyries Schulter kuschelte. „Alles wird gut. Wir sind dir nicht böse.“, summte Kyrie beruhigend. Das Kind gurrte und leckte sich erneut über die Lippen, was Nero dazu brachte eingreifen zu wollen. Bevor er dazwischen gehen konnte, spürten er und auch sein dämonisches Ebenbild, wie die Energie in der Umgebung zunahm. Überrascht sah das Dämonenkind auf und richtete seinen Blick zum Wohnzimmereingang. Nero folgte seinem Blick und im nächsten Moment erschien in der Luft ein markanter Riss. Nico, die daneben stand, schreckte auf und nahm Abstand ein. Ein zweiter Riss entstand und bildete das bekannte Muster Yamatos, die durch die Dimension schnitt. „Du musst mich doch scheißen!“, rief Nero aus und im nächsten Moment öffnete sich der bekannte Dimensionsriss, aus denen zwei weißhaarige Männer kamen.
Mit breitem Grinsen winkte Dante, trug seinen üblichen roten Mantel und hatte sein Teufelsschwert geschultert. „Yo Leute!“ „Hey alter Mann!“, rief Nico aus und die beiden gaben sich ein High Five. Nachdem die Zwillinge aus der Hölle zurückkehrten hatten Nico und Dante ziemlich schnell Freundschaft geschlossen. Beide hatten eine laute, aufgeschlossene Persönlichkeit, sodass es den Jüngeren nicht überraschte. Sein Blick wanderte von seinem Onkel zu dem Mann hinter ihm, der gemächlich durch den Dimensionsriss schritt mit einem Katana in der Hand. Dieses schob er anmutig in die Saya, was dafür sorgte das der Riss sich wieder schloss. „Könnt ihr nicht einmal die Tür benutzen wie normale Leute?!“, schimpfte Nero. „Hey, Demon-Dad!“, grüßte sie winkend mit dem gleichen Enthusiasmus wie bei Dante, was von dem Angesprochenen mit einem anmutigen Nicken erwidert wurde. Kyrie lächelte das Zwillingspaar einladend an, störte sich weniger an ihrer ungewöhnlichen Art einen Raum zu betreten. „Du kennst doch deinen alten Mann.“, versuchte Dante zu erklären, wurde dann aber durch einen Schrei unterbrochen. Die Blicke wanderten zu Kyrie, beziehungsweise zu das kleine Bündel in ihren Armen.
Nach dem Erscheinen der älteren Dämonen hatte dieser erst schweigend die Szene beobachtet, bis er anfing sich in Kyries Armen zu winden und um sich zu schlagen. Diese war von der plötzlichen Lebhaftigkeit des Jungen überrascht, sodass er den Überraschungsmoment nutzte und aus ihren Armen sprang. Ohne auf seine Umgebung zu achten, rannte er mit ausgestreckten Armen und schlagenden Flügeln direkt auf Vergil zu, der überrascht eine Augenbraue hob. Der jüngere Nero stand nun furchtlos und trällernd vor ihm, sprang von einem Fuß auf den anderen. Mit griffigen Händen und sogar Flügeln sah er mit großen, bittenden Augen zu ihm auf. „Ehm, Dad, ich-“, weiter kam Nero nicht, da sich sein Vater im nächsten Moment in seine Teufelsgestalt verwandelte und das dämonische Kind in die Arme hob. Das Trällern beantwortete er mit einem klickendem Geräusch, was das Kind dazu brachte sich an den älteren Teufel zu drücken. Nero musste zugeben, in den Armen dieses massigen Dämons sah sein Teufels-Ich nun wesentlich kleiner aus, fast wie ein Baby anstatt wie ein Vorschüler. Mit peitschendem Schwanz knurrte Vergil als sich Nico neugierig nähern wollte. Anstatt sie anzugreifen, wandte er sich an Dante, der die ganze Situation schweigend, aber belustigt verfolgt hatte. „Du wirst dich um diese Mission kümmern.“, war Vergils knappe Anweisung und ließ in seiner freien Hand Yamato erscheinen. Mit seiner üblichen Anmut erschuf er einen weiteren Dimensionsriss. Mit einem Nicken verabschiedete sich Vergil von den Anwesenden und trat durch den Riss.
Als sich der Riss vor den Augen aller schloss wachte Nero aus seiner Starre auf. „Was zum Teufel!? Dante! Wir müssen hinterher!“ In Gedanken malte er sich die verschiedensten Szenarien aus, was sein Vater mit einem launischen und weinenden Kind anstellen würde. Zwar wollte es seine Freundin beißen – zwei mal! -, aber er hatte keine Lust, dass Vergil das Kind aus der Welt Judgmentcuttet, nur weil es wie am Spieß schrie! Dante lachte nur über seiner Besorgnis und schüttelte den Kopf. „Mach dir keine Sorgen Kiddo. Es wird schon nichts passieren. Wir müssen uns um ein Empusa-Nest kümmern. Eigentlich hatte ich vor mich mit deinem alten Mann um das Problem zu kümmern, da unser Punktestand immer noch gleichstand ist, aber Vergil war der Meinung, es wäre es unehrenhaft dir keine Chance zu geben unseren Punktestand einzuholen. Oder sowas in der Art.“ Unbekümmert zuckte er mit den Achseln. „Unterwegs kannst du deinem alten Onkel erzählen was hier passiert ist.“ Nero war weniger begeistert von der Aussicht, erkannte aber im Stillen die absurde Nachdenklichkeit seines Vaters über den Punktestand ihrer Tötungen an und nickte seinem Onkel zu. Eine andere Möglichkeit blieb ihm auch nicht, da dieser ihn auch schon an den Schultern packte und vor sich her schob. Überschwänglich hatte er sich von den anderen verabschiedet und wollte so schnell wie Möglich die Mission beginnen. Normalerweise war Dante weniger arbeitsfreudig und es war die Aufgabe seines Bruders ihm in den Hintern zu treten, damit er mehr Aufträge annahm um seine Schulden zu bezahlen, weswegen sein Neffe die Stirn runzelte.
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Unterwegs erklärte Nero ihm was passiert war und wie er es sich gedacht hatte, begann Dante zu lachen. Bevor er ihm in den Arsch treten konnte, klopfte der Ältere ihm anerkennend auf die Schulter, mit einem Grinsen, das ein wenig stolz enthielt. „Wenigstens geht es deiner Freundin gut und ich fühle bei dir nicht die schwindende Energie, die ich damals bei V gespürt hatte.“ Mit diesen Worten sah er ungewöhnlich Ernst aus, weswegen Nero auf seine üblichen Schimpftirade verzichtete und nickte. Er wusste, auch wenn Dante es nicht offen zugab, dass die ganze Sache mit seinem Bruder ihn nicht kalt gelassen hatte. Im Bereich Gefühle zuzugeben war Dante nicht so schlimm wie sein Bruder, gab trotzdem nur sehr spärlich zu was ihn wirklich beschäftigte und maskierte seine Trauer und Nachdenklichkeit hinter einer fröhlichen Fassade. „Wir werden der Sache auf den Grund gehen. Dein Dad kennt sich mit dem Dämonenscheiß besser aus als ich.“ Aufmunternd klopfte er ihm erneut auf die Schulter und Nero konnte nicht anders als sich ein wenig Erleichterung zu fühlen. „Dann zeig mal was du noch drauf hast ohne deinen Babydämon!“, rief Dante vergnügt, als beide vor dem Empusaversteck zum stehen kamen und ein ganzes Rudel Dämonen schon auf sie aufmerksam wurde. Grinsend ließ Nero den Motor seiner Red Queen aufheulen und stürzte sich mit dem Älteren in die Schlacht.
Die Mission dauerte nicht lange. Nero hatte gerade der letzten Empusa das Schwert durch den Kopf gerammt, als er sah wie Dante, in seiner hohen Dämonenform eine Empusa-Königin mit bloßen Händen tötete. Mit einer Anmut und Präzision, die Nero sonst immer nur mit dem älteren der Sparda-Zwillinge in Verbindung brachte, glitten Dantes Klauen wie scharfe Klingen durch das Fleisch seiner Beute und trennte die Gliedmaßen voneinander. Wie ein erfahrener Koch filetierte er den Dämon, sodass am Ende kein Blutbad entstand wie sonst, sondern die Empusa-Königin in ihre Einzelteile zerlegt vor ihm lag, als wäre sie angerichtet zum Verzehr. Dante verschwendete keine Zeit und sammelte das Brustfleisch und die saftig aussehenden Schenkel der Hinterbeine ein und verstaute diese in einem Leinensack, den er aus einer eingestürzten Hausruine geborgen hatte. Zufrieden schulterte er seine Beute und ging auf Nero zu. In seiner dämonischen Gestalt überragte er seinen Neffen mindestens nochmal um 1 ½ Köpfe mehr als in seiner menschlichen Gestalt. „Wir sind hier fertig. Lass uns zu deinem Dad.“ Nero hob eine Augenbraue. „Und wie genau soll ich das anstellen? Schon vergessen? Ich kann nicht fliegen. Mein Dämon ist irgendwo mit deinem Bruder am Arsch der Welt! Keiner hat Yamato oder kannst du ein Portal aus deinem gigantischen, dämonischen Arsch ziehen?“ Dante lachte nur nach diesem Ausbruch und hob seinen Neffen kurzerhand an die Brust. Dieser war davon weniger begeistert und versuchte sich zu wehren, kam jedoch nicht weit, als Dante sich vom Boden abstieß und in den Himmel schoss. Schneller als ein Flugzeug, raste er wie ein roter Blitz über das Meer. Nero stieß einen überraschten Schrei aus und klammerte sich fester an seinen Onkel, der sich köstlich amüsierte. „Kann man einen Mann mal warnen?! Verdammt!“, knurrte Nero, musste aber schweigend zugeben, dass die Fahrt schon ziemlich wild war.
Ein wenig später landete Dante im Hinterhof seines Ladens. Er ließ Nero los, löste aber nicht seine Dämonengestalt. Bevor er sich über die seltsamen Verhaltensweisen seines Onkels wundern konnte, hatte Nero sein Handy hervorgeholt, erleichtert darüber das dieses weder im Kampf zerbrochen, noch bei dem wilden Ritt über den Ozean verloren gegangen war. Er informierte Kyrie über das Ende der Mission und das er wohl das Abendessen verpassen würde, da sein fucking Onkel ihn einfach mitgeschleppt und er sich nun auf einem anderen Kontinent befand! Sollte er mit seinem Vater überraschenderweise keinen epischen Kampf um das Ende der Welt austragen müssen und seine dämonische Hälfte ohne Probleme retteten, würde er es aber doch noch schaffen, da er um ein Portal bitten würde. Als seine Liebsten beruhigt waren, ging er mit gestraffter Schulter in den Laden. Dante hatte ihn telefonieren lassen und war schon lange reingegangen. Er sah ihn nicht im Büro und auch das angrenzende Badezimmer war leer. Bevor er sich weitere Gedanken machen konnte, nahm er Geräusche wahr. Dank seinem verbesserten Gehör identifizierte er sie als ein Knurren und das dumpfe Geräusch von fallenden Teilen. Anscheinend hatte Dante seinen Bruder gefunden. In Erwartung die Zwillinge wieder kämpfend vorzufinden, nahm er seine Schusswaffe aus dem Holster und schlich sich langsam die Treppe hinauf, die zum Wohnkomplex führte. Die Tür zum Flur, der zu den Schlafzimmern führte, war angelehnt, sodass Nero das Blut der toten Empusa-Königin riechen konnte und auch die Geräuschkulisse nun viel deutlicher zu hören war. Knurren, Schnauben und sogar ein Gurren war zu hören, gepaart mit Kratzen von scharfen Klauen über den Holzboden. Entschlossen dem Kampf ein Ende zu setzen und sein dämonisches Ich zu retten, stürzte Nero in den Flur und rannte zu dem gemeinsamen Schlafzimmer der Zwillinge, nur um an dessen Eingang Dante in seiner Teufelsform vorzufinden. Es war Dantes Chaos zu verdanken, dass sich beide im Moment ein Zimmer teilten, da die anderen Zimmer vollgestopft mit alten Möbeln, Müll und allgemein komplett verdreckt waren. Dennoch wunderte es ihn, dass sich beide noch nicht umgebracht hatten.
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Anstatt zu kämpfen, war Dante auf allen Vieren und scharrte mit dem Fuß über das Holz. Leise rollte ein versöhnliches Knurren aus seiner Kehle und er drückte sich mit der massigen Brust direkt zu Boden, sein Blick immer geradeaus auf sein Ziel gerichtet. Mit seinem Kopf stieß die Beute an. Nero näherte sich dem Spektakel und nahm die Situation in ihrer Gesamtheit auf. Anstatt einen beginnenden Kampf vorzufinden oder noch schlimmer: sein kleines dämonisches Ich, aufgespießt mit der Yamato, entdeckte er einen massigen, blauen Dämon inmitten einer Festung aus Kissen und Decken. Es war eindeutig Vergil in seiner höheren Dämonenform, eingerollt wie eine Katze. Sein Schweif war schützend um den Körper gewickelt, während sein Kopf auf den gepolsterten Rand seiner Festung ruhte und Dante beobachtete, bevor er den Neuankömmling ins Visier nahm. Ein Schnauben ging von dem blauen Dämon aus, der die Anwesenheit seines nun teils menschlichen Sohnes registrierte, aber nicht ablehnte, weswegen der Blick wieder seinem Bruder galt. Dieser kroch mit einem Stück Hinterbein im Maul langsam zu ihm. Erneut schnaubte Vergil, sah aber keinen Grund zu handeln, was seinen Bruder dazu veranlasste das Hinterbein direkt vor Vergils Kopf vor der Deckenfestung fallen zu lassen. Dadurch hatte der ältere Dämon keinerlei Probleme die Opfergabe – in diesem Moment fand Nero kein anderes Wort dafür – zu verspeisen ohne groß seine Position ändern zu müssen. Diese Einschätzung bewies Vergil auch recht schnell und biss in den saftigen Schenkel des toten Dämons, um diesen genüsslich zu verschlingen. Am Ende hinterließ er nicht einmal einen Knochen. Angewidert von der Tat, da Dämonenfleisch nicht gerade auf der Speisekarte des Jüngeren stand, sah er zur Seite. Als ein leises, helles Gurren die Szene unterbrach, schenkte er dem ganzen Schauspiel wieder seine Aufmerksamkeit.
Mit der Zunge leckte sich Vergil das restliche Blut von seinen nicht vorhandenen Lippen und folgte mit seinem Blick der Geräuschquelle. Zwischen Klaue und der schuppigen Brust des Dämons kam ein weißer, gehörnter Haarschopf hervor. Genüsslich gähnte der kleine Dämon mit weit aufgerissenem Maul, zeigte seine winzigen, aber dennoch scharfen Zähne, bevor er den Mund wieder schmatzend schloss. Mit großen Augen blickte er erst hoch zum blauen Dämon, dann wanderte sein neugieriger Blick zum roten Dämon, dessen Gesicht direkt vor der Barriere aus Kissen und Decken ruhte. Erst einmal, dann ein zweites Mal blinzelte das Kind, bevor es ein freudiges Zwitschern ausstieß. Vergil, der durch die Laute des Kindes wohl mit Dantes Anwesenheit akzeptierte, senkte seinen Kopf zu dem Kind, nur um mit seiner langen, dämonischen Zunge über die Wange des Kleinen zu lecken. Dieses begann sich erst zu schütteln und dann zu schnurren. Zufrieden im Griff seines Vormunds, vergraben in einer weichen Festung aus Decken, Kissen und der Masse des Dämons, ließ er sich von diesem putzen. Ausgiebig leckte Vergil das Gesicht seines Nestlings, bevor er mit der Schnauze durch den Haarschopf schnaufte und begann die Hörner des Kindes zu pflegen. Dante sah Vergils mangelnde abweisende Haltung ihm Gegenüber als Einladung. Eifrig krabbelte er in das Nest und spannte seine Flügel, nur um sie wie eine Decke über den Körper seines Bruders zu legen und ein Gefühl von Privatsphäre zu geben. Dantes Blick ging fordernd zu dem menschlichen Teil Neros, der diese nonverbale Form der Aufforderung erst nicht verstand. Als Dante mit einer Kopfbewegung dazu aufforderte sich zu ihnen anzuschließen, überlegte er es sich zweimal, bevor er dem Drang nachgab und sich zu dem Dämonenhaufen dazugesellte. Zwischen Onkel und Vater hatte er einen Platz bei seinem dämonischen Gegenstück gefunden, nur um ebenfalls eine nasse Zunge an seiner Wange zu spüren. „Nein Danke. Ich werde später duschen gehen.“ Nero wies weitere Versuche von sich, was Vergil nur mit einem Schnauben erwiderte und sich dem jüngsten im Nest wieder zuwandte. Dante legte seinen Kopf zufrieden auf seine gekreuzten Klauenhände sinken und schloss die Augen. Zufrieden mit sich und der Welt, begann er zu Schnurren. Nero beobachtete alles für eine Weile, bis er sich dazu entschied einfach seinen Kopf auf ein Kissen zu legen und die ganze Sache nicht weiter zu hinterfragen. Anscheinend war er Teil vom Planet-Animal-Sender geworden ohne es zu wissen! Nur in dämonischer Version. Das war nicht das Seltsamste mit dem er sich herumschlangen musste, schaffte es aber in die Top Ten! Er fand sich damit ab und schloss die Augen, musste doch zugeben das es ziemlich gemütlich und warm war.
Chapter 2: Don't put everything in your mouth
Summary:
Schließt an Kapitel 1 an :D
Notes:
Schau mal wer so tut als gäbe es eine Story, dabei ist es nur eine Ausrede über Nero und seinen Baby Dämon zu schreiben úu
Chapter Text
Schweigend lehnte sich Nero zurück und zappte lustlos durch das Fernsehprogramm. Dank ihm gab es seit ein paar Monaten einen Fernseher im Devil May Cry. Er hatte keine Lust auf die fragwürdigen Magazine seines Onkels oder die staubigen Bücher seines Vaters, wollte aber auch nicht gelangweilt dasitzen, wenn er wegen einer Mission oder anderen Gründen über Nacht blieb. Es war ein kleines, gebrauchtes Gerät, das er als zusätzliche Bezahlung für eine erfolgreiche Mission erhalten hatte. Der Geldgeber war nicht besonders wohlhabend, wollte aber seinen alten Fernseher loswerden und bot diesen als einen Teil der Zahlung an. Der junge Teufelsjäger war niemand der ein solches Angebot ausschlagen würde, vor allem da er und Kyrie selbst nicht viel Geld hatten und er sich sonst kein zweites Gerät leisten könnte. Es war für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Dante hatte sich zuerst über die zusätzlichen Stromkosten beschwert, was aber nur eine Farce war. Bei Neros nächster Übernachtung bemerkte er einen alten DVD-Rekorder neben dem Fernsehgerät und im Fach darunter waren sogar ein paar DVD's. Es waren gute Filme dabei. Viele Aktion-Klassiker, die Nero noch nicht kannte, aber zu dem Geschmack des legendären Teufelsjägers passten. Es schien, als hätte er auch seinen Bruder dazu gezwungen das Buch wegzulegen und der Sache eine Chance zu geben. Jedenfalls schien die einzige DVD, die nicht zu dem Rest passte, seine Annahme zu bestätigen. Nach allem was er von Dante wusste, glaubte er nicht, dass er sich freiwillig eine DVD von 'Tschaikowsky Schwanensee – The Royal Ballet' kaufen würde.
Nero hatte zwar mehr Erfahrung über die Popkultur als sein Onkel, aber auch nur weil es ihn selbst interessierte was es in dieser Welt noch so gab. Fortuna war vor dem Savior-Vorfall abgeschottet gewesen. Es gab weder Fernsehen, noch Spielekonsolen. Musik von Außerhalb war ebenfalls verboten. Ein Verbot, an das sich der damals noch junge Nero selten hielt. Sehr zum Missfallen von Credo, der dem jungen Teenager damals mehr als nur einmal damit drohte seine Kopfhörer zu beschlagnahmen, wenn die Lautstärke zu hoch war und die abgespielte Musik deutlich zu hören war.
Neros Blick ging vom Fernseher zu den Schreibtischen. Seit dem Vergil bei Dante wohnte, war der Bürokomplex, der auch als Wohnzimmer genutzt wurde, gereinigt worden. Patty war überrascht, als sie eines Tages wie immer unangekündigt vorbeikam und nicht auf den üblichen Dreck und Gestank stieß, sondern alles gründlich gereinigt und organisiert war. Nicht einmal sie wusste, dass die Holzdielen des Büros eine so helle Farbe hatten und das die Flecken nicht allesamt zum Muster des Bodens gehörten! Neben Dantes immer noch teils unorganisierten Arbeitsplatz war nun in der Ecke, in der früher ein Zweisitzer stand, ein weiterer Schreibtisch. Dieser war vom Stil ähnlich wie Dantes, weswegen er zur Einrichtung passte, nur das dieser aufgeräumt und organisiert war. Hinter dem Schreibtisch stand eine riesige Bücherwand, die bis unter die Decke reichte und einige dicke Wälzer in verschiedenen Sprachen beherbergte. Nero ging davon aus, dass sogar welche in dämonischer Schrift darunter waren, da diese Sammlung seinem Vater gehörte. Auf Vergils Schreibtisch lag neben vielen Büchern und Magazinen, ein aufgeklappter Laptop. Nero erinnerte sich noch gut daran wie er seinem Vater erklären musste wofür das Gerät war und wie man es benutzte. Keiner der Zwillinge hatte vorher einen Computer benutzt, aber Vergil musste zugeben das es sein Arbeit vereinfachte. Im Gegensatz zu seinem Bruder ging er nicht auf die Jagd nach Dämonen, sondern sammelte und handelte mit magischen Artefakten. Es war weitaus lukrativer als die Dämonenjagd, weswegen es neben neuen Einrichtungsgegenständen, sogar eine neue Küche gab, da Dantes alte Küche ein Chaos war. Der Kühlschrank roch nach so vielen Dingen, die Nero nicht benennen konnte und wollte. Der Herd, so selten er wohl benutzt worden war, war teilweise zerstört und angeschmort. Dante hatte wohl versucht etwas zu kochen, was aber in Flammen aufging und der Halbdämon wollte, in typischer Sparda-Familientradition, das Feuer löschen indem er auf es einschlug. Die Arbeitsplatten waren alle verklebt und verdreckt gewesen und eher eine Ablage für leere Flaschen und Pizzakartons. Aus diesen Gründen war Nero froh das es eine neue Küche gab. Sein Vater bereitete selten gewöhnliches Essen zu, hatte aber keine Lust seinen Tee in einer solchen Ruine zuzubereiten. Zumal selbst Dämonenfleisch wohl gekühlt besser haltbar war. Jedenfalls ging Nero davon aus, da er ein halb angefuttertes Bein eines unbekannten Dämons im Kühlschrank gefunden hatte, wobei er eigentlich nur auf der Suche nach Milch für seinen Kaffee war. Gefunden hatte er neben der Milch und dem Bein noch eine angefangene Pizza und eine Glasflasche mit einer verdächtig nach Blut aussehender Flüssigkeit. An diesem Tag schwor er sich nur das aus dem Kühlschrank zu nehmen, was er selbst zuvor reingelegt hatte.
Das Fernsehprogramm wurde nicht besser, weswegen Nero eine andere Beschäftigung suchte. Sein Blick ging zu Dante, der auf einem Teppich in seiner Dämonengestalt eingerollt vor einem Heizlüfter lag und döste. Es war ein ungewohnt häuslicher Anblick, als er mit dem Yamato-Express vor wenigen Stunden im Devil May Cry ankam und seinen Onkel so vorfand. Dem älteren Zwilling schien die Untätigkeit nicht zu stören. Er meinte irgendwas, das Dante in den letzten Tagen stets für Nahrung und Sicherheit des Nestes gesorgt hatte. Er habe seinen Wert als Alpha und Besitzer ihrer Höhle fürs erste bewiesen. Nero wusste zwar nicht was sein Vater damit meinte, beschloss aber zu nicken und es in die Kategorie 'irgendein Dämonenkram' zu schieben. Wenn die Zwillinge sich mal nicht stritten, war er zufrieden.
Ein verspieltes Trällern und gelegentliches Grunzen war neben dem Fernseher die einzige Geräuschkulisse. Neros Blick ging zu Vergil, der vor dem Bücherregal stand und schweigend eines der Bücher studierte. Der älteste Zwilling war, bis auf seinen dämonischen Schwanz, in seiner menschlichen Gestalt. Das lange, schuppige Glied wippte gemächlich, was nicht an dem Gefühlszustand seines Besitzers lag, sondern weil ein gewisser Jemand den Dämonenschwanz als Beute beanspruchte. Sein dämonisches Ich sprang immer wieder um die Schwanzspitze, jagte dieser nach und versuchte sie zu fassen. Mit aufgeplusterten Astralflügeln stürzte er sich auf seine Beute. Vor Freude und im Glauben diese gebändigt zu haben trällerte er erneut und öffnete seinen Mund so weit er konnte, um im nächsten Moment in eine der Schuppen zu beißen. Grunzend versuchte er sich zu halten, doch leider war der Umfang von Vergils Schwanz weitaus größer und die Schuppen für seine kleinen Reißzähne viel zu widerstandsfähig, als das er Erfolg hatte. Eher sabberte er die Schuppen voll, anstatt Schaden anzurichten. Vergil hatte beim Biss keinerlei Reaktion von sich gegeben, sondern weiterhin in seinem Buch gelesen als wäre nichts passiert.
Es war nun schon eine Woche her seitdem sich Nero in Dämon und Mensch gespalten hatte. Nach der Kuschelrunde, die ihm sehr gefallen hatte, auch wenn er es nicht einmal unter Androhung seines Todes zugeben würde, hatte ihn Vergil mit der Yamato zurück nach Fortuna gebracht. Da er die Woche nichts gehört hatte von den Zwillingen, bis auf die Bestätigung von Dante das Vergil sich schlau machen würde, hatte er sich entschieden sie zu besuchen. Der rote Dämon meinte, er war immer Willkommen und wenige Minuten nach seinem Anruf, schickte ihn auch schon ein bekannter Dimensionsriss ins Devil May Cry. Viel hatte sein Vater nicht in Erfahrung bringen können, da seiner Meinung nach die Recherche Zeit kosten würde, was den Jüngeren nicht störte. Es beruhigte ihn überhaupt Hilfe zu bekommen und viele Probleme hatte er seit der Trennung auch nicht gehabt. Im Gegensatz zu V. Es ging ihm gut und Vergil bestätigte ihm, dass seine Lebensenergie unverändert war. Seine Gedanken dazu waren, dass Nero als Vierteldämon mehr Mensch als Dämon war und durch sein spätes Erwachen am Qliphoth nicht so eng mit seiner Dämonenseite verbunden sei, wie er selbst oder Dante. Sein Vater war ein Halbdämon und konnte seit seiner Kindheit den Devil-Trigger nutzen, weswegen sich Mensch und Dämon so eng verbunden hatten und ihre Lebensenergie teilten, weswegen die Trennung auf Dauer für den menschlichen Teil tödlich war.
Nero konnte sich nicht mehr in seine Dämonengestalt verwandeln, hatte aber noch genug Kraft und Widerstandsfähigkeit um seine Waffen zu benutzen um seinen Job als Dämonenjäger nachzugehen. Er musste zugeben, ohne Flügel und die Möglichkeit Dinge von Weiten mit seiner Hand zu greifen, war es etwas umständlicher, aber trotzdem machbar. Ein Mensch zu sein, wenn auch mit Vorzügen, war für Nero weniger ein Grund zur Besorgnis. Im Gegensatz zu den Zwillingen, war er weniger offen für sein dämonisches Erbe. Dies lag auch zum größten Teil an seiner Erziehung, da Fortuna trotz der Anbetung Spardas Dämonen feindlich gesinnt war und die Menschen Nero schon früher stets mit Misstrauen wegen seiner Andersartigkeit begegneten. Kyrie hatte ihm immer wieder versichert, dass er trotz Dämonenblut eine gute Person war und sich für sie mit der Offenbarung seiner Herkunft nichts geändert hatte. Der Umgang mit Dante, seinen Freunden und später auch mit Vergil schien ebenfalls geholfen zu haben, den Dämon in sich etwas mehr zu akzeptieren. Trotzdem nagte an ihm ein kleiner Restzweifel und die Sorge, wegen seines Dämonenblutes, seine Liebsten in Gefahr zu bringen.
„Ahya~!“, rief der kleine Dämon und flatterte aufgeregt mit den Flügeln, als Vergils Schuppenglied sich um seine Taille schlang und ihn hochhob. Vor Freude quietschend, streckte er Arme und Flügel aus, während er durch die Luft getragen wurde. Nero beobachtete das Spiel und war überrascht, dass Vergil den kleinen Dämon nicht schon längst in die nächste Welt gejudgmentcuttet hatte, sondern das Spiel mit Geduld und Anmut ertrug und sich sogar daran beteiligte. Immer wieder wurde das Dämonenkind in die Luft gehoben und tat so als würde es fliegen. Diese Fähigkeit schien er wohl noch nicht erlernt zu haben. Nero hatte gedacht, ein strenger und schweigsamer Mann wie Vergil, würde sich auf den Spieltrieb eines Kindes nicht einlassen. Er hatte immer eine kalte und distanzierte Aura um sich und wirkte damit wie jemand, der sein Kind eher von der Schaukel stieß, anstatt es anzuschieben. Dies schien sich als Irrtum herauszustellen. Vergil war ein guter Vater, beziehungsweise ein guter Dämonenvater. Er hatte immer einen wachsamen Blick auf sein Junges, baute ein Nest und schien auch sonst die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen, wenn man bedachte wie aufgeweckt es herumtollte und keinerlei Anzeichen zeigte, dass ihm etwas fehlte oder beunruhigte.
Die freudigen Schreie des kleinen Dämons ließen Neros Gedanken wandern. Wie jedes Waisenkind hatte er sich gefragt, wie das Leben wohl mit Eltern sein würde. Nun fragte er sich, wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn Vergil von ihm gewusst hätte. Wäre er bei seiner Mutter geblieben? Wäre er als Dämon oder als Mensch erzogen worden? Sicher wäre Vergil geblieben. Jedenfalls schien Dante davon überzeugt zu sein. Kurz nach der Rückkehr der Zwillinge, führte er mit dem Jüngeren ein Gespräch. Neben einem Arschtritt, weil er 5 Jahre lang von ihm belogen wurde, stellte er Fragen über seinen unbekannten Vater. Laut Dante war Vergil jemand, für den Familie und die gemeinsame Blutsbande eine Bedeutung hatten. Er wäre geblieben und hätte Nero mit seinem Leben beschützt. Dieser wollte darüber lachen, da das nicht mit dem Bild des Dämons übereinstimme, den er am Qliphoth kennengelernt hatte. Er entschied sich jedoch bei dem ungewohnt ernsten und auch melancholischen Blick seines Onkels für ein zögerliches Nicken. Während er die Interaktion zwischen Dämonenkind und Dämonenvater beobachtete, schienen Dantes Worte an Glaubwürdigkeit zu gewinnen.
„Kyaaa~~“, trällerte der kleine Dämon und wurde nach ein paar Runden abgesetzt. Da Vergils Schweif nicht mehr mit ihm zu spielen schien, suchte er sich ein neues Ziel. Mit ausgestreckten Armen rannte er zu Dante, der immer noch zufrieden vor dem Heizer döste. Anstatt Angst vor der riesigen, roten Bestie zu haben, die ihn mit einer Bewegung töten könnte, kletterte er den massigen Dämonenkörper herauf. Am höchsten Punkt angekommen, begann er Dante als Rutsche und Klettergerüst zu missbrauchen. Dieser gähnte nur kurz und ließ sich nicht durch das Spiel des Kindes von seinem Nickerchen abhalten. Verschlafen positionierte er seine Schwingen neu, damit das Kind sich bei seiner Aktion nicht verletzte. Der kleine Dämon rutschte ein paar mal die Flügel hinunter, bis er ein anderes Ziel fand. Mit dem Hintern am Boden aufgekommen, schüttelte er sich kurz und kroch zu dem Gesicht des schlafenden Dämons. Mit den eigenen Hörnern rieb er sich gurrend an dessen Kopf. Einen Moment später umfasste seine Astralhände die Hörner des roten Dämons, während seine normalen Klauen Halt an den geschwungenen Schuppen des Kopfes fanden. Freudig öffnete er den Mund und begann damit an den dunklen Hörner des Dämonenjägers zu kauen. Im Gegensatz zu Vergils Schweif waren diese nicht so breit und wendig, weswegen das Kind zufrieden Grunzte. Interessiert und ein wenig überrascht beobachtete Nero die Szene und fragte sich ob Dante das ständige Knabbern nicht unangenehm war. Dieser regte sich aber kein Stück und hatte schien nichts dagegen als Kauspielzeug herzuhalten. Anscheinend würde nicht einmal eine Explosion ihn von seinem Nickerchen abhalten!
„Da die Spaltung nicht aus eigenem Antrieb erfolgte, sondern durch Auswirkung von Außen, kann diese nicht durch ein einfaches Erstechen rückgängig gemacht werden.“ Der ältere Zwilling hatte das Buch wieder in das Regal geschoben und sich mit einer Tasse Tee auf das Sofa gesetzt. „Oh...“, gab Nero ziemlich unwürdig zurück, da er mit seinen Gedanken ganz woanders war. Vergil nippte nur an seiner Tasse und kommentierte die Unachtsamkeit, zu Neros Glück, nicht. „Im Normalfall wäre eine Spaltung nicht möglich gewesen. Es kommt immer wieder vor das Doppelgänger erschaffen werden, aber eine Spaltung ist selten.“ „Ah du meinst wie mein Schatten damals im Temen-Ni-Gru?“, unterbrach Dante und öffnete verschlafen die Augen. „So ist es. Durch die Magie des Raumes wurde ein Doppelgänger erschaffen, der sich mittels Schatten fortbewegen konnte. Es hat dir aber damals nicht deine dämonische Hälfte genommen.“ „Nein, das hat es nicht. Er war schnell besiegt als ich im Trigger war.“ Grinsend setzte sich Dante auf und streckte sich kurz, was dazu führte das der kleine Dämon nicht mehr an die Hörner herankamen. „Ahn~!“, beschwerte er sich, was ein Lachen vom roten Dämon einbrachte, der ihn auf seinen Schoß zog.
„Es handelte sich um eine unausgereifte Kopie.“, warf Vergil ein. Inzwischen bot Dante dem Jüngeren seinen Zeigefinger an. Dieser gurrte zufrieden und begann sofort den angebotenen Finger eifrig zu beknabbern, während er es sich in Dantes Armen bequem machte.
„Uh.. nun ja. Aber das ist ja keine Kopie.“, meinte Nero, der auf das Kind zeigte. Zustimmend nickte Vergil. „Es gäbe die Möglichkeit eines Rituals. Menschen versuchen dadurch eine Transformation in einem Dämon zu vollziehen, was aber eher damit Endet, dass sie von dämonischer Energie besessen werden.“ „Uh, Arkham. Ich erinnere mich. Er hat so viel geredet! Ich mochte ihn nicht.“ „Meine Erinnerung ist schemenhaft, aber sein Frevel, sich in eine unwürdige Kopie von Vater zu verwandeln ist mir leider noch deutlich im Gedächtnis geblieben.“, stimmte Vergil zu und verengte die Augen. Nero blickte zwischen den beiden hin und her. Von Temen-Ni-Gru hatte er nur Bruchstückhaft etwas gehört, aber ihm fehlte dennoch eine Menge Kontext um dem Gespräch zu folgen. Er wagte es nicht zu fragen, da die Zwillinge nur selten etwas von ihrer Vergangenheit preisgaben.
„Verändern wir das Ritual zu unseren Gunsten, ist es Möglich euch beide zu vereinen.“ Nero schwieg für einen Moment und dachte über die Möglichkeit nach alles so zu belassen wie es war. Schlussendlich nickte er Vergil zu, da er sich nicht sicher sein konnte das doch noch Nebenwirkungen auftreten würden. Schließlich waren Spaltungen des eigenen Selbst nicht gerade Alltag und barg Risiken. „Also machen wir dieses Ritual? Aber..., wie?“ „Anstatt von dämonischer Energie besessen zu werden, kann das Ritual auf euch beide umgelenkt werden, da ihr immer noch Blut miteinander teilt. Eure Macht wird sich vereinen wollen. Der Vorgang ist sehr Aufwendig und benötigt einige Zutaten.“ „Heißt wohl ein bisschen Suchen, was?“ Vergil nickte seinem Bruder zu und nahm einen weiteren Schluck Tee. „Wir sollten das nicht alles überstürzen. Am Besten du machst eine Liste was gebraucht wird und wir überlegen uns wie wir es bekommen.“, schlug Nero vor. „Sehr vernünftig, Nero.“, lobte Vergil seine Einsicht, was den Jüngeren erleichtert seufzen ließ. Er war froh eine mögliche Lösung seines Problems zu haben und war den Älteren dankbar, schien es selbst aber noch nicht eilig zu haben die Umstände zu ändern. „Lass uns einen Film schauen! Ich habe was neues mitgebracht!“, schlug er vor um die aufkeimende Stille zu füllen und holte eine DVD aus seinem Rucksack. „Nicht noch so ein lärmendes Stück. Es wäre ratsam sich der Literatur und deiner Bildung zu widmen, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen. Die ganze Technik lässt den Geist verrotten!“ Nero hustete und versuchte sein Lachen zu unterdrücken. Anstatt seinem Vater zu sagen, dass er für solche Ansprachen ein paar Jahre zu spät dran war, räusperte er sich nur. „Ach komm schon. Du kannst mir nicht sagen, dass du die ganzen Neuerungen nicht magst. Was ist mit deinem Laptop? Du scheinst gut mit ihm klarzukommen.“
Vergil schwieg für einen Moment, nickte dann. „Diese Gerät...“ „Laptop.“ „...erinnerte mich sogar an Teilnahmen an Gewinnspielen, die ich wohl vergessen hatte.“ Nero horchte auf. „Ehm..., waren das E-Mails, in denen du deine Daten angeben musst?“ Vergil nickte und Nero stöhnte. Natürlich würde sein Vater den Sinn von Spam und Betrugsmails nicht verstehen. Immerhin musste ihn auch davon abhalten den Laptop mit seinen Spektralschwertern zu durchbohren, weil dieser die Warnung ausgab kaum noch Energie zu haben. Das nahm der älteste Sparda nicht gut auf und Nero musste ihm erklären das diese Geräte aufgeladen werden mussten und er zeigte ihm auch gleich wie. Er war erleichtert, dass er die Voraussicht besaß den Zwillingen das Internet nicht gezeigt zu haben, sondern nur wie man E-Mails schrieb und die Schreibprogramme nutzte. Er wollte sich nicht ausmalen was passierte, wenn Vergil oder Dante das World Wide Web fanden. Dafür waren er und vor allem das Internet nicht bereit! „Wirklich gut das du da mitgemacht hast, Verge! Seitdem haben wir richtig gute Erdbeershakes! Jackpot!“, freute sich Dante. „Hast du wirklich einen Preis bekommen?“, hakte Nero verwirrt nach. Handelte es sich doch nicht um Spam? „So ist es, auch wenn die Nachricht irreführend war. Man hatte mir versichert mir meinen Preis postalisch zukommen zu lassen, doch nach der Frist hatte ich nichts erhalten. Dann habe ich mich selbst darum gekümmert. Es war irritierend, wie aufgebracht die Menschen waren.“ Nero kratzte sich an der Wange. „Kann es sein, dass du mit der Yamato ein Portal dorthin geöffnet hast?“ Wollte er das wirklich wissen? Er ahnte Übles. „Dumm Nero, wirklich dumm! Natürlich habe ich ein Portal erschaffen. Es stellte sich heraus das die Herausgeber des Gewinnspiels auf einem anderen Kontinent beheimatet waren. Zwar ist meine Erinnerung an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben nicht vorhanden, aber ein Sohn von Sparda lässt seine Beute niemals entkommen!“
Nero schlug sich mit der Hand an die Stirn. Zumindest wusste er nun, weswegen er in den letzten Wochen erstaunlich wenig Spam erhalten hatte. Der Vorfall hatte sich wohl in den Kreisen herumgesprochen. Wer konnte es ihnen auch verübeln? Ein wütender Halbdämon, der aus dem Nichts mit einem Katana erschien und seinen Preis beanspruchte, war durchaus ein einprägsames Erlebnis.
„Nyu~~~“, gurrte Neros dämonische Hälfte und kratzte sich müde am Bauch, während er weiterhin zufrieden an Dantes Finger knabberte. Nero nickte bestätigend. Das war das sinnvollste, was er in den letzten 5 Minuten gehört hatte.
Chapter 3: An old man's suffering
Notes:
Dante our wacky woohoo pizza man! <3
Chapter Text
„Chow, chow..“
Die Klinge schnitt durch das Grün, kam auf dem Brett zum Stehen.
„Chow, chow.“
Mit geübter Bewegung ein erneuter Schnitt und der Kohl wurde in Scheiben zerteilt. Der kleine Dämon grinste, zappelte freudig auf seinem Tritthocker. Er ging auf Zehenspitzen, um mit dem Kinn über die Arbeitsfläche zu ragen. Vier Hände, 2 aus Fleisch und Blut und 2 durchsichtige, klammerten sich an den Rand der Arbeitsfläche und gaben den benötigten Halt. Große, goldene, neugierige Augen beobachteten wie das Gemüse zerfiel, bevor er seinen Blick auf Kyrie richtete, die direkt neben ihm stand, mit dem Messer in der Hand. Sie erwiderte den Blick mit einem sanften Lächeln und hob das Messer. Ihr junger Begleiter hob den Kopf und sank ihn wieder, ahmte die Bewegung des Messers beim Schneiden nach, während er gebannt auf das Geschehen achtete.
„Chow, chow.“, ahmte er die Schnittgeräusche nach.
Kyrie beendete ihre Arbeit und räumte das Messer in die Spülmaschine. Den kurzen Moment, dem man ihm den Rücken zuwandte, nutzte das schelmische Kind und streckte die Spektralhände aus, um einen Teil des Kohls zu fassen. Im Normalfall wäre er durch sein Größe niemals ohne Aufsehen zu erregen an die begehrte Beute gekommen. Zu seinem Glück war er kein gewöhnliches Kind und mit ein paar Spektralschwingen gesegnet, dessen Hände das Schneidebrett erreichten und es in Griffweite zog. „Oh, nein.“, murmelte Kyrie, aber es war zu spät. Mit geschickten Handgriffen war die Hälfte des Kohls schnell entwendet und in den Mund geschoben. Natürlich passte nicht alles in das kleine Maul, weswegen einiges auf den Boden fiel. Lange Freude hatte der kleine Nero an seiner Eroberung nicht, da er feststellen musste das ihm die Konsistenz des Kohls nicht gefiel und der Geschmack viel zu bitter war! „Wäh!“ Mit ausgestreckter Zunge ließ er alles aus dem Mund fallen. Die Spektralhände waren dabei die Reste von der Zunge zu reiben, während er die normalen Hände schüttelte als hätte er etwas wirklich ekelhaftes angefasst.
„Woah! Woah! Mach der hübschen Lady nicht noch mehr Arbeit!“, schimpfte Dante lachend. Mit einem Korb voller Kartoffeln in der Hand, war er in die Küche gekommen und hatte noch gesehen wie Nero alles ausspuckte. Der Korb wurde auf dem Tisch abgestellt, mit einem entschuldigenden Blick an Kyrie. „Es ist in Ordnung. Ich habe einen Moment nicht aufgepasst.“, antwortete sie und bedankte sich für die Kartoffeln, die er ihr gebracht hatte. Zuerst gefreite sie den jungen Nero, dann den Küchenboden vom Kohl. Alles was keine Kau- oder Sabberspuren hatte wurde gewaschen und wieder zurück gelegt, der wenige Rest entsorgt. Mit einem nassen Lappen ging sie erneut vor dem Dämon in die Hocke, fasste ihm unters Kinn und zog das Gesicht zu sich. Sehr zu dessen Missfallen, begann sie sein Gesicht zu reinigen. Für eine zierliche Frau war ihr Griff fest, sodass alles jammern und zappeln nichts half. Kyrie war entschlossen das er sauber sein sollte. Schmollend sah er zu ihr hoch, als sie nach getaner Arbeit von ihm abließ und den Lappen auswusch. „Du bist zu nett. Wie kommt so ein Punk wie Nero nur an so eine Heilige wie dich?“, neckte Dante grinsend. Kyrie winkte lachend ab, an die Scherze des alten Dämons schon längst gewöhnt.
Angeregt unterhielten sich die Erwachsenen, während Nero auf einen der freien Stühle kletterte und in den Korb griff, nur um sich als nächstes eine Kartoffel in seinen Mund zu schieben. Unzufrieden grunzte er, da diese auch nicht schmeckte und seiner Meinung nach viel zu hart war. Sein Minireißzähne steckten in der Kartoffel fest weswegen er sie nicht mehr aus seinem Mund bekam. Kyrie blickte etwas geschockt auf die Szene, Dante schüttelte lachend den Kopf. Er packte das Kind am Nacken und setzte es sich auf seinen Oberschenkel. Mit einem Handgriff war die die Kartoffel aus dem Maul, während der andere Arm um der Taille des Kindes lag. Befreit von seiner Not, machte Nero greifende Hände in Richtung Kartoffel, die Dante aus seiner Reichweite legte. „Ah... Ah!!“, beschwerte sich das kleine Nestling. Dante grunzte nur, zwickte dem Kind in den Nacken, was sich danach schüttelte und mit großen Augen und einem Schmollmund zum älteren Dämon blickte. „Wenn dein Dad wiederkommt und erfährt das ich es nicht verhindert habe, dass du an einer Kartoffel stirbst, tötet er mich.“ „Vielleicht hat er Hunger.“, versuchte Kyrie das Verhalten des Kindes zu erklären, das begonnen hatte an Dantes schwarzem Tanktop zu ziehen. „Näää. Bevor Vergil wegging, hat er ihn gefüttert.“, erklärte er und ließ das Kind auf seinen Oberschenkel hüpfen, dachte dabei an das heutige gemeinsame Frühstück mit seinem Zwilling.
Dieser hatte ein Jobangebot erhalten, in dem es darum ging ein Artefakt aus einem Grab zu bergen. Angeblich wurde es vor langer Zeit für Rituale benutzt oder so. Dante hatte nicht genau zugehört als es um die Details ging. Erst wollte Vergil nicht gehen, doch sein jüngerer Bruder hatte ihn dazu ermutigt und versichert das er auf das Kleine aufpassen konnte. Natürlich konnte der Ältere seinen Spott darüber nicht ganz unterdrücken. Sei Dante doch selbst noch ein kleines Kind.
Vergil würde es nicht zugeben, aber er war auf einer Seite dankbar diesen Job annehmen zu können. Es juckte ihn schon seit längerem wieder in den Fingern auf die Jagd zu gehen. Wenn Dante nicht verfügbar wäre um auf den kleinen Nero aufzupassen, hätte er ihn einfach mitgenommen. Für ihn war es normal sein Nestling nah am Körper zu halten und wenn nötig, dabei zu kämpfen. In der Dämonenwelt gehörte das zum Alltag. Die Nestlinge hingen immer an einem Elternteil oder Vertrauten und waren Teil des aktiven Lebens. Es war nicht ungewöhnlich das ein Junges an der Brust eines Dämons schlief, während dieser gerade jemand anderen ausweidete. Dante wies jedoch darauf hin, das es für die Kunden ziemlich verstörend wäre, wenn Vergil – egal in welcher Gestalt – mit einem Kind am Körper sich durch irgendwelche Gräber schnetzelte. Die Antwort des älteren Zwillings war irgendein undeutliches Murren über die seltsamen Ansichten der Menschen. Am Ende überließ er Dante das Nest und war zur Arbeit gegangen. Der Teufelsjäger schnappte sich darauf den kleinen Nero und entschied das sie zusammen den großen Nero besuchen sollten. Es machte Spaß diesen zu ärgern und als guter Onkel war es seine Aufgabe seinen Neffen zu belästigen! Dieser war leider gerade auf dem Markt mit den Waisenkindern, um für Kyrie Einkäufe zu erledigen, sodass er nur die Herrin des Hauses antraf. Diese hatte ihn und sein Anhängsel natürlich freudig Willkommen geheißen. Während Dante sich als Gemüseträger verpflichtete und die schweren Kartoffeln ins Haus trug, hatte Kyrie mit dem Kochen begonnen und ein wachsames Auge auf das dämonische Miniformat ihres Liebsten.
„Ich verstehe. Vielleicht verwirren ihn die ganzen neuen Eindrücke oder er vermisst seinen Vater. Als ich klein war und meine Eltern zur Arbeit gingen, habe ich sie auch sehr vermisst.“ Mitfühlend kraulte sie dem Kind die Hörner, wissend das er es mochte. Im nächsten Moment begann Nero auch schon zu schnurren und presste den Kopf in Dantes Brust. Dieser lächelte schief und wagte es nicht Kyrie zu korrigieren. Sicher schien das Kind Vergil irgendwann zu vermissen, doch die Gerüche waren noch ziemlich frisch, weswegen Dante den Punkt ausschloss. Zumal der Teufelsjäger durch das gemeinsame Nest im Schlafzimmer und des Zusammenlebens den Geruch mit seinem Bruder teilte. Durch die Tatsache das er seinen Unterschlupf mit ihnen teilte, Vergil seine Nähe akzeptierte und damit Nero die nötige Fürsorge zukommen ließ, hatten sie eine aus dämonischer Sicht mehr eine elterliche Bindung geknüpft als eine Onkel-Neffen-Bindung mit dem älteren Nero. Da der junge Nero ein kompletter Dämon war und sein Vater im Geiste ebenfalls, da er mehr Zeit in der Unterwelt verbrachte als unter Menschen, hatte ihre Dynamik etwas völlig anderes. Dante musste zugeben, seitdem er sich seiner dämonischen Hälfte nicht mehr versperrte, schien er laut den Mädels weitaus zufriedener als zuvor. Nicht nur das er endlich seinen geliebten Zwillingsbruder nach mehr als 30 Jahren endlich wieder bei sich und damit seine Familie wieder zurück hatte, er hatte endlich einen Platz gefunden. Ein Platz im eigen Rudel. So wie es immer sein sollte.
Zufrieden gurrte Dante, was Kyrie kichern ließ. Spielerisch tätschelte sie ihm ebenfalls den Kopf, was dem Halbdämon sein übliches verspieltes Grinsen auf die Lippen zauberte. Nero rutschte derweil vom Schoß und sprang seine nächste Beute an, eine Zwiebel. Kyrie wollte ihn aufhalten, doch Dante schüttelte nur amüsiert den Kopf und ließ es geschehen. Voller Euphorie biss das Kind in die Zwiebel, nur um im nächsten Moment die Miene zu verziehen und alles wieder Lautstark auszuspucken. „Hab's dir gesagt, Kleiner. Steck dir nicht alles in den Mund.“ Gekränkt, als hätte ihn die Welt selbst verraten, da es hier anscheinend keine anständige Beute gab, plusterte er die Schwingen auf und zog einen Schmollmund. Lachend stand der ältere Dämon auf und räumte die Unordnung weg. Schließlich hatte er Kyrie davon abgehalten einzugreifen. Auch wenn ihm niemand glaubten wollte, er hatte Manieren. Dankeschön!
Bevor der kleine Jäger sich sein nächstes Ziel aussuchen konnte, hatte ihn Dante mit einer Hand hochgehoben und in die Luft gewirbelt, was ihm ein freudiges Quietschen einbrachte. Danach leckte er das Gesicht des Kindes ab, um die Zwiebelreste zu entfernen. „Gotcha! Zeit fürs Nest, junger Mann! Bevor du noch jemanden in die Wade beißt.“ „Nuuuuuu!“ Dante legte seine Stirn an die des Kindes. „Sei nicht so. Du lebst das beste Leben von uns allen! Du musst nicht arbeiten, sondern darfst den ganzen Tag mit Spielen, Essen und Schlafen verbringen! Niemand beschwert sich über dich, wenn du mehr als den halben Tag mit Pennen verbringst! Ich kann bis heute deinen alten Mann und die Mädels nicht davon überzeugen, das ich als gesunder Mann mein 12-stündiges Nickerchen brauche!“, beschwerte sich Dante stöhnend und kopierte Neros schmollendes Gesicht. Auge in Auge schmollten sie sich an, was Kyrie lachen ließ. „Könntest du mir bitte noch einen Sack Karotten aus dem Keller holen? Normalerweise macht Nero das, aber...“ „Kein Wort mehr. Dante ist zur Stelle!“, rief er lachend aus und ließ das Kind auf den Schultern hüpfen, das sich schläfrig die Augen rieb. Zuerst würde er sein Junges in das Nest legen, dann den starken Mann spielen und kiloweise Gemüse aus dem Keller holen, nur um sich dann ebenfalls in das Nest kuscheln und ungestraft ein paar Z's fangen! Das Leben konnte so schön sein! Jetzt nur noch Pizza und den Rest seiner Familie dabei! Oder noch besser: Seine Familie und Pizza im Nest! Das wäre der ultimative Jackpot! Mit einer Drehung um sich selbst tänzelte er aus der Küche und machte sich summend auf den Weg zur Garage. Kyrie lachte nur nachsichtig und begann die Kartoffeln zu schälen.
In der Garage stand der Minotaurus, Nico's unzerstörbarer Van. Er hätte schwören können, damals bei der Qliphoth-Sache, dass dieser Wagen eine Teufelswaffe sei. Das er ohne Probleme durch Wände fuhr, unebene Straßen und zusammenbrechende Dämonenpflanzen ohne dabei einen Kratzer oder Vollschaden zu erleiden war ein Wunder. Obendrein überlebte er auch noch Nico's unnachahmlichen Fahrstil. Das war nicht natürlich! Nach dem ganzen Apokalypsen-Vorfall hatte Vergil der Mechanikerin als Dank, da sie V mitgeschleppt hatte und er ihr nichts schuldig sein wollte, ein dämonisches Material gegeben. Wenn auch unter Neros lautstarken Protest, da er der Sache nicht vertraute. Nico interessierte sich wenig für die Einwände ihres besten Freundes. Die Aussicht auf Dämonen-Shit, wie sie es nannte, war genug um sie in Ekstase zu bringen. Ähnlich wie sein Chavalier, hatte die junge Frau das Material mit ihrem Van verbunden und damit die Unzerstörbarkeit des Fahrzeugs für alle Ewigkeit sicher gestellt. Das Vergil damit nun einen verrückten, aber lebenslangen Freund gewonnen hatte, war ihm nicht bewusst. Für ihn war das Material nicht zu gebrauchen und es war in seinem Sinne nur natürlich es einer Person zu geben, der er was schuldete und einen Nutzen aus dem Material ziehen konnte. Sein Bruder konnte manchmal so herrlich naiv sein. Es war immer wieder witzig mit anzusehen wie Gefühle und Vergil aufeinander reagierten!
Als Nero vor einiger Zeit Nico erklärte, dass sie wahrscheinlich zu dritt irgendwelches Zeug für Rituale suchen mussten, hatte die Mechanikerin es sich nicht nehmen lassen ein paar Verbesserungen an dem Van vorzunehmen. So viele Mitfahrer, darunter gelegentlich zwei in dämonischer Gestalt, passten einfach nicht gemütlich ins Innere des Van's. Niemand wollte in so beengten Verhältnissen reisen und Vergil hasste es so viel ungefragten Körperkontakt zu haben. Bevor sie an ihrem Ziel ankommen würden, wäre sicherlich noch jemand erdolcht worden. Mit 100%tiger Wahrscheinlichkeit der jüngere Zwilling! Aus diesem Grund war Dante froh über die neueste Neuerung, die am Gepäckträger des Van's befestigt war und ihm nun etwa die doppelte Höhe bescherte. Dante erinnert sich noch gut an den Tag an dem es ihm und seinem Zwilling präsentiert worden war.
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„Tadaaa! Und was sagste, Demon-Daddy? Ist doch fancy!“ Gemeinsam standen die Zwillinge mit beiden Neros in der Garage und ließen sich von Nico ihre neueste Kreation zeigen. Naja, nicht alle waren so interessiert auf das was die Mechanikerin ihnen zeigen wollte. Der jüngste der Gruppe fand die Reifen, die in auf dem Boden lagen viel interessanter. Seit der Dämonisierung des Van's, benötigte Nico keine gewöhnlichen Reifen mehr und musste sich um den Austausch keine Sorgen mehr machen. Wie Dantes Motorrad, waren die Reifen nun einfach da und es hieß bye bye Winter- und Sommerreifen!
Der junge Dämon sprang in die Mitte eines der Reifen, um von dort dann in den daneben liegenden zu springen. Dies klappte nur mittelmäßig, da die Reifen nicht die gewöhnliche Größe eines Kleinwagens hatten, sondern Nico damals, wie sie selbst sagte 'richtig fette Dinger' besorgt hatte. Dem Spaß tat es dennoch keinen Abbruch und der kleine Dämon vergnügte sich mit seinem Hindernisparcours. Er sprang, kletterte und rutschte immer wieder in die verschiedenen Reifen. Natürlich wurden sie im Vorfeld einmal beschnuppert und angeknabbert, aber am Schluss für äußerst unappetitlich befunden. Der junge Dämon wusste ja was sich gehörte! Der ältere Nero quittierte dies nur mit einem Kopfschütteln, als er sah wie sein jüngeres Ich zu ihm sah, die Zähne dabei im harten Gummi versunken. Wenigstens waren seine Zähne viel zu klein um effektiv Schaden anrichten zu können, weswegen sich der Ältere nur mit einem kurzen hochziehen der Schultern abwandte dem Kind seinen Spaß ließ. Irgendwann wunderte einen gar nichts mehr.
„Nun. Es ist sicher außergewöhnlich...“, begann Vergil und wusste nicht was er vor sich hatte. Auf dem Van war eine große, dunkle fensterlose Box angebracht, die das ganze Dach einnahm. Sie hatte einen Eingang, der mit einer Vorrichtung versehen war, was dafür sorgte das er sich nach dem Eintritt wieder zu einem etwa ein bis eineinhalb Meter Durchmesser großem Loch zusammenzog. Man konnte nicht in das Innere der Box sehen, da hinter dem Loch eine Art Vorhang oder so war. Es schien schien aus festerem Material, da es nicht knitterte. Wahrscheinlich um die Temperatur im Inneren zu halten, da es während der Fahrt sonst viel zu zugig wäre. Was wollte dieser seltsame Mensch damit überhaupt transportieren, fragte sich der ältere Zwilling. Die Box selbst schien aus stabilem Material. Er erkannte ein wenig von der dämonischen Legierung, was dieser Box wenigstens genauso viel Schutz gab wie dem Auto.
„Holy Shit! Ist das ein Kühlschrank? Können wir so viel Pizza zum Mitnehmen haben, wenn wir unterwegs sind?“, fragte der jüngere Zwilling, der bei der Aussicht auf so viel gutem Essen während der Mission von einem Fuß auf den anderen sprang. Überlasst es nur Dante in jedem Moment an so etwas fettiges wie Pizza zu denken, dachte sich Vergil und verschränkte die Arme vor der Brust. „What the Fuck! Alter Mann! Sieht das für dich so aus wie ein Kühlschrank?? Außerdem hat der Van bereits einen Kühlschrank!“, beschwerte sich Nero über die Dummheit seines Onkels. „Scheiße, nein!“, mischte sich Nico ein. „Das ist kein Kühlschrank! Das ist ein..., eh... Nest! Ja genau!“ Vergil sah noch einmal genauer auf die Box und erkannte nun eine gewisse Ähnlichkeit. „Wieso hast du ein Nest auf deinem Gefährt?“ Wollte sie brüten? Der blaue Zwilling dachte immer das Nico und Nero nur Freunde waren. Das sie jetzt ein Nest auf ihren Van hatte... Oder war es vielleicht für Kyrie und Nero? Das musste es sein! Nun, wenn sie es sich wünschte würde er die Qualität des Nestes überprüfen. Das würde er für seinen Sohn machen! „Nun, Mr. Daddy,“, begann Nico grinsend, was Vergil eine Augenbraue heben ließ. „Da der Van etwas zu klein ist für mehrere Dudes, plus eure gigantischen dämonischen Hintern – no offense, die sind wirklich knackig! - ist mir diese Idee gekommen! Während meine geniale Wenigkeit mit den Normies hier im Van sitzt, könnt ihr da oben euer Dämonenzeug machen! Alles ist 100% safe, Kindgerecht und so weiter! So haben Daddy und Baby Platz und meine Babe wird nicht mit den Eingeweiden eines alten Mannes versaut!“ „Hey!“, rief Dante, doch Vergil fiel ihm ins Wort. „Ich verstehe. Das ist sehr nachdenklich von dir.“ „Danke Mann!“, grinste Nico, verstand den Dank hinter diesen Worten und ging einen Schritt zur Seite. „Wenn du es testen willst. Noch gilt die Garantie!“ Vergil nickte, auch wenn er den Witz mit der Garantie nicht verstand und es deswegen abtat.
Keine Sekunde später hatte sich Vergil auch schon in seine markante Sin-Form verwandelt. Sein Schwanz ging um die Taille seines Kindes, das er aus einem der Reifen zu sich zog. Mit einem Biss in den Nacken hing der junge Nero wie ein Kätzchen und der blaue Dämon sprang auf das Nest. Dies hielt sein Gewicht ohne Probleme stand - Die Wunder der dämonischen Technik – und zog den Vorhang zu Seite, um sich im nächsten Moment durch den Eingang zu drücken. Dieser gab nach und Vergil hatte keine Probleme mit seiner ganzen dämonischen Pracht in das Nest zu klettern. Der Innenraum war ausgekleidet mit weichen Materialien. Nico war so nachdenklich und hatte eine Menge Kissen in den Innenraum gelegt. Da ihr Vater Dämonen studiert hatte, schien sie einiges aus seinen Forschungen über die Beschaffenheit eines Nestes gelesen zu haben. Vergil würde dennoch später einiges austauschen mit eigenen Materialien, in denen schon der heimische Duft verankert war. Die Kissen schienen von sehr guter Qualität und Weichheit. Er würde einige davon behalten. Er war niemand, der Qualität nicht zu schätzen wusste.
