Work Text:
„Und Moony stand einfach nur da und hat fassungslos - naja, was heißt fassungslos - viel eher, … erstaunt, ja erstaunt, gen Himmel geschaut, als würde er das dunkle Mal zum aller ersten Mal sehen. Diese … diese Faszination in seinen Augen war einfach nur gruselig …“, beendete Sirius seinen Bericht und strich sich nervös die Haare hinters Ohr. Ihm gefiel es absolut nicht, den anderen davon zu erzählen - er wollte nichtmal diesen Gedanken haben.
Aber er war da und stand mitten im Raum. Sie verdächtigten Remus. Er soll der Verräter sein.
„Und du bist dir auch wirklich sicher?“, fragte Alice zögernd nach und zog misstrauisch eine Augenbraue hoch.
„Ja … leider ja.“
Wieder senkte sich Stille über die Gruppe.
James stand irgendwann auf und durchquerte das Wohnzimmer, einmal, zweimal und schließlich so lange, bis Peter das aussprach, was jeder dachte: „Remus hat sich in den letzten Tagen und Wochen generell ziemlich komisch verhalten.“
„Komischer als sonst?“, warf da Markus ein, verstummte aber recht schnell, als Nathalie ihm den Ellbogen leicht in die Rippen stieß.
„Er distanziert sich.“, überlegte Frank laut. „Ist schlichtweg abwesend und beunruhigend still.“
„Nicht zu vergessen, die ganzen Reisen.“, erwiderte die Blonde, ihr Bruder nickte zustimmend und rieb sich noch immer die schmerzende Stelle.
„Aber die wurden doch von Dumbledore organisiert.“, widersprach Lily leise.
„Auch der größte Zauberer aller Zeiten kann sich mal irren.“, meinte Daisy trocken. Ihre blauen Augen blitzten dabei leicht auf.
„Also, ich muss mich da Lily anschließen.“, ergriff Alice das Wort und stand auf. „Ich kann und will auch einfach nicht glauben, dass Remus uns so etwas antuen könnte. Außerdem kennen wir Albus. Er macht ständig irgendwelche geheimnisvollen Dinge und zieht andere dabei mit sich.“
Frank nickte zustimmend.
„Woher wollen wir aber wissen, dass er wirklich in Dumbledores Auftrag unterwegs ist?“, warf Markus ein. Daraufhin herrschte Stille. Die Ravenclaw setzte sich wieder neben ihren Freund und starrte, sowie die meisten von ihnen, zu Boden.
„Ich ... Ich kann nicht glauben, dass wir hier wirklich von Remus sprechen ...“, murmelte Nathalie.
„Ich auch nicht.“, erwiderte Sirius. Jahrelang dachte er, ihn zu kennen, besser als irgendjemand ihn jemals kennen wird – und, das soll alles nur eine Lüge sein? So wie auch vieles andere in seinem Leben?
„Du hast es doch zur Sprache gebracht.“ Peter warf seinem Gegenüber einen wütenden Blick zu. Diesmal versetzte Nathalie ihm einen kurzen Hieb gegen den Arm.
„Natty, hör auf damit. Es ist doch wahr!“
„Und wer hat bitte schön damit angefangen, wie komisch Remus sich doch verhalten würde?“
„Jetzt geht diese Zankerei wieder los ...“, murrte Daisy augenrollend.
„Leute, bitte lasst es sein.“, mischte sich nun die Rothaarige ein. „Das Thema ist jetzt nun mal da, also müssen wir uns auch entscheiden, was zu tun ist. Ohne weitere Streitereien.“ Dem ehemaligen Pärchen auf dem Sofa warf sie einen mahnenden Blick zu.
„Sollen wir ... Moony einfach darauf ansprechen?“, murmelte James zögernd und setzte sich neben Lily auf die Lehne des Sofas.
Unstimmig blickten alle sich kurz an, bevor sie nickten.
„Machst du das, Padfoot?“
Sofort wich alle Farbe aus Sirius‘ Gesicht. „Warum?“
„Du, du bist ... von uns allen, kannst du am besten mit ihm reden.“, erklärte Alice.