Vorsichtig setzte der Dämonenvater sein Junges ab, das sich nicht nehmen ließ das Nest zu erkunden. Er sprang in die Kissen, rollte sich sich durch das Nest und biss in eine Decke und zerrte spielerisch an ihr. Da alles gepolstert war, gab es keinerlei Gefahr was Verletzungen angeht, wobei es sich Vergil sich nicht hat nehmen lassen nochmal selbst alles zu Prüfen. Zufrieden mit seinem Eindruck ließ er den jungen Nero herumtollen. Es war ein guter Platz und gemütlich genug für 2 ausgewachsene Dämonen und ihrem Nestling. Apropos 2 Dämonen...
„Worauf wartest du noch? Beweg dich! Oder ich werde dafür Sorgen das dein Blut das erste ist was sich hier verteilt“, grunzte Vergil, was Dante grinsen ließ. Dieser schlug seinem Neffen freundschaftlich auf die Schulter, bedankte sich bei Nico und verwandelte sich ebenfalls in seine höhere Dämonenform und betrat das Nest. „Ich habe deine anmutige Stimme vernommen?“, begann er übertrieben und zog den Vorhang zu, den man an den Seiten festbinden konnte. So kam Luft hinein und der Fahrtwind blieb draußen. Zumal es ein weiteres Sicherheitsmerkmal war um kleine Nestlinge davon abzuhalten während der Fahrt aus dem Nest zu springen. Vergil entschied sich das er demnächst hemmende Runen anbringen würde, damit man von Innen nicht den Lärm von draußen mitbekam. Zudem wären einige Schutzrunen vielleicht auch nicht so schlecht, dachte er sich und sah zu Dante. „Benutzen wir auf einmal erwachsene Wörter?“
Schnaubend legte sich der blaue Dämon an den Rand, zog sein schläfriges Nestling an die Brust. Er würde eher sein eigenes Yamato fressen, bevor er zugab das es ihn störte, wenn er allein das fremde und geruchslose Nest einweihen müsste. Er wollte das sein nerviger Zwilling seinen Geruch ebenfalls verteilte und sich mit dem eigenen vermischte. „Du kennst mich. Ich bin immer für Überraschungen gut!“ „Das ist das Problem.“ „Autsch.“ Lachend legte sich Dante zu seinem Zwilling, hüllte diesen mit seinen Schwingen ein, sodass sie eng aneinander lagen und Nero sich an beide gleichermaßen kuscheln konnte. Seine Stirn legte er an die seines Bruders, der den Gefallen erwiderte und die eigenen Schwingen mit denen des anderen verschränkte, damit beide von den jeweils anderen bedeckt waren. Vergils Schwanz fand die Taille seines Bruders und gemeinsam bildeten sie einen Kokon aus blau und rot. Nero seufzte zufrieden. Geschützt zwischen zwei der mächtigsten Dämonen war er schnell eingeschlafen.
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Dante mochte das Nest. Sein Bruder hatte es schnell angenommen und die für ihn notwendigen Veränderungen durchgeführt. Neben einer Handrassel, die Kyrie eigentlich dem Chor im Waisenhaus spenden wollte, waren weitere Sachen dem Nest zugefügt worden. Ausgewählte Kissen und Decken, verschwitzte Shirts von denen Dante nicht einmal mehr wusste das er sie hatte und einen Beißring. Es hatte die Form einer Pizza, gesponsert vom besten Teufelsjäger der Welt! Dante war immer noch stolz auf sich diesen Beißring gefunden zu haben. Es war eigentlich nur ein Zufall. Er wollte sich eine Pizza von seinem Lieblingsladen holen und der Besitzer hatte seinen 6-monatigen Enkel dabei gehabt. Er fand es einen gelungenen Witz, das Baby interessierte sich nicht auf was es kaute und irgendwie war es auch noch gute Werbung. 'Pizza, hier so gut das selbst Babies sie haben wollen!'... oder so. Dante war auf jedenfalls begeistert, zumal er wusste das sein Bruder kein Fan von gekaufter Pizza war. Vergil verstand allgemein das Konzept von Fast Food nicht. Jemand, der sein ganzes Leben lang selbst gejagt hatte, war die Tatsache fremd, dass es Essen gab, das man einfach nur aufkochen musste. Nero hatte ihm ziemlich am Anfang nach dem Qliphoth-Vorfall angeboten eine Suppe zu kochen, da er von den vorher angebotenen Speisen erbrechen musste. Als der junge Teufelsjäger mit einer Tüte Hühnersuppe wiederkam und seinen Vater fragte ob er den Geschmack mochte, war dieser verwirrt. Da er seinen wiedergefundenen Sohn nicht vor den Kopf stoßen wollte, hatte er ihm die Tüte abgenommen und sie im Ganzen verzehrt. Ganz zu Neros Schock. Dante musste damals so lachen, das er sich beinahe einnässte! Besonders als Vergil erklärte das diese Suppe die seltsamste und trockenste war, an die er sich erinnern konnte. Was aber auch nicht viel bedeutete, da sich sein lieber Bruder an recht wenig aus der Vergangenheit erinnerte. Unnötig zu erwähnen das Vergil danach die 'Suppe' wieder erbrochen hatte und Nero ihm das Konzept 'Trockenprodukt' erklären musste.
Der kleine Nero hatte das Nest ebenfalls angenommen und da es nach Familie roch und er, falls er alleine aufwachen würde etwas Spielzeug von ihm hier war, hatte er keine Probleme für eine kurze Zeit alleine dort zu bleiben. Dante konnte den Vorteil ausnutzen um Kyrie die gewünschten Karotten zu holen. Immer wenn sie zu Besuch waren und Vergil einen ruhigen Rückzugsort nach genug Sozialisierung benötigte, hatte er sich mit seinem schlafenden Nestling hier her verkrochen, weswegen die letzte Duftmarkierung auch noch nicht so alt war. Vorsichtig legte er das bereits schlafende Kind in die Kissen, schob weitere Kissen und Decken zusammen um das es ordentlich zu polstern und ihm Wärme zu vermitteln. Am Ende war der kleine Dämon begraben und nur noch der Kopf ragte teilweise hervor. Erstickungsgefahr bestand zum Glück nicht. Normalerweise lag der Nachwuchs mit anderen Nestlingen, falls es welche gab, geschützt und halb begraben unter weichem Nistmaterial und den Körpern ihrer Beschützer.
Nachdem Dante den Vorhang gesichert hatte, spazierte er in den Keller und suchte das gewünschte Gemüse. Die Familie hatte viel eingelagert, was daran lag das sie nicht nur viele Mäuler zu stopfen hatten, sondern Kyrie ebenfalls immer frisch kochte und kein Fast Food mochte. Bevor Fortuna sich der Außenwelt geöffnet hatte gab es keine Fastfood-Restaurantketten. Sehr zum Schock von Dante! Man machte wie zu früheren Zeiten alles selbst oder holte sich das Benötigte auf dem Markt. Bäckereien verkauften selbst gemachte Ware und das Gemüse wurde saisonal angebaut. Grünflächen gab es auf der Insel ja mehr als genug und jeder der einen Garten hatte, baute auch selbst darin an. Kyries Familie war da keine Ausnahme. Sogar im Waisenhaus hatten sie einen eigenen Garten, damit sie sich teilweise selbst versorgen konnten und den Kindern von Anfang an das Wissen vermitteln konnten.
Dante hatte keine Ahnung von der ganzen Sache. Es war seine Mutter, die dieses Wissen hatte. Das war aber mit ihrem Tod verloren gegangen. Der legendäre Teufelsjäger hatte so gut wie nie etwas selbst gekocht und wenn, dann konnte man es nicht identifizieren. Sein geschätzter Zwilling war da nicht anders. Trotz seiner Klugheit, war er eine Niete in der Küche, wobei er wenigstens dafür einen guten Grund hatte. Dante gab zu: Er war einfach nur faul! Vergil konnte auf seine Weise kochen, was er unter Beweis gestellt hatte. Als er von der Dämonenjagd wiederkam, hatte die Leiche filetiert und im Hinterhof ein Feuer gemacht, um das Fleisch darüber zu braten. Dies geschah aber auch nur, weil Nero mal meinte das man Fleisch nicht roh essen sollte. Die Zwillinge waren sich nicht in vielen Dingen einig, aber in Punkt Rohfleisch kamen sie auf einen Nenner. Dante wusste aber woher die Abneigung des jungen Teufelsjägers kam. Er war in einer menschlichen Kultur aufgewachsen und hatte deswegen nie die Chance gehabt ein leckeres, frisches und saftiges Stück aus seinem Gegner zu reißen und vor Ort zu verspeisen. Plus, er hatte nicht wie er und Vergil früh sein Zuhause verloren und musste froh sein überhaupt etwas finden zu können, was den Magen füllte. Zu Dantes Glück lebte er weitaus weniger Jahre auf der Straße wie sein Bruder, da Feuerwehr und Polizei ihn nach dem Brand im Schrank gefunden hatten.
Nach guten 20 Minuten fand der rote Dämon endlich die Karotten. „Jackpot!“ Sie waren natürlich ganz hinten! Er ließ sich aber seinen Enthusiasmus nicht nehmen, schulterte den Sack und machte sich auf den Weg nach oben. Im Flur angekommen roch er Nero – den Älteren. Anscheinend war Kiddo zurückgekehrt. In der Küche herrschte ein Wirrwarr aus Stimmen. Es waren die Kinder, die Kyrie wohl nach dem Mittagessen ausfragten. Mit einem lockeren Spruch auf den Lippen betrat er die Küche und ließ den Sack neben seiner zukünftigen Schwägerin – wenn man ihn danach fragen würde – fallen. „Keine Panik, Onkel Dante ist zur Stelle! Auftrag ausgeführt, Missy!“ Die Kinder lachten und umringten den Neuankömmling. Ein Chor aus „Onkel Dante!“ folgte. „Hey Kiddos!“ Er beugte sich zu den Kindern runter, sie sich an seinen Oberarmen festhielten. Von dem Gewicht nicht eingeschränkt, stellte er sich wieder in voller Größe auf und trug die Kinder durch die Küche, denen das natürlich gefiel, wenn man dem freudigen Geschrei glauben durfte. Bevor sie den Halt verloren und fallen würden, hatte der Halbdämon sie aber wieder abgesetzt. „Ist Opa auch da?“, fragte Kyle. „Nee!“, antwortete Dante und rieb sich mit dem Zeigefinger unter die Nase. „In dieser Küche sind nur coole Leute! Deswegen ist Nero nicht hier drin!“ Die Kinder lachten, während Kyrie nur gutmütig mit dem Kopf schüttelte. Dante hatte gehofft mit dem Scherz seinen Neffen anzulocken, aber weder er noch die braungebrannte Mechanikerin waren zu sehen. „Wo ist unser Lieblingsball des Hasses überhaupt?“ „Wenn du Nero meinst: Er und Tante Nico sind vor etwa 20 Minuten weggefahren! Die haben uns abgesetzt und sind sofort wieder abgehauen. Irgendein langweiliges Arbeitszeug.“, erklärte Julio und zuckte mit den Achseln. „Ah ja. Arbeit nervt.“ Dante konnte das gut nachfühlen. Arbeit nervte echt und lenkte einen von den wichtigen Dingen des Lebens ab. Wie schlafen zum Beispiel!
Carlo sprang auf und ab und zog, Mangels des sonst so charakteristischen roten Mantels, an Dantes schwarzem Shirt. „Huh? Was los kleiner Mann?“ Der Ältere ging vor dem Kleinkind in die Hocke, ignorierte das Knacken seiner Knochen. Innerlich weinte er leise seinem Rücken und den Knie nach, äußerlich grinste er den fast 4-Jährigen an. „Ist Baby Dämon da?“, fragte des Kind aufgeregt nach dem jungen Nero. Baby Dämon war ein Spitzname, da es dem Kleinkind einfach nicht in den Kopf wollte das dieses Dämonenkind etwas mit dem erwachsenen Nero zu tun hatte. Alle 3 Jungs waren anfangs verwirrt, als man ihnen erklärte das der kleine Dämon auch Nero heißt und eigentlich ein Teil von ihrem 'großen Bruder' war. Schnell hatten sie aber Gefallen an der dämonischen Seite gefunden. Wenn sie zu Besuch waren, spielten sie verstecken und fangen. Anfangs hatte der ältere Nero Sorge das etwas passieren könnte, da sein kindliches Ich nicht nur ein Dämon war, sondern auch wie einer spielte. Das bedeutete das er manchmal etwas gröber war, sich gerne rangelte und spielerische Kämpfe austrug wobei er Zähne, Flügel und Klauen benutze. Nach dem ersten Mal hatte man dem Kind deutlich gemacht das Beißen tabu war. Unter Dämonenkindern war es ganz normal. Dante hatte sich in seiner Kindheit ständig mit seinem Bruder spielerisch geprügelt und gegenseitiges beißen und kratzen war an der Tagesordnung. Nicht selten floss auch mal Blut, sehr zu Evas Missfallen. Für menschliche Kinder, die schon aufgrund der Tatsache Mensch zu sein schwächer waren, war dies nur schwer zu verstehen. Am Anfang gab es Geschrei und Tränen. Nachdem der kleine Nero aber lernte das seine Spielkameraden zerbrechlicher waren und – meistens! – sich daran erinnert das Beißen und tiefes Kratzen tabu war, waren die Spiele viel harmonischer. Zwar griff er ab und an wegen seines natürlichen Jagdinstinkts gern die Jungs an, auch die Älteren, was wohl eine typische Charaktersache der Spardas war, aber es endete wenigstens nicht in Blut und Tränen. Jeder war zufrieden und mehr konnten sich die Erwachsenen nicht wünschen.
„Klar. Er schläft gerade im Nest! Wenn er wach ist, dann könnt ihr gern meinen Neffen terrorisieren!“ Carlo strahlte. Sag einem Kind, es darf Chaos anrichten und es freut sich als hätte man ihm das größte Geschenk gemacht. Dante vermutete das jedes Kind irgendwie ein Dämon war. „Kleiner-Finger-Schwur!“ „Aber sowas von!“ „Ehm..., Dante?“ „Ja Fräulein?“ „Wenn Nero im Nest ist... Du meinst aber nicht das Nest in der Garage? Auf Nico's Van.“ „Huh? Doch, natürlich oder gibt es noch ein weiteres Nest?“ Die Kinder wechselten einen Blick miteinander und auch Kyrie schien ihn mit Zweifeln anzusehen. Nur Carlo war guter Dinge und begann mit dem Kochlöffel auf den Küchenboden zu schlagen, was Dante kurz das Gesicht verziehen ließ. Für menschliche Ohren war es ja schon eine Qual, aber für ein empfindliches dämonisches Gehör... Kyrie nahm das gelangweilte Kleinkind in den Arm, was den Lärm unterband. Dankbar grinste er sie an. „Boah. Ich will auch auf Dämonenjagd! Nur weil der kleine Bruder ein Teil vom großen Bruder ist, darf er mit. Das ist total unfair!“, beschwerte sich Kyle und verschränkte die Arme vor der Brust. Julio hob eine Augenbraue. Sie waren nicht verwandt, aber das Kind war manchmal so sehr ein Mini-Vergil! Dante fand es schon fast unheimlich. Julio war eher ruhig und las gerne. Wenn irgendjemand in seinem Umfeld Scheiße erzählte, hatte er diesen unnachahmlichen Vergil-Blick. Julio nannte ihn auch, den Opa-Blick und war stolz darauf ihn, wenn auch mit weniger Eindruck, nachmachen zu können. Dante beschloss dem Kind Comics zu holen und es mit Süßigkeiten vollzustopfen, sonst wäre er für immer verloren!
„Kyle. Ich glaube nicht das es geplant war.“, versuchte Kyrie und Dante verstand den ganzen Aufriss nicht, bis er es tat. Kyrie konnte förmlich sehen, wie die Zahnräder in seinem alten Gehirn zum Laufen kamen. Die 5 Phasen der Erkenntnis, ft. Dante Sparda. „Oh fudge!“ „Sprache!“ „Ich hab das F-Wort nicht benutzt!“, schrie Dante Julio außerhalb der Küche zu, da er schon losgerannt war. Als er in der Garage ankam, sah er: Nichts! Wo vorher der Minotaurus stand, war jetzt nichts! „F...fuck...“, flüsterte Dante, sicher das er nun alleine war und keine neugierigen Ohren ihn dabei erwischten das F-Wort zu benutzen.
„Ich bin so tot...“
Fortunas Dämonenjäger aka Nero der Ältere, würde heute einige panische Anrufe kriegen. Die Anwohner Fortunas, wenn sie in den Himmel sahen, würden eine rote dämonische Kreatur entdecken.
Dante war wie ein Blitz aus der Garage geflogen und versuchte von oben den Van ausfindig zu machen. Ausgerechnet jetzt war dieser wie vom Erdboden verschluckt. „Das kann doch nicht wahr sein! Vergil wird mir das ewig vorhalten, wenn er davon erfährt. Er wird mir auf die Pizza pissen! Nein! Noch schlimmer! Ich werde nie wieder eine Pizza sehen, wenn auch nur eine Feder des Kleinen verbogen ist!“ Sein Bruder war äußerst beschützend gegenüber seinem Nestling. Typisch Dämon halt. Er war ja selbst nicht anders und ließ seinen Instinkt auf Autopilot laufen, aber jetzt war er so ziemlich am Arsch!
Es vergingen Stunden und die Sonne war schon tief am Horizont. Dante hatte komplett Fortuna abgesucht. Jedenfalls hatte er das Gefühl. Da sein Neffe kein Dämon mehr war, konnte er diesen nicht Orten. Da Vergil Runen an dem Nest angebracht hatte, die einen Schutz versprachen, konnte er den dämonischen Teil nur Orten, wenn dieser in einem bestimmten Radius war. Kurzum: Er konnte nichts und niemanden Orten! Scheiße!
Nun, das stimmte nicht ganz. Er konnte den Minotaurus orten. Da der Van nun irgendwie eine Teufelswaffe war, hatte er auch die dazugehörige teuflische Energie. Vom Fahrstil des Besitzers mal abgesehen. Da er aber auch den Minotaurus nicht orten konnte, musste er davon ausgehen, das sich das Teufelsjägerteam nicht auf der Insel befand. Aus diesem Grund war Dante am Hafen gelandet und hatte in seiner menschlichen Form die Hafenarbeiter aufgesucht. Er fragte sich auf die altmodische Art durch, bis ihm einer sagen konnte, dass eine verrückte Frau – Nico – mit einem krassen Wagen – oh der Van! - und einem weißhaarigen Punk – Jackpot! Sein Neffe! - Richtung Festland gebracht wurden. Der legendäre Teufelsjäger verlor keine Zeit, verwandelte sich und flog davon. Natürlich hatte er sich davor bedankt! Der Hafenarbeiter würde nie wieder der Selbe sein.
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„Fuck yeah! Endlich!“ Nero lud seine Blue Rose nach und schoss dem letzten Dämon ins Gesicht. „Woho! Vergiss nicht mir ein paar Teile mitzubringen!“, schrie Nico aus dem Wagen, verstummte als ein riesiger Schatten über sie erschien. Eine Sekunde später schlug ein roter Dämon vor ihnen wie eine Rakete ein. Nero hatte die Red Queen gezückt, sie aufgeladen und wollte zuschlagen, als sich der Staub legte und die Silhouette eines bekannten Dämons freigab. „Fuck Dante! Beinahe hätte ich dir Red Queen in die Rippen gejagt!“ Der rote Dämon winkte ab. „Du weißt das ich mit deinem Vater zusammenlebe?“ „Oh..., yeah. Das ist fair. Du hast einen Punkt!“ Nero kratzte sich am Kopf. „Was machst du hier?“ Diese Frage brachte Dante wieder zu den wichtigen Dingen. „Meinen Arsch retten!“ Mit diesen Worten sprang er mit einem Satz direkt auf das Nest, was den Van zum Wackeln brachte. „Wow, ruhig Großer!“, versuchte Nico, erntete nur ein schiefes Grinsen.
Dante riss den Vorhang zur Seite, der zu seinem Glück noch genauso angebracht war wie er ihn verlassen hatte. Kleine Gnaden, oh ja! Er quetschte sich mit dem Oberkörper durch die Öffnung, was Nero wegsehen ließ, da er ungern auf den prallen dämonischen Arsch seines Onkels starren wollte. „Was zum Teufel...“
Dante hingegen war erleichtert. Er würde noch einen Tag leben! Da, mitten im Nest, saß der dämonische Nachwuchs und spielte mit seiner Handrassel, während er den Beißring im Mund hatte. Das Nest sah aus wie ein Chaos, was wohl auch Nico's Fahrstil zu verdanken war. Der kleine Dämon schien den Spaß seines Lebens gehabt zu haben. Jauchzend klatschte er in die Hände, klimperte mit den Glocken und lachte den älteren Dämon an. Dieses kleine Wesen schien nicht zu ahnen durch welche Hölle sein Betreuer gegangen war. „Hey Großer. Jetzt geht’s ab zu Daddy!“ „Daaaaaa!“ „Das ist der Spirit!“
Er hob das Kind in die Arme und kletterte aus dem Nest, wurde ungläubig von seinem Neffen und Nico angesehen. „Fuck! Echt jetzt?! Dante! Sag mir nicht er war die ganze Zeit da drin!“ Ertappt drehte sich der rote Dämon um, kratzte ratlos an seinen Hörnern. „Kein Wort zu deinem Dad.“ Nero hob eine Augenbraue. „Ich geb dir auch was aus!“ „Du bist Pleite!“ „Gar nicht wahr! Ich habe letztens erst einen Gehaltscheck bekommen!“ „Den Dad eingezogen hat, damit du das Geld nicht sinnlos ausgibst.“ „Oh..., stimmt.“ Das Vergil ihre gemeinsame Haushalskasse hegte und pflegte wie ein Drache seinen Schatz, war Fluch und Segen zugleich. Durch das doppelte Einkommen gab es keine Probleme was die Versorgung von Strom und Wasser anging. Selbst die Schulden bei Lady waren komplett abbezahlt. Der Laden lief, da alle Rechnungen zuerst bezahlt wurden. Sogar die Steuern! Dafür sorgte sein Zwilling, auch wenn er den letzten Punkt nicht verstehen konnte. Wer besteuerte bitteschön Teufels- und Artefaktjäger? Dante glaubte nicht, dass irgendjemand Vergil wegen Steuerhinterziehung festnehmen könnte.
„Okay, ich sag nichts.“ „Du bist der beste Neffe den ich habe!“ „Ich bin der Einzige..., hoffentlich.“ „Phuh!“ „Ja okay, fast der Einzige.“, lenkte Nero ein und sah zu seinem jüngeren Ich, das schmollend mit den Glocken rasselte. Dante grinste schief und wollte losfliegen, aber Nero hielt ihn auf. „Apropos Dad. Julio hat mich angerufen und gesagt das Dad bei uns zuhause ist.“ „Fuck!“ „Ja, Fuck.“ „Fush!“ Beide Erwachsenen sahen gleichzeitig zu dem kleinen Dämon, dann sahen sie sich gegenseitig in die Augen. „Kein Wort zu Dad.“ „Deal!“
Sie trennten sich schnell. Dante flog zurück nach Fortuna, während Nero mit Nico den gewöhnlichen Weg einschlug. „Um was Wetten wir das Daddy dearest ihm den Arsch aufreißen wird?“ „Pf, vergiss es Nico. So einseitige Wetten nehme ich nicht an.“ Gackernd fuhr die Mechanikerin los. „Vielleicht hat er ja Glück und kann behaupten nur einen Ausflug gemacht zu haben.“ „Bei den vielen Zeugen?“ „Okay, hast Recht. Die Kiddies können nicht einmal ein Geheimnis für sich behalten, wenn ihr Leben davon abhängen würde!“
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„Bin zuhause!“, rief Nico und bekam von Nero den Ellbogen in die Seite gerammt. „Autsch!“ Lachend rannte Carlo dem ungleichen Paar entgegen und wurde von dem Teufelsjäger in die Arme gehoben. „Hey, Kleiner! Noch nicht im Bett?“ „Nö. Onkel Dante war ein böser Junge! Opa schimpft mit ihm!“ Nico grinste breit, während Nero nicht wusste ob er Lachen oder Weinen sollte. Sollte es ihm zu denken geben, dass sich das kleine Kind so sehr darüber freute das sein Onkel tief in der Scheiße steckte? Ach Scheiß drauf, dachte er sich und ließ das Kind in seinen Armen Hüpfen und ging mit den beiden Richtung Wohnzimmer.
Vor dem Wohnzimmer sah er Kyle und Julio, die durch einen Türspalt spähten. Sie hatten eine große Schiebetür die in der Mitte aufging, weswegen die Kinder sich aufteilen konnten und niemand einem die freie Sicht stahl. Ein Vorteil den Nero in seiner Kindheit zusammen mit Kyrie und Credo öfters ausgenutzt hatte. Seine Liebste stand etwas weiter entfernt und wies die Kinder an das sich Spionieren nicht gehörte, schien aber selbst ein wenig unschlüssig. Ihr Blick ging zu Nero, den sie mit einem sanften Lächeln begrüßte. „Was ist los?“, fragte er sie leise und hörte hinter der Tür ein Zischen und Grunzen. Oh ja, das war los. Die Kinder hatten gepetzt. Was Nero nicht wusste: Kyrie's Blick war kein Mitleid mit Dante, sondern Reue. Als Vergil am Abend zurückkam, hatte sie ihn wie üblich begrüßt und dann ihre Sorge ausgedrückt und gefragt ob Dante den kleinen Nero gefunden hatte. Erst zu spät erblickte sie die Kinder, die panisch mit dem Kopf schüttelten. Kyrie hatte nicht gewusst das niemand den Vater darüber aufgeklärt hatte was passiert war. Vergil hatte aber schnell alles zusammengesetzt. Anstatt etwas zu unternehmen, nickte er Kyrie höflich zu um sich für ihre Sorge zu bedanken. Dann tranken sie gemeinsam eine Tasse Tee. Äußerlich war Vergil wie immer. Das Bild eines gefassten Mannes, der sich und seine Gefühle unter Kontrolle hatte. Innerlich, nun ja. Dante war so gut wie tot.
„Das ist wie eine Tierdoku!“, wisperte Julio aufgeregt. „Glaubst du Opa wird Onkel richtig beißen? In den Arsch oder so?“ „Kyle.“, mahnte Kyrie, die solche Wörter nicht hören wollte. „T'schuldigung.“, flüsterte er zurück. „Dante kriegt sowas von den Arsch aufgerissen.“, murmelte Nero, der nun auch einen Blick durch den Spalt riskierte und das Spektakel verfolgte. „Nero!“ „T'schuldigung.“ „Arsch!“ „Carlo!“ „Opsie.“
Dante, immer noch in seiner Dämonengestalt, lag flach auf den nackten Holzboden und wimmerte. Sein Blick lag direkt auf den blauen Dämon, der auf dem Teppich, eingerollt vor dem Kamin lag. Sofakissen, mit freundlicher Genehmigung von Kyrie, boten ein gemütliches Polster. Sie hatte der Dämonenfamilie angeboten auf die Rückkehr vom älteren Nero zu warten. Dante wollte es erst ablehnen, da er die Sache mit seinem Bruder in den vertrauten Wänden des Devil May Cry regeln wollte, aber Vergil nahm die Einladung an. Seiner Meinung nach gehörte es sich nicht die Höhle eines fremden Dämons zu besuchen und dann zu gehen ohne diesen begrüßt zu haben. „Verdammte Etikette!“, hatte sich Dante nur gedacht.
Das Feuer knisterte und gab wohlige Wärme ab. Auf einer Decke lag das kleine Nestling und wurde von der Rückenlage auf die Bauchlage gedreht. Der Kopf ruhte nun auf dem Unterarm seines Vaters. Die Augen genüsslich geschlossen und schnurrend ließ er alles über sich ergehen. Die Flügel lagen ausgestreckt flach am Boden und das Kind war ein Bild der völligen Entspannung und knabberte voller Wonne träge an seinem Beißring. Mit seiner dämonischen Zunge leckte Vergil über den Rücken seines Kindes, knabberte zärtlich an der Verbindung zwischen Rücken und Flügel, was das Kind wohlig aufseufzen ließ. Dante wimmerte und rutschte zu seinem Bruder, wollte in dessen Nest und nicht ausgeschlossen werden! Dieser zeigte ihm aber immer wieder die kalte Schulter! Bevor er eine Kralle auf den Teppich legen konnte, schnappte Vergil knurrend nach ihm, weswegen er sich wieder zurückzog und als Antwort ein reuiges Grunzen von sich gab. Der blaue Dämon wandte sich wieder seinem Kind zu und leckte weiter über dessen Körper, pustete durch das Gefieder um bereits lose Federn im Vorfeld zu entfernen. Er wirkte auf die Pflege konzentriert, doch das ihn die Anwesenheit des anderen Dämon störte, konnte man deutlich an seinem Schwanz sehen. Das schuppige Glied zuckte und in kürzen Abständen peitschte es wütend in beide Richtungen. Während er seine Schnauze in den Schwingen seines Nachwuchses hatte und diese pflegte, stieß er immer wieder einen tiefen, langgezogenen kehligen Laut aus, wenn Dante wieder eine Annäherung startete.
Dieser tat alles dämonenmögliche um die Gunst des Blauen zu erhalten. Er gurrte, rollte sich auf die Seite, dann auf den Rücken und zeigte seinen Bauch. Er achtete dabei darauf den Teppich nicht zu berühren, sondern mit dem Kopf direkt davor zu liegen. Vergil hatte erst den Gebaren seines Bruders keine Beachtung geschenkt und die Flügelpflege beendet. Sanft schnaubte er Nero durch das lange Haar, stieß mit der Schnauze dessen nach vorn gekrümmte Hörner an und pflegte diese. Das lässt das Kind nur noch lauter schnurren, da sein Vater natürlich wusste wo er dort am liebsten gepflegt wurde! Sein Blick ging zu Dante und er fragte sich warum dieser sich so aufführte. Große, neugierige Augen musterten den Dämon vor sich, der sich mit einem Schnaufen auf den Rücken geschmissen hatte. Als sein Vater ihm über die Wange leckte, sah er über die Schulter zu ihm hoch und richtete ein fragendes Gurren an sein Elternteil. Der Blick des blauen Dämons ging zu seinem Nestling, wanderte zu seinem Bruder, der in der Bewegung verharrte. Schnaufend pustete er durch das Haar seines Kindes und wirbelte es etwas auf, was ihm ein Kichern einbrachte. Dante blickte sehnsüchtig auf die Interaktion und kratzte mit den Hörnern leicht am Holzboden. Der ältere Nero würde sich darüber aufregen.
Vergil wollte seinen Bruder gern noch mehr in seiner Schuld schmoren lassen, hatte dann aber ein Einsehen. Er wusste ja das Dante nicht die Schuld an dem ganzen Vorfall trug. Er war einfach zu hilfsbereit um Kyrie's Bitte nicht anzunehmen oder zumindest das Kind nach der Hilfe in das Nest zu legen. Die Hilfsbereitschaft war etwas was Vergil an dem jüngeren Zwilling im geheimen bewunderte, aber auch aufregte. Es war einfach Pech das ausgerechnet dann, wenn Dante kurz fort war, sein älterer Sohn einen Auftrag bekam und das Auto mitnahm. Das Kind war immerhin gut begraben und das Nest gesichert, weswegen nichts schlimmeres passierte. Trotzdem war Vergil sauer, vor allem weil man ihm den Vorfall verschweigen wollte! Er hob seine Schwingen, was eine Einladung war den Platz neben ihn einzunehmen um Dicht an Dicht zu liegen. Den Platz am Feuer würde er nicht aufgeben! Ein wenig Kleinlichkeit musste sein!
Dante ließ sich nicht lange Bitten. Sofort hatte er den Platz neben seinem Bruder eingenommen und drückte sich an ihn. Mit seinen Hörnern stieß er begrüßend sanft gegen den Körper des anderen und begann damit seine Seite vollständig zu bedecken. Sie drapierten wieder ihre Schwingen und Vergil seinen Schwanz, umeinander und bildeten eine Einheit aus Blau und Rot. Gemeinsam mit seinem Bruder leckte er dem kleinen Dämon über die Wange, der beide angurrte und sich zwischen den Körpern einrollte. Die älteren Dämonen legten ihre Köpfe zusammen und schlossen die Lücke. Langsam senkten sie die Augenlider und genossen den neuentdeckten Frieden.
„Mhm... sorry, Verg.“, wisperte Dante leise.
„Angenommen.“
„Fush!“
Chapter 4: Pet demon?
Notes:
Ich wollte nur etwas Kurzes über süßes Spielverhalten schreiben, dann entscheidet sich Dante eine attention whore zu sein. Ein typischer Montag halt :D
Chapter Text
Die Sonne brannte unnachgiebig auf die kleine Gruppe herab, die sich im heimischem Garten befand. Es war ein heißer Tag als Dante gerade damit begann ein weiteres Brett zu bearbeiten. Wegen der Hitze hatte er auf ein Oberteil verzichtet. Er trug nur einer seiner üblichen Lederhosen, dazu passend die braunen Stiefel. Summend nagelte er das Brett an die Holzbalken und war zufrieden mit seiner Arbeit. Nero, der ihm half und das Brett gehalten hatte, war komplett bekleidet. Eine kurze Jeanshose, ein löchriges, kurzärmliges Tanktop und ein paar schwarze Stiefel bildeten das Outfit für den warmen Tag. Im Gegensatz zu seinem Onkel hatte er wenigstens noch Anstand!
Nico, die an einem Glas frischen Eistee mit Eiswürfeln nippte grinste ihrem Freund zu. Neros Ärger über Dantes Schamlosigkeit war deutlich zu sehen. „Na? Wie fühlt sich das an zu wissen das sein eigener Onkel eine Schlampe ist?“, neckte sie ihn, pfiff dann Dante zu. „Wenn auch noch ganz nett anzusehen für sein Alter!“ Der alte Teufelsjäger grinste ihr zu. „Ey, so alt bin ich nun auch wieder nicht! Ich bin in meinen besten Jahren!“ „Ja, ja! Verdammt! Zieh dir was an!“, beschwerte sich Nero, dem das alles einfach nur noch peinlich ist. „Näääh! Es ist heiß hier draußen. Außerdem gehört sich das so! Vor dir stehen 1,90m pure, gestählte Männlichkeit in Reinform!“ Nero winkte spottend ab. „Eher 1,90m pures Gammelfleisch, gefüllt mit Pizza und Eis.“
Ein lauter, fester Schlag auf Holz unterbrach die Streithähne. Es war Vergil, der mit Kyrie unter einem Sonnenschirm saß. Er hatte sein Buch auf den Schoß gelegt. Im Gegensatz zu seinem Zwilling trug er eine lange Jeanshose und ein schwarzes, wenn auch etwas enganliegendes, Shirt mit kurzen Ärmeln. „Schluss jetzt! Dante, deinetwegen sind wir hier. Komm zum Ende!“ Der Genannte zog einen Schmollmund. „Du könntest ja mal helfen, anstatt faul dazuliegen!“ Vergil hob nur unbeeindruckt eine Augenbraue. „Wieso sollte ich? Es war deine Dummheit, die dich in diese Situation brachte.“ „Fies! Vergil ist so fies zu mir!“
Dante und Nero standen vor einem halb aufgebauten Gartenhaus. Alte, verkohlte Bretter, wurden mit neuen ersetzt. Der Teufelsjäger hatte mit seinem Neffen gewettet, dass er es schaffte in seiner höheren Dämonenform eine ganze 2 L Flasche Cola auf Ex und danach eine ganze Packung Mentos zu fressen, ohne das es ihn beeinträchtigen würde. Natürlich ging sein Neffe darauf ein. Er mochte zwar Vergils Sohn sein, schien aber manchmal sich auch nur eine Gehirnzelle mit seinem Onkel zu teilen.
Die Idee kam auf, da Nero ihm zuvor ein Video gezeigt hatte, indem jemand ein Glas Cola mit Mentos darin trank und danach wieder alles ausspuckte. Unnötig zu erwähnen, das die am Ende Wette anders ausging als gedacht. Er übergab sich nicht, stieß aber wegen der Kohlensäure, verstärkt durch die schäumende Wirkung des Mentos' einen lauten und äußert langen Rülps aus. Als Dämon mit dem Feuerattribut hatte dies die Wirkung, das er dazu eine riesige Flamme rülpste, die das Gartenhaus in Flammen setzte. Daraufhin wurden beide dazu verdonnert die Reparatur vorzunehmen.
Dante lachte, als er sich an den Vorfall erinnerte. „Oh ja, das war schon witzig!“ Sein Bruder schüttelte den Kopf. „Du bist ein Idiot.“ „Doooot!“, ertönte die lachende Stimme von dem kleinen Nero, der seinen Kopf aus seinem Versteck hob. Er hatte sich in der Kühltasche eingerollt, die unter dem Tisch stand. Eigentlich wollte Nico diese mit Getränken und Eiswürfeln füllen, doch als sie die Tasche öffnete, hatte der kleine Dämon sie in Beschlag genommen. So blieb es bei Eistee im Glas und wenn dieser Leer war, musste man wohl oder übel die paar Meter in die Küche gehen und sich neues holen. Nico hatte erst versucht die Tasche zurückzuerobern, gab es aber dann auf, da der kleine Nero jedes mal mit den Krallen nach ihr schlug, wenn sie den Rand der Tasche berührte. „Oh mein Gott. Bald sind es zwei!“, kam es von Dante bestürzt.
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Am Nachmittag kamen die Kinder aus der Schule zurück und trafen die Gruppe Erwachsener plus dämonischem Anhang im Garten an. „Oh, die Reparatur geht aber schnell voran.“, kam es von Julio. Kyle lachte. „Onkel Dantes Rülps war legendär!“ „Machen wir darüber lieber keine Scherze. Es hätte ganz anders ausgehen können.“, gab Kyrie zu bedenken. „Jaaaa.“, antworteten beide Jungs im Chor. Kyle seufzte und beobachtete das Onkel-Neffen-Team beim Aufbau. Kyrie bemerkte das dem Kind etwas auf dem Herzen lag und fragte nach. Erst traute sich Kyle nicht so recht, was die Erwachsenen stutzig machte. Im Gegensatz zu Julio war Kyle viel offener und direkter. „Ist in der Schule etwas passiert?“, fragte Kyrie. Das Vergil schon bereit war zur Yamato zu greifen, um das Kind zu rächen, musste dabei keiner wissen. Er hatte seinem Sohn gesagt, dass es besser wäre den Kindern beizubringen, wie man ohne Aufsehen zu erregen jemanden verschwinden lassen konnte! Dieser wollte davon aber nichts wissen! Der blaue Dämon schnaubte unzufrieden.
„Nein. Das nicht. Aber..., kann ich ein Haustier haben?“ Nero sah ihn verwirrt an und auch Kyrie hatte das nicht kommen sehen. „Heute haben wir im Unterricht über Haustiere gesprochen und meine Freunde haben dann über ihre gesprochen! Ich will auch eins! Ein Hund oder eine Katze! Bitteeeee!“ Kyrie und Nero wechselten einen Blick, dann ergriff die Braunhaarige das Wort. „Ach Süßer. Haustiere sind eine große Verantwortung und sie kosten Geld. Geld was wir nicht haben. Außerdem sollte man sie nicht so lange alleine lassen. Du gehst zur Schule, Nero ist je nach Mission manchmal lange fort und auch ich habe meine Arbeit im Waisenhaus. Wer soll sich dann um das arme Ding solange kümmern?“, versuchte sie dem enttäuschten Kind zu erklären und nahm ihn in den Arm. Tröstend rieb sie ihm den Rücken und Kyle seufzte. Er lehnte sich an sie und verstand ihren Punkt. „Ich weiß. Es war ja auch nur so eine Idee.“ Nero und Kyrie trösten das Kind. Es dauerte nicht lange, da hatte Kyle sie angelächelt und war mit Julio in deren gemeinsames Zimmer gerannt um Hausaufgaben zu machen. Das Paar sah ihm nach. Die Kinder baten selten um etwas, da sie trotz ihrer Jugend ein gewisses Verständnis für ihre Situation hatten. Vergil ließ Yamato wieder verschwinden. Tief im inneren musste er zugeben, er vermisste seine ehemaligen Vertrauten. Griffon vielleicht nicht so sehr, da der ältere Sparda die Ruhe schätzte, aber Shadow um so mehr. Sein Fell war so weich gewesen. Schweigend hatte er sein Buch wieder zur Hand genommen, während Dante und Nero sich weiter um den Aufbau kümmerten.
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Nach dem Mittagessen war das Thema nochmal aufgekommen, jedoch anders als man es erwarten würde. Aus dem Wohnzimmer kam Gepolter und schnelle Schritte. Nachdem das Geräusch von umstürzenden Möbeln zu hören war, rannten Nero und Kyrie ins Wohnzimmer. Nero hatte die Blue Rose im Anschlag. Man wusste ja nie ob ein Dämonenangriff bevorstand. Das was sie vorfanden, hatte zwar etwas mit Dämonen zutun, doch Nero glaubte das ein Dämonenangriff wesentlich weniger chaotisch wäre.
Kyle saß im Zentrum des Chaos und ließ an der Wand einen roten Punkt erscheinen. Immer wieder schaltete er seinen Laserpointer ein und aus, ließ den Punkt wandern. Dieser wurde eifrig verfolgt, von einem kleinen, weißhaarigen Dämon. Der junge Nero rannte dem Licht hinterher, sprang auf die Stelle wo es gewesen war, nur um dann zu bemerken das er nichts gefangen hatte. Das Dämonenkind folgte dem wandernden Punkt. Sprang über den Tisch, rannte über das Sofa und wäre beinahe gegen die Wand gesprungen, wenn Kyle den Punkt nicht rechtzeitig weggezogen hätte.
Lachend sah das Kind zu seinen schockierten Pflegeeltern. „Hey Kyrie! Nero! Schaut mal! Ich glaube ich brauche doch keine Katze!“ Als das Dämonenkind stehen blieb, da der Lichtpunkt verschwunden war, leckte es sich mit stolzem Ausdruck im Gesicht über den Handrücken. Er war stolz darauf den Eindringling besiegt und das Revier verteidigt zu haben. Lachend zog Kyle das Kind in seine Arme und drückte es wie ein Kuscheltier an sich. Dieser sagte selten nein zu Körperkontakt, drehte sich in dem Griff und presste sich freudig gurrend an das ältere Kind, der anfing ihn zwischen den Hörnern zu kraulen.
Kyrie lächelte Nachsichtig, froh das Kyle nicht mehr deprimiert war, auch wenn das Wohnzimmer bessere Tage gesehen hatte. Nero war mit der ganzen Sache ein wenig überfordert und klatschte sich die Hand ins Gesicht. Dieses war leicht errötet aus Scham. Nico lachte nur. Dante, der vom Garten aus den Tumult gehört hatte, war ins Wohnzimmer gekommen und wunderte sich über die Unordnung. Nicht das es ihn störte. Immerhin wäre sein Devil May Cry ohne die strenge Hand seines Bruders im Chaos versunken. „Hey Kind, was ist los? Gab es eine Party ohne mich?“, fragte er bestürzt. Kyle löste die Verwirrung und erklärte seinem Onkel was passiert war. „Woah, ein Laserpointer? Cool!“ Nero sah zu seinem Onkel. „Sag mir jetzt nicht...“ Kyle lachte und startete den Laserpointer, richtete ihn erst gegen die Wand, dann auf seinen Onkel, der von dieser Erfindung begeistert war. „Sieht spaßig aus!“
Der kleine Nero hob sofort einen Kopf als er das bekannte Klicken des Pointers hörte. Mit aufmerksamen Blick folgte er dem Licht und als es sich nicht mehr bewegte schlug er zu. So schnell er konnte rannte er auf seine Beute zu, breitete seine Schwingen aus und setzte zum Sprung an. Mit Krallen und Flügeln schlug er auf das Licht ein und schaffte etwas, was selbst den stärksten Dämonen nur selten gelang: Dante in die Knie zu zwingen! Denn die Schläge gingen direkt, sehr zu Dantes Leidwesen, in seine goldene Mitte.
Der rote Dämon zitterte, kippte nach vorn und kniff die Beine zusammen. Die Hände auf seine schmerzende Mitte gelegt. „Direkt in die Kronjuwelen!“, jammerte er keuchend und hatte das Gefühl Sterne zu sehen. Vergil, der ein wenig Abseits stand und das Spektakel mitbekam verschränkte nur die Arme vor der Brust. Falls er kurz zusammengezuckt hatte, musste es keiner mitbekommen. Nico lachte nur und klopfte ihrem besten Freund gegen den Oberarm. „Damit ist es sicher: Cousins bekommst du keine mehr!“
Chapter 5: Vater und Sohn
Notes:
Sorry für die lange Abwesenheit. Da ich im Moment einen zweijährigen Fortbildungslehrgang besuche neben der Arbeit, habe ich kaum Zeit >.<
Bald ist auch wieder die Sommerzeit und man klaut uns eine Stunde Schlaf. Oh, ich hasse Sommerzeit ._.
Chapter Text
Müde und mit herzhaftem Gähnen schob Nero die Vorhänge zur Seite, um Licht in das kleine Zimmer zu lassen. Er war zu einer nächtlichen Mission aufs Festland gerufen worden, die etwas länger gedauert hatte als geplant. Die Dämonen waren hartnäckiger gewesen als sonst und der Befall ließ sich nur schwer ausradieren. Nachdem es ihm aber gelungen war die Mission endlich abzuschließen, war es schon zu spät für eine Fähre gewesen. Aus diesem Grund hatte er im Devil May Cry übernachtet. Sein Onkel bot ihm in der Vergangenheit bei solchen Gelegenheiten schon oft die Couch an. Zu seinem Glück musste er aber in dieser Nacht nicht auf der Couch schlafen, auch wenn es nicht mehr so unangenehm war, da das Büro, seitdem Vergil hier lebte nicht mehr danach roch als wäre dort etwas gestorben.
Er älteste Sparda legte eine strenge Disziplin an den Tag und sorgte dafür das die Unordnung beseitigt wurde. Nur widerwillig hatte Dante sich der Putzaktion angeschlossen, aber als Vergil ihm damit drohte ein Liefer- und Bedienverbot für alle Restaurants im Umkreis von 30km auszusprechen, kam er dem nach. Auch weil er nicht wollte das unschuldige Menschen zu Schaden kamen. Er wusste, wenn sein Bruder es wirklich wollte, bekam er dieses Verbot durch.
Dank der Reinigung war nun ein weiteres Zimmer im Wohnbereich frei geworden und diente als Gästezimmer für Nero. Dieser wollte es nicht zugeben, aber im inneren wärmte ihm der Gedanke, dass er ein Zimmer hatte bei ihnen, in das er jederzeit zurückkehren konnte. Ein Stück von ihm war immer noch der selbe kleine Waisenjunge, der sich nach der Liebe seiner Familie und einer Heimat sehnte. Während er sein eigenes Zimmer bekam, teilten sich die Zwillinge und sein dämonisches Gegenstück das andere Zimmer. Ihm wurde angeboten sich anzuschließen, doch Nero lehnte höflich ab. Es kam ihm dann doch etwas zu seltsam vor, wenn er mit seinen 25 Jahren noch das Bett mit seinem Vater und seinem Onkel teilte. Vergil hatte dazu geschwiegen, während Dante nur mit den Schultern gezuckt hatte und meinte, er könne es sich ja immer noch sich anschließen, wenn er sich anders überlegt hatte. Nero war sich sicher, so schnell würde er seine Meinung nicht ändern. Im Gegensatz zu seiner dämonischen Seite hatte er kein Bedürfnis sich mit zwei Halbdämonen in ihren Vierzigern um die Decke zu streiten.
Vergil und Dante nannten es ihr Nest und es war für den jungen Hybriden unverständlich wie die Zwillinge es schafften sich ein Zimmer, gar ein Bett zu teilen. Sie stritten sich wie jedes Geschwisterpaar oft, nur das es bei ihnen ausartete. Es kam nicht selten vor das zu den Waffen gegriffen wurde oder sie sich in ihrer Dämonenform gegenüberstanden und am Ende zu einem kämpfenden Ball aus blau und rot verschmolzen. Deswegen war Nero schockiert zu erfahren, dass aufgrund der gemeinsamen Schlafsituation noch niemand abgestochen wurde. Er hätte seinen Hintern darauf verwettet das Dante irgendwann am nächsten Morgen tot in seiner eigenen Blutlache liegen würde, während Vergil im Büro genüsslich seinen Morgentee trank und die Zeitung las.
Die Nacht war warm gewesen, weswegen Nero das Fenster öffnete um ein wenig Luft in den Raum zu lassen. Die kühle Morgenluft hatte er verpasst, da er erst gegen Mittag wach wurde. Er hoffte dennoch das es gegen die abgestandene Luft im Raum half. Der junge Hybrid war froh das er wenigstens noch daran gedacht hatte die Vorhänge zu schließen, da die Mittagssonne sonst den Raum unerträglich aufgeheizt hätte. Er konnte sich zwar nicht mehr daran erinnern es getan zu haben, aber er war nach der Mission so müde gewesen, das es ihn nicht überraschte. Die Vorhänge schlossen sich ja nicht von selbst, insbesondere da das Devil May Cry nicht den Luxus verfügte elektrische Vorhänge zu besitzen. Der ganze Gebäudekomplex besaß wenig Luxus, auch wenn er wesentlich größer und mehr Räume besaß als das Haus in dem er mit Kyrie und den Kindern lebte. Mehr Wohn- und Arbeitsraum bedeutete aber auch, das sein Onkel mehr Fläche hatte für seine Unordnung. Die Größe und der niedrige Preis waren die einzigen Vorteile, die dem jungen Vierteldämon einfielen. Im Winter war es zu kalt, im Sommer zu warm. Anscheinend waren aber die ständigen Bewohner zu dämonisch um sich daran zu stören. Zwar jammerte sein Onkel immer über irgendwas, aber um etwas zu ändern, dafür war er zu faul. Vergil hatte sich nur über den hygienischen Zustand beschwert, der Rest schien ihm nicht wichtig zu sein, zu Neros Verwunderung. Sein Vater hatte ihn oft an Credo erinnert. Eine Person, die so penibel und vornehm war, die sich an solchen Dingen störte. Da Nero aber nun mal von Geburt an zu dreiviertel ein Mensch war, hatte er menschlichen Bedürfnisse und dazu gehörte auch ein gemäßigtes Raumklima! Mit einem weiteren Gähnen lehnte er sich über die Fensterbank und genoss die leichte Brise. Das Fenster war auf der Seite des Hinterhofs, weswegen es nicht viel Aussicht gab, da dieser von hohen Mauern der Nebengebäude umschlossen war. Dies hinderte aber seinen Vater nicht daran den Hinterhof für sich zu nutzen. Neros Blick wanderte müde umher und beobachtete das Grün. Vor Vergils Ankunft glich der Hinterhof einer Müllhalde. Er hatte diesen dann in einen Garten verwandelt mit ausreichend Platz für seine Schwertübungen. Es wirkte friedlich, aber das täuschte.
Im Augenwinkel konnte Nero erkennen wie eine der Grünpflanzen einen vorbeifliegenden Schmetterling mit der Wurzel aufspießte und seine Beute langsam wieder mit unter die Erde zog. Als würde sich die Pflanze über seinen Fang freuen, schüttelten sich die Blätter, die eine gelb-weiße-Färbung hatten, leicht im Wind. Nero rollte nur mit den Augen. Das war nichts was ihn noch in Panik versetzte. Sein Vater würde nie das Klischee eines Rentners im Kleingartenverein erfüllen. Neben dem Hinterhof, wurde auch neuerdings das Flachdach begrünt, um einen Sichtschutz zur Straße zu haben. Die Halbdämonen hatten es sich angewöhnt bei wärmeren Temperaturen oben auf dem Dach zu liegen und sich zu sonnen. An sich war dies nichts ungewöhnliches. Nero kannte in Fortuna viele Häuser, auf dessen Dächern ein Garten angelegt war und die Hausbesitzer sich sonnten. Diese waren aber nicht das dämonische äquivalent zu Echsen oder Drachen. Ein gewöhnlicher Mensch besaß keine Flügel, Schuppen oder einen Schwanz. Die Zwillinge nahmen gerne ein Sonnenbad in ihrer Dämonenform, weswegen Nero sich oft dabei ertappte den Vergleich mit Katzen zu ziehen. Große, extrem hässliche und gefährliche Katzen. Das konnte man einem gewöhnlichen Passanten nur schwer Erklären. Wenn es mal jemanden zum Devil May Cry verschlug, dann waren es ,neben den Pizzaboten, Kunden, die ein Problem mit Dämonen hatten. Eben jene zu sehen, auch noch neuerdings mit ihrem dämonischen Nachwuchs im Schlepptau, wie sie sich auf dem Dach in der Sonne räkelten, würde zumindest einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Beziehungsweise eher eine Massenpanik verursachen.
Nach wenigen Minuten schloss Nero das Fenster. Luft war eine Sache, aber er hatte keine Lust das etwas aus dem Garten in sein Zimmer kroch. Zwar machte im Moment nichts den Anschein seinen Platz verlassen zu können, doch der junge Hybrid wollte auf Nummer Sicher gehen, da er den grünen Daumen seines Vaters nicht traute. Mit einem Blick auf die Uhr zog sich Nero an, da er nur im Unterhemd und Shorts geschlafen hatte. Mit dem Besitz eines eigenen Zimmers, kam er irgendwann auf die Idee ein paar Kleidungsstücke aufzubewahren, falls er einmal ungeplant übernachten musste. Dieses vorausschauende Denken kam ihm jetzt zu Gute, auch wenn er kein Problem damit hatte Nackt zu schlafen. Besonders nicht im Sommer. Nur wegen Kyrie, da er auf sie Rücksicht nahm, verzichtete er darauf. Sie teilten sich zwar ein Bett, aber das wollte er der jungen Sängerin nicht zumuten.
Nachdem er seinen Mantel angezogen hatte, begann sein Magen zu knurren. Er hoffte das vielleicht noch ein paar Pizzareste vom Vortag übrig wären. Nero's Manieren waren nicht wirklich Vorbildlich, aber er war auch nicht so unhöflich und undankbar das er mit leeren Händen bei den Zwillingen auftauchte. Vergil meinte zwar das keine Notwendigkeit bestand, da sie ihm den Platz angeboten hatten, begrüßte aber die Höflichkeit seines Sohnes. Für ihn zählte eher die Geste als das er wirklich was brauchbares für ihn mitbrachte. Dante hingegen war vollauf begeistert und freute sich überschwänglich über die 'Spende'. Nero war überrascht das alle Bewohner, selbst der Jüngste, um diese Uhrzeit noch wach waren, da er weit nach Mitternacht bei ihnen ankam. Auf der anderen Seite wusste er das Dämonen nachtaktiv waren und er hatte mehr als nur einmal die Zwillinge entdeckt, wie sie zusammen auf dem Dach den Nachthimmel beobachteten. Was daran so spannend war konnte der junge Dämonenjäger nicht benennen und er war überrascht das Dante solch eine Aktion mitmachte. Es war eher Vergils Ding zu beobachten, während sein Onkel der lautere Zwilling war und nicht stillsitzen wollte. Solange sich die Brüder nicht stritten, war ihm das auch recht und irgendwie mochte er das Bild was sie damals abgaben. Beide Seite an Seite, gehüllt in den Schwingen des jeweils anderen, während Vergils dämonischer Schwanz sich um die Taille seines Bruders gewickelt hatte und den Abstand noch verringerte. Es war so friedlich, wie es bei zwei hochrangigen Dämonen nur sein konnte.
Neros Gedanken wanderten zu seinem Vater als er nochmal die Uhrzeit überprüfte. Er war sich sicher das dieser schon wach war. Der älteste Sparda war im Gegensatz zu seinem Bruder ein Frühaufsteher. Tag für Tag folgte er der gleichen Routine, wie Nero einmal beobachten konnte. Nach dem Aufstehen begann er seinen Tag mit Dehn-, Kampfsport- und Schwertübungen, nur um sich danach frisch zu machen. Danach brühte er sich eine Tasse Tee und genoss das Getränk während er die Zeitung las. Nero war überrascht das sie ein Zeitungs-Abo hatten, aber da sie zuvor kein Fernseher hatten und Vergil gern informiert blieb, war es auch nicht zu abwegig gewesen. Nach seiner Tasse Tee und der Zeitung begann er meist damit die E-Mails zu überprüfen ob neue Aufträge reingekommen sind. Wenn dies der Fall war kümmerte er sich um ein angemessenes Antwortschreiben. Danach war dann auch schon meist die Post eingetroffen, die er öffnete, las und sortierte. Vergil hatte dafür extra eine Ablage mit mehreren Fächern besorgt, weswegen der Geschäftsbetrieb in dieser Hinsicht nun auch viel Strukturierter lief. Rechnungen verschwanden nun nicht mehr auf mysteriöse weise und Aufträge, die per Post kamen, konnten ebenso abgelegt werden. Für die telefonische Auftragsannahme hatte er sich ein Kalender in Form eines Notizbuches zugelegt. In Punkt administrativer Arbeit war Vergil mehr als nur effizient und eine Bereicherung für den Betrieb. Seitdem sein Dämon bei ihnen lebte schien sich Vergils Tagesablauf laut Dante sich nicht verändert zu haben. Nero glaubte ihm, da er schon oft beobachtet hatte wie der junge Dämon bei verschiedenen Tätigkeiten wie Selbstverständlich an Rücken oder Brust seines Elternteils hing.
Nero lockerte seine verschlafenen Glieder und verließ das Zimmer um sich auf den Weg zu den Pizzaresten zu machen. Er ging nicht davon aus das sein Onkel diese genommen hatte, da es noch viel zu früh am Tag für diesen war. Als er an dem Zimmer der Zwillinge vorbeikam blieb er kurz stehen um zu lauschen. Überrascht nicht das Schnarchen seines Onkels zu hören, machte er sich auf den Weg ins Büro. Das Dante tatsächlich mal früher wach war glich einem Wunder. Wobei er eher glaubte das dies der Verdienst seines Bruders war, da er nicht davor zurückschreckte Dante aus dem Bett zu schmeißen, wenn er der Meinung war das es nun an der Zeit war produktiv zu sein. Sehr zu Dantes missfallen, der nach eigener Meinung erst nach 14 Stunden Schlaf erst so richtig funktionierte.
Nero blieb auf der letzten Treppenstufe zum Büro stehen und hob überrascht eine Augenbraue. Er hatte damit gerechnet das die Zwillinge wach waren, vielleicht sogar im Streit, aber das was sich vor ihm abspielte war eine ganz andere Sache. Sein Onkel, ein Mann Mitte Vierzig, lag mit seinem Oberkörper und dem rechten Bein auf der Couch, während der Rest seines Körpers ihn langsam zu Boden zog. „Ugh..., nicht fair.“, jammerte er und rutschte komplett auf den harten Holzboden. Mit dem Gesicht zum Boden blieb er liegen. „Vergeeee~“ Der Angesprochene saß gegenüber in einem Sessel und nippte an einer Tasse Tee. Er verzog bei dieser Darbietung keine Miene und Nero konnte nicht umhin den Mann für seinen Stoizismus zu bewundern. Einen Bruder wie Dante zu haben schien einen in vielen Lebenslagen abzuhärten.
Sein dämonisches Ich zeigte weitaus mehr Gefühlsregungen. Er lachte und trillerte, interpretierte Dantes Verhalten als eine Einladung zum Spiel und zum Angriff. Wie eigentlich jedes andere Verhalten auch. Der junge Dämon sah alles was sich bewegte oder nicht bewegte als potentielle Beute. Aus diesem Grund plusterte er seine Schwingen auf und sprang von der Lehne von Vergils Sessel direkt auf den Älteren. Falls dies ein Versuch gewesen war zu fliegen, war dieser gründlich daneben gegangen. Er landete wie ein nasser Sack auf Dantes Rücken, der sich kurz keuchend aufbäumte, dann aber wieder flach auf den Boden zurückfiel. Der junge Dämon griff in das weiße Haar seines Opfers, wackelte und hüpfte auf den Rücken seines Opfers und tat so als würde er dieses als Reittier benutzen. „Argh. Definitiv deine Brut! Attackiert mich, obwohl ich schon am Boden liege!“ murmelte Dante und drehte seinen Kopf zu Vergil um diesen einen Blick zuzuwerfen und an dessen Schuldgefühle zu appellieren. Vergil ließ das ganze aber kalt und genehmigte sich einen weiteren Schluck Tee, stellte die Tasse dann langsam auf einen Untersetzer und sah seinen Bruder fast gelangweilt an. „Es ist nicht seine Schuld, wenn du so ein schwaches Bild abgibst.“ Er ignorierte Dantes Antwort und ließ seinen Blick zu seinem ältesten Sohn wandern. Kurz nickte er diesem als Gruß zu.
Nero hatte sich nicht von der Stelle bewegt, erwiderte den Gruß und hob dabei die Hand. In Anbetracht seines Hungers und das er sich mit leerem Magen nicht mit den Macken seines Onkels beschäftigen wollte, machte er sich auf den Weg in die Küche. „Siehst du! Deine Brut!“, hörte er Dantes Beschwerde, entschloss sich aber diese zu ignorieren und öffnete den Kühlschrank. „Nice!“ Die Pizzareste waren tatsächlich noch da und auch eine frische Dose Cola. Zufrieden mit seiner Ausbeute setzte er sich mit dieser Vergil gegenüber, hatte darauf geachtet über Dantes Füße zu steigen um nicht zu stolpern. „Jetzt auch noch die Pizza!“ Als Spielzeug für sein Nestling herzuhalten fand er nicht schlimm, aber das ihm jemand auch noch die Pizza vor der Nase wegfutterte! Das ging gar nicht! Nahm denn die Grausamkeit kein Ende? „Es ist halt nichts anderes da. Außerdem hast du den meisten Teil schon gestern verschlungen!“, konterte Nero und schob sich ein Stück kalte Pizza in den Mund. Vergil verzog nur kurz den Mundwinkel, missbilligte die Frühstückswahl seines Sohnes, schwieg aber weitestgehend dazu. Nero hatte Recht damit das im Moment nichts im Haus war, weswegen Vergil ihm die Wahl nicht übel nehmen konnte, auch wenn er das fettige Zeug am liebsten nie wieder riechen wollte. Er verstand die große Vorliebe seines Sohnes für diese fettigen Dinge nicht. Das Dante Müll in sich reinschaufelte war er schon gewöhnt, aber das sein Sohn dem Beispiel folgte gefiel ihm nicht. Zum Glück hatten seine Beobachtungen ergeben das Nero diesen Kram nur Unterwegs aß, da Kyrie leidenschaftlich gerne für ihre Liebsten kochte. Zwar gab sie meist ein Essenspaket mit, aber der Appetit eines Vierteldämons war nicht mit dem eines Menschen zu vergleichen und Nero wollte nicht das sich Kyrie noch mehr Arbeit machte als eh schon.
„Also, hat ihn das Alter endlich eingeholt oder was ist los? Müssen wir ein Loch graben?“ Vergil schnaubte. „Sei nicht lächerlich.“, widersprach Vergil mahnend. „Wir brauchen kein Loch. Wäre er tot, würde ich selbstverständlich seine Leiche essen!“ Nero verzog das Gesicht und kratzte sich am Hinterkopf. Das war eigentlich nicht die Antwort die er erwartet hatte. Außerdem: Eww! Der junger Dämonenjäger wollte sich das nicht vorstellen und war froh das er bereits getrunken hatte, da er sonst die Cola ausgespuckt hätte. Das Vergil seine Aussage ernst meinte, bezweifelte er nicht. Sein Vater sah ihn mit ernstem Blick an, in dem sich etwas wie Empörung mischte. Das Nero nicht selbst auf die Idee gekommen war das die Leiche nicht begraben wird, sondern gegessen. So ein dummer Junge. Der übliche Dämonenscheiß, ...oder so, dachte sich Nero.
„Natürlich..., sorry.“, murmelte der Jüngere und Vergil nickte, schien damit zufrieden. Dante setzte sich auf und ließ dabei sein Anhängsel auf den Füßen aufkommen. Dieser wollte erst wieder den Rücken des Älteren erklimmen, entschied sich aber dann doch anders und begann damit seine Flügel zu putzen. Die Flügelpflege beherrschte er mehr schlecht als recht. Anstatt sich die Federn zu glätten, verursachte er noch ein größeres Chaos. Aus diesem Grund hob Vergil seine Brut auf seinen Schoß und begann das Chaos wieder zu richten. Dies gefiel dem jungen Nero, der sich zur Seite fallen ließ und nun ausgestreckt über den Schoß seines Vaters lag. Er begann zu gurren und schloss die Augen, als sich geübte Finger durch das Gefieder arbeiteten.
Dante sah kurz zu seinem Bruder und seinem Nachwuchs, richtete dann seine Aufmerksamkeit auf den anderen Nero, der immer noch auf eine Antwort wartete. „Um es kurz zu machen: Dein dämonisches Mini-Me war die ganze Nacht war gewesen. Meine armen Knochen kamen nicht zur Ruhe.“, beklagte er sich, setzte sich neben seinen Neffen auf die Couch und klaute ihm ein Stück Pizza unter der Nase weg. „Hey!“, protestierte er, wurde aber von Vergil unterbrochen. „Es ist deine Schuld. Du musstest ihn auch weiter anstacheln, anstatt liegen zu bleiben.“, stellte er richtig und schüttelte den Kopf. „Am Ende haben sie mit ihren Spielereien das ganze Nest zerwühlt. Dabei sollte der Idiot wissen das besonders in solchen Nächten wie gestern der Hang zur Aktivität steigt.“, wandte sich Vergil an seinen älteren Sohn, bekam aber von diesem und seinem Bruder nur fragende Blicke. Missbilligend schnalzte er mit der Zunge. Wie konnte nur so viel geballte Unwissenheit in einem Raum herrschen, fragte er sich. Wusste denn niemand etwas so Offensichtliches? Sein Sohn war unter Menschen aufgewachsen, da konnte er es noch irgendwie nachvollziehen, auch wenn der Schwertorden mit Sicherheit für ihre angehenden Jäger so etwas wie Dämonologie lehren sollte. Leider musste Vergil feststellen das sein Sohn ein genauso lausiger Schüler sein konnte wie sein Onkel. Dante hingegen... Das er seiner Herkunft so Blind und Unwissend gegenüber stand verärgerte ihn. Sein jüngster Sohn gurrte und Vergil entschied sich die Ruhe zu bewahren. Anstatt die Wissenschaft hinter dem Verhalten zu erklären, hielt er seine Erklärung knapp und konzentriere sich auf das Wesentliche. „Dämonen sind nachtaktiv. Der Vollmond steigert das Adrenalin und die Kampfeslust.“ Während Dante seine Lippen zu einem O verzog, war Neros Reaktion lebhafter. „Ach deswegen waren die Motherfucker gestern so schwer zu töten!“ Vergil quittierte dies nur mit einem Nicken und kümmerte sich weiter um die Flügel seiner Brut, die nun wieder aussahen wie neu. Gemächlich strich er mit seinen langen, schlanken Fingern kämmend durch das Haar des Jüngeren und kratzte dabei leicht die Kopfhaut, was diesen wohlig aufseufzen ließ. Er war mit sich und seiner Umwelt zufrieden und ließ sich in den Schlaf kraulen.
„Aber wenn es so viele Probleme mit dem Schlafen gibt, wieso schlaft ihr nicht einfach getrennt?“, gab Nero zu bedenken. „Ich meine, Dad's Reinigungsaktion hat dafür gesorgt das mehr Zimmer frei sind.“ Nero ließ seinen Blick von einem Zwilling zum Anderen wandern. Sein Vater schwieg und hatte seinen Blick konzentriert auf das Haar des jungen Dämons gelegt. Dante kratzte sich lachend an seinem Dreitagebart. „Ach nee, lass mal Kiddo. So schlimm ist das auch wieder nicht.“, erwiderte Dante, doch sein Neffe schien die Zurückhaltung, die im Raum herrschte nicht zu erkennen. Normalerweise war Dante ein direkter Mensch, aber Neros Sorge schien echt, weswegen er auf Sarkasmus verzichtete. Der fragende Blick seines Neffen heftete sich an ihm. „Wirklich? Ich meine, du lagst nicht nur wortwörtlich am Boden! Klar, du gammelst immer irgendwie irgendwo rum, aber trotzdem. In deinem Alter sollte man vorsichtiger sein.“ Dante wollte einen flotten Spruch darauf erwidern, ließ es aber bei der nächsten Frage fallen. „Ich meine, es ist doch normal das Kinder alleine schlafen. Wegen mir müsst ihr nicht auf ein weiteres Zimmer verzichten. Ihr wart als Kinder bestimmt auch froh ein eigenes Zimmer zu haben und habt sicher nicht mit euren Eltern ein Bett geteilt, oder?“
Vergil stoppte seine Bewegung, hatte den schlafenden Dämon in seine Arme gehoben und seinen Blick nicht von ihm gelöst. Dante öffnete seinen Mund, schloss ihn aber wieder ohne etwas gesagt zu haben. Der Raum blieb für einen Moment still. Nero, der das Verhalten der Zwillinge nicht verstand, wandte sich an seinen Vater, da er glaubte von ihm eine sachliche Antwort zu erhalten. „Liege ich falsch?“
Nero dachte erst das Vergil ihn nicht gehört hatte, aber bevor er die Frage wiederholen konnte, trafen sich ihre Blicke. Überrascht von dem intensiven Blick seines Vaters schloss er den Mund. Er war es gewohnt das Vergils Blick einen unter die Haut ging. Nero war sich sicher, sein Vater war die einzige Person dessen Blick einem die Seele rauben konnte. Vergil schwieg und sein Blick wanderte zu seinem Bruder, der gerade dabei war ein weiteres Stück Pizza zu essen. Als er Vergils Blick bemerkte verharrte er in der Bewegung. „Nun?“ „Was? Ich wollte nur etwas von meinem Frühstück retten.“, verteidigte sich Dante und versuchte sich nicht unter der Intensität des Blickes zu winden.
Nero fand das Verhalten seines Vaters seltsam und wollte etwas dazu sagen, doch dieser kam ihm zuvor. „Haben wir uns ein Nest geteilt in unserer Kindheit?“ Nero legte den Kopf schief und schien überfordert zu sein, während Dante mit ungewohnt ernstem Blick den letzten Bissen schluckte und dann nickte. „Ja, das haben wir.“ Er nickte Vergil zu, wandte dann seine Aufmerksamkeit seinem neugierigen Neffen zu. „Wir haben eigentlich ziemlich lange das Nest mit unseren Eltern geteilt. Das ging solange bis Dad verschwand.“, erklärte Dante und schien nachdenklich. Anstatt Nero direkt anzusehen, wirkte es eher als würde er durch ihn durch sehen und einen unbekannten Punkt an der Wandfixieren. Unbemerkt von den anderen beiden hatte sich Vergils Körperhaltung ein wenig versteift, während Dante gesprochen hatte. „Nein, sogar etwas länger. Genau! Ich glaube das war ein halbes Jahr oder so? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall noch eine kurze Zeit nach dem Verschwinden des alten Mannes. Dann schliefen wir mehr in unseren eigenen Betten. Wir hatten ein gemeinsames Zimmer, trotz riesigem Haus.“, beendete Dante seine Erzählung. „Ah okay.“ Dante sah kurz zu seinem Bruder, dann wieder zu seinem Neffen, dessen Blick ihn nie verlassen hatte. Bevor er weitere Fragen stellen konnte, klopfte Dante ihm auf die Schulter und lachte als hätte jemand einen besonders guten Witz erzählt. „Weißt du was, Kleiner? Dein Dad hatte ziemlich schiss.“ Nero rieb sich die Schulter und sah überrascht zu Vergil, der nun ebenfalls aus seinen Gedanken gerissen wurde. Schweigend sah er zu den beiden auf der Couch. „Wollte einfach nicht alleine im Bett schlafen, weißt du? Da ich von Natur aus ein lieber, zuvorkommender kleiner Bruder bin, kroch ich Nacht für Nacht in sein Bett und habe damit klein Vergils Tränen getrocknet!“ Nero machte große Augen, während Dante übertrieben lachte. Missbilligend räusperte sich der Älteste. „Meine Erinnerung mag nicht zuverlässig sein, aber ich bezweifle stark das es sich so zugetragen hat!“ „Ach komm schon, Verge! Du kannst mir da schon vertrauen!“ „Absolut nicht!“ „Waaaaas? Du verletzt meine Gefühle!“ Übertrieben seufzte Dante auf, legte sich die Hände auf die Brust und ließ sich gegen die Lehne des Sofas fallen. „Du tötest mich Bruder!“
Nero beobachtete das Gespräch der Zwillinge mit Verwirrung, bis er es verstand. Mit einem Mal fühlte er sich, als würde eine Ladung Ziegelsteine ihn begraben. Die Lippen formten eine Linie, während er mit seinen Händen in den Stoff seines Mantels krallte. Er fühlte sich wie der letzte Idiot. Das Geplänkel der Zwillinge hatte sich in rauschende Hintergrundgeräusche verwandelt. Nero war genug mit seinem Selbsthass beschäftigt, jetzt nachdem er erkannte was das abweisende Verhalten seines Vaters und Dantes anfangs ungewohnt zögerliche Art zu bedeuten hatte. Natürlich würde Vergil seine neugierigen Fragen Dante beantworten lassen. Nicht weil er selbst keine Lust dazu hatte, sondern weil er es nicht konnte! Im Gegensatz zu Dante, der sich an all die schönen Momente vor dem Vorfall klar und deutlich erinnern konnte, hatte Vergil kaum Erinnerungen auf die er zurückgreifen konnte. Oft war Vergils weltfremdes Verhalten und seine dämonische Art Gegenstand seiner Verwunderung oder seines Ärgers. Er wusste das sein Vater vor seinem Tod jahrelang unter Mundus gefoltert und zu einem hirn- und willenlosen Diener gemacht wurde. Das genaue Ausmaß war ihm jedoch nie bewusst, da Dante es selbst nicht genau wusste und Vergil darüber von sich aus nie sprach. Die Sache mit Mundus hatte er auch durch Zufall von Dante erfahren und er würde sich hüten vor Vergil darüber zu sprechen. Die Zeit damals schien zu schmerzhaft gewesen zu sein als das Nero sich getraut hätte mit seinem Vater darüber zu sprechen.
„Nuu~“, jammerte sein dämonisches Ich und riss ihn aus seiner Gedankenspirale. Vergil schien die Reaktion ebenfalls zum Anlass genommen zu haben das Gespräch zu beenden. Mit seiner Brut im Arm war er aufgestanden und bedachte seinen Bruder mit seinem typisch strengem Blick. „Genug jetzt. Nicht jeder hat den ganzen Tag Zeit fürs Nichtstun.“ Nero stand schnell auf und wollte etwas sagen, doch bevor er dazu kam hatte sich Vergil auch schon an ihn gewandt und ihm so den Wind aus den Segeln genommen. „Vergiss nicht den Müll wegzuwerfen. Es genügt schon das dein Onkel seine Pizzaschachteln ständig liegen lässt.“ Mit diesen Worten war Vergil auch schon aus dem Büro gegangen und ließ Nero mit seinem Onkel allein zurück.
Bevor die Stille noch unerträglicher wurde, hatte sich Dante zu Wort gemeldet. Mit verschränkten Armen hinter dem Kopf lehnte er sich lässig zurück und sah zur Seite, fixierte ein nicht näher bestimmten Punkt auf dem Boden. „Mhm..., ich hab vielleicht doch ein wenig gelogen.“, gestand er, was Neros Aufmerksamkeit auf ihn zog. „Wie?“ Kurz schloss Dante die Augen, schien seine Gedanken zu sammeln. „Eigentlich war ich es immer der in Verge's Bett gekrochen ist. Er hat sich schon immer beschwert das ich zu Anhänglich war. Aber...“ Dante ließ seine Arme sinken und beugte sich leicht nach vorn, hatte die Ellbogen auf die Oberschenkel gelegt und den Kopf mit seinen Händen gestützt. Nero hatte das Gefühl das Dante in dieser Haltung weniger riesig aussah als sonst. Der Blick des Halbdämons war melancholisch. „Ich konnte nicht anders. Ich habe meinen großen Bruder immer gebraucht. Aber es war ja nicht so als würde er es nicht auch wollen.“ Mit einem mal ballte er eine Hand zur Faust und schlug sich damit auf den Oberschenkel, ließ die Faust dann dort verharren. „Kannst du es glauben? Er war immer wach gewesen bis ich kam, eine Seite seines Bettes immer frei. Gerade genug Platz für mich. Als hätte er auf mich gewartet! Am Arsch, man! Von wegen 'Ich bin so ein großer, böser Bad-Boy! Macht ist alles!' Vergil lässt niemanden an sich ran, außer er will es selbst. Schon als Kind war er so gewesen. Egal wie viel er gemurrt hat, am Ende hat war er immer an meiner Seite und hat sich um meinen Scheiß gekümmert.“
Nero schwieg. Es hatte sich ein Kloß in seinem Hals gebildet. Sein Blick folgte Dantes und sie blieben an Vergils benutzter Teetasse stehen. Scharf zog Nero die Luft ein, biss sich auf die Unterlippe. Wieso konnte er nicht einfach sein verdammtes Maul halten?! „Ich..., ich war gerade echt scheiße oder?“ Neros Blick verließ die Teetasse nicht, die dieses Bild mit ihrer Anwesenheit so sehr störte, das sich der junge Vierteldämon davon verletzt fühlte. Sein Vater war so pingelig, er hätte niemals seine Tasse ohne einen zweiten Gedanken stehen gelassen. Er beschwerte sich ständig über den mangelnden Ordnungssinn seines Bruders. Nero erkannte das er es war, der seinen Vater dazu brachte den Raum zu verlassen. Nur weil er so dumm war und auf Antworten drängte. Hätte er einfach alles akzeptiert wie es war und sie würden immer noch hier sitzen und sich über Dantes missliche Lage lustig machen.
Nero hatte nicht bemerkt wie sich Dante zu ihm stellte. Erst als er eine Hand auf seinem Kopf spürte, die ihm die Haare durcheinander wirbelte, sah er in das Augenpaar seines Onkels. „Unsere Familie ist nicht gerade bekannt dafür gut mit diesen Herz zu Herz-Gesprächen zu sein. Eigentlich versuchen wir Probleme eher mit Gewalt zu lösen, aber das weißt du ja schon.“ Nero schnaubte und rollte die Augen. Das war ihm nur mehr als bewusst. Dante verzog seine Mundwinkel zu einem Lächeln. Diesmal schien es anders. Nicht gespielt, sondern ehrlicher glaubte Nero. „Junge, du hast das Sparda-Familiengen geerbt und dadurch oft das Einfühlungsvermögen eines Presslufthammers, aber ich will verdammt sein! Du bist das Beste was dieser Familie in der letzten Zeit passiert ist! Durch die Abspaltung deiner dämonischen Seite sogar doppelt so gut! Dank euch gibt es wieder so etwas wie Hoffnung. Wir sind keine normale Familie, aber eine Familie! Das haben dein alter Mann und ich so lange vermisst.“ Nero errötete, stieß dann seinen Onkel sanft von sich als es ihm zu peinlich wurde und rieb sich mit dem Zeigefinger unter die Nase. „Irgendwie ist das gruselig, wenn du so nett bist.“ Dante lachte nur und Nero wurde wieder ernst, heftete seinen Blick an die Tür durch die Vergil vor wenigen Momenten verschwunden war. „Bist du sicher das Dad nicht sauer auf mich ist?“ „Ja das bin ich. Er ist wütend wegen vielem, aber nicht deswegen. Schon gar nicht auf dich! Lass dir das von jemandem gesagt sein, der ein Meister darin ist ihn wütend zu machen!“ „Das ist nichts worauf man stolz sein sollte.“ Dante grinste nur, was Nero resignierend den Kopf schütteln ließ, jedoch mit einem Lächeln auf den Lippen.
Die beiden wurden unterbrochen als Neros Handywecker klingelte. „Oh shit! Die Fähre.“ Nach all dem hatte er vergessen das er bald los musste, wenn er Kyrie und die Kinder heute noch sehen wollte. Er wollte aber nicht einfach so gehen. Nicht bevor er noch einmal mit Vergil gesprochen hatte. Auch wenn sein Vater, laut Dante, nicht wütend auf ihn sei, hatte er trotzdem das Gefühl etwas klären zu müssen. Dante aber hatte andere Pläne und schob den Jungen lachend zum Ausgang. „Du solltest dich beeilen, sonst wird Kyrie noch böse!“ „Am Arsch! Du weißt das sie so nicht ist!“ „Trotzdem solltest du deine Lady nicht warten lassen.“ Nero öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder als Dante seine Hände auf die Schultern legte. „Glaub mir, es ist alles in Ordnung. Niemand ist sauer auf dich.“ Nero entließ einen Atemzug, von dem er nicht wusste das er ihn gehalten hatte. Dantes Blick war ungewohnt ehrlich und aufrichtig. „In Ordnung alter Mann, aber ich werde anrufen wenn ich zuhause bin!“ „Das ist ja wohl das Mindeste!“ Die beiden Männer verabschiedeten sich mit einer Umarmung. „Weißt du, ich habe mich seit damals nicht geändert. Ich werde an seiner Seite sein.“, flüsterte Dante Nero ins Ohr, der überrascht aufsah. Dante grinste nur, schob den Jungen nach draußen und schloss die Tür vor seiner Nase. „Was? Dante!“ Nero nahm einen tiefen Atemzug, schüttelte dann aber leise lachend den Kopf. Die Beziehung zwischen den Brüdern gehörte zu den Dingen in dieser Welt, die er wohl niemals vollständig begreifen würde. Oberflächlich wirkte es so als könnten sie nicht miteinander, aber das Gegenteil war der Fall. Dies hatte Nero nach allem erkannt.
Nachdem sich Nero auf den Weg machte, hatte er nach wenigen Schritten das Gefühl beobachtet zu werden. Noch gerade rechtzeitig drehte er sich um und hatte mit der Hand ein Objekt abgefangen, das nach ihm geworfen wurde. Sein Blick ging zum Dach des Gebäudes und er erkannte dank seiner verbesserten Sicht ein dämonisches Augenpaar und vereinzelnd blaue Schuppen zwischen Zweigen. Nero ließ seinen Blick vom Dämon zu dem Objekt in seiner Hand wandern um zu erkennen was er gefangen hatte. Es war eine dämonische, aber essbare Frucht. Sie war schwarzblau mit einem gelben netzartigen Muster. Der Blick ging von der Frucht zu dem Augenpaar seines Vaters. Eine stille Mahnung, das er neben dem ganzen Fast-Food doch noch etwas gesundes zum Frühstück mitnehmen sollte. Ob eine seltsame Dämonenfrucht zu einer gesunden Ernährung gehörte wollte der junge Hybrid in diesem Moment nicht diskutieren. Dankbar hob er die Hand und winkte zum Abschied. Vergils dämonisches Schnauben drang leise an sein Ohr und das Grün verdichtete sich wieder, als der Ältere sich abgewandt hatte. Nero wusste das sein Vater ihn gehört hatte und musste wieder an Dantes Worte denken. Ja, Vergil kümmerte sich um ihn. In seiner eigenen, ziemlich seltsamen Art und Weise, aber immerhin. Sein Vater hasste ihn nicht. Mit einem Lächeln und deutlicher Erleichterung machte er sich auf den Weg zum Hafen.
"Urgh!" Angewidert verzog er das Gesicht und spuckte die Reste der Frucht ins Meer. Vielleicht war sie für einen Dämon lecker, aber für Neros menschliche Geschmacksnerven war sie einfach nur widerlich. „Sorry Dad, aber da bleib ich doch lieber bei Pizza.“
Chapter 6: Mission in den Bergen Teil 1
Notes:
Wow, finally some action besides the fluff.
Ah and fluff! ლ((⇀‸↼‶ლ)
Chapter Text
Ein strahlender Himmel, es war nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt. Das perfekte Wetter für jeden, der sich entschied seine Zeit draußen zu verbringen. Berge, soweit das Auge reichte. Die meisten verbunden durch einen schmalen, steinigen Pfad, der zu gewollt aussah um natürlich zu sein, aber deren Konstruktion und Beschaffenheit weit außerhalb des menschenmöglichen lagen. Die Felsformationen waren schmal und ragten in unglaubliche Höhen. Einige Gipfel waren von einer dichten Wolkendecke verdeckt. Jene, die nicht so weit in den Himmel ragten, waren bewachsen. Die Landschaft war ein Zusammenspiel aus Fels und üppiger Flora, wirkte fast wie aus einem Fantasy-Film entnommen.
Mit einer großen Landkarte in seinen Händen, versuchte Nero die Route zu planen. Sie waren schon einen halben Tag unterwegs und er vermutete, es würde noch mindestens ein Tag vergehen, bis sie ihr Ziel erreicht hatten. Der Weg führte über gefährliche und steile Serpentinen hinauf. Die schmalen, steinernen Brücken entlang und rutschigen Wegen wieder hinab. Es war nicht leicht durch die Landschaft zu navigieren, doch Nico's Fahrtalent sei Dank blieben sie bis jetzt unversehrt, auch wenn es manchmal extrem knapp war. Es kam nicht selten vor das Kurven schärfer waren als angenommen oder ein Teil der Strecke unter ihnen drohte während der Fahrt wegzubrechen. Ein normaler Van wäre den Belastungen kaum gewachsen gewesen, zumal sie nicht alleine unterwegs war, sondern neben Nero und Nico noch vier weitere Menschen und ein Dämon im Van saßen. Drei weitere Dämonen reisten im befestigten Nest auf dem Gepäckträger mit, sodass der Van neben der steilen Strecke noch mit einer Menge Passagieren beladen war. Zum Glück hatte Nico ihren Minotaurus zu einer Teufelswaffe verarbeitet, sodass diese Umstände nur eine Kleinigkeit waren.
Seufzend ließ Nero die Karte sinken. Im Normalfall wäre er angetan von der Schönheit des Panoramas, das sich vor ihm erstreckte, aber im Moment war einfach nur gestresst und besorgt. Eine Mission weit weg von zuhause war nichts Ungewöhnliches und brachte den Vierteldämon kaum zum Schwitzen. Diesmal war aber alles anders und seine Reisebegleitung ungewöhnlich für das mobile Devil May Cry.
„Wirklich schön.“, vernahm Nero die Stimme seiner Freundin, die aus dem Van stieg mit einem Becher Tee in der Hand, der ihm gereicht wurde. Dankend nahm er diesen an und klemmte die Karte zwischen zwei Metallstangen. „Danke Kyrie. Ja, das ist es wirklich. Ich hätte nicht gedacht einmal so weit weg zu sein. Aber wenn ich es mir recht überlege, ist es auch nicht so ungewöhnlich. Vater kann uns mit Yamato über die ganze Welt schicken.“ Kyrie lachte leise, nickte dann. „Es ist alles in Ordnung. Das weißt du doch?“, begann sie ernst und sah dem Weißhaarigen in die Augen. Unsicher sah er zur Seite. „Du musst nicht wieder damit anfangen.“, tadelte Kyrie sanft, was Nero verwirrt blinzeln ließ. „Wie?“ „Ich meine damit alles alleine schultern zu wollen. Sicher, ich bin nicht so stark wie die anderen, aber ich werde nicht von deiner Seite weichen, Nero. Du bist nicht allein. Wir sind alle bei dir.“ „Kyrie...“
Eine zarte Röte stieg ihm ins Gesicht und mit der freien Hand nahm er die seiner Freundin. Ihre Berührung fühlte sich zart an und erdete ihn, wie jedes Mal, wenn er besorgt war. Ihre Anwesenheit war für wie ein heilendes Licht, auch wenn ein Teil von ihm wünschte, sie würde ihn nicht dabei beobachten wie er töten würde. Nero wusste das Kyrie nicht naiv war und wusste das seine Arbeit das Töten von Dämonen beinhaltete, weswegen seine Gedanken für jeden Anderen erst einmal unsinnig wirkten. Die junge Frau hatte genug Tod gesehen, als Fortuna im Chaos versank. Ihr Bruder war ein hohes Mitglied des Schwertordens. Nach dem Tod ihrer Eltern war sie es, die auf seine Heimkehr nach einem Auftrag auf ihn wartete. Sie wusch seine und auch später Neros blutdurchtränkte Kleidung. Während Nero kämpfte gab sie nicht auf und hatte die Kraft weiter zu machen, trotz Credos Tod. Sie war aufgestanden und hatte denen geholfen, die noch weniger hatten. Sie war eine starke Frau und genau deswegen liebte Nero sie. Seine Gesicht erhitzte sich er hatte das Gefühl bald zu verbrennen. „Kyrie, ich..-“ „Urgh! Ey, yo! Sie machen es schon wieder!“, riss Nico das Paar aus ihrer Blase, rümpfte die Nase und machte ein angewidertes Geräusch. Kyrie lachte auf, während Nero's Wangen noch tiefer erröteten. So schnell er konnte trank er den Tee, verschluckte sich dabei und hustete, was ihm einen besorgten Blick Kyrie's einbrachte und ein gackerndes Lachen von Nico. „Ich hab's dir gesagt. Keine zwei Minuten und Loverboy kann es nicht sein lassen!“ Eine weitere lachende Frauenstimme gesellte sich dazu und ein blonder Haarschopf kam neben Nico zum Vorschein. Trish musterte das junge Paar und grinste bei Nero's Unbeholfenheit. „Wie der Onkel, so der Neffe.“ „Ah so mutig isser auch wieder nicht, auch wenn es ein Wunder ist das er sich nicht ins Höschen macht wenn er bei ihr ist. Es dauerte lange genug bis sie endlich anfingen ein Schlafzimmer zu teilen.“ „Oh sie an. So weit sind sie schon? Ich hoffe sie denken an Schutz!“
Nero drückte wütend den Becher in seiner Hand zusammen und zischte den Frauen zu. „Fuck you!“ Kyrie lachte hinter vorgehaltener Hand, während zwei Kinder miteinander lachend aus dem Van kamen und von den Nöten ihres 'großen Bruders' wenig mitbekamen. „Kyle! Julio! Nicht zu nah an den Rand.“, mahnte Kyrie und folgte den Kindern, die ihr im Chor antworteten.
„Nee, soweit sind sie sicher noch nicht. Er kriegt ja schon das Flattern bei einem Kuss!“, erklärte Nico unter Lachen, was Trish grinsen ließ. „Wirst du wohl die Klappe halten?!“ Beschämt warf er Nico den Becher an den Kopf, die empört aufschrie. „Ey! Warum nur ich? Sie lacht auch!“ „Du hast angefangen!“ „Ahhh! Schade. Ein Kuss hätte schon drin sein sollen. Der Moment war perfekt!“, mischte sich eine verzerrte, deutlich dämonische Stimme in den Streit ein und gewann die Aufmerksamkeit. Ein rot-schwarzer und gehörnter Kopf kam aus dem Eingang des Nestes hervor. Mit einem Arm stützte er sich lässig am Rand ab, während er mit einer Kralle auf seinen Neffen zeigte. „So eine Dame lässt man nicht warten!“ Dante hatte keine Lippen in seiner dämonischen Form, doch Nero hatte das Gefühl der ältere Dämon trug eines seiner nervigsten Grinsen. „Duuu-!“, bevor Nero einen Schwall erlesenster Schimpfwörter an Dante's Kopf werfen konnte, wurde er unterbrochen. „Es steht dir nicht zu das Paarungsritual des Jungen in Frage zu stellen. Er hat um sie geworben und sie nahm an. Wie er den Weg weitergeht liegt in seinem Ermessen.“, wies die ruhigere, ebenfalls dämonisch verzerrte Stimme den anderen Dämon zurecht. Vergils schwarz-blau gehörnter Kopf kam neben Dante's zum Vorschein. „Scheiße! Dein Dad ist einfach anders wild!“, rief Nico unter lautem Gelächter. Dante lachte ebenfalls, während Trish ernst nickte. „Seine Art der Werbung hat zum Erfolg geführt, da hast du Recht. Er teilt mit seinem Weibchen auch schon bereits das Nest und sie ziehen gemeinsam Junge groß. Es ist ungewöhnlich für jemanden seines Alters und hohem Status so zögerlich zu sein, aber irgendwie hat es ja auch seinen Charme.“ Trish zwinkerte Nero grinsend zu, der sich am Liebsten vom Berg stürzen wollte. „Shit! Ich kann nicht mehr.“, presste Nico unter lauten Lachen und musste sich den Bauch halten. Ihre Augen tränten bereits, während die Kinder verwirrt zur Gruppe der Erwachsenen sahen.
Nero schlug sich mit der Hand vors Gesicht und hatte das Gefühl, als würde ihm Rauch aus den Ohren steigen. Sein Onkel hatte ihn gewarnt das Trish eher wie sein Zwillingsbruder war. Die blonde Dämonin residierte schon einige Jahre in der Menschenwelt und schien deutlich angepasster an das Leben als Mensch als Vergil, sah dennoch das Meiste aus dem Blickwinkel eines Dämons und nicht aus der Perspektive eines Menschen. Diese waren mit ihren Gefühlen und ihren Ansichten meist zu umständlich, weswegen sie nicht viel Wert darauf legte. Es interessierte sie kaum was die Gesellschaft über sie dachte. Aus diesem Grund waren sie und Vergil gemeinsam auf Reisen das garantierte Rezept für eine Katastrophe. Der jüngste Abkömmling Sparda's hatte das Gefühl ein Aneurysma zu bekommen, wenn er sich weiterhin in ihrem Wirkungskreis aufhielt. „Nuuu~! Ah!“, mischte sich eine jüngere Stimme ein und sein dämonisches Ich streckte seinen Kopf zwischen den massigen Körpern der älteren Dämonen hervor und begann zu lachen. Er verstand zwar nicht warum sein menschlicher Teil in Not war und Nico lachte wie eine Wahnsinnige, fand es aber unglaublich witzig. „Och komm schon! Wenigstens du solltest auf meiner Seite sein, ja?“ Mit einem verratenem Blick sah er zu dem Kind, was giggelte.
„Genug davon. Es ist nicht an die Zeit über Nero's bevorstehende Paarung zu sprechen. Wir sollten uns dem Hauptanliegen widmen.“, stellte Vergil klar und räusperte sich. Nero krümmte sich innerlich bei dem Gedanken das Vergil über sein zukünftiges Sexleben sprach, nickte aber beschämt und war dankbar das der Ältere genug Autorität in seine Stimme gelegt hatte, das man das Thema fallen ließ. Er war froh das Carlo nicht dabei war, sondern das Waisenhaus genug freie Kapazitäten hatte um sich für ein paar Tage um ihn zu kümmern. Er wollte es dem Kleinkind nicht antun mit solchen Wahnsinnigen reisen zu müssen, auch wenn sie zur Familie gehörten. Ihre Arbeit war nichts für kleine Kinder, auch wenn sie eines dabei hatten. Nero machte sich aber keine Sorgen. Das Kind war seiner Meinung nach besser beschützt als der Präsident und Papst zusammen. Sollte jemand auf die dumme Idee kommen ihm auch nur eine Feder krümmen zu wollen, musste er erst mal mit zwei wütenden Halbdämonen aufnehmen, die mit einem Fingerschnippen eine Apokalypse starten konnten. Einer von ihnen hatte es sogar schon zwei mal bewiesen!
Grummelnd breitete Nero die Karte aus. Er würde Kyrie und seine Kinder beschützen mit allem was er hatte. Wie kam er überhaupt auf die Idee diese so einer Gefahr auszusetzen? Achja... Er wollte nicht voreingenommen sein, doch meist wenn es sich um eine unkonventionelle Situation handelte, ging ihr Ursprung von einer Person aus: Seinem Vater! Dank ihm und dem Yamato-Express waren sie nun in der Pampa gelandet. Sein Leben war nie ganz Normal gewesen, aber seitdem die Zwillinge in sein Leben getreten waren, glich es einer Parodie und die Absurdität schien ins unermessliche zu steigern.
Dabei klang am Anfang doch alles einfach...
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„Hä?“ Mit einem Stück Pizza im Mund und einem Gaming-Controller in der Hand lag Nero ausgestreckt in Bauchlage über dem Sofa. Verwirrt sah er in das Gesicht des Mannes der daran beteiligt war ihn ins Leben zu bringen und so wie er die Miene verzog, würde er darüber nachdenken ihn im nächsten Moment auch aus diesem wieder zu judgmentcutten...
Sein dämonisches Ich lag mit dem Rücken angelehnt zwischen seinen Beinen und hatte sein Gesäß als Kissen benutzt. Er schlief selig und ahnte nichts vom drohenden Weltuntergang. Der Tisch war voll mit Pizzakartons, übrig gebliebenen Chips und leeren Dosen. Vergil's zweitägige Abwesenheit hatte deutliche Spuren hinterlassen.
„Sieg für Dante!“ Nero sah von seinem Vater zum Bildschirm, auf dem ein großes 'K.O.' auf seiner Hälfte prangte. „W...Was? Nicht fair! Ich war abgelenkt!“, kreischte Nero und sah zu seinem Onkel, der in seinem Stuhl lümmelte und die Füße auf dem Schreibtisch hatte. Dieser trug ebenfalls Spuren der letzten Tage davon, wobei ein Karton noch mit einer halben Pizza gefüllt war. „Na, na, Kleiner. Als Dämonenjäger muss man seine Umgebung im Blick behalten und auf alles Vorbereitet sein.“, spottete Dante spielerisch, begann zu lachen, verstummte dann aber plötzlich als er eine beunruhigende, anschwellende Aura verspürte. Die Temperatur im Büro schien auf einmal um mehrere Grade gesunken zu sein.
Vergil legte langsam das Buch, was er in der Hand gehalten hatte auf seinen Schreibtisch. In seinen leeren Händen materialisierte sich das Yamato. „W...Warte, warte, Verge! Atme einmal tief durch, bevor du etwas machst, was du bereust!“, versuchte Dante seinen Bruder zu beruhigen, wedelte mit den Armen um eine beruhigende Geste zu finden. Er versagte. Jämmerlich. Der älteste Sohn Spardas knurrte und fletschte die Zähne. Trotz seines menschlichen Äußeren wirkte er wie ein gewaltbereites Tier, weswegen es nur passend war das sich sein Schwanz materialisierte und wütend hinter ihm peitschte. Nero erkannte die Gefahr in der sie sich befanden: Sie waren am Arsch! Schnell richtete er sich auf, achtete dabei nicht darauf das sein Hintern als fleischiges Kissen genutzt wurde, weswegen das Kind von der Couch kullerte. Schockierte Stille breitete sich im Raum aus und Vergil's scharfer Blick verließ Dante und heftete sich an Nero, den Älteren, dem ein kalter Schauer den Rücken runterlief. Nero, der Jüngere, blinzelte verwirrt, da er nicht verstand was ihn aus seinem Nickerchen gerissen hatte. Er schüttelte den Kopf wodurch ein paar Haarsträhnen an seinen Wangen klebten. Mit den kleinen Händen bildete er Fäuste und rieb sich den Schlaf aus den Augen, begann herzhaft zu gähnen mit weit ausgerissenem Mund und präsentierte dabei stolz seine Babyreißzähne.
Vergil's Knurren war tief und er hatte Yamato aus der Scheide gezogen. Fieberhaft überlegte Nero. Wenn jetzt nichts passierte, würde heute Abend wer sterben! Schnell reagierte er, packte den Baby-Dämon und hielt diesen vor seinen Vater. „Es ist alles in Ordnung! Schau, keine Verletzungen!“ Der kleine Nero blinzelte erneut, ließ seinen Mund weit offen und legte den Kopf schief. Verwirrt sah er zu seinem dämonischen Elternteil hoch, während ihm der Sabber aus dem Mund lief. „Aaaah~?“
„Reißt euch gefälligst zusammen!“, schimpfte Vergil, der seinen dämonischen Nachwuchs auf dem Arm trug. Unter wachsamen und strengem Blick begannen die beiden Anderen ihr Chaos aufzuräumen. Nicht lange und das Büro war wieder Tipptop und die Gefahr eines vorzeitigen Todes war für's Erste abgewehrt. Erleichtert band Nero einen Müllsack zusammen und ließ sich auf die Couch fallen. Hausarbeit war so anstrengend. Er wusste nicht wie Kyrie das schaffte. Lieber ging er Dämonen verkloppen als noch ein Möbelstück polieren zu müssen. Dante erging es ähnlich, der sich auf seinen Schreibtischstuhl fallen ließ und tot für die Welt wirkte. Ihnen entkam ein gemeinsamer Seufzer, was Vergil mit einem mürrischen Räuspern beantwortete. Beide sahen zu ihm, in der Hoffnung das der Gerechtigkeit endlich genüge getan wurde. Zu ihrem Glück schien Vergil keine weitere Reinigung anzuordnen.
Er hatte das Kind runtergelassen und der kleine Nero ahmte Dante nach, indem er auf dessen Schoß kletterte und sich theatralisch seufzend gegen seine Brust lehnte. Er wirkte, als hätte er die Last der Welt auf seinen Schultern gehabt, was den älteren Dämon nur schnauben ließ. Spielerisch schnippte er ihm gegen ein Horn, begann dann durch dessen Mähne zu wuscheln und erntete ein Kichern als Antwort. „Wir werden auf Reisen gehen.“, verkündete Vergil leidenschaftslos und mit einer Endgültigkeit, die Nero immer wieder überraschte. „Cool! Wohin?“, fragte Dante. „Nach gründlicher Recherche habe ich ein Artefakt gefunden, das für das Ritual benötigt wird.“ „Welches Ritual?“ Vergil bedachte seinen Bruder mit einem Blick, als hätte er ihn gefragt welche Farbe der Himmel hatte. Wobei dies den älteren Zwilling nicht überraschen würde. „Das Ritual, welches dafür sorgt das aus zwei Nero's wieder ein Nero wird?“, erklärte er seinem Bruder in einer Art als würde er mit einem Grundschüler sprechen. „Ohhhhh! Cool!“ „Und wo ist das Artefakt?“, fragte Nero, der einen weiteren Streit der Zwillinge abwenden wollte. „Asien.“ Der jüngere Dämon pfiff anerkennend, Vergil verzog keine Miene. „Tief in den Bergen liegt ein Tempel. Laut den Schriften ist es nur Familien gestattet diesen zu betreten.“ „Uhh~! Dann machen wir doch einfach einen netten Familienausflug!“, freute sich Dante und ließ den jüngsten Dämon auf seinem Knie wippen. Dieser lachte und streckte seine Flügel aus.
Vergil schüttelte den Kopf. „Nein. So einfach ist das nicht. Wir würden in dieser Gruppenkonstellation zu viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen.“ „Und was schlägst du vor, Dad?“ „Wir brauchen Weibchen!“, verkündete Vergil ernst und verschränkte die Arme vor der Brust. Nero hustete überrascht auf. „Weibchen, Nestlinge, ein Rudel!“ Sein Sohn verzog das Gesicht zu einer fragenden Miene, während Dante die Worte seines Bruders im Kopf für normale Menschen wie Nero bereits übersetzt hatte und so nett war diese zu teilen. „Du meinst also: Wir schnappen uns die Mädels, Kiddo's Kid's, unsere Wenigkeit und machen einen auf große Happy Family? Bin dabei! Wann kann's losgehen? Können wir Pizza eintuppern?“ „Die Planung dürfte nicht länger als ein paar Tage gehen. Ja, von mir aus.“ Nero sah mit großen Augen von einem Zwilling zum Anderen. Ihm fehlten die Worte. „W...Was? NEIN!“, schrie er. „Zur Pizza?“ „ZU ALLEM!“ Vergil wandte sich an seinen Sohn und sah ihn an, als sei er ein widerspenstiges Kind, was einfach nicht ins Bett gehen wollte. „Es ist jederzeit möglich frische Nahrung jagen zu gehen.“ Nero schüttelte den Kopf und hatte das Gefühl er war von Wahnsinnigen umgeben. Wobei das seiner Meinung nach nicht ganz weit weg von der Wahrheit war. „Es geht nicht um die scheiß Pizza!“, schrie er aufgebracht und ihm entging nicht, wie Dante sich über den Pizzakarton mit den Überresten beugte. „Uhh?“, fragte der kleine Dämon und steckte sich seine Hand in den Mund, während Vergil seine Arme vor der Brust verschränkte und auf eine Erklärung wartete. Er wusste nicht wo hier das Problem lag. Sein Sohn war manchmal echt seltsam.
„Ich werde weder Kyrie noch die Kinder einer solchen Gefahr aussetzen!“ „Dumm Nero, wirklich Dumm!“, belehrte Vergil nasal und schüttelte den Kopf, was Neros Wut nur noch schürte. „Vielleicht ist für euch ein Kampf auf Leben und Tod nur ein weiterer Dienstag, aber ich werde meine Familie nicht auf ein Schlachtfeld bringen!“ „Sie werden außerhalb des Kampfgeschehens sein. Wenn es dich beruhigt, wir werden versuchen so geschmackvoll wie möglich unsere Feinde abschlachten und nur minimal Blut dabei ziehen.“ Je mehr Nero mit seinem Vater argumentierte, desto mehr hatte er das Gefühl zu implodieren, oder explodieren. Wie konnte eine Person nur derart lebensfern sein und glauben das es sich um eine gute Idee handeln würde Kinder in die Sache mit reinzuziehen?!
„Halt, halt!“ Dante stand auf und hielt das kleine Kind zwischen die Parteien. Der junge Nero blinzelte verwirrt zwischen den Anwesenden umher und saugte dabei an seiner Hand. „Versuchst du meinen Trick gegen mich zu verwenden?!“, murrte der ältere Nero, was Dante grinsen ließ. „Es hat geklappt oder? Er beendet einen Streit effektiv.“ „Nutzen wir nun erwachsene Wörter, Bruder?“ „Ach komm schon. Effektiv ist kein so erwachsenes Wort!“ „Man könnte meinen.“ Nero seufzte. „Egal. Das ist eine Scheiß-Idee!“ „Ich könnte Trish fragen ob sie mitkommt. Während wir uns um die Dinge für große Jungs kümmern, kann sie bei deiner Liebsten und den Kindern bleiben.“ „Trish?“ „Ja, du kennst Trish. Groß, Blond, gut gebaut und wirklich scharf!“ „Meine Ohren! Ich verlange das du sofort damit aufhörst. Sie ist Mutters physische Kopie!“ „Ich weiß, aber du musst zugeben Verge: Mom war gutaussehend. Deswegen bin ich auch so heiß.“ „Kein Kommentar.“ „Spielverderber!“ Der kleine Nero brabbelte etwas unverständliches hinter seiner Hand und Vergil hatte das Gefühl das dies weitaus sinnvoller war als das was sein kleiner Bruder die letzten 5 Minuten von sich gegeben hat. „Ich muss aber dem Zustimmen.“ „Das Mo-“ „Trish ist kompetent. Sollte sie sich der Mission anschließen und für dein Rudel kämpfen, werden sie in Sicherheit sein.“ Dante nickte zustimmend. „Ja. Sie ist knallhart. Also, was sagst du Kiddo?“ Nero überlegte sorgfältig und war ihm Zwiespalt. Trish war für ihn keine Unbekannte. Er hatte sie getroffen als sie sich als Gloria den Schwertorden infiltriert hatte. Sie war talentiert mit ihren Schusswaffen, Dolchen und seltsamen, magischen Dämonenscheiß. Sie hatte ihn mehr als nur einmal in den Arsch getreten während einer Trainingsrunde. Sie wäre also perfekt. Auf der anderen Seite wollte er weder Kyrie, noch die Kinder auf dem Feld wissen.
„Und es gibt wirklich keine andere Möglichkeit?“, fragte Nero und sah zu seinem Vater. Dieser schüttelte den Kopf. „Alle Schriften besagen das ein Besuch als Rudel zielführend sei.“ Tief seufzte Nero. „Gut, okay. Ich werde mit Kyrie sprechen.“ „Keine Sorge Kiddo. Wir kümmern uns alle um deine Dame und die Kinder. Selbst dein mürrischer Alter.“ „Sei nicht albern Dante. Sollte es jemand wagen ihr oder den Jungen ein Haar zu krümmen, werde ich sie bis in die tiefen der Hölle verfolgen und sie um den Tod betteln lassen.“ „Das ist heiß! Ich ruf Trish an!“ Mit diesen Worten schob Dante den Baby-Dämon in Vergils Arme wählte die Nummer der Blondine.
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Mit einem Lächeln beobachtete Nero die Kinder, die zusammen mit Kyrie wieder in den Van stiegen. Die Schriften besagten das es besser war sich als große Familie zu tarnen. Ja..., tolle Schriften. Es handelte sich nicht um alte ehrwürdige Gedenktafeln, Schriftrollen oder Bücher, sondern um das Internet. Genauer gesagt um die weniger alten und ehrwürdigen Schriften einer Website für Touristenattraktionen. Achja: Und Google-Bewertungen!
Besagter Tempel war in einer bekannten und beliebten Bergregion in China und war einem Gott gewidmet, der für die Familie stand. Laut den Legenden kam es in dieser Gegend zu vielen Unruhen. In den Bergen war das Leben hart und die Menschen hatten nur wenig. Besonders Familien sollten hier ein Obdach und Nahrung gefunden haben. Ob hinter den Legenden was Wahres steckte konnte er nicht sagen, aber das war es, was er aus seiner kurzen Recherche herausgefunden hatte. Die ganzen Bewertungen sprachen von einem wunderschönen Bauwerk, einem imposanten Bergpanorama und mit dem Hintergrund über die Legenden des Tempels, sei es der perfekte Ort für eine Reise mit der Familie. Das diese Bewertungen und Tipps keine Regeln für den erfolgreichen Eintritt in den Tempel waren, hatte der älteste Sohn Sparda's nicht bedacht. Er war effizient im Sammeln von Informationen, was in seinem Beruf als Artefakthändler zum Vorteil war, aber wenn es um das Internet geht war er das Klischee eines alten Mannes. Leider konnte Nero auch nicht wütend auf seinen Vater sein trotz seiner Unwissenheit gegenüber dem digitalen Zeitalter. Er hatte versprochen Nachforschungen anzustellen über das Ritual und dem Verbleib der benötigten Utensilien. Dieses Versprechen hatte er erfüllt, während Nero selbst in all der Zeit keinen Finger krumm gemacht hatte. Er hatte seine Situation akzeptiert und war sogar sehr Zufrieden damit. Nur traute er sich nicht das seinem Vater oder irgendeiner anderen Person zu beichten, da er Angst vor ihrer Reaktion hatte. Aus diesem Grund akzeptierte er sein Schicksal, wenn auch widerwillig und nahm sich vor bei Gelegenheit seinem Vater den Sinn und Zweck von Reisebewertungen zu erklären. „Wir haben noch etwa eine Tagesfahrt vor uns, wenn wir auf kein Hindernis stoßen. Lasst uns weiterfahren.“, informierte Nero die Anwesenden, faltete die Karte zusammen und stieg ebenfalls in den Van.
„Wieso hat dein alter Mann uns nicht direkt zu diesem Tempel gebracht?“, fragte Nico und kurbelte während der Fahrt das Fenster herunter. „Er meinte es sei besser, da es keine Aufmerksamkeit erregen würde. Der Weg soll angeblich wichtig sein und so.“ „Gibt es eine Art Barriere oder würden wir die Aufmerksamkeit von jemand Mächtiges auf uns ziehen, wenn wir direkt aufgetaucht wären?“, fragte Kyrie, doch Nero verneinte. „Eher die Macht von Google-Bewertungen, die den Weg als 'äußerst Sehenswert und Atemberaubend' beschreiben...“ Trish lachte, Nico verdrehte amüsiert die Augen. „Leg dich nicht mit Google an. Sie treten dir in den Arsch.“ Kyrie warf ihrem Freund einen ungläubigen Blick zu, sparte sich aber alle weiteren Fragen, als sie seinen verzweifelten Blick erkannte, den er immer trug, wenn es um seinen Vater und dessen kuriose Angewohnheiten ging, in die er unfreiwillig mit reingezogen wurde. „Schwester Ann sagt, man soll nicht alles glauben was im Internet steht!“, erklärte Julio sanft. Kyle nickte. „Yeah! Schwester Ann hat uns im Unterricht Internet-Betrug erklärt. Sie sagte auch, das sie einen Artikel gefunden hat, in dem steht, dass ein Samurai, nur mit einem Schwert bewaffnet nach Afrika kam da er betrogen wurde. Dahinter steckte eine riesige Verbrechergruppe die dadurch von der Polizei entdeckt und festgenommen wurde. Könnt ihr das Glauben?? So cool!“, warf er begeistert ein, was die Erwachsenen nur Schmunzeln ließ. Nero kratzte sich leicht beschämt am Kopf und sah aus dem Fenster. „Ja, einfach unglaublich was so im Internet verbreitet wird. Hört auf Schwester Ann.“
Nero musste zugeben, das die Bewertungen nicht unrecht hatten. Der Weg war anstrengend, aber wirklich schön. Die Luft war sauber, der Ausblick atemberaubend und er war noch nie in Asien! Es gab mal eine Zeit in der er dachte, dass er nicht einmal Fortuna verlassen würde. Es hatte sich viel verändert, aber Asien war nochmal eine ganz andere Liga. Nicht nur er schien diesen Gedanken zu haben. Aus dem Seitenblick bemerkte er wie Kyrie und die Kinder ebenfalls die Aussicht genossen und sogar Nico schien sich nicht zu beschweren. Wenn alles wie geplant lief, hatten die Dämonenjäger eine weitere erfolgreiche Mission hinter sich gebracht, aber was wichtiger war: Er konnte seiner Familie etwas Abwechslung bieten. Dem jungen Jäger fehlten meist die Zeit und vor allem das Geld um mit seiner Familie in den Urlaub zu Fahren. Kyrie hatte sich nie beschwert und auch die Kinder verzogen trotz ihrer finanziellen Situation kaum eine Miene. Sie hatten es verdient etwas Spaß zu haben. Zwar wollte er ihnen das nicht auf solch eine Art und Weise ermöglichen, aber Bettler konnten nicht wählerisch sein und die hatten genug Man- und Girlpower dabei, damit es einigermaßen Sicher war. Aus diesem Grund war er vielleicht doch ein winziges bisschen Dankbar für diese Gelegenheit.
Ein grund für seine gute Laune war die seltene Gelegenheit das er nicht nur mit dem menschlichen Teil seiner Familie etwas unternehmen konnte, sondern zeitgleich auch mit dem dämonischen Teil. Meist arbeitete er alleine, aber wenn es mal dazu kam das er Gesellschaft hatte auf dem Feld, dann war es eher sein Onkel. Vergil war kein aktiver Jäger des Devil May Cry, war aber durchaus Bereit zu helfen, sollte es die Situation erfordern. Diese war bis jetzt aber nie eingetroffen, da ein Wesen, was die kombinierte Kraft der Zwillinge und seiner eigenen erforderte, schon auf einem Level wie Urizen sein musste und diese zum Glück nicht an jeder Straßenecke lauerten. Wann gab es also schon mal die Chance auf einen Sparda-Familienausflug, ohne das alle paar Meter Blut floss oder jemand aus dem Leben gepustet wurde? Nein, der junge Mann wollte sich wahrlich nicht beschweren. Er würde den Anschein an Normalität bewahren und die Dinge so nehmen wie sie kamen. Mit diesen Gedanken lehnte er sich zurück und richtete für einen kurzen Moment sein Blick nach oben zum Dach des Van's, auf dem das Nest der Dämonen befestigt war.
Kichernd rollte der kleine Dämon durch das Nest, blieb auf dem Bauch liegen und fixierte mit großen Augen und aufgeregtem Blick den sich leicht bewegenden Schweif seines Vaters. Kam dieser nach genug heran, schlug er spielerisch nach dem Glied und freute sich, wenn er es erwischt hatte. Der Besitzer des Gliedes schien davon weniger gestört, sondern schnaufte nur gelassen über etwas was Dante ihm erzählte.
Ein schelmisches Funkeln blitzte in den Augen des Kindes auf und hatte sein nächstes Ziel schon im Blick. Eifrig kletterte er über ein paar Kissen und den ausgestreckten Gliedmaßen seiner älteren Artgenossen, um den mit Kissen ausgepolsterten Rand des Nestes zu erreichen. Zielstrebig zog sich Nero an dem befestigten Vorhang vor dem Ausgang nach oben, benutzte die Kissen als Hilfe um sein Ziel, den Ausgang, zu erreichen. Bevor er jedoch den süßen Duft der Freiheit riechen konnte, spürte er wie sich das Glied seines Vaters um seine schmächtige Taille wickelte. Sanft, aber bestimmt wurde er vom Ausgang zurückgezogen und stieß dabei ein protestierendes Grunzen aus. Das um sich schlagende Kind wurde zwischen die massiven Körpern seiner Erziehungsberechtigen platziert und sah mit großen Augen zu diesen hinauf, als er die weiche Polsterung des Nestes unter seinem Körper spürte. Er brauchte nicht lange um sich in seiner neuen Postion zurecht zu finden, schüttelte den Kopf, wobei ein paar Strähnen an seinen Lippen kleben blieben und begann den schuppigen Körper des blauen Dämons zu erklimmen, der sich zwischen ihm und dem Ausgang befand.
„Was sind wir heute eifrig.“, lachte Dante und pflückte das Kind von seinem Zwilling und setzte es wieder zwischen ihnen. Bevor das Kind erneut versuchte davon zu klettern, begann der rote Dämon das Kind sanft an die Stirn zu stupsen und auf den Rücken fallen zu lassen. Mit einem Grinsen begann er seine Krallen über den Bauch des kleinen Dämons tanzen zu lassen, was auch schon die gewünschte Reaktion mit sich brachte. Ein ausgelassenes Kinderlachen erfüllte den Raum. Nero schlug mit Händen und Füßen um sich und versuchte unter stetigem Lachen den neckenden Krallen zu entkommen, aber Dante blieb gnadenlos. Der junge Dämon versuchte nach der Hand zu schnappen, aber die geübten Reflexe des älteren Dämons sorgten dafür das die Angriffe jedes Mal ins Leere gingen. Mit zwei Fingern tippte er gegen die weichen Wangen des Kindes und fand eine besonders kitzlige Stelle am Hals. Dieses Wissen wurde sogleich ausgenutzt, was ein Aufschrei und weiteres Lachen zur Folge hatte.
„Wer ist unser kleines Monster, huh?“, gurrte Dante, während Vergil's Schweif sich um den Körper des Kindes schmiegte, aber dessen Bewegungsfreiheit nicht einschränkte, sodass dieser weiterhin gegen die griffigen Klauen des Dämons kämpfen konnte. Der blaue Dämon grollte zufrieden und legte seinen Kopf an den seines Kindes und rieb die Hörner an die des Jüngeren. Das Kind kicherte und strampelte leicht mit den Füßen, als Dante die Stupsnase sanft mit einer Kralle kratzte. Schnaufend rollte sich das Kind auf den Bauch und versteckte kichernd seinen Kopf in die Halsbeuge seines Vaters. Die Zwillinge teilten einen kurzen Blick, positionierten sich dann zu einer Kugel aus rot und blau um ihr jüngstes Mitglied.
Dieses rieb giggelnd seinen Kopf an den Schuppen des Anderen und begann leise dabei zu schnurren, als er den Geruch seines Vaters einatmete. Das Nest war warm und weich, durchzogen von familiären Gerüchen, die Schutz und Geborgenheit versprachen. Durch die wilde Fahrt wackelte und vibrierte das Nest leicht, während das Grollen des Van's auf ein Schnurren reduziert wurde. Durch die sanfte Vibration wurde das Kind langsam in den Schlaf gewogen und ein zufriedenes Grollen erfüllte das Nest. Welches Grollen von welchem Dämon kam konnte nicht bestimmt werden, doch alle drei waren mehr als zufrieden und fühlten sich wohl in ihrer aktuellen Lage.
Genüsslich zog Nico an ihrer Zigarette, nachdem ihr Trish das Feuer gereicht hatte. Die blonde Dämonin hatte sich auf dem Beifahrersitz zurückgelehnt und zog eine schwarze, elegante Sonnenbrille aus ihrer Tasche hervor und setzte sie sich auf die Nase. Die Nachmittagssonne war blendend und erwärmte den Van, weswegen die Fenster alle offen waren und ein Ventilator für die nötige Zugluft sorgte. Nero verteilte kühle Getränke aus dem Kühlschrank an alle. Es ging über eine schmale Straße bergab, da sie über die Brücken nicht mehr weiterkamen. Zu ihrem Glück hatten sie den großen Fluss dank der Brücken überqueren können, der zuvor ihre Weiterfahrt im Tal blockiert hatte.
„Hat Vergil etwas über das Ziel gesagt?“, fragte Trish in die Stille hinein. Im Gegensatz zu Nero hatte sie weniger Bedenken. Sie kannte Dante schon seit einigen Jahrzehnten und eine vermeintliche Todesfahrt durch unbekanntes Gebirge war für die Dämonin nur ein typischer Montag. Sie schien es sogar zu genießen. Auch weil sie Dante für ihre Beteiligung an der Mission ein wenig Geld aus den Taschen pressen konnte. Sie liebte es den roten Dämon zu necken, aber sie wäre auch umsonst mitgegangen, da sie sich in letzter Zeit ziemlich gelangweilt hatte. Wenn keine Apokalypse vor der Tür stand, gab es wenig zu tun. Da Dante seinen Job etwas ernster nahm und nicht mehr so viele Angebote ablehnte - eindeutig Vergil's Einfluss – und Nero immer geschickter wurde, gab es nicht so viele aufregende Jobs. Dafür hatte sie Spaß zu beobachten wie Dante während ihrer Verhandlungen schwitzte. Jedenfalls so lange, bis sein Bruder die Verhandlung übernahm und einen festen Betrag festlegte mit kaum einer Möglichkeit zu feilschen. Sie würde den Zwillingen dies aber nicht auf die Nase binden, da sie neben ihrem Spaß noch einen guten Deal gemacht hatte. Ein interessanter Ausflug, dann auch noch bezahlt? Jackpot!
„Uh... Ich hab nicht genau aufgepasst.“, begann Nero und nahm einen Schluck Wasser. „Es soll angeblich ein antiker Tempel sein, in denen vor allem Familien Zuflucht gefunden haben. Oder sowas.“ Nico lachte, Trish grinste nur. Es war typisch für das Kind solche Informationen beiseite zu wischen. Das Nero ausgerechnet Vergil's Sohn war, hatte die blonde Dämonin überrascht. Vom Temperament her glich er eher Dante. Erst zuschlagen, dann Fragen stellen. Wobei beide Dämonen was antike Rätsel angingen nicht dumm waren, aber am liebsten arbeiteten sie mit ihren Muskeln oder den Waffen, anstatt mit ihrem Kopf.