Der Schwarzhaarige wusste, worauf die junge Frau anspielte. Um aber nicht noch mehr Diskussionen auszulösen, gab er sich geschlagen und stimmte zu, gerade noch rechtzeitig. Ein Geräusch draußen - sowie ein Kratzen im Schlüsselloch wenige Sekunden darauf - ließ die Gruppe zusammenfahren.
„Wenn man vom Teufel spricht ...“, murmelte der Hufflepuff und erhob sich vom Platz neben seiner Schwester.
Remus war zurück.
Der Rest der Gruppe tat es dem Blonden nach und erhob sich von ihren Plätzen, noch während Remus die Haustür öffnete.
„So, alles erled- ähm, ... hey ...“ Verwirrt schaute er alle der Reihe nach an. „Ist, ist etwas passiert?“, fragte er dann zögernd und trat einen Schritt zurück.
„Kann man so sagen.“, antwortete Daisy und verschränkte die Arme.
„Moony, können wir uns kurz unterhalten, unter vier Augen?“
„Was ist denn passiert? Ist, ist irgendwer ...“
„Nein nein, so ein Gespräch wird das nicht.“, unterbrach der Dunkelhaarige und setzte sich wieder auf das Sofa. Remus blieb aber an Ort und Stelle stehen.
„Wir wollten eh gerade gehen.“ Frank warf den anderen kurz einen auffordernden Blick zu.
„Wir bringen euch noch raus.“ Lily lächelte schwach, während sie und James den anderen folgten. Stumm schritten sie an dem Werwolf vorbei.
„Okay, ähm ... habt einen schönen Abend ...“, verabschiedete sich ein verwirrter Gryffindor und winkte leicht. Dann wendete er sich wieder Sirius zu. „Was zur heiligen Hölle ist hier los?“
Doch der Ältere antwortete nicht, klopfte stattdessen auf den nun leeren Platz neben sich. Remus folgte dieser stummen Aufforderung schließlich und setzte sich seufzend neben Sirius, der sich tatsächlich kurz etwas sammeln musste; er konnte einfach noch immer nicht realisieren, dass sie dieses Gespräch führen werden.
Die beiden warteten noch wenige Sekunden, bis auch wirklich der Letzte das Haus verlassen hatte und Lily und James ins obere Stockwerk verschwunden waren.
„Remus, … hör zu, … wo warst du eigentlich gerade?“
Der Jüngere hatte mit einigem gerechnet, aber nicht mit dieser Frage. Perplex sah er Sirius an, ehe er antwortete: „Unterwegs. Dumbledore hat mir heute Morgen eine Eule zukommen lassen. Ihr wisst doch, dass er mich manchmal um einen Gefallen bittet, über den ich nicht reden darf – zu eurer eigenen Sicherheit. Er hat so viel für mich getan -“
„Was denn zum Beispiel?“ Die Frage klang schnippischer als beabsichtigt.
„Zum Beispiel, mich nicht von der Schule geschmissen. Sirius, was ist hier los? Irgendwas ist hier im Gange, ich weiß es. Bitte sage es mir doch endlich!“
„Bist du es?“ Sirius hielt diese Spannung einfach nicht mehr aus. „Bist du der Verräter?“
Entsetzt riss Remus die Augen auf. Todesstille herrschte im Wohnzimmer der Potters.
„Was? Padfoot, mach dich nicht lächerlich. Du weißt -“
„Nein, ich weiß absolut gar nichts mehr! Doch, ich weiß, dass du dich komisch benimmst, oft tagelang verschwindest und dich immer mehr distanziert. Du hast Geheimnisse, schlimme Geheimnisse und jeder im Orden hat es bemerkt. Ich frage dich also nur noch ein letztes Mal, Remus; bist du der Verräter?“
Unwissentlich hatte der Dunkelhaarige sich immer weiter in Rage geredet. Er konnte den Gedanken einfach nicht ertragen, einer von ihnen wäre ein Todesser oder einfach nur ein Spion, der seine Freunde betrügt.
„Hörst du eigentlich, was du da gerade redest? Sirius, ihr seid meine Familie! Ich könnte euch niemals etwas antun!“
„Ja, das habe ich eigentlich auch gedacht.“, spukte der Ältere nur aus.