„Ich weiß es!“, mischte sich Kyle ein und erntete überraschte Blicke. Siegessicher grinste er. „Opa hat gesagt das es damals böse Leute gab die Menschen geopfert hatten.“ Julio nickte seinem Adoptivbruder zu, als sie sich kurz einen Blick teilten. „Wie bitte?“, fragte Kyrie und auch Nero bedachte die Kinder mit einem überraschtem Blick. Kyle bemerkte ihr Unbehagen nicht und erzählte weiter. „Opa hat uns eine Geschichte erzählt. Vor langer, langer Zeit gab es Priester, die Menschen opferten um mega stark zu werden! Es war Krieg oder so, genau weiß ich das nicht, aber viele Menschen gingen in die Tempel um zu beten und sich zu verstecken. Die Priester taten so als würden sie ihnen helfen wollen, aber dann opferten sie die alle. Voll hinterhältig! Aber am Ende erschien ein mi...äh...mü...“ „Mystisch.“, warf Julio ein. Kyle nickte. „Ein mürrisches Artefakt aus den Gedanken und Träumen der Menschen. Das vertrieb die bösen Leute und alles wurde wieder gut. Am Ende hatten die Menschen vergessen was wirklich passiert war.“, schloss Kyle die Erzählung und sah in erstaunte – in Trish's Fall eher interessierte – Gesichter. Kyrie war etwas blass, während Nero mit dem Auge zuckte. „Jungs..., wann hat man euch das erzählt?“ „Oh, Opa hat uns das vorm Schlafengehen erzählt.“, antwortete Kyle, während Julio schwach nickte. Nico pfiff anerkennend. „Sick!“ „Spannend. Ich hätte gerne mehr gehört.“, meinte Trish aufrichtig. „Ich denke Vergil würde sie dir sicher erzählen.“, sprach Kyrie versöhnlich und nahm Julio in den Arm, der ein wenig blass aussah. Nero zischte wie eine Katze, der man auf den Schwanz getreten war und grummelte. „Ich glaube, ich werde mit eurem Opa ein Gespräch über angemessene Geschichten führen.“ Kyle sah mit großen Augen und breitem Grinsen zu ihm. „Wirklich? Cool! Ich würd' gern nochmal die Geschichte mit den Hell-Caina und den Jugendlichen auf Klassenfahrt hören!“
„Oh Gott-verdammt!! DAD!“
Der Himmel verfärbte sich Orange und die Sonne war bereits dabei am Horizont unterzugehen, da begann der Van zu ruckeln und das Geräusch von etwas scharfen, das gegen Metall kratzte war zu hören. Nero griff nach seiner Waffe und wollte Kyrie und den Kindern anweisen sich fest zu halten, während Nico und Trish ruhig blieben. Wenige Sekunden später flog ein roter Fleck an den Insassen des Van's vorbei, der sich wieder beruhigt hatte. Die Blicke folgten dem Punkt und beobachteten wie Dante seine imposanten rot-schwarzen Schwingen zur vollen Spannweite auffächerte und sich vom Wind tragen ließ. „Bastard. Kann man nicht mal gewarnt werden?“, murmelte Nero erleichtert und schob die Waffe wieder ins Holster, während die Kinder neugierig mit erstaunten Ausrufen ihren Kopf aus dem Fenster streckten. Es folgte eine Welle an „Ohhhh's“ und „Ahhh's“, während der Dämon gemütlich seine Kreise zog und vom Licht der untergehenden Sonne beschienen wurde. Nero musste zugeben, es war wahrlich ein Anblick. „Ich will auch!“, rief Kyle aufgeregt, während Julio schweigend das Schauspiel beobachtete.
Wenige Minuten warf sich ein Schatten über die Köpfe der Kinder und mit weit weniger verursachten Störungen erhob sich ein zweiter Dämon in den Himmel. „Opa!“, quietschte Julio und winkte, auch wenn er wusste das der Dämon ihn nicht bemerken wurde, da er zu schnell an Höhe gewonnen hatte. „Und Baby-Dämon!“, fügte Kyle aufgeregt hinzu. Die Beobachter konnten an Vergils Schulterblättern ein kleines, dämonisches Kind erkennen, das zwischen den ersten beiden Stacheln saß und sich mit den Händen an den abgerundeten Schuppen seines Vaters festhielt. Seine Astralflügel fingen das Licht der Abendsonne ein, während der Wind die zarten Federn durcheinander wirbelte.
Die Zwillinge umkreisten sich spielerisch, bevor sie die Felsformationen umflogen und sich in eine spielerische Jagd verwickelten, die durch Grunzen und klackernden Geräuschen angeheizt wurden, die sogar für menschliche Ohren nicht feindselig wirkten. Als Dante seinen Bruder, der schneller und flinker durch die Hindernisse flog einholte, umkreisten sie sich erneut, bis sie gemeinsam hinabflogen und ihre Umrisse bald vom Nebel verschluckt wurden. „Yo. Scheint unsere ansässige Dämonenfamilie ist gerade abwesend.“, rief Nico und steckte sich eine weitere Zigarette an. „Aww ich wünschte ich könnte auch fliegen!“, schmollte Kyle. Julio, der den Dämonen mit Ehrfurcht nachgesehen hatte, schüttelte den Kopf über die Possen des Anderen. Er war an Land, mit beiden Beinen fest am Boden sehr zufrieden. Sein Drang nach Abenteuer war nicht so groß wie der seines Adoptivbruders. „Ich bin mir sicher, die Berge scheinen in ihren Augen wie eine Art Spielplatz zu sein.“, sprach Kyrie sanft. „Natürlich! In der Unterwelt gibt es einige Berge. Dort leben viele Dämonen, die fliegen können.“, erklärte Trish und hatte die Aufmerksamkeit aller auf sich. „Besonders Nestlinge, die gerade das Fliegen gelernt haben, lieben die Berge als eine Art Hindernisparcours und Jäger sowie Brütende schätzen die Versteckmöglichkeiten.“, beendete sie ihre Erklärung, was Nico mit einem „Nut's!“ kommentierte.
Chapter 7: Mission in den Bergen Teil 2
Summary:
Während rumgeflufft wird, kriegt Nero "das Gespräch" in der dämonischen Version und am Ende geht alles den Bach runter XD
Notes:
Sorry das es so lange gedauert hat. Ich habe im März mein Studium als Steuerberater angefangen (keine Steuerhinterziehung Vergil! Maxor-Fans wissen was ich meine ^.~) und muss deswegen viel für die Zwischenprüfungen lernen. @_@
Dank der Feiertage habe ich endlich genug Zeit zum Schreiben <3 Meine andere DMC - Geschichte wird auch bald aktualisiert. Also keine Sorge, es wird nichts abgebrochen.
Chapter Text
Genervt presste er seine Lippen zu einer schmalen Linie. Der Blick stur geradeaus, während die Haare vom Schweiß glänzten. Die heitere Urlaubsstimmung wich einer Litanei gedanklich ausgestoßener Flüche. Wie lange sie in dieser Hitze bereits den geschlängelten Pfad hinabfuhren konnte er nicht sagen. Seiner Meinung nach: Viel zu lang! Er verfluchte niemand Bestimmten, wobei der Name seines Vaters ab und an gefallen war. In seinen Augen hatte er eine Mitschuld an ihrer Misere. Schließlich hatte sie der älteste Sohn Spardas mit der Yamato mitten im Nirgendwo auftauchen lassen und war Stunden später mit seinem Bruder und dem Kind in den Wolken verschwunden. Es gab zwar keinen vernünftigen Grund weswegen die Dämonen während der Reise permanent in ihrem Nest bleiben sollten, außer vielleicht die Gefahr zu reduzieren entdeckt zu werden, wenn auch die Gruppe seit Anfang ihrer Reise keine Menschenseele getroffen hatte. Aber Nero wollte kleinlich sein. Wenn er in dieser fahrenden Sauna aushalten musste, sollten es diese Bastarde ebenso! Wobei er vermutete das die Temperatur den Zwillingen kaum zu schaffen machen würde. Er hatte einmal seinen Onkel dabei beobachtet wie er in seiner Dämonengestalt in kochendes Wasser abtauchte, während sein Vater seine Zeit am liebsten seine Zeit in Ruhe auf dem Dach verbrachte, während die pralle Mittagssonne auf seinen schuppigen Körper strahlte. Und sein dämonisches Gegenstück? Er hatte nie Unbehagen gezeigt gegenüber Hitze und vergrub sich regelmäßig unter den warmen und massigen Körpern seiner Artgenossen. Die Reise zur Spitze des Qliphoths hatte Nero damals auch in Gegenden verschlagen, an denen Lava floss. Einige Lavaflüsse musste er sogar als eine Art Aufzug verwenden, beziehungsweise ihre darin befindlichen Steine. Es hatte ihm damals wenig ausgemacht, weswegen er nicht daran glaubte das Dämonen einen Hitzeschlag erleiden konnten. Nero schnaubte. Für die Zwillinge war ein Ausflug zum Lavasee sicherlich das Äquivalent eines Badeparadieses. Sein Blick ging dabei zu Trish, die immer noch makellos aussah und keine Anzeichen zeigte wie er zu einem verschwitzten Blob zu mutieren. Das Leben konnte so ungerecht sein! Unzufrieden murrte Nero, verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich auf dem Sitz zurück, der begann unangenehm mit seinem Hintern zu verschmelzen.
Nur in Unterhose bekleidet saßen Julio und Kyle vor einem Ventilator und genossen jede Abkühlung die sie kriegen konnten, während Kyrie so nachdenklich war und mit einem luftigen dunklen Tuch die Fenster abgedunkelt hatte, damit die Sonnenstrahlen wenigstens nicht mehr ins Innere kamen. Von den Kindern ging sein Blick zu Kyrie und er musste widerwillig zugeben das diese Situation auch ihre positiven Seiten hatte, auch wenn er es niemals offen zugeben würde! Seine Freundin, die sonst immer züchtig bedeckt war und kaum Haut zeigte, wie es in Fortuna Sitte war, stand nun in einem Unterkleid vor ihm. Alle wichtigen Teile waren bedeckt und der Stoff war blickdicht, aber ihre Arme, Waden und ein Teil ihres Dekolletees waren nackt. Es hatte etwas intimes, fast verbotenes. Nero musste aufpassen nicht zu erröten, als sich Kyrie neben ihn setzte und sich ihre Arme berührten, wenn die Fahrt wieder holpriger wurde.
Nico und Trish grinsten als sie im Rückspiegel Nero beobachteten. Seine unbeholfene Art Kyrie gegenüber war stets ein Anlass für Witze zwischen ihnen gewesen, weswegen sich Nico ein Lachen nicht verkneifen konnte. Nero murrte, während Trish sich zurücklehnte und schmunzelte. „Würde er nicht ihr Aussehen und ihren Geruch tragen, käme man nicht auf die Idee das sie verwandt wären.“ Trish dachte an Dante, der kein Schamgefühl besaß. Er war vollkommen anders als sein Neffe und wenn man damit Anfangen würde die Unterschiede zwischen ihm und Vergil aufzuzählen, käme die Dämonin nicht mehr hinterher.
„Haltet die Klappe da Vorne!“, schnauzte Nero als Nico noch lauter lachte. Als er eine Hand auf seiner spürte sah er zu Kyrie. Es war ihre. Mit sanften Lächeln sah er ihm in die Augen, was seine Wut Augenblicklich verpuffen ließ. Mit rotem Kopf starrte er die Wand gegenüber an, die auf einmal äußert Spannend zu sein schien. Kyle und Julio sahen fragend zu den Erwachsenen, entschieden sich aber wieder ihr Kartenspiel aufzunehmen. „1:0 für Kyrie.“ Trish nickte ihrer Freundin zu. „Man benötigt eben eine gewisse Stärke um mit Sparda's Blut mithalten zu können.“
Nero sah sich schon weiteren Spott ausgesetzt, doch zu seinem Glück wurde die Fahrt unterbrochen als etwas rot-schwarzes und dickes an der Windschutzscheibe des Van's klebte. Überrascht stieg Nico in die Eisen und Nero erkannte die Unterbrechung in Form des schwarz-geschuppten, üppigen, dämonischen Hinterteils seines Onkels. Trish hob unbeeindruckt eine Augenbraue, während Nico das Handy zückte und ein Bild des dämonischen Hinterns für die Nachwelt aufzuheben. „Spinnst du? Schwing dein Arsch von der Scheibe!“, fauchte Nero, der das Tuch vor dem Fenster zur Seite geschoben hatte und den Kopf rausstreckte. Dante entkam ein gespielt verletztes Geräusch. „Sprache!“ „Fick dich!“
„Diese Kraftausdrücke. Mach was!“, jammerte der ältere Dämon Richtung Kyrie, die ebenfalls aus dem Fenster sah. Sie lachte hinter vorgehaltener Hand leise über die Possen des Älteren. „Ich hoffe es ist alles in Ordnung mit deinem Hintern, Mr. Dante.“ Dieser grinste und sprang von der Motorhaube, hatte sich dabei in seine menschliche Form verwandelt und formte mit den Händen ein Herz in ihre Richtung. „Keine Sorge! Der hat schon schlimmeres erlebt!“ Nico pfiff anerkennend und teilte mit Trish einen wissenden Blick als das Handy der Blonden aufleuchtete mit der Meldung über ein erhaltenes Bild.
Dante hatte der Gruppe mitgeteilt das er und Vergil einen geeigneten Ort zum Übernachten gefunden hatten der Sicher zu sein schien. Es war kein Hotel, aber der Platz lag direkt an einem Fluss. Die Aussicht auf ein kühles Bad hob die Gemüter. „Wo ist Dad? Er könnte uns mit einem Portal dort hinbringen.“ Für einen Moment schwieg Dante, dann wirkte er als hätte er die Erkenntnis seines Lebens gehabt. Nero konnte nicht anders als sich die Hand an die Stirn zu schlagen. „Dante..., du hast doch nicht vergessen...“ Der rote Dämon rieb lachend sein Kinn und verstand nun Vergil's anfängliche Skepsis über seine Idee das er die anderen so schnell wie Möglich informieren würde. „Schwimmen!“, riefen die Kinder ungeduldig und retteten ihren Onkel vor einer drohenden Standpauke. Unter seiner Führung erreichte die Gruppe einige Zeit später ihr Ziel, wobei Kyle den Spaß seines Lebens hatte, da Dante natürlich ein guter Onkel war und dem Jungen seinen Wunsch während des Fluges auf seinen Rücken zu sitzen nicht abschlagen konnte.
Angekommen jubelten die Kinder und rannten zum Wasser. Nero und Kyrie stiegen aus dem Van und genossen die frische Luft. „Wunderschön.“, schwärmte sie und genoss den Anblick der scheinbar unberührten Natur. Der üppige Wald wurde durch einen riesigen Fluss geteilt, dessen Wasser im Licht der Abendsonne wie Diamanten strahlte. „Dieser Ort ist fresh!“, gab Nico zu und ging ebenfalls ans Wasser um ihre Füße zu kühlen. „Ist es sicher?“, Kyrie war besorgt über die Möglichkeit das es Wasserdämonen oder andere gefährliche Tiere gab, die in den Tiefen lauern könnten, da die Kinder schon bereits im Wasser waren „Keine Sorge. Ich hatte meinen Hintern auch schon im Wasser und nichts hat mich gefressen.“ Dante legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Außerdem, falls irgendwas an deinen Kindern knabbern will, muss es erst einmal an ihm vorbei.“ Die Gruppe folgte Dantes Blick und entdeckten eine bekannte Gestalt, die auf einem Felsen saß, der wie eine kleine Insel aus der Mitte des Flusses ragte. Überrascht atmete Kyrie aus. Keiner von ihnen hatte den riesigen, blauen Dämon entdeckt der sich scheinbar unbemerkt in das Panorama einfügte. Hätte Dante sie nicht auf ihn aufmerksam gemacht, würde Kyrie ihn für eine der Drachenstatuen halten, denen sie bereits auf dem Weg begegnet waren. Ähnlich einer Katze saß der blaue Dämon schweigend da. Die Flügel waren eng angelegt, während sein schuppiger Schwanz sich um seinen Körper schmiegte. Seine Haltung war wie immer gerade und königlich, während sein Kopf gesenkt und der Blick aufs Wasser gerichtet war.
„Wir sollten damit anfangen ein Lager für die Nacht aufzuschlagen.“, schlug Kyrie vor und klatschte in die Hände, was alle Erwachsenen als Zeichen sahen sich nützlich zu machen. Dante war mit dem Grund das er richtige Materialien finden wollte in den Wald gegangen und ließ die anderen zurück. „Fauler, alter Mann,“ murmelte Nero, der dabei war einen Campingtisch aus dem Van zu tragen. „Ich bin mir sicher er hat einen Grund.“, erwiderte Kyrie. „Ja, sein Grund ist Faulenzen.“ Als der Tisch stand sah er zu dem anderen Zwilling, der sich ebenfalls noch nicht gerührt hatte oder die Anwesenheit der Gruppe anerkannt hatte. Die Kinder hatten ihren Großvater irgendwann auch bemerkt und ihm zugerufen. Er hatte aber weder auf das Rufen, noch auf andere Reize reagiert, sondern behielt seine schweigsame Wache bei.
„Was macht dein Dämonendaddy?“, fragte Nico, was Nero nur mit einem Schulterzucken beantwortete. „Keine Ahnung. Das Wasser sollte nicht so spannend sein, dass man die ganze Zeit darauf starren muss. Aber es ist Vergil. Er macht Vergil-Dinge.“ Nico schien mit der Erklärung einverstanden, während Trish die Situation schweigend analysierte und sich ein kühles Bier öffnete. „Er beobachtet eine Jagd.“ „Eine Jagd?“, wiederholten Nico und Nero und sahen von Vergil zu der blonden Frau, die es sich auf einem der aufgestellten Liegestühle bequem gemacht hatte. Kyrie beobachtete Vergil und schien zu erkennen was ihre Freundin meinte. Etwas an Vergils Anblick war nicht richtig. Es lag nicht daran das ihr zukünftiger Schwiegervater aussah wie eine Mischung aus Echse und Drache, sondern das er im ersten Moment allein zu sein schien. Bevor sie ihre Gedanken den anderen Mitteilen konnte, tauchte aus dem Wasser ein gehörnter weißer Haarschopf auf. „Oh wow! Das Mini-Me!“, rief Nico. „Nenn es nicht so.“, murmelte Nero beschämt, was Nico nur lachen ließ. „Also doch Dero?“ „Oh man...“
'Mini-Me' wurde von Vergil aus dem Wasser gehoben und die Gruppe verstand was Trish meinte. Im Maul des kleinen Dämons steckte ein riesiger, zappelnder Fisch. Dieser war weitaus größer als der Kopf des Jungen, weswegen er seine Spektralhände zusätzlich dafür benutzt hatte um sich das Tier so weit es ging ins Maul zu schieben. Mit seinen Reißzähnen versuchte er sich durch das Fleisch zu bohren um den Kampf für sich zu gewinnen. Der kleine Nero grunzte mit vollem Mund, während der Fisch nicht aufgab und weiterhin wild zappelte. Immer wieder schlug er dem Jäger mit der Flosse ins Gesicht, weswegen er sichtlich Mühe hatte seine Beute zu bändigen.
Vergil beobachtete die Versuche seines Sohnes, griff aber nicht ein, da er der Meinung war, dass das Kind diesen Kampf alleine entschieden musste. Nero begann damit sein ganzes Körpergewicht auf den Fisch zu legen und rollte sich um ihn ein, packte den Körper mit seinen Spektralhänden und zusätzlich mit seinen normalen Händen. Durch die Extra-Hände hatte er einen guten Halt, sodass der Fisch nicht entkam. Immer wieder biss er in den Körper und hinterließ mehrere kleine Wunden aus denen das Blut austrat. Der Dämon grunzte und rollte sich mit der Beute über den Stein, wobei Vergil dafür sorgte das er nicht ins Wasser rollte, indem er seinem Schwanz um das Kind legte. Er ließ genug Platz zwischen sich und seinem Schweif, damit das Kind mit seiner Beute ringen konnte. Knurrend warf er sich über den Boden, ließ von seiner Beute ab, nur um im nächsten Moment wieder voller Elan auf das bereits tote Tier zu springen und seine Zähne darin zu versenken. Der Fisch war übersät mit Kratzspuren und winzigen Löchern.
Der erwachsene Nero verzog das Gesicht und war froh das Julio und Kyle dank Vergils körperlicher Barriere das blutige Spiel nicht mitbekamen. „Erinnere mich daran immer einen Ersatzbeißring parat zu haben,“ murmelte er, während Trish mit einem kleinem Lächeln ihr Bier trank. Nico sprach etwas über Katzen und Dämonen, was er aber nicht mehr mitbekam, da er aus dem Van einen Grill holte.
Als das Spiel vorbei war lag der kleine Dämon zufrieden auf dem Bauch und leckte gurrend an seiner erlegten Beute. In Vergil breitete sich eine Zufriedenheit aus, die er nur selten verspürte. Ein leises Grollen begleitete die Geräusche seines Sohnes und er begann damit den Jüngeren über die Schulterblätter zu lecken um ihn zu pflegen. Sein Nachwuchs hatte es geschafft Beute zu fangen und sie zu erlegen. Der dämonische Teil seines Wesens war überaus Zufrieden über den Anblick der sich ihm bot. Sein Nestling war nicht schwach. Er würde zu einem schönen, mächtigen Dämon heranwachsen und nicht hungern müssen. Seine Flügel vibrierten leicht und das blaue Feuer an seinen Hörnern begann für einen Augenblick stärker aufzuflammen.
Nero begann zu schnurren bei der Pflege die er von seinem Vater bekam und biss immer wieder zufrieden in das weiche Fleisch des Fisches und saugte an dem toten Körper. Irgendwann begann er zu Zwitschern und schob seinem Vater die Beute hin. Vergil grunzte und schnaufte ihm durchs Haar, was Nero mit einem weiteren Zwitschern beantwortete, bevor ihm die Wange geleckt wurde. Die beiden Dämonen verblieben eine Weile in ihren Zugneigungsbekundungen, bis Vergil die angebotene Beute nahm und in einem Haps verschlang.
„Sollte er den Fisch nicht lieber selber essen?“, fragte Nero, während Nico nachdenklich wirkte. Als Tochter eines Dämonenforschers hatte sie ein breiteres Wissen als ihr Freund, doch erst als Trish erklärte das der junge Nero seine Nahrung durch das Blut seines Erzeugers bekam, sah sie überrascht zu ihr. „Ehrlich? Ich hätte nicht gedacht das er der Typ dafür ist. Big, bad Boy und so.“ Nero schien weiterhin verwirrt, weswegen Trish die Gnade hatte den unwissenden Vierteldämon aufzuklären. „Hauptsächlich ernähren sich Dämonen von Blut. Natürlich können wir auch alles andere Essen, doch Kraft ziehen wir aus dem Blut anderer Lebewesen. Sicherlich ist dir schon aufgefallen das nach einem Kampf dein Onkel nicht lange das Blut seiner Gegner an sich kleben hat.“ Nero nickte. „Das liegt nicht daran das dein Onkel einen besonderen Sinn für Hygiene hat. Wir wissen alle wie das Devil May Cry vor Vergils Ankunft aussah.“ Trish erntete dabei von allen zustimmendes Nicken bevor sie fortfuhr. „Es liegt daran das er das Blut in sich aufnimmt. Es sättigt ihn.“ „Und warum verschlingt er dann tonnenweise Pizza?“, fragte Nico. „Weil Pizza gut schmeckt!“, antwortete die Dämonin in einem Ton der eine Selbstverständlichkeit in sich trug, als würde die bestätigen das der Himmel blau war. Sie genoss genauso das Fast-Food wie der legendäre Dämonenjäger selbst. „Und was hat das jetzt damit zu tun das Vergil den Fisch wegnimmt?“, wollte Nero wissen. „Erstens: Er hat den Fisch nicht einfach weggenommen. Der junge Nero hat ihm die Beute angeboten. Viele Dämonen leben in Rudeln und es ist üblich die Beute zu teilen. Nestlinge tun dies meist um ihre Zuneigung und den Respekt auf diese Weise auszudrücken. Da sie von ihren Eltern mit Blut gefüttert werden benötigen sie die Beute sowieso nicht. Vergil ist im Moment der ranghöchste anwesende Dämon und als sein Elternteil nimmt er einen besonderen Stellenwert für sein Junges ein, weswegen ihm die Beute angeboten wurde.“ „Oh, achso.“, antwortete Nero entschuldigend und beobachtete das Vater-Sohn-Duo das immer noch auf dem Felsen saß. „Zweitens kann Vergil durch die zusätzliche Aufnahme von Blut dieses an sein Nestling bei der Fütterung abgeben.“ „F..füttern? Etwa wie...“ Nero errötete bei dem Gedanken, der ihm auch ein wenig abstrus vorkam. Immerhin war Vergil keine Frau die ihr Kind stillen konnte. Trish schien über seine Unwissenheit leise zu lachen, es war jedoch Nico die diesmal antwortete. „Urgh. Perv!“ „Was? Gar nicht! Was soll ich denken, wenn Trish mit sowas kommt?!“ „Oh bitte, behalt es im Höschen! Du weißt das Dämonen weder weiblich noch männlich sind? Also kein Grund an Geschlechterrollen festzuhalten!“
Es war unheimlich still, als hätte sie eine Bombe fallen lassen. Als Nico Neros größer werdende Augen beobachtete lachte sie laut auf. Wie konnte ihr bester Freund nur so unwissend gegenüber seiner eigenen Rasse sein? Auch Trish schien über die Unwissenheit einerseits amüsiert, andererseits verwundert. „Sag bloß du hast dich noch nie als Dämon nackt vor einen Spiegel gesetzt? Oder vielleicht mal angefasst?“ „W..Was? Nein natürlich nicht! Wer ist hier der Perverse?!“, schrie Nero und war froh das die Kinder von ihrer Unterhaltung nichts mitbekamen. Es war ihm schon peinlich genug das Kyrie direkt neben ihm stand. Er wagte es nicht sie anzusehen. Nico verschonte ihn aber nicht und fuhr Erbarmungslos fort. „Bitch please! Schau dir deinen Vater und deinen Onkel an. Siehst du, wenn sie in ihrem Trigger sind irgendwas explizit männliches oder weibliches? Oder dein Mini-Me. Sieht es für dich besonders männlich oder weiblich aus?“ Nero wagte es nicht zu antworten und Nico nutzte es um weiter auszuholen, war aber froh das sie gewisse Worte für Geschlechtsteile nicht aussprach. „Oder Empusas. Wo machst du bitte den Unterschied zwischen einer weiblichen und einer männlichen Empusa? Oder Hellbats? Hell Cainas? Und-“ „Ja! Ja! Ist ja gut okay! Ich habs verstanden!“, unterbrach Nero sie, nur damit Trish weitergehen konnte. „In unserer Welt entscheidet ganz allein die Macht die Rangfolge und nicht irgendwelche erfundenen definierten Rollen die über Geschlecht verteilt werden. Es wäre auch äußerst schwer sich fortzupflanzen, wenn man erst ein passendes anderes Geschlecht finden müsste. In der Dämonenwelt geht es nicht gerade friedlich zu und Kämpfe sind an der Tagesordnung. Würden wir uns in Männlich und Weiblich aufteilen, wäre die Chance groß das eine Seite im Zuge der vielen Auseinandersetzungen so stark minimiert wäre, das man ewig brauchen würde um einen passenden Mate zu finden. Aus diesem Grund kann so gut wie jeder Dämon Spender aber auch Träger sein.“
Nero biss sich auf die Unterlippe und zog dabei Blut. Sein Gesicht war feuerrot. Nicht das er etwas gegen Transgender oder Hermaphroditen hatte. In Fortuna waren gleichgeschlechtliche Beziehungen zwar immer noch ein Tabuthema, aber Nero war niemand der sich dieser Ansicht angeschlossen hatte. Seiner Meinung nach konnte jeder tun was er wollte, solange es einvernehmlich war. Er hasste die Engstirnigkeit der Geistlichen. Was ihn eher stört war vor Kyrie von Trish und Nico das dämonische Äquivalent von 'dem Gespräch' zu erhalten, besonders in seinem Alter. Er würde sie nie wieder ansehen können! Er würde seinen Vater nie wieder ansehen können, falls dieser das Gespräch gehört hatte! Wenn Dante davon erfahren würde! Er würde ihn auslachen! Bei dem Gedanken an Dante erinnerte er sich an die vielen Male in denen er sein nacktes menschliches Antlitz ertragen musste, da der Mann gerne nackt schlief und auch keine Scheu hatte sich vor Nero ausziehen. Er wartete selten bis der Jüngere den Raum verlassen hatte, sondern zog einfach Blank. Während er seinen Vater mit nie weniger als eine Hose und ein Oberteil bekleidet gesehen hatte, stellte es für Dante kein Problem dar vor seinem Neffen die Glocken im Wind baumeln zu lassen.
„A..aber Dante ist eindeutig männlich!“ „Oh ja.“, murmelte Nico dazwischen, was Nero gekonnt ignorierte. „Und mein Vater auch! Also glaube ich! Und ich? Ich habe auch alles was ich brauche.“ Trish kicherte über die unbeholfenen Worte. „Das du einen Penis hast und eindeutig männlich aussiehst liegt an deinem menschlichen Körper.“, antwortete die Blonde und verzichtete auf derbere Ausdrücke um Kyries Willen. Gerne hätte sie Nero noch mehr in Verlegenheit gebracht, aber sie mochte die junge Frau. Sie schien unkompliziert und sogar interessiert, was sie an dem interessierten Ausdruck in ihrem Gesicht feststellte. Trish ging nicht davon aus das es um Männer allgemein ging, sondern weil sie aus erster Hand Wissen bekam, welches sie vorher nicht hatte. Im Gegensatz zu dem jungen Vierteldämon waren ihre Gedanken unschuldiger Natur und widmeten sich in diesem Augenblick streng der Wissenschaft. Als Bewohner von Fortuna und ehemaliges Mitglied des Schwertordens hatte sie in der Schule Dämonologie gehabt. Ein Fach das sie sehr interessiert hatte, wenn sie auch später zugeben musste das das Meiste was sie lernten sich als Falsch oder Propaganda herausstellte. Durch das Kennenlernen von Dante und später Vergil lernte sie mehr Dinge über diese fremde Rasse, als in all den Jahren. Sie hatte kein so tiefes Verständnis wie Nico, aber zumindest genug um ihrem Liebsten beizustehen. Sie konnte nicht kämpfen, aber wenigstens dafür Sorgen das Nero sich nicht gänzlich fremd fühlte.
„Ich habe gesagt Dämonen sind Zweigeschlechtlich, nicht Menschen. Da Menschen nicht Hermaphrodit sind, ist es nicht möglich deine dämonischen Merkmale eins zu eins auf deinen menschlichen Körper zu übertragen.“, erklärte Trish. „Ich habe die ganzen Forschungsnotizen von meinem Dad geborgen. In den vielen Jahrzehnten hat er einiges zusammengetragen. Ich bin jetzt noch dabei die ersten Bücher zu entziffern, aber ich erinnere mich das in einem geschrieben war, das er glaubt das Dämonen sich bei ihrer Verwandlung instinktiv für ein Geschlecht entscheiden.“ Trish nickte. „Ich denke das kann man allgemeingültig als wahr ansehen. Sparda hat sich eindeutig männlich gesehen als Mensch. Seine Kinder ebenso, während ich mich als Frau sehe.“ „Das ist so interessant.“, wisperte Kyrie, während Nero sich durch die Haare fuhr.
„Also Vergil füttert das Kind mit seinem eigenen Blut...? Wie ein Vampir oder so?“, versuchte er das Thema wieder auf den Anfang zu lenken. Er hatte nicht gedacht was für eine Lawine von Informationen ein einzelner gegessener Fisch losgetreten hatte. „Genau. Die Eltern teilen ihr Blut mit ihren Nachkommen. Vergil isst den Fisch und gibt das Blut und die Energie dadurch an seinen Nachkommen weiter. Gibt es Nestlinge im Rudel bringen Jäger die Beute nach Hause, damit die fütternden Eltern diese verschlingen und die Kraft weitergeben können.“ Während Nero darüber nachdachte wurde ihm einiges klar. Nicht nur das sein dämonisches Ich kaum dabei gesehen wurde wie es wirklich was aß, außer das es sich alles in den Mund schob um daran zu beißen, sondern auch warum Dante anscheinend bei jeder ihrer gemeinsamen Missionen etwas mit nach Hause nahm. Es erinnerte ihn an das erste Mal an dem Tag als sie sich gespalten hatten. Dante hatte ein riesiges Vieh mitgenommen und es Vergil vor das Nest gelegt. Das Verhalten hatte sich nicht geändert. Nero wusste nicht das er es für seinen Zwilling tat. Er hatte scherzhaft gesagt das er damit begann Andenken von der Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Nun stellte sich heraus das diese Andenken Blutopfer an seinen Bruder waren, damit er seinen Nachwuchs füttern konnte, was auch erklärte das er nie Überreste der 'Andenken' im Bürogebäude vorfand. Vom menschlichen Standpunkt aus war das ganze ziemlich blutig und monströs. Warum irgendwelche toten Kadaver mitschleppen, wenn Dante es doch schon vormachte und sich von Pizza ernährte? Aber wie Nico es vor Stunden treffend gesagt hatte: Sie waren eine Dämonenfamilie und so unterschiedlich zu Menschen schien es auch nicht. Die Mutter gab ihre Nährstoffe immerhin auch durch Milch weiter und musste genug essen um genug Produzieren zu können. Nero sah zu Kyrie, die seine Hand in ihre genommen hatte. Sie war glücklich zusammen mit ihm etwas Neues über seine Familie gelernt zu haben.
„Nun, heißt wohl Angeln, wenn wir was zu essen wollen!“, entschied Nero mit neuem Tatendrang. Vergil flog keine zwei Sekunden später ans Ufer und verwandelte sich in seine menschliche Form zurück. Hinter ihm schwebten seine Spektralschwerter, nur das an diesen tote Fische hingen. Nico pfiff anerkennend, während er die Fische vor Kyrie auf dem Tisch fallen ließ. Es bildete sich ein kleiner Haufen und Nero musste sich fragen ob überhaupt noch Fische im Fluss waren. Sein junges Gegenstück sprang von den Schultern seines Vaters und ging zu Kyrie und schmiegte seinen Kopf an ihre Hüften. Mit einer Hand zeigte er auf seinen geöffneten Mund und bewegte aufgeregt die Flügel. „Ich habe es gesehen. Das hast du gut gemacht.“, lobte sie ihn und kraulte ihn zwischen seinen Hörnern. Zufrieden schnaubte der Dämon und nachdem er seiner Meinung nach genug Anerkennung von ihr erhalten hatte ging er zu den anderen beiden Frauen um ebenfalls Streicheleinheiten und Lob abzustauben.
„Wird mehr benötigt?“, schnitt Vergils Stimme durch Neros Gedanken und er beobachtete wie sein Vater mit seiner Freundin sprach. Er zollte ihr großen Respekt das sie keine Miene verzogen hatte als die ganzen toten Tiere vor ihr abgelegt wurden. Sie lächelte ihn sogar dankbar an und nickte. „Ja, vielen Dank! Das ist weitaus mehr was wir mit einer gewöhnlichen Angel hätten fangen können! Ich werde mein Bestes geben bei der Zubereitung.“ Vergil nickte schweigend und ging zu den Frauen, die von dem kleinen Dämon belagert wurden, während Nero sich überlegte was gerade passiert war, bis Kyrie ihn bat bei der Vorbereitung zu helfen. Er nickte ihr zu und war dankbar etwas zu tun zu haben, anstatt über die seltsame Dynamik zwischen seinem Vater und seiner Freundin nachdenken zu müssen.
Nur wenige Minuten später kam auch Dante aus dem Wald und hatte zu allem Überfluss noch mehr Nahrung mitgebracht. Wie Vergil hatte auch er Kyrie ein riesiges Tier, das eine Ähnlichkeit zu einem Pferd aufwies, aber mit weitaus plüschigerem Fell, vor die Füße gelegt. Die Kinder waren nun auch aus dem Wasser gekommen und rannten zur Gruppe, wobei sie in 'Ohhhs!' und 'Ahhs!' verfielen als sie die ganzen toten Tiere sahen. „Ich bin wohl etwas zu spät zur Party, aber ich hoffe das ist genug.“, meinte er lachend. „Dante, was hast du da?“, fragte Nero, wurde dann aber von Vergil unterbrochen. „Du bist zu spät. Ich habe mich bereits um die Nahrungsversorgung gekümmert.“ Dante sah zu den Fischen, dann zu seinem Zwilling und grinste herausfordernd. „Sei nicht sauer Verge, ich habe mich etwas gehen lassen. Ich meine, wie lange waren wir schon nicht mehr auf einer richtigen Jagd? Außerdem ist nur Fisch doch total langweilig. Das Baby hier schmeckt richtig gut! Es geht nichts über deftiges Fleisch! Lass den Leuten doch das gute Zeug.“ „Wie war das?!“ Bevor der Platz drohte durch den Konflikt zweier Dämonen verwüstet zu werden war Kyrie zur Rettung eingesprungen. „Wir können beides Essen und das was übrig bleibt frieren wir einfach ein.“ Die Zwillinge schwiegen für einen Moment, willigten dann ein. Nero atmete erleichtert aus. „Hey Bruder. Kannst du mir Yamato leihen? Dann zerlege ich das Tier!“ „Ich zerlege dich gleich!“ „Komm schon!“ „Nimm dein eigenes Schwert!“ Nero hatte das Gefühl das ihm gleich eine Ader platzen würde. Nur dank der Kinder begann er nicht sein Schwert zu nehmen um beide zu zerlegen. „Hier zerlegt niemand irgendwas! Es sind Kinder anwesend!“ Dante sah zu Julio und Kyle, wobei ersterer sich schüchtern hinter Kyrie versteckte, da ihm beim Anblick der toten Tiere langsam schlecht wurde. Kyle hingegen war Feuer und Flamme. „Du machst daraus richtiges Fleisch? Wie das was wir zuhause haben?“ „Jap! Onkel Dante wird das Vieh zerlegen!“ Er sah dabei zu Vergil und grinste verschmitzt. „Was sagst du? Sollen wir es gemeinsam tun?“ Nachdenklich musterte der blaue Dämon das Tier. Es war kein schlechtes Angebot gemeinsam mit seinem Zwilling im Blut zu baden. Aus diesem Grund ließ er einen Dolch erscheinen und reichte diesem seinen Bruder, da ihm der erste Stich gebührte, da er die Beute erlegt hatte. „In Ordnung.“ Bevor Dante anfangen konnte das Tier zu häuten, wobei Julio fast ohnmächtig wurde, hatte Nero sie gerade noch aufgehalten. „Nicht vor den Kindern!“, rief er während sein jüngeres Ich ihn mit funkelnden Augen und einer vorgeschobenen Lippe vorwurfsvoll ansah. 'Was musste ein Dämon hier tun, damit endlich mal Blut floss?!', schien er mit seinem Blick zu vermitteln, was sein älteres Gegenstück mit einer erhobenen Augenbraue quittierte.
„Sei nicht lächerlich Nero. Es ist wichtig früh genug damit zu beginnen den Kindern nicht nur die Kunst des Tötens beizubringen, sondern auch wie man seine Beute fachgerecht zerlegt. Wenn der Tot nicht das gewünschte Ergebnis war, ist es zumindest ratsam zu wissen, wie man keine Spuren hinterlässt.“ „Oh ja!“, rief Kyle, während Nero seinen Vater mit einem Blick bedachte der nur eines bedeuten konnte: 'Nicht dein fucking Ernst?!'.
„Okay okay. Wir machen es dahinten!“, entschied Dante, der in Neros Augen in diesem Augenblick als der vernünftige Zwilling galt. So weit war man also schon gekommen... Vergil wollte erst noch etwas sagen, entschied sich dann aber dagegen und schloss den Mund. „Wie du wünschst.“ Die Zwillinge gingen in den Wald, dicht gefolgt von ihrem dämonischen Nachwuchs, der sich das nicht entgehen lassen wollte. Vielleicht gab es ja was zum Spielen! Kyrie hatte Kyle an der Schulter gepackt und schüttelte den Kopf. Sie wollte niemanden vor den Kopf stoßen, war aber ganz froh das hier niemand vor aller Augen ein Tier zerlegte. „Ihr könnt mir helfen die Fische vorzubereiten.“ „Na guuuut.“, schmollte Kyle und begann damit unter ihrer Anleitung Fischkopf und Schwanz abzuschneiden. Julio entschloss sich lieber den Frauen Gesellschaft zu leisten, während Nero sich Kyrie und Kyle anschloss. Es dauerte nicht lange da schwebte der Geruch von gebratenem Fisch und Fleisch in der Luft, was die Vorfreude auf das Essen noch steigerte.
Der rote Abendhimmel hatte sich in ein Meer aus Sternen verwandelt. Das Essen war köstlich gewesen und Dante hatte zusammen mit Trish und Nico den Biervorrat geleert und war gerade dabei der Gruppe einer seiner früheren Abenteuer zu erzählen. Durch die anwesenden Kinder, die ihren Onkel mit großen Augen ansahen als hätte er die Sterne aufgehangen, war die Geschichte weniger blutig als sie in Wirklichkeit gewesen war. Vergil saß neben den Kindern, da diese sich zwischen ihrem Onkel und ihrem Großvater gequetscht hatten und hatte den jungen Nero auf dem Schoß. Im Gegensatz zu seinem Bruder genoss er wie Kyrie in aller Stille eine Tasse Tee und hörte der Geschichte nur am Rande zu. Unbemerkt ließ er seinen Blick zur Gruppe wandern, richtete ihn dann aber auf das Wasser, dessen Oberfläche ein Bild des Himmels widerspiegelte. Er verspürte eine Ruhe, die er nur selten genießen konnte. Trotz der vielen Anwesenden, war er zufrieden. Er war noch nie auf einer Mission gewesen, die solche Aktivitäten beinhaltete. Gemeinsam Essen und Trinken, Geschichten erzählen und das Gelächter der Anwesenden zu hören. Es unterschied sich von allem was er kannte. Bevor er weiter in Gedanken versank wurde er von seinem Bruder belästigt. Dante, es war immer Dante, der ihn nie zu tief versinken ließ. Es war Fluch und Segen zugleich. „Hey Verge! Erde an Vergeee.“, rief dieser und es war nur den Kindern zwischen ihnen zu verdanken, die im Laufe der Erzählungen eingeschlafen waren, das er seinen Bruder nicht erstach. Normalerweise waren sie hellwach wenn ihr Onkel seine Geschichten auspackte, aber der Tag war anstrengend gewesen und das viele gute Essen hatte sie schläfrig gemacht.
Die Gruppe trennte sich und nachdem Nero mit Kyrie zusammen die Kinder ins Bett gebracht hatte, ging er zu Nico, die er auf einem Liegestuhl mit einem geöffneten Notizbuch sitzen sah. Sie schien konzentriert mit einer Zeichnung, weswegen sie seine Ankunft nicht bemerkte. Lautlos stellte er sich hinter sie und pustete ihr ins Ohr, was sie erschrocken auffahren ließ. Nero wich lachend einem Schlag aus. „Noch nicht müde?“, fragte er. „Ein Genie wie ich schläft nicht. Die besten Ideen kommen Nachts!“ Nero grinste und setzte sich zu ihr, da Trish unterwegs war. Da sie kaum Schlaf brauchte als Volldämon, streifte sie Nachts umher auf der Suche nach einer Herausforderung. „Wieder ein neuer Devil-Breaker?“, fragte Nero und deutete auf das Notizbuch. Trotz seines neuen Armes ließ sie sich nicht davon abbringen weiter diese Prothesen herzustellen. Er musste aber widerwillig zugeben das sie sehr nützlich waren. Insbesondere da er nun seinen eigenen Devil-Trigger nicht mehr hatte waren die Devil-Breaker eine enorme Hilfe im Kampf.
„Nope. Ich beobachte Tiere in freier Wildbahn. Mein privater Animal Planet-Channel, wenn man so sagen will.“ Nero folgte ihrem Blick und entdeckte wie Dante gerade dabei war Blätter aneinander zu knoten, die fast so groß waren wie er selbst. Mit geschickten Handgriffen, die er seinem Onkel nicht zugetraut hatte, knotete er einen Vorhang aus den Blättern, den er zwischen zwei Bäumen befestigte und damit eine Art provisorisches Kuppelzelt baute. Danach begann er mitten in seinem Unterschlupf einen Haufen aus weichem Gras und Blättern zusammenzutragen.
„Interessant. Ich wusste nicht das Dante ein Outdoor-Mensch ist.“, meinte er, was Nico zustimmend Nicken ließ. Dante kam ihnen eher wie ein Stadtmensch vor, aber der Dämonenjäger hatte nicht lange gebraucht um den Unterschlupf vorzubereiten und eine Art provisorisches Bett zu errichten. Nero spielte mit der Idee ihm anzubieten die Kissen und Decken aus dem Nest zu holen, da ihm klar war das sein Onkel nicht vorhatte in dieser Nacht dort zu schlafen, aber Nico schüttelte bei seiner Idee nur den Kopf. „Schlechte Idee. Du solltest nie etwas aus dem Nest von Dämonen stehlen. Das endet nie gut. Die treten dir in den Hintern.“ „Hmm, du hast Recht.“ Er musste daran denken wie lange sein Vater gebraucht hatte um mit dem Nest auf dem Dach vollkommen zufrieden zu sein. Er hatte seine Unzufriedenheit niemanden direkt geäußert, aber er verbrachte viel Zeit damit abzuwägen welche Dinge er in das Nest bringen wollte und welche nicht. Nero wusste nicht wann, aber irgendwann schien der blaue Dämon zufrieden gewesen zu sein, da er ihn eines Tages gesucht hatte und ihn im Nest fand, zusammen mit seinem Mini-Dämon.
Bei diesen Gedanken suchte er mit seinem Blick nach seinem Vater und fand ihn schließlich am Wasser. Er hatte seinen dunklen Mantel abgelegt und war dabei seinen Nachwuchs zu baden, da dieser durch die ganzen Aktionen des Tages es wohl nötig hatte. Dieser sah das anscheinend anders und wandte sich im Griff seines Vaters, platschte und schlug ins Wasser, konnte aber seinem Schicksal nicht entkommen. Der dämonische Schwanz seines Vaters hatte sich um seine schmale Taille gelegt und hielt ihn an Ort und Stelle, während die Hände frei waren und es somit kein Entkommen gab. Blut, Dreck und Schweiß wurden gründlich abgeschrubbt.
Nero seufzte und wusste wie anstrengend es sein konnte Kinder zu baden, wenn diese nicht mitmachen wollten. Er war sich sicher das jeder, der ein bockiges Kleinkind baden musste sich über ein extra Glied freuen würde. Carlo reagierte wie eine Katze auf Wasser, wenn es um seine Badezeit ging. Vielleicht sollte er Vergil um Hilfe bitten? Die Kinder liebten und respektierten ihren 'Opa'. Ihm schien es leicht zu fallen ein windendes Dämonenkind zu waschen und verzog keine Miene bei dessen Aufstand. Auf der anderen Seite wäre es vielleicht doch keine gute Idee. Menschenkinder waren nicht so robust wie dämonischer Nachwuchs.
Als das unfreiwillige Bad beendet war hatte Vergil das Kind zum Ufer getragen, das begann sich wie ein Hund zu schütteln. Die Wassertropfen flogen in alle Richtungen, aber der junge Vater nahm es gelassen und strich sich mit einer Hand durch das Haar, das nun wieder perfekt saß. Mit seinem Mantel und dem Kind ging er zu Dante, der den Blick auf sein Bauwerk freimachte. Mit einem Grinsen und dem Fell seines erlegten Tieres in der Hand wartete er auf eine Reaktion. Nero und Nico beobachteten den Austausch mit Interesse und als sich keiner der Brüder im ersten Moment bewegte, glaubten sie das die Sache beendet sei, doch dann hatte sich Vergil in seine dämonische Gestalt verwandelt. Wie eine Katze, hatte er sein Kind am Nacken hochgehoben. Mit seinem Nachwuchs im Schlepptau ging er an Dante vorbei und umrundete das Bauwerk um es genauer zu inspizieren. Dante blieb an Ort und Stelle und beobachtete das Tun seines Zwillings mit Interesse und wartete auf dessen Urteil. Es war ein seltener Anblick den sonst so lauten Mann so schweigsam zu sehen. Die Inspektion schien anscheinend gut zu laufen, da Vergil sich dem Nest näherte und begann daran zu schnüffeln und mit einer Klaue darin zu graben. Was er genau dort suchte konnten Nero und Nico nicht erkennen, doch als Vergil sein Kind in den weichen Blätterhaufen fallen ließ, schien sich Dantes Anspannung zu lösen.
Vergil umrundete das Nest erneut, während sein Sohn damit begann sich ins Nest zu graben und dabei freudige zwitschernde Laute von sich gab. Dies schien den älteren Dämon zu überzeugen. Er schnaufte und sah seinen Bruder an, der sich nun ebenfalls in seine dämonische Gestalt verwandelte. Mit dem Fell im Maul näherte er sich Vater und Sohn, begann damit den Kopf gegen den seines Bruders zu reiben. Dieser erwiderte die Geste und der rote Dämon ließ das Fell in die Klauen seines Bruders fallen, der begann daran zu schnüffeln und es zu begutachten. Ein zufriedenes Grollen entkam seiner Kehle als er begann an den geschwungenen Schuppen seines Bruders zu knabbern und ihm über die Wange und die Stirn zu lecken. Dieser genoss diese seltene Zugneigungsbekundung und schnurrte zufrieden. Die Dämonen gönnten sich einen Moment der gemeinsamen Zeit während Nero sich die Hände vor den Mund hielt um kein Geräusch von sich zu geben, um die Zwillinge nicht zu stören. Nico hingegen genoss das Schauspiel und zeichnete in ihr Notizbuch, was Nero erkennen konnte, voll mit Skizzen von seinen dämonischen Verwandten war. Die Mechanikerin konnte diese neugierige Seite von sich, die sie mit ihrem Vater teilte, nicht unterdrücken. Sie war die Letzte, die zugeben wollte das sie etwas mit dem verrückten Wissenschaftler teilte, aber die Liebe zu ihrer Arbeit war nicht zu leugnen. Neben Waffen aus dämonischen Überresten war sie interessiert an der Studie des lebenden Objekts. Was war besser dazu geeignet als die Familie ihres besten Freundes zu beobachten, die zufällig aus Dämonen bestand? Nero hingegen war erstaunt das Dante und Vergil in der Lage waren Zärtlichkeiten auszutauschen die nichts mit einer Klinge in Bauch des Anderen zu tun hatten.
Die Zwillinge wurden durch ein leises Jammern unterbrochen. Ihr Nestling war damit fertig die Neuheiten des Schlafplatzes zu inspizieren und wollte nicht ausgeschlossen werden vom Familienkuscheln. Mit großen Augen und ausgestreckten griffigen Händen saß er vor beiden Dämonen und wimmerte erneut. Vergil begann damit das Fell um die Schultern des Kindes zu legen und wickelte ihn darin ein, sodass am Ende nur noch der Kopf herausschaute. Er positionierte sich um das Kind, was keine Zeit verschwendete und sich an seinen Vater schmiegte, während er sich dabei in das Fell kuschelte. Glücklich über die weiche Decke und der nun erhaltenen Aufmerksamkeit begann er zu zwitschern und rieb seinen Kopf an den Schuppen des älteren Dämons. Langsam kletterte er zur Halsbeuge des blauen Dämons, was diesen dazu veranlasste sich komplett ins Nest zu legen und den Kopf zur Seite zu drehen, damit das Kind besser an die gewünschte Stelle kam. Gurrend begann dieses an einer Stelle des Halses zu lecken und zu knabbern, die nicht von den dicken Schuppen bedeckt war. Vergil beantwortete das Gurren mit einem zufriedenen Grollen und legte die Klaue auf den Kopf seines Kindes und führte ihn zur richtigen Stelle. Kleine Reißzähne begannen damit sich in das Fleisch zu schneiden und zogen Blut.
Nero und Nico bemerkten das der ältere Dämon wegen des Bisses nicht verärgert war, sondern das Verhalten sogar noch förderte, indem er mit seinen Klauen den Körper seines Kindes festhielt. Nach kurzem Überlegen wussten beide was passierte und das sie Zeuge der Fütterung wurden. Da Vergil keine Anstalten machte den kleinen Dämon für sein Vorgehen zu betrafen oder sich zu wehren, gab es ihrer Meinung nach nur diese eine Erklärung für das was sie sahen. Sie konnten diesen intimen Moment jedoch nicht weiter beobachten, da Dante sich um Vater und Sohn positioniert hatte und seine Flügel das Paar umschlossen und von der Außenwelt abschirmte. Der Eingang des Nestes war nun vom Körper des Dämonenjägers blockiert, wobei ein blauer Schwanz sich um die Taille des Dämons schlängelte und beide Dämonen noch näher aneinander rücken ließ. Nur wenig später hörte man ein zufriedenes, helles Zwitschern, bis die Laute aus dem Nest langsam verebbten. Niemand ging davon aus das die Dämonen, zumindest die Älteren, tief schlafen würden. Nicht nur das Dämonen viel weniger Schlaf brauchten, sondern da sie in einer fremden Umgebung waren, würden sie ihre Wachsamkeit nicht aufgeben. Die Gruppe konnte ohne Bedenken Schlafen, da sie wussten das die Dämonen jeden Eindringling aus weiter Ferne wahrnehmen würden. Aus diesem Grund verabschiedete sich auch Nero und ging zu Kyrie die schon auf ihn wartete. Gemeinsam mit den Kindern schliefen er im inneren des Van's, während Nico noch ein wenig in ihrem Buch schrieb, bevor sie in ihrem Liegestuhl einschlafen würde. Trish kam erst kurz vor Sonnenaufgang zurück und hatte sich neben Nico gelegt, die einen Platz für sie freigehalten hatte.
Die Gruppe erreichte am frühen Nachmittag ihr Ziel. Von Weitem war ein Tempel zu sehen, der in auf der Spitze eines Berges residierte. Der Tempel war groß und trotz seines Alters sehr gut erhalten. Trotz seiner Lage, schien er gut besucht. Auf den antiken Treppen, die vor Urzeiten in den Berg geschlagen wurden, tummelten sich viele Menschen.
Vergil zog sein Schwert und schien motiviert zu sein die Mission zu beginnen. „Der Herr des Gebäudes hat uns erwartet. Seine Jünger werden durch mein Schwert fallen.“, schwor der Halbdämon, während sein dämonischer Sohn neben ihm stand und die Flügel ausstreckte. Mit einem Ast in der Hand ahmte er die Haltung seines Vaters nach, schnaubte und versuchte damit bedrohlich zu wirken. Dante saß auf der Motorhaube und aß Pizza, die Vergil tatsächlich für ihn eingetuppert hatte. Zweifelnd sah er zur Menschenmasse, während er sich ein weiteres Stück Pizza in den Mund schob. „Mr. Vergil...“, versuchte es Kyrie, doch Nero kam ihr zuvor. Er stemmte seine Hände in die Hüften und stellte sich vor Dämonenvater und -sohn. „Nichts da! Das sind Touristen! Keine Jünger!“ Vergil verzog missbilligend die Mundwinkel, während Nero's kleines Ich trotzig die Arme vor der Brust verschränkte und ihn ansah als hätte er ihn persönlich beleidigt. Er wusste zwar nicht wirklich was sein Vater vorgehabt hatte, aber zu Action sagte er niemals nein! Das sein menschlicher Teil sie wohl davon abhalten wollte war unverzeihlich! Trish zog die Sonnenbrille ab und beobachtete die Menschenmasse. „Bist du sicher? Sie wirken besessen.“ Die Menschen drängelten sich durch die engen Gänge, schienen gestresst, während andere wieder laut lachten oder wild mit ihrem Handy gestikulierten. Für die Dämonin wirkte ihr Verhalten sehr zweifelhaft. Nero wischte sich mit der Hand durchs Gesicht, während Nico lachte. „So sind Touris! Das ist normal! Manche sind sogar schlimmer sein als Dämonen.“ „Ein weiterer Grund ihre erbärmliche Existenz aus der Welt zu tilgen.“, sprach Vergil. „Yo, wenn du jeden Touri aus dem Leben pusten willst, der sich verrückt benimmt, wirst du ewig brauchen.“ Vergil ließ seinen Blick kurz zu Nico wandern, dann wieder zur Menschenmasse und umfasste den Griff seines Schwertes fester. „Ich bin motiviert.“
Zum Glück für die Tourismusbranche konnte Nero seinen Vater davon abhalten den Tempel in ein Massengrab zu verwandeln. Als Dante sein letztes Stück Pizza verdrückt hatte und damit fertig war die Dose auszulecken, sprang er von der Motorhaube und streckte sich. „Und was ist der Plan, Kid?“, fragte er seinen Neffen, während er die Pizzadose in einer geschmeidigen Bewegung durch das geöffnete Fenster des Van's in das Spülbecken warf. Die Kinder klatschten und Dante zeigte mit den Daumen grinsend auf sich. „Punkt für Dante!“ Nero raunte entnervt und musterte die kleine Gruppe. Es war abgemacht das er mit seinem Vater und Onkel in den Tempel gehen würde, während Kyrie und die Kinder bei Nico und Trish bleiben würden. Sein Blick wanderte von Kyrie zu den anderen, bis er an den jüngeren Nero hängen blieb. „Du solltest lieber hierbleiben.“, wies er das Kind an, das dabei war den Rücken seines Onkels zu besteigen. Der junge Nero sah zum Älteren und festigte trotzig den Griff um die Schultern des Dämonenjägers. „Was gibt es für ein Problem?“, fragte Vergil und bekam die Aufmerksamkeit seines Sohnes. Er schien nicht zu verstehen weswegen sie das Dämonenkind nicht mitnehmen sollten.
Nero seufzte als ihn nicht nur Vergil, sondern auch Dante und Trish fragend ansahen. Es ließ ihn an seiner geistigen Gesundheit zweifeln. Er atmete tief ein und wandte sich mit ruhiger Stimme an seinen Vater. Er mahnte sich ruhig zu bleiben. Kulturelle Differenzen und so. „Erstens: Wenn die Leute ihn sehen rasten sie aus. Er sieht nicht gerade wie ein Mensch aus. Zweitens: Ein Kind in die Schusslinie zu bringen, auch wenn es ein Dämon ist, hat einen schlechten Beigeschmack.“ Vergil verschränkte bei der Erklärung die Arme vor der Brust. Nero wusste das seine Argumentation in den Augen seines Vaters kaum bestand hatte. Normalerweise wäre er viel aufbrausender deswegen, doch auf der anderen Seite hatte er ein warmes Gefühl, wenn er daran dachte das sein Vater ihn, beziehungsweise einen Teil von ihm, so viel Zuneigung widmete. In seinen Augen schien es nicht mehr so abwegig das der kalte dunkle Jäger auch ein guter Vater war. Der dämonische Weg schien sich von dem der Menschen deutlich zu unterscheiden, doch darüber konnte er hinwegsehen. Der Gedanke von seinem Vater nicht gewollt worden zu sein war spätestens nach dem Erscheinen seines dämonischen Teils verschwunden. Zwar wollte der junge Dämonenjäger immer noch wissen warum er in ein Waisenhaus kam, anstatt mit seiner Familie leben zu können, aber hatte sich aber damit abgefunden von Vergil aufgrund seines Gedächtnisses keine Antworten zu erhalten. Es wärmte ihn das Herz das er wenigstens auf Seiten seines Vaters gewollt zu sein schien und es wohl durch die Entscheidung seiner unbekannten Mutter so gekommen ist, wie es gekommen ist.
Aus diesem Grund verzog Nero seine Miene zu einem kleinen Lächeln und deutete auf Kyle und Julio. „Er wird in Sicherheit sein und kann mit den beiden hier spielen. Trish ist doch hier und passt auf.“ Trish nickte als der Blick zu ihr ging. Vergil hielt sich kurz den Nasenrücken, war nicht einverstanden, nickte dann aber zu Neros Überraschung. „Wie du wünschst.“ Dante übergab das Dämonenkind an Kyrie. Der junge Nero war unwillig in ihren Armen zu bleiben, da er nicht verstand weswegen er zurückbleiben wollte, doch als Vergil ein dämonischen Laut ausstieß schien das Kind seinen Widerstand aufzugeben. Brav blieb es in Kyrie's Armen, die ihn sanft zwischen seinen Hörnern kraulte und damit aufmunterte.„Sie kommen wieder. Niemand lässt dich allein.“, flüsterte sie ihm zu und küsste ihn zärtlich auf die Wange. Nero's Dämon schien von Kyrie genauso angetan zu sein wie die menschliche Form, weswegen er sich schnell beruhigt hatte und sie mit seinen Schwingen sie umarmte.
Während Trish mit den Menschen und dem jungen Dämon zurückblieb, waren die drei Abkömmlinge von Sparda losgezogen. Sie hatten einen kurzen Fußmarsch über eine Brücke, bis sie die steinernen Treppenstufen erreichten. Der Weg war voll und Menschen drängten sich nach oben. Dante schien es locker zu nehmen, während Nero genervt war und Vergil einen mörderischen Blick auflegte. Der Jüngste der Dämonenjäger überlegte sich nachdem er 10 Minuten lang geschubst und hier und da einen Ellbogen abbekam, ob er seinen Vater nicht doch erlauben sollte kurzen Prozess mit den Touristen zu machen. Es waren hunderte Treppenstufen und auf jeder Ebene gab es Orte zum Ausruhen, die aber allesamt überfüllt waren mit ruhenden Menschen oder jene, die den Platz nutzen um Selfies zu machen. Der junge Vierteldämon war froh das er bei der Trennung seine Ausdauer behalten hatte, weswegen ihm das Treppensteigen nicht so schnell ermüdete.
Durch Vergils bösen Blick hielten die Menschen Abstand von ihm, weswegen der älteste Sohn Sparda's wesentlich besser durch die Menge kam. Er wollte nicht berührt werden und jeder der ihm zu nahe kam oder es wagte ihm einen Ellbogen in die Seite rammen zu wollen, spürte einen kalten unangenehmen Schauer. In Vergil's Kielwasser folgt Dante und auch Nero schloss sich ihnen an, als er bemerkte das er auf diesem Wege mit deutlich weniger Schaden weiter kam. Die drei Weißhaarigen ernteten viele erstaunte, aber auch bewundernde Blicke. Dank Vergil's Ausdruck der einen baldigen Tod versprach wagte es niemand sie direkt um ein Foto zu bitten, doch das hinderte nur wenige daran heimlich Fotos zu schießen. Einige Frauen unterhielten sich über die 'hübschen Cosplayer'. Nero musste ein Lachen unterdrücken. Während er in Jeans und einfachem Oberteil noch normal gekleidet war, waren Vergil und Dante in ihrem vollem Ornat. In ihren roten und dunkelblauen Mänteln und dem vielen Leder stachen sie aus der Masse hervor. Abgerundet wurde dies durch die weißen Haare und ihrer stattlichen Größe. Für Menschen waren sie attraktiv und ernteten viele Blicke und Bewunderung von beiden Geschlechtern gleichermaßen.
Nach einem dreißig minütigem strammen Marsch hatten sie ihr Ziel erreicht und standen im Innenhof des Tempels. Nero keuchte und wischte sich den Schweiß von der Stirn, während Dante sich an den Torbogen lehnte. Vergil hatte keine Pause gemacht, sondern hatte zügig hunderte Treppenstufen erklommen. Da keiner der beiden Anderen ihn verlieren und wieder von der Masse verschluckt werden wollte, mussten sie wohl oder übel sich dem Tempo des Ältesten anpassen. Dieser schien von all dem Unbeeindruckt und war weder ins Schwitzen noch ins Keuchen gekommen. Nero fühlte sich dadurch betrogen während Dante etwas darüber jammerte das sein Bruder ein Sklaventreiber sei.
Der ältere Zwilling beobachtete seine Umgebung und ignorierte die Beschwerden. Trotz das der Vorhof voller Menschen war, konnte er eine schwache Präsenz spüren. Sie war zweifelsohne übernatürlich. „Scheint als müssten wir einen Hausbesuch machen.“, meinte Dante und stellte sich neben seinem Bruder. Gemeinsam machten sie sich mit Nero auf den Weg um ins Innere vorzudringen. Bevor sie jedoch den Tempel betreten konnten wurden sie von einem älteren Priester aufgehalten. Er trug einen einfachen Kimono und Gebetsketten. Vergil verzog leicht die Miene als der alte Mann ihn darauf hinwies das ein Eintrittsgeld für die Besichtigung des Tempelinneren fällig ist. „Du wagst es-“, begann Vergil, doch Nero drängte sich vor und schnitt seinem Vater das Wort ab, was dieser mit missbilligenden Blick beantwortete. „Entschuldigung, wir sind nicht von hier.“, begann Nero und holte ein paar Geldscheine hervor. Sie hatten nicht die Landeswährung, aber ihr Geld wurde dennoch mit einem freundlichen Lächeln genommen. „Dann wünsche ich den Herrschaften viel Vergnügen. Möge der Segen unserer Gottheit sie erreichen.“ „Danke Alter.“, bedankte sich Dante mit schiefem Grinsen, während Vergil den Mann weiterhin streng musterte, der zu Neros Überraschung nicht unter dem Blick verwelkte. Bevor die Situation noch unangenehmer wurde bedankte sich der Jüngste und meinte das der Familienausflug ihnen sicherlich die Augen für das göttliche öffnen würde und zog Verwandten mit sich. Nero war kein Fan von Religion, insbesondere wegen seiner Heimatinsel, aber er wusste wenigstens aus all den Jahren in denen er gezwungen war in den Gottesdiensten für Sparda Anwesend zu sein was solche Leute hören wollten. Aus diesem Grund erntete er auch ein schwaches Lächeln von dem Mann beim Abschied.
„Was ist mit euch los?!“, murrte Nero leise als sie den Tempel betraten. Vergil und Dante teilten sich einen Blick und der Jüngere spürte wie seine Ungeduld wuchs. Konnten die Zwillinge nicht einfach Klartext reden? „Deine Wahrnehmung ist schwach.“, urteilte Vergil. „Fuck off!“, war die automatische Antwort, doch Dante bezog diesmal Partei für seinen Bruder. „Verge hat Recht. Hast du seine dämonische Aura nicht bemerkt? Sie war schwach, aber da.“ „Was? Aber...“ Nero wollte zum alten Mann sehen, doch die Zwillinge zogen ihn weiter. „Wenn du jetzt einen Aufruhr veranstaltest sind die Menschen in Gefahr.“, warnte Dante. Nero nickte verstehend und sah entschuldigend zu den Zwillingen. „Du hattest es auch gespürt.“, stellte Vergil fest, was ein Nicken von Dante zur Folge hatte. „Was meint ihr?“, fragte Nero. „Beim Van. Dein alter Mann hatte gemeint das man uns erwartet.“ Nero dachte nach und erkannte das Dante bei der Auseinandersetzung zwischen ihm und Vergil damals ruhig war. Zu ruhig. Er dachte erst das es daran lag das er mit seiner Pizza beschäftigt war. Schließlich kam nichts zwischen seinem Onkel und einer Pizza.
Bevor Nero weitere Fragen stellen konnte, spürte er wie die Raumtemperatur zu sinken begann. Sein Blick ging zu den wenigen Menschen, die sich die Ausstellungsstücke ansahen. Sie schienen vom Temperaturabfall nicht betroffen zu sein. Die Nachkommen Spardas teilten einen wissenden Blick, entschieden sich weiter ins Innere zu gehen. Ohne große Aufmerksamkeit zu erregen konnten sie in die Bereiche vordringen, die für Touristen gesperrt waren. Je tiefer sie in das Gebäude vordrangen, desto stiller wurde es bis nur noch ihre Schritte zu hören waren. Vergil spannte sich an, spürte wie eine dämonische Energie mehr und mehr an Präsenz gewann. Er wusste das sie direkt zur Quelle gingen, womöglich von dieser so gewollt. Mit einem blauen Lichtblitz ließ er Yamato in seiner Hand erscheinen, was die anderen beiden dazu brachte ebenfalls ihre Wachsamkeit zu erhöhen.
Wenn es nach ihm ging, würde er den Tempel ohne zu zögern den Erdboden gleich machen, doch sein Sohn bestand darauf sich einzuschleichen. Er missbilligte es, erkannte aber den Sinn dahinter. Sein Sohn interessierte sich für diese sogenannten Touristen. Würden er und sein Bruder ihre Kraft entfesseln, um zur Quelle der dämonischen Kraft direkt herauszufordern, würde es Opfer mit sich bringen. Er konnte sich nicht weniger für diese Kreaturen interessieren, entschied sich aber Nero's Worten zu folgen. Solange es die Mission nicht gefährdete konnte er den Bitten seines Sohnes nachkommen, so abwegig sie auch in seinen Augen waren. Menschen kümmerten sich nicht um andere Menschen. Dämonen kümmerten sich nicht um Menschen. Hatte diese gestresste und wirre Menschenmasse wirklich ein Recht darauf verschont zu werden? Er glaubte nicht daran. Sie waren immerhin freiwillig in die Fänge des Dämons gelaufen. Jeder einzelne von ihnen würde nicht eine Sekunde zögern und seinen Gegenüber opfern, sofern es ihm einen Vorteil bringen würde. Sein Sohn war zu naiv und weichherzig. Charaktereigenschaften, die Vergil's Meinung nach ihn irgendwann ins Verderben stürzen würden. Das Nero zu offenherzig war, bewies allein der Punkt das er den Kontakt gesucht hatte. Anstatt ihn dafür zu hassen das er seinen Arm genommen hatte, den Qliphoth zum Wachsen brachte und damit viele Menschen tötete, hatte er ihm eine Chance gegeben und ihm sogar sein Buch zurückgegeben. Der älteste Sohn Spardas hatte nicht darum gebeten, doch er konnte sich auch nicht davon Abbringen Nero's Angebot anzunehmen. Das er einen Nestling hatte kam für ihn unerwartet. Er konnte sich nicht an Nero's Mutter erinnern, egal wie oft Dante ihn wegen der einen 'magischen Nacht' aufzog. Wenn auch sein Sohn nicht die gleichen Vorstellungen hatte wie er selbst, konnte ein Teil sich nicht davon abbringen ihn von sich zu stoßen. Er war sein Erbe, sein Erstgeborener und ein Abkömmling Sparda's. Wenn Nero's Gutherzigkeit eine Schwäche war, würde er es auf sich nehmen seine Klinge im Namen seines Sohnes in die Herzen jener stoßen, die diese Schwäche ausnutzen wollten.
Hoch erhobenen Hauptes, mit festen Griff um die Yamato, schritt er mit seinem Bruder und seinem Sohn durch die Gänge und folgte der Einladung des Feindes. Egal was kommen möge, ein Sohn Sparda's würde jeder Prüfung stellen!
Die Herausforderung begann, als Vergil mit einem schnellen Hieb seiner Klinge das Siegel an der letzten Tür, in der tiefsten Ebene des Tempels zerstörte, woraufhin die drei Dämonenjäger in die Dunkelheit gezerrt wurden...
Chapter 8: Mission in den Bergen Teil 3
Summary:
Ich hatte nicht gedacht das dieser Arc so lange dauern würde. Naja, hier sind wir nun ^o^"
Notes:
TW: Erbrechen, Blut, Panikattacken, Angst (?)
Ich werde die Tags der Geschichte wohl anpassen müssen. Aber keine Sorge, es wird wieder fluff geben! <3
Chapter Text
„Ich hoffe ihnen wird nichts passieren.“, murmelte Kyrie besorgt, während sie dabei war den Campingtisch zu decken. Sie nicht anders als immer wieder Richtung Tempel zu schauen. Die Gruppe hatte in sicherer Entfernung ihr Lager aufgeschlagen, um ihr Ziel möglichst gut beobachten zu können, aber selbst weit genug entfernt zu sein, falls etwas unvorhergesehenes geschehen sollte. „Mach dir keine Sorgen. Die Jungs können auf sich aufpassen.“ Trish hatte sich auf einen der Stühle gesetzt um ihre Wache aufzunehmen. Kyrie nickte, sah zu den Kindern, die gemeinsam spielten. Zuerst spielten sie Karten, doch als der junge Dämon diese immer wieder in seinen Mund schob, gaben es Kyle und Julio bald auf ihm die Regeln beibringen zu wollen. Sie waren nicht all zu erfolgreich alle Karten in Sicherheit zu bringen. Zufrieden mit sich rülpste Nero und spuckte dabei etwas aus, was verdächtig nach der Ecke einer Spielkarte aussah. „Wenigstens hat er nur die +4 gefressen...“, murmelte Julio, der die restlichen Uno-Karten eingepackt hatte. Kyle nickte und überlegte sich ob er nicht die Swap-Hands-Karte ebenfalls verfüttern sollte, für das Allgemeinwohl und so.
Nico öffnete sich ein Bier und reichte Trish ebenfalls eins, was sie dankend annahm. Es war ihre Idee zu grillen, da sie nichts besseres zu tun hatten um auf die Rückkehr der Sparda-Familie zu warten und sie wusste das Kyrie nicht einfach so untätig dasitzen konnte, während sich ihr Freund mit seinem Vater und Onkel womöglich in Gefahr begab. Außerdem liebte die Mechanikerin Kyrie's Essen. Es war also eine Win-Win-Situation für beide. Trish hatte sie gewarnt das es dort eine dämonische Präsenz gab und nach Vergil's Geschichtsunterricht über die Legenden dieses Tempels vermutete sie das dort ein Dämon hauste, den sie nicht unterschätzen sollte. Dämonen lebten von Blut, einige wurden aber auch durch den Glauben und den daraus resultierenden Gaben stärker. Sollte es sich um ein und denselben Dämon handeln, der über all die Jahrhunderte dort hauste, hatte dieser von beiden mehr als genug. Er könnte sogar für die Söhne von Sparda eine Herausforderung darstellen. Wie immer schien das Leben nicht den einfachen Weg wählen zu wollen, denn als auf einmal die Erde anfing zu beben, spürte Trish eine Zunahme dämonischer Energie. „Aufpassen!“, rief sie und mit gezielten Blitzschlägen pulverisierte sie herabfallende Steinbrocken, bevor sie die Gruppe erreichten. Das Beben wurde stärker und drohte sogar die massiven Steinbrücken zu erreichen. Diese bekamen Risse und begannen zu brechen. „Woah! Was geht hier ab?!“, rief Nico, die sich am Van festhielt. Kyrie war zu den Kindern gerannt und hatte alle drei in die Arme gezogen. Kyle und Julio jammerten, während Nero erst zu Kyrie sah, dann seinen Blick Richtung Tempel wanderte. Das Beben schien dort sein Zentrum zu haben. Die in die Wände gemeißelten Treppen brachen und mit ihnen wurden die panischen Menschenmassen, die versuchten sich in Sicherheit zu bringen, mit in die Tiefe gerissen. „Die dämonische Präsenz breitet sich aus!“, schrie Trish und zog die Gruppe Richtung Van, spannte dabei ein Schutzschild aus Blitzen um sie vor weiteren herabfallenden Felsbrocken zu schützen. Bevor ein weiteres Wort gewechselt werden konnte erhob sich im Zentrum des Tempels eine schwarz-violette Energiesäule, breitete sich aus und riss das Gebäude sowie den größten Teil seiner Anlagen mit. „Nein! Nicht! Nero!“, rief Kyrie angestrengt, da der junge Dämon sich versuchte mit aller Gewalt aus ihrem Griff zu befreien. Er schrie, zischte und fauchte wie eine wütende Katze. Sie versuchte das Kind mit aller Kraft zu halten, doch es war stärker als sie und mit vier Armen auch im Vorteil. Nero stieß sie von sich und wollte Richtung Brücke rennen. Verzweifelt wusste sich Kyrie nicht anders zu helfen, schob Kyle und Julio in Richtung Nico, während sie mit der anderen Hand die Schwungfedern des Dämons zu packen bekam. Im Gedanken entschuldigte sie sich bei dem Kind, sah aber keine andere Möglichkeit ihn zu stoppen. Mit aller Kraft zog sie an den Astralfedern und schaffte es ihn zu Boden zu reißen. Kyrie verlor keine Zeit und warf sich auf das windende und kreischende Kind, um es daran zu hindern wieder zu entwischen. Sie wusste das der kleine Dämon robuster war als jedes Menschenkind und deswegen keine bleibenden Verletzungen tragen würde, auch wenn es ihre Schuldgefühle ihm gegenüber nicht linderte.
Zu ihrem Glück endete das Beben so abrupt wie es begonnen hatte. Die Energiesäule schoss in den Himmel, verebbte dann langsam und hinterließ eine gewaltige Zerstörung. Das einst imposante Bauwerk wurde reduziert auf Ruinen und Schutt. Wie durch ein Wunder schienen teile der Mauer noch zu stehen, doch die Tempelanlage selbst selbst war, von dem was man sehen konnte völlig zerstört. Die Brücken dahin waren in sich zusammengebrochen. Ihr Gestein regnete in viel hunderte Meter Tiefe, während damit die menschenmöglichen Wege zum Tempel abgeschnitten waren. Kyrie seufzte erleichtert als der Boden sich nicht mehr bewegte, spürte wie unter ihr Nero grunzte und sich wand. Sie verstand nicht was auf einmal in ihn gefahren war. Das Kind war zwar immer sehr wild und schelmisch, aber niemals aggressiv gegenüber ihr oder jemand anderen gewesen. Ihr Blick ging zu den anderen Kindern, doch ihre Frage über deren Wohlergehen blieb ihr im Halse stecken, als sie den schockierten Gesichtsausdruck von Trish sah. Es gab nicht viel was die Dämonin in Panik versetzte, weswegen sie mit dem Schlimmsten rechnete. „Ihre Auren...! Ich spüre sie nicht mehr!“, murmelte Trish, während Kyrie's Blick immer besorgter wurde. Sie lockerte ihren Griff und der kleine Dämon rannte Richtung der Brücken. Er schrie verzweifelt und flatterte mit den Flügeln, versuchte eindeutig zu fliegen. Er schaffte es jedoch nur wenige Zentimeter weit, da landete er mit dem Gesicht auf den harten Boden. „W..was?“ Kyrie zitterte, versuchte für die Kinder stark zu sein, die zu ihr gerannt kamen und sich an sie drückten. Alle Augen waren auf Trish gerichtet, dessen Blick grimmig wurde. „Dante, Vergil und Nero. Was immer das war, sie sind nicht mehr in dieser Welt!“ Kyrie keuchte, Nico riss schockiert die Augen auf, während Kyle und Julio verzweifelt um Antworten baten. Hinter ihnen begann Nero laut zu jammern. Er hatte, genauso wie Trish, von Anfang an gespürt das die Aura der Fehlenden immer Schwächer wurde, bis sie dann auf einmal verschwunden war.
Seine Schreie waren voller Trauer und Qual. Das Nestling rief verzweifelt nach seiner Familie, doch sein Ruf blieb ungehört.
~*~
Der Körper fühlte sich taub an. Langsam öffnete Vergil die Augen und war mit einer Szene konfrontiert, an die sich sein fragmentiertes Gedächtnis mehr als gut erinnern konnte:
Feuer. Loderndes Feuer. Der Himmel war bedeckt mit Ruß und Asche. Seine Augen brannten, jeder Atemzug war wie tausend Nadelstiche. Was war passiert? Hatte er nicht eben... Ja was hatte er getan? Ja. Er hatte sich mit Dante gestritten. Sein dummer Bruder wollte ihm sein Buch nicht zurückgeben. Schreie wurden zu Fäusten. Das Blut floss, was die Zwillinge aber nicht aufhielt. Erst als Mutter kam und beide auseinander brachte, war der Streit beendet. Naja fast. Vergil fühlte eine brennende Ungerechtigkeit, weil er für etwas bestraft werden sollte, was seiner Meinung nach die alleinige Schuld seines Bruders war. Ohne auf ein weiteres Wort seiner Mutter zu hören rannte er davon, nur um wenig später von Dämonen aufgelauert, erstochen und alleine, blutend auf dem Spielplatz zurückgelassen zu werden. Der Schmerz brannte und betäubte die Sinne. War er allein? Er fühlte eine rasch näher kommende Aura von einer Person, von der er nicht dachte sie in diesem Moment zu sehen, wenn auch er sich danach gesehnt hatte.
Die Dämonenhorde zückten ihre Waffen, wollten auf ihr wehrloses Opfer einstechen, wurden aber abgewehrt. Gezielte Schüsse durch ihren Schädel machten ihnen den gar aus. „Vergil!“, schrie eine weibliche Stimme und er schluckte. Zitternd lag er am Boden in seiner eigenen Blutlache, wagte es nicht aufzusehen. Seine Lippen bebten, die Augenlider zuckten. Sein Blickfeld verschwamm und ein Schluchzen drang aus seiner Kehle. Der vertraute Saum eines roten Kleides drängte sich in sein Blickfeld. „Mein Baby. Alles wird gut.“ Sanft wurde er in eine Umarmung gezogen, wimmerte vor Schmerz und Erleichterung. Der süße Duft seiner Mutter wehte ihm in die Nase und er sah zu ihr auf. Sah ihr lächeln, ihr wallend blondes Haar, welches durch die Eile zerstreut war. Ihre sanften grünen Augen erwiderten den Blick. Eva musterte ihren Sohn, dessen Wunden sich langsam schlossen. Ohne zu zögern drückte er sich an seine Mutter, legte die Arme um ihren Hals und presste seinen Kopf in ihre Halsbeuge. Er nahm ihren Duft auf, der Sicherheit und Liebe versprach. „M...Mommy...!“
„Ssh sh, mein Baby. Mama hat dich.“, wisperte Eva zärtlich und strich ihrem Kind beruhigende Kreise über den Rücken. Als das Kreischen weiterer Dämonen näher kam stand sie mit Vergil im Arm auf. „Wir müssen gehen. Bevor sie uns finden.“ „Du bist für mich gekommen...“, flüsterte Vergil leise und presste sich weiter an seine Mutter, versuchte jeden Millimeter Abstand zwischen ihnen zu überbrücken. Die Tränen trockneten langsam, ebenso wie das Blut auf seiner Kleidung. „Natürlich mein Liebling. Und jetzt müssen wir los.“ Vergil legte sein Kinn auf ihre Schulter und bemerkte wie sie losging. Sein Blick ging zu seinem brennenden Elternhaus, was sich langsam von ihnen entfernte. „Mommy!“ „Was ist mein Schatz? Wir müssen uns beeilen.“ Er löste sich ein wenig von ihr um ihr ins Gesicht schauen zu können. „Dante! Was ist mit Dante? Er ist-“ „Nein, wir können nicht zurück.“ Vergil's Augen weiteten sich schockiert. „Aber Mommy! Er stirbt! Dante stirbt!“ Er wand sich im Griff seiner Mutter, die gezwungen war ihn runterzulassen. „Vergil!“, schimpfte sie, ihr Blick wurde dann aber weicher. Sie kniete sich vor ihrem Sohn und legte ihm erst die Hände an die Wangen, um ihm einen Kuss auf die Stirn zu geben, bevor die Hände ihren Platz auf seinen Schultern fanden. „Es ist zu spät.“, sprach sie bedauernd und als Vergil widersprechen wollte, schüttelte sie den Kopf. „Als der Angriff begann und das Feuer sich ausbreitete habe ich mich sofort auf den Weg gemacht um dich zu finden, mein Liebling.“ Vergil's Unterlippe begann zu zittern. Seine Mutter hat alles stehen und liegen gelassen um als erstes nach ihm zu suchen? Zitternd griff er in sein zerfetztes Oberteil. „D...du h...hast nach mir gesucht? Nicht nach D...dante?“, stotterte er ungläubig, sah seine Mutter mit großen Augen an. Sie kicherte, als würde sie sich über etwas besonders niedliches erfreuen. „Aber natürlich. Du bist doch mein Liebling. Nie würde ich dich zurücklassen.“ Vergil öffnete den Mund, nur um ihn wieder zu schließen und dann erneut zu öffnen. „D...du liebst mich mehr?“ Eva strich durch das Haar ihres ältesten Kindes als hätte sie alle Zeit der Welt, als würde hinter ihnen nicht gerade seine ganze bekannte Welt zu Asche verbrennen. Süß lächelte sie ihn an. „Natürlich Vergil. Du warst schon immer der bessere Zwilling. Du bist mein Liebling. Natürlich würde ich sofort kommen um dich zu holen. Niemals würde ich dich zurücklassen.“ Eva nahm seine Hand und wollte weiter, doch Vergil blieb stehen. „Vergil!“ „Niemals... würdest du mich zurücklassen...?“, flüsterte er, starrte wie gebannt auf das brennende Anwesen. Langsam ließ er die Augenlider sinken. Tränen begannen sich zu bilden, die ungehindert fielen. „Nein... niemals würdest du mich zurücklassen...“, wiederholte er erneut, seine Stimme wie ein Flüstern im Wind. Eva versuchte ihren Sohn zu bewegen, doch es war aussichtslos. Er bewegte sich keinen Zentimeter vom Fleck, egal wie sehr seine Mutter versuchte ihn zu überreden.
„Unsinn.“, schnitt eine kalte Stimme den Schwall der Liebesbekundungen ab. Langsam drehte Vergil seinen Kopf zu ihr und Eva erstarrte. „Vergil?“ „Wag es nicht mich mit dem Antlitz meiner Mutter in die Irre führen zu wollen!“ Vergil riss seine Hand aus ihrer, was Eva zurückwarf. Sie sank auf die Knie. „Vergil, mein Liebling. Was ist nur in dich gefahren? Du-“ Ein hysterisches Lachen unterbrach sie, was am Ende in Tränen erstickte. Er konnte nicht anders als über diese Absurdität zu lachen und Vergil legte eine Hand über seine Augen. „Weißt du eigentlich wie oft ich mich fragte, was geschehen wäre, wenn unsere Rollen vertauscht wären?“ Seine Stimme war leise, getränkt von Trauer und doch schwang etwas Bedrohliches mit. „Ich war töricht zu glauben, sie hätte mich nicht gesucht. Ich war ein Narr und habe ihre Gefühle mit Füßen nicht berücksichtigt.“ Langsam ließ er die Hand sinken. Das Blut vermischte sich mit den restlichen Tränen und hinterließ ein mit Blut und Tränen überströmtes Gesicht. Vergil sah zu seiner Mutter. In seinem Blick lag Kälte und Abscheu. „Ich war nicht ihr Liebling...“ „Aber Lieb-“ „Ich war es nicht! … Und Dante war es auch nicht. Sie hat uns beide auf ihre Art gleich geliebt. Sie hat nach mir gesucht.“ Langsam kam er der Frau näher, die sich als seine Mutter ausgibt. In seinem Blick lag nichts menschliches mehr. „Ganz gleich, ob Dante oder ich. Sie hätte keinen von uns im Stich gelassen. Sie hat ihr Leben gegeben, für uns. Unerheblich wen sie zuerst finden würde, sie hätte keinen von uns im Stich gelassen. Und ich werde das auch nicht. Dante ebenfalls nicht.“ Seine Hand legte sich um den Hals der Frau. „Und jetzt verschwinde! Beschmutze ihr Andenken nicht mit dieser erbärmlichen Zurschaustellung!“
Er drückte zu.
Die Szenerie zerbrach wie ein Spiegel in tausende Teile. Vergil stand in seinem eigenen, erwachsenen Körper, beobachtete die herabfallenden Teile seiner Träume, bis er auf einmal von einer starken Schmerzwelle auf die Knie gezwungen wurde. Keuchend biss er die Zähne zusammen, hielt sich mit beiden Händen den Kopf und kniff die Augen zu. Was passierte hier? Einen solchen Schmerz hatte er lange nicht mehr gespürt. Nicht seit... ihm. Oder war es schon davor?
„Interessant...“
„Ich liebe auch Bücher ...“
„....Schwert.....Orden....“
„...Dämon....!“
„..... von.... Sparda...“
„Lass uns beginnen...“
Schmerz.
Schreie. Eine Flut von Stimmen.
Sein Körper brannte, das Feuer loderte in ihm.
Es drohte ihn zu zerreißen. Seine Knochen zu brechen.
Er wollte sie mitnehmen. Allesamt zerreißen! Er hasste sie alle!
Ohnmacht.
Die süße Dunkelheit.
Unzählige Bilder rauschten wie ein Wasserfall an seinem geistigen Auge vorbei. Es war wie ein Film, dessen Bilder unscharf und schlecht entwickelt waren. Die Stimmen waren verzerrt, kaum wiederzuerkennen. Sie waren ihm alle unbekannt. Er war nie dagewesen. Oder doch? Er hatte das Gefühl sie zu kennen.
Diesen Schmerz... Woher kam dieser Schmerz? Die Stimmen prasselten wie eine Flut auf ihn ein. Er musste sich wehren! Er musste kämpfen! Musste er? Was war das für ein Gefühl? Es engte ihn ein. Sein Körper fühlte sich an wie ein Gefängnis! Nein!
Sein Kopf schmerzte.
Dieser unsägliche Schmerz.
NEIN!
Vergil schrie.
~*~
Mit einem Ruck setzte sich Vergil auf, der Atem ging stoßweise. Seine Lungen brannten, der Körper schmerzte wie nach einer tagelangen ununterbrochenen Schlacht. Jeder Muskel brannte, innerlich aufgewühlt hatte er das Gefühl sich übergeben zu müssen. Nur mit Mühe konnte er die zitternden Glieder beruhigen. Dann drehte er sich zur Seite und erbrach sich.
Müde vom Erbrechen wischte er sich den Mund ab und erblickte nicht weit von ihm Yamato. Ohne zu zögern griff er nach dem Schwert, begann erst jetzt seine Umgebung wahrzunehmen. Dumm, wahrlich dumm, schimpfte er mit sich selbst. Es war töricht gewesen schutzlos sich seinen Schwächen hinzugeben in einem ungewohnten Terrain! So schnell er konnte richtete er sich auf, ignorierte den Schwindel und umfasste den Griff Yamato's mit neuer Entschlossenheit. War er nicht in einen Tempel gegangen? Um ihn herum war nur Dunkelheit. Solch eine Finsternis hatte er nicht einmal in der Unterwelt gesehen. Vergil nahm einen tiefen Atemzug, verbannte aufkeimende, schlechte Erinnerungen an jene Person und nahm die Umgebung in sich auf. Er spürte neben seiner eigenen dämonischen Macht eine weitere. Zuerst ein Flackern, dann breitete sie sich aus. Sie war nicht annähernd so einschüchternd wie seine, dennoch mächtig. Er spürte etwas Falsches in ihr. „Merkwürdig...“ Als er die Energie lokalisierte, setzte er zu einem Jugdement-Cut-End an. Die Dunkelheit um ihn zerbrach und er stand in einem vollkommen intaktem Raum. Es war das Innerste des Tempels. Der Gebetsraum. Er wirkte vollkommen neu. Das Holz roch frisch und angenehm, an den Wänden hingen Schriftrollen, die Bilder von verschiedenen Gegebenheiten zeigten. Wäre er unter einem anderen Umstand hier, würde er sich die Kunstwerke ansehen. Er mochte antike Kunst. Sein Fokus lag jedoch auf das was vor ihm lag. Ein prächtiger Altar, aus roten und goldenen Stoffen, geformt wie ein Haus, dessen Eingang offen war. Vor diesem schwebte eine leuchtende, helle Kugel, über dessen Oberfläche schwarze Blitze rankten. Vergil war nicht so töricht sie für ein einfaches Licht zu halten. Die Energiekugel strahlte eine reine, dämonische Macht aus.
Vergil beobachtete den Dämon, erkannte dann etwas entscheidendes, weswegen er Yamato wieder in die Scheide schob. „...!“
„Sehr interessant. Dein Innerstes gleicht einem Labyrinth. Der Film deines Lebens ist unscharf. Es fehlen Szenen, während andere wiederum so klar und deutlich zu sein scheinen. Ich spüre eine Geschichte dahinter, junger Hybrid.“, sprach eine ruhige Stimme, die den ganzen Raum für sich einnahm. Vergil knurrte, legte seine Hand an die Yamato, was den Dämon entschuldigend lachen ließ. „Verzeih. Es war nicht meine Absicht dir zu Nahe zu treten. Es ist nur, ich spüre sein Blut in dir. Du ähnelst ihm. Es ist so lange her, das ich wieder spüren durfte. Hach..., mein alter Freund. Verzeih mir...“
Vergil schwieg über die plötzliche Gefühlsänderung und ließ den Blick wandern, fand nicht unweit vom Altar entfernt seinen Bruder und seinen Sohn am Boden liegen. Sein Blick ging zum Dämon, dessen Absicht es anscheinend nicht war das Treffen zu unterbrechen, weswegen er zu den beiden bewusstlosen Männern ging. Er spürte das sie am Leben waren, aber nicht hier. Waren sie auch gefangen wie er? In einem Traum? Er schüttelte den Kopf. Diese Bilder, er konnte sie nicht einordnen. Ein Teil davon war ein Traum, doch ein anderer Teil wirkte echt. Als hätte er das alles schon einmal erlebt. Tief atmete er ein und musterte den unbekannten Dämon, dann erkannte er etwas. „Du bist korrumpiert.“ Der Dämon schwieg. „Ein Teil von dir lechzt nach unserem Blut, während der andere Teil...“ Ein Lachen erfüllte den Raum. „Du bist intelligent, Sohn von Sparda. Hoffen wir das die anderen ebenfalls mit Weisheit gesegnet sind und der Wahrheit nicht den Rücken kehren...“
~*~
„Nero...“
„...“
„Nero...!“
„...?“
„NERO!“
Keuchend riss er die Augen auf, wusste nicht was passiert war. „Verdammt, Kind!“ Verwirrt blinzelte er, sah zu der Stimme. Es war sein Onkel. Dante? Er musterte den Älteren und kam nicht ohnehin zu bemerken das er ungewöhnlich schick gekleidet war. Er trug einen dunkelroten Smoking mit einer schwarz-blauen Krawatte. Es war ein seltsames Bild. Nie hatte er den Älteren in etwas anderes als Freizeitkleidung oder seinem roten Mantel gesehen. Es war eher sein Bruder, der selbst in der Freizeit auf seine Kleidung achtete. Was war der Grund weswegen sein Onkel so schick angezogen war? Konnte er sich das überhaupt leisten? Oder hatte sogar Vergil ihn dazu gezwungen sich endlich mal angemessen zu kleiden? Immerhin beschwerte sich dieser oft über das 'schlampige und unwürdige Aussehen' seines Bruders.
Mit einem Grinsen schlug er Nero auf die Schulter. „So nervös wegen deinem großen Tag das du nicht schlafen konntest?“, neckte Dante und winkte ab bevor Nero nachfragen konnte um was für einen Tag es sich handelte. In seinem Kopf herrschte Verwirrung. Er wusste nicht was er gemacht hatte. Waren sie nicht...? „Naja, du bist nicht der Einzige. Du hättest mal deine Eltern sehen müssen. Verge hat fast Furchen in den Boden gelaufen vor Nervosität. Natürlich würde der alte Dummkopf es nicht zugeben. Deine Mutter hingegen-“ „Was? Welche Mutter?!“, unterbrach Nero verwirrt. Die Worte seines Onkels machten für ihn keinen Sinn. Er hatte gar keine Mutter! Nero ging davon aus das ein Dämonenvorfall der Grund dafür war. Er hatte selbst recherchiert gehabt und es wurden einige Dämonenvorfälle in Fortuna registriert um den möglichen Zeitpunkt seiner Geburt. Zwar hieß es man hatte ihn vor das Waisenhaus gelegt, aber das Kind in ihm klammerte sich an der Hoffnung das es nur daran lag das seine Mutter ihn vor den Dämonen beschützen wollte. Über einen anderen Grund wollte er nicht nachdenken, nicht jetzt..., niemals. „Ja, deine Mutter. Ich weiß, es ist ein Wunder das jemand es so lange mit meinem Bruder aushält, aber die sind widerlich süß zusammen.“, erklärte Dante und sah seinen Neffen belustigt an. „Nein, meine Mutter wurde von Dämonen getötet!“ Nero hatte sich auf alle möglichen Reaktionen vorbereitet, aber das Dante erst starrte, dann laut anfing zu lachen, war keine davon die er sich vorgestellt hatte. „Oh Kid, das ist zu gut! Das muss ich Verge später erzählen. Kaum heiratet sein Kind, wirft es seine Mutter irgendwelchen Fantasiewesen zum fraß vor.“ Nero öffnete den Mund, wollte etwas erwidern, doch als eine weitere Person in den Raum kam, kamen seine Gedanken kreischend zum stillstand.
„Was ist hier los? Dante! Man hört dich von draußen lachen. Es wäre angebracht in der Kirche wenigstens ein bisschen Haltung zu wahren!“, tadelte eine strenge Stimme. Nero begann zu zittern, umfasste das die Lehnen des Sessels in dem er saß fester als nötig. Nein! Das konnte nicht sein! Nicht er! Er war doch... Dante schnaubte belustigt. „Du bist so langweilig wie mein Bruder, Credo! Ihr könnt ruhig etwas lockerer sein. Schließlich heiraten deine Schwester und mein Neffe nicht jeden Tag!“ Nero würgte, versuchte sein Zittern zu kontrollieren, doch er hatte das Gefühl eine Panikattacke zu bekommen. Seine Gedanken wanderten eine Meile pro Sekunde als er in den Spiegel vor ihm sah. Er sah aus wie immer, nur das er anstatt löchriger Hemden und einem blauen Jeansmantel einen schwarzen Smoking trug. Seine Krawatte war dunkelblau und hatte die Anstecknadel in Form eines Katana, das ihm sehr bekannt vorkam. An seiner Brusttasche war eine blaue Rose angepinnt. Alles in allem sah er aus wie jemand der... heiraten würde! Seine Panik wuchs. Wie war das passiert? Er konnte sich nicht daran erinnern Kyrie einen Heiratsantrag gemacht zu haben, geschweige denn mit ihr über einen festen Termin vereinbart! Es war nicht so als wollte er sie nicht heiraten! Im Gegenteil. Für ihn war sie die Liebe seines Lebens und sein Anker. In den Augen der Inselbewohner waren sie so gut wie verheiratet. Schließlich lebten sie zusammen, teilten sich sogar ein Bett und zogen gemeinsam Kinder groß. Aber wenn er wirklich etwas planen wollte, kamen ihm immer diese Dämonen dazwischen! Dämonen... Nero legte die Hand an seiner Stirn. Sein Kopf begann zu schmerzen. Dämonen... Dante nannte sie Fantasiewesen. Hirngespinste. Aber...
Ein Griff um seine Schulter riss ihn aus seiner Gedankenspirale. Der Griff war fest, aber sanft. Er kannte ihn zu gut. Nein... Nein! Credo konnte nicht.... Er war tot! Doch nun stand er neben ihm und Nero konnte nicht anders als den Blick seines Adoptivbruders zu begegnen. Er hätte am Liebsten geweint, als er ihm in die Augen sah. Credo's Blick war streng, aber durchzogen mit einem Hauch Sanftmut. In Nero tobte ein Sturm der Gefühle. Er wollte Credo anschreien. Ihn fragen warum er so dumm war alles für Sanctus und seine Pläne zu opfern. Wollte wissen, warum er ohne einen zweiten Gedanken sein Schwert gegen ihn erhoben hatte mit der Absicht ihn im Auftrag des Ordens zu töten. Waren die brüderlichen Gefühle so schwach? Oder war alles nur eine einzige große Lüge gewesen?! Gleichzeitig wollte er sich entschuldigen das er nicht stark genug war um ihn und Kyrie zu beschützen. Das er seinen Tod nicht verhindern konnte! Seine Augen brannten und ein bekannter Druck lastete auf ihnen. Er wollte nicht weinen. Nicht vor Dante, nicht vor Credo.
Der Braunhaarige seufzte und zog Nero aus dem Sessel, direkt in die Arme. Das fühlte zu einem Schluchzen vom Jüngeren. „Keine Sorge Nero. Alles wird gut. Es ist die Aufregung. Jeder ist an seinem Hochzeitstag nervös. Das zeigt nur das du es ernst meinst.“ Zögerlich nickte Nero, auch wenn es ihm nicht um diese Hochzeit ging. Aber wie sollte er es dem anderen auch erklären? Wie sollte er ihm erklären das er eigentlich tot war? Oder... war er es? Nero schloss die Augen, drückte sich fest an seinen Adoptivbruder und genoss den Komfort. In seiner Erinnerung waren sie nie so körperlich gewesen, wie es zwischen Kyrie und Credo war. Sie waren keine echten Geschwister, trotzdem hatte Credo ihm zugehört, wenn er weinend von einem schlechten Traum erzählte. Er hat ihn in den Arm genommen, wenn alles zu viel war und er hat ihm das Kämpfen beigebracht und sein erstes Schwert geschenkt!
Die Tränen wollten nicht aufhören und Nero gab ein unwürdiges Wimmern von sich, genoss den Geruch des Älteren, der nach Familie roch. Nach einer gemeinsamen Vergangenheit. „Es gibt nichts zu entschuldigen. Außer natürlich du tust Kyrie weh, dann muss ich dich leider töten.“ Nero verzog die Mundwinkel zu einem halben Grinsen, spürte wie die Anspannung leicht von ihm wich und ließ seinen Bruder los. Beschämt rieb er sich mit dem Zeigefinger unter die Nase, erschrak dann als Dante ihm auf den Rücken schlug. „Jetzt auf. Wir wollen nicht zu spät kommen!“, rief er und sah zu Credo. „Stell dir vor. Kid ist so nervös das er seine Mutter an Dämonen verfüttern wollte!“ Der Braunhaarige hob eine Augenbraue. „Dämonen? An solche Kindergeschichten glaubst du noch?“ „Kindergeschichten? Sie sind echt!“ Credo schüttelte lachend den Kopf, schmunzelte. „Ich weiß, Mrs. Sparda kann ein wenig einschüchternd sein, aber sie an Dämonen verfüttern zu wollen scheint mir übertrieben.“ Nero's Mund wurde trocken. Credo hätte nie einfach so den Namen des Erlösers ausgesprochen. War das alles nur ein abgefuckter Traum gewesen? Aus Schlafmangel, weil er heute heiraten würde? Niemand schien an Dämonen zu glauben. Er hatte angeblich Eltern und verdammt: Er würde Kyrie heiraten! Er wischte sich die letzten Tränen weg und beobachtete wie Credo und Dante zusammen Scherze machten. Naja, eher Dante. Credo nickte nur ab und an und warf seine Gedanken mit stoischer Haltung ein.
„Manchmal wirkt Vergil wie ein Dämon, wenn er sich wieder aufregt. Sei es über meinen Pizzakonsum oder das wieder zu viel Werbung in der Post ist.“ „Nun, ich kann ihn verstehen. Spam ist furchtbar.“ „Hoffen wir das er nie erfährt das ein Teil auf meine Kappe geht, weil ich seine E-Mail für Gewinnspiele benutzt habe!“ „Dante!“, rief Nero, doch der Mann in rot ist sich keiner Schuld bewusst. „Hey, ich wollte diesen Slushymaker! Und den Pizza-Gutschein!“ Der Jüngste in der Gruppe seufzte, während Credo einfach nur den Kopf schüttelte und dabei eine Taschenuhr aus seiner Sakkotasche holte. „Es ist Zeit. Ich werde zu Kyrie gehen. Verspätet euch nicht.“ Mit diesen Worten und einem aufmunternden Schulterklopfen an Nero ging er. Dieser konnte Dante's Blick spüren. „Auf geht’s Kind! Du willst nicht zu spät zu deiner eigenen Hochzeit kommen. Gott weiß, Vergil wird mir die Schuld geben, auch wenn ich unschuldig bin! Weil er gemein ist.“ Nero lachte, fühlte sich aber durch Dante's Heiterkeit bereit.
Gemeinsam mit seinem Onkel verließ er den Raum und betrat die Kapelle. Nero schritt langsam auf den Altar zu, hinter dem nicht die Statue Sparda's stand, wie er es aus seinem Traum kannte, sondern eine Engelsstatue. Dahinter war Buntglas, das mit verschiedenen Geschichten aus der Religion verziert war. Sein Blick ging vom Altar zur Seite und Nero musste aufpassen, das er vor Schock nicht stolperte. Nur Dank Dante's schnellem eingreifen konnte er sich die Peinlichkeit bewahren. Mit großen Augen sah er zu dem Ehepaar das links neben dem Altar stand. Es waren die Eltern von Credo und Kyrie. Seine... Adoptiveltern? Waren sie das überhaupt jemals gewesen? Es fiel ihm schwer Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden. Er hatte das Gefühl sie als vage als Eltern betiteln zu müssen. Als Eltern, die eigentlich schon lange tot waren. Sein Blick wanderte zu einem Paar das rechts vom Altar stand. Dort war sein Vater, der einen dunkelblauen Smoking trug, mit einer schwarz-roten Krawatte. Sein Haar war wie immer zurückgekämmt. Er stand gerade und strahlte Stolz und Stärke aus. Sein Blick war undefinierbar, aber sein Ausdruck war nicht so verkniffen wie sonst. Sein Gesicht wirkte..., sanfter. Falls er jemals solch einen Ausdruck für die Beschreibung seines Vaters verwenden konnte. Viel wichtiger war aber die Gestalt neben seinem Vater, die sich leicht an ihn gelehnt hatte. Es war eine Frau in einem roten Kleid. Ihr Gesicht war von einem Schleier bedeckt, der ihr bis unter die Nasenspitze reichte. Er konnte ihren Blick nicht sehen, aber wusste das sie ihn ansah. Sie lächelte glücklich und schmiegte sich an Vergil, der einen Arm um ihre schlanke Taille legte und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Daraufhin schien sie zu lachen. Er konnte es nicht hören. Er war zu sehr damit beschäftigt keine weitere Panikattacke zu bekommen. Es waren seine Eltern. BEIDE! Niemand war tot. Es gab keine Dämonen. Es war alles nur ein langer und beschissener Traum gewesen. Warum also um alles in der Welt geriet er in Panik bei dem Anblick seiner beiden Eltern?!
Er spürte ein sanftes aber bestimmtes Drücken. Dante hatte seine Hand auf seinen Rücken gelegt und ihn weiter nach vorn geschoben. Nero hatte nicht mal gemerkt das er stehen geblieben war. Alle Blicke lagen auf ihm. Tief atmete ein, schluckte den Kloß der sich in seinem Hals gebildet hatte runter und ging zielstrebig zum Altar. Dante hob den Daumen in Richtung seines Bruders, der zufrieden nickte, was seine Mutter grinsen ließ. Als er in ihrer Nähe stand musterte er sie. Seine Mutter war gute 1 ½ Köpfe kleiner als sein Vater, was aber auch daran lag das dieser einfach mal ein verdammter Riese war! Selbst er war einen ganzen Kopf kleiner als sein Dad! Sie war schlank und wirkte feminin. Ihr Haar war unter dem Schleier verdeckt, weswegen er dessen Haarfarbe nicht bestimmen konnte, ebenso wenig wie ihre Augenfarbe. Ihre Lippen waren geschmeidig und sie trug einen roten Lippenstift, passend zum Kleid. Sie war schön, wirkte auf ihre Art stolz und er konnte sich seinen Vater gut mit dieser Person vorstellen. Leise seufzte Nero und schüttelte den Kopf. Was dachte er da? Immerhin kannte er seine Mutter sein ganzes Leben lang. Natürlich wusste er wie sie aussah. Bestimmt war es die Nervosität, weswegen ihm alles so fremd vorkam. Bestimmt würde sein Onkel ihn später für sein Verhalten ärgern und noch in ferner Zukunft darüber sprechen wie daneben er war. Er unterdrückte seinen Drang sich in die Arme der Frau zu werfen, die ihn geboren hatte, auch wenn es schwer war. Er würde sich zusammennehmen und auf die Frau warten, mit der er ein neues Leben beginnen wollte.
Als die Glocken läuteten kam sie mit Credo an ihrer Seite durch den Eingang. Kyrie, die Liebe seines Lebens. Nero schluckte und musste sich daran erinnern seinen Mund zu schließen um sie nicht wie ein perverser offen anzugaffen. Sie sah einfach nur atemberaubend aus. Die Blüten, die von den Blumenmädchen geworfen waren, wurden ihr nicht mal ansatzweise gerecht. Sie wirkte in ihrem kurzärmligen, weißen Hochzeitskleid wie eine Göttin! Kyrie trug einen langen Schleier, der von zwei Jungen hinten gehalten wurde, damit dieser nicht auf den Boden fiel. Dabei mussten sie aufpassen nicht auf die lange Schleppe des Kleides zu treten. Der Saum des Kleides war mit goldenen Stickereien in Form von Federn verziert. Sie trug ihr Haar offen und hatte in diesem kleine Diamanten eingewebt. Es wirkte wie ein Wasserfall aus funkelnden Lichtern. Ein leises Schniefen war zu hören. Kyrie's Mutter wischte sich hastig mit einem Taschentuch die aufkommenden Tränen weg. Ihr Vater wirkte auf den ersten Blick gefasst, aber man sah ein verräterisches Funkeln in seinen Augen. Nero konnte aus den Augenwinkeln sehen wie Dante beide Daumen nach oben zeigte, was Vergil die Augen rollen ließ. Seine Mutter schien über die Mätzchen leise zu lachen, wenn man ihren Mundbewegungen glauben schenken durfte.
Als Kyrie neben ihm zum Stehen kam übergab Credo ihre Hand an ihn. Die beiden Männer nickten sich kurz zu und Nero räusperte sich, als der Priester anfing die Zeremonie abzuhalten. „D...du bist wunderschön.“, flüsterte er verlegen, was sie leise lachen ließ. „Danke. Du siehst auch sehr gut aus.“ Das reichte um Nero noch mehr zu erröten. Er schloss die Augen und lächelte vor sich hin. Das war der schönste Tag in seinem Leben.
Schüsse unterbrachen seinen Frieden und die Hochzeitsgesellschaft keuchte überrascht auf. Das Eingangstor war geschlossen, so waren sie sicher, aber es hörte sich nach einem ziemlichen Tumult an. Ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden wollte Nero losgehen, griff instinktiv hinter sich, fasste aber in die Leere. Verwirrt blieb er stehen, wusste nicht was er gerade versucht hatte zu greifen. Er spürte Kyrie's Griff um seinen freien Arm und sah ihr in die Augen. Anstatt Besorgnis, sah er Überraschung in ihrem Blick. „K...Kyrie?“ „Nero? Was machst du?“ „Ich... hast du das nicht gehört?“ Sein Blick ging zu seinen Eltern, wobei sein Vater ihn verständnislos ansah. Selbst Dante schien über seine Tag überrascht. „Kind?“ Nero schüttelte den Kopf. „Wir müssen helfen.“, entschied er, doch Kyrie ließ ihn nicht los, sondern festigte ihren Griff nur noch mehr, was ihn am Gehen hinderte. „Kyrie?!“ „Lass das die Polizisten machen. Sie werden das schon regeln.“ „A..aber was ist wenn nicht?“ Ihre nächsten Worte ließen ihn erstarren. „Na und? Es ist nicht unsere Aufgabe. Es ist unser Hochzeitstag. Lass die Polizisten da draußen ihre Arbeit machen.“ Ihre Worte hatten einen desinteressierten Klang. Nero atmete tief ein. Er konnte nicht glauben was er hörte. Kyrie war nie jemand, die Hilfe verweigerte. Sie kümmerte sich um jeden, sogar um seine dumme Dämonen....seite? Nero schüttelte den Kopf. Ihm wurde schwindelig. „Nero? Was ist los?“ „Ich... ich weiß es nicht. Aber... wir sollten helfen.“, presste er hervor. Kyrie schüttelte den Kopf und versuchte ihn Richtung Altar zu schieben. „Ach Nero. Immer möchtest du jedem Helfen. Das geht nicht. Du kannst nicht jedem helfen. Du bist nur ein Mensch.“ Sein Atem ging schneller. Ein Mensch? Er war nur ein Mensch?? Mit der freien Hand fasste er sich an den Kopf. Die Welt schien sich zu drehen, Stimmen verschwammen. Nur noch Kyrie's Worte schienen klar und deutlich zu sein. „Liebst du mich nicht? Siehst du nicht das deine Familie hier bei dir ist? Ignoriere alles andere. Es ist nicht wichtig. Das einzig Wichtige ist, das du hier bei uns bleibst. Hier gehörst du hin. Hier wirst du glücklich sein.“
Nero kniff die Augen zu. Nein! Das war nicht richtig! Das war nicht Kyrie. Sie würde nie so sprechen! „Nero. Du bist ein Mensch. Du musst dich um nichts kümmern als um dich und deine Familie!“, sprach sie mit Nachdruck. Langsam öffnete Nero die Augen, begegnete ihren festen Blick, bevor er zu den anderen sah. Dante feuerte ihn an endlich „Ja“ zu sagen. Seine Mutter faltete die Hände wie zu einem Gebet und Vergil? Dieser sah ihn anerkennend an und nickte. Ausgerechnet sein Vater lächelte ihn offen an! Er sah zu Kyrie's Eltern die Erwartungsvoll zu ihm sahen. Credo stand gerade da und nickte. Seine Familie.... sie war hier. Er war umringt von Menschen, die ihn liebten und wollten.Er musste sich um nichts kümmern. Aber war das in Ordnung?
Nero keuchte auf und er hatte das Gefühl sich übergeben zu müssen. Vor seinen Auge blitzen Bilder auf. Es waren Dämonen. Sie töteten Credo. Kyrie wurde entführt und er rettete sie. Dante war da und rettete ihn. Vergil war an seiner Seite und zeigte ihm nach einer erfolgreichen Tötung welche Teile von dem Dämon am Besten schmeckten. Er sah die Waisenkinder, die jubelten, wenn er nach Hause kam. Er sah Kyrie, die in der Küche auf ihn wartete mit seinem Lieblingsessen.
Nero wimmerte vor Schmerz, doch niemand tat etwas. Alle wollten das er jetzt seine Antwort gab. Warum konnte er das nicht? Alles war so perfekt? Er war nie ein einsames Waisenkind gewesen! Er wurde geliebt! Alle warteten darauf das er in ein wunderbares, neues Leben startete. Warum also? Warum fühlte es sich so falsch an?
Nero öffnete den Mund, dann schloss er ihn wieder.
„Du weißt immer welcher Weg richtig ist und welcher falsch. Es gibt keinen Grund an dir zu zweifeln.“
Langsam atmete er tief ein und wieder aus. Der Nebel um seine Gedanken lichtete sich. Wie konnte er das alles vergessen?
Er hat schon eine Familie!
Er hatte einen dummen, aber liebenswerten Onkel. Er erinnerte sich, wie er mit ihm Billard spielte und sich dabei über die Vorzüge verschiedener Schusswaffen austauschte.
Er hatte Vater, der sparsam mit seinen Emotionen war und mit seinem Blick jeden fernhielt. Er erinnerte sich an den nächsten Morgen, als sie gemeinsam in den Nest schliefen. Nero wollte die frühe Stunde nutzen und aus dem Nest klettern und die drei Dämonen schlafen lassen, da es ihm zu peinlich war. Er kam nicht weit, da hatte sich ein blauer, schuppiger Schwanz um seine Taille gewickelt und ihn wieder zurück ins Nest gezogen. Vergil sah müde aus und Nero glaubte, er würde bald erkennen das er den falschen Nero vom Gehen abgehalten hatte, da sein dämonisches Gegenstück noch schlafend zwischen den massigen Körpern lag. Vergil schloss aber nur wieder die Augen, hatte ihn weiter an sich gedrückt und seine Schnauze in das weiße Haar gedrückt. Schnurrend kratzte er über die Kopfhaut und es dauerte nicht lange, da waren alle wieder im Land der Träume.
Er hatte Julio, Kyle und Carlo. Er liebte sie wie seine eigenen Kinder, auch wenn sie anstrengend waren und es sich manchmal anfühlte das sie schwerer unter Kontrolle zu bringen waren als ein Rudel Dämonen. Er erinnerte sich daran wie oft sie im Haus getobt hatten und Chaos hinterließen.
Er hatte Nico, die ziemlich abgedreht war, aber dennoch sich aufrichtig um ihn sorgte. Er hatte das Gefühl in ihr eine Schwester gefunden zu haben, auch wenn er es ihr niemals sagen würde.
Lady und Trish waren selten da, aber sie waren ein Teil ihrer Familie und er erinnerte sich daran wie er das ein oder andere von ihnen lernte für die Dämonenjagd.
Dann war da Kyrie, seine wundervolle Kyrie. Sie hatte die Geduld einer Heiligen und hatte sich nie beschwert, egal wie chaotisch es war. Seine Erinnerungen an ihr sind zahlreich, doch eines war immer im Vordergrund: Akzeptanz. Sie hatte ihn immer so akzeptiert wie er war. Als Mensch und als Dämon!
Er wollte immer normal sein. Wie alle anderen. Er hasste seine Andersartigkeit, da sie die Menschen immer auf Abstand hielten. Er wollte ein Mensch sein, um akzeptiert und geliebt zu werden. Aber..., war das nötig? Kyrie, sie hatte ihn immer akzeptiert und geliebt. Kyle, Julio und Carlo liebten ihren großen, dämonischen 'Bruder'. Nico war von Anfang an begeistert zu wissen das er Dämonenblut hatte. Es hatte sich zwischen ihnen nichts geändert, eher nervte sie ihn noch mehr das er die ein oder andere Waffe testen soll, die nicht für Menschen geeignet war. Trish war selbst eine Dämonin und Lady? Sie kannte Dante schon eine Ewigkeit und waren immer noch befreundet. Dante... sein Onkel. Er war ein Halbdämon und trotzdem mochte er ihn. Sein Vater..., er war mehr Dämon als Mensch, aber er wollte ihn nicht mehr aus seinem Leben haben. Die Zwillinge hatten ihn mehr als genug, jeder auf ihre eigene Weise, gezeigt das er willkommen war. Als er das verdammte Neon-Schild von Dante bekommen hatte, hatte er heimlich geweint vor Freude.
Lag er die ganze Zeit falsch? Seine Gedanken drehten sich und kamen bei V an. Der schwarzhaarige, dürre Mann der sich am Ende als der menschliche Teil seines Vaters herausstellte. 'Licht und Schatten sind zwei Seiten einer Medaille. Stärke wird aus Schwäche geboren. Doch war der Schwache dann wirklich schwach? Beide Seiten haben ein Recht auf ihre Existenz.' Er wusste nicht das V über sich selbst sprach. V und Vergil, sie waren zwei Seiten einer Medaille, schienen aber nun mit sich im Reinen, trotz das sein Vater seinen dämonischen Instinkten nachging.
Wer war dann Nero? Er war mehr Mensch als Dämon. Sollte er dann nicht auch...? Ohne sein angeblich verfluchtes Blut hätte er sie vielleicht gar nicht getroffen. Ohne die Dämonen wäre vieles einfacher, aber auch vieles schwerer. Dank seines Dämons konnte er sie beschützen. Dank seines Dämons hatte er seine Familie wieder gefunden und sie akzeptierten ihn alle so wie er war. Nein. Er brauchte keine anderen Menschen! Er brauchte nur sie. Seine Familie!
Nero atmete tief ein, öffnete seine Augen von denen er nicht gewusst hatte das er sie geschlossen hatte. „Willst du, Nero Sparda-“ „Nein!“ Ein Keuchen ging durch den Raum. „Aber Nero, warum?“, wisperte Kyrie verletzt. Langsam drehte er sich zu ihr, legte seine Hände an ihre Wangen. „Ich liebe dich..., mehr als du denkst. Die Kyrie, die ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden ihren eigenen Hochzeitstag unterbrechen würde um zu Helfen. Die Kyrie, die das Wohl Aller im Blick hat. Die Kyrie, die sogar einem Dämon ein Zuhause anbietet. Meine Kyrie!“
Credo trat hervor. „Wovon redest du? Willst du nicht bei deiner Familie sein?“ Nero's Blick fixierte ihn. „Credo... ich habe dich immer bewundert und als meinen Bruder an dich gedacht. Selbst wenn deine Gefühle nicht die selben waren, meine werden sich nicht ändern. Aber ich habe neue Leute gefunden, die mich so akzeptieren wie ich bin.“ Er sah zu seinen Adoptiveltern. „Sorry das ich so ein schwieriges Kind war. Ihr wart tolle Eltern.“ Sein Blick ging zu seiner Mutter, nahm einen sanften Ausdruck an. „Mama... Ich hätte dich gerne kennengelernt, aber leider bist du nicht echt. Damals hätte alles für eine Mutter getan, aber jetzt nicht mehr. Ich habe meine Familie gefunden!“
Nero grinste mit Tränen in den Augen, streckte den Arm aus und atmete erleichtert aus als er ein bekanntes Gewicht spürte. Die Red Queen lag in seiner Hand. „Nichts von dem ist echt. Aber das ist nicht schlimm. Ich bin bereits fucking happy!“ Mit diesen Worten ließ er seine pulsierende Klinge fallen.
Die Szene zersprang und Nero stand in der Dunkelheit. Er spürte einen Druck auf seinen Lungen und schloss die Augen. Eine Stimme drang an seine Ohren. Er erkannte sie sofort, würde sie unter tausenden erkennen: Die Stimme seines Vaters. Mit einem tiefen Atemzug öffnete er die Augen und begegnete Vergil's Gesicht, das in hellem Licht getaucht war...
„...Dad...?“
~*~
„Großer Bruder!“
„Veeeeergil!“
Ein kleiner Junge mit strubbeligem weißen Haar rannte durch den üppigen Garten seines Elternhauses. Es dauerte nicht lange, da hatte er sein Ziel gefunden: Sein Zwilling. Dieser saß unter einem Baum, ein dickes Buch auf dem Schoß. Er war viel zu vertieft in seine Lektüre als das er seinen Bruder wahrnahm. Dante wäre aber nicht Dante, wenn er das einfach so auf sich sitzen lassen würde. Bis jetzt hatte er in seinem jungen Leben es immer geschafft die Aufmerksamkeit seines älteren Zwillingsbruders zu bekommen. Lachend ließ er sich neben ihm auf den Boden fallen, die Holzschwerter achtlos neben sich geworfen. Als das nicht ausreichte ließ sich Dante quer auf den Schoß seines Bruders fallen und verdeckte ihm die Sicht auf das Buch. Vergil hob eine Augenbraue, während Dante kichernd mit den Füßen wippte. „Vergil! Veeeeergil! Spiel mit mir!“, sang er und erntete ein Seufzen. Dante machte sich schon darauf gefasst eine Standpauke zu bekommen, das Buch oder sogar ein Schwert in die Rippen zu bekommen, doch nichts dergleichen passierte. Er spürte die Hand seines Bruders auf seinen Kopf, die sanft durch die Haare streichelte. Überrascht sah Dante mit großen Augen auf und traf den spöttischen Blick seines Bruders. „Mein dummer kleiner Bruder kann sich nicht alleine beschäftigen?“
„Waaaas? Nein!“ Empört blies Dante die Wangen auf, begann auf dem Schoß seines Bruders rumzuwackeln. „Mir ist langweilig! Du bist immer nur am lesen! Du spielst gar nicht mehr mit mir! Du hast die Bücher viel lieber als mich!“, quengelte er. Das war unfair! Damals hatte Vergil IMMER mit ihm gespielt. Nicht nur gespielt, sondern auch viel gekuschelt! Sie spielten stundenlang im Garten, bis Mutter sie zum Abendessen rief. Rangelten gemeinsam im Familiennest. Doch seitdem ihr Vater verschwunden war wollte Vergil gar nicht mehr spielen. Gar nicht mehr kuscheln und schon gar kein Nest mit ihm teilen. Nur noch lesen! Er hatte das Gefühl, selbst wenn sein Bruder neben ihm saß, war er ganz weit weg. Das verstand Dante nicht. Er wollte es auch nicht verstehen! Er wollte doch einfach nur seinen Bruder!