„Aha, und was für Motivationen soll ich denn dann bitte haben? Geld, vielleicht? Einen Wohnort, eine Arbeit, ein vernünftiges Leben?“ Auch Remus sprach immer lauter. „Oder liegt es einfach nur daran, dass ich ein Werwolf bin?“
Sirius konnte nicht verhindern, dass er kurz auflachte. Schon wieder dieses Thema …
„Ja, vielleicht. Wie du schon sagtest, ihr von der Gesellschaft ausgestoßen. Du willst dich rächen, darum schleichst du dich ins Innere und vergiftest dort alles!“
„Was würde mir das denn bringen?“ Wütend sprang Remus auf, sein Gegenüber tat es ihm sofort nach. „Ihr seid alles was ich habe, was ich brauche! Sirius, was auch immer mit dir los ist; wach verdammt nochmal auf. Ich bin kein Verräter! Das schwöre ich dir hier, hoch und heilig. Bitte, glaube und vertraue mir. Du hast es früher getan, warum-“
„Weil wir uns mitten in einem gottverfluchten Krieg befinden, deswegen ist es gefährlich jemandem zu vertrauen!“, schrie Sirius. „Menschen sterben, Remus! Und warum? Weil sie verraten wurden! Und ich kann dir im Moment einfach nicht mehr vertrauen, keiner von uns kann das! Mittlerweile bereue ich es sogar, dir jemals so vertraut zu haben, wenn das“ Er deutete anklagend auf den Werwolf, „aus dir geworden ist!“
Stille.
Sirius erkannte genau, wie sehr seine Worte den jungen Mann vor ihm getroffen haben. Zurücknehmen konnte er sie aber nicht mehr; sie wurden gesagt – laut in die Welt geschrien – und sind ganz genau das, was er gerade über Remus dachte.
„Denkst du ... hältst du wirklich so wenig von mir?“
„Wenn du James und Lily, oder irgendjemandem sonst auch nur irgendetwas antust … Wir sind hier fertig, du gehörst nicht mehr hierher.“, zischte Sirius mit vor Wut blitzenden Augen, bevor er auf dem Absatz kehrt machte und schnellen Schrittes zur Treppe schritt.
„Wenn ich - wie kannst du nur?!“ Entgeistert und den Tränen nahe blickte Remus ihm nach, doch der Ältere beachtete ihn nicht.
„Woher wissen wir denn, dass du es nicht bist?!“, rief er aufgebracht. „Du bist James und Lily näher als jeder andere, entstammst einer langen Reihe von Slytherins und nun auch Todessern! Du wärst der beste Kandidat!“ Er hörte kaum was er schrie, wollte nur eine Reaktion seitens Sirius; er wollte, dass das alles nur ein Albtraum ist.
Abrupt blieb der Schwarzhaarige am Treppenabsatz stehen und drehte sich langsam um. Eine Kälte lag in seinen Augen, welche sein Gegenüber nie in ihnen gesehen hat. Jedenfalls nicht gegen ihn gerichtet.
„James weiß es.“
Damit machte er endgültig kehrt und schritt die Treppe hoch.
Remus stand entgeistert mitten im Wohnzimmer, die Tränen, die er gerade so noch zurückhalten konnte, liefen nun befreit über seine Wangen.
„Denkt ihr alle etwa so über mich?“, fragte der hochgewachsene, junge Mann laut, fuhr sich aufgebracht durch die Haare. Seine Welt zerbrach gerade in tausend Stücke. Er wusste es; er wusste, dass nicht immer alles so gut und herrlich wie in der Schule sein würde. Ihm war stets klar, wie dieses Kapitel enden würde.
„Remus?“
Lily erschien plötzlich auf der Treppe, leichenblass. „Oh Gott. Remus, bitte höre-“
Doch der Angesprochene ließ sie nicht zu Ende reden, sondern stolperte einfach an ihr vorbei, riss die Haustür auf und verschwand in die dunkle Nacht.
Ihm war egal, dass die Rothaarige seinen Namen rief und ihn bat, anflehte umzukehren.