Ein weiteres Seufzen war zu hören und bevor Dante anfangen konnte so richtig mit dem Quengeln loszulegen – er war ein Meister darin – wurde er in die Arme gezogen. Überrascht ließ er seinen Mund offen, doch es kam kein Laut. Er war zu einer Salzsäule erstarrt. War das ein neuer Trick? Selbst wenn, er wollte sich die Chance nicht entgehen lassen und umarmte ihn zurück, drückte sich so fest er konnte an seinen Bruder. Wenn er das Buch über den Kopf gezogen bekommen würde, das war es wert! „Dann lass uns spielen.“, drang Vergils Stimme leise an sein Ohr und Dante musste zweimal blinzeln, da er glaubte sich verhört zu haben. Seine Verwirrung schien ihm ins Gesicht zu stehen, da Vergil nur lachte. Er stand auf und zog Dante mit sich, hatte dabei ein Übungsschwert genommen. „Ich werde keine Gnade zeigen!“ Dante quiekte erfreut, schnappte sich schnell sein eigenes Übungsschwert und grinste. „Das selbe gilt für mich!“
Zu Dante's Freude spielten sie den ganzen Tag, bis in den Abend hinein. Sie trennten sich erst, als ihre Mutter sie zum Abendessen rief. Sie meinte sogar das es Erdbeerkuchen geben würde, da er und Vergil heute so vorbildliche und brave Jungs waren. Dante jauchzte vor Freude, ließ es sich nicht zweimal sagen, als Vergil seine Hand nahm. Zusammen rannten sie ins Herrenhaus.
Das war der beste Tag seines Lebens!
Die nächsten Tage vergingen nach einem ähnlichen Muster. Dante wachte morgens früh auf voller Tatendrang, frühstückte mit seiner Mutter und seinem Bruder und musste dann Schulaufgaben machen. Er mochte diesen Teil des Tages nicht, wenn der Unterricht zu Ende war, konnte er nach Herzenslust spielen. Das Beste daran war: Vergil spielte mit ihm! Er hatte die letzten Tage kein einziges Buch außerhalb der Unterrichtszeiten angefasst, sondern nur mit ihm gespielt! Er hatte sich nicht mal in Daddy's Bibliothek verkrochen oder war zu diesem komischen Buchhändler gegangen. Nein! Vergil's Aufmerksamkeit galt ganz ihm und Dante sog es auf wie ein Schwamm. Nachts hatten sie sich sogar wieder ein gemeinsames Nest gebaut in dem sie zusammen schliefen. Sogar Daddy war nach ein paar Tagen wiedergekommen und alle waren wieder zusammen und glücklich. Daddy war sogar nicht mehr so streng zu ihm.
Es war alles so perfekt! So toll!
Fast wie ein Traum.
Es war ein weiterer sonniger Nachmittag. Dante liebte es. Schlechtes Wetter bedeutete das er nicht nach draußen durfte. Trotz halbdämonischem Blut sorgte sich seine Mutter über Krankheiten. Sein Vater hatte zwar behauptet sie würden nicht krank werden, aber Mutter blieb unerbittlich und er musste bei Regen drinnen spielen. Er traute sich nicht das Verbot seiner Mutter zu umgehen. Jedenfalls nicht so oft.
Dante konnte sich gar nicht mehr daran erinnern wann es das letzte Mal geregnet hatte. Die letzten Tage war es immer sonnig. Immer gleich. Nicht das er sich beschweren würde. Er war nicht allein. Gemeinsam mit seinem Zwilling lag er im Gras und starrte den Himmel an. Er hatte ein komisches Gefühl, konnte es aber nicht benennen. Alles war toll gewesen, trotzdem fühlte sich etwas falsch an. Er wusste nur nicht was. Seine Familie war wieder komplett. Er war nicht allein. Es gab Süßigkeiten im Überfluss, besonders seine Lieblinge und er konnte so viel Spielen wie er wollte. Das Beste daran: Vergil war immer an seiner Seite!
Warum aber hatte er das Gefühl etwas Wichtiges zu verpassen?
„Uh~... Verge?“
„Hm?“
„Warum bist du hier?“
„Was?“
Dante rollte sich auf den Bauch und sein Zwilling tat es ihm gleich. Sie sahen sich direkt in die Augen. „Naja... ich finde es voll cool das du mit mir spielst und so Bro, aber ich habe dich schon lange nicht mehr mit einem Buch gesehen. Du hast doch dieses neue Buch bekommen, von.. eh... Blake oder so?“ Dante legte den Kopf schief und blickte sein Gegenüber fragend an. Anstatt wütend zu werden, lächelte Vergil nur und nahm die Hände seines Zwillings in seine. „Ne, keine Lust mehr.“ „Hä? Ich verstehe nicht.“ „Ich meinte damit: Ich habe keine Lust mehr zu lesen. Ich mag William Blake nicht mehr. Ich hab es aufgegeben diese ganzen großen Bücher zu lesen.“ Mit großen Augen starrte Dante seinen Zwilling an als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen. Ausgerechnet er? Sein Bruder, der größte Nerd den er kannte – er kannte nicht viele, da war die Messlatte extrem niedrig, aber es ging ihm ums Prinzip! -, der immer in Daddys Arm genommen werden und vorgelesen bekommen wollte, hatte keine Lust auf Bücher mehr?? Das konnte nicht sein. Dante schüttelte energisch den Kopf.
„Aber.. du liebst lesen!“ Vergil lachte und festigte seinen Griff. „Ich mag meinen dummen kleinen Bruder viel lieber. Du magst es nicht das ich lese und nicht mit dir spiele? Kein Problem! Ich mag es auch nicht mehr. Ab sofort spiele ich immer nur noch mit dir.“ „W...was?“ „Ach mein dummer dummer Bruder. Verstehst du es nicht. I-“ „Nein!“, schrie Dante, zog seine Hände zurück und stand ruckartig auf. Mit bebenden Lippen und Händen zu Fäusten geballt starrte er auf seinen Bruder herab. Dieser sah fragend zu ihm auf. „Was ist los? Willst du nicht das ich mit dir spiele? Die ganze Zeit?“ „Ich... ja... eh... nein! Schon...“, stammelte Dante und wusste nicht so recht was er darauf antworten sollte. Ja, er war immer eifersüchtig auf die Bücher, die Vergil's ganze Aufmerksamkeit vereinnahmten. Er wollte seinen Bruder für sich und mit niemanden teilen! Er war wütend das sein Bruder sich von ihm entfernte und so abweisend zu ihm war. Er wollte seinen alten Bruder zurück, der mit ihm kuschelte, Geschichten vorlas und sich mit ihm im Garten prügelte. Aber..., aber nicht so! Er wollte Vergil! Dante begann zu zittern und zog die Nase hoch. Er wollte SEINEN Vergil!
Die Szenerie bekam einen Riss.
Vergil erhob sich und lehnte sich in Dantes Arme. „Kleiner Bruder, was ist los? Soll ich Mama holen?“ Mama. Mama? Dante folgte dem Blick seines Bruders und sah wie seine Eltern gemeinsam auf der Terrasse Tee tranken. Sie winkten ihren Kindern zu und er winkte zurück. Der junge Halbdämon musste hart schlucken. Seine Eltern..., sie waren hier. Bereit ihm Aufmerksamkeit zu schenken. So viel er wollte. Vergil war hier, nur für ihn. „Was ist los kleiner Bruder?“ „Du lässt mich nicht allein?“ Vergil schüttelte den Kopf und schmiegte seine Wange an die seines Bruders. „Nichts kann uns trennen. Wir bleiben für immer und ewig zusammen. Ich werde für immer bei dir sein und mit dir spielen. Nichts ist so wichtig wie mein dummer kleiner Bruder.“, summte er.
Nein. Das war falsch! Unglaublich falsch!
Dante schüttelte den Kopf und riss sich von seinem Bruder los. „Nein! Nein!“, schrie er unentwegt und zeigte mit dem Finger auf seinen Zwilling. „Du bist nicht echt! Du bist nicht er!“ Vergil hob eine Augenbraue, verschränkte die Arme vor der Brust. „Wozu die ganze Aufregung Bruder? Ist es nicht dein Wunsch gewesen? Meine ganze Aufmerksamkeit zu haben?“ Dante schluckte und sah sich Panisch im Garten um, bevor sein Blick wieder auf die Fälschung seines Bruders traf. „Ich...“ Vergil streckte die Arme nach ihm aus. „Komm zu mir. Komm zu Mutter und Vater. Wir werden dich nie verlassen. Du bist das Wichtigste für uns. Wir werden für immer zusammen sein.“ „NEIN!“ „Warum lehnst du es ab?“ „Weil-!“ Dante schluckte erneut, da er das Gefühl hatte der Kloß in seinem Hals würde immer größer werden. Er atmete tief ein. Er musste sich konzentrieren. Er war kein Kind mehr, auch wenn diese Illusion ihm das Glauben machen wollte. Nein, er war ein gestandener, seiner Meinung nach äußerst attraktiver Mann im besten Alter.
Mit festem Blick sah er zu seinem 'Bruder'. „Nein. Ich will meinen Vergil.“ „Aber ich bin Vergil!“ „Nein! Vergil ist mein nerviger älterer Bruder, der einen Hang zum Größenwahn und Dramatik hat. Er würde mich eher erstechen, als zu erlauben ihn von seiner Tee- und Lesezeit abzuhalten!“ Nicht das Dante es trotzdem aus Spaß ab und an versuchte und dafür eine Menge Spektralschwerter kassierte. Bei dem Gedanken grinste er. „Mein Vergil ist starrköpfig, rechthaberisch, zu sehr und schnell motiviert und vor allem: Er steht für sich ein. Er würde niemals sich selbst Aufgeben, nur um mir zu gefallen.“ Dante stemmte die Hände an die Hüften und grinste breit. „Außerdem muss er das auch nicht. Mir gefällt Vergil so wie er ist. Er ist für mich die wichtigste Person auf der Welt und das ändert sich nicht, nur weil er Zeit für sich will.“
Dante streckte seine Hand aus und sein Teufelsschwert erschien an seiner Seite. „Die Party war nett, aber die Gäste schrecklich.“ Mit einem Hieb durchtrennte Dante die Illusion.
~*~
„Woah!“ Dante setzte sich auf, hatte das Gefühl das er mindestens 10 Flaschen Whiskey, vermischt mit Holy Water getrunken hatte. Erst war da dieser nette, aber trotzdem seltsame Traum und jetzt fühlte er sich als hätte er ein Schleudertrauma gehabt. „Dante!“ „Wie es aussieht scheint mein dummer Bruder endlich die Güte zu haben aufzuwachen.“ Dante riss die Augen auf, als er die bekannten Stimmen seiner Familie vernahm. Für einen Moment musste er sie wieder schließen, da das Licht zu hell war. Hatte er doch zu viel getrunken? Langsam öffnete er wieder die Augen, gewöhnte sich dabei an die Helligkeit und erkannte Nero, der neben ihm kniete und ihn besorgt ansah. Was war passiert das Nero sich so sehr um ihn sorgte? Das konnte er nicht haben! Er wollte nicht das Nero sich unnötig oder nötig um ihn sorgte. „Hey Kiddo! Schaust ja scheiße aus.“ „Fick dich!“ Dann sah er zu seinem Vater und murrte: „Dem alten Sack geht es gut!“ Dante folgte seinem Blick und sah Vergil, der die Arme vor der Brust verschränkt hatte. Er schnaubte nur. „Er ist zu dumm, als das ihm etwas passieren würde.“ Mit diesen Worten drehte Vergil ihm den Rücken zu, doch Dante konnte das zucken seiner Mundwinkel noch sehen und grinste ebenfalls. „Schön auch dich zu sehen!“ Nero seufzte nur.
„Also wer hat diese schlechte Party veranstaltet?“, fragte Dante, stand auf und streckte sich. Sein Blick ging von seinem Bruder zum Altar, wo er das dämonische Licht bemerkte. Anerkennend pfiff er. „Nett! Ein Nachtlicht für's Kind?“ Mit den Worten wuschelte er Nero durchs Haar und bekam dafür ein paar auserlesene Worte zurück. „Das ist sein Werk.“, erklärte Vergil und reckte sein Kinn zur Lichtkugel. „Die Gottheit war eine Fälschung. Dies ist der Dämon, der diesen Ort bewohnt.“ Bei den Worten seines Vaters zog Nero sofort Blue Rose, während Dante einfach nur die Hände an die Hüften legte und zustimmend summte. Da sein Bruder keine Anzeichen zeigte den Dämon anzugreifen, folgte er diesem Urteil. „Ich muss zugeben, wenn die Menschen von einer spirituellen Reise reden, habe ich etwas Anderes erwartet. Also Kumpel, was wird hier gespielt?“
Die Lichtkugel breitete sich aus, verformte sich und wurde zu einer humanoiden Gestalt. Ein Dämon mit schwarzen, bodenlangen Haaren und aschfarbener Haut stand vor ihnen. Seine Augen waren ein leuchtendes Geld mit roter Iris. Aus seiner Kopf ragten Hörner, ähnlich der Drachen aus der Mythologie. Passend dazu hatte er einen geschuppten Schwanz, dessen Ende mit Fell besetzt war. Er trug ein traditionelles Hanfu, dazu aber keine Schuhe. Am auffälligsten waren jedoch die Schellen, die um seinen Hals, sowie Hand- und Fußgelenke waren und mit Ketten aus schwarzer, pulsierender Energie verbunden wurden.
Dante schwieg und Nero war unsicher was er tun sollte. Langsam ließ er die Waffe sinken. Vergil nickte dem Dämon zu, dessen Ketten ein Eigenleben besaßen. Sie schlangen sich fester um den Körper, was den Träger leise keuchen ließ. Dante straffte seinen Körper, bereit einzugreifen, wenn es hässlich werden sollte. Er hatte das Gefühl eines déjà vu , konnte es aber nicht genau benennen. Er wusste nur, mit diesem Dämon stimmte etwas nicht. „Ich... bitte euch. Nachkommen Sparda's. Bitte tötet mich, bevor die Verderbnis erneut von mir Besitz ergreift.“
„Warum?“, verlangte Nero zu wissen, während Dante nach Luft schnappte und die Antwort auf sein Gefühl hatte. Hastig sah er zu Vergil, dessen Lippen eine schmale Linie bildeten. Bevor Nero mehr Antworten verlangen konnte, packte Dante die Schulter des Jüngeren und zog ihn zurück. Er begegnete seinem feurigen Blick mit einem Kopfschütteln. Dante wusste, das war etwas wobei sie nicht stören durften. Er spürte wie die Verderbnis sich ausbreitete und sah die Ketten, die sich fester um den Laib des Dämons schlangen. Diesmal war es nicht seine Aufgabe das Schwert zu schwingen. Nicht, wenn Vergil an seiner Seite war, dessen Blick fest auf den Schwarzhaarigen gerichtet war. Von außen wirkte er stoisch, fast kalt, aber Dante ließ sich davon nicht täuschen. Ihm war das leichte Zucken seines Auges aufgefallen, das kurze Zittern seiner Hand, die nun zur Beruhigung auf Yamato ruhte. In Vergil tobte ein Sturm.
„Ihr konntet die Illusionen, die dieses Ding erschaffen habt besiegen und seid dadurch in meine Sphäre vorgedrungen. Die ersten, nach unendlich vielen Jahren. Dadurch konnte ich für einen Moment die Oberhand gewinnen und euch sicher hier her bringen, aber der Segen der Klarheit währt nicht lang. Meine Kraft zu Kämpfen ist verebbt. Ich bin schwach geworden. Es ist Zeit für immer zu Ruhen, bevor noch mehr Leid geschieht. Ich flehe euch an, Nachfahren Sparda's! Gewährt diesem Schwachen seine letzte Bitte und lasst mich sterben, während ich noch ich selbst bin!“ Vergil atmete tief ein, straffte seinen Rücken und nickte.
„Was? Wir können ihn nicht einfach töten! Wir müssen doch was tun!“, protestierte Nero, aber Dante hielt ihm die Hand vorm Mund. Der Jüngere wehrte sich, doch als er Dante's ernsten Blick sah, ließ er die Arme sinken. „Nein, es ist zu spät. Lass deinen Vater ihm den letzten Wunsch erfüllen.“ Nero sah verzweifelt von Dante zu Vergil und dem Dämon, konnte nur noch zusehen wie die Klinge Yamato's das Ende bedeutete. Die Ketten zersprangen, lösten sich in Rauch auf, während der Dämon seine Augen schloss und seine Lippen zu einem Lächeln verzog. Es wirkte so friedlich das selbst Nero keine weiteren Proteste mehr fand. Der Körper des Dämons begann zu verblassen und dort wo er war schwebte eine Kugel aus Licht. Diese formte sich zu einem Seil mit einer Klinge.
„Was zum Teufel?“, rief Nero. „Ist das dein Artefakt?“ „Ein Artefakt und... eine Teufelswaffe.“, korrigierte Vergil. Die Teufelswaffe schwebte auf den Ältesten zu und Vergil umschloss sie. Er schloss die Augen, spürte einen Schauer und seine Augenlider flatterten. „Verge?!“ „Dad!“
„Interessant...“ Vergil öffnete seine Augen und sah zu der Teufelswaffe. Ein goldfarbenes Seil, an dessen an einem Ende eine Quaste war, die je nach Lichteinfall in unterschiedlichen Goldtönen leuchtete. Auf der anderen Seite war eine silberne, mit Ornamenten verzierte Speerspitze angebracht.
Nero wusste nicht was das sollte, aber Dante pfiff anerkennend. „Ein Shéng Biāo. Das passt zu dir.“ Vergil schnaubte, während sein Sohn interessiert die neue Teufelswaffe musterte. Sie wirkte auf ihn im ersten Moment eher unscheinbar, aber er hatte auf die harte Tour gelernt das die unscheinbarsten Waffen mit am stärksten sein konnten. Ein Beweis dafür trug sein Vater immer bei sich. Yamato war wesentlich filigraner als Red Queen oder das Teufelsschwert Dante, aber nicht minder gefährlich.
„Was ist da eben passiert?“, wollte Dante wissen und sprach auf Vergil's vorherige Reaktion an. Er würde nicht so dumm sein und so etwas unbeachtet lassen. Der Ältere schwieg für einen Moment, umfasste das Shéng Biāo und sah zu seinem Bruder. „Es hat sich mir unterworfen und dabei seine Lebensgeschichte geteilt.“ „Das geht?“, fragte Nero aufgeregt und auch Dante schien interessiert. Seine Teufelswaffen hatten ihm selten etwas gezeigt. „Was hat es gesagt?“, fragte Nero neugierig und sah seinen Vater erwartungsvoll an. Es kam selten vor das ein Dämon mit ihnen sprach. Die meisten zogen gleich die Waffen oder redeten etwas von der Verschmutzung des reinen Blutes. Das ein Dämon mal kultiviert war, schien eine willkommene Abwechslung für ihn zu sein. Vergil schwieg erneut, wägte ab, entschied sich aber nach alle dem das die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten werden sollte. Die Waffe in seiner Hand gab schwache Energieimpulse ab und Vergil entschied sich erneut die Gedanken mit ihm zu teilen. Er schloss seine Augen, verband seinen Geist mit den des Dämons und um sie herum erschien eine neue Illusion. Diesmal war es aber eine Geschichte, die in Form von Bildern erzählt wurde, die auf einer Schriftrolle verewigt wurden.
„Vor 2.000 Jahren rebellierte ein Dämon gegen seinesgl-...“, begann Vergils Stimme, die vermischt war mit denen des Dämons. „Nähh! Das weiß ich doch schon! Wir kennen alle Pops Geschichte!“ „Schnauze alter Mann!“ „Ruhig! Alle beide!“, verlangte Vergil und sah sie mit gold-blau glühenden Augen an. Als Ruhe einkehrte wurde die Illusion fortgeführt und auf der Schriftrolle erschien das Bild von kämpfenden Dämonen.
„Der legendäre Ritter war nicht allein. Mit ihm kämpften seine Mitstreiter. Sei es aus Zuneigung zu den Menschen, dem Wunsch nach Unabhängigkeit oder dem Begehren auf ein neues Leben in einer anderen Welt, die Gründe waren vielfältig. Am Ende zählte nur eines: Sparda gewann und versiegelte die Eingänge zu den beiden Welten. Er zog sich zurück und so auch seine Mitstreiter. Einige wählten ein Exil in Einsamkeit, andere wiederum wanderten durch die ihnen unbekannte Welt und wieder andere wandten sich, wie Sparda selbst, den Menschen zu.“
Die Schriftrolle veränderte sich und zeigte ein Drache, der aus dem Himmel hinabstieg zu den Menschen. „Die Menschen verstanden das es einen Unterschied gab zwischen ihm und ihnen. Sie hießen ihn willkommen und betrachteten ihn als Gott. Im Austausch einer Bleibe versprach er ihnen Schutz und gab ihnen Führung. Das Land gedieh und die Gottheit fand gefallen an den Menschen, segnete jene seines Stammes und hieß jede neue Seele willkommen. Er war überrascht, wie stark die Gefühle der Menschen gegenüber ihrer Familie sein können. Er fing an, Gefallen daran zu finden“ Das Bild der Schriftrolle veränderte sich zu einem Drachen, der durch den Himmel flog. Unter ihm war ein Feld mit üppiger Ernte auf denen Kinder spielten. Das Bild währte nicht lange und die Tinte verflüssigte sich.
„Die Zeit verging und aus Dankbarkeit und Ehrfurcht wurde Skepsis und Neid. Daraus entstand Hass und Habgier. Was folgte war der Krieg. Die Menschen verlangten immer mehr und mehr, doch die Gottheit konnte ihre Wünsche nicht erfüllen. Sie wandten sich gegen ihn, unterjochten ihn und verdammten ihn zur Knechtschaft.“ Das Bild verwandelte sich und zeigte einen Drachen, der von einer Gruppe bewaffneter Menschen umringt war und gegen die ihm angelegten Ketten kämpfte.
„Die heilige Stätte, die sie ihrem Gott zuvor gebaut hatten wurde entweiht. Dunkle Rituale wurden vollzogen, das Blut unschuldiger vergossen und vergifteten den einst friedlichen Boden. Ihr Hüter konnte sich dem nicht mehr entziehen. Sein Geist verdarb immer mehr. Der Ort glich einem Schlachtfeld! Wer kam um Schutz zu suchen wurde gerichtet von einer rasenden Gottheit. Legenden wurden über Generationen weitergegeben und der einstige Ort des Friedens und der Liebe wurde als Stätte des Todes bekannt.“, schloss Vergil die Geschichte ab und öffnete seine Augen. Die Verbindung zerbrach und die Illusion verschwamm. Sie standen nun wieder in der Halle, die sich langsam auflöste und die Gruppe in den Ruinen des Tempels zurückließ.
Es herrschte eine bedrückende Stimmung. Nero schluckte, musste ein paar mal tief ein- und ausatmen. Sogar Dante schien ungewöhnlich ernst, sah zu seinem Bruder, der nun wieder ganz er selbst war. „Wir werden darüber reden was passiert ist?“, murmelte Nero nach einer gefühlten Ewigkeit, was den roten Dämon auflachen ließ. Reden war noch nie die Stärke seiner Familie, aber er wäre verdammt, wenn er es zuließ das sie nochmal jemand voneinander trennen würde! Ohne zu zögern zog er seinen Bruder und seinen Neffen in die Arme. „Ich liebe euch!“ Nero errötete und stammelte etwas unverständliches, während Vergil sich versteifte. Dante wusste das sein Bruder kein Freund war von plötzlichen Berührungen. Besonders nicht nach dem was gerade alles geschehen war. Doch anstatt um sich zu schlagen, entspannte er sich langsam ein wenig und klopfte ihm leicht auf den Rücken. Das ist mehr als Dante jemals verlangen würde, weswegen er breit lächelte. Er würde es solange halten wie möglich und es dauerte nicht lange, da hatte sein älterer Bruder genug und rammte ihm die Sitze der neuen Teufelswaffe in die Seite. „Ouch! Ich liebe dihc auch!“ Vergil murmelte etwas von dummen kleinen Brüdern, aber dahinter war nicht der übliche Biss.
„Leute! Schaut mal!“, rief Nero und deutete zu dem Seil, das leuchtete. Vergil ließ es los und das Leuchten ebbte ab, was ihn nachdenklich stimmte. „Dieses Artefakt hat den Nutzen zusammenzubringen was zusammengehört. Je mächtiger die Verbindung, desto mehr Kraft wird freigesetzt.“, erklärte Vergil und sah zu seinem Sohn. „Damit sollte es einfacher werden dich mit deiner anderen Hälfte zu verbinden.“ Nachdenklich nickte Nero, ergriff das Seil. Die Klinge steckte immer noch in Dante's Fleisch. Erneut leuchtete das Band auf. „Es zeigt Bindung.“, erkannte Nero und sah zu den Zwillingen. „Du hast gesagt das dieser Tempel und der Gott ein Schutzpatron der Familien war?“ Vergil nickte. „Also kann es neben irgendwelchen fancy Kampftechniken und Zusammenführungen auch die Bindung zu einer anderen Person anzeigen? So etwas wie eine Familienbindung?“ „Oh du meinst ein Liebes-Barometer? Je heller es leuchtet, desto mehr Love!“, warf Dante fröhlich ein. Nero wollte erst verneinen, während Vergil ihn mit seinem üblichen Blick der Enttäuschung ansah. „Hmm... vielleicht so etwas in der Art.“ Sein Vater schien in Gedanken, nickte dann aber. „Deine Theorie scheint stichhaltig.“ Nero wurde ein wenig Verlegen und räusperte sich. „Eh, ja! Wir sollten zu den anderen. Sie machen sich schon bestimmt sorgen!“ „Aww, das Kind ist verlegen!“ „Fick dich, alter Mann!“ „Aww, sag doch einfach das du deinen Daddy liebst!“ Nero schlug seinem Onkel ins Gesicht, machte sich dann mit rotem Kopf auf den Weg zum Ausgang.
Die ganze Bergung hatte ihn ziemlich fertig gemacht. Anstatt in eine Touristenfalle gelockt zu werden, bekam er seltsame, therapeutische Illusionen, die ihn aufwühlten. Er war besser damit Dämonen zu töten, als sich mit seiner Gedankenwelt auseinander zu setzen. Dämonen starben wenigstens und ließen einen in Ruhe, aber so etwas kam immer wieder! Er glaubte nicht das er demnächst jemanden in die Augen schauen konnte ohne wenigstens ein bisschen daran zu denken! Trotzdem glaubte er das er wichtige Erkenntnisse gewonnen hatte. Er fühlte sich nun wesentlich leichter und war mehr mit sich selbst zufrieden. Es würde einige Zeit dauern und er musste über einiges nachdenken, aber er hatte das Gefühl nun besser zu verstehen und wenn es nur um seine andere Hälfte ging, die irgendwo dahinten mit dem menschlichen Teil seiner Familie war. Im Hintergrund konnte er den dämonischen Teil seiner Familie streiten hören. Da seine Ohren nicht mehr so gut waren wie als Vierteldämon, schnappte er nur Gesprächsfetzen auf von Dante, die sich verdächtig nach 'Love Planet' und die Benutzung des Seils anhörten. Danach hörte er nur noch wie jemand abgestochen wurde.
Nero glaubte nicht das sich die beiden jemals ändern würden, fühlte sich dabei aber weniger beunruhigt als sonst. Er fragte sich ob die Zwillinge ebenfalls etwas gesehen hatte und vor allem was. Waren ihre Illusionen auch so schwer zu durchbrechen? Wenn ja, was hatte sie dazu gebracht sie zu brechen?
Als Nero nach einiger Zeit nichts mehr hörte entschied er sich wieder zu ihnen zu stoßen. Da die Brücken auseinandergebrochen waren und er keine Flügel mehr hatte, war er auf eine Mitnahmegelegenheit angewiesen. Als er den Eingang erneut betrat öffnete er den Mund, um sie zur Eile zu ermahnen, aber dann schloss er ihn etwas gesagt zu haben. Ohne viel Aufhebens drehte er sich um und verließ die beiden, um ihnen Privatsphäre zu geben. Er musste nicht mehr rätseln was die Zwillinge dazu gebracht hatte aus ihrem Traum auszubrechen. Seine Familie war auf der einen Seite ziemlich beschissen, auf der anderen Seite wollte er sie um nichts auf der Welt verlieren.
Während sich Nero draußen wartete, hatten es sich zwei Dämonen in rot und blau vor dem Altar gemütlich gemacht. Mit geschlossenen Augen, Schulter an Schulter gelehnt, hielten sie sich an ihren schuppigen Händen. Das Seil was um Ihre Handgelenke geschlungen war leuchtete so intensiv das es selbst den dunkelsten Traum erhellen konnte...
Chapter 9: Süßes oder Saures!
Summary:
Ein wenig Halloween-Fluff ^.^
Notes:
Wow und das nur etwa... 2 Wochen zu spät? Aber Albert Einstein sagte immer "Zeit ist relativ!" Damit bin ich vielleicht nicht zu spät, sondern Halloween war einfach zu früh û_û
Chapter Text
„Süßes oder Saures?“ Vergil verschränkte die Arme und sah auf sein Sohn hinab, versuchte zu verstehen was er von ihm wollte. Dante, der mit Carlo, Kyle und Julio am Küchentisch saß zog eine Schüssel mit Süßigkeiten zu sich. Bevor der Jüngste sie ihm wegziehen konnte, schaffte er es mit unmenschlicher Schnelligkeit einige Erdbeerbonbons herauszupicken. „Jackpot!“ Kyrie, die nicht wollte das die Kinder – und Dante - vor dem Essen zu viele Süßigkeiten aßen, nahm die Schüssel vom Tisch und stellte sie auf den Kühlschrank. Die Kinder schmollten, da sie nicht rechtzeitig genug nehmen konnten, während Dante mit vollen Backen kauend dasaß.
Nero kratzte sich am Kopf und versuchte seinem Vater das Konzept von Halloween zu erklären. Vergil nickte verstehend. „Ich wusste nicht das die Riten in der Menschenwelt noch praktiziert werden. Wenn es dein Wunsch ist, werde ich einen geeigneten Opferaltar vorbereiten.“ „Was? Nein! Das meine ich damit nicht. Hier wird niemand geopfert.“ Nero schlug sich auf die Stirn. Er hatte schon geahnt das sein Vater es falsch verstehen würde. Dante lachte und schüttelte den Kopf. „Ah Halloween. Ich erinnere mich. Wir haben uns damals als Geister verkleidet und konnten eine Menge Süßigkeiten abgreifen.“ Vergil nickte schweigend. „Ich erinnere mich. Vater hatte verboten all die Beute am selben Abend zu essen, aber du hast nicht auf ihn gehört.“ „Sheesh! Stehe niemals zwischen einem Mann und seinen Süßigkeiten! Außerdem hast du mitgemacht.“, winkte Dante ab. Kyle, der dabei war einen Kürbis zu schnitzen sah auf. „Wie wurdet ihr erwischt?“ Julio ließ ebenfalls von seinem Kürbis ab und sah fragend zu seinem Opa. „Sicher war es nicht leicht vor dem Erlöser etwas zu verstecken.“, schlussfolgerte er und auch Nero musste zugeben das er den Rest der Geschichte wissen wollte. Es kam selten vor das die Zwillinge Geschichten aus der Kindheit teilten. „Es wäre einfacher gewesen, wenn dein Onkel kein Narr gewesen wäre und sein Limit gekannt hätte.“ Dante lachte nur schamlos, während Vergil zu den Kindern sah. „Er ist mitten in der Nacht aufgewacht und hat sich Übergeben.“ „Ewww!“, kam es im Chor und auch Nero und Kyrie verzogen leicht die Lippen. „Ach das bisschen!“ „Es reichte nicht das er sich selbst beschmutzte wie ein Tier, nein. Er hatte sich auch auf mich übergeben.“, stellte Vergil mit Nachdruck klar und kniff die Augen zusammen, als er zu seinem Bruder sah der reuelos lachte. „Mom war panisch in unser Zimmer gerannt weil dein Dad wie eine Banshee geschrien hat.“ „Du hast dich auf mich erbrochen!“ „Am Ende steckte uns Mom ins Bad, nachdem Dad uns einen Vortrag gehalten hatte.“ „Du meinst dir.“ „Ekelhaft, Onkel Dante!“, rief Kyle, während Nero lachte. „Ey Verge, erinnerst du dich noch? Dad dachte es sei sonst was passiert als du und Mom geschrien habt. Nur mit Unterwäsche bekleidet, stürmte er mit seinem Schwert in der Hand ins Zimmer. Bereit jeden zu töten.“ Vergil wandte seinen Blick ab und sah aus dem Fenster, nickte und schien tief in Gedanken. Nur ein leichtes Zucken seiner Mundwinkel verriet wie ihn diese Erinnerung amüsierte. Nero blinzelte ein paar Mal bei dem mentalen Bild von Sparda in Unterwäsche, bereit alles und jeden zu vernichten was seine Kinder schaden wollte. Nur um am Ende festzustellen das sich sein jüngster Sohn überfressen hatte. Kyrie lächelte höflich, ebenfalls amüsiert über das Bild das sich in ihrem Kopf zeichnete. Es war immer wieder Interessant einen häuslichen Blick auf ihren ehemaligen Gott zu erhalten.
Der einzige, den das nicht Interessierte war Nero's dämonisches Gegenstück. Dieser saß mittig auf dem Küchentisch. Unter ihm war alte Zeitung ausgebreitet, die den ganzen Tisch bedeckte und vor Schmutz schützen sollte. Das war auch nötig, denn um ihn herum glich es immer mehr einem Schlachtfeld. Der jüngste Dämon in der Gruppe hatte einen Kürbis zwischen seine Beine geklemmt und riss mit voller Freude die Kerne aus dem Inneren. Er hatte von den Kindern am Meisten Freude daran die Früchte auszuhöhlen, was bei ihm mehr aussah als würde er den Kürbis ausweiden. Kyrie wusste nicht ob sie dieses Verhalten fördern sollte, aber sie konnte sich auch nicht dazu durchringen dem Kind seinen Spaß zu nehmen. Außerdem wurden die Kürbisse in einer Rekordgeschwindigkeit ausgehöhlt.
Mit der Zungenspitze zwischen den Lippen geklemmt schlug der junge Nero immer wieder mit seinen Krallen in die Frucht und riss Kerne und Fäden aus ihr. Er warf die Innereien um sich, weswegen Kyrie froh war um die weise Voraussicht den Tisch mit der Zeitung zu schützen. Kerne flogen umher, Fruchtfleisch klebte an der Oberfläche und Saft nässte das Papier durch. Aber nicht nur der Tisch wurde in Mitleidenschaft gezogen, auch Nero selbst war völlig verdreckt. Die Hände waren klebrig, Reste klebten unter den Krallen. Fruchtfleisch und Kerne bedeckten seine Haare und waren teilweise in die Flügel gekommen. Das Kind gurrte, während Kürbissaft über sein Kinn tropfte. Als der Kürbis innen völlig hohl war, grinste und schrie das Kind triumphierend während er seinem Onkel die Beute zeigte. Dante pfiff anerkennend. Der Kürbis war sauber ausgehöhlt. Nichts war mehr übrig geblieben. „Nicht schlecht!“, lobte er, was den Dämon freudig schnauben ließ. „Verge! Schau mal! Das Kind hat Talent!“ Als Vergil den Kürbis in die Hand gedrückt bekommen hatte starrte er in die Öffnung. Er drehte die Frucht ein paar Mal in den Händen um sie von allein Seiten zu begutachten. Wirklich, komplett hohl! Er verstand zwar nicht wozu das nötig war, aber ein Gefühl von Stolz breitete sich in ihm aus. Äußerlich wirkte er gefasst, aber innerlich hatte er einen Gefühlssturm. Wäre er in seiner dämonischen Gestalt gewesen, würde sein wippender Schwanz und womöglich aufgeregtes Flügelschlagen seine Stimmung verraten. Wie konnte er auch nicht stolz sein?! Sein Kind hatte diese Frucht perfekt ausgeweidet. Nichts wurde zurückgelassen. Das sein Kind in so jungen Jahren seine Beute so gut ausweiden konnte war ein gutes Zeichen. Welches dämonische Elternteil wäre da nicht stolz?! Sparda selbst würde für seinen Enkelsohn lobend mit den Flügeln schlagen und den Vorschlag unterbreiten gemeinsam auf die Jagd zu gehen um diese Fähigkeiten auf dem Schlachtfeld zu testen. Sein Kind würde ein starker und geschickter Dämon werden!
Das Nestling gurrte und machte klickende Geräusche als er einen Schauer zufriedener dämonischer Macht spürte, der von seinem Vater ausging. Angespornt durch das Lob der Älteren nahm er den Kürbis von Carlo, der die Lust daran verloren hatte, da er in seinem Alter noch nicht so geschickt war wie seine Geschwister. Schnurrend und mit neuer Motivation begann er damit das Innere aus der Frucht zu reißen.
„Nicht das ich mich nicht freue hier zu sein, vor allem bei dem guten Essen.“, begann Dante und zwinkerte Kyrie zu, die anmutig lächelte, „Aber warum hast du uns eigentlich gerufen Kind?“ Nero, der verwirrt den Austausch zwischen seinem Dämon und seinem Vater beobachtet hatte, blinzelte kurz. „Ah, ja. Stimmt! Halloween!“ Dante entpackte einen Lutscher, schob ihn sich in den Mund und sah zu seinem Neffen. Vergil schien ebenfalls darauf zu warten das Nero sich erklärte. „Wir wollen mit den Kindern Halloween feiern. Sie haben durch Zufall von Touristen erfahren wie auf dem Festland das Fest gefeiert wird. Nun wollen sie es natürlich auch.“ Dante nickte verstehend, auch wenn er nicht verstand worauf sein Neffe hinaus wollte. Wenn er mit den Kindern feiern wollte, sah er kein Problem darin. Er liebte als Kind Halloween. Zusammen mit Vergil hatten sie immer so viele Süßigkeiten bekommen das sie noch Tage davon essen konnten. Wenn auch unter strengen Augen seiner Eltern. Nachdem Dante sich erbrochen hatte, war seine Mutter noch wachsamer und ließ sich nicht einmal durch seinen patentierten bettelnden Blick erweichen mehr herauszugeben als erlaubt war. Aus den Augenwinkeln sah er zu seinem Bruder, der schweigend mit verschränkten Armen dastand und auf die Erklärung seines Sohnes wartete. Dante erinnerte sich noch gut an die Zeit. Ihr Vater nutzte die Zeit zu Halloween um als Dämon in der Öffentlichkeit zu spazieren. Jeder lobte Sparda für sein ausgefallenes und gut verarbeitetes Kostüm. Dante verstand damals nicht was seinen Vater dazu gebracht hatte, aber nachdem er sein Leben in dieser Welt aufgebaut hatte und sein Erbe kennengelernt hatte, machte es für ihn mehr Sinn. Sparda liebte die Menschen und vor allem liebte er seine Frau, daran zweifelte Dante kein bisschen, aber er konnte ihnen nie sein wahres Gesicht zeigen. Er erinnerte sich daran das sein Vater, ähnlich wie Vergil, Probleme mit den Eigenheiten der menschlichen Welt hatte, aber die Nachbarn taten es immer als eine besondere Macke von ihm ab. Sparda war beliebt gewesen, da störten die Menschen sich nicht an seiner Exzentrizität. Halloween schien die einzige Nacht gewesen zu sein, in der Sparda den Menschen sein wahres Gesicht zeigen konnte ohne eine Massenpanik auszulösen. Dante hielt sich selbst für jemanden den es nicht juckte was andere über ihn dachten, aber er spürte dennoch eine gewisse Grenze zwischen sich und denMenschen.
Ob sich Vergil an all diese Zeiten mit ihrem Vater erinnerte? Sein Bruder hatte so viel verloren und er hoffte das diese Erinnerungen immer noch da waren. Dante mochte gegenüber seinem Vater komplizierte Gefühle haben, wusste aber das Vergil ihn immer sehr bewundert und geliebt hatte. Er schmunzelte und ihm kam eine Idee, als Nero darum bat das sie zu Halloween mit den Kindern ins Devil May Cry kommen könnten. Sie wollten nicht übernachten, auch wenn Dante nichts gegen mehr Gesellschaft gehabt hätte. Er war all die Jahre allein. Jetzt hatte er neben seinem Zwilling noch mehr Familie erhalten und freute sich darüber sie zu sehen. „In Fortuna wird nicht gefeiert. Hier gibt es einen ähnlichen Feiertag, nur das nicht von Haus zu Haus gezogen wird für Süßigkeiten, sondern es wird eine Andacht in der Kirche gehalten, Verstorbene geehrt und so weiter. Deswegen wollte ich euch fragen ob es in Ordnung wäre vom Devil May Cry aus ein wenig durch die Stadt zu gehen, Süßigkeiten zu sammeln und dann wieder zurückzukommen.“ Julio und Kyle sahen die Zwillinge bittend an. Vergil hatte in all der Zeit nichts gesagt. Er wandte seinen Blick von Nero ab, was diesen das Herz in die Hose rutschen ließ. Er hatte lange überlegt ob er die Zwillinge bitten sollte. Zwar waren sie eine Familie und sich näher gekommen, aber es war immer noch komisch Blutsverwandte in seinem Leben zu haben, die man um etwas bitten konnte. Nero war auch kein Mensch der gerne jemanden um etwas bat, sondern immer versuchte ohne andere Hilfe auszukommen. Dazu kam das seine Verwandten nicht die einfachsten Personen waren. Mit Dante kam er gut klar. Der legendäre Teufelsjäger war offen für alles, egal wie bescheuert die Ideen waren, solange es Spaß machte. Nero hatte schnell herausgefunden das Dante ein ziemlicher Familienmensch war und so gut wie alles für seine Familie tat. Schon bevor Nero wusste das Dante sein Onkel war, wurde ihm erlaubt so oft im Laden zu übernachten, wie er wollte. Damals war er über die Nettigkeit seines Kollegen überrascht gewesen. Nein, Dante war kein Problem. Es war eher sein Vater. Er wusste nicht ob Vergil Akzeptanz oder Missbilligung zeigte. Er wusste das sein Vater ihn nicht hasste, aber es war schwer zu wissen woran er gerade bei ihm war. Nero vermutete eine Ablehnung, als Vergil seinen Blick abwandte, aber als er Kyries Hand in seiner spürte, sagte er nichts und schwieg.
„Kein Problem! Rocken wir Halloween!“, rief Dante aus, was die Kinder jubeln ließ. Kyle und Julio scharrten sich um die Zwillinge und plapperten aufgeregt durcheinander. Nero atmete erleichtert aus. „Danke man. Sicher das wir nicht stören?“, fragte er gedämpft, sah zwischen seinem Vater und Onkel hin und her. „Was? Neee! Je mehr desto besser! Wir machen ein Familiending daraus! Aber ich sag euch gleich, ich werde die meiste Beute machen!“ Vergil räusperte sich und schnaubte. „Sei kein Narr! Du wirst untergehen.“ Dabei sah er zu den Kindern, die ihren Opa mit großen Augen ansahen. Sie verstanden die Herausforderung und nahmen einen ungewohnt ernsten Ausdruck an und nickten. „Wir werden Onkel Dante zerstören!“ „Exzellent!“ „Ey! Warum sind auf einmal alle gegen mich?!“ Kyrie lachte, während Nero noch Schwierigkeiten hatte zu begreifen was hier geschah. Der jüngste Dämon stand auf, ließ seine Beute los und zwitscherte aufgeregt. In seinen Augen lag Kampfgeist. Er wusste zwar nicht worum es ging, aber er war motiviert. Vergil schnaubte zufrieden und nahm sein klebriges Nestling in den Arm. „Die Stunde deiner Niederlage wird kommen, Bruder!“ Dante grinste. „Diese Party wird crazy!“
Die Zwillinge verließen Fortuna, mit dem Versprechen die Gruppe pünktlich abzuholen. Dante hatte Vergil dazu überredet nicht die Yamato zu nehmen, sondern ihre Flügel zu benutzen. Mit gewöhnlichen Reisemitteln brauchte man einen Tag, aber mit dämonischer Geschwindigkeit würden sie nur wenige Stunden unterwegs sein. Vergil willigte zu seiner Überraschung ein, auch wenn Dante wusste das es seinem Bruder unter der Haut juckte triggern zu wollen. Wenn nur um endlich sein Nestling zu putzen. Nero war von oben bis unten voll mit Kürbisresten. Dante glaubte nicht das es eine Stelle gab die nicht klebte. Vergil war reinlich und er pflegte seinen Nachwuchs mehrmals täglich. Selbst er bekam ein paar mal die Fürsorge des blauen Dämons zu spüren, wenn sie gemeinsam im Trigger waren. Für ihn musste es gerade ein klebriger persönlicher Alptraum sein.
Dante sollte recht behalten. Nachdem sie den Ozean hinter sich gelassen hatten, wobei Nero wie immer zwischen Vergils Schulterblättern sicher verstaut war, machte der blaue Dämon darauf aufmerksam das er landen wollte. Dante folgte seinem Bruder und gemeinsam landeten sie in einem abgelegenen Waldstück. Während Vergil sein Nestling von den Schultern nahm, ging der rote Dämon vor um die Sicherheit zu überprüfen. Nachdem er weder etwas gehört, gerochen, noch die Anwesenheit von Mensch oder anderen Dämon gespürt hatte nickte er seinem Bruder zu. Gemeinsam erreichten sie eine Quelle, die gerade tief genug war um sie bis zu den Hüften zu bedecken. Ein gewöhnlicher Mensch würde sicherlich bis zum Brustkorb bedeckt sein. Dante hatte nichts gegen ein Bad in der Wildnis. Bevor Vergil bei ihm lebte kam es oft vor das ihm Strom und Wasser abgestellt wurde und selbst wenn Vergil sich nun darum kümmerte das dies nicht nochmal passierte und jetzt regelmäßig eine warme Dusche genießen konnte, sprach er sich nicht gegen ein kleines Abenteuer aus. Sicherlich hatte sein Bruder beim Anblick seines Sohnes vergessen das Zuhause dieser Komfort auf ihn wartete. Wer wusste das schon? Dante wusste nur eines: Vergil hatte sicherlich in seinem Leben mehr unter freiem Himmel in irgendwelchen Flüssen, Seen oder anderen geeigneten Stellen baden müssen, als das er den Luxus hatte in den eigenen vier Wänden ein warmes Bad zu genießen. Aus diesem Grund brauchte Vergil auch nicht lange und war ins eiskalte Wasser gestiegen ohne mit der Wimper zu zucken. Dante folgte seinem Bruder schnell und genoss das kühle Wasser.
Nero hielt sich an dem Schwanz seines Vaters fest, der ihn an der Wasseroberfläche hielt. Freudig schlug er mit den Händen immer wieder ins Wasser, während einige Haarsträhnen an seiner Wange klebten. Der junge Dämon genoss den kleinen Badeausflug und quiekte freudig. Er hatte viel mehr Spaß daran in einer großen Quelle zu baden als in der kleinen Wanne ihres Heims. Hier hatte er viel mehr Platz, konnte seine Flügel ausstrecken, um sich schlagen und versuchen imaginäre Feinde zu treffen. Das Beste: Er war nicht allein, sondern mit seinem Rudel! Dante ließ sich auf dem Rücken und mit ausgestreckten Flügeln auf der Wasseroberfläche treiben, während Vergil sich daran machte den Schmutz des Tages von seinem Nestling zu entfernen. Nur wenige Momente später war Nero sauber wie am ersten Tag und tobte im Wasser. Er war sogar so mutig und löste sich von seinem Vater um selbstständig über Wasser zu bleiben. Unter wachsamen Augen Vergils begann er seine ersten zarten Versuche zu schwimmen. Bevor er ertrank schob sich der Schwanz seines Vaters unter seinen Brustkorb und drückte ihn wieder nach oben. Nero gurrte, während er sich mit seiner dämonischen Schwimmhilfe über die Wasseroberfläche treiben ließ. Nach mehreren Versuchen und Beobachtungen der erwachsenen Dämonen begann er selbstständig wie ein Hund zu schwimmen. „Hey, wir haben ein Genie!“, lobte Dante, was Vergil anerkennend schnauben ließ. „Er ist ja auch mein Erbe.“, antwortete er mit einer Selbstverständlichkeit in seiner verzerrten Stimme. Sein Sohn hatte heute so viel geschafft. Er war stolz, weswegen seine Flügel leicht zitterten und sein Schwanz im Wasser umherschlug. Anfangs waren Nero's versuche noch zögerlich, aber je mehr er schwamm, desto besser hielt er sich an der Wasseroberfläche und bekam mehr Selbstvertrauen. Grunzend schwamm er um die Erwachsenen, bis er sich mutig genug fühlte zu spielen. Als er an Dante herankam öffnete er den Mund und biss ihm in den Flügel. Nichts ernstes, nur ein Zwicken, was den Älteren grunzen und seine Flügel neu positionieren ließ. Nero ließ sich davon nicht abhalten, schwamm wieder zu den Flügeln und zwickte erneut, woraufhin Dante sich auf den Bauch drehte und zurück schnappte. Nicht zu schnell, sodass der kleine Dämon genug Zeit hatte lachend auszuweichen, nur um dann erneut anzugreifen. Wenige Momente später entbrannte ein spielerischer Kampf zwischen den beiden, den Vergil aus den Augenwinkeln verfolgte, während er seine Flügel wusch. Die Wassertropfen auf der ledrigen Oberfläche glänzten im Sternenlicht. Lange konnte er sein Werk nicht bewundern, da traf ihn ein Schwall Wasser vermischt mit Seegras ins Gesicht. „Ohoh.“, murmelte Dante, zeigte aber wenig Reue da er grinste. „Oh~oh!“, echote Nero mit großen, runden Augen. Langsam drehte sich Vergil komplett zu den beiden und verengte die Augen. Dante wusste nicht wie ihm geschah als er nur einen Augenblick später unter einer blauen Masse lag.
Am nächsten Morgen standen Menschen ratlos vor der Quelle und kratzten sich am Kopf. Sie wollten Wasser abfüllen, wurden jedoch mit einer seltenen Aussicht konfrontiert. Sie konnten es sich nicht erklären, was ihre gepflegte Quelle in so einen chaotischen Zustand bringen konnte. Zerbrochene Äste und zerrupftes Gras schwammen auf der Wasseroberfläche sowie fehlende Randsteine und tiefe Furchen in der Erde waren der Beweis dafür das die Nacht zuvor eine gewisse Dämonenfamilie ausgiebig ihrem Drang nach Badespaß befriedigt hatte.
~*~
Etwa eine Woche später holte Vergil wie versprochen Nero und die Kinder ab. Kyrie und Nico waren ebenfalls dabei und so war das Devil May Cry gut besucht. „Hey nicht schlecht!“, rief Dante, der mit dem kleinen Dämon auf den Schultern die Treppe herunter kam und die Gäste sah. Während Vergil Taxi spielte hatte er es genossen mit seinem Neffen im Nest ein Nickerchen zu halten. Er bekam schon Kopfschmerzen bei dem Gedanken wie viel Arbeit auf ihn zukommen würde. Es gab genug Menschen die diese Nacht dafür nutzten für irgendwelche amateurhaften Rituale, die sie aus dem Internet oder einer Teenie-Zeitschrift gefunden hatten. Normalerweise würden diese Rituale nie Erfolg haben, aber da die Wand zwischen Dämonen- und Menschenwelt in dieser Nacht sehr schmal war, konnte es passieren das ihr Ritual dafür reichte kleinere Dämonen zu beschwören. Für Dämonenjäger war es eine stressige Zeit, aber dafür perfekt um gut Geld zu machen. Es hatte ihn gewundert das Vergil ihn nicht dazu drängte die ganze Nacht auf Anrufe zu warten, sondern dem Urlaub zustimmte um mit den Anderen um die Häuser zu ziehen. Zwar hatten sie nun beide ein Handy – dem menschlichen Teil seines Neffen sei Dank – aber die Zwillinge waren nicht sehr gut darin erreichbar zu sein. Während Dante das Handy gerne nutzte um Pizza zu bestellen mit einer App, die sein Lieblingslokal hatte, nutzte sein Bruder es eher für Fotos. Er würde es nicht zugeben, aber der Speicher seines Telefons war voller Bilder von ihrem wachsenden Garten, den er angelegt hatte über Bilder ihres Nestling bis zu andern Dingen, die der blaue Dämon interessant fand. Manche Bilder wirkten ziemlich Random und nur wirklich Vergil wusste warum sie existierten, andere wiederum waren wirklich Einzigartig. Zum Beispiel von einem Sonnenuntergang, den er im Flug fotografierte oder die Blüte einer Blume, die er am anderen Ende der Welt entdeckt hatte. Nero hatte ihn mal als perfekten Instagram-Influencer bezeichnet, wobei keiner der Brüder wusste was er damit meinte. Nachdem Vergil betonte das er noch nie in seinem Leben krank gewesen war, hatte Nero es aufgegeben sie aufzuklären.
„Hey big D!“, grüßte Nico zurück und winkte. Dante musterte sie und pfiff. Sie war als Nonne verkleidet. Ein Anblick, den man auch nicht alle Tage lang sah. Nur das sie nicht so züchtig wie eine Nonne aussah, sondern ihr Vorbau gut zur Geltung gebracht wurde und der Saum der Kutte bis zu den Oberschenkeln einen Schlitz hatte. Dante war nicht prüde und konnte die Aussicht würdigen, weswegen er ihr einen Daumen nach oben gab. Kyrie und Nero hatten eine Art Pärchenkostüm, wie sein Neffe ihm mit roten Wangen erklärte. Wobei ihr Kostüm auch nicht so gewöhnlich war. Sie war als Werwolf verkleidet, während er ein Vampir war. „Ich, als Genie der Genies habe mich auch nicht Lumpen lassen und bin richtig in die Vollen gegangen!“, erklärte Nico und deutete auf die Wolfsohren von Kyrie. Diese bewegten sich von selbst. „Sie nehmen die Stimmung der Person wahr und bewegen sich dementsprechend. Das Gleiche gilt für den Schwanz!“ Bei der Erklärung senkten sich die plüschigen Wolfsohren, während der buschige Schwanz leicht zuckte, da Kyrie beschämt über all die Aufmerksamkeit war, die man ihr schenke. „Ah! So wie der Schwanz von Verge, ja?“, rief Dante verstehend, zuckte im nächsten Moment zusammen als ein blauer Dolch in seine Seite stach. „Ich habe meinen Schwanz perfekt unter Kontrolle. Solch ungeschickten Bewegungen sind mir fremd!“, sprach Vergil dunkel und sein Blick ließ kein Raum für Widerreden. Dante sah zu Nico, die hinter vorgehaltener Hand einen Daumen nach oben gab. Sie hatte sich total davon inspirieren lassen! Schwieg aber, da sie nicht als Nadelkissen enden wollte. Dante lachte leise, was ihm zwei weitere Schwerter und einen bösen Blick seines Bruders einbrachte. Einen noch viel böseren Blick als sonst. Wer war er, der die Chance nicht genutzt hätte seinen Zwilling zu ärgern? Das war es auf jeden Fall wert, was der Nachwuchs auf seinen Schultern ebenfalls dachte, da er nur erfreut krähte und mit den Flügeln schlug. Vielleicht lag es aber auch nur daran das Dante erstochen wurde. Wer wusste das schon? Es war immerhin Vergils Brut!
Nero, der Mensch, räusperte sich. Bevor er eine Predigt halten konnte, klatschte Carlo fröhlich in die Hände. Das Kleinkind war immer begeistert, wenn sein Onkel so lustige Verrenkungen machte. Er saß auf Neros Schultern und war als Dämon verkleidet. Jedenfalls was sich der normale Mensch darunter vorstellte. Er hatte kleine schwarze Flügel aus Plastik am Rücken, aufgesetzte Spitze Ohren, einen schwarzen Teufelsschwanz mit Dreiecksspitze und einen roten Plastikdreizack. Auf dem Kopf trug er einen Haarreif mit roten Hörnchen. Julio trug einen blauen Kimono und am Gürtel war ein Katana aus Plastik angebracht, das Yamato verdächtig Ähnlich war. Er sah mit stolzen Augen zu Vergil, was Dante beinahe wieder loslachen ließ. Kyle hingegen war als Cowboy verkleidet und trug eine Kinderversion von Dr. Faust und Ebony & Ivory. Sicherlich gesponsert von Nico. Das Kind schaute grinsend zu Dante, der stolz zurück grinste. Der Junge war nach seinem Geschmack! „Opa Vergil? Onkel Dante? Verkleidet ihr euch nicht?“, fragte Julio neugierig. Dante grinste und hob den kleinen Dämon von den Schultern. Er ging zu Carlo, der ebenfalls von den Schultern gehoben wurde. Nachdem Nero den Anderen beschnüffelte und als Familie erkannte, begann er das Kleinkind hinter sich herzuziehen. Am Ende waren sie ein Ball aus Mensch und Dämon, rangelten ausgelassen und begannen sich durch das Büro zu jagen.
Dante beugte sich zu Julio herunter, wedelte mit dem Zeigefinger vor seinem Gesicht und zwinkerte ihn an. „Tz, tz, tz“ Unterschätze mich nicht, Kleiner.“ Im nächsten Moment explodierten rote Funken und vor dem Kind stand ein großer, roter Dämon. Dante hatte diesmal nicht seinen Sin-Devil-Trigger genutzt, sondern seine normale Dämonengestalt, die aber nicht weniger beeindruckend war. Julio war bei der Explosion erschrocken einen Schritt zurückgegangen, wurde aber nicht verletzt. Staunend sah er zu seinem Onkel. „Woah!“, kamen von ihm und Kyle aus einem Mund. Dank der Zwillinge hatten die Kinder teilweise ihren Schrecken für die Dämonen verloren, trotzdem waren sie jedes Mal aufgeregt, wenn einer oder beide Brüder triggerten. Es war immer ein Highlight, wenn sie mit ihnen interagieren konnten. Dante ließ sich von den neugierigen Kinderhänden erkunden, schlug spielerisch mit einem Flügel nach Kyle, als dieser daran zog und grinste mit spitzen Zähnen. „Mein Kostüm ist das Beste!“ „Immerhin ist es kostenlos.“, musste Nero zugeben, während Nico die Chance nutzte und ebenfalls Dantes Dämonenform ausgiebig erkundete. Für einen Dämonenforscher wie sie war es wie ein feuchter Traum ein williges Exemplar zu sehen, das friedlich genug war und freiwillig sich untersuchen ließ. Nico konnte ihre Freude nicht unterdrücken und kicherte ein paar Mal aufgeregt als sie die Flügel studierte. Die beste Freundin eines Vierteldämons zu sein war das Beste was ihr jemals im Leben passieren konnte!
Dante genoss die Aufmerksamkeit und bewundernden Blicke, während Vergil die Arme vor der Brust verschränkte. Mit wachsamen und raubtierartigen Blick folgte er den Bewegungen der Kinder und vor allem Nico's. Er konnte es sich nicht erklären, fühlte aber ein tiefes Unbehagen dabei wie Nico seinen Bruder untersuchte. Er wusste selbst das seine Sorgen unbegründet sein sollten. Zwar vertraute er den Menschen kein Stück, aber sah die Büchsenmacherin als Teil seines Rudels an, auch wenn er es nie offen aussprach. Das jeder Nerv in ihm in Alarmbereitschaft ging bei dem Anblick wie Nico Dante mit einem Stift pikste und ihm Fragen stellte, verstand er selbst nicht. Das nagende Gefühl der Gefahr wollte nicht verschwinden und nur dank seiner antrainierten Beherrschung konnte er dem Drang widerstehen sich zu triggern und die Menschenfrau vor den Augen aller als Warnung zu zerfetzen.
Die Menschen bemerkten nichts von Vergil's nervöser Energie und wachsendem Unbehagen, im Gegensatz zu den Dämonen in der Gruppe. Nero hatte aufgehört mit Carlo zu spielen und war zu seinem Vater gerannt um sich vor ihn zu stellen und die Luft anzuknurren, da er nicht wusste gegen wen oder was sich das Unbehagen seines Vaters richtete. Um imposanter zu wirken hatte er die Flügel aufgeplustert. „Oh, du musst nicht eifersüchtig sein.“, versuchte Kyrie das Dämonenkind zu trösten, da sie dachte das seine plötzliche Verhaltensänderung daher rührte das sein Onkel alle Streicheleinheiten bekam und nicht er. Dante hingegen sah zu seinem Bruder, der seinen Blick mit einem eigenen leeren Blick erwiderte. Bevor jemand die ganze Sache hinterfragen konnte stellte sich Dante an die Seite seines Bruders, legte einen Arm um seine Schulter und grinste ihn von oben herab an, da er in dieser Gestalt größer war. „Ey Verge! Was ist mit deinem Kostüm? Lass mich hier nicht hängen!“ „Was lässt dich denken das ich den Wunsch habe mich lächerlich zu machen?“ Dante lachte nur bei dieser Abfuhr, spürte aber wie die Schultern seines Zwillings sich langsam entspannt hatten und die nervöse Energie langsam verebbte. „Wir können die Kinder nicht gewinnen lassen.“ Von Kyle kam dabei ein Protestlaut. „Wirklich Dante? Du misst dich mit Kindern? Waren dir Jugendliche zu schwer?“ „Autsch. Ich wusste nicht das mein lieber Bruder Angst vor einer Herausforderung hat.“ Dante wusste das er damit gewonnen hatte. Vergil mochte besonnen sein, aber von seinem kleinen Bruder der Feigheit bezichtigt zu werden, wenn auch nur aus Spaß, drückte bei ihm die richtigen Knöpfe. Er verwandelte sich in seine Dämonengestalt und biss seinem Bruder in eines der roten Hörner als Warnung. Dieser erwiderte mit einem Knurren und öffnete den Mund um nach seinem älteren Zwilling zu schnappen, kam aber nicht an ihn heran. Immer wieder biss er in die Luft, versuchte sein Horn zu befreien, das immer noch im festen Biss seines Bruders war und Dantes Kopf dabei zur Seite drückte.
„Das erinnert mich an die Katzen unserer Nachbarin.“, murmelte Nero, während Nico ein Video machte. Die Kinder feuerten ihre Favoriten an, während Carlo der unparteiisch war, sich mit dem Hintern auf den Boden fallen ließ und kichernd in die Hände klatschte, da er das allgemeine Chaos genoss. Kyrie lächelte nachsichtig und zuckte nicht einmal mehr mit der Wimper bei der Tatsache das sich vor ihr zwei ausgewachsene Dämonen wie Katzen stritten. Ihr Nestling tat es den Erwachsenen gleich und schmiss sich auf Kyle, der sich dummerweise als erstes bewegt hatte und versuchte immer wieder in seine Nase zu beißen. Glücklicherweise bevor er Erfolg hatte, zog der erwachsene Nero sein kleines Ich von dem Jungen ab und versuchte mit einem festen 'Nein!' für Ordnung zu sorgen. Dummerweise war sein Dämon ein genauso rebellisches Kind wie er es damals war und begann nach ihm zu schnappen. „Hey!“ Kyrie klatschte in die Hände und erregte dabei die Aufmerksamkeit aller. „Wir sollten uns auf den Weg machen, bevor es für die Kinder zu spät wird.“, schlug sie vor und lächelte wie gewohnt. Dante und Vergil tauschten einen Blick, während Nero und sein Dämon das Selbe taten. „Du sagst es Schwester!“ Damit harkte sich Nico bei ihr ein und zog sie mit nach draußen ohne auf die anderen zu warten.
~*~
„Süßes oder Saures!“, rief Dante mit den Kindern im Chor. Zusammen hatten sie schon einige Türen abgeklappert und Dante sollte Recht behalten. In der Stadt angekommen waren die Zwillinge das Highlight. Es gab einige, die sofort vor Schreck die Tür wieder zuschlugen, aber die meisten bewunderten ihr Kostüm als so realitätsnah. Vergil blieb im Hintergrund bei Kyrie, da er lieber Beobachten wollte anstatt sich in die Menge zu stürzen. Nach dem zwanzigsten Haus hatte er aber genug soziale Interaktion, weswegen er mit seinem Nestling etwas Abseits von der Gruppe lief. Klein Nero hatte sich an jedem Schaufenster die Nase platt gedrückt, da die Dekoration um die Auslagen so spannend für ihn waren. Er hatte Spaß dabei die Stadt zu erkunden und man hatte ihm davor deutlich klar gemacht das es Tabu war Menschen oder Tiere anzufallen. Bis jetzt benahm er sich Vorbildlich und hatte sich nur mit einem Schwarm Tauben anlegen wollen, die aber rechtzeitig fliehen konnten.
In einem Park angekommen waren sie fast allein, bis Dante sich von der Gruppe löste mit der Begründung das er genug Beute hatte und er seine alten Knochen schonen müsse. Die Kinder wurden von Nico, Kyrie und Nero weiterhin begleitet, während Dante zu seinem Bruder und seinem Nestling gejoggt war. Stolz öffnete er seinen Sack und holte ein Bonbon heraus. „Ich wusste gar nicht das die noch hergestellt werden.“ Mit etwas Mühe schaffte er das Bonbon mit seinen dämonischen Händen zu entpacken und schob es sich in den Mund. „Es schmeckt anders wie damals.“, musste er zugeben. „Nach 40 Jahren ist dies zu erwarten.“, gab Vergil zu bedenken, aber Dante winkte ab und schob sich ein weiteres Bonbon in den Mund. Er fand von der gleichen Marke ein Schoko-Sahnebonbon. Einer der Favoriten von Vergil als er noch ein Kind war. Grinsend schob er es ihm zu und konnte damit seinen Bruder überraschen, der seinen Nestling beobachtet hatte, der zu einem Klettergerüst rannte um es zu erklimmen.
Im ersten Augenblick schien Vergil sich nicht für das Bonbon zu interessieren, nahm es dann aber schließlich doch. Er musste erkennen das dämonische Hände nicht gerade dafür geschaffen waren so etwas filigranes wie Bonbonpapier zu öffnen. Als er es geschafft hatte und das Papier abzog ohne das Innere zu beschädigen, schob er es sich in den Mund. „... wirklich anders.“, gab er sein Urteil ab, war aber nicht allzu abgeneigt. „Ich habe gehört das immer wieder Rezepte verändert werden. Meiner Meinung nach nicht immer zum Besseren.“ Vergil nickte und sah nachdenklich in den Sternenhimmel. „Diese Welt ist immer im Wandel...“, sinnierte er und nahm sich ein weiteres Bonbon das ihm angeboten wurde.
Gemeinsam naschend saßen die beiden Dämonen auf dem höchsten Punkt des Klettergerüstes an dem Nero Kopfüber hing und sich mit seinen Spektralhänden an den Stangen festhielt. Das Kind schaukelte hin und her, genoss die Möglichkeiten, die ihm ein Spielplatz für Menschenkinder bot. Dante leckte an einem Lutscher, der von seiner dämonischen Zunge komplett umschlossen wurde. Er genoss die Zweisamkeit, weswegen er sich der Melancholie hingab und seufzte. „Ich glaube, ich verstehe ihn jetzt besser.“ Vergil schwieg und wartete ab bis sein Bruder seine Worte fand, hielt sich einen Schokoladenlutscher an die brennenden Hörner um ihn zu karamellisieren, bevor er ihn sich in den Mund schob. „Dad. Ich verstehe jetzt warum er diese Nacht so genoss.“ Vergil brummte zustimmend. Er wusste wie sehr sein jüngerer Bruder die Anwesenheit der Menschen genoss, aber ein Teil von ihm traurig war, da immer etwas zwischen ihm und ihnen stehen würde. Vergil hatte selbst keine besonderen Gefühle gegenüber Menschen und störte sich nicht an dieser unsichtbaren Grenze, konnte aber durchaus Gefallen an dieser Nacht finden. Schweigend legte er einen Flügel um die Schultern seines Bruders, der den Komfort annahm und sich an den Anderen lehnte. Dante wusste, es würde immer eine Grenze zwischen ihm und den Menschen geben, aber er war nicht mehr allein. Vergil hatte versprochen zu bleiben und er vertraute seinem Bruder. Er würde nicht mehr allein sein. Schulter an Schulter beobachteten sie den Sternenhimmel, während Nero im Hintergrund ausgelassen spielte.
Nero und Kyrie fand die kleine Familie spät in der Nacht, die sich von der erhöhten Position des Klettergerüsts nicht entfernt hatten. Dante winkte ihnen zu und grinste schief. Kyrie hielt einen schlafenden Carlo im Arm, während Nero Julio auf den Schultern trug und dabei prall gefüllte Taschen mit Süßigkeiten an seinen Armen hingen. Kyle schlurfte müde neben ihm her und kämpfte gegen den Schlaf an. Nico war so fit wie immer, was sie den Umstand verdankte das sie meist die Nächte durchmachte, da laut ihr die besten Ideen Nachts kamen.
Alles in allem war die Nacht erfolgreich gewesen, auch wenn Dante sich geschlagen geben musste. Er und Vergil hatten seine Beute aufgegessen, weswegen er sich nicht mit den Kindern am nächsten Morgen messen konnte. Das minderte seine Laune aber nicht im geringsten, weswegen er seine Dämonengestalt löste und vom Gerüst sprang. „Richtig abgeräumt.“, stellte er fest, als er die vollen Tüten an Neros Arm sah. Dieser stöhnte, nickte aber zufrieden. Die Kinder hatten Spaß und das war alles was für ihn zählte.
„Während der Jagd habe ich diese Werbung gesehen.“, erinnerte sich Vergil und holte einen Flyer aus der Manteltasche, als er neben Dante in seiner menschlichen Gestalt auftauchte.
'Super- Sonder- Halloween- Überraschungs- Pizza! Top oder Flop. 50% Rabatt!'
„Jackpot!“
Chapter 10: Krank sein
Summary:
Nero ist krank und Vergil ist motiviert genug um dagegen etwas zu tun!
Chapter Text
Es war dunkel. Die Luft war feucht und stickig.
Schmerz, so viel Schmerz. Sein ganzer Körper fühlte sich so an, als würde er in Flammen stehen. Grunzend und fauchend wand er sich in seinem Elend, doch es kam keine Erlösung. Sein Blick ging immer wieder zu denen, die in sicherer Entfernung um ihn standen und ihn anstarrten. Ihre Umrisse waren verschwommen und die Gesichter eine weiße Maske, das nur ein breites und verzerrtes Grinsen trug.
Er schrie und versuchte um sich zu schlagen. Der Schmerz benebelte den Verstand und er wollte nichts mehr als seine Krallen in die Körper jener schlagen, die ihn wie ein Zootier beobachteten. Das würde aber nur ein Wunschtraum bleiben, da er sich kaum bewegen kann. Fesseln um Hals, Hand- und Fußgelenken fixierten und mahnten ihn sich dazu zu unterwerfen und sein Schicksal zu akzeptieren.
Wütend und zischend wie ein Tier in Gefangenschaft, was er war, starrte er sie von unten herab an.
Ein Sohn von Sparda würde sich niemals freiwillig unterwerfen. Die Zeit seiner Rache würde kommen und das Blut seiner Peiniger fließen!
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Vergil an die Zimmerdecke. Der Atem ging stoßweise, während sich seine Hände in der Bettdecke verkrampften. Ein Grunzen drang an sein Ohr und nur langsam erwachte er aus seiner Starre und schien zu erkennen wo er war. Die weiche, einladende XXL-Matraze, die breit genug war für eine Großfamilie. Um seinen Körper herum eine Polsterung aus einer Vielzahl von Kissen und Decken, alle sehr weich, von guter Qualität und vertraut riechend. Dieser Ort war das komplette Gegenteil von dem aus seinem Traum. Es war ein Ort der Ruhe, des Zusammenkommens und versprach Schutz und Wärme. Sie hatten auf das Bettgestell verzichtet, da es unter der Last von mehreren Erwachsenen bereits ächzte und in ihrer Dämonenform vollkommen zerbrechen würde. Gemeinsam mit seinem Bruder hatte er ihr Nest errichtet und selbst den letzten Feinschliff erledigt. Es nahm den größten Teil des Schlafzimmers ein und wurde in einer Ecke errichtet, mit freier Sicht zur Tür und Fenster.
Vergil atmete tief ein und nahm den Geruch seiner Umgebung auf, was ihn langsam erdete. Vorsichtig, als würde sein Hals brechen, drehte er seinen Kopf zur Seite und erblickte Dante, der auf dem Bauch lag und irgendwann im Schlaf seine Decke von sich getreten hatte. „Mhm... Pizza...“, murmelte er gedämpft ins Kissen, hatte den Mund offen und sabberte, während seine Haare einem Rattennest glich. Sein Bruder schien einen sorgenfreien Schlaf zu haben und schnarchte ohne Argwohn. Er war der Überzeugung das Kleidung den Schlaf nur störte, weswegen er nur eine kurze schlabbrige Shorts trug, die im Schlaf unter die Hüfte gerutscht war.
Ein wenig beneidete er seinen Bruder um seinen sorgenfreien Schlaf. Vergil hatte schon immer Probleme mit Albträumen und verdrängten Erinnerungen gehabt, die ihm den Schlaf raubten oder es ihm zumindest unbequem machten. Es wurde besser, da das Nest eine wirkliche Entspannung bot, doch seit einigen Wochen nahmen die schlechten Träume wieder zu. Er wusste sogar genau wann es angefangen hatte das seine Träume ihn wieder mehr verfolgten. Vergil's Blick wanderte zu einem Schrank, auf dem auf einem kleinen Samtkissen ein goldenes, zusammengerolltes Seil lag an dessen Enden sich verzierte Quasten befanden. Er hatte die Waffe, zu dem sich das Seil verwandeln konnte, bis jetzt nie in einem Kampf benutzt und hatte dazu auch keine Lust. Da es ein antikes Artefakt war, lagerte er es angemessen und sicher in der Vitrine, bis es für seinen eigentlichen Zweck gebraucht wurde.
Die Mission schien anfangs harmlos und eher wie ein Familienausflug, endete jedoch Nervenaufreibend. Es waren nur kleine Schnipsel seines Lebens gewesen, die er gesehen hatte. Einige Fragmente und Wünsche waren deutlicher, andere waren verschwommen und kaum zu erkennen, sorgten aber dafür das er seitdem jede Nacht seinen Schlaf verlor. Außer die teilweise falschen Erinnerungen an jene Nacht, konnte er bei den anderen Erinnerungsfetzen nicht ausmachen wann oder ob dies überhaupt so geschehen war. In seinem Leben gab es viele Momente in denen Qual und Schmerz sich aneinander reihten wie die Stunden und Tage selbst, weswegen sich alles vermischte.
Unzufrieden seufzte der Halbdämon, ärgerte sich über seine eigene Schwäche. Er war aus menschlicher Sicht betrachtet ein erwachsener Mann in seinen 40ern. Er sollte nicht mehr von Albträumen geplagt werden wie ein kleiner Junge. Ironischerweise glaubte er nicht einmal daran das er jemals so viele schlechte Träume als Kind gehabt hatte. Jedenfalls nicht in der Zeit vor dem Feuer...
Ein leises Rascheln weckte seine Aufmerksamkeit und er sah zu einer kleinen Gestalt, die sich auf den Rücken gerollt hatte und mit von sich ausgestreckten Armen und Beine zwischen ihm und seinen Bruder schlief. Vergil drehte sich auf die Seite und beobachtete seinen dämonischen kleinen Sohn, der zufrieden schlummerte. Mit dem Zeigefinger tippte er vorsichtig gegen dessen runden Wange, fuhr den Gesichtskonturen nach und dachte über das Wunder seiner Existenz. Als Dante ihm im Kampf sagte das er einen Sohn hatte und es auch noch ausgerechnet der Junge war, den er in seinem Delirium den Arm abgerissen hatte, war eine Überraschung. Er hatte versucht sich an Nero's Mutter zu erinnern, vor allem da Nero selbst ein Recht auf eine Antwort hatte. Bis jetzt wurde er nicht nach ihr gefragt, aber wusste das es nur eine Frage der Zeit war. Der Drang zu Wissen woher man kommt und wer seine Vorfahren waren, war unter Menschen und Dämonen gleichermaßen vertreten. Da Nero ein Vierteldämon war, musste die Frau menschlich gewesen sein. Dummerweise aber konnte sich Vergil an keine menschliche Frau erinnern, die ihn genug interessiert hatte das er mit ihr das Bett teilen würde. Er war niemand für einen One-Night-Stand und wenn Dämonen jemanden in das Nest ließen deutete dies auf große Vertrautheit. Niemals würde Vergil vor einer fremden Person seine Schwäche zeigen, den Rausch der fleischlichen Lust nachjagen und seine Verteidigung dabei fallen lassen. Offen verletzlich gegenüber jemanden zu sein. Nein, dies war nur einer ebenbürtigen Person vorbehalten. Wie für jeden Dämon war Stärke für ihn ein attraktives Merkmal. Er erinnerte sich nicht in seinen jungen Jahren eine Frau getroffen zu haben die vom Charakter oder ihrer Kraft dieses Merkmal besaß. Selbst jetzt, Jahrzehnte später, kannte er nur eine Hand voll Frauen und davon war keine mit denen er sich paaren würde. Die Frauen mit denen er Kontakt hatte waren für ihn alle auf ihre weise Einzigartig, aber keine war dabei mit denen er die Paarung eingehen würde. Trish war mächtig und charakterlich stark. Zu allem Überfluss war sie noch ein Dämon, was die Sache noch besser machte. Sie schied jedoch aus offensichtlichen Gründen aus. Mary, - nein! Lady – war mächtig und konnte sich gegen niedere Dämonen verteidigen, obwohl sie ein Mensch war. Sie stand für ihre Werte und Überzeugungen ein, was Vergil durchaus respektieren konnte, aber er wäre nicht so dumm Hand an sie zu legen. Sie war eher eine Kollegin als alles andere, zumal sein Bruder eine längere Geschichte mit ihr hatte. Er hatte das Vorrecht. Dann gab es noch eine Frau. Kyrie. Sie hatte keine Macht und war augenscheinlich ein schwacher Mensch ohne jegliche Anziehungskraft. Dies war aber ein Trugschluss. Sie wirkte auf den ersten Blick nicht stark, was daran lag das ihre Stärke im Verborgenen lag. Sie hatte ein starkes Herz und erinnerte ihn an jemand anderes. Kyrie war eine der wenigen Menschen, die wirklich ehrlich waren und ein hohes Maß an Akzeptanz besaß. Sie war eine Frau, die er respektierte und wenn sein Sohn auch nur eine funktionierende Gehirnzelle vererbt bekommen hatte, würde er dies ebenfalls erkennen und wissen das sie eine perfekte Gefährtin sein würde und sich endlich binden.
Mit einer Vorsicht, die er nur selten ausübte, strich er mit seiner Fingerkuppe über das spitze Ende von Nero's Ohr. Dieser hatte irgendwann unter den Streicheleinheiten angefangen zu schnurren und schien den Kontakt zu genießen. Leise schmatzte er, während seine Hände zuckten, als würden sie nach etwas greifen wollen. Leise schnaubte Vergil und legte seinen Zeigefinger an die Lippen. Mit dem Schneidezahn riss er sich eine kleine Wunde in die Fingerkuppe und schmeckte wie das Blut austrat. Er biss tiefer in die verletzte Haut, da seine Heilung bereits die Wunde schließen wollte. Als noch mehr Blut austrat, legte er seinen Finger an Nero's Lippen, die sich zu einem kleinen 'o' formten. Er schloss seine Lippen um den angebotenen Finger und begann an diesem zu nuckeln und das Blut zu saugen.
Der Anblick löste in Vergil ein warmes Gefühl aus und ein schwaches Lächeln deutete sich auf seinen Lippen an. Sein Sohn war ein sorgloses und verwöhntes Kind. Nicht einmal das Hungergefühl schien seinen Schlaf zu stören. Im Vertrauen das sein Bedürfnis wahrgenommen und befriedigt wurde, nuckelte er im Schlaf an dem nächstbesten was ihm in den Mund geschoben wurde. Es war das Urvertrauen das jemand an seiner Seite war und für ihn Sorgen würde.
Während das Kind langsam aß, schmiegte sich Vergil mit dem Kopf in seinen Haarschopf und schloss die Augen. Zufrieden atmete er den vertrauten Duft seines Nachkommen ein. Wie lange war es her seit er das letzte Mal dieses Urvertrauen genossen hatte? Dante und er hatten es einmal besessen, doch Mundus hatte es ihnen genommen indem er ihnen ihr Zuhause nahm. Vergil hatte sich danach gesehnt dieses Gefühle erneut zu spüren und dem Urinstinkt zu folgen, doch nach dem Tod seiner Mutter war es verloren gewesen.
Nero's Mutter musste wohl auch gestorben sein. Er konnte es sich nicht vorstellen eine Frau geschwängert zu haben, die ihr gemeinsames Nestling willentlich im Stich lassen würde. Nach jener Nacht hatte sich Vergil immer nach einer Familie und einem Platz gesehnt. Jemand mit dem er die Wärme und Sicherheit eines Nestes teilen konnte. Hätte er von der Existenz seines Sohnes gewusst, dann wäre er in Fortuna geblieben. Hätte er Nero gekannt, dann...
Bevor sich Vergil in den Möglichkeiten verlieren konnte, die ihm das Schicksal nicht gewährt hatte, riss ihn ein lautes und durchdringendes Geräusch aus seinen Gedanken. Instinktiv zog er schützend eine Decke über Nero, ohne ihn von seiner Nahrung zu trennen und zog ihn enger an sich. Leise schnaubte er gegen dessen Hinterkopf und verfluchte sich für die Entscheidung das Telefon im Büro nicht abgestellt zu haben. Dante und er waren erst vor wenigen Stunden ins Nest gekrochen, weswegen die Idee seines jüngeren Bruders war das alte Telefon vom Kabel zu trennen, damit sie niemand erreichen konnte. Da die Dämonen eh meist Abends aktiv waren hielt er es für unnötig deswegen den Laden den ganzen Tag geöffnet zu haben und erreichbar zu sein. Vergil wollte von all dem nichts wissen und in diesem Moment verfluchte er seinen Drang immer der Vernünftigere sein zu wollen. Am Liebsten würde er das Telefon in Einzelteile schneiden. Im Hinterkopf hörte er Yamato's Gesang, bereit alles zu durchschneiden was sich sein Besitzer wünschte. Ein Mensch hätte das Telefon kaum zur Kenntnis genommen und vom Schlafzimmer aus kaum gehört. Als Halbdämon war es jedoch so störend, als wäre es nur den Flur entfernt.
Ein gedämpftes Grummeln drang an sein Ohr. Müde öffnete Dante ein Auge, murrte als das Telefon immer noch keine Ruhe gab. Da wollte wirklich jemand mit ihm sprechen. Wie nervig. Manchmal waren diese extrovertierten Leute verabscheuungswürdig! Er sah zu Vergil, dessen Gesicht zur Hälfte hinter dem Kopf seines Sohnes versteckt war und wechselte mit ihm einen schnellen Blick. „Ich gehe.“, entschied er sich, aber Dante murmelte nur ein müdes „Ne lass' mal. Ich geh schon.“ ins Kissen und richtete sich so langsam und träge auf, als wäre er ein Mensch in seinen Achtzigern.
Gähnend kratzte er sich am Kopf, strich sich durch das zerzauste Haar und stand auf. Kurz richtete er seine Unterhose und ging langsam zur Tür, während das Telefon unablässig klingelte. „Ja, ja. Erwarte ja nicht das ich mich wegen dir anziehe.“, murrte er und schlurfte aus dem Raum. Vergil sah ihm nach und versteckte ein angedeutetes Grinsen in der weißen Haarpracht seines Kindes. Als das Telefon endlich verstummte, schmolz die körperliche Anspannung schnell. Zufrieden über die Ruhe schloss er die Augen und nur noch das leise, gelegentliche Schmatzen des Dämonenkindes erfüllte das Schlafzimmer.
Das Telefonat schien nicht lange zu dauern und wenige Minuten später kam Dante zurück ins gemeinsame Zimmer. Anstatt sich zurück ins Nest zu legen, setzte er sich auf dessen Rand und fischte nach seinen Kleidungsstücken, die um die Schlafstätte verstreut lagen. Vergil bemerkte dies und öffnete seine Augen, um seinen Bruder direkt anzusehen. Bevor er sein unübliches Verhalten hinterfragen konnte, da Dante nie auf ein ausgedehntes Schläfchen verzichten würde, kam dieser ihm mit der Antwort zuvor. „Der Anrufer war Kyrie.“, begann er und die Anspannung war zurück. Ohne Grund würde sie nie so früh anrufen, da sie wusste das sie beide Nachtaktiv waren. Zwar brauchten sie nicht so viel Schlaf, weswegen die Chance sie morgens anzutreffen gegeben war, aber Kyrie hatte dennoch immer die Rücksicht gehabt erst gegen Mittag oder Nachmittag sich zu melden.
„Missi bittet mich Nero's Auftrag zu übernehmen, da er Krank sei.“ Mit überraschtem Blick setzte sich Vergil auf. „Krank?“ „Jep. So hab ich auch geschaut. Krank!“ „Das sollte nicht möglich sein...“, murmelte Vergil nachdenklich und dachte nach ob er sich an eine Zeit erinnern konnte in der er oder sein Bruder jemals eine menschliche Krankheit hatten. Dante schien den Gedanken seines Bruders zu verstehen und schüttelte den Kopf. „Ich kann mich nicht erinnern das wir je krank waren. Mutter war manchmal krank, aber wir nie.“ Mit diesen Worten zog er seine Socken unter einer Decke hervor.
„Um was für einen Auftrag handelte es sich?“, wollte Vergil wissen und strich sich die Haare zurück. „Ach nur ein bisschen Ungeziefer im Mistis Wald ausrotten. Nichts besonderes, aber Kyrie meinte das deren Stadtwache den Auftrag erteilt hat, da wohl immer mehr Leute dort Mutproben machen und verletzt werden.“ „Dumm.“ Da konnte Dante der Einschätzung seines Bruders nicht widersprechen, der die Decken um ihr jüngstes Mitglied arrangierte und dann selbst aufstand um ins Bad zu gehen. Er hatte seinen Zwilling nicht gefragt ob er mit wollte, da die Antwort ihm von vornherein klar war, weswegen Dante weiter seine Kleidung zusammensuchte.
Wenig später standen beide Männer im Büro. In voller Lederbekleidung, bewaffnet und mit einem schlafenden Kind, das in Decken gewickelt an Vergil's Brust gebunden war, machten sie sich auf den Weg. Zwei saubere Hiebe mit der Yamato später durchquerten sie das Portal, nur um in wenigen Sekunden in Nero's und Kyrie's Küche zu stehen. „Onkel Dante! Opa Vergil!“, wurden sie von einem Kinderchor begrüßt, während Kyrie ihnen höflich winkte. Die Kinder saßen am Esstisch und waren dabei zu frühstücken als sich das Portal materialisiert hatte. „Hey! Alles klar bei euch?“, grüßte Dante sie, während Vergil's Blick prüfend durch den Raum ging, dann die Anwesenden höflich begrüßte. Dante ging zu den Kindern und redete mit ihnen über leckere Frühstücksalternativen, wie Pizza, während Vergil zu Kyrie ging, die am Herd stand. Da Dante die Jungen abgelenkt hatte, konnte er ungehindert mit ihr sprechen.
Vergil erkundigte sich nach Nero's angeblicher Krankheit und Kyrie bestätigte dies. „Ja, seit einigen Wochen hat er immer wieder ein wenig gehustet, aber wir haben uns alle nichts dabei gedacht. Schließlich tut das jeder mal und seit ich ihn kenne war er nie wirklich ernsthaft krank gewesen. Eine leichte Erkältung, die aber meist im Laufe des Tages wieder verschwunden war. Doch heute Morgen wachte er mit Fieber auf, klagte über Muskelschmerzen und brennen in Hals und Nase. Für mich sind das eindeutige Anzeichen einer Grippe.“ „Eine Grippe?“, murmelte Vergil nachdenklich, der die ganze Zeit aufmerksam zugehört hatte. Äußerlich wirkte er so gelassen wie immer, doch seine Gedanken rasten im Kreis. Er kannte sich mit menschlichen Krankheiten nicht aus und das Erste was ihm einfiel bei den Symptomen war eine Vergiftung.
„Hatte er nach einer Mission ein ungewöhnliches Verhalten gezeigt? Roch er anders?“ Kyrie sah ihn fragend an und Vergil realisierte das sie ihm nicht die gewünschte Antwort geben konnte. „Im Moment ist es was das angeht ruhiger geworden. Seit Wochen hatte er nur Aufträge, die weniger Gefährlich waren. Bitte um Geleitschutz oder Training für die Rekruten. Die Kinder waren letzte Woche alle Krank. Carlo hatte sich im Kindergarten angesteckt und es verbreitete sich schnell auf Kyle und Julio. Aus diesem Grund glaube ich das sich Nero auch angesteckt haben musste, da er sich Anbot den Großteil der Pflege zu übernehmen.“ Vergil nickte und konnte den Gedankengang seines Sohnes nachvollziehen. Seine Freundin würde sich deutlich schneller anstecken als er, weswegen er sich dafür anbot. Er kannte das Kind noch nicht lange, wusste aber das dieses noble Verhalten eindeutig ein Wesenszug von ihm war. Trotz seiner schroffen Art war er vergebend und tat alles in seiner Macht stehende um die Seinen zu schützen. Vergil vergab nur schwer, wenn überhaupt, aber er konnte in dem Charakterzug seines Sohnes auch eine Stärke sehen.
„Baby Dämon!“, rief Carlo lachend aus als er ein Bein des jungen Nero's unter den Decken hervorschauen sah. Er unterbrach eine Diskussion zwischen Kyle und Dante, ob Cornflakes besser schmeckten mit Milch oder ohne. „Ja, er schläft.“, meinte Dante, da Nero sich in seinem Deckenkokon trotz der Lautstärke in der Küche kaum rührte. Kyle schnaubte. „Ich will auch. Hundertmal besser als Schule!“ Kyrie sah erschrocken zur Uhr und musste erkennen das sie während des Gesprächs mit Vergil die Zeit vergessen hatte. Sie forderte die Kinder auf sich fertig für die Schule zu machen. Die Jungs kamen dem, wenn auch widerwillig nach, während Kyrie Carlo aus dem Hochstuhl nahm. Sie sah nachdenklich aus, weswegen Dante sie fragend ansah. Beschämt gab sie zu, das sie Nero nicht alleine lassen wollte, aber sie die Kinder zur Schule und Carlo in den Kindergarten bringen musste. Auf dem Rückweg wollte sie noch in die Apotheke um für Nero Medizin zu kaufen, da sie nichts mehr für Erwachsene hatten.
Dante grinste und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Mach dir keine Sorgen! Wir kümmern uns schon darum!“ Überrascht sah sie zum roten Dämon, dann zu seinem Bruder als dieser sich räusperte und nickend zustimmte. „Ich... ich möchte Nero wirklich nicht allein lassen. Er ist immer für uns da wenn wir Hilfe brauchen.“, gestand sie. „Alles gut. Ich kümmere mich um das Dämonenproblem, während good old Vergil sich um das Nero-Problem kümmert!“ „Wirklich? Ich möchte euch nicht zur Last fallen, obwohl ich das schon getan habe...“, sprach sie nachdenklich. Sie hatte ohne Nero's Wissen angerufen, da sie wusste wie stolz dieser sein konnte. Zu stolz für sein eigenes Wohl. Trotz seines Zustandes wollte er sich um den Auftrag kümmern, kam aber keine zwei Schritte weiter ohne einen Schwindelanfall zu bekommen und sich übergeben zu wollen. Sie konnte ihn, wenn auch nur mit Mühe, überreden im Bett zu bleiben. Anstatt den Auftrag wie geplant abzusagen, rief sie kurzentschlossen seine Verwandten an. Nero so krank und geschwächt zu sehen hatte sie erschrocken, weswegen sie hoffte das die Zwillinge eine Antwort haben konnten. Nico kannte sich zwar mit Dämonen aus, aber sie erholte sich noch, da die Kinder sie ebenfalls angesteckt hatten. Sie wusste das Nico sich sofort in die Recherchen stürzen würde, wenn sie darum bat, aber sie wollte ihr die nötige Ruhe geben. Wer wusste schon wann wieder ein Auftrag reinkommen würde, der weiter weg war und sie und Nero zu einer langen Reise verpflichten würde?
Vergil schnaubte verärgert über Dante's Formulierung, war aber mit dem Plan einverstanden. Bevor Kyrie seine Haltung missinterpretieren konnte, legte er vorsichtig eine Hand auf die andere Schulter der zierlichen Frau, was sie beruhigte. „Mein Bruder mag vorlaut sein, aber ich stimme zu. Ich werde Wache halten und für seine Sicherheit sorgen, während du deinen Pflichten nachgehst.“, versprach er ihr und unterbrach den Körperkontakt sofort wieder. „Vielen Dank!“ Kyrie's ehrliches und dankbares Lächeln ließ sogar die Anspannung des Alphas und Omega's für einen Moment schmelzen.
Kurze Zeit später brach Dante auf und auch Kyrie und die Kinder verließen das Haus. Den Jungs war Nero's Abwesenheit aufgefallen, aber Kyrie hatte ihnen gesagt das er noch Müde sei. Sie schienen es zu akzeptieren, auch wenn Julio einen Seitenblick zu seinem Opa warf, der ihm nur mit neutralen Blick zunickte.
Allein in der Küche, atmete Vergil tief durch und sah zu dem Dämon der im Schlaf leicht sabberte. Wenigstens ein Teil von Nero schien gerade zufrieden und sicher, weswegen er entschloss nach dem anderen Part zu sehen. Er ließ die Yamato, die er die ganze Zeit noch in der Hand gehalten hatte, in einem blauen Funkenregen verschwinden und nahm die Treppe zu den oberen Räumen des Hauses.
Geräuschlos öffnete er die Tür. Das Zimmer war abgedunkelt, aber das störte den Dämon nicht, der in der Dunkelheit genauso gut sah wie bei Tag. Beim Öffnen der Tür drang der Geruch nach Schweiß und das Geräusch eines angestrengten Atem zu ihm. Ohne Zeit zu verlieren teleportierte er sich an Nero's Seite und beugte sich über dessen erschöpften Körper. Eine kurze Untersuchung später bestätigte sich alles was Kyrie ihm erzählt hatte. Seine Temperatur war erhöht, die Nase lief und das Rasseln während des Atmens deutete auf einen wunden Hals. Das Gesicht seines Sohnes war selbst im Schlaf angespannt und deutete auf Erschöpfung hin. Vergil bemerkte erst das Nero langsam aufwachte, als sie sich direkt in die Augen sahen.
„D..dad?! Vergil??“, murmelte Nero erschrocken. Die Augenlider waren halb geöffnet und er sah zur großen Gestalt seines Vaters, die über ihm gebeugt war. Er hatte schon allerlei Scheiß geträumt, aber das passte nicht dazu. Was machte sein Vater hier? War er im Devil May Cry gewesen? Er erinnerte sich nicht. Oder träumte er noch? Er spürte das Kribbeln seiner Nase und er war nicht schnell genug um sich den Mund zu bedecken. Er nieste laut, wobei Speichel und Schleim flog. Direkt auf Vergils Gesicht.
Erschrocken weitete er die Augen, richtete sich auf, nur um mit einem Schwindel bestraft zu werden. Bevor er unsanft zurückfiel, hatte Vergil ihn aufgefangen, erntete als Dank ein weiteres Hustenfeuerwerk. Als Nero's Hals zur Ruhe kam sah er zu seinem Vater, der ruhig eines der Tücher aus der Taschentuchbox zog und sich das Gesicht abwischte. Danach reichte er Nero ein Tuch, der es räuspernd annahm. Die ganze Situation war für ihn surreal und ein wenig beschämend. Vergil war aus irgendeinem Grund hier und er hatte nichts anderes getan als ihm ins Gesicht zu rotzen. Das war peinlich! Damals hatte er die Kinder beneidet, die von ihren Eltern liebevoll gesund gepflegt wurden. Jetzt verfluchte er sich für seine Dummheit und würde sich lieber eine Kugel von Blue Rose fangen. Krank sein war scheiße!
Er war dennoch beeindruckt das sein Vater ihn nicht gleich aus der Existenz schnitt, sondern es gelassen nahm. Für jemanden der das ein oder andere mal mit dem Blut und der Eingeweide seiner Gegner vollgespritzt wurde, war das wohl eher eine Kleinigkeit. Trotzdem fand er es ekelig und wäre viel lieber mit Dämonenblut vollgespritzt, als damit. Er bewunderte Kyrie dafür wie gelassen sie stets blieb, wenn die Kinder krank wurden und jede Öffnung ihres Körpers der Meinung war alles rauszulassen was in ihnen steckte!
Zu Nero's Überraschung beugte sich der ältere Mann nach vorn und begann damit an seinem Hals zu riechen. Wenn er nicht so erschöpft wäre, dann würde er nach ihm schlagen, aber so blieb im nichts Anderes übrig als liegen zu bleiben und sie seltsamen Angewohnheiten seines Vaters zu ertragen. „Was soll das?“, fragte er, als Vergil nach einer gefühlten Ewigkeit sich wieder aufrichtete. Das war hier die große Frage, oder? Was machte sein Vater hier im gemeinsamen Schlafzimmer von ihm und Kyrie? Er war froh das seine Freundin, im Gegensatz zu ihm, immer sehr ordentlich war. Jegliche Unterwäsche und andere Dinge, bei denen man nicht möchte das der eigene Vater sie zu Gesicht bekam, waren sicher verstaut und vor neugierigen Blicken geschützt.
„Ich habe nur geprüft. Besser wäre Blut, aber du bist zu schwach, weswegen das nicht klug wäre.“ Nero wollte protestierten. Er war nicht schwach! Ein Niesen unterbrach seinen aufkeimenden Protest, weswegen er sich fürs Erste geschlagen gab und eine andere Frage stellte. „Was überprüfen?“ „Ob du im Sterben liegst.“ „Was?!“, rief Nero, bereute es sofort, da er erneut einen Hustenanfall bekam. „Dein Zustand. Er ist nicht gesund.“ „No shit sherlock.“, murmelte Nero und putzte sich mit einem Taschentuch das ihm sein Vater erneut reichte die Nase. Dieser ließ sich von der hitzigen Antwort nicht beirren. „Du schwitzt mehr als gewöhnlich, hast Schwindel und Auswürfe.“ „Natürlich. Ich bin ja auch krank. Sag bloß einer von euch beiden hatte noch nie eine Grippe?!“ Sein Vater, der Scheißkerl der er war, schüttelte den Kopf. „Nein. Weder Dante noch ich waren jemals krank. Wir sind immun gegen menschliche Krankheiten.“ „Ihr glücklichen...“, murmelte Nero. „Du hast Kenntnis über diese missliche Lage?“ „Naja, ich habe Kinder hier und Kyrie. Sie sind ganz normale Menschen, du verstehst?“ Vergil nickte langsam, während Nero das Gefühl hatte das seine Kopfschmerzen wiederkamen. „Ich vermute deine Abwehrkraft wurde durch die Teilung in Mensch und Dämon geschwächt.“ Nero rieb sich die Schläfen und murmelte abwesend eine Zustimmung, da es auch für ihn Sinn ergab. Er schielte zur Seite und erkannte seinen Dämon, der herzhaft in seinem Deckenkokon gähnte und sich an die Brust seines Vaters schmiegte. Die provisorische Kindertrage wirkte auf ihn ungewohnt häuslich, auf der anderen Seite bei einem großen und starken Mann seines Vaters auch ein wenig absurd.
„Welche Heilung nutzen Menschen für diese Schwäche?“, wollte sein Vater wissen und Nero wünschte sich er hätte genug Energie um den Älteren zu treten. Nero hasste es Schwach genannt zu werden, aber in diesem Moment konnte er seinen Protest nur durch ein missmutiges Schnauben ausdrücken. „Wohin muss ich für eine Heilung gehen?“, fragte Vergil weiter und Nero sah zu ihm. Der Blick seines Vaters war ernst wie immer, aber Nero glaubte Sorge zu sehen. Sein Ärger milderte sich und er fühlte eine wohlige Wärme bei dem Gedanken das Vergil vielleicht nur hier war weil er sich um ihn sorgte. Er wollte zwar niemanden Sorge bereiten, da er der Meinung war das er alt und stark genug war, aber das Waisenkind in ihm sonnte sich unter der Aufmerksamkeit die ihm sein Vater schenkte.
„Serum, was?“ Nero hustete hinter vorgehaltener Hand. „Ich denke das Suppe wohl dazu zählt.“ „Suppe..“ Vergil schien nicht überzeugt, aber Nero hatte genug kranke Kinder gepflegt um zu wissen das Suppe für den Anfang nicht schlecht war. „Ja. Wir müssen im Vorratsschrank noch was als Notfall haben. Wenn du mir ein Serum holen willst, dann kannst du mir ja eine Tütensuppe warm machen.“ Nero verlangte nicht wirklich das der Mann ihm etwas kochte, aber wenn er schon so litt, wollte er wenigstens seine Stimmung ein wenig aufhellen und seinen sonst so ruhigen Vater ein wenig verarschen. Zu seiner Überraschung erntete er ein Nicken. „Einverstanden. Ich werde diese Tütensuppe, wie du es nennst, dir bringen.“ „Was??“
Vergil erhob sich und begann damit die Decken von sich zu nehmen. Die provisorische Trage zerfiel in mehrere Decken und Vergil legte das dämonische Gegenstück neben sein menschliches. Die Decken warf er über beide Nero's und begann damit diese eng an sie zu stecken, sodass sie in einem warmen Kokon gehüllt waren. Der Jüngere seufzte zufrieden wieder einen warmen Körper neben sich zu spüren, während der Ältere ihn verständnislos ansah. „Warum?“ „Für die Heilung ist ein gutes Nest unabdingbar und Körperwärme förderlich. Die Möglichkeiten sind begrenzt, aber es sollte erstmals genügen.“ „Hey!“, protestierte Nero schwach. Er mochte das Schlafzimmer und war zufrieden. Das es dem Standard seines dämonischen Elternteils nicht genügte war nicht sein Problem, aber er konnte dem Teil mit der Körperwärme zustimmen. Sein Dämon war angenehm warm und er fühlte das die Nähe ihn beruhigte. Das Kind war auch zufrieden. Müde öffnete er die Augen und sah zum Älteren auf, nur um im nächsten Moment zu gähnen und sich an seine Seite zu kuscheln. Es war ungewohnt friedlich, weswegen Nero es akzeptieren konnte und hoffte das er das Kind während eines Hustenanfalls nicht verletzte oder weckte. Wobei er glaubte das die Lautstärke weniger das Problem sein würde. Sein kindliches Ich musste sicher abgehärtet sein. Er teilte sich immerhin ein Zimmer mit den Zwillingen und er hatte Dante schlafen gehört. Der Mann konnte schnarchen wie ein Sägewerk!
Vergil verließ das Zimmer und ging in die Küche, um die Suppe zu finden. Er fand viele Lebensmittel, aber keine Suppe. Erst beim erneuten durchsuchen fiel ihm eine kleine Packung in die Hände. „Tassensuppe.“, las er vor und musterte die Packung von allen Seiten. „Ein Wort anders als Tütensuppe...“, sinnierte Vergil und las den Text auf der Beschreibung. Er runzelte die Stirn. Das sollte wirklich Suppe sein? Er entnahm dem Inhalt das es sich um ein lösliches Pulver handelte, welches er mit kochendem Wasser auflösen sollte und es am Ende eine Gemüsesuppe ergeben sollte. Verwirrt nahm Vergil eine Tasse aus dem Regal und musterte sie von allen Seiten. Er konnte sich nicht vorstellen das eine ganze Gemüsesuppe in solch ein winziges Gefäß passen sollte. Je nach Gemüse und Schnittart musste es für eine gute Portion seiner Meinung nach eine Schüssel sein.
Da er Nero nicht warten lassen wollte beschloss er den Worten seines Sohnes zu vertrauen und bereitete die Suppe streng nach Anweisung zu. Am Ende begutachtete Vergil das Ergebnis mit verschränkten Armen und angespannten Lippen. Er glaubte das es sich hier um einen Fehler handelte. Vor ihm stand eine Tasse mit der besagten Suppe, die jedoch mit dem Bild auf der Verpackung nur wenig gemein hatte. Anstatt Gemüse, schwammen in der Tasse kleine, unförmige Stücke, die er beim besten Willen nicht als Karotten oder Sellerie identifizieren konnte. Die Farbe der Flüssigkeit stimmte aber überein und der Geruch war nicht tödlich.
Zweifelnd nahm Vergil die dampfende Tasse und begann an der Flüssigkeit zu riechen. Ein würziger Geruch stieg ihm in die Nase. Fast ein bisschen zu würzig, aber der Geruch kam dem einer Suppe seiner Meinung nach Nahe. Er musste sich eingestehen das seine Einschätzung nicht gerade perfekt war, da er das letzte Mal solch eine Speise in seiner Kindheit hatte, aber er war überzeugt das er sich so sehr nicht irren konnte.
Ob dies Nero wirklich heilen würde? Falls etwas mit dem Gebräu nicht stimmte, konnte er es hier und jetzt noch aus der Welt tilgen. Entschlossen zuerst selbst zu testen, führte er die Tasse an seine Lippen. Der Geruch stieg ihm in die Nase und wurde penetranter und würziger, je länger er es einatmete. Er beschloss es schnell zu machen und trank einen Schluck, nur um im nächsten Moment das Gesicht zu verziehen. Im ersten Moment war es in Ordnung, dann aber breitete sich ein unangenehm würziger und vor allem salziger Geschmack in seinem Mundraum aus. Er empfand es als abstoßend. Da er Kyrie's Küche nicht beschmutzen wollte und sich weigerte wie ein Narr in den Garten zu spucken, schluckte er widerwillig das was er im Mund hatte runter. Angewidert verzog er das Gesicht und kippte den Rest der Suppe kurzentschlossen in den Abfluss. Das war nicht akzeptabel, vor allem nicht als Mahlzeit für sein krankes Nestling! Selbst Gesund würde das doch niemand freiwillig essen wollen. Es war viel zu salzig und schmeckte kaum nach Gemüse. Er konnte die genaue Geschmacksrichtung nicht einmal benennen.
Mit der leeren Tasse in der Hand dachte er darüber nach woher er nun eine Suppe für Nero bekam. Sein Blick landete bei einem Korb, in dem Kartoffeln und ein Blumenkohl lagen. „Hmpf! Wie immer muss man sich selbst darum kümmern, wenn man etwas will!“ Zu dieser Einsicht gekommen, schüttelte Vergil den Kopf und stellte die Tasse zur Seite. Er hätte dieser 'Suppe' von Anfang an nicht vertrauen sollen. Sein Sohn schien wohl zu sehr im Delirium gewesen zu sein, das er von Suppen in Tüten sprach. Er wusste das es nicht selten vorkam das Kranke im Wahn sprechen konnten. Dies musste einer dieser Momente gewesen sein. Sein Blick ging zu einem Brett das an der Wand befestigt war. Neben einer Topfpflanze standen dort Bücher. Er erkannte eines als Kyrie's persönliches Rezeptbuch, da er sie darin schon ein paar mal blättern gesehen hatte.
Bevor er sich das Buch nahm, zog er seine Handschuhe aus, faltete sie ordentlich zusammen und schob sie in eine der Innentaschen des Mantels. Diesen zog er aus und legte ihn über eine Stuhllehne. Mit dem Zeigefinger lockerte er den Kragen seiner Weste und atmete einmal tief durch. Bereit für seine Mission, griff er nach dem Buch und setzte sich an den Tisch um darin nach dem Rezept zu suchen. Er erkannte die feine und ordentliche Handschrift der Frau. Nachdem er ein paar Texte überflogen hatte, erkannte er das sie nicht nur ordentlich Schreiben, sondern auch sehr präzise Beschreibungen formulieren konnte. Das Buch war eine Schatzkiste für jeden, der nicht so bewandert im Kochen war, weswegen Vergil glaubte das dieses Buch nicht primär für sie war, sondern sie es für die Mitglieder dieses Haushaltes verfasst hatte. Wenn Nero's Talent dem vom Dante und seinem eigenen ähnelte, existierte dieses Buch aus gutem Grund.
Er mochte den Schreibstil dieser Frau. Sie war sehr aufmerksam und detailliert, ohne sich in überflüssigen Details zu verlieren. Während des Lesens kam ihm ein Bild einer blonden Frau in den Sinn. Mit zwei Kindern stand sie vor einem großen Topf und hatte in der Hand ein altes, noch von Hand gebundenes Buch. Sie war gut gelaunt und gab ihren eifrigen Helfern Schritt für Schritt Anweisungen, die sich darum stritten wer nun dran war etwas in den Topf zu werfen.
Vergil stoppte mit dem Lesen und sah auf. Nachdenklich schloss er die Augen und konzentrierte sich auf diese Erinnerung. Er hatte mit Dante um jede Kleinigkeit gestritten, aber neben dem Streit erinnerte er sich daran das er oft mit ihr in der Küche war. Meist waren die Strafen ihrer Mutter für schlechtes Verhalten Arbeit in Garten oder Haushalt, aber abseits der Strafen war er öfter in der Küche und beobachtete seine Mutter beim Kochen. Er musste sich an dieses Gefühl erinnern und eine seltene Zufriedenheit überkam ihm. Ja, er mochte es sehr mit seiner Mutter zu kochen. Sie mussten nicht so viel Essen wie sie, doch sie machte sich täglich die Arbeit um mehr als genug für die ganze Familie zu kochen, damit am Ende alle zusammen am Tisch gemeinsam Essen konnten. Das Essen seiner Mutter war köstlich. Reichhaltig und ein Versprechen von Zuneigung.
Vergil sah auf das Rezept was vor ihm lag: Eine Gemüsesuppe. Nach kurzem überfliegen des Textes, erkannte er das ihre Erklärungen einfach zu folgen waren. Am Rand stand sogar der Hinweis das bei kranken Personen eine mildere Variante besser sei, da zu viele Gewürze den Körper unnötig belasteten.
Motiviert begann Vergil nach Kyrie's Anweisungen die Suppe zu kochen. Er wusch das Gemüse und in Sekunden hatte er einen Berg mit geschnittenen Zutaten vor sich auf der Arbeitsplatte liegen. Neben den Kartoffeln und dem Blumenkohl, hatte er in der Vorratskammer noch Karotten, Lauch und Sellerie gefunden. Die Petersilie pflückte er von einem Topf, der neben anderen selbst angebauten Gewürzen auf der Fensterbank stand. Dank der Beschreibung brauchte Vergil nicht lange und ein angenehmer Geruch erfüllte die Küche.
Nero lag eine Weile reglos neben seinem Dämon und starrte nachdenklich an die Decke. Die Körperwärme des Kindes fühlte sich gut an und ein leises atmen drang an seine Ohren. Vorsichtig, um das Kind nicht zu wecken, rollte er sich auf die Seite und musterte sein kleines Selbst. Wären nicht die dämonischen Merkmale, konnte man ihm mit einem gewöhnlichen Kind verwechseln. Da er immer etwas anderes zu tun hatte und sein Dämon meist ziemlich aktiv war, hatte er kaum die Möglichkeit ihn ausgiebig zu beobachten. Im Moment konnte er das Bett eh nicht verlassen, selbst wenn er wollte. So blieb ihm nichts Anderes übrig auf Vergil zu warten und dabei zu hoffen das nichts schief ging. Aus diesem Grund konnte er auch seine Langeweile vertreiben und sich die Zeit nehmen das kleine Wesen neben sich zu studieren. Im Schlaf wirkte er anders. Friedlich, unschuldig und ruhig. Wie jedes gewöhnliche menschliche Baby.
Bei diesem Gedanken fragte sich Nero ob sein Dämon überhaupt ein Baby war. Vielleicht ein Kleinkind oder doch ein Kind? Er wusste nicht wie das Alter bei Dämonen klassifiziert wurde. Zwar hatte der Dämon vor ihm die Größe eines Vorschulkindes oder eines Kindes das gerade die erste Klasse besuchte, aber geistig wirkte er jünger. Außerdem war sich Nero nicht sicher ob die Größe ein geeigneter Maßstab war. Das Kind ging den Zwillingen bis zur Hüfte, wobei sein Vater und Onkel in ihrer menschlichen Gestalt unfair groß waren. In ihrem Trigger war der Größenunterschied noch deutlicher. Wenn das Kind dort an einen der beiden hing, hatte es die Wirkung als würde ein Elternteil sein Baby halten.
Er konnte ohne Probleme laufen, rennen und sogar klettern. Er verstand es wenn man ihn Ansprach. Seine Sprache allerdings schien Verbesserungswürdig zu sein. Er sprach wohl dämonisch, aber die Zwillinge reagierten bei seinen Äußerungen eher wie Eltern, die von ihrem Kind angesprochen wurden, dessen Sprache noch sehr undeutlich war. Nero wusste das Sprechen unter Dämonen nicht das Selbe bedeutete wie unter Menschen. Die Sprache der Dämonen umfasste neben Worten auch Gesten und Laute. Manches davon ersetzte sogar das gesprochene Wort. Das Dämonenkind machte viele Laute. Er trällerte, schnaufte, schrie, kreischte, schnurrte und vieles mehr für das Nero nicht einmal eine Bezeichnung hatte. Ob instinktiv oder angelernt, 'sprach' er mit vielen Gesten zu den Zwillingen, die alle verstanden wurden. Diese Gesten zeigte er teilweise auch gegenüber den Menschen, die er kannte.
In welchem Alter der junge Dämon sich genau befand würde er wohl nicht so schnell herausfinden können. Eines wusste er aber, nämlich das er ein Nestling war. So nannten es die Zwillinge und Nico. Das sagte ihm aber nicht viel, da Dante ihn auch schon ab und an so genannt hatte, auch wenn es eher bei spielerischen Auseinandersetzungen war oder wenn der alte Mann ihn ärgern wollte. Trotzdem gab es Momente in denen die Zwillinge versucht hatten ihn in ihr Nest zu ziehen. Setzte er sich neben den ruhenden Dämonen, konnte es vorkommen das ein roter Flügel oder ein blauer Schwanz an ihm zog und er sich im nächsten Moment zwischen zwei massiven und warmen Körpern befand. Er hatte auch bemerkt das Dante ihn manchmal anschnaufte. Sogar bevor die ganze Sache mit Urizen und Vergil passiert war. Ebenfalls war ihm Vergil's Blick aufgefallen, der ihm folgte. Anfangs hielt er es für das obsessive Verhalten seines Vaters und die anfängliche Neuheit für ihn das er tatsächlich einen Sohn hatte. Erst viel später als die Trennung von Mensch und Dämon passierte, bemerkte er das Vergil sein Verhalten nicht änderte und auch den kleinen Dämon immer im Blick behielt. Er erkannte langsam das dieses Verhalten nicht zwanghaft war, sondern es dem ähnelte was er tat, wenn die Jungs im selben Raum waren: Ein elterlicher Blick. Die Gewissheit haben zu wollen das alle in Sicherheit waren und keine unmittelbare Gefahr drohte. Bedeutete es das die Zwillinge ihn tatsächlich als eine Art Nestling sahen? „Das ist unmöglich.“, murmelte er. Schließlich war er kein Kind mehr, sondern ein erwachsener Mann.
Seltsamer, dämonischer Kram, dachte er sich und schloss müde die Augen. Der Gedanke umsorgt zu werden fühlte sich gut an. Peinlich, aber trotzdem gut. Als er die Augen leicht öffnete, begegnete ihm ein goldener Blick. Der kleine Dämon war aufgewacht und starrte ihm direkt in die Augen. Der Starrwettbewerb endete damit das Nero blinzeln musste, da seine Augen anfingen zu jucken. Das Kind grinste, wobei ein Reißzahn an der Seite aufblitzte. „Ja, ja. Du hast gewonnen.“, gab Nero zu und zog seine Nase hoch. Der Jüngere gurrte und rieb mit seinen Hörnern an Nero's Kinn. Er verstand die Aufforderung und kam dieser nach. Erst war er etwas unbeholfen, da er so etwas noch nie gemacht hatte, aber dann wurde er mutiger und kratzte dem Kind die Hörner. Ihre Oberfläche fühlte sich weich an. Das Schnurren und zufriedene Seufzen sagte ihm das er seinen Job wohl richtig machte. „Du bist schon ein wenig verwöhnt, hm?“, murmelte Nero und legte sein Kinn gegen den weißen Haarschopf, unterbrach aber nicht das Kratzen.
Der kleine Körper presste sich gegen ihn und war angenehm warm und weich. Nero hatte das Gefühl das die Nähe wirklich gut tat. Der Druck auf seinen Lungen war ein wenig abgeebbt und der Husten milde. Das Kratzen im Hals war immer noch da, aber nicht so störend. Er fühlte sich Allgemein etwas leichter. Hatte Vergil das damit gemeint, als er über Körperwärme sprach? Das Dämonenkind produzierte davon jedenfalls mehr als genug. Am Rande bemerkte er wie sich etwas wie eine Decke um ihn legte. Während das Kind mit seinen Fäusten sich in Nero's Oberteil krallte, umarmte er ihn mit den Spektralschwingen. Das durchsichtige Blau erhellte das abgedunkelte Zimmer, aber nicht genug um Kopfschmerzen zu verursachen. Es war angenehm sanft, weswegen er die Nähe zuließ und den kleineren Körper ebenfalls mit den Armen umschloss, sodass zwischen ihnen kein Platz mehr frei war.
Nero hatte nicht gedacht das er in diesem Bett jemals mit einer anderen Person als Kyrie so eng kuscheln würde. Vor allem nicht mit seinem Dämon, aber er musste zugeben das es sich gut und vertraut anfühlte. Er wusste wie bedürftig das Kind nach Nähe war und Nero war niemand der einem Kind das verwehren wollte. „Mhm.. ich frage mich ob Vergil von der Instantsuppe besiegt wurde...“, murmelte Nero gegen die weißen Haare des Kindes. Müde und eingenommen von der Wärme ihrer Körper schloss er die Augen. Die Suppe war vergessen und er driftete in einen angenehmen Schlaf. Kurze Zeit später war das Zimmer still und nur zwei gleichmäßige Atmungen waren zu hören.
Vergil war mit dem Kochen fertig und probierte die Suppe. Er war zufrieden mit dem Ergebnis. Der Geschmack erinnerte eher an Gemüsesuppe als das was er vorher probieren musste. Zwar zweifelte er die Wirksamkeit einer Suppe ohne Blut an, aber er wollte den Schriften Kyrie's vertrauen, in der Blut nicht als Zutat gelistet wurde. Er füllte eine Schüssel und stellte diese zusammen mit Besteck auf ein Tablett. Anstatt die Treppen zu nehmen, teleportierte er sich direkt vor die Tür des Schlafzimmers und öffnete diese. Geräuschlos ging er mit der Suppe zum Bett und sah seine Söhne, die sich im Schlaf aneinander klammerten. Der Atem des Älteren hörte sich seiner Meinung nach gesünder an, wenn auch noch leicht verstopft.
Leise stellte Vergil das Tablett auf den Nachtschrank und begann erneut an seinem Sohn zu riechen. Er roch besser und seine Gesichtszüge waren entspannt. Zufrieden wollte er sich entfernen, hörte aber dann ein leises Wimmern des Älteren. Überrascht das dieser im Schlaf seine Nähe verlangte erhob sich Vergil, was das Wimmern verstärkte. Prüfend ging sein Blick durch den Raum und als er eine freie Ecke fand, die durch den Kleiderschrank geschützt war entschloss er sich den Wunsch seines Sohnes zu erfüllen. Ohne einen der beiden zu wecken schafft er die Kissen und Decken in die Ecke und baute ein Nest. Er selbst war nicht überzeugt von dem Material, aber für Nero würde er es nutzen. Die Gerüche und das Zimmer waren für ihn vertraut und bedeuteten Heimat und Sicherheit. Vergil würde das respektieren. Er triggerte und trug seine Söhne ins Nest, nahm die Suppenschüssel und legte sich dazu.
Vergil schnaufte dem älteren Nero durchs Haar und legte seine Hand an dessen Hinterkopf um diesen zu stützen. Er wachte gerade genug auf um seine Umgebung zu fühlen. Es war warm, weich und fühlte sich sicher an. Ohne die Augen zu öffnen kuschelte sich Nero in die Wärme, die sich von beiden Seiten wie eine Decke um ihn schmiegte. Er bemerkte wie ihm etwas an die Lippen gelegt wurde und ohne darüber nachzudenken öffnete er seinen Lippen einen Spalt. Eine warme, milde und köstliche Flüssigkeit erfüllte seinen Mundraum und er begann instinktiv zu Schlucken. Er genoss die reichhaltige Flüssigkeit und fühlte wie sein Hals sich beruhigte und die Wärme sich in seinem Magen ausbreitete. Schlucken, kauen, schlucken. Nero wollte mehr davon, egal woher es kam. Auf diesem Wege ließ er sich von Vergil füttern bis die Schüssel leer war. Nur am Rande seines benebelten Geistes bemerkte er wie ihm das Gesicht gereinigt wurde, bis er wieder tiefer in den Schlaf driftete. Zufrieden rülpste er auf, schmatzte und gab sich dem Gefühl der Zufriedenheit hin.
Vergil stellte die Schüssel an die Seite und sah zu seinem jüngsten Kind, das griffige Bewegungen machte. Er wollte vom Essen nicht ausgeschlossen werden. Vergil legte seine Schwingen um beide und schob die Körper eng an sich, wobei er den Hals ein wenig streckte, damit das hungrige Kind trinken konnte. Als alle gefüttert und zufrieden waren, wachte er über die schlafenden Nestlinge und war sehr zufrieden.
Seine innere Zufriedenheit ging sogar so weit das er Dante nicht erstach, nachdem er nach erfolgreicher Mission zurückgekehrt war und grinsend zu ihm schaute. Er gewährte seinem dummen Bruder sogar einen Platz, was eher dem geschuldet war das der rote Dämon zusätzlicher Schutz, Wärme und Privatsphäre bedeutete. Dante ließ sich das auch nicht zweimal sagen und legte sich im Trigger dazu. Das die Spitze eines blauen Schwanzes sich anfangs immer wieder in seinen Rücken bohrte musste nur dem Zufall geschuldet sein!
Chapter 11: Valentinstag
Notes:
Ein hoffentlich flauschiges Valentinstag-Special ^o^
Hoffe ihr hattet alle einen schönen Tag gehabt. Ich habe meinem Partner eine Pizza in Herzform geschenkt, die es beim Lidl gab. Sie hat sich gefreut und ich war verwundert das man sowas dort kaufen konnte XD
Chapter Text
Müde legte Nero den Kopf auf die kühle Tischplatte und seufzte. Es war ein weißer Plastiktisch, den man überall im Walmarkt oder im nächsten Baumarkt kaufen konnte. Dazu saß er in einem passend dazu weißem Plastikgartenstuhl, der bei jeder Bewegung über den Steinboden ein scharrendes Geräusch von sich gab. Die perfekte Kleingartenidylle. Sein Blick wanderte von seinem Gegenüber, der konzentriert seiner eigenen Beschäftigung nachging, über die Gartenidylle. Da es Mitte Februar war und dementsprechend noch sehr kalt, waren die meisten Gärten noch trist. Dies galt aber nicht hier. Der Hinterhof des Devil May Cry, vorher eine Müllhalde, da Dante ihn selten benutzt hatte und nur seinen Müll dort gelagert hatte, war seit Vergil's Ankunft in ein Kleingartenparadies verwandelt worden. Wer hätte gedacht das ein Mann, der für zwei Apokalypsen verantwortlich war sich als ein Gartenliebhaber entpuppte? Sein Vater hatte sogar letzte Woche die Bodenplatten erneuert, was aber auch daran lag das sie zerbrochen waren. Dante war ein wenig übereifrig gewesen beim Spielen mit ihrem Nestling, was dazu führte das die Bodenplatten unter der Kraft zweier Dämonen beinahe pulverisiert wurden. Zu Dante's Glück wurden nur die Gehwegplatten sowie die Steinplatten des rund angelegten Sitzbereichs in der Mitte des Gartens, wo Vergil morgens seine Yoga- und Schwertübungen – auch wenn dieser Ersteres bestritt – machte und ansonsten die Sitzgelegenheiten standen, in Mitleidenschaft gezogen und nicht noch mehr. Nero war sich in dem Punkt sicher: hätte der alte Mann auch nur ein Kratzer auf einer der Pflanzen hinterlassen, hätte er das selbe Schicksal erlitten wie die Bodenplatten. Niemand legte sich ungestraft mit Vergil's Garten an. Die einzig grüne Oase mitten im tristen Gewerbegebiet, in dem das Devil May Cry lag. Anfangs wollte Nero anmerken das Gartenarbeit ein typisches Hobby für alte Männer und Rentner war, aber nein Danke. Er schätzte es am Leben zu sein! Zumal es neben den zerstörerischen Tendenzen seines Vaters eine willkommene Abwechslung war, wenn dieser einem normalen und für die Welt ungefährlicheren Freizeitbeschäftigung nachging. Nero musste ihm aber eines lassen: Der neue Bodenbelag sah gut aus. Anstatt gewöhnliches Weiß oder Grau hatte sich sein Vater diesmal für ein schwarzes Mosaik-Steinmuster entschieden. Er konnte nur erahnen wie teuer das gewesen sein musste, da Dante sich ständig beschwert hatte nur noch Tiefkühlpizza essen zu können. Da Dante's dämonischer Hintern die alten Platten zerstört hatte, stellte Vergil ihm die neuen selbstverständlich in Rechnung und zog die Kosten vom Haushaltsgeld ab, was er praktischerweise managte.
Apropos dämonisch: Der jüngste Dämon in der Gruppe machte es sich immer wieder zum Spaß ihn zu attackieren. Nero ignorierte so gut er es konnte das Ziehen und Beißen an seinem Bein. Bekam das Kind nicht die gewünschte Aufmerksamkeit, rannte es wieder zu Dante, der halb getriggert im Gras lag und sich streckte, nur um diesen anzugreifen. Nach einem kurzen spielerischem Gerangel rannte er dann wieder zurück zur seiner menschlichen Hälfte und attackierte erneut dessen Beine um ihn ebenfalls zum Spielen aufzufordern. Nero stöhnte und blieb sitzen, während Vergil immer wieder mal mit seinem Schwanz nach dem Kind geschlagen hatte, was diesen erfreut aufschreien ließ. Er fing immer wieder an das schuppige Glied zu jagen, zu beißen, nur um danach davon abzulassen und zu seinem nächsten Opfer zu rennen. Der junge Dämon war vollkommen im Jagd und Spielmodus. Als er erneut von Nero losließ und zu Dante rennen wollte, blieb er kurz neben einem Busch stehen, der in voller Blüte stand. Die Blüten öffneten sich und Nero glaubte kleine Zähne an den Rändern zu entdecken, die ähnlich aussahen wie bei einer Venusfalle. Das Kind sah zu den Blüten, öffnete den Mund und fauchte leise wie ein Kitten das gerade lernte sich zu verteidigen, was dafür sorgte das sich die Blüten wieder schlossen als wäre nichts gewesen. Zufrieden damit rannte das Kind weiter und nahm diesen Vorfall für selbstverständlich hin, während Nero im Gedanken sich vornahm diesen Busch nicht näher zu kommen als nötig. Die meisten der Pflanzen blühte sowieso nur, da sie dämonischen Ursprungs waren und immun waren gegen das Winterwetter.
Nero's Blick galt wieder seinem Vater, der ihm gegenüber saß. Bis auf seinem Schwanz, dessen Ende immer wieder konzentriert zuckte, in menschlicher Gestalt. Mit einer Pinzette in der einen Hand und einer kleinen Schere in der anderen, war sein Blick auf einen Bonsai fokussiert, der vor ihm auf dem Tisch stand. Während Dante mit seinem jüngsten Neffen durch das Gras rollte, sie hatten allem Anschein nach einen Ringkampf am Laufen, setzte Vergil zu einem Schnitt an. Er war dabei so konzentriert wie ein Arzt, der gerade eine lebensrettende Operation durchführte.
Neben ihm lag ein geöffnetes Buch, welches Nero kannte, da er es seinem Vater vor wenigen Wochen zu Weihnachten geschenkt hatte. Es war ein Buch über Bonsai-Pflege. Ihm kam die Idee zu diesem Geschenk als er Dante hörte wie er seinen Bruder auslachte, da er bereits drei Bonsai verloren hatte, weil er zu viel abgeschnitten hatte. Zu Dante's Verteidigung musste Nero anmerken das er nicht so unrecht hatte, denn sie sahen so aus als hätte sein Vater einmal zu viel mit seinem Judgement-Cut experimentiert. Dieser war darüber verärgert und sah den Tod der Pflanzen als persönliche Enttäuschung. Für Nero war es ein Wink des Himmels, da er davor nicht gewusst hatte was er seinem Vater zum Fest schenken sollte. Er wusste das Vergil Bücher mochte, insbesondere Poesie, aber er kannte sich selbst zu wenig darin aus, noch wusste er welche Bücher sein Vater bereits besaß. Dante war im Gegensatz zu seinem Bruder offen mit seinen Vorlieben. Er wusste genau was er ihm schenken konnte, aber Vergil war durch seine verschlossene Art eine Herausforderung gewesen. Für sein erstes Weihnachtsfest mit seiner Geburtsfamilie wollte er sich besonders viel Mühe geben und seinem Vater nicht irgendwas schenken. Ihn direkt zu Fragen was er wollte war auch keine Option, da er die Überraschung nicht verderben wollte.
Dank Kyrie, die ihm den Tipp gab mit dem Buch, hatte er das perfekte Geschenk. Er dachte erst das ein Buch über Bonsai als erstes Geschenk ein wenig lächerlich war, besonders da sein Vater ihm etwas sehr persönliches schenkte, womit er nie gerechnet hatte. Mit Hilfe von Nico, hatte er ihm einen nahezu unzerstörbaren Devil-Breaker geschenkt. Dafür hatte er sich von ein paar Schuppen seiner Teufelsgestalt getrennt, die schnell nachwuchsen. Nero fand sofort Gefallen an dem Geschenk und ein großer Pluspunkt war neben der Funktion blaue Laserstrahlen zu schießen, das Aussehen. Es sah aus wie ein Drachenkopf! Wirklich cool! Das ließ Nero noch mehr an seinem Geschenk zweifeln, was sich am Ende aber als unbegründet herausstellte. Das Buch wurde ausgiebig genutzt und geschätzt. Gerade jetzt lag es aufgeschlagen zwischen ihnen auf dem Tisch und Nero konnte durchsichtige Post-Its erkennen, die an der Seite herausragten.
Der Gedanke an das Weihnachtsfest ließ ihn schmunzeln. Es verlief anders als er erwartet hatte. Was genau er am Ende erwartet hatte, wusste er auch nicht. Er hatte mit Drama gerechnet, vielleicht mit einem Kampf oder sogar Blut. Wer wusste das schon? Die Nachkommen Sparda's hatten nicht gerade das Gütesiegel einer gesunden Familiendynamik. Auf jeden Fall war das Fest chaotisch. Während er dabei war mit den Zwillingen einen passenden Baum auszusuchen, musste er zwischen den Brüdern Vermittler spielen, da sie sonst in ihrem Streit den besten Baum zu finden den ganzen Wald gefällt hätten. Kyrie hingegen machte zum Fest eine doppelte Portion seines Lieblingsdesserts: Ein Schokoladenkuchen mit flüssiger Füllung. Nero konnte immer viel und gut Essen, besonders wenn es um Schokolade ging. Er liebte sie und Kyrie's Schokoladenkuchen mit flüssigem Kern war einfach himmlisch! Die Liebe zur Schokolade war etwas, was er mit seinem Vater teilte, was er eines Tages festgestellt hatte, als dieser Dante beinahe zerteilt hätte, weil er ihm den letzten Schokoladenpudding geklaut hatte. Aus diesem Grund hatte Kyrie darauf geachtet besonders viel zu machen, da sie wollte das beide Männer genug hatten. Niemand hatte aber mit dem jüngeren Nero gerechnet, der in einem unbeaufsichtigten Moment das Dessert als seine persönliche Beute ansah! Normalerweise wurde er von Vergil direkt mit seinem Blut gefüttert oder bekam in seltenen Fällen sein eigenes Essen vorgesetzt. Nico hatte einmal erklärt das Dämonenkinder in den ersten Jahren, was für Dämonen die Jahrtausende alt werden können auch immer dies für eine Zeitspanne war, fast ausschließlich von den Eltern ernährt wurden, während Menschenkinder meist schon in den ersten beiden Lebensjahren damit anfingen selbstständig zu Essen. Da sich das Dämonenkind bis jetzt auch immer an den Zwillingen hing, vor allem Vergil, hatte niemand mit diesem Vorfall gerechnet...
Vergil war gerade in den Gassen Fortuna's unterwegs und Dante wollte mit Nico Schusswaffen testen, weswegen sich Kyrie gern und freiwillig als Babysitter angeboten hatte, da sie den kleinen Nero genauso in ihr Herz geschlossen hatte wie den großen. Der Große hatte sich dann ebenfalls angeboten, da er seiner Freundin nicht alles alleine aufbürden wollte. Aus diesem Grund konnten sie auch niemanden als sich selbst dafür Verantwortlich machen. Der Städtetrip seines Vaters dauerte nicht einmal eine Stunde, aber in dieser kurzen Zeit hatte er es geschafft seinen Betreuern für einen kurzen Moment zu entwischen und fast den ganzen Nachtisch zu erwischen. Nicht einmal Carlo brauchte so viel Aufsicht und er war manchmal ein wandelndes Chaos! Im Glauben das beide Kinder friedlich auf der Spielinsel zusammen spielten, was sie zuvor getan hatten, hatte Nero Kyrie geholfen die Wäsche von der Leine zu nehmen und diese ins Schlafzimmer zu tragen. Es waren keine 5 Minuten, aber als sie in das Wohnzimmer kamen war nur noch ein Kind da. Nach kurzer Suche wurden sie fündig und fanden den kleinen Dämon zufrieden mit dem Rücken auf den Tisch liegend. Eine Hand war auf dessen Bauch gelegt, in der anderen noch Reste vom Dessert. Sein Gesicht, seine Haare und teilweise sein halber Körper war bedeckt mit Schokolade und er Lächelte als sei er in ein friedliches Süßigkeitenkoma gefallen. Während Nero nicht wusste was er davon halten sollte, war Kyrie gefangen zwischen Besorgnis und Lachen. Von zwei Kuchen blieben nur noch zwei kleine Portionen übrig. Zum Glück der anderen Hausbewohner fand das Dämonenkind die anderen Desserts weniger Ansprechend. In jedem war eine Bissspur zu erkennen, da das Kind natürlich alles probieren wollte, aber das war es auch schon gewesen. Um den schokoladigen Nachtisch war es aber geschehen. Ein Umstand der Dante lange und ausgiebig lachen ließ, als er gemeinsam mit Nico und seinem Bruder durch die Tür kam und ihnen von dem Vorfall berichtet wurde. Nero hatte die Aufgabe übernommen gehabt das Kind zu waschen, was sich als sehr herausfordernd herausstellte. Er musste erkennen das ein vollgefressener Dämon trotzdem noch genug Energie hatte um sich zu wehren und ein Chaos zu hinterlassen. Das Badezimmer sah aus wie nach einer Flutkatastrophe und beide Nero's waren am Ende komplett nass.
Kyrie hatte sich schuldbewusst bei den Zwillingen, vor allem bei Vergil, entschuldigt. Sie hatte sich Vorwürfe gemacht nicht gut genug aufgepasst zu haben, aber beide Brüder nahmen es gelassen hin. Vergil war weder verärgert noch in irgendeiner Form besonders aufgebracht. Er hatte sich sogar bei Kyrie erkundigt ob mit ihr alles in Ordnung war, da sie sich so viel Mühe mit den Desserts gemacht habe und nun alles auf einen Schlag weg war. Da keiner von beiden Groll verspürte, wurde der ganze Vorfall beiseite geschoben und die festliche Stimmung blieb ungetrübt.
Die Kinder hatten ihren Spaß und als der Abend kam erlaubte Dante ihnen Lichterketten um seine Hörner zu wickeln, was urkomisch aussah. Kyrie und Vergil hatten sich mit einer Tasse Glühwein über ein Buch unterhalten. Dabei fand Nero heraus das Kyrie's Bücherfreund, mit dem sie fast regelmäßig wöchentlich einmal telefonierte und sich austauschte niemand geringeres als sein eigener Vater war! Da Lesen nicht zu Nero's bevorzugten Hobbys gehörte, hatte er davon nichts mitbekommen. Er dachte sie sei in einer Art Buchclub, was nichts ungewöhnliches war. Nero war kein eifersüchtiger Mensch und wusste das Kyrie treu war, weswegen er sich nie etwas dabei dachte, wenn sie am Wochenende mit jemanden sich über ein Buch austauschte. Die Meisten auf der Insel waren ihr gegenüber zwar nett und zuvorkommend, aber sie konnte mit ihnen nur wenig anfangen. Mehr als höfliche Gelegenheitsgespräche gab es nie. Selbst wenn sie im Waisenhaus aushalf, blieben die Gespräche mit den Erzieherinnen eher oberflächlich. Aus diesem Grund war Nero froh das sie jemanden gefunden hatte, mit dem sie gerne sprach und sich austauschen konnte. Nico war eine sehr gute Freundin von ihr, aber ihre Hobbies waren nicht wirklich die Selben. Das ausgerechnet zwei Persönlichkeiten wie Kyrie und Vergil sich verstanden, schien für Nero ein Wunder zu sein. Nico hatte im Scherz gemeint das der Hochzeit und der Familienplanung jetzt nichts mehr im Wege stehen würde, da Kyrie 'Daddy's Zustimmung' hatte.
Nico, Nero und Dante kippten zusammen ein paar Gläschen, während sie sich über Waffen unterhielten. Die Kinder spielten miteinander und als der junge Nero nachdem jeder alle Geschenke ausgepackt hatte einmal in jede leere Kiste sprang – auch in die in der er nicht reinpasste – hatte Kyle kurzerhand ein Parkour mit allen Geschenkverpackungen gebastelt. Am Ende hatte sich der kleine Dämon, nachdem der Parkour ordentlich bespielt und von allen 4 Kindern dabei ziemlich plattgetreten wurde, zu Carlo gesetzt. Das Kleinkind begann damit seinem Freund die Geschenkschleifen in das lange weiße Haar zu befestigen, sodass er am Ende mindestens 20 verschiedene Schleifen trug. Voller Stolz darüber leckte er über Carlo's Gesicht und verpasste ihm das äquivalent einer freundschaftlichen dämonischen Katzenwäsche.
Alles in allem würde der ältere Nero dieses Weihnachtsfest wohl lange nicht vergessen. Kyrie war irgendwann ins Bett gegangen, da sie während des Gesprächs mit Vergil so viel Glühwein hatte das sie schläfrig wurde. Nero, der irgendwann merkte wie spät es wurde, wollte die Kinder ins Bett bringen, sah sie aber im ersten Moment nicht und war kurz erschrocken. Erst beim genaueren Hinsehen entdeckte er sie. Vergil, der irgendwann in der Nacht nachdem Kyrie schlafen gegangen war etwas Abstand vom Trubel gesucht hatte, da er von Dante ins Saufgelage mit reingezogen wurde, lag in seiner dämonischen Form auf dem Teppich zwischen Baum und Kamin. Er war so ruhig gewesen, das er sich perfekt eingefügt hatte in die Umgebung. Das Nero nicht einmal mehr ein großer blauer Dämon fehl am Platz vorkam, ließ ihn sein Leben und seine Trinkgewohnheiten überdenken. Sein Vater war aber nicht allein um die Wärme des Kamin's und die Ruhe zu genießen, die nur von der leisen Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern durchbrochen wurde. Kyle, Julio und Carlo hatten sich irgendwann ihrem Opa angeschlossen. Zuerst kletterten sie auf ihn und hatten ausgelassen gespielt, waren aber im Laufe der Nacht immer müder geworden. Nun lag Vergil wie eine Katzenmutter auf dem Teppich, während an seiner Seite Julio und Kyle gelehnt schliefen. Sie wurden teilweise mit einem Flügel bedeckt. Die eigene Dämonenbrut lag mit Carlo in dessen Armen. Sie wurden von Vergil's Kopf verdeckt und kuschelten sich in dessen Halsbeuge.
Nero, der erleichtert war das die Kinder nicht sonst wo waren, atmete erleichtert aus. Er nahm sich vor sich ebenfalls auszuruhen, da der ganze Alkohol ihn ermüdet und später wenn die Zwillinge schlafen gehen wollten die Kinder ins Bett zu bringen. Aus diesem Vorsatz wurde nichts. Als Nero zwei Stunden später zurück ins Wohnzimmer kam, lag Nico quer über dem Sofa und schnarchte. Dante hatte sich im getriggerten Zustand zu seinem Bruder gelegt und die Kinder zwischen ihren Körpern vergraben. Nero hatte den Zwillingen angeboten über Nacht zu bleiben und wollte ihnen ein Zimmer zur Verfügung stellen, bemerkte aber nun das es wohl nicht nötig sei. Sie sahen so aus als hätten sie es bequem und waren zufrieden. Da er niemanden wecken wollte, ließ er die Kinder wo sie waren. Ihnen würde nichts passieren. Sie waren wohl im Moment am sichersten Ort der Welt.
Alles in Allem waren die Feiertage großartig gewesen, bis auf den Kater danach vielleicht.
~*~
Dies löste aber nicht Nero's aktuelles Problem, was ihn zum Festland geführt hatte, genauer gesagt in den Hinterhof des Devil May Cry. Weihnachten war vorbei, Geburtstage noch in weiter Ferne, trotzdem steckte er in einem Dilemma wegen der Besorgung eines Geschenks! Es war Valentinstag! Vor der Öffnung Fortuna's gegenüber der Außenwelt war Valentinstag kein Thema gewesen. Es gab ein Tag für die Liebenden, aber er wurde nicht so ausschweifend beworben oder gefeiert. Es war eher ein ruhiger Tag gewesen. Vor allem hätte Nero damals nie, vor allem nicht als Credo noch lebte, es gewagt Kyrie so offen seine Gefühle zu zeigen! Die Kette damals war schon außerhalb der Norm und er konnte nur damit durchkommen, weil es ein besonderes Geburtstagsgeschenk war. Neben ihrem Geburtstag durfte sie zum ersten Mal die Andacht singen. Ein zweifach besonderer Tag! Er war auch nicht auf die Idee gekommen in diesem Jahr zum ersten Mal Valentinstag zu feiern. Nur der Zufall hat ihn dazu geführt. Eigentlich war Nero nicht der Leser von Haushaltsmagazinen, aber da er auf Nico wartete, hatte er sich eines genommen, das in der Küche auf dem Tisch lag. Gelangweilt blätterte er sich durch Reinigungs- und Schönheitstipps, bis er zu der Rubrik für Rezepte ankam. Dort war eine Seite markiert, was nur Kyrie sein konnte, da sie die Einzige war die diese Magazine las. Er glaubte erst es handelte sich um ein gewöhnliches Rezept, bis er die Seite aufschlug und vor ihm eine doppelseitige Anleitung war, für nichts geringeres als eine Anleitung für Schokoladenpralinen! Als Überschrift ein reißerischer Slogan. 'Für die gemeinsame Freude an Valentinstag. Liebe geht durch den Magen!' Mit hochrotem Kopf legte er das Magazin zur Seite. Mit dem Wissen das Kyrie definitiv etwas geplant hatte, dann auch noch so ein aufwendiges Rezept, konnte er nicht so tun als hätte er nichts gesehen. Er wollte etwas für sie tun! Kochen fiel aus so vielen Gründen flach! Nicht nur das Kyrie darin viel besser war, sondern weil Nero's Kochtalent sich auf schnelle und einfache Mahlzeiten beschränkte. In seinem Beruf war er viel unterwegs und anstatt ein reichhaltiges Essen wurde es am Ende eine Dosensuppe oder ähnliches. Viel mehr als Fertigessen hatte die Kochnische an Nico's Van nie gesehen. Das ausgefallenste war vielleicht, wenn sein Vater sich mal dazu herabließ sie auf einer Mission zu begleiten und das Kochfeld benutzte um Teewasser zu erhitzen. Selbiges galt damals auch für V. Nico konnte beim besten Willen nicht kochen! Das war der Grund warum sie so glücklich war das Kyrie sie in den Haushalt aufgenommen hatte und für sie eine Portion mitkochte.
Aus Mangel an Ideen war er zu den Zwillingen gegangen um Inspiration zu bekommen. Erst im Nachhinein bemerkte er das die Idee ziemlich dumm war. Dante kratzte sich müde am Bauch und gähnte dabei, als er sich in seine menschliche Gestalt verwandelte. Sein kleiner Dämon jagte mit mäßigem Erfolg Schmetterlinge. Als er einen gefangen hatte, rannte er stolz mit der Beute in der Hand zu seinem Vater, der mit dem Beschneiden des Bonsai fertig war. Dieser sah sogar in Ordnung aus. Jedenfalls war das Meiste noch dran! Vergil nahm das Geschenk seines Sohnes an und legte die Leiche als Dekoration an den Stamm des Bonsai. Der kleine Dämon quiekte freudig, als er auf den Schoß gehoben wurde und ihm dankbar die Hörner gekrault wurden.
Dante, der sich ein Bier geholt hatte, setzte sich in den letzten verbliebenen Gartenstuhl und nahm einen tiefen Schluck. „Also Valentinstag, huh?“ Bei dem Anblick des kalten Getränks musste Nero instinktiv mehr in seinen dicken Wintermantel kuscheln. Es waren, wenn es hoch kam, gerade mal knapp über 0°C und Dante saß mit einem kalten Bier, gekleidet in dünner Jeans und einem ärmellosen Shirt ihm gegenüber. Sein Bruder trug wenigstens noch einen Rollkragenpullover und eine lange Leinenhose, wenn auch der Stoff seiner Kleidung eher zur frühlingshaften Temperaturen passte. Sein dämonisches Ebenbild war sogar komplett nackt! Niemand von ihnen schien sich von den eisigen Temperaturen groß stören zu lassen. Nero war dankbar über seinen dicken Pullover und dem warmen, knielangen Wintermantel mit weichem Innenfutter! Er nickte Dante zu, der grinste. „Also willst du deinem Mädchen einen unvergesslichen Tag bereiten. Sei nicht wie dein Vater und hab immer Schutz bei dir!“ Nero errötete, während Vergil die Augen verengte. „Sei nicht so vulgär!“ „Komm schon, Verge! Sie sind jung!“ Nero beschloss dazwischen zu gehen, bevor eine weitere Leiche an einen Baumstamm gehängt wurde. „Du weißt was Valentinstag ist?“, fragte er seinen Vater und sah ihn direkt an, was Dante laut loslachen ließ. Innerlich trat sich Nero für diese dumme Frage, war aber ehrlich daran interessiert ob sein Vater genug Menschenverstand hatte um diesen Tag zu verstehen. Zwar fühlte er sich ein wenig schlecht wegen diesem Vorwurf, musste aber einsehen das die Gedankengänge seines Vaters manchmal ziemlich absurde Wege gingen.
Vergil räusperte sich verärgert und wollte die Arme vor der Brust verschränken um seiner Verärgerung mehr Ausdruck zu verleihen. Da er ein Kind auf dem Schoß hat, war das aber nicht möglich, weswegen er die Arme um dessen Taille legte und nur der peitschende Schwanz seinen Missmut zeigte. Er mochte es nicht das sein Wissen in Frage gestellt wurde, aber vor allem fühlte er sich von Dante's Lachen beleidigt, weswegen er ihm ein Spektralschwert zwischen die Augen rammte. Ohne auf dessen Schmerz zu achten hob er leicht das Kinn an und sah zu seinem älteren Sohn. „Natürlich bin ich mir bewusst was dieser Tag bedeutet. Ich bin kein Narr, Junge!“, antwortete er mit fester Stimme, was Nero ein wenig zusammenzucken ließ. „Von je her war es wichtig Beziehungen zu pflegen, unter anderen mit Gaben. Neue Bündnisse zu schließen, die Familienbande zu stärken, bereits bestehende Bindungen zu pflegen oder seinem auserwählten Gefährten den Hof zu machen und dabei die eigenen Absichten kundzutun ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens.“ Nero hob eine Augenbraue, während Vergil ihn Belehrte und begann damit sein Gesicht in die Hände zu legen. Dante versuchte nicht zu lachen, war aber schlecht darin sein Zittern zu verbergen. Natürlich würde sein Bruder die ganze Sache ein wenig zu ernst nehmen, auch wenn er es ihm nicht verübeln konnte. Dante musste feststellen das Valentinstag so wie es ihre Eltern ihnen damals vorgelebt hatte, nicht das war, was die breite Gesellschaft von diesem Tag erwartete. „Mutter hat immer sehr viel Schokolade gemacht, auch welche mit Erdbeerstückchen!“, versuchte der rote Dämon die Stimmung ein wenig zu lockern. Der kleine Dämon horchte bei dem Wort Schokolade auf und sah mit großen Augen zu ihm. Er öffnete den Mund, legte den Kopf schief und deutete mit seinem Finger auf den geöffneten Mund. „Ah?“ Das Kind hatte seit dem Weihnachtsfest nicht nur gelernt wie diese Leckerei schmeckte, sondern auch wie man sie benannte. Nur verstand er nicht, weswegen es keine Schokolade gab, wenn darüber geredet wurde. Mit fragenden Blick sah er in die Runde. Dante nahm das Kind auf seinen Schoß und kitzelte es durch, sodass es am Ende lachend um sich schlug. „Du bist wie dein alter Herr! Der hat mir als unschuldiges Kind immer das gute Zeug weggefuttert! Ihr seid wie Tiere!“ „Ich verbitte mir diesen geschmacklosen Vergleich! Außerdem warst du es, der sich voller Theatralik auf den Boden warf, wenn Mutter verboten hatte zwischen den Mahlzeiten zu naschen!“ „Waaaas?! Gar nicht wahr!“ „Doch wahr!“ „Nein!“ „Ahhh!“, unterbrach der kleine Nero den aufkommenden Streit, nun beide Zeigefinger auf seinen offenen Mund gerichtet um den eklatanten Mangel an verfügbaren Dessert zu unterstreichen! Vergil und Dante, die ihre Köpfe gegeneinander gepresst hatten um ihrer 'Argumentation' Nachdruck zu verleihen, hielten inne, setzten sich wieder aufrecht hin und richteten sich ihre Kleidung, als wäre nichts geschehen. Der ältere Nero stützte seinen Kopf mit der Hand ab und rollte mit den Augen. „Meine Fresse...“
„Ich schlage vor, anstatt dich wie ein Narr zu verhalten, solltest du dich um die Gaben für deine Freunde bemühen.“ „Was? Nein. So etwas machen wir nicht. Eigentlich auch niemand Anderes. Außer Mom und Dad, habe ich von niemanden gehört, der das macht.“ Nero sah interessiert auf und verfolgte das Gespräch. Vergil schnaubte. „Du behauptest also das weder Lady noch Trish etwas von dir erhalten? Du bist ein Narr, wenn du glaubst das meine Anwesenheit dich glauben lässt es zu verheimlichen.“ Gezüchtigt sah der jüngere Zwilling nach unten, aber bevor er etwas sagen konnte, sprach Vergil weiter und wählte die nächsten Worte nachdenklicher und weitaus weniger feindselig. „Ich akzeptiere sie als Teil unserer Verbindung, falls dies deine Sorge gewesen sein sollte.“ Dante sah überrascht auf. „Wirklich?“ Der ältere Bruder seufzte, wirkte etwas unbeholfen bei so viel plötzlicher Offenheit. Sie sprachen selten Dinge aus. Das gute alte Familienmotto 'Zur Not draufhauen', war wesentlich einfacher als dieses Gespräch. „Ich gebe zu, meine Vergangenheit mit ihnen ist bestenfalls steinig, aber die gegenseitige Akzeptanz ist vorhanden, weswegen ich sie durchaus als Teil unserer Gemeinschaft sehen kann.“ Nero schwieg eisern, war zu gebannt darauf zu erfahren in welche Richtung dieses Gespräch sich entwickelte. Er verstand nicht einmal genau wie sein Vater die Worte meinte, traute sich aber nicht nachzufragen, da er Sorge hatte das er damit das Gespräch beendete. Dante hingegen schien genau zu wissen was sein Bruder meinte und wirkte glücklicher als an jenem Tag, an dem er eine Familienpizza bei einem Dartspiel gewonnen hatte! Er umarmte seinen Bruder überschwänglich, aber in weiser Voraussicht ihn seitlich zu umarmen und nicht von hinten, damit sich Vergil darauf einstellen konnte, weswegen er diesmal für den Versuch nicht abgestochen wurde. Dennoch versteifte sich der ältere Bruder für einen Moment, unterbrach die Umarmung aber auch nicht, sondern tätschelte seinem jüngeren Bruder leicht gegen den Oberarm. Bevor es zu viel wurde, ließ Dante auch los, damit nicht doch noch Blut vergossen wurde. Er war happy und schaukelte den kleinen Nero auf seinen Schoß hin und her, während Vergil einfach nur sein Oberteil richtete. Der ältere Nero konnte mit der Unwissenheit nicht mehr umgehen und platzte direkt mit der drängendsten Frage heraus und sah seinen Onkel an. „Du datest Trish und Lady gleichzeitig?!“
Stille.
Beide Brüder sahen ihn an, als hätte er etwas besonders dummes gesagt. Nero zog sich etwas tiefer in den Stuhl zurück, als beide Augenpaare ihn anstarrten. Sein kleiner Dämon kicherte und hob einen Zeigefinger, schüttelte den Kopf und machte dabei ein Geräusch was sich anhörte wie eine Kreuzung aus enttäuschtem Seufzen und Zischen. Dies hatte er sich eindeutig von seinem Vater abgeschaut. Nero schnaubte. Nun wurde er sogar von einem Kleinkind verarscht! Dante fing an zu lachen und Vergil nahm seinen kleinen Sohn wieder zu sich in die Arme und strich über dessen Hörner. „Ahn~“, gurrte er glücklich und drückte sein Gesicht in Vergil's Pullover.
Zum Glück war sein Onkel so gnädig und erlöste ihn aus der peinlichen Situation. Würde Dante ihn damit in Zukunft ärgern? Mit Sicherheit! „Ich date keine der beiden.“ Nero runzelte die Stirn. „Aber..., was hat es dann mit den Geschenken auf sich?“ Dante seufzte und lehnte sich zurück. Er wirkte besonders nachdenklich, was nicht zu ihm passte. Nero war schon dabei die Sache auf sich beruhen zu lassen, aber Dante begann zu erklären. „In unserem Elternhaus wurde der Valentinstag nicht so gefeiert, wie es sonst üblich ist. Wie dein Vater vorhin etwas übertrieben erklärt hat: Dieser Tag ist vor allem dafür da um Bindungen einzugehen oder sie zu stärken. Anstatt das unsere Eltern sich gegenseitig beschenkten, gab es auch etwas für uns. Unser alter Mann hat sogar irgendwelchen Kram an Andere verschickt, die ich nicht kenne. Mom tat das Selbe.“ Sein Blick ging zu Vergil, der ebenfalls nachdenklich wirkte. Dante erinnerte sich noch schwach daran das ihr Vater viel Briefkontakt pflegte. Ob das alles Menschen waren oder es darunter auch Dämonen gab, was für ihn sehr wahrscheinlich war, wusste er nicht. Sparda war aber penibel darauf bedacht niemanden vor den Kopf zu stoßen und pflegte seine Beziehungen ausgiebig. Es wurden Gefallen ausgetauscht, Smalltalk geführt und vieles mehr. Der Dämonenlord hatte Vertraute, die er beschwören konnte, ähnlich wie V. Ein Postbote wäre mit Sicherheit bei all den Briefen und Schriftrollen überfordert gewesen, aber die Raben des Dämonenlords brachten alles an ihr Ziel. Schon früh hatte er seine Söhne über die Wichtigkeit von Bindungen und Pflege von Beziehungen aufgeklärt. Der damals noch junge Dante verstand nicht, wieso sich sein Vater so viel Mühe machte um mit Leuten zu sprechen, die nicht vor Ort waren. Für ihn wirkte dieser Aufwand nutzlos, ebenso wie das Lernen der richtigen Etikette. Sie lebten ziemlich abgeschottet, weswegen die einzige Person in seinem Alter, mit der er Kontakt hatte, sein eigener Zwilling war! Das er eines Tages einmal die kleine Welt des Sparda-Anwesens verlassen und eigene Bindungen eingehen würde, selbst wenn die eine Nacht niemals stattgefunden hätte, war einem jungen Dante niemals in den Sinn gekommen!
„Außerdem...!“, begann Dante und sah Nero an als sei er verrückt geworden. „Würde ich niemals daran denken auch nur einen Finger an sie zu legen. Kind, wie wahnsinnig bist du?!“ Nero schnaubte. Sein Onkel wirkte in seinen besten Tagen wie ein Schürzenjäger. Er hatte ihn kennengelernt, da trug er ein Outfit, was aussah wie das eines Cowboys, warf Rosen um sich und war um keinen billigen Spruch verlegen. Er war der Meinung das ihn niemand dafür verurteilen konnte zumindest daran gedacht zu haben das sein Onkel ein mehr als ausschweifendes Liebesleben haben könnte! Im Gegensatz zu seinem Vater war er schließlich unglaublich extrovertiert. Lady hatte ihm von ihrer ersten Begegnung mit Dante erzählt. Wie flirty er ihr gegenüber gewesen war und sich nie eine Party entgehen ließ. Es lag schon eine gewisse Komik darin das ausgerechnet der introvertierte Zwilling für Nachwuchs gesorgt hatte!
„Niemals! Neben vielen anderen Gründen, warum ich zum Beispiel nichts mit Trish am Laufen habe ist: Sie sieht aus wie deine Großmutter! Und Lady? Ihre erste Reaktion lag darin mich zu erschießen, obwohl ich sie gerettet hatte. Wir sind nur Geschäftspartner. Zwar haben wir schon viel Scheiße zusammen erlebt, aber wir waren uns immer einig das unsere Beziehung immer rein geschäftlich und freundschaftlich bleibt. Also Kind, es sieht so aus als wärst du die letzte Hoffnung dieser Familie!“ Nero öffnete den Mund, seine Ohren nahmen einen zarten Rotton an. Dante lachte und klopfte ihm auf die Schulter, während Vergil die ganze Zeit geschwiegen hatte und seinem Kind mit seinen schlanken Fingern immer wieder durchs Haar kämmte.
„Also wenn du etwas romantisches willst, dann schlage ich dir eine Pizza in Herzform vor. Die gibt es im Moment im Laden an der Ecke. Ich hätte soooo gern eine, aber dein herzloser Vater hat mir mein ganzes Geld weggenommen für irgendwelche fancy Steinplatten!“ „Es ist deine Schuld, wenn du deine Macht nicht zügeln kannst.“, schnaubte Vergil verächtlich, was seinen Bruder schmollen ließ. „Ich schlage ein intaktes Herz vor als Geschenk an deine Gefährtin. Diese Gabe ist sehr beliebt und je frischer das Herz ist, desto aufrichtiger ist deine Absicht!“ Nero verzog angewidert das Gesicht. „Danke, Dad. Ich verzichte. Kyrie mag kein Blut oder Innereien im Haus.“ „Hmm..., verstehe.“ Ein unausgesprochenes 'Wirklich?' lag in Nero's Blick. „Dann wird es notwendig sein etwas akzeptables zu besorgen.“ „Einkaufen!“, stimmte Dante seinem Bruder zu und jubelte, was der kleine Nero freudig nachahmte und mit den Flügeln schlug, auch wenn er keine Ahnung hatte worum es ging.
~*~
Wenig später standen die Söhne und Enkelsöhne Sparda's im örtlichen Einkaufszentrum. Die Reise mit der Yamato wäre gemütlicher gewesen, war aber laut dem älterem Nero zu Auffällig. Aus diesem Grund hatten sich drei Erwachsene und ein Kind auf Cavalliere gequetscht. Angekommen staunte Nero über den Andrang. Er war nicht der Einzige, der kurzfristig für den Valentinstag ein Geschenk suchte. Unter den Besuchern sah man besonders viele Paare und die Werbung war eindeutig auf das Event ausgerichtet. Filme, Musik und Plakate wiesen auf den Tag hin. Vergil verengte die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. Er fand die ganze Aufregung lächerlich und verabscheute Menschenmassen. Dante kratzte sich nur am Kopf nachdem er Cavalliere geparkt hatte und grinste schief. Er fragte sich ob sich der Spirituosen-Laden noch an ihn erinnerte, da die Verkäufer wussten das er nichts kaufen würde. Wenn nicht, plante er wieder vorbeizukommen, so zu tun als würde er etwas kaufen wollen, nur um von jeder Sorte eine Gratisprobe zu ergattern. Der jüngste in der Gruppe, der von seinem menschlichen Ich gehalten wurde, starrte mit großen Augen auf das riesige Gebäude.
Der kleine Dämon trug zum ersten Mal in seinem Leben Kleidung. Da sich alle einig waren das er nicht ohne eine Verkleidung nach draußen gehen konnte ohne eine Massenpanik zu verursachen, hatte Vergil kurzerhand ein Portal mit Yamato erschaffen und war fortgegangen. Nach wenigen Minuten kam er mit passender Kleidung zurück. Weder Nero noch Dante hinterfragten wie der älteste Zwilling an die Kleidung gekommen war. Es gab Dinge, die wollte man einfach nicht wissen. Für das eigene Wohl.
Das Kind trug, passend zum Winterwetter, einen weißen Ganzkörperoverall mit angenähter Kapuze. Zusätzlich hatte ihm Vergil eine schwarze Wollstrickmütze übergezogen, die der ältere Nero von früher kannte, da die Kinder heutzutage eher lose Mützen trugen, die leicht abfielen, wenn sie zu wild spielten. Die Mütze von dem jungen Nero war eine die komplett über den Kopf gezogen wurde, somit auch die Hörner und die spitzen Ohren bedeckte und nur für das Gesicht ein Fenster hatte. Trotz das dieses Kleidungsstück altmodisch war, konnte der ältere Nero den Gedanken dahinter erkennen. Durch ein Halstuch konnte Vergil ihm den Stoff bis unter die Nase ziehen, sodass genug dämonische Attribute versteckt waren, damit er als normales Kind durchgehen konnte. Sollte sich jemand über die Hautfarbe wundern, konnte man immer noch mit kindgerechter Gesichtsfarbe argumentieren. Dank der zusätzlichen Stoffschichten waren seine Ohren gut geschützt und somit war der Lärm für sein verbessertes Gehör nicht so schlimm. Gewöhnliche Menschen waren meist schon genervt von dem penetranten Lärm der aggressiven Werbungen, der ältere Nero wollte nicht wissen wie ein dämonisches Kleinkind darauf reagieren würde ohne ausreichend Lärmschutz. Um seine Krallen zu verdecken, hatte Vergil ihm Fäustlinge mit bunten Kindermotiven angezogen. Warm und sicher eingepackt, übergab Nero das Dämonenkind an Dante, der es in den Armen trug. Neugierig schmiegte sich das Kind an den älteren Dämon, schaute über dessen Schulter und beobachtete das aufgeregte Treiben.
Die Gruppe ging von Laden zu Laden, wobei Dante seinem Bruder einige absurde Artikel zeigte. Dieser begann an dem Sinn der Existenz der Menschheit zu zweifeln. Wozu brauchte man ein Kissen in Form einer Brust? Ein Taschentuchspender in Form eines Hundes, aus dem die Taschentücher aus dem Hintern kamen. Wenigstens fand ein quietschender Spielzeughammer aus Plastik einen Liebhaber. Dante wollte erst Vergil damit ärgern, aber Baby Nero mochte das Spielzeug und hatte es dem Älteren aus der Hand gerissen und schlug jetzt immer lachend gegen dessen Wange. Dabei war bei jedem Aufprall ein lautes und langgezogenes Quietschen zu hören. Vergil mochte dieses Geräusch nicht, aber er wirkte ziemlich selbstgefällig, da Dante's Pläne ihn zu nerven so spektakulär nach hinten losgegangen waren und er nun am Meisten litt. Sein Bruder hätte aber auch ahnen können, das dieses Kind Gefallen daran finden würde. Er spielte gerne mit seiner Rassel, irgendwelchen Glocken oder anderem Spielzeug was Laute von sich gab. Ihr Schlafzimmer und vor allem im Nest lagen einige Spielzeuge, die der kleine Dämon dort vergraben hatte. Es war ein natürlicher Instinkt alle Komfortgegenstände ins sichere und warme Nest zu tragen, weswegen sich Vergil nicht daran störte. Man musste nur Aufpassen beim Aufstehen nicht über eine Rassel, diverse Sauger, Beißspielzeuge für zahnende Kinder, Plüschwürfel, Bauklötze oder ähnliches zu stolpern.
Nach Stunden der Suche ließ sich Nero erschöpft auf eine Sitzbank fallen. Ein Blick zu den Zwillingen verriet ihm, das diese noch so Fit wie am Anfang wirkten. Er war zu fertig um sich über diese Ungerechtigkeit zu beschweren. Sie hatten ein Laden nach dem Anderen besucht, aber nichts schien passend zu sein. Dante verfolgte seinen jüngeren Neffen, der lachend um die Bank rannte. Als er sich seinem Griff entzog und unter die Sitzgelegenheit kroch, tat Dante so als würde er schmollen, da er zu Faul war um sich zu bücken. „Das ist unfair.“ Als Antwort ertönte unter der Bank ein helles Kichern.
Vergil setzte sich ebenfalls auf die Bank und schlug die Beine übereinander. Sein strenger Blick ließ die fremden Menschen zügig vorbeigehen. Trotzdem sahen dabei einige auf das weißhaarige Trio. Besonders die Frauen schienen angetan zu sein, aber es gab auch einige Männer, die besonders den Zwillingen bewundernde Blicke zuwarfen. Nero hatte das Gefühl ihre Zeit verschwendet zu haben. Zwar würden die Brüder sicher nicht viel an dem Tag geplant haben, aber eine Einkaufstour am Valentinstag stand sicher nicht auf ihrer To-Do-Liste. Entschuldigend sah er zu Boden und seufzte. „Ich weiß einfach nicht was ich ihr holen soll.“ Nero schüttelte den Kopf, während Vergil sich zurücklehnte und die Stimmungsschwankungen kaum registrierte und deswegen schwieg. „Ein Ring vielleicht? Ich habe ihr mal eine Kette geschenkt. Vielleicht Ohrringe? Ein Stein?“ Die Möglichkeiten schienen grenzenlos. „Nein.“, unterbrach Vergil seine Gedanken und Nero sah zu ihm. „Sie würde dies nicht zu Schätzen wissen. Deine Gefährtin gehört zu denen, die sich nicht durch bloße glänzende Dinge verführen lassen.“ Nero errötete leicht. „Ich will sie nicht verführen.“, murmelte er, wurde aber ignoriert als Vergil weitersprach. „Es wäre ratsam ihr etwas praktisches zu überreichen. Sie gehört zu denen, die Freude daran findet etwas zu erhalten was am Ende allen zu Gute kommt.“ Nachdenklich lehnte sich Nero zurück und Dante ließ sich neben ihm auf die Bank fallen. „Besorge ihr doch was das zu ihrem Hobby passt. Oder etwas Praktisches.“ „Was praktisches?“ Nero dachte über die Worte seines Onkels nach und erinnerte sich daran, das Kyrie vor wenigen Wochen in einem Magazin einen Reiskocher gesehen hat. Sie mochte die angepriesenen Funktionen und fand einen Vorteil darin Reis zubereiten zu können, ohne selbst darauf aufpassen zu müssen und sich um andere Dinge zu kümmern. Da kam Nero die Idee. „Ein Reiskocher!“ „Hm.“ „Jackpot!“
Ihr Weg führte sie zu den Haushaltsgeräten. Nero war froh endlich eine Idee für seine Freundin gefunden zu haben und beobachtete wie die Zwillinge mit dem kleinen Kind umgingen. Der junge Nero hatte jeweils die Hand von Dante und Vergil genommen und ließ sich immer wieder in die Luft heben. Sie wirkten wie eine gewöhnliche Familie. Nero beobachtete seinen Vater und fragte sich ob es jemanden gab, den er beschenken wollte. Auf der einen Seite glaubte er nicht daran, da dieser erst seit weniger als einem Jahr in der Menschenwelt war. Auf der anderen Seite war Vergil der einzige Zwilling mit einem Kind! Das bedeutete das dieser Mann weitaus weniger desinteressiert war an körperlichen Bindungen wie er zugab. Ob er bereits einen Blick auf jemanden geworfen hatte? Oder vielleicht sogar die Art von Typ war, der sich ewig an eine Person band? Dachte er vielleicht sogar ein paar Mal an die Frau, mit der er vor mehr als zwei Jahrzehnten das Bett geteilt hatte? Nero hatte versucht eine Bindung zu seinem Vater aufzubauen, hoffte dabei aber auch etwas über seine Mutter zu erfahren. Er könnte fragen, hatte aber zu viel Angst eine negative Antwort zu erhalten. Nero glaubte nicht mehr daran das Vergil die Art Vater war, der sich nicht für die eigene Familie interessierte. Seit er und seine dämonische Seite sich getrennt hatten, war Vergil bis jetzt nichts Anderes als ein sich kümmernder Elternteil. Dies führte auch dazu das der ältere Nero begann diesen Mann mehr als Vater und nicht als eine schlechte Person zu sehen, die ihn im Stich gelassen hat. Er verfiel öfter in alte Muster und sprach ihn genauso oft als Vater an wie mit seinem normalen Namen. Vergil wirkte davon aber nicht beleidigt, zumindest konnte Nero keinen Unterschied bemerken. Sein Vater war eine Person die gut genug wusste wie schwer es war alte Gewohnheiten abzulegen.
Angekommen im richtigen Laden blieben Dante und der jüngere Nero draußen, während der Ältere mit Vergil nach einem passenden Reiskocher Ausschau hielt. Der älteste Sohn Sparda's war konzentriert und gewissenhaft bei seiner Aufgabe und las jede Bedienungsanleitung und verglich die Daten, während Nero nach Größe und Farbe unterschied. Er sah auf, als er ein bekanntes lautes Lachen hörte und entdeckte Dante, der das Kind auf seine Schultern gesetzt hatte und sich im Kreis drehte. Das sie dabei angestarrt wurden, störte keinen von beiden. „Nero.“ Erschrocken drehte sich der Angesprochene um und sah direkt in zwei eisblaue Augen. Vergil hatte ihn ein paar Mal angesprochen, aber keine Reaktion erhalten. „Ah, Sorry. War abgelenkt.“ Sein Vater sah zu Onkel und Neffe, sah dann wieder zum ältesten Sohn. „Soll ich dich auf die Schulter setzen?“ „Was?!“ Für einen Moment dachte er das Vergil das wirklich ernst meinte, aber als dieser nur süffisant eine Augenbraue hob, bemerkte Nero das er verarscht wurde. „Arschloch!“ „Diese Ausdrucksweise.“, murmelte Vergil und schüttelte den Kopf. Nero hatte das Gefühl das er wie ein Elternteil wirkte das gleich mit der Seife drohen würde. Zumindest hatte er die Broschüre des Reiskochers in der Hand zusammengerollt, als würde er gleich damit zuschlagen. Nero nutzte die familiäre Situation um seine brennendste Frage zu stellen. „Dad?“ „...?“ „Also, nur so...“, druckste Nero rum, kam aber direkt damit heraus, als er Vergil's fordernden Blick sah. „Schenkst du jemanden etwas?? Also einer Frau?“
Jetzt war es raus! Nero atmete tief ein und aus, traf den Blick seines Vaters, der ihn direkt ansah. Hatte er ihn kaputt gemacht? War die Frage vielleicht doch etwas zu speziell? Gut, kein Sohn wollte wissen ob sein alter Herr irgendwelche Frauen am Start hatte, aber trotzdem! Oder gehörte Vergil zu denen, die schweigen und genießen? Das würde passen! „Nein.“, riss eine einfache, einsilbige Antwort ihn aus seiner Gedankenspirale. „Hä? Ah.. achso. Okay.“, murmelte er kleinlaut und wollte es dabei belassen. Zu seinem Pech schien Vergil andere Pläne zu haben. Von allen Gesprächsthemen, die sein Vater einseitig beendet hatte, war ausgerechnet das eines bei dem er eine Folgefrage stellte?? „Warum fragst du mich das?“ Etwas verlegen kratzte Nero an seiner Wange. „Naja..., Lady und-“ „Nein.“ „Und Mom?“ Vergil runzelte die Stirn, sah dann zum Reiskocher vor ihm. Nero hatte das Gefühl richtig verkackt zu haben, aber anstatt mit Beowulf aus der Welt getreten zu werden, schien Vergil nachdenklicher geworden zu sein und nach den richtigen Worten zu suchen. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahm er wieder Blickkontakt auf. „Ich erinnere mich nicht an sie. Weder an ihr Aussehen, noch an unsere gemeinsame Zeit.“ Nero hatte mit dieser Antwort gerechnet, konnte dennoch nicht verhindern eine gewisse Enttäuschung zu verspüren. „Ich glaube, ich erinnere mich an ihre Stimme.“, fuhr Vergil fort, was Nero's Aufmerksamkeit erregte. Er ließ seinem Vater Zeit seine Antwort zu formulieren. Ein wenig unangenehm war es ihm schon das er das Thema ausgerechnet in einem Laden für Haushaltswaren angeschnitten hatte. Jetzt konnte er daran aber nichts mehr ändern und er hatte die Verantwortung zu tragen, da er schließlich das Gespräch begonnen hatte. „Sie schien Bücher zu mögen.“ „Das wundert mich nicht.“, antwortete Nero automatisch, was Vergil schnauben ließ. „Jedoch glaube ich nicht das sie noch unter uns weilt.“ Nero öffnete den Mund, schloss ihn dann aber wieder und starrte seinen Vater mit großen Augen an. Die Frage nach dem warum stand deutlich in seinem Gesicht geschrieben. So deutlich das selbst Vergil es verstand. Dieser hob langsam seine Hand, zögerte erst, legte diese dann aber an die Wange seines Sohnes. Der war überrascht, ließ es aber zu, da die Berührung nicht unwillkommen war. „Ich mag viele Fehler in der Vergangenheit gemacht haben, aber du bist keiner davon. Wenn es wirklich eine Person gab, der ich freiwillig für einen Moment die Macht über mich und meine Gefühle gewährt habe, dann war sie niemand, die unser Nestling einfach im Stich gelassen hätte.“ Nero sah seinen Vater mit großen Augen an und errötete. Überwältigt von den Gefühlen und einem Druck, den er hinter seinen Augen spürte, unterbrach er den Blickkontakt und sah zur Seite. „Danke...“, murmelte er mit brüchiger Stimme, was Vergil zum Glück nicht kommentierte.
Mit einem Reiskocher in der Hand und leicht geröteten Augenrändern verließ Nero den Laden. Vergil folgte ihm und sah zu dem kleinen Dämon, der wieder auf den Füßen war und zu seinem menschlichen Ich rannte. Für einen Moment starrte er ihn einfach nur an, sagte aber nichts. Nach wenigen Momenten unterbrach er den intensiven Blickkontakt und rannte zu seinem Vater und sprang in seine Arme, da er ihn vermisst hatte. Er wollte dabei seine Flügel öffnen, aber Nero's schneller Reaktion sei Dank, hatte niemand das blaue Aufblitzen bemerkt. Er hatte den kleinen Dämon in der Luft geschnappt und ihn in die wartenden Arme ihres Vaters geschoben. „Fuck! Das war knapp!“ „Fuuuuuc!“ Vergil starrte beide Nero's mit einem strengen Blick an, der dafür sorgte das sie sich ordentlich gezüchtigt fühlten und zu Boden schauten. Dante begann einfach nur lauthals zu lachen.
~*~
„Was für ein Tag.“, murmelte Dante erschöpft und lehnte sich zurück. „Ja.“, kam es von Vergil, der neben ihm saß. Beide beobachteten den Sternenhimmel vom begrünten Dach des Devil May Cry aus. Vergil griff nach einer Teetasse, die neben ihm stand und nippte daran. „Naja, wenigstens hat Kiddo sein Geschenk, was der jungen Dame hoffentlich gefallen wird.“ „So ist es. Kyrie berichtete mir das sie es sehr schätzte.“ „Echt? Nice!“
Kyrie hatte irgendwie erfahren das Nero sich Rat bei ihnen gesucht hatte, weswegen er eine Dankesnachricht von ihr erhalten hatte. Diese hätte er wie üblich erst viel später bemerkt, wenn sein Nestling nicht gewesen wäre und das kurze Aufleuchten des Telefons sein Interesse geweckt hatte. Er war motiviert genug das Gerät als Beute zu sehen und versuchte es zu fressen. Ein Doppelgänger später war Nero am Nacken gepackt in einer Hand und das Telefon in der anderen.
Die Zwillinge schwiegen und Dante kletterte durch das Fenster direkt in das Gebäude, nur um wenige Minuten später wieder mit etwas in seiner Hand zurückzukommen. Mit breitem Grinsen überreichte er ihm ein Geschenk. Vergil's Gesichtsausdruck wandelte sich von neutral in überrascht, was Dante natürlich lachend kommentierte. Schließlich passierte es nicht jeden Tag das er seinen stoischen Bruder eine solche Reaktion abringen konnte! Er hatte ihm relativ frisches Fleisch eines Dämons überreicht. Es blutete sogar noch teilweise! „Dante...“, begann der Beschenkte, aber der Dämonenjäger schüttelte den Kopf. „Nope! Das ist für dich! Als du mit dem Kind über die ganze Bindungsgeschichte gesprochen hast, die Dad uns damals erklärt hatte, wollte ich dir etwas geben. Schon alleine dafür, weil du die Ladies wirklich akzeptierst! Ich weiß das es nicht einfach ist für dich, darum wollte ich dir damit zeigen das ich echt dankbar bin.“ Erneut starrte Vergil seinen Bruder mit großen Augen an, nickte dann aber und nahm das Geschenk dankend an.
Anfangs hatte er sich schwergetan damit Trish zu akzeptieren, da sie die Kopie seiner Mutter war. Sie war Anwesend in den schlimmsten Momenten seines Lebens und teilweise für einige Misshandlungen mit verantwortlich. Weder sie noch er hatten es jemals zur Sprache gebracht, nachdem Vergil sich seinem Bruder anschloss. Er hatte aber akzeptiert das auch sie keine Wahl hatte und nur das Spielzeug eines blutrünstigen und verrückten Dämonenkaisers war. Hätte sie sich seinem Befehl entzogen, hätte er sie einfach weggeworfen und eine neue Kopie erschaffen. Für Mundus hatte kein anderes Leben außer dem eigenen einen Wert.
Zumal war Vergil nicht blind gegenüber der Tatsache das Trish und auch Lady all die Jahre an der Seite seines Bruders waren. Er vermutete das sie der Hauptgrund waren, wieso sich Dante seiner Depression nicht vollkommen hingab. Er respektierte das und empfand sogar Dankbarkeit, auch wenn er es nicht offen aussprechen würde. Wäre er ins Leben zurückgekehrt und hätte erfahren das Dante nicht mehr existieren würde, dann wüsste er nicht was er danach getan hätte. Womöglich die Welt komplett in Schutt und Asche verwandelt. Sein jüngerer Zwilling war ihm immer ein Dorn im Auge, nervend und anstrengend, aber gleichzeitig sein Grund hier zu sein. Diese Position teilte er sich nun mit seinem Sohn, von dessen Existenz er erst während des Kampfes mit Dante erfahren hatte.
„Ich weiß es kommt plötzlich und ich erwarte auch nicht das du mir etwas zurückgibst! Trotzdem solltest du es essen. Das Blut versaut sonst noch den ganzen Boden und diesmal ist es nicht meine Schuld!“ Vergil's Mundwinkel zuckten. „Dummer kleiner Bruder.“ „Was? Wieso jetzt wieder?“ Vergil schnaubte, legte das Fleisch vorsichtig zur Seite und griff nach einer verschlossenen Dose, die neben dem Teeservice lag. Er reichte diese seinem Bruder, der erst verwirrt zu der rechteckigen, undurchsichtigen Dose, dann zu Vergil sah. Er wies an es zu öffnen und Dante kam dem nach. Neugierig öffnete er die Dose und ihm kam ein köstlicher und vertrauter Geruch entgegen. Es war so anregend, das er begann leicht zu sabbern und sein Magen anfing zu knurren. „Wer ist jetzt das Tier?“, konterte Vergil belustigt, aber Dante war zu überwältigt als das er auf den Köder ansprang. „Ist... ist es das was ich denke?“ Vergil nickte und sein Bruder drückte die Tupperdose an seine Brust als wäre darin ein besonders wertvoller Schatz. Streng genommen war es das auch für ihn. Glücklich sah er zum Inhalt. Es war eine Pizza! Sie hatte keine besondere Form, trotzdem war sie etwas ganz besonderes, da sie von seinem Bruder selbst gemacht wurde und zwar auf Art und Weise! Die Dose hatte vorher den Geruch gut verdeckt, aber jetzt wo der Deckel entfernt war konnte Dante den Geruch seines Zwillings darin klar und deutlich riechen. Er hatte in dem Rezept ein wenig von seinem eigenen Blut mit eingearbeitet, was dem Teig eine etwas dunklere Farbe als gewöhnlich gab. Für Dämonen war Blut so wertvoll wie Gold für Menschen. Wenn nicht sogar noch wertvoller. Das ausgerechnet sein Bruder ein Teil seines Blutes und somit etwas Energie mit ihm teilte. Noch vor Jahrzehnten hätte er über solche Dinge das Gesicht verzogen, aber seitdem Vergil und vor allem der kleine Nero bei ihm lebten, hatte er gelernt seine dämonischen Instinkte anzunehmen und zu akzeptieren. Damals hatte er Angst das seine dämonische Seite Überhand nehmen würde und seine menschliche Seite unterdrücken würde. Mit der Erfahrung das nicht alle Dämonen rücksichtslose Monster waren und das einige Menschen schlimmer sein konnten als jedes Vorurteil das es gegenüber Dämonen gab, fing er an seine Meinung zu überdenken. Jetzt mit seiner Familie an seiner Seite fühlte er sich endlich komplett. „Danke, Verge...“
Vergil nickte und gemeinsam aßen sie ihre Geschenke. Nero rannte aufgeregt mit vollem Mund zu ihnen und spuckte ihnen einen toten Vogel vor die Füße. „Aww, hat da jemand fette Beute gemacht?“, gurrte Dante neckend. „Ist das für uns?“, fragte Vergil und bekam ein eifriges Nicken als Antwort. „Scheint wohl so das die nächste Generation das mit dem Bindungskram auch verstanden hat. Dad wäre stolz!“ Vergil nickte und nahm seinen Sohn in die Arme und legte seine Stirn an dessen. „Mom wäre erst ausgerastet, wenn jemand die schönen Vögel im Garten killt, aber am Ende wäre sie sicher genauso stolz.“ „Hmm...“, stimmte Vergil zu und beide verfielen in zufriedenes Schweigen. „Ich möchte mich mehr an sie erinnern.“, gab er zu, was Dante dazu brachte näher an seinen Bruder zu rücken. „Mach dich nicht so fertig. Eines Tages wirst du dich wieder an alles erinnern.“ Vergil schwieg und strich nachdenklich seinen Zeigefinger mit dem Blut des Dämonenfleisches ein und reichte ihm seinen Sohn, der keine Zeit verschwendete und das Blut ableckte.
„Wir können solange neue Erinnerungen schaffen.“, bemerkte Dante und piekte das Kind immer wieder mit der Fingerspitze gegen seine runde, weiche Wange, als dieses ihn mit seinen großen, runden Augen anstarrte. „Ich meine, wir sind nicht mehr allein! Wir haben Freunde – ja auch du! - und Familie! Ich habe einen Neffen, naja genaugenommen zwei! Und du hast zwei Söhne. Uns geht es gut.“, erklärte er enthusiastisch und kitzelte gegen die Wange des Kindes. Nero biss beim nächsten Mal in seinen Finger, was Dante kurz zucken ließ und ein leises „Shit!“ nach sich zog.
Vergil beobachtete seinen Sohn, der triumphierend grinste und spürte etwas, was er lange für verloren geglaubt hatte. Es war Hoffnung. Hoffnung und Frieden. Nach langer Zeit hatte er ein Zuhause gefunden und war bereit zu bleiben. Er konnte seinen Bruder als zu optimistisch beschimpfen, da die Söhne Sparda's selten eine Ruhepause hatten, aber erkannte die Wahrheit in dessen Worten. Er wollte ihnen glauben, weswegen er seine Anspannung fallen ließ und zum Himmel aufsah.
„Ich stimme dir zu. Wir kreieren neue Erinnerungen.“
„Yep! Wir haben mehr als genug Zeit!“
„Ja.“
„Shit~“

mywifeVergil on Chapter 1 Wed 13 Nov 2024 02:17AM UTC
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Miyara on Chapter 1 Sun 17 Nov 2024 12:05AM UTC
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